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Attribution: Schmidt – Gnostische Schriften in koptischer Sprache aus dem Codex Brucianus (Texte und Untersuchungen 8, 1892); public domain in Canada (death year verified: Schmidt d.1938 (en.wikipedia.org/wiki/Carl_Schmidt_(Coptologist))); OCR text by the Kemetic project, Yousef Hanna 2026.
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| 14532 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 399 |
| 14533 | auf sein eigenes drittes Buch übertragen, um dasselbe durch diese |
| 14534 | Bezeichnung jenen ältern teuyn gleichzustellen. Bei den beiden |
| 14535 | ersten aber zog er die Bezeichnung Pistis Sophia vor, um auf |
| 14536 | den Hauptgegenstand derselben, den er mit so grossem Interesse |
| 14537 | schildert, gleich von vorn herein hinzuweisen“. |
| 14538 | Soweit Koestlin. Wer mit Aufmerksamkeit unsern früheren |
| 14539 | Auseinandersetzungen gefolgt ist, wird erkennen, dass wir uns |
| 14540 | den hier vorgetragenen Ansichten nicht anschliessen können. |
| 14541 | Es ist unrichtig, dass der Verfasser den beiden ersten Büchern |
| 14542 | den Titel Pistis Sophia gegeben hat, denn das erste Buch führt |
| 14543 | überhaupt gar keinen Titel, das zweite hat die Überschrift: „Der |
| 14544 | zweite Topos der Pistis Sophia“. Ⲓⲱ koptischen Texte findet |
| 14545 | man zu dieser Stelle von Petermann folgende Notiz: „Titulus |
| 14546 | multo lucidiori atramento. Scripsit, ni fallor, recentior quidam |
| 14547 | Coptita, etsi haud dubie satis antiquus“. Hieraus ergiebt sich |
| 14548 | mit voller Evidenz, dass irgend ein späterer Schreiber diesen |
| 14549 | Titel eingefügt hat u. z. auf eigene Hand, indem er aus dem |
| 14550 | Hauptinhalt sich einen Titel zurecht konstruierte. Dies zeigt |
| 14551 | schon die unklare Fassung, denn welcher Verfasser würde wohl |
| 14552 | sein Buch mit einem Titel „zöxot der Pistis Sophia“ versehen |
| 14553 | haben? Verstehe ich diesen recht, so soll wohl mit dem ersten |
| 14554 | töx0g der Aufenthalt der P. S. in der Unterwelt, mit dem zweiten |
| 14555 | ⲧⲟ̀ⲡⲟϩ ihre Rettung aus derselben durch Jesus, ihre Versetzung |
| 14556 | in einen Topos unterhalb des dreizehnten Äons und zum Schluss |
| 14557 | ihre Einführung in ihren ursprünglichen Wohnsitz bezeichnet |
| 14558 | werden; aber damit ist der Inhalt noch lange nicht erschöpft. |
| 14559 | Wir gelangen daher mit Notwendigkeit zu dem Resultat, dass |
| 14560 | die Benennung des ganzen Buches mit dem Namen Pistis Sophia, |
| 14561 | wie sie bis heute allgemein üblich geworden ist, durchaus jeder |
| 14562 | Berechtigung entbehrt und vom Verfasser nicht beabsichtigt ge- |
| 14563 | wesen sein kann; daher hat die Behauptung von K. sehr wenig |
| 14564 | Wahrscheinlichkeit, dass der Verfasser der ersten beiden Bücher |
| 14565 | den Titel ,ⲕⲟⲟϩ teEv/Ory“ auf sein eigenes drittes Buch über- |
| 14566 | tragen habe. Die Titel des dritten und vierten Buches sind von |
| 14567 | derselben Hand, die den ganzen Kodex geschrieben hat, denn |
| 14568 | Schwartze-Petermann berichten nicht das Gegenteil, der Ab- |
| 14569 | schreiber fand sie also schon in seinem Original vor. Nun findet |
| 14570 | sich am Eingang des dritten Buches ein merkwürdiger Einschub, |
| 14571 | der, wie ich eingestehen muss, den Zusammenhang in lästiger |
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| 14572 | 400 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 14573 | Weise unterbricht; würde derselbe fehlen, so möchte er nicht |
| 14574 | vermisst werden, und das dritte Buch könnte sich unmittelbar |
| 14575 | an das vorhergehende anschliessen. Wie ist dieser Einschub ent- |
| 14576 | standen und zwar gerade an dieser Stelle? Der Text beginnt |
| 14577 | mitten in einem Satz: „und die, welche der Mysterien, die in |
| 14578 | dem Ineffabilis wohnen, würdig sind“. Der Inhalt sticht trotz |
| 14579 | aller Anklänge an p. 228. 241 von dem sonstigen Thema ab, |
| 14580 | indem die höchsten Mysterien, d. h. die Mysterien des Ineffabilis |
| 14581 | in eigentümlicher Weise hehandelt werden. Die Meinung, |
| 14582 | welche auftauchen könnte, dass diese Seiten durch irgend einen |
| 14583 | Zufall in den Kontext hineingeraten sind, u. z. aus einem später |
| 14584 | verlorenen Buche, ist sehr sonderbar und durchaus unhaltber, |
| 14585 | denn unerklärt bliebe, warum es gerade an dieser Stelle einge- |
| 14586 | schoben, ja noch unerklärter, warum uns ein abrupter Anfang |
| 14587 | vorliegt. Denn gesetzt den Fall, dass irgend ein Leser, um einige |
| 14588 | im vorhergehenden Buche gegebene Anspielungen aufzuklären, |
| 14589 | aus einem früheren Werke einen zusammenhängenden Teil aus- |
| 14590 | geschrieben hätte, so würde er doch wohl schwerlich mitten im |
| 14591 | Satze angefangen haben. Aber hat nicht Koestlin bei alledem |
| 14592 | das Richtige getroffen? Findet sich nicht am Schluss des ersten |
| 14593 | Buches ein ähnlicher, ganz unmotivierter Einschub? Zum Glück |
| 14594 | lässt sich dieser Einwand ohne Mühe entkräften, denn wie aus |
| 14595 | der Bemerkung von Schwartze: „haec verba alia addidit manus |
| 14596 | literis pulchrioribus, sed atramento minus nigro“ zu erkennen ist, |
| 14597 | gehört dieses Einschiebsel der prima manus gar nicht an. Selbet |
| 14598 | wenn diese äusseren Merkmale der Unechtheit nicht vorhanden |
| 14599 | wären, würden wir auf den ersten Blick die Hand eines späteren |
| 14600 | Interpolators erkennen. Denn einmal gehören diese Spekulationen |
| 14601 | nicht zum Ideenkreis der übrigen Bücher, andererseits hat der |
| 14602 | Verfasser uns ein zusammenhängendes Ganze mit Anfang und |
| 14603 | Ende überliefert. Hier ist auch die Ursache mit Händen zu |
| 14604 | greifen. weshalb er seine müssigen Gedanken gerade an dieser |
| 14605 | Stelle der Nachwelt überliefert hat. Er fand nämlich das letzte |
| 14606 | Blatt des ersten Buches nur auf der einen Seite beschrieben und |
| 14607 | suchte daher die letzte Seite mit seinem eigenen kabbalistischen |
| 14608 | Unsinn auszufüllen. Diese äusseren Indicien fehlen bei unserm in |
| 14609 | Frage stehenden Stücke gänzlich. Ebenso wenig kann uns die |
| 14610 | Annahme Befriedigung gewähren, dass die Überschrift ⲙⲟϩ ⲧ. X |
| 14611 | nur zu dem Fragmente am Eingang gehöre; wir müssen vielmehr |
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| 14612 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 401 |
| 14613 | einen andern Ausweg zur Lösung des Problems suchen, und |
| 14614 | dieser kann meiner Meinung nach nur der sein, dass wir annehmen, |
| 14615 | es habe ursprünglich das dritte Buch nicht mit den vorhergehenden |
| 14616 | Büchern ein Ganzes gebildet, gehöre also nicht einem Verfasser an, |
| 14617 | sondern sei erst durch Kompilation mit diesen in Verbindung |
| 14618 | gebracht. Dieses Buch, aus welchem der Redaktor schöpfte, |
| 14619 | führte den Namen: t&uyn to YwtHo0s; aus ihm hob er unsere |
| 14620 | beiden letzten Bücher heraus und gab diesen den passenden |
| 14621 | Titel: u&005 ⲧⲱ tEvXOV ⲧⲟⲟ ZwtHEOs. Freilich hat der Kom- |
| 14622 | pilator diese Manipulation ungeschickt verdeckt, denn aus irgend |
| 14623 | einer unbekannten Ursache sind noch die letzten Seiten! der |
| 14624 | vorhergehenden Abhandlung stehen geblieben. Dies bestätigt der |
| 14625 | Inhalt selbst; betrachtet man nämlich diesen etwas genauer, so |
| 14626 | zeigt sich deutlich, dass die Behauptung von K., es fehlten die |
| 14627 | Schlussworte dieses Eingangs, ganz unbegründet ist; bilden doch |
| 14628 | die Worte: „Denn die Gnosis der Erkenntnis des Ineffabilis ist |
| 14629 | es, in der ich heute mit euch gesprochen habe“ einen sehr |
| 14630 | passenden Abschluss. Dieselben lehren uns zugleich, dass einen |
| 14631 | Hauptinhalt dieser verlorenen Abhandlung die Lehre vom Inef- |
| 14632 | fabilis bildete, von dem wir in unsern Büchern eine ungenügende |
| 14633 | und unklare Kunde überliefert fanden. Auch verlangt die Ein- |
| 14634 | leitung des Verfassers der ersten Bücher gebieterisch ein anderes |
| 14635 | Werk als die beiden Bücher Jeü, da sonst gewisse Andeutungen |
| 14636 | Jesu über frühere Mitteilungen ganz unverständlich wären. |
| 14637 | Doch wird es zur Lösung dieser Hypothese noch einmal |
| 14638 | einer gründlichen handschriftlichen Untersuchnng, insbesondere |
| 14639 | aber einer erneuten Übersetzung, verbunden mit einem eingehen- |
| 14640 | den Studium des Inhaltes selbst, bedürfen. |
| 14641 | b. Der Kosmos. Die Anthropologie. |
| 14642 | Die transcendente Welt wird durch das otepg£&aOua (Firma- |
| 14643 | ment) abgeschlossen, es ist mit Vorhängen (xatanETÄOUATE) |
| 14644 | (ⲣ. 213) und Thoren versehen und von Archonten, Gewalten |
| 14645 | * (&£ovolar) und Engeln bewohnt. Dieselben bilden die niedrigsten |
| 14646 | Gestirnssphären und sind mit Banden an die ta&«g gebunden. |
| 14647 | 1 Wie ich vermute, standen diese auf einem Blatte des Arche- |
| 14648 | typus geschrieben. |
| 14649 | Texte u. Untersuchungen VII, 1, 2. ⲑⲃ |
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| 14650 | 402 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 14651 | In weiter Entfernung von ihm liegt der x6ö0gos, die Wohn- |
| 14652 | stätte der Menschheit. Auf welchem Wege derselbe entstanden |
| 14653 | ist, erfahren wir nirgends. Wenn wir aber aus den andern gno- |
| 14654 | stischen Systemen ! Rückschlüsse ziehen dürfen, so kann es keinem |
| 14655 | Zweifel unterliegen, dass auch nach Lehre der P. S. diese Welt |
| 14656 | von den Engelmächten? geschaffen ist, darum der Vergänglich- |
| 14657 | keit wieder anheimfallen wird. Denn ein Charakteristikum aller |
| 14658 | gnostischen Lehren ist der eigentümlich ausgestaltete Pessimis- |
| 14659 | mus, der sich bald in schrofferen, bald in milderen Formen aus- |
| 14660 | prägt, jene Weltanschauung, die sie zu der Erkenntnis trieb, |
| 14661 | dass die Welt kein Produkt des einen guten Gottes, sondern nur |
| 14662 | das der bösen Dämonen sein könnte. Diese pessimistische Welt- |
| 14663 | anschauung ist keine genuin gnostische, sondern tritt auch bei |
| 14664 | den ältesten Christen kräftig hervor, aber diese lebten in einer |
| 14665 | zu enthusiastischen Stimmung, um die letzten Konsequenzen zu |
| 14666 | ziehen, haben daher die Identität des Weltschöpfers und des |
| 14667 | höchsten Gottes niemals anzutasten gewagt. Der Ginosticismus |
| 14668 | zeigt an dieser Stelle deutlich seinen hellenisch-spekulativen Cha- |
| 14669 | rakter; er versuchte auf seine Weise die Lösung eines Problems, |
| 14670 | welches die denkenden Geister aller Zeiten beschäftigt hat, näm- |
| 14671 | lich unde malum et quare?? et unde homo et quomodo? (Ter- |
| 14672 | tull. de praeseript. haer. cap. VII), denn das Christentum konnte |
| 14673 | ihm dieses Rätsel keineswegs in befriedigender Weise erklären |
| 14674 | helfen. |
| 14675 | „Sehr ausführlich dagegen verbreitet sich der Verfasser über |
| 14676 | die Schöpfung des Menschen und seine Stellung im Universum. |
| 14677 | ...... Der Mensch ist dasjenige Wesen im gesammten Reiche |
| 14678 | des Daseins, welches, auf der letzten Stufe der aus Licht und |
| 14679 | Materie gemischten Schöpfung stehend, alle Kräfte, alle guten |
| 14680 | und bösen Elemente sämmtlicher über ihm befindlichen Stufen |
| 14681 | ı! Simon Magus Iren. IT, 28, 3. Menander Iren. I, 23, 5, Ⲧⲉ |
| 14682 | tullian de resurr. carnis 5. Saturnin Iren. I, 24, 1. Basilides |
| 14683 | Iren. I, 24, 4. Carpocrates Iren. I, 25, 1. (cf. Iren. II, cap. 1£). |
| 14684 | Valentin Clemens Al. Strom. II, 8. |
| 14685 | 2 Daher wird die Welt auch „Kosmos der Archonten“ (p. 281) |
| 14686 | genannt. |
| 14687 | 3 Dieses ⲡⲟⲗⲱⲑϩⲘⲏⲧⲟⲩ Entnua, wie Euseb. h. e. V, 27 sagt |
| 14688 | cf. Epiph. h. 24, 6. Tertullian adv. Marc. I, 2. |
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| 14689 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 403 |
| 14690 | in sich vereinigt, und um welches sich daher das gute und böse |
| 14691 | Princip (die Lichtwelt und die Weltherrscher) streiten, so dass |
| 14692 | die Menschheit der Boden ist, auf welchem der Kampf zwischen |
| 14693 | beiden schliesslich ausgekämpft wird. Licht und Materie, Gött- |
| 14694 | liches und Dämonisches (Archontisches) ist im Menschen zur |
| 14695 | Einheit verbunden und ebendamit zu innerem Widerstreit zu- |
| 14696 | sammengethan; dieser Widerstreit muss wie alle Disharmonie |
| 14697 | im Universum gelöst werden, aber der Mensch selbst vermag es |
| 14698 | nicht, weil er, trotz der in ihm wohnenden göttlichen und archon- |
| 14699 | tischen Kräfte, doch eben im Gegensatze zu den ⲁⲥ︦ⲟⲭⲟⲩⲅⲉϩ, zu |
| 14700 | diesen mächtigen und gewaltigen Beherrschern der Welt, das |
| 14701 | Moment der unselbstständigen Endlichkeit, das im Universum nicht |
| 14702 | fehlen durfte, darzustellen bestimmt ist; die Lösung jenes Wider- |
| 14703 | streits hängt vielmehr einzig und allein davon ab, welches der |
| 14704 | beiden Principien, das Göttliche oder das Archontische, die Macht |
| 14705 | hat, das andere zu besiegen und so auch im Menschen dem einen |
| 14706 | oder andern die Oberhand über das ihm entgegenstehende zu |
| 14707 | verschaffen“ (Koestl. S. 85f.). Zu diesem Zwecke ist eine Er- |
| 14708 | lösung durch ein höheres Wesen, d. h. Christus statuiert worden. |
| 14709 | 1. Entstehung des Menschengeschlechts. |
| 14710 | Durch den Abfall der Archonten war eine Disharmonie im |
| 14711 | Universum entstanden, Lichtteile des Urwesens waren in der |
| 14712 | Materie eingekerkert und mussten wieder ihrer Gefangenschaft |
| 14713 | enthoben werden. Zu diesem Geschäfte wurden mehrere Geistes- |
| 14714 | wesen eingesetzt, besonders Jeü und Melchisedek. Zu bestimmten |
| 14715 | Zeiten tritt daher letzterer in die Mitte der Äonenwelt und |
| 14716 | reinigt die in den Archonten befindliche Kraft, den Hauch ihres |
| 14717 | Mundes!, das Wasser ihrer Augen, den Schweiss ihrer Körper |
| 14718 | 2 Zur Vergleichung kann man die Lehre der Valentinianer von |
| 14719 | der Sophia herbeiziehen Iren. I, 4, 2: Tavrıy ϭⲱ̀ϭⲅⲉϭⲓϧ Kal 0UOlav ⲧ |
| 14720 | ⲟⲓⲥ yeyevnodas ⲣⲟⲱϭⲓⲩ, EE ⲫ 60e 6 x00Mos ϭⲱⲙϭⲧϥⲕⲉ. ’Ex tv yao |
| 14721 | ⲧⲥ ⲉ̀ⲡⲓⲟⲅϩⲟϣⲏϩ ⲧⲓ) ⲧⲱ KOOMOU Kal TOD ϧⲛⲙⲓⲟⲱϩ)ⲟ KAday ⲱⲗⲓ ⲧⲓ |
| 14722 | ⲣϧⲉϭⲓ ⲉϥϣⲟⲓ, ⲕ ⲑⲉ ⲧⲟ poßov ⲕⲁⲓ ⲧⲉ ⲙⲡϩ ⲧⲟ ⲟⲓⲡⲉ ⲧ) ⲉϯ) |
| 14723 | ̀ϭⲩϥⲕ ⲟⲓ. *ⲡⲟ ⲣⲁ ⲧⲱ̄ⲩ ⲁⲕϩⲱⲱⲩ aUTHS yeyovEvaı ⲡⲉ̄ϭϭ ⲉ̀ϧⲱⲣⲣⲟⲩ |
| 14724 | ⲟϭ ⲉⲡⲟ Öl ⲓⲟ ⲣⲉ̃ⲗⲱⲧⲟϩ ⲧⲓ) ϣⲱⲧⲉ) And ⲟ ⲧ̄ Ⲓⲥ Kal ⲧϥ |
| 14725 | Enmin eos ⲧⲉ ϭⲱⲙⲁⲧⲓⲭⲉ TO ⲭϭⲙⲟⲱ ϭⲧⲟⲓⲭⲉⲓⲕ. Cf. Clemens Al. excerp. |
| 14726 | ex script. Theod. S 45. ; |
| 14727 | ϩⲟ |
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| 14728 | 404 1V. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 14729 | und trägt das gewonnene Licht in den Lichtschatz. Das bei |
| 14730 | dieser Operation „sich abwärts senkende hylische Residuum |
| 14731 | jener Elemente“ sammeln dann die Liturgen der Archonten, |
| 14732 | und die von der eiuwpyen und ogpalox fangen es auf, |
| 14733 | machen daraus Menschenseelen, Seelen von Tieren, Reptilien, |
| 14734 | wilden Tieren und Vögeln und senden sie zum Kosmos der |
| 14735 | Menschheit (p. 34 ff). Dieses Geschäft der Entleerung und Seelen- |
| 14736 | bildung wird nun stets fortgesetzt, bis die Archonten zu schwach |
| 14737 | und ohnmächtig werden, um ihre Herrschaft noch aufrecht er- |
| 14738 | halten zu können. Als treue Gehülfen des Melchisedek beweisen |
| 14739 | sich die zapgainurtogEs der Sonne und des Mondes!, denn diese |
| 14740 | führen die hylische Hefe zu der og@algax und bereiten daraus |
| 14741 | Menschen- und Tierseelen entsprechend dem Kyklus der Ar- |
| 14742 | chonten jener oga/oa (Zodiacus) und allen oyYuata ihrer Kreis- |
| 14743 | bewegung; es besteht also nach dieser Lehre zwischen Menschen- |
| 14744 | und Tierwelt in Bezug auf die Seelensubstanz ? kein Unterschied. |
| 14745 | Auf diese Weise soll den Archonten das weniger reine Licht, |
| 14746 | welches ihnen noch immer geblieben ist, entzogen werden, um |
| 14747 | es „in niedere, der Abhängigkeit von der höheren Welt sich |
| 14748 | hesser fügende, leichter zur Bekehrung und Sehnsucht nach |
| 14749 | dem Lichtreich zu vermögende Geschöpfe, d. h. in die Mensch- |
| 14750 | heit überzuleiten und es so einst mittelst der an diese Empfäng- |
| 14751 | lichkeit des Menschen für die Wahrheit anknüpfenden christ- |
| 14752 | lichen Erlösung in die oberen Regionen, denen es ursprünglich |
| 14753 | angehört, zurückzuführen“. |
| 14754 | Anfangs waren die Archonten sich des Zweckes, welches |
| 14755 | das Urwesen verfolgte, nicht bewusst, sie dachten nur an sich |
| 14756 | selbst und wollten durch diese niederen Wesen ihre Herrschaft |
| 14757 | auf Erden begründen, aber lange konnte ihnen die wahre Ab- |
| 14758 | sicht dieses Prozesses nicht verborgen bleiben. Darum liessen |
| 14759 | ' Dass Sonne und Mond bei der Reinigung der Welt beteiligt |
| 14760 | sind, lehrten auch die Manichäer. |
| 14761 | 2 Die Lehre, dass einunddieselbe Weltseele in der ganzen |
| 14762 | Natur verbreitet. sei, findet sich auch bei den Gnostikern des Epiph. |
| 14763 | ϯaⲉr. XXVI. cap. 9., ist aber in schmutzige Handlungen umgesetst |
| 14764 | worden; doch unterscheidet sich die P. S. dadurch, dass sie die mensch- |
| 14765 | liche Seele mit. einem höheren Lichtfunken versehen sein lässt. |
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| 14766 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke, 405 |
| 14767 | sie, als ihre Kraft sehr geschwächt wurde, die Hyle ihrer Hefe |
| 14768 | nicht zum Kosmos gelangen, um Seelen zu werden, sondern |
| 14769 | drehten sich in ihrem Laufe um und verzehrten sie. Dadurch |
| 14770 | gelang es ihnen in der That, das Zustandekommen der be- |
| 14771 | stimmten Anzahl von vollkommenen Seelen und infolge dessen |
| 14772 | die Vernichtung ihrer Weltherrschaft auf eine längere Zeit |
| 14773 | hinauszuschieben. Zu diesem Zwecke tritt, wie wir sehen wer- |
| 14774 | den, der Erlöser als das Weltprincip in die Welt ein und be- |
| 14775 | reitet dem jetzigen Zustande der Dinge ein jähes Ende. |
| 14776 | Sehr ausführliche Nachrichten über die Entstehung und |
| 14777 | über die Bestandteile der menschlichen Natur erhalten wir im |
| 14778 | dritten Buche. Die gesammte Lehre vom Menschen kann eine |
| 14779 | trichotomische genannt werden, denn man betrachtet ihn als ein |
| 14780 | Kompositum von w%vy, oc@ua und vis luminis; und dies wird nun |
| 14781 | im Einzelnen sehr weitläufig auseinandergesetzt u. z. in sehr |
| 14782 | phantastisch-rationalistischer Weise, die keineswegs bei den Gno- |
| 14783 | stikern! unerhört war. |
| 14784 | Da nach Lehre der Gnostiker die Seele einer Wanderung |
| 14785 | in andere Körper unterliegt, so giebt es alte und neue Seelen. |
| 14786 | Was die ersteren anbetrifft, so geben die Archonten der grossen |
| 14787 | EinaQuEPN der alten Seele (cf. p. 338) aus dem 0xtpua der xaxla |
| 14788 | einen Lethetrank?, der mit allen verschiedenen Begierden und mit |
| 14789 | Vergesslichkeit angefüllt ist. Die nun davon trinkende Seele |
| 14790 | vergisst alle Topoi, zu welchen sie gegangen ist, und zugleich |
| 14791 | alle Strafen, deren sie teilhaftig geworden ist. Dieser Lethetrank |
| 14792 | wird zu einem besonderen, das Äussere der Seele bildenden |
| 14793 | 1 ⲃ︦. Harnack: Unters. S. 82f. |
| 14794 | 2 Die Ansicht eines Lethetrankes ist in die griechische Philo- |
| 14795 | sophie durch Plato eingeführt; der Einfluss desselben ist unverkenn- |
| 14796 | bar. Gegen diese Lehre Plato’s wendet sich Irenaeus II, 33, 2: Ad |
| 14797 | haec Plato, vetus ille Atheniensis, qui et primus sententiam hanc |
| 14798 | introduxit, quum excusare non posset, oblivionis induxit poculum, pu- |
| 14799 | tans se per hoc apvriam huiusmodi effugere; ustensionem quidem |
| 14800 | nullam faciens, dogmatice autem respondens, quoniam introeuntes |
| 14801 | animae in hanc vitam ab eo, qui est super introitum, daemone, prius- |
| 14802 | quam in corpora intrent, potantur oblivione. Irenaeus macht sich |
| 14803 | im Folgenden über diesen Einfall lustig. |
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| 14804 | 406 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 14805 | Körper, welcher der Seele in allen Gestalten gleicht und ähnelt, |
| 14806 | darum auch &yrtiwyuor zvedua (nicht xweupatos) genannt wird |
| 14807 | (cf. p. 338). |
| 14808 | Wenn es dagegen eine neue Seele ist, so nehmen die fünf |
| 14809 | grossen Archonten der grossen &iuaguE&un von dem Schweiss, der |
| 14810 | Thränenfeuchtigkeit oder dem Hauch des Mundes der Archonten |
| 14811 | einzelne Teile, kneten sie mit einander und machen Seelen daraus, |
| 14812 | u. z. legt jeder der 365 Archonten! auf diese Weise seinen Teil |
| 14813 | in die Seele. Darauf muss die Seele, um sie ihres höheren Ur- |
| 14814 | sprungs vergessen zu machen und den Keim der xaxlia in sie hinein- |
| 14815 | zulegen, den Lethetrank geniessen, der ihr von Jaluhar (p. 38) |
| 14816 | einem zagainuntNSc des Adamas, gereicht wird; dadurch entsteht |
| 14817 | das Aptiuınov ⲡⲩⲉⲟⲩⲕⲥ, das die Seele gleichsam wie ein Kleid |
| 14818 | und Hülle umgiebt und ihr in jeder Art gleicht. Dann blasen |
| 14819 | die fünf grossen Archonten und der Archon des Sonnen- und |
| 14820 | Monddiskus in die Seele hinein, und es kommt in ⲙ̃ⲑ ein Teil |
| 14821 | von Jesu Kraft? (s. o.); dies ist das höhere Element, welches |
| 14822 | den Menschen zum Bürger einer anderen Welt macht und seine |
| 14823 | Sehnsucht zu jeder Zeit auf das Licht der Höhe gerichtet sein |
| 14824 | lässt (ef. p. 130. 134. 182. 285). Ohne Zweifel geschieht dies, wie |
| 14825 | K. richtig gesehen, auf Anordnung der Lichtjungfrau, in deren |
| 14826 | Gebiet wahrscheinlich die vires aller Menschen ihre letzte For- |
| 14827 | 1 Nicht richtig ist die Behauptung von Koestlin, dass die fünf |
| 14828 | grossen Archonten allein das Ihrige hinzuthun und so ein jeder An- |
| 14829 | spruch auf ihren Besitz hat. |
| 14830 | ? Man kann hierzu wohl die xgoowgrnuat« des Basilides ver- |
| 14831 | gleichen cf. Clemens Alex. Strom. II, 20, 112 und die seines Sohnes |
| 14832 | Isidor ze9l ⲡϩⲟϭϣⲱⲟⲩϩ wurns Clem. Al Strom. II, 20, 118 p. 488. |
| 14833 | * Sehr eingehend haben sich die Gnostiker mit der Zweinaturen- |
| 14834 | lehre (göttlich-archuntisch) beschäftigt, um den Menschen für die Er- |
| 14835 | lösung empfänglich zu machen. Dieselbe Vorstellung, dass ein höherer |
| 14836 | Tichtkeim in den Menschen von einer engelfeindlichen Macht niedergelegt |
| 14837 | sei, um ihm einen festen Halt zu geben, finden wir auch bei den |
| 14838 | Ophiten Iren. I, 30, 6. Pseudo-Tertullian de praeser, haer,. LXVI |
| 14839 | und Saturnin Iren. I, 24, 1. Theodoret haer, fab. I, 3, ebenso bei den |
| 14840 | Valentinianern Iren. I, 5, 6. Clemens Al. exe, ex script. Theod. |
| 14841 | S$ 2 p. 966 und 8 53, Clemens Strom, II, 8, 38 p. 449. |
| page 423 | |
| 14842 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 407 |
| 14843 | mierung erhalten, denn zu ihr kehrt nach dem Tode die vis zu- |
| 14844 | rück (p. 284), und umgekehrt giebt sie solchen Seelen, die ins |
| 14845 | Erdendasein zurückkehren, auch ihre Lichtkraft wieder mit (p. 285). |
| 14846 | Während das Ayrtiuıuop ⲡϧⲉⲱⲏⲥ nur äusserlich der Seele an- |
| 14847 | haftet, gleichsam als Wächter für die schlechten Handlungen, |
| 14848 | befindet sich die Kraft innerhalb derselben. Das erstere binden |
| 14849 | die Archonten mit ihren Siegeln und Banden an dieselbe, damit |
| 14850 | es sie zwingt, ihre zx&9n und dvouları zu jeder Zeit zu verrichten, |
| 14851 | auf dass dieselbe ihnen dient und in der Uxoray“ zu ihnen |
| 14852 | bleibt (ⲣ. 343 ff), Auf diese Weise verbleiben die Menschen- |
| 14853 | seelen ihr Eigentum und werden nach dem Tode wieder in den |
| 14854 | Kosmos geschickt. Die Archonten, die Eltern der Seele (p. 341. |
| 14855 | 342), übergeben nun dieses mixtum compositum ihren 365 Li- |
| 14856 | turgen, zugleich mit dem Befehl, diesen Typus in den Körper der |
| 14857 | Hyle des Kosmos zu legen, ⲟ. h. in den dyrtituvros (p. 345. |
| 14858 | Ihrem Befehle gemäss führen die 365 Liturgen die drei Teile: |
| 14859 | „Kraft, Seele und dyriuwuop xvetua“ hinab zum Kosmos, aber |
| 14860 | unterwegs treffen sie die Archonten der Mitte, welche noch als |
| 14861 | viertes Element die ⲕⲟⲓⲥ (ⲃ. 0.) hinzufügen. Darauf geht die |
| 14862 | Bekleidung der Seele mit dem ϭⲱϥ viıxöpy der Archonten vor |
| 14863 | sich, d. h. die Ausgeburt ins leibliche Dasein. Die Liturgen |
| 14864 | der Sphära mischen alle vier Elemente, machen zwei Teile daraus |
| 14865 | und geben, wenn sie einen Mann und eine Frau im Kosmos ge- |
| 14866 | funden haben, welche durch Zeichen kenntlich gemacht sind, |
| 14867 | einen Teil dem Manne und einen Teil der Frau in einer Nahrung |
| 14868 | des Kosmos, oder dem Hauche der Luft oder Wasser oder in |
| 14869 | irgend einem «dos, welches sie trinken?. Sobald dies geschehen |
| 14870 | ist, werden sie durch die Liturgen insgeheim gezwungen, mit |
| 14871 | einander in einer ϭⲱⲙⲣⲱⲱⲓ des Kosmos zu dvuqwpely, mögen |
| 14872 | sie auch noch so sehr von einander entfernt wohnen. Die Em- |
| 14873 | 1 Die Seele des Menschen wird also prüexistent gedacht, der |
| 14874 | irdische Körper ist nur die äussere Hülle, das vestimentum pelliceum |
| 14875 | /p. 150), der yırmv deguatıvOs (Genes, 3, 21) in den Excerpt. ex script. |
| 14876 | Theod. ⲃ 55 p. 982; schon Justin kämpfte gegen diese Auslegung |
| 14877 | in seinem A6yos ⲡⲉϩ dvw«otAGEwS ⲥ Procopius ⲅ. Gaza comm. ad Genes. |
| 14878 | VM (bei A. Mai Class. auct. e Vat. codd. VI, p. 204). |
| 14879 | 2 Genauere Angaben werden auf eine spätere Zeit verschoben. |
| page 424 | |
| 14880 | 408 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 14881 | pfängnis geht in der Weise vor sich, dass das im Manne befind- |
| 14882 | liche dprigıuor ⲡⲙⲉ zu dem Teile kommt, welcher dem |
| 14883 | Kosmos in der Hyle seines Körpers anvertraut ist, dieser stöset |
| 14884 | es (das ⲉⲧ. x7.) in den Mutterleib der Frau, welches dem ox£oua |
| 14885 | der xaxia! anvertraut ist. Sofort gehen die 365 Liturgen? in |
| 14886 | den Leib, wohnen in ihm, führen beide Teile zu einander, nehmen |
| 14887 | das Blut aller Nahrung, welche die Frau essen und trinken wird, |
| 14888 | in Besitz und halten sich in ihr 40 Tage auf. Dann mischen |
| 14889 | sie das Blut der Kraft der tovgpal in dem Mutterleibe und |
| 14890 | bauen während 30 Tage die Glieder nach dem Bilde des mensch- |
| 14891 | lichen Körpers, ein jeder eins von diesen. Ist der Körper fertig, |
| 14892 | so rufen die Liturgen in denselben zuerst das ⲉⲱⲅ[ϣⲉⲙⲟⲙ KYEÖNG, |
| 14893 | 1 Die Zeugung gilt schon als Sünde, dies ist die Lehre der |
| 14894 | meisten Gnostiker. |
| 14895 | 2 Die Zahl von 365 Himmeln ist eine besonders dem basilidianischen |
| 14896 | System charakteristisache Lehre, die noch den alten Zusammenhang |
| 14897 | mit der Astrologie deutlich zeigt, wie es schon Irenaeus bemerkt hat |
| 14898 | (Iren. I, 24, 7. Von ihm aus haben auch die späteren Valen- |
| 14899 | tinianer die Zahl aufgenommen (Epiph. haer. 81, 4), ebenso die „Gno- |
| 14900 | stiker“ (Epiph. haer. 26, 9). Sehr interessant aber ist die Stelle |
| 14901 | aus Epiph. haer. 24, 7 über Basilides: Elta &vreüdev, ϥ⳪) ⲕⲁ 6 |
| 14902 | &vdgwros Eyeı TOLKKOCLA ⲕⲟⲧϥ ⲡⲓⲧⲉ ϣⲉ), GE ⲟϭ ⲧⲱ Ϩⲱⲩⲥ̀ⲕⲉⲱⲓ |
| 14903 | ⲉ̀ⲡⲟⲩ̃ⲕⲉϭⲑⲁⲓ ⲉ ⲕⲉⲗⲟϩ. ⲞⲐⲉⲩ ⲕⲁ) Ev ⲅⲟⲱⲧϣ ⲡϧⲡⲧⲱⲭⲉⲛ AUTO N ⲕⲉϧⲉⲩⲟ‐ |
| 14904 | ⲙⲉⲩ ⲕⲁⲓ vöBos ⲟⲓⲁϭⲕⲁⲗ E&v yAg ⲧϣ ̀ϧⲐϩⲱ̀ⲡϣ ⲃⲟⲧ td’ mein. Statt |
| 14905 | ⲉⲙ lesen die meisten Herausgeber ⲉ Schwierigkeit bereitet die An- |
| 14906 | sicht des Epiph., dass der Mensch aus 364 Gliedern bestehe; daher |
| 14907 | hat Petavius ⲉ in ⲟ ändern wollen und rt&8’ in ⲓ „non esse 365 |
| 14908 | membra“, Dies ist aber durchaus unstatthaft, weil dann der Rhythmus |
| 14909 | des (Giedankens gestört würde, denn vorher heisst es: Özıxvuvres dr |
| 14910 | ⲁⲧⲟⲩ (sc. Aßouwo«E) to ⲉϥⲉⲓ) ⲧⲟ̀ EvLavtOV TQLEKOCLOV Ein xovtn ⲡⲟⲧⲉ |
| 14911 | ⲛ̃ⲏⲉⲑⲱ̀ⲩ AyLduOV ⲭⲁⲧ ⲡⲉϩⲓⲟⲑⲟⲓ. ITkrrwxe dl ⲁⲱⲧⲟⲱ 6 AnNQwWENG Aoyos. |
| 14912 | Evoloxereı ⲣⲉϩ ⲟ ⲉⲙⲟⲱⲧⲟϩ ⲧϩⲓⲟⲕⲟϭⲓⲱⲩ EEnKovta ⲡⲱⲧⲉ NMEQNV ⲕⲉ ⲱ̀ϩⲱⲙ |
| 14913 | ⲧⲫⲓⲱ︦. Daraus ist zu schliessen, dass die Behauptung von 8364 Glie- |
| 14914 | dern die Basilidianer widerlegen soll, oder dürfen wir hierin eine |
| 14915 | Ironie erblicken? Denn so weit mir bekannt, ist niemals eine der- |
| 14916 | artige Ansicht im Altertum aufgestellt worden, nur Elias Thisbi soll |
| 14917 | nach Petavius 248 Glieder angenommen haben. |
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| 14918 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 409 |
| 14919 | dann die Seele, in diese das u/yua der Kraft und ausserhalb von |
| 14920 | ihnen allen die ⲙⲟⲓ. Sodann siegeln die Liturgen alle an |
| 14921 | einander mit den Siegeln, welche sie von den Archonten empfangen |
| 14922 | haben: den Tag, an welchem sie in der Frau wohnten, in die |
| 14923 | linke Hand des x2äcya, in die rechte den Tag der Vollendung |
| 14924 | des Körpers, den Tag der Übergabe der Bestandteile von seiten |
| 14925 | der Archonten in die Mitte des Schädels, den Tag des Heraus- |
| 14926 | gangs der Seele aus den Archonten in den Schädel, den Tag, |
| 14927 | an welchem sie die Glieder gemischt und zu einer Seele getrennt |
| 14928 | haben, in den rechten Schädel, den Tag der Anknüpfung des |
| 14929 | artiuınop ⲡϧⲉⲩⲩⲙⲥ hinten am Kopf, den Tag, an welchem sie |
| 14930 | die Lichtkraft in den Körper geblasen haben, in das Gehirn und |
| 14931 | in das Herz, die Zahl der Jahre des Lebens an die Stirn. Darauf |
| 14932 | übergeben die Liturgen das ganze {dıoy der Siegel den &otrator |
| 14933 | Archonten, die den Strafen vorgesetzt sind, jene wiederum ihren |
| 14934 | zaQalnuUKTAL, damit diese die Zeit wissen, wann sie die Seele |
| 14935 | aus dem Körper führen sollen und wann die Geburt gewesen ist, |
| 14936 | auf dass sie ihre Liturgen senden, die der Seele folgen und |
| 14937 | Zeugnis für die begangenen Sünden ablegen. |
| 14938 | Nach Erfüllung ihrer olxovouia weichen die Liturgen zu- |
| 14939 | rück, um ihr Geschäft von neuem zu beginnen. Bel der Geburt |
| 14940 | des Kindes ist in ihm das uzyua der Kraft, die Seele und das |
| 14941 | &ptiucuov ⲡϧⲉⲟⲩⲙⲥ gering, gross dagegen die ⲕⲟⲓ, welche den |
| 14942 | Menschen bis zu seinem Tode begleitet, und deren einzige Auf- |
| 14943 | gabe darin besteht, für die Menschen den ihnen durch die |
| 14944 | Archonten der grossen eiuapuErn bestimmten Tod herbeizuführen. |
| 14945 | So sind in dem Menschen die Keime der bösen Natur angelegt, |
| 14946 | er steht ganz unter dem Einfluss der &iuagu&rn!. In dem ersten |
| 14947 | Kindesalter? tritt die böse Natur noch nicht hervor, da das |
| 14948 | Unterscheidungsvermögen von Gutem und Bösem fehlt, aber da |
| 14949 | der Körper zu seiner Existenz und Fortentwicklung der Nahrung |
| 14950 | bedarf, so nimmt das hylische Element an Umfang zu, denn die |
| 14951 | Nahrung ist ein Produkt der Archonten und birgt die Sünde in |
| 14952 | sich. Infolge dessen werden die Kraft, die Seele und das «prti- |
| 14953 | 1 Man erkennt hier deutlich den Einfluss der griechischen Vor- |
| 14954 | stellung von ⲙⲟϩ und &iuaguErn. |
| 14955 | 2 S. Harnack, Unters. etc. S. 75f. |
| page 426 | |
| 14956 | ⲩ ϫ ϫ -- ----.. ...ⲛ |
| 14957 | 410 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 14958 | LMOP ⲡⲉⲙ gross, und jede von diesen nimmt entsprechend |
| 14959 | seiner Natur wahr, die Kraft! forscht nach dem Lichte der Höhe, |
| 14960 | die Seele nach dem Topos der dıxaı000rn, d. h. dem dreizehnten |
| 14961 | AÄon, und das dprtiyınop. ϫⲉⲟⲩⲕ nach allen Schlechtigkeiten, Be- |
| 14962 | gierden und Sünden. Letzteres hat das Übergewicht, zwingt als |
| 14963 | Feind die Seele, fortwährend in Sünden zu wandeln, und reizt |
| 14964 | die &0valoı Liturgen, von den begangenen Sünden sorgfältig |
| 14965 | Notiz zu nehmen, um nach dem Tode gegen dieselbe Anklage |
| 14966 | erheben zu können. Denn selbst der Tod befreit den Menschen |
| 14967 | nicht von ihrer Knechtschaft, es kommen nämlich die zxagalijp- |
| 14968 | xTaı &0mvaloı (ⲣ. 227. 234. 235. 287 ff.), führen die Seele aus dem |
| 14969 | Körper und wandeln mit derselben drei-Dage in allen Topoi, |
| 14970 | um ihr alle Äonen der‘ Welt zu zeigen; das ayrluınov ϫⲱⲉⲟ |
| 14971 | folgt ihren Spuren, während die Lichtkraft zur Lichtjungfrau |
| 14972 | zurückgeht. |
| 14973 | Nach Verlauf dieser Zeit führen sie die Seele hinab zum |
| 14974 | Amente und zum Chaos — vorausgesetzt, dass sie nicht gleich |
| 14975 | in den untersten Strafort versetzt wird — und übergeben sie |
| 14976 | ihren Peinigern, sie selbst aber begeben sich wieder an ihr altes |
| 14977 | Geschäft. An ihrer Stelle wird nun das dptiuepop xveÜna der |
| 14978 | xaQainurTNS der Seele, um sie wegen der begangenen Sünden |
| 14979 | anzuklagen und bestrafen zu lassen. Ist dies geschehen, so führt |
| 14980 | es sie nach oben zu dem Wege der Mitte, hier fragen die Ar- |
| 14981 | chonten nach den Mysterien der yoga; da sie dieselben nicht |
| 14982 | gefunden hat, wird sie bestraft, Zum Schluss bringt das Apr. xy. |
| 14983 | die Seele auf Befehl Jed’s vor den Richterstuhl der Lichtjungfrau; |
| 14984 | dieselbe erkennt sie als eine sündige Seele, teilt ihr die Licht- |
| 14985 | kraft mit, damit sie aufrecht stehen kann, und übergiebt sie einem |
| 14986 | ihrer zxagalyırtaı, der sie in einen Körper stösst, welcher der |
| 14987 | von ihr begangenen Sünden würdig ist (p. 281 ff.). |
| 14988 | I Unverkennbar tritt an dieser Stelle die trichotomische Anlage |
| 14989 | des Menschen, wie sie sich insbesondere schroff in den valent. Systemen |
| 14990 | zu erkennen giebt, hervor, d, h. die Einteilung der Menschen in |
| 14991 | TvEvLATIKOL, ⲯⲱⲭⲓϫⲟ4 und zoixol (Ulıxol), aber den fatalistischen Zag |
| 14992 | hat die P. 5. vermieden, da sie allen Menschen dieselbe Naturanlage |
| 14993 | zuteil werden lässt, sie nähert sich mehr der christlichen Lehre, die |
| 14994 | die gesammte Menschheit der Erlösung teilhaftig werden lässt, |
| page 427 | |
| 14995 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 411 |
| 14996 | Ergänzend tritt das vierte Buch ⲣ. 379 ff. hinzu, wo uns in |
| 14997 | auistischer Weise und mit einem ganz katholischen Gepräge |
| 14998 | e Strafen der Seelen für bestimmte Sünden geschildert werden. |
| 14999 | 1) Das Schicksal eines Fluchers ! ist, dass seine Seele in dem |
| 15000 | mente sechs Monate und acht Tage gepeinigt wird, ebenso im |
| 15001 | 1808 und von jedem Archonten des Weges der Mitte. Die |
| 15002 | ıngfrau richtet sie, übergiebt sie bei Wendung der Sphära? |
| 15003 | ren xapalnurtAaL, die sie in die Äonen der Sphärs stossen. |
| 15004 | ie Liturgen der Sphära führen sie heraus zu einem unterhalb |
| 15005 | ⲃ Sphära befindlichen Wasser, wo sie von einem wallenden |
| 15006 | zuer gereinigt wird. Dann giebt ihr Jaluha, der xapal. des |
| 15007 | damas, den Lethetrank, und sie wandert in einen Körper, dessen |
| 15008 | erz beständig betrübt ist. |
| 15009 | 2) Schicksal eines beständigen Verleumders (xatalalcr). |
| 15010 | ⲉ seine Zeit durch die Sphära vollendet ist, so holen ihn |
| 15011 | biuth und Charmon?, die xapgainurtaı des Ariel, aus dem |
| 15012 | ⲣⲉⲅ, führen seine Seele drei Tage umher, um sie über die |
| 15013 | 3schöpfe des Kosmos zu belehren, dann zum Amente zum Ariel, |
| 15014 | 3lcher sie 11 Monate 21 Tage peinigt, darauf zum Chaos zu |
| 15015 | Jdabaoth und seinen 49 Dämonen, — jeder von diesen geisselt sie |
| 15016 | it feurigen Peitschen, quält sie in feurigen Flüssen und bro- |
| 15017 | Inden Flammenmeeren wiederum 11 Monate 21 Tage, — zuletzt |
| 15018 | den Archonten der Mitte; hier geschieht dasselbe wie oben. |
| 15019 | 3) Strafe eines Mörders. Seine Seele holen die xapgainurtAaL |
| 15020 | ⲃ Jaldabaoth, binden sie mit ihren Füssen‘ an einen pferde- |
| 15021 | pfigen Dämon, der mit ihr drei Tage im Kosmos wandelt, |
| 15022 | hren sie zu den Örtern der Kälte und des Schnees, um drei |
| 15023 | 1 Ⲓ der vorhergehenden Lücke war, wie man auf Grund von |
| 15024 | 366 schliessen kann, das Schicksal eines Jähzornigen beschrieben. |
| 15025 | 2 Hier zeigt sich wiederum die astrologische Grundlage, die |
| 15026 | ırstellung, dass die Sterne bei der Geburt des Menschen beteiligt |
| 15027 | ⲓ und auf ihn einwirken. cf. Clem. exc. ex scr. Theod. 8 25. ⲡ |
| 15028 | ⲛ̃ϧⲱⲩ (sc. t@v 12 ⲱⲱ) ⲓ yEvecıs dıomeitar cf. $ 70. 71 und die |
| 15029 | ısichten eines Tertunllian de anima c. 37 und Clemens Al. ecl. ex ser. |
| 15030 | »ph. $. 50. |
| 15031 | 3 Dies sind die vorher genannten ⲡϩⲁⲗ]ⲕⲡⲧ⳪ⲓ Egivaior. |
| 15032 | 1 Die Seele wird also noch körperlich gedacht. |
| page 428 | |
| 15033 | 412 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 15034 | Jahre und 6 Monate gequält zu werden, dann zu dem Chaos des |
| 15035 | Jaldabaoth und seiner 49 Dämonen, darauf zum Chaos zu der |
| 15036 | Persephone und schliesslich zu den Archonten der Mitte. Die |
| 15037 | Lichtjungfrau lässt sie. bei Wendung der Sphära in die äusserste |
| 15038 | Finsternis stossen, damit sie vernichtet werde. |
| 15039 | 4) Strafe eines Räubers. Nach seinem Tode führen die |
| 15040 | xagainurtAaı des Adonis die Seele zum Amente des Ariel, wo |
| 15041 | sie 8 Monate 8 Tage und 2 Stunden gepeinigt wird, zum Chaos |
| 15042 | des Jald. und seiner 49 Dämonen und zum Wege der Mitte. Bei |
| 15043 | der Palingenesie wird sie in den Körper eines Lahmen, Krüppels |
| 15044 | oder Blinden gestossen. |
| 15045 | 5) Das Schicksal eines Hochmütigen. Die xagQal. des |
| 15046 | Ariel bringen die Seele zum Amente des Ariel, der sie 2U Monate |
| 15047 | straft, etc. |
| 15048 | 6) Schicksal eines Lästerers. Seine Seele führen die xagal. |
| 15049 | des Jaldabaoth, binden seine Zunge an einen grossen pferde- |
| 15050 | köpfigen Dämon, bringen sie nach dem Ort der Kälte und des |
| 15051 | Schnees zu elfjähriger Pein, zum Jaldabaoth und sofort in die |
| 15052 | äusserste Finsternis, in der die Seele verzehrt wird. |
| 15053 | 7) Ganz dieselbe Strafe erleidet die Seele eines Päderasten, |
| 15054 | die im Chaos während 11 Jahre durch Feuerfiüsse und Pech- |
| 15055 | meere, die mit schweineköpfigen Dämonen angefüllt sind, gequält |
| 15056 | wird und sodann in die äusserste Finsternis gelangt. | |
| 15057 | 8) Die härtesten Qualen warten einer bestimmten Sorte |
| 15058 | Menschen! wegen ihrer exorbitanten Unsittlichkeit, denn sie |
| 15059 | werden olıne Gnade zu der äussersten Finsternis gebracht, an |
| 15060 | einen Ort, in dem kein Erbarmen noch Licht herrscht, sondern |
| 15061 | Heulen und Zähneklappern 2. |
| 15062 | Sehr bezeichnend für den ethischen Standpunkt der P. ⲃ |
| 15063 | ist der Umstand, dass sie zwischen groben und leichten Stindern |
| 15064 | unterscheidet und in ausgleichender Gerechtigkeit den ersten |
| 15065 | ewige Verdamnmnis, den letzteren 3 nur vorübergehende Strafen zu- |
| 15066 | 1 cf. Harnack, Unters, etc. . 68f. |
| 15067 | 2 Man vergleiche die neutestamentliche Vorstellung von der |
| 15068 | Hölle Matth, 8, 12 ete.: of 1 zug ⲃϭⲓⲗⲉⲒϩ EEekeugovras eig ⲛ |
| 15069 | ϭⲕⲟⲧⲟϩ ⲧ EEwrEg0v* Exel ⲉⲧⲁⲓ ⲟ ⲕⲗⲁⲱⲑⲏⲟϩ xal 6 Pouyuds ⲧⲱⲙ Sdovrwr. |
| 15070 | 5 Dies ist auch die Ansicht der orthodoxen Kirchenlehrer. |
| page 429 | |
| 15071 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 413 |
| 15072 | erkennt; in dieser Beziehung hat sie ihre Ethik streng durch- |
| 15073 | geführt, da uns auch in dem dritten Buche! dieselbe rigorose |
| 15074 | Haltung entgegentritt. |
| 15075 | c. Die Unterwelt. |
| 15076 | Aus den eben angeführten Erörterungen wird schon deutlich |
| 15077 | geworden sein, dass diese Gnostiker ihre Unterwelt wieder in |
| 15078 | drei Regionen zerfallen lassen: Amente, Chaos und äusserste |
| 15079 | Finsternis. Zugleich ersieht man den unglaublichen Synkretis- |
| 15080 | mus, den sie beim Ausbau ihres phantastischen Systems zu Hilfe |
| 15081 | nahmen. Ein Ort der Qual konnte ihnen nicht genügen; aber |
| 15082 | woher sollte man die zwei übrigen nehmen? Ohne viel Skrupel |
| 15083 | benutzte man die Nomenklatur der Unterwelt aus den verechie- |
| 15084 | denen Völkern, ohne sich bewusst zu sein, dass dies nur ver- |
| 15085 | schiedene Namen für einunddieselbe Sache sind. So stellte man |
| 15086 | den Amente der Ägypter, das Chaos der Griechen und das oxdtos |
| 15087 | ⲧ 8E0TEQOV der Juden unvermittelt neben einander. |
| 15088 | Im Amente herrscht Ariel (p. 255 f. 380. 383) mit seinen |
| 15089 | aQaiNUXTAL und Strafgeistern; ein Ort, der durch Feuerströme |
| 15090 | und Flammenmeere furchtbar ist (p. 255 f.); das hier befindliche |
| 15091 | Feuer ist neunmal gewaltiger als das im Kosmos (p. 324). |
| 15092 | Schon furchtbarer ist das Feuer im Chaos oder im „grossen |
| 15093 | Chaos“ (p. 324), in welchem Jaldabaoth mit seinen 49 Dämonen |
| 15094 | herrscht (p. 257. 380. 382. 383. 385). Derselbe ist ein Archon mit |
| 15095 | Löwengesicht, dessen eine Hälfte Flamme, dessen andere Hälfte |
| 15096 | Finsternis ausmacht (p. 47), neben ihm steht wahrscheinlich als |
| 15097 | weibliches Gegenbild die Persephone; ob auch Adonis, ist frag- |
| 15098 | lich, vielleicht gehört dieser zum Amente. In diesem Orte sind |
| 15099 | schreckliche Feuerströme, Flammen- und Pechmeere, die mit |
| 15100 | drachen- und schweineköpfigen Dämonen angefüllt sind. Auch |
| 15101 | Jaldabaoth hat seine ⲡϭⲣϭⲗⲙⲡⲧϭⲓ (ⲣ. 382. 385) und Liturgen |
| 15102 | (p. 257). |
| 15103 | Der Ort der Verdammnis ist die „äusserste Finsternis“ ⲣ. 31 |
| 15104 | 319 ete.), der „grosse Archon mit dem Drachengesicht, welcher |
| 15105 | die Finsternis umgiebt“ (ⲣ. 385. 258). Derselbe wird ⲣ. 31 |
| 15106 | genauer beschrieben: Dieser Drache hat nämlich seinen Schwanz |
| 15107 | 1 ef. Harnack s. o. ⲑ. 67f. |
| page 430 | |
| 15108 | 414 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 15109 | in seinem Munde, der sich ausserhalb des ganzen Kosmos be- |
| 15110 | findet und diesen ganz umgiebt. In ihm befinden sich zwölf |
| 15111 | Tauısla als Topoi der xploers, in jedem derselben ist ein Archon. |
| 15112 | Der Archon des ersten tagt. hat ein Krokodilsgesicht ! (ef. p. 257), |
| 15113 | mit seinem authentischen Namen ⲉⲗⲟ genannt; aus seinem |
| 15114 | Munde kommen Frost, Staub, Kälte und alle Krankheiten; seinen |
| 15115 | Schwanz hat er im Munde. Der Archon des zweiten rtay.: Xagayat |
| 15116 | hat ein Katzengesicht, apyaowy im dritten ray. ein Hundegesicht, |
| 15117 | ⲥⲭⲣⲱⲗϭⲣ im vierten tray. ein Schlangengesicht, «apgyovo im fünften |
| 15118 | Tau. hat das Gesicht eines schwarzen Stieres, Aayyapoog im |
| 15119 | sechsten ⲧϣ. das eines Bergschweines, 40vxag im siebenten tar. |
| 15120 | das eines Bären, ⲥⲟⲥⲱⲗ im achten ⲧⲕ. das eines Geiers, ϩⲭⲉⲱ) |
| 15121 | im neunten ⲧⲕ. das eines Basilisken; im zehnten rag. befinden |
| 15122 | sich viele siebenköpfige Drachen, ihr Oberhaupt heisst Saguapny |
| 15123 | ebenso befinden sich im elften tray. viele katzenköpfige Archonten, |
| 15124 | jeder hat sieben Köpfe, ihr grosses Oberhaupt ist ⲟⲱⲗϭϩ: im zwölften |
| 15125 | Tau. sind sehr viele Archonten mit sieben Hundeköpfen, der |
| 15126 | Herrscher ist yonuaomo. Ein jeder von diesen im Drachen be- |
| 15127 | findlichen Archonten hat stundenweise einen Namen und wechselt |
| 15128 | auch stundenweise sein Gesicht, aber, obwohl diese Namen ver- |
| 15129 | schieden sind, bilden doch alle ein Ganzes, denn sobald man |
| 15130 | einen Namen nennt, nennt man sämmtliche Namen. KEin jedes |
| 15131 | Tau. hat ein Thor, welches nach oben hin geöffnet ist, an jedes |
| 15132 | derselben hat Jeü einen Engel der Höhe als Wächter aufgestellt, |
| 15133 | damit nicht der Drache nebst seinen Archonten die Weltordnung |
| 15134 | durch seine Unbändigkeit vernichte. Auch an dieser Stelle er- |
| 15135 | kennen wir klar die astrologische Grundlage, denn der Drache |
| 15136 | mit seinen zwölf rayuızza ist nichts weiteres als die zwölf Stunden |
| 15137 | der Nacht. Dies bestätigt p. 335, denn wenn die Sonne scheint, |
| 15138 | so bedeckt sie die Finsternis des Drachen, geht sie aber unter, |
| 15139 | ⲃⲟ verschleiert der Drache die Sonne, und der Hauch der Finsternis |
| 15140 | 1 Auch in dem ophitischen System, welches uns Orig. cont. Cels. |
| 15141 | VI, c. 30 schildert, treten uns Dämonen mit Tierköpfen entgegen: |
| 15142 | Michael der löwenförmige, Suriel der stierförmige, Raphael der |
| 15143 | schlangenförmige, Gabriel der adlerförmige, Thauthabaoth der bäres- |
| 15144 | förmige, Erataoth der hundsköpfige, Thaphabaoth oder Onoel der esels- |
| 15145 | köpfige. cf, Orig. 1. ce. VI. 40. |
| page 431 | |
| 15146 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 415 |
| 15147 | dringt wie ein Rauch in der Nacht in die Welt ein; daher könnte |
| 15148 | der Kosmos, sobald die Sonne ihre Strahlen einziehen würde, |
| 15149 | die Finsternis des Drachen in seiner wahren Gestalt nicht er- |
| 15150 | tragen, sondern müsste sogleich untergehen. |
| 15151 | Diese drei Straförter gehören nicht mehr der transcendenten |
| 15152 | Welt an, sie müssen vielmehr unterhalb oder den Kosmos rings- |
| 15153 | um umgebend gedacht sein. Über den Ursprung der Höllen- |
| 15154 | geister können wir nichts Genaueres sagen, da merkwürdiger |
| 15155 | Weise nirgends davon die Rede ist. Betrachtet man aber das |
| 15156 | vierte Buch, so wird man mit Bestimmtheit behaupten können, |
| 15157 | dass diese Wesen ursprünglich im Universum noch nicht be- |
| 15158 | standen haben, erst der Abfall der Engel hat sie an diesen Ort |
| 15159 | versetzt, da sie wahrscheinlich die schlimmsten unter allen waren. |
| 15160 | Dies geben uns die beiden Bücher Jeü an die Hand, da denselben |
| 15161 | noch gar nichts von diesen schrecklichen Regionen bekannt ist, |
| 15162 | ja Jaldabaoth noch in der Äonenwelt ansässig ist. Nur auf einem |
| 15163 | einzigen Blatte, welches auf Grund unserer obigen Erörterungen |
| 15164 | ursprünglich mit keinem der beiden gnostischen Werke in Zu- |
| 15165 | sammenhang gestanden hat, finden wir eine Erwähnung der Ar- |
| 15166 | chonten der Mitte und zwar nur auf der verso-Seite des betreffen- |
| 15167 | den Blattes (P. 88). Leider ist dieselbe sehr lückenhaft über- |
| 15168 | liefert, nur so viel erkennt man, dass die Seele, um von den |
| 15169 | furchtbaren Qualen befreit zu werden, den Verderben bringenden |
| 15170 | Gewalten der Mitte das Mysterium ihrer Furcht! giebt. So giebt |
| 15171 | sie einem Archonten, — sein Name ist nicht erhalten —, wel- |
| 15172 | cher sie raubend hinweggetragen hat?, das Mysterium der Furcht |
| 15173 | ⲍ] dann gelangt sie zu der Taxis der Paraplex, die auf dem |
| 15174 | Wege der Mitte ausgebreitet ist — ein weiblicher Archon wie |
| 15175 | in der P. 8. s. 0. —, das Mysterium ihrer Furcht ist ayow..... |
| 15176 | darauf zum Typhon*® (ebenfalls in der P. S. ⲃ. 0) Von hier aus |
| 15177 | 1 In derselben Weise heisst es P. S. p. 294: „Wenn die Seele |
| 15178 | zu dem Topos der Archonten des Weges der Mitte kommt, dann |
| 15179 | treten die Archonten des Weges der Mitte vor sie in sehr grosser |
| 15180 | Furcht, und die Seele giebt ihnen das Mysterium ihrer Furcht.“ |
| 15181 | 2 Derselbe Ausdruck „otegeciums auferre“ wird ⲣ. 262 bei den |
| 15182 | Archonten der Mitte gebraucht. |
| 15183 | 3 Der im Text verstümmelte Name muss m. E. zu Typhon er- |
| 15184 | gänzt werden. |
| page 432 | |
| 15185 | 416 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 15186 | raubt sie Jachthanabas (cf. P. S. 6.) derselbe ist ein gewaltiger |
| 15187 | Archon, der von Zorn angefüllt ist und der dı@doyoc ! des Ar- |
| 15188 | chon der äusseren Finsternis genannt wird. Das Mysterium |
| 15189 | seiner Furcht ist av7oveßowad oa. |
| 15190 | Damit hört das Verständnis des Textes auf, aber wir haben |
| 15191 | erkannt, dass dieses Blatt viel näher steht der P. S. als den |
| 15192 | beiden Büchern Jen. Zugleich muss uns auch klar werden, durch |
| 15193 | welchen Umstand dieses Blatt in den Kodex Brucianus gekommen |
| 15194 | ist, nämlich, um es kurz zu sagen, dadurch, dass es als ein Frag- |
| 15195 | ment aus einem Werke einundderselben Sekte von dem Sammler |
| 15196 | der Aufbewahrung für würdig gehalten wurde. |
| 15197 | Der Mensch hat also jegliche Selbständigkeit verloren, er |
| 15198 | ist als Kind der Archonten diesen ganz zugethan, seine sittliche |
| 15199 | Freiheit ist dahin, seine Seele, in diesen verabscheuenswerten |
| 15200 | Körper gefesselt und eingekerkert, steht unter der „dira necessitas“ |
| 15201 | oder &iuaQguErpn; trotz des höheren Lichtfunkens kann sie sich |
| 15202 | ihrer Fesseln nicht entledigen und ist daher rettungslos dem Ver- |
| 15203 | derben preisgegeben, wenn nicht Hülfe von einer höheren Macht |
| 15204 | naht. Welchen nachteiligen Einfluss eine solche Weltanschauung |
| 15205 | auf das sittliche Leben haben musste, lehrt die Geschichte des |
| 15206 | Gnosticismus selber und hat von allen Seiten die heftigste Polemik |
| 15207 | hervorgerufen. |
| 15208 | Freilich suchten die Gnostiker ihren pessimistischen Stand- |
| 15209 | punkt in Bezug auf die Menschenseele dadurch zu mildern, dass |
| 15210 | sie aus der griechischen Philosophie? die Lehre von der Seelen- |
| 15211 | wanderung entnahmen; dies kehrt auch in der P. S. wieder. |
| 15212 | Denn nicht ewig wird die sündige Seele wegen ihrer Vergehen |
| 15213 | von den verschiedenen Gewalten gepeinigt, vielmehr gelangt sie |
| 15214 | nach bestimmter Zeit zu der Lichtjungfrau, der xger%6, wird zu |
| 15215 | 1 Auch nach Lehre der P. S. ist Jachthanabas (p. 360) der Be- |
| 15216 | herrscher der fünften und letzten Taxis; bei dieser Übereinstimmung |
| 15217 | können wir schliessen, dass der an erster Stelle angeführte Archon |
| 15218 | die Hecate oder Ariuth gewesen ist, |
| 15219 | ? Diese hat die Lehre der aegypt. Religion entnommen, aber ver- |
| 15220 | geistigt; Iren. II, 33, 2 ist im Irrtum, wenn er Plato als den Ur- |
| 15221 | heber der Lehre von der Seelenwanderung hinstellt „qui et ⲱⲱ |
| 15222 | sententiam hanc introduxit“, dies waren vielmehr die Pythagoräer. ‘ |
| page 433 | |
| 15223 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 417 |
| 15224 | der Metensomatose! verurteilt und von den xagainuntar in |
| 15225 | einen ihres früheren Lebens würdigen Körper? gestossen (p. 286. |
| 15226 | 323 etc.), um ein neues Leben beginnen zu können und der |
| 15227 | hohen Gnadengüter teilhaftig zu werden. Diese ⲙⲉⲧ, |
| 15228 | HETAYYLOUGS, Ⲙⲉⲧⲉⲙⲯⲱ̀ⲭⲱϭⲓϩ Oder &vowudtAMGLG dauert eine be- |
| 15229 | stimmte Anzahl von Wiederholungen; ist aber auch diese Ge- |
| 15230 | legenheit verscherzt, so giebt es kein Mittel mehr, die Seele |
| 15231 | ihrem Verderben? zu entreissen, ohne Gnade wird sie in die |
| 15232 | äusserste Finsternis gestossen (ⲣ. 319. 323. 324 ⲉⲥ.) um am |
| 15233 | Tage des Gerichts vernichtet zu werden (p. 259), ein Schicksal, |
| 15234 | welches auch den groben Sündern zuteil wird (p. 258. 382. |
| 15235 | 385. 386). Seine Seelenwanderung findet der biedere Gnostiker |
| 15236 | auch von Jesus in Matth. 5, 25 sq. (Luc. 12,58 sq.) gelehrt (p. 296). |
| 15237 | Merkwürdigerweise berief sich auf dieselbe Stelle Carpocrates * |
| 15238 | cf. Irenaeus I, 25, 4 (Iren. 1, 33, 1) Epiph. 27, 5: gas ⲩϩ, det |
| 15239 | ⲡⲟ̀ⲩⲧⲱϩ ⲡⲁ̄ϭ⳪ϧ XONCLW ⲧⲟⲱ̀ⲧⲱⲩ ⲡⲟⲉⲓϭ AL, ϭ un 8829 0D0aı |
| 15240 | ϫⲟⲓ ̀ϭⲅⲉϩϭⲥϭⲟⲓ ⲧⲟϩ Eoyov, TOVTOV Evexa XataGt(XQAGL ⲉϩ |
| 15241 | ϭⲱ̀ⲕⲟⲧ xäalıy ab ⲯⲗ ⲉϩ ⲧ ⲡϩϭ︦ⲫⲟⲓ ⲥⲟ̀ϭⲝ & un Exoasav. Kar |
| 15242 | ⲧⲟⲧⲟ ϭ, ⲫⲟⲟⲓ̀), ⲡⲉϩ ⲟ Ϯϥϭⲟⲟ̅ⲝ ⲉ ⲧⲫ︦ ⲉ̀ⲟⲩⲩⲉⲗϣ ⲉⲡⲉ ⲟⲓⲥ |
| 15243 | ⲡϭϩϥⲃⲟ ϥ ⲟⲩⲧ ⲟⲓ ⲉϧⲟⲱⲩ TO ⲉⲩⲧⲓiϫϣ ϭⲟⲱ, . ⲫ ϥⲉ &y |
| 15244 | ⲧ︦ ⲟ︦ ⲕⲉⲧ auto xal ⲟⲩϩ ⲟⲥ. ⲉ︦ⲗⲗⲗ︦ⲭϭⲓ Ar’ aUTOT, |
| 15245 | 1 Von derselben sind nach p. 248 die bösen Wesen der oberen |
| 15246 | Regionen ausgeschlossen. |
| 15247 | 2 Die Lehre der Aegypter, dass die Seele nach dem Tode zur |
| 15248 | Läuterung durch Tierleiber wandern müsse, ist nicht ganz aufge- |
| 15249 | geben, denn aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Verfasser bei |
| 15250 | den Worten: „die ⲡϩⲁ. bringen mit ihr drei Tage zu, indem sie |
| 15251 | dieselbe über die Geschöpfe des Kosmos belehren“ auch daran ge- |
| 15252 | dacht haben. |
| 15253 | 3 Freilich hat auch diese Härte die P. S. zu vermeiden gesucht |
| 15254 | cf. Harn. Unters. etc. S. 72f. |
| 15255 | + Schon Simon Magus muss eine Seelenwanderung behauptet |
| 15256 | haben, wie aus seiner Lehre von der Helena hervorgeht cf. Iren. I, |
| 15257 | 23, 2. Tertull. de anima cap. 36. Epiph. haer. 21, 2. Ausser den |
| 15258 | andern Gnostikern haben sich dieser Lehre auch die Manichäer ange- |
| 15259 | schlossen cf. Epiph. haer. 66 passim. und Toll. Insign. Itin. Ital. |
| 15260 | 1696, p. 144ff., doch vergleiche Kessler „Mani“ ⲃ. 362 Anm. 2. |
| 15261 | Texte u. Untersuchungen VIII, 1, 3. 27 |
| page 434 | |
| 15262 | 418 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 15263 | ⲃ ⲡⲱⲥ 6 äyrtidıxos xagad ϭⲉ TO ϫⲓⲧ, ⲕⲱ ⲟ ϫⲟⲥ ⲉ vo |
| 15264 | ϥⲟⲧϥ, Kal 6 UxNOETNG BAALY ϭⲉ ⲉⲓ̀ϩ puLCKTD. Ayınv, ⲓⲟⲙ ϯⲱ |
| 15265 | ϭⲟ.. 0 un EECLONG &xetdep, ⲱϩ ⲥⲩ) ⲉ̀ϫⲟⲩϩ︦ϩ ⲧⲟ̀ Eoyatop ⲕⲟⲣ |
| 15266 | ⲧ] ...ⲭⲓ ⲫⲥϭⲓϧ elvaı ⲧⲟⲩ ayrtidıxov Exelvov ta TOD XOOKOV |
| 15267 | ⲓⲉⲡⲟⲓ ϫⲟⲧⲟⲩ ⲉⲩⲣⲉⲗⲱⲩ Eva, ⲕⲁ ⲉⲓϩ ⲟⲓⲧⲟ ⲅⲟⲟ︦ⲅⲟ ⲕⲟⲧⲉϭⲕⲑⲱⲥ̃ⲟ ⲉⲍ |
| 15268 | ⲉⲓϩ ⲧⲟ dnayeıy ⲧⲉϩ ϣⲱⲗϩ ⲡϩⲟϩ TOP XQLTEND, TAG ÄrteuGeEp |
| 15269 | ⲉ̀ⲉⲟⲭⲟⲙⲉⲟϩ ⲉ̀ϫ ϭⲱⲙⲉⲧⲱⲩ ... KAQAldoodaı dt ⲉ̀ϫ TOT AOKOVTOS |
| 15270 | ⲧϣ ⲟⲧⲡ... ⲉϩ TO ϣⲉⲓ TAG ϣⲱⲗϩ ⲡⲙ ⲕⲟ ⲉⲓϩ ϭⲱⲕⲟⲧ |
| 15271 | ⲭⲟⲧⲟⲩⲩⲓⲥⲉⲉϧ dıagopa ... pad yaQ slvaı ⲧ) ϣⲱⲗⲙ) TO ϭⲱ ⲕⲥ etc. |
| 15272 | Auch ‘hier dieselbe allegorische Methode, wie wir sie in der |
| 15273 | P. ⲃ︦. finden. |
| 15274 | Auch Basilides? schloss sich der Idee der Seelenwanderung |
| 15275 | an und berief sich zur Stütze seiner Ansicht auf Paulus Röm. 7, 9 ef. |
| 15276 | Origenes comment. in epist. ad Romanos lib. V. „Sed haec Basi- |
| 15277 | lides non advertens de lege naturali debere intelligi, ad ineptas |
| 15278 | et impias fabulas sermonem Apostolicum traxit, et in Ⲙⲉⲅⲉϧϭⲱⲏⲟ‐ |
| 15279 | 1 Carpocrates hat in sein Lehrsystem sehr viele platenische Ge- |
| 15280 | danken aufgenommen (Kommunismus); so hat er auch seiner Lehre |
| 15281 | von der Seelenwanderung eine echt platonische Grundlage gegeben, |
| 15282 | dass nämlich die Seele schon auf Erden sich ihres göttlichen Ursprungs |
| 15283 | erinnern und alle Stufen des Daseins durchlaufen müsse, um zu Gott |
| 15284 | zurückkehren zu können. Mag nun Carpoorates und sein Sohn Epi- |
| 15285 | phanes diese Lehre noch in ihrer rein geistigen Seite ‚emtwickelt |
| 15286 | haben (dies ist fraglich), so haben seine Anhänger es Nbertinistisch |
| 15287 | ausgelegt, daher Useners Bemerkung (Weihnachtsfest S. 110 Anm. 9), |
| 15288 | dass Iren. die Lehre „boshaft entstellt und Epiph. die übliche Stink- |
| 15289 | brühe hinzugegossen‘“, durchaus unberechtigt ist. |
| 15290 | 2 Ebenso die Ophiten Orig. c. Celsum VI, cap. 21 und Marcion nz. A. |
| 15291 | ef. Clemens Al. Strom. 3, 3 p. 516; 4, 12 p. 601; 6, 4 p. 757. Epiph. |
| 15292 | haer. 42, A und haer. 42 602 (Öhler) „Dept. ⲛ ⲟⲕ 8 6 |
| 15293 | ZÜzeıvös 0UTOS ⲉⲙⲁ ⲧⲟⲓ̄ϩ ⲟⲧⲱ ϣϩⲟⲩⲟⲟϭⲓϧ ⲟⲩⲧ N ⲟⲛ ϣⲱϣ dv wos |
| 15294 | ⲉ Ⲑϩⲱ̀ⲡⲟⲓϩ ⲕⲟ [ⲱⲟⲓϩ ⲡⲥ︦ϩⲭⲉⲓ. Ⲧⲟⲟ︦ⲧⲟ ⲁϩ xagk ⲡⲟⲙⲟ ⲧⲱⲙ nexÄayR- |
| 15295 | ⲏϧⲱⲩ ⲥϩϭⲉⲱⲩ ⲕⲉⲧ Urokapßaveras, Kal ⲣⲉϩ ⲕⲟ) Obalavriveg ⲛ |
| 15296 | Kokooßacos, Ⲅϧⲱϭⲅⲓⲭⲟ4 ⲅⲉ ⲡϭ︦ⲧⲉϩ ⲕ⳪ Ⲙⲟⲩⲓⲭⲟⲓiⲟⲓi, xal [ⲱⲅⲟⲩⲣⲓϭⲙⲟⲩⲥ alven |
| 15297 | ⲯⲩⲭⲱ̄ϧ ϣⲁ̄ϭⲕⲟⲓϭⲓ , ⲭⲁ ϣⲉⲅⲉⲩϭⲱϣⲟⲧⲱ̀ϭⲏⲓϩ ⲧϥⲥ ⲯⲱⲥ ⲧⲱⲙ dv ⲉⲟⲱⲟϥ |
| 15298 | ⲉ̃ⲙⲐϩⲱ̀ⲡⲱⲓ. Man beachte an allen diesen Stellen den Gebrauch von |
| 15299 | uErayyıOnOSs Wie in der P. 8. |
| page 435 | |
| 15300 | IV. Untersuchungen über ⲑ gnostischen Werke. 419 |
| 15301 | ⲧⲱ̀ϭⲉⲱϩ dogma, id est, quod animae in alia atque alia corpara |
| 15302 | transfundantur, ex hoc Apostoli dicto conatur adstruere. Dixit |
| 15303 | enim, inquit, Apostolus, quia ego vivebam sine lege aliquando, |
| 15304 | hoc est, anteyuam in istud corpus venirem, in ea specie corporis |
| 15305 | vixi, quae sub lege non esset, pecudis scilicet vel avis!. Einige |
| 15306 | Basilidianer deuteten auf die Seelenwanderung die Vergeltung |
| 15307 | der Sünden bis ins dritte und vierte Glied cf. Clemens Alex. |
| 15308 | Exe. ex script. Theod. ⲃ 28 ⲣ. 976: To „d#e0g dnodıdovs &xl |
| 15309 | tolım ϫⲟⲓ TETAQTNV ⲩⲉⲩⲉⲉ̀ϧ ⲧⲟⲥ Ansıdovor“ pad ⲟ ⲉ̀ⲡ |
| 15310 | Baoıleldov ⲭⲟⲧⲉ Tas ⲉ̀ϧϭⲱⲙⲥⲧⲱ̀ϭⲉ. |
| 15311 | Auch noch in anderer Beziehung wird die Freiheit des |
| 15312 | Menschen durch die Archonten beschränkt, nämlich dadurch, |
| 15313 | dass sie sich ihm gegenüber als die Götter kundgeben, denen er |
| 15314 | seine Anbetung zuteil werden lassen müsse, ohne ihm eine |
| 15315 | Ahnung von der Existenz eines höheren Wesens zu geben. Zu |
| 15316 | diesem Zwecke haben gewisse Engel?, die einen Fehltritt be- |
| 15317 | gangen hatten, die Mysterien der Aonen, d. h. die Magierkünste |
| 15318 | zu den Menschen gebracht (p 25. 27. 29. 31), und infolge dessen |
| 15319 | war die Religion der vorchristlichen Menschen ein Sterndienst, |
| 15320 | verbunden mit Magie und Wahrsagerei. In diesen Gedanken |
| 15321 | ist klar das Urteil niedergelegt, welches der Verfasser der |
| 15322 | P. S. von seinem gnostischen Standpunkt aus über den religiösen |
| 15323 | Wert des Heidentums? fällte; wir sind ihm dafür um so dank- |
| 15324 | barer, als wir aus den übrigen gnostischen Sekten nur sehr un- |
| 15325 | 1 Hier also ist noch die ältere Vorstellung benutzt worden. |
| 15326 | 2 Dieselbe Lehre vertritt das Buch Henoch bei Georgios Syn- |
| 15327 | kellos Chron. p. 22. (Dillmann, Das Buch Henoch ⲃ︦. 88): #rı 82 xal |
| 15328 | ⲟ mz0wTAQY0S ϭ̀ⲧⲱ̄ Zepiakäc ⲉ ⲉⲓϭⲓ ϩⲣⲟϩ ⲕⲟⲧⲉ ⲧⲟⲟ vads ϫⲟⲓ |
| 15329 | Gitas ⲃⲟⲧⲟⲩⲱ̄ⲩ ⲧ ns. Ⲁ Evdkxatog Dapuagos ⲟ i) *ⲉ ϣⲁϩⲕⲟϫⲑ⳪ϩ, |
| 15330 | ⲉ̀ⲡⲥⲟoc, sopias ⲕⲟ ̀ⲡⲟⲟⲓ ⲱ︦) Ⲙⲱⲧ]ϩⲓ 6 Evatos 5 ⲉϭⲅϩⲟϭⲕⲟⲡⲓ⳪ⲩ• |
| 15331 | ⲟ 02 tEragrog ⲉ) dorgokloylav‘ ⲟ dt öydoos ⲉⲓ ⲥⲉϩⲟϭⲭⲟⲡⲓⲟⲩ‐ |
| 15332 | ⲟ 8? ⲧϩiⲧⲟϩ ⲉ ⲧⲉ̀ ϭⲏⲏⲉⲓ̈ⲁ ⲧϥ ⲣϥ ⲟ ⲟ︦ EBöopog Z0ldake ⲧⲉ ϭϣⲉⲁ |
| 15333 | ⲃⲟ Ⲙⲟ 6 Bl ⲉ̀ⲕⲟⲟⲧⲟϩ 6 ⲧ ϭⲓⲉ THE GEN UNS ⲡⲟ︦ⲟⲅⲉϩ ⲟⲩⲧⲟⲓ |
| 15334 | ⲓ̈ⲥⲃϭⲓⲧⲟ ⲉ̂ⲛⲟⲕⲟⲙ̀ⲡⲧⲉⲓϧ id ⲕⲱϭⲧϥⲣⲓϫ ⲧⲟⲓ ⲣⲱⲓ) avUrOv Kal ⲧⲟϩ |
| 15335 | ⲧ̀ⲕϧⲟⲓϩ avrOv. cf. Dillmann, Buch Henoch 8, 8. 9, 6. 7. 10, 7. 16, 3. |
| 15336 | 3 Sehr viele interessante Ansichten darüber bieten die Pseudo- |
| 15337 | clementin. Homilien IV—VI, VIII—IX und sonst. |
| 15338 | 27* |
| page 436 | |
| 15339 | 420 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 15340 | sichere und geringfügige Nachrichten besitzen, die uns ihren |
| 15341 | Standpunkt zum Heidentum näher charakterisieren. Die Ver- |
| 15342 | nichtung dieses unheilvollen Treibens der Archonten ist das erste |
| 15343 | grosse Werk des erhöhten Jesu; er hat die Himmelssphären in |
| 15344 | andere Bahnen gebracht, so dass die Wahrsager aus ihnen ihre |
| 15345 | Künste nicht mehr schöpfen können, wie Jesaia 19, 1. 3. 12 ϭⲉ‐ |
| 15346 | weissagt hat (p. 27). Aber es war der Dämonenkult und die |
| 15347 | Sterndeuterei zu fest mit der alten Kultur verbunden, um diese |
| 15348 | Stücke des Volksglaubens ohne weiteres über Bord zu werfen. |
| 15349 | So ist auch Christus kein unbedingter Feind der Astrologie, er |
| 15350 | hat vielmehr das Mysterium der Magie des dreizehnten Äons! |
| 15351 | auf Befehl des ersten Mysteriums bestehen lassen und ist der |
| 15352 | festen Überzeugung, dass die Anrufungen von Erfolg gekrönt |
| 15353 | sein werden; ja derjenige, welcher den jetzigen Gang der zwölf |
| 15354 | Äonen bemerkt, wird nach wie vor ihre dxoteldouata mit Be- |
| 15355 | stimmtheit wissen. Man erkennt auch aus dem Umstande, dass |
| 15356 | das Verhältnis zur Magie so eingehend behandelt wird (p. 25—33), |
| 15357 | das Interesse, welches für diese Dinge in unserm gnostischen |
| 15358 | Kreise herrschte; wissen wir doch, dass die Astrologie und |
| 15359 | Magie von Simon Magus an in den gnostischen Kreisen eine |
| 15360 | grosse Rolle spielten; zugleich lernen wir daraus, dass die P. 8. |
| 15361 | kein Produkt des aufstrebenden Gnosticismus sein kann, da sie |
| 15362 | sich vom Volksaberglauben schon weit entfernt hat. Diese |
| 15363 | Stellung tritt deutlich im Lasterkatalog hervor, in dem gleich an |
| 15364 | zweiter, dritter und vierter Stelle die Anbetungen der Archonten? |
| 15365 | verboten werden, noch merklicher aber dadurch, dass die Toten- |
| 15366 | auferweckungen und Krankenheilungen? als Werkzeuge der |
| 15367 | Archonten angesehen werden. Auch im zweiten Buche ⲉⲁ |
| 15368 | (P. 57) wird geboten, „nicht den Namen der Archonten noch |
| 15369 | den Namen ihrer Engel um irgend eine Sache anzurufen“; ⲉⲟ |
| 15370 | ⲕ⳪⳪ⲓ⳪ⲓ sind also Teufelswerke. |
| 15371 | 1 Dies ist der ⲅ̀ⲡⲟϩ der dıxcwocurn, in dem das psychische |
| 15372 | Element herrscht. Es wäre wohl die Behauptung nicht zu kühn, |
| 15373 | hierin eine Anspielung auf das Christentum zu erblicken, |
| 15374 | 2 cf. Harn. Untersuch. etc. S. 67 |
| 15375 | 3 cf. Harn. 1. ⲥ. S. 73 | |
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| 15376 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 421 |
| 15377 | Allgemeines über das System. |
| 15378 | Bevor wir von dem System scheiden, müssen wir noch einen |
| 15379 | kurzen Rückblick auf die in ihm enthaltenen Ideen werfen. |
| 15380 | Betrachtet man das Ganze, so weiss man im ersten Augen- |
| 15381 | blick nicht, ob man mehr den philosophischen Geist oder die |
| 15382 | himmelstürmende Phantasie bewundern soll. Von einer wirk- |
| 15383 | lichen philosophischen Spekulation kann freilich nicht die |
| 15384 | Rede sein, werden doch die einzelnen Begriffe in eine Menge |
| 15385 | von mythenhaften Gestalten, die ein wirkliches Leben führen, |
| 15386 | umgesetzt. Dies ist ein charakteristisches Merkmal aller gnosti- |
| 15387 | schen Systeme; es zeigt nur zu deutlich, wie wenig produktive |
| 15388 | Kraft das abstrakte Denken in der damaligen Zeit entwickeln |
| 15389 | konnte. Man betrachte nur den Neuplatonismus, welch’ einen |
| 15390 | weiten Abstand bekundet er von dem reinen Platonismus! Die |
| 15391 | Zeiten haben sich gewaltig geändert, der orientalische Geist hat |
| 15392 | seinen siegreichen Einzug in die griechisch-römische Welt ge- |
| 15393 | halten, die üppige orientalische Phantasie hat sich mit dem kalten |
| 15394 | Verstande vermählt und aus ihrer Vermählung ist ein wunder- |
| 15395 | bares Kind geboren, von dem man nicht behaupten kann, ob es |
| 15396 | dem Vater oder der Mutter ähnlicher ist. Dies ist der neue |
| 15397 | Zeitgeist, der uns in zwei mächtig emporstrebenden Erscheinungen, |
| 15398 | in dem Gnosticismus und Neuplatonismus, entgegentritt, zwei Er- |
| 15399 | scheinungen, die gleich bei ihrer Geburt, da sie einer un- |
| 15400 | natürlichen Verbindung entstammten, den Stempel des schnellen |
| 15401 | Siechtums an der Stirn trugen; war doch schon einem edleren |
| 15402 | Spross die herrliche Siegespalme zuerteilt worden, der darum |
| 15403 | auch kräftigere Wurzeln schlagen konnte. Aber seine beiden |
| 15404 | Nebenbuhler waren eine geschichtliche Notwendigkeit, denn erst |
| 15405 | im heissen Kampfe mit diesen Gewaltigen sollte sich der Jüng- |
| 15406 | ling zum Manne entfalten, im heftigen Ringen mit ihnen sollte |
| 15407 | er sich seiner selbst bewusst werden, sollte die erprobten Waffen |
| 15408 | der Gegner in seine Rüstkammer heimführen, um sie in Zukunft |
| 15409 | für sich selber verwerten zu können. Denn wer wird ableugnen |
| 15410 | können, dass die Grosskirche die herrlichsten Schöpfungen der- |
| 15411 | selben in sich aufgenommen und sich mit ihnen geschmückt hat, |
| 15412 | nachdem sie ihre Feinde zu Grabe getragen? |
| 15413 | Die gnostischen Systeme verdienen kaum den Namen eines |
| 15414 | Systems, da wir etwas anderes mit diesem Begriffe zu bezeichnen |
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| 15415 | 422 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 15416 | pflegen, vielmehr gleichen sie erhabenen Dichtungen, die vom |
| 15417 | orientalischen Geiste ersonnen sind; sie gleichen einem grossen |
| 15418 | Drama, welches sich aber nicht auf den Brettern der Bühne, |
| 15419 | sondern in dem ganzen Universum abspielt. Gott hat Wesen, |
| 15420 | die seine unendliche Machtfülle darstellen, aus sich hervorgehen |
| 15421 | lassen, aber einige derselben haben das schützende Vaterhkaue |
| 15422 | verlassen, sind, auf ihre eigene Kraft vertrauend, in die Ferne |
| 15423 | gegangen, um aus sich selber neue Welten und Geschöpfe, die |
| 15424 | ihnen unterthan sind, entspriessen zu lassen. Auf diese Weise ist |
| 15425 | die Erde entstanden, auf der als das vornehmste Geschöpf der |
| 15426 | Mensch wandelt. Aber derselbe ist zugleich das unglücklichste |
| 15427 | Wesen, er wird gepeinigt und geknechtet, kann sich aber durch |
| 15428 | sich selber nicht aus den schrecklichen Banden befreien. Darum |
| 15429 | sucht der Urvater den verlorenen Sohn zu retten, aber dieser ist für |
| 15430 | ewig abgefallen; jetzt sendet er den Erlöser aus, um die Kinder und |
| 15431 | Enkel des ungeratenen Sohnes aus der Knechtschaft zu: entführen |
| 15432 | und sie in seinen Schoss aufzunehmen. Die Ankunft jenes Er- |
| 15433 | retters ist der Kulminationspunkt des ganzen Dramas, welches sich |
| 15434 | von nun an auf Erden abspielt, dessen Abschluss die Vernichtung |
| 15435 | der feindlichen Weltmächte und die Heimkehr der bis dahin |
| 15436 | Gefangenen bildet. Dieses Sujet liegt allen Gnostikern vor; |
| 15437 | nur ist es von jedem seinem Geiste gemäss verschieden bearbeitet |
| 15438 | worden, darum kehren auch in den so mannigfaltigen Systemen |
| 15439 | stets dieselbe Scenerie, stets dieselben Grundgedanken wieder. |
| 15440 | Unsere vorliegenden Werke können nicht mehr in der |
| 15441 | Blütezeit des Gnosticismus entstanden sein, denn damit würde man |
| 15442 | nicht in Einklang bringen können, dass die Zahl der Neben- |
| 15443 | personen geradezu in das Ungeheure gewachsen ist, während |
| 15444 | dies, soviel wir unsern anderweitigen Quellen entnehmen können, |
| 15445 | in den älteren Stadien seiner Entwicklung nicht der Fall war. |
| 15446 | Wir müssen die spielende Phantasie, welche die Namen so |
| 15447 | vieler Figuren ersinnen konnte, bewundern; noch mehr aber sind |
| 15448 | wir darüber erstaunt, wie überhaupt der Verfasser diesen unge- |
| 15449 | heuren Apparat in Bewegung setzen konnte, ohne sich bei der |
| 15450 | Komposition in grössere Widersprüche zu verwickeln. Ⲙⲙ der |
| 15451 | andern Seite können wir nur unser lebhaftes Bedauern ams- |
| 15452 | sprechen, dass soviel Scharfesinn zur Erfindung dieses ϣⲟ- |
| 15453 | matischen Unsinns“ aufgewendet ist. Freilich wird es, um den |
| 15454 | Gnostikern gerecht zu werden, nötig sein, uns die damals herr- |
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| 15455 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke 423 |
| 15456 | schende Weltanschauung zu vergegenwärtigen. Der Mensch war |
| 15457 | zum Bewusstsein seines höheren Ich’s gelangt, dabei hatte er |
| 15458 | die Unzulänglichkeit dieses Kosmos, das in ihm herrschende |
| 15459 | Elend erkannt und war von Ekel gegen seinen irdischen Körper |
| 15460 | und die ihn umgebende Welt erfüllt. Was Wunder, wenn er |
| 15461 | darüber nachzudenken begann, wie dieser Aon entstanden, in |
| 15462 | welchem Verhältnis derselbe zum höchsten Urwesen stehe! Kein |
| 15463 | spekulatives Interesse, kein besonderer Kitzel, wie man es oft |
| 15464 | behauptet, hat ihn zur Aufstellung eines Weltsystems getrieben, |
| 15465 | vielmehr sein tiefes Sündengefühl, seine Erkenntnis der bösen |
| 15466 | Natur im Menschen. Er konnte nicht fassen, wie dieser Äon |
| 15467 | ein Werk des vollkommenen Urwesens sein könnte, in dem das |
| 15468 | Böse belohnt, das Gute bestraft würde. Man lese nur die ⲑⲓ‐ |
| 15469 | greifende Episode aus Valentin’s Leben!, dann wird man über |
| 15470 | ihn und die Gnostiker ein gerechteres Urteil fällen. — Um nun |
| 15471 | alle diese Gegensätze vermitteln zu können, nahm man zu einem |
| 15472 | Gedanken Zuflucht, der damals die spekulativen Geister beherrschte, |
| 15473 | d. h. zu der Emanationstheorie?. Dieselbe ist die Signatur aller |
| 15474 | gnostischen Systeme, das Hauptdogma der gunostischen Lehre; |
| 15475 | eine Evolutionstheorie ist mit dem Wesen des Gnostieismus un- |
| 15476 | vereinbar, würde ihm geradezu ins Gesicht schlagen, darum müssen |
| 15477 | wir eine Darstellung, wie sie uns Hippolyt Philos. VIL, 14 vom |
| 15478 | Basilidianischen System? giebt, als eine durchaus unhaltbare |
| 15479 | hinstellen. |
| 15480 | Diese Emanationstheorie tritt uns sehr deutlich in den hier |
| 15481 | vorliegenden Werken entgegen. An der Spitze des gesammten |
| 15482 | Universums steht ein einziges unnennbares Wesen, der Urgrund, |
| 15483 | der, aus einer Menge vollkommener Attribute zusammengesetzt, |
| 15484 | 1 ef. Grabe Spicileg. ss. Patr. ut et haeret. saec. II, p. 55. |
| 15485 | 2 Ritter: „Über die Emanationslehre“. Abhandlungen der K. |
| 15486 | Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen Bd. 3 S. 243 ⲃ |
| 15487 | 3 Jacobi: Basilidis philos. gnostic. sententias ex Hippolyti libro |
| 15488 | nuper rep. etc. Berol. 1852; derselbe: Zeitschr. f. Kirchen-Gesch. Bd. I. |
| 15489 | Heft 4. S. 481—544. Uhlhorn: Das basilid. System mit bes. Rücksicht |
| 15490 | auf die Angaben des Hippolyt. Götting. 1855. Hilgenfeld: Tüb, theol. |
| 15491 | Jahrbb. 1856 I S. 36f. und Zeitsch. f. wiss. Theol. Jahrg. 21. 1862. |
| 15492 | IV. S. 452f. und ebdas. 1878. II. S. 228—250 ete. |
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| 15493 | 44 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 15494 | ganz in dem Gedanken seines Ich’s aufgeht. Aber dieses ewige |
| 15495 | absolute Wesen unterliegt selbst wieder einer Naturnotwendig- |
| 15496 | keit, da es erst durch die Realität von andern neben ihm existie- |
| 15497 | render Wesen zum Bewusstsein seiner selbst gelangen kann. |
| 15498 | Auf diese Weise tritt aus ihm die Idee zu eigener Existenz, der |
| 15499 | Uräon entäussert sich eines Teils seiner Machtfülle; von ihm |
| 15500 | gehen eine Reihe Äonen aus, von denen jeder für sich die ewige |
| 15501 | Gottheit abspiegelt. Aber in der Entfaltung des Absoluten liegt |
| 15502 | schon die Negation seiner eigenen Natur, denn wie in der Ge- |
| 15503 | stirnswelt sich mit dem Grad der Entfernung auch die Abhängig- |
| 15504 | keit von einander vermindert, so verlieren auch die Lichtgeister, |
| 15505 | je weiter sie sich vom Urquell entfernen, an Vollkommenheit |
| 15506 | ihres Wesens. Eine notwendige Folge davon ist, dass fremdartige, |
| 15507 | materielle Bestandteile eindringen, bis schliesslich das böse Prin- |
| 15508 | zip! in Einigen die Oberhand gewinnt. Dies ist der Demiurg |
| 15509 | und seine Genossen, oder, wie hier, der Sabaoth Adamas und |
| 15510 | sechs Äonen, deren Werk die Schöpfung dieser hylischen Welt |
| 15511 | ist. So läuft die ganze Betrachtungsweise der Gnostiker auf die |
| 15512 | Statuierung eines mehr oder minder schroffen Dualismus, eines |
| 15513 | fortwährenden Antagonismus zweier feindlichen Mächte, des |
| 15514 | höchsten Urwesens und der Weltmächte hinaus, ein Kampf, der |
| 15515 | auf der Welt zum Austrag kommt. Denn der Mensch, die letzte |
| 15516 | Kette in der langen Entwicklung, soll den Weltmächten ent- |
| 15517 | rissen, für die höhere Welt gewonnen werden; daher bricht durch |
| 15518 | die Herabkunft des Erlösers in der Geschichte der gesammten |
| 15519 | Weltentwicklung eine Katastrophe herein; das Reich der Planeten- |
| 15520 | möchte wird vernichtet, der Mensch wird der Gnade und Erlösung |
| 15521 | teilhaftig. In diesem Punkte tritt das religiöse Bewusstsein des |
| 15522 | Gnostikers in den Vordergrund, nämlich die Idee der Erlösung. |
| 15523 | Von diesem Gesichtspunkte aus erkannte er das Christentum als |
| 15524 | die einzig wahre und absolute Religion an, sah in Jesus seinen |
| 15525 | Erlöser von den Banden der Materie und Sünde, aber, zu sehr |
| 15526 | befangen in seinen kosmologischen Ideen, suchte er dieselben in |
| 15527 | das 'Christentum hineinzutragen, betrachtete die rein religiösen |
| 15528 | Gegensätze als Gegensätze kosmischer Gewalten, stellte den Er- |
| 15529 | löser in den Dienst des Gott-Weltprozesses und versetzte dadurch |
| 15530 | ! Einige Gnostiker nahmen eine ewige Existenz der Hyle an. |
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| 15531 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 425 |
| 15532 | der Eigentümlichkeit der christlichen Religion den Todesstoss. |
| 15533 | Darum können wir die heftige Polemik der Kirchenväter be- |
| 15534 | greifen, die die schönsten und wertvollsten Güter in diesem |
| 15535 | Kampfe zu vertheidigen hatten, wenn nicht an die Stelle des |
| 15536 | überlieferten Evangeliums ein ganz neues gesetzt werden sollte. |
| 15537 | B. Soteriologie. |
| 15538 | a. Der präexistente Erlöser, |
| 15539 | Eins der interessantesten Kapitel innerhalb der gnostischen |
| 15540 | Lehren ist ohne Zweifel ihre Ansicht über die Person Christi. |
| 15541 | Auf diesem Gebiete hat der Gnosticismus seine ganze schöpferische |
| 15542 | Kraft bewiesen, und man kann nicht leugnen, dass er die Fragen, |
| 15543 | welche in den späteren Jahrhunderten zu den heftigsten Streitig- |
| 15544 | keiten und Spaltungen führten, zum ersten Male angeregt und |
| 15545 | dogmatisch behandelt hat. Es wäre dies wohl noch ein Kapitel, |
| 15546 | welches einer besonderen Monographie würdig wäre !. |
| 15547 | Dasjenige Wesen, durch welches der Erlösungsprozess voll- |
| 15548 | führt wird, ist das erste Mysterium (s. o.), denn es wird als der |
| 15549 | Vater Jesu? bezeichnet, der ihn emaniert hat (p. 128. 166.). |
| 15550 | Aber im Grunde besteht zwischen beiden kein durchgehender |
| 15551 | Unterschied, vielmehr stellt sich das erste Mysterium als eine |
| 15552 | Doppelnatur dar, deren eine Hälfte transcendent, deren andere |
| 15553 | Hälfte der Welt zugekehrt ist, darum wird im zweiten Buche |
| 15554 | (ⲣ. 127—175) das erste Mysterium das primum mysterium intro- |
| 15555 | spiciens, Jesus das primum mysterium prospiciens genannt. Er |
| 15556 | ist das Mysterium des Ineffabilis (p. 206. 231. 348.) und auch das |
| 15557 | Mysterium des ersten Mysteriums (p. 317.); heisst es doch auf |
| 15558 | 1 Vergleiche die Bemerkungen von Harnack Dogmengeschichte I? |
| 15559 | ⲃ︦. 220, 1, |
| 15560 | 2 Es ist merkwürdig, dass der Erlöser in allen Büchern stets |
| 15561 | den Namen Jesus führt, nur an zwei unmittelbar auf einander folgen- |
| 15562 | den Stellen auch „Christus“ (P. 45. 46). Dies hängt ohne Zweifel |
| 15563 | mit der altgnostischen Anschanung von dem ⲉⲧⲱ ϯϩⲓⲟ⳪ⲧⲟϩ zusammen, |
| 15564 | Auch Irenaeus beklagt sich darüber, dass die Valentinianer den ϭⲱⲧϩ |
| 15565 | Nicht xvgı0s nennen wollen ef. I, 1, 8: ⲭⲁ Ϩⲓ ⲧⲟⲧⲟ ⲧⲟⲩⲩ Zwrnon |
| 15566 | Atyovoıy (ⲟⲟ yag KUgiov Övopakeıvy ⲥⲱⲧⲟⲩ OELOvOL) etc. |
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| 15567 | 426 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 15568 | p- 16 von ihm: „Das Mysterium, welches ausserhalb im. Kosmos |
| 15569 | ist, durch welches das All entstanden ist ete.“, deshalb hat ihm |
| 15570 | auch sein Vater von Anfang ein Licht-Evduua gegeben (p. 10.) |
| 15571 | Von ihm ging im Uranfang der erste Lichtstrahl aus und wurde |
| 15572 | in die unteren Regionen hinübergeleitet (p. 14. 339), um sich |
| 15573 | schon in der Urzeit als der künftige Erlöser zu offenbaren (cf. P. |
| 15574 | 35—38). Sonst erfahren wir über seine Thätigkeit bei der Ema- |
| 15575 | nation des Universums gar nichts. Einige Aufklärungen gewährt |
| 15576 | uns das erste Buch Jeü, doch sind leider die ersten Blätter des |
| 15577 | betreffenden Abschnitts verloren gegangen, in welchen Jesus ohne |
| 15578 | Zweifel sein Verhältnis zum Vater näher besprochen haben mus. |
| 15579 | Einen Ersatz bietet uns der Schluss des Buches (P. 43 ff), denn |
| 15580 | als die Jünger fragen, wodurch alle Topoi entstanden sind, giebt |
| 15581 | Jesus ihnen zugleich eine genaue Auskunft über seine Person. |
| 15582 | Der Vater, der unnahbare Gott, hat alle Ideen an sieh angezogen |
| 15583 | mit Ausnahme einer einzigen u. z. der kleinsten. In dieser kleinen |
| 15584 | Idee strahlte Jesus auf, er wallte auf und entband sich von dem |
| 15585 | Vater. Auf diese Weise ist er die erste Probole, die |
| 15586 | und das Abbild des Vaters. Ganz dieselben Gedanken kehren auch |
| 15587 | in dem Schlusshymnus wieder (P. 48 ⲃ︦.) Hier ist die Christo- |
| 15588 | logie im Grunde höher gefasst als in der Pistis Sophia, indem |
| 15589 | Jesus als das höchste und erste Wesen gilt, das zwar nicht |
| 15590 | von Ewigkeit her mit dem Vater existiert, aber doch schon als |
| 15591 | ein Teil desselben von Anfang an ihm immanent war, wenn auch |
| 15592 | die individuelle Existenz erst durch die &voca erfolgte. Durch |
| 15593 | diese kleine Idee wird nun der weitere Weltprozess vermittelt; |
| 15594 | in P. 8 ruft er den Namen seines Vaters an, dass derselbe den |
| 15595 | wahren Gott! bewege, andere Emanationen aus sich hervorgehen |
| 15596 | zu lassen. Auf seine Bitte hin bewegte die Dynamis des Vaters |
| 15597 | diesen Gott und strahlte in ihm durch diese kleine Idee? (d. h. |
| 15598 | durch Jesus) auf, welche aus den Schätzen gekommen war. In |
| 15599 | gleicher Weise ruft er den Namen des Vaters an, dass er andere |
| 15600 | 1 Wahrscheinlich ist Jesus schon vorher bei der Kmanation des |
| 15601 | wahren Gottes beteiligt gewesen. |
| 15602 | 2 Es bedarf wohl kaum noch der besonderen Erwähnung, wie |
| 15603 | dies die Richtigkeit unserer Anordnung besiegelt, denn niemals kommt |
| 15604 | im zweiten Buch der Name „kleine Idee“ vor. |
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| 15605 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 4927 |
| 15606 | nanationen in den Schätzen entstehen lasse, ja er wählt sich |
| 15607 | 8 der ersten Taxis des ersten Schatzes zwölf Emanationen aus |
| 15608 | d stellt sie auf, damit sie ihm dienen (P. 9 f.). Sollte die Stelle |
| 15609 | f P. 6 nicht verderbt sein, so liesse sich daraus entnehmen, |
| 15610 | ⲃⲑ er eine Menge Väter als Häupter über die einzelnen Schätze, |
| 15611 | » ⲉⲗ genannt werden, gesetzt habe. Dass aber diese Stelle un- |
| 15612 | anstandet gelassen werden muss, bestätigt P. 39: „Deswegen |
| 15613 | be ich zwei ausserhalb und zwei innerhalb gelegt, deren Ähn- |
| 15614 | hkeit innerhalb von allen ist; aber wenn ich sie emaniere, ⲃⲟ |
| 15615 | ⲑ ich zwei ausserhalb von ihm und zwei innerhalb von ihm |
| 15616 | d eine (sc. Vaterschaftstaxis) in meine (? die) Mitte“, |
| 15617 | Welchen Anteil aber Jesus von Anbeginn in der Menschheit |
| 15618 | geübt hat, wie sein Verhältnis zum Heidentum, zum theokra- |
| 15619 | ehen Judentum und dessen Propheten gewesen, darüber er- |
| 15620 | Ⲕⲉ wir fast gar keine Andeutungen. Es macht überhaupt |
| 15621 | 3 Ganze den Eindruck, als wenn die Verfasser absichtlich die |
| 15622 | ‘handlung dieser Probleme, welche in früheren Zeiten so ein- |
| 15623 | hend von den Gnostikern behandelt, mit so grosser Entschieden- |
| 15624 | £ verfochten wurden, vermeiden. Sie möchten sie gern ganz tot- |
| 15625 | ‚weigen; aber gänzlich liessen sich diese Punkte nicht umgehen, |
| 15626 | ⲓ waren sie während des ganzen Streites zu akut geworden. |
| 15627 | mn dem Fall des ersten Menschenpaares wissen wir nichts, doch |
| 15628 | ahren wir, dass Jesus durch Henoch unsere beiden Bücher |
| 15629 | ı habe im Paradies des Adam niederschreiben lassen, in denen |
| 15630 | ihm die niedrigen Mysterien aus dem Baum der Erkenntnis und |
| 15631 | ⲓ Lebens mitteilte (p. 245f.); er befahl ihm dieselben auf den |
| 15632 | isen Ararat niederzulegen, um hier von Kalapatauroth zum |
| 15633 | ıutze gegen die Sintflut, wie gegen den Neid der Archonten, |
| 15634 | gerne die Bücher vernichten wollten, bewacht zu werden |
| 15635 | 354). Die Stellung zum Judentum ist analog derjenigen zum |
| 15636 | identum. Wie schon oben erwähnt, haben abgefallene Engel |
| 15637 | 25. 27. 29) die Mysterien der Magie und Sterndeuterei, d. h. |
| 15638 | Kenntnis der einzelnen Bahnen und die Namen der einzelnen |
| 15639 | ıneten den Menschen gebracht, ihr ganzer Kultus ist also im |
| 15640 | unde nur Anbetung des Demiurgen und seiner Geschöpfe. |
| 15641 | r allem aber drehte es sich in dem Streite um die Stellung |
| 15642 | • Propheten oder des A. Testamentes zum höchsten Gott. |
| 15643 | dritten Buche (p. 355) bringt Maria Magdalena diese Frage |
| 15644 | Anregung, sie hat durch die mündliche Tradition erfahren, |
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| 15645 | 4928 IV. Untersuchungen über die gnoetischen Werke. |
| 15646 | dass die Propheten in das Lichtreich eingegangen wären. Jesus |
| 15647 | weist dies zurück, hätten doch die Archonten der Äonen aus |
| 15648 | diesen mit ihnen gesprochen und ihnen das Mysterium der Äonen |
| 15649 | (also nicht „des Lichtreiches“) mitgeteilt (ⲣ. 355). Was der Ver- |
| 15650 | fasser unter dem Mysterium der Äonen versteht, verschweigt er. |
| 15651 | Wahrscheinlich ist er, wie Koestlin richtig bemerkt, der Ansicht, |
| 15652 | dass die obersten Weltherrscher sich den Propheten als Herren |
| 15653 | des Himmels und der Erde geoffenbart, sie mit derjenigen Ⲧⲉ |
| 15654 | ehrung, die sie von dem Volke als Bedingung ihres Schutzes |
| 15655 | verlangt (Opfergaben und dergl.), bekannt gemacht und ihnen |
| 15656 | über die Zukunft Manches, so weit sie selbst davon wussten, ver- |
| 15657 | kündigt und angedeutet hütten. Sie müssen aber zugleich, wenn, |
| 15658 | auch unbewusst, den Willen des höchsten Wesens vollfäührt |
| 15659 | haben, da die Lichtkraft, welche aus Jesus geflossen ist, durch |
| 15660 | ihren Mund geweissagt hat !. Interessant ist auch die Stellung, |
| 15661 | welche der Verfasser zum Gesetzbuch Moses einnimmt, denn er |
| 15662 | teilt diesem volle Dignität zu (ⲣ. 342 f.). |
| 15663 | Sehr ausführlich wird in den ersten beiden Büchern ein |
| 15664 | Punkt des grossen Weltdramas behandelt, nämlich die Geschichte |
| 15665 | der in das Chaos gelockten und daselbst gequälten Sophia. Das |
| 15666 | erste Mysterium hat zwar die Bestrafung derselben beschlossen, |
| 15667 | zugleich aber ihre Errettung nach festgesetzter Zeit in Aussicht |
| 15668 | gestellt und als Erlöser Jesum ausersehen. Als die Sophia in |
| 15669 | ihren ergreifenden Bussgebeten das Licht der Lichter um Hülfe |
| 15670 | anfleht, aber noch keine Erhörung findet, da zeigt sich die Güte |
| 15671 | und Barmherzigkeit des Erlösers; mit grossem Schmerze sieht |
| 15672 | er die Qualen der Gefallenen, ja sein Erbarmen ist so gross, |
| 15673 | dass er, obwohl er noch keinen Befehl von seinem Vater ⲉ |
| 15674 | halten hat, auf eigene Faust ihre Pein dadurch zu erleichtern |
| 15675 | sucht, dass er sie in einen höheren Ort des Chaos führt? (p. ⲃ |
| 15676 | Doch die Stunde der Erlösung ist nahe, das siebente? Bussgebet |
| 15677 | hat Erhörung gefunden; jetzt geht der Befehl vom ersten Myste- |
| 15678 | rium an Jesum, sie aus den Banden des Chaos zu befreien. |
| 15679 | 1 Vergleiche Harnack Untersuch,. ete, S. 831. |
| 15680 | 2 Der Verfasser setzt schon voraus, dass Jesus im Chaos sich |
| 15681 | befindet, obwohl er erst später diese Herabkunft erfolgt sein lässt. |
| 15682 | 3 Die Zahl „7“ ist ohne Zweifel typisch aufgefasst. |
| page 445 | |
| 15683 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 429 |
| 15684 | Dieser verlässt sofort seinen Wohnsitz, aber in seinem strahlen- |
| 15685 | den Lichtglanze würde bald seine Absicht von den Äonen be- |
| 15686 | merkt werden, darum geht er durch ihre Mitte im Verborgenen, |
| 15687 | ohne dass es eine Kraft bemerkt, weder die von dem Innern der |
| 15688 | Innern noch die von dem Äussern der Äusseren; nur das erste |
| 15689 | Mysterium weiss von dem Plan (p. 99). Als er zum Chaos gelangt, |
| 15690 | sendet er eine Lichtkraft hinab u. z. auf eigene Hand !, um die |
| 15691 | Sophia in einen höheren Ort des Chaos zu bringen, bis ihm der |
| 15692 | Befehl durch das erste Mysterium zuteil wird, sein Werk ganz |
| 15693 | zu vollenden (p. 112). Jesus lässt diese Lichtkraft einen Kranz |
| 15694 | um ihr Haupt bilden, damit die xgoßolal des Authades von |
| 15695 | dieser Zeit an keine Macht mehr über sie besitzen, indem die in ihr |
| 15696 | befindlichen hylischen Bestandteile gereinigt werden (p. 115). |
| 15697 | Als nun die Sophia das dreizehnte? Bussgebet ausgesprochen |
| 15698 | hatte, wurde ihre ⲙⲉⲧⲟ̃ϧⲟⲥ⳪ vom ersten Mysterium angenommen |
| 15699 | (p- 11) Damals sendet er von der Höhe eine grosse Licht- |
| 15700 | kraft; Jesus erkennt das Zeichen; diese Lichtkraft geht in ihn |
| 15701 | ein und lässt sich auf die Lichtkraft, welche von Jesus ausge- |
| 15702 | gangen war, herab, so dass beide eine grosse Licht-dxöß00ıa?3 |
| 15703 | werden. Nach p. 128 dagegen bilden die Kraft, welche aus der |
| 15704 | Höhe herauskommt, d. h. Jesus, welchen der Vater geschickt |
| 15705 | hat, und auch die Lichtkraft, welche aus ihm selbst herauskommt, |
| 15706 | und die Seele, welche er von Sabaothı dem Guten empfangen, |
| 15707 | eine einzige Axößdoı. Dies widerspricht durchaus dem vorher- |
| 15708 | gehenden Buche, das von der Seele des Sabaoth noch gar nichts |
| 15709 | weiss; die Seele gehört gar nicht hierher, der Verfasser ist durch |
| 15710 | seine weit ausgesponnene Allegorie verwirrt geworden‘. — Auf |
| 15711 | ı Hier wird dasselbe Ereignis noch einmal wie oben geschildert; |
| 15712 | an unserer Stelle aber ist alles motiviert, darum darf jene obere |
| 15713 | Darstellung nur als eine Vorwegnahme eines späteren Ereignisses |
| 15714 | gelten, erst nach dem siebenten Bussgebet kann der Erlöser aufge- |
| 15715 | treten sein. |
| 15716 | 2 Auch diese Zahl ist typisch, sie entspricht den dreizehn Äonen; |
| 15717 | dies wird p. 110 ausdrücklich hervorgehoben. |
| 15718 | 3 Dieses Verhältnis wird p.118ff. in fünffach verschiedener Weise |
| 15719 | durch den Psalm 85 allegorisch gedeutet, im Einzelnen ist Manches |
| 15720 | unklar. |
| 15721 | 4 Wir finden an dieser Stelle unsere vorhin vorgetragene An- |
| page 446 | |
| 15722 | 430 1V. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 15723 | Befehl des Vaters ruft Jesus Gabriel und Michael aus den Äonen |
| 15724 | und übergiebt ihnen die axöd00c@, um die Sophia zu befreien |
| 15725 | (ef. p. 133). Diese führen den Befehl aus; die dxößgdowz umgiebt |
| 15726 | die Sophia auf allen Seiten, so dass ihr die feindlichen Mächte |
| 15727 | nicht nahen können; ja, Jesus steigt selbst auf höheren Befehl |
| 15728 | in Lichtgestalt hinab, nähert sich der löwenköpfigen Kraft des |
| 15729 | Authades und nimmt derselben ihre Lichtkraft, ebenso den andern |
| 15730 | xo0oßo2lal, auf dass sie nicht wieder zum dreizehnten Äon zurück- |
| 15731 | kehren können. Er führt darauf die Sophia heraus, — u. z. geht |
| 15732 | zur Rechten von ihr Gabriel, zur Linken Michael (p. 1391), — bringt |
| 15733 | sie zu einem Topos unterhalb des dreizehnten Äons, ihres früheren |
| 15734 | Wohnsitzes, und giebt ihr ein neues Lichtmysterium und einen |
| 15735 | Lichthymnus, damit von dieser Zeit an die Archonten der Äonen |
| 15736 | keine Macht über sie besitzen (p. 164); zu diesem Zwecke be- |
| 15737 | siegelt Jesus die Topoi des Sabaoth Adamas und seiner Art- |
| 15738 | chonten. |
| 15739 | Die ganze Episode, welche grösstenteils die beiden ersten |
| 15740 | Bücher ausfüllt, darum ein unbekannter Schreiber ihnen den |
| 15741 | Namen „Pistis Sophia“ beilegen wollte, ist, wie leicht erkennt- |
| 15742 | lich, erst späteren Ursprungs; sollte diese doch nur den ersten Akt |
| 15743 | der Wirksamkeit des Erlösers bilden, zugleich ein Vorbild der |
| 15744 | wirklichen Erlösung der Menschheit, wie überhaupt in der Figur |
| 15745 | derselben in gewisser Weise die Geschichte der Menschheit selbst |
| 15746 | verkörpert ist. Dies ist auch die Idee des Verfassere, wie uns |
| 15747 | ganz deutlich der wunderbare Schluss des ersten Hynınus? lehrt. |
| 15748 | „Jetzt nun, o Licht. welches in Dir ist, und welches mit mir ist, |
| 15749 | ich preise Deinen Namen, ⲟ Licht, in einem Lobliede, und mein |
| 15750 | Hymnus, o Licht, möge Dir gefallen wie ein vorzügliches Myste- |
| 15751 | rium, welches zu den Thoren des Lichtes führt, und welches die- |
| 15752 | jenigen, die Busse thun werden, sagen werden, und dessen Licht |
| 15753 | gereinigt wird. Jetzt nun mögen alle Hylen sich freuen; forschet |
| 15754 | ] |
| 15755 | sicht, dass die ersten beiden Bücher einem Verfasser, aber der jüngsten | |
| 15756 | Schicht angehören, bestätigt. Die Differenzen lassen sich :aus ‚der i |
| 15757 | geistigen Unbedeutendheit des Verfassers erklären, der in ⲙⲟϣⲓ |
| 15758 | seine Hauptkunststücke zu zeigen versuchte. |
| 15759 | 1 Über die gnostischen Oden Salomo’s vergleiche die lehrreichen |
| 15760 | Erörterungen von Harnack Unters. ⲃ︦. 35. besonders ⲃ. 46 Anm. 2 |
| page 447 | |
| 15761 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke, 431 |
| 15762 | ihr alle nach dem Lichte, damit die in euch befindliche Kraft |
| 15763 | eurer Seele offenbar werde, denn das Licht hat die Hylen ver- |
| 15764 | nommen, und nicht wird es irgend welche Hyle verlassen, die es |
| 15765 | nicht gereinigt hat. Mögen die Seelen und die Hylen den Herrn |
| 15766 | aller Konen. der Hylen und der in ihnen allen Befindlichen |
| 15767 | preisen, denn der Herr wird ihre Seele aus aller Hyle retten, |
| 15768 | und man wird eine Stadt in dem Lichte bereiten, und alle Seelen, |
| 15769 | die gerettet werden, werden in jener Stadt wohnen und sie er- |
| 15770 | losen. Und die Seele derer, welche Mysterien empfangen werden, |
| 15771 | wird in jenem Topos sein, und diejenigen, welche in seinem |
| 15772 | Namen Mysterien empfangen haben, werden in ihr (sc. der Stadt) |
| 15773 | sein“ (ⲣ. 51 f). |
| 15774 | Dieselben Gedanken begegnen uns in dem Hymnus auf |
| 15775 | ⲣ. 64 f.: „Und dann in jener Zeit werden alle Archonten der |
| 15776 | hylischen Äonen sich vor Deinem Lichte fürchten, und alle Pro- |
| 15777 | bolai des dreizehnten der hylischen Äonen werden sich vor |
| 15778 | dem Mysterium Deines Lichtes fürchten, dass die andern das |
| 15779 | Reine ihres Lichtes anziehen, denn der Herr wird nach der Kraft |
| 15780 | eurer Seele fragen. Er hat sein Mysterium offenbart, weil er die |
| 15781 | ueravyoıc derer, die in den Topoi unterhalb sich befinden, schauen |
| 15782 | will; und nicht hat er ihre ⲕⲉⲧⲥϧⲟⲓϭ unbeachtet gelassen. Dies |
| 15783 | ist nun jenes Mysterium, welches Typus inbetreff des Geschlechtes, |
| 15784 | welches sie (sc. die Archonten) erzeugen werden, geworden ist, |
| 15785 | und das Geschlecht, welches sie erzeugen werden, wird die Höhe |
| 15786 | preisen, denn das Licht hat aus der Höhe seines Lichtes herab- |
| 15787 | geschaut. Es wird auf die gesammte Hyle schauen, um das |
| 15788 | Seufzen der Gebundenen zu vernehmen und die Kraft der Seelen, |
| 15789 | deren Kraft sie gebunden haben, zu lösen, damit es seinen Namen |
| 15790 | in die Seele und sein Mysterium in die Kraft legt“. |
| 15791 | Auch zeitlich sind die beiden Akte der Befreiung der Pistis |
| 15792 | Bophia und der Erlösung der Menschheit sehr nahe aneinander |
| 15793 | gerückt. Denn wenn auch Jesus nach Ablauf seiner Mission |
| 15794 | zu dem Lichte zurückkehrt (p. 166), so hören wir von der Ver- |
| 15795 | anlassung zu seiner zweiten Herabkunft gar nichts, doch könnte |
| 15796 | dies wie andere Dinge bei den Lesern vorausgesetzt sein; sehr |
| 15797 | auffällig aber ist, dass die Sophia bei ihrer Rückkehr den Brü- |
| 15798 | dern die Wunder, welche Jesus mit ihr unterhalb auf Erden ge- |
| 15799 | than, mitteilt (p. 176), während doch diese Episode im Chaos |
| 15800 | lange vor der Erlösung auf Erden stattgefunden haben sollte. |
| page 448 | |
| 15801 | 432 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 15802 | Wir gelangen dadurch zu dem Resultat, dass die Geschichte der |
| 15803 | P. S. nur das himmlische Gegenbild zu der irdischen Menach- |
| 15804 | heitsgeschichte bilden soll und zu diesem Zwecke später eine |
| 15805 | besondere Behandlung erfahren hat. |
| 15806 | ⲃ. Herabkunft des Erlösers in die Welt, |
| 15807 | Aus dem Topos des ersten Mysteriums reisst er sich los |
| 15808 | (oxtU22lsır p. 249. 351), um die dıaxovla (p. ⲃ. 9. 20. 32. 37) |
| 15809 | die ihm vom Vater aufgetragen ist, zu übernehmen!, aber er |
| 15810 | kann nicht das E&ydvua, welches er in den lichten Höhen trug, |
| 15811 | und welches ihm vom Vater geschenkt war, mit hinabnehmen, |
| 15812 | da die niedere Welt den. strahlenden Lichtglanz nicht ertragen |
| 15813 | würde. Darum entkleidet er sich selbst seiner Herrlichkeit, um |
| 15814 | sein Erlösungswerk ungestört vollführen und unerkannt durch |
| 15815 | die feindlichen Äonenmächte hindurch gehen zu können, denn |
| 15816 | auch er kann trotz seiner hohen Vollendung nicht ohne weiteres |
| 15817 | zur Erde hinabfahren. Im vierundzwanzigsten Mysterium, d. h. |
| 15818 | im letzten Mysterium (s. o.), legt er es zur Aufbewahrung nieder, |
| 15819 | nimmt bei seinem Niedergang die Kräfte der zwölf owr%086 des |
| 15820 | Lichtschatzes aus dem Teil seiner Kraft, die er ihnen im Anfang |
| 15821 | mitgeteilt hat (p. 11), und gelangt auf diese Weise ausserhalb |
| 15822 | des Lichtschatzes zu dem Topos der Rechten. Hier beginnt die |
| 15823 | Formation zur Geburt. Er umarmte die in Sabaoth dem Guten |
| 15824 | befindliche Lichtkraft (p. 122ff), welche der kleine Sabaoth von |
| 15825 | der Mitte empfing und in die Hyle der Barbelo stiess. Darum |
| 15826 | wird ersterer der „Vater“ Jesu genannt (ⲣ. 193. 292) und, da |
| 15827 | dieser nach p. 193 von Jeü emaniert ist, wird letzterer mit |
| 15828 | Recht der „Vater von Jesu Vater“ genannt (viertes Buch ⲣ. 360. ' |
| 15829 | 364. 365). Dies lehrt uns, dass wir keineswegs die Stelle (p. 363): |
| 15830 | „Und ich werde euch die Taufen der Rechten, unseres Topos |
| 15831 | geben“ in „eius töx0»y“ emendieren dürfen, wie Petermann es ver- |
| 15832 | sucht hat, denn Jesus kann in Wirklichkeit von diesem Topos |
| 15833 | als von seinem Heimatsorte reden. Hat er aus dem Sabaoth die |
| 15834 | Seele genommen, so empfängt er seinen hylischen Körper aus |
| 15835 | 1 Nach P. 1 ist der Erlöser Jesus der Lebendige, welcher ⲙ |
| 15836 | dem Lichtäon durch den Vater gekommen ist. |
| page 449 | |
| 15837 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 433 |
| 15838 | der Kraft, welche er von der Barbelo genommen! (p. 116. 121. |
| 15839 | 127. 128). |
| 15840 | In der Gestalt des Gabriel tritt er in die Äonenwelt ein; die |
| 15841 | Aonen erkennen ihn nicht, sondern sind in dem Irrtum befangen, |
| 15842 | dass er wirklich Gabriel, der Engel der Aonen, sei, darum kann |
| 15843 | er hier ungestört die Formation seiner eigenen irdischen Per- |
| 15844 | sönlichkeit vornehmen. Von hier aus blickt er auf Geheiss des |
| 15845 | ersten Mysteriums auf den Kosmos der Menschheit und tindet |
| 15846 | Elisabeth, die Mutter Johannes des Täufers; er nimmt vor ihrer |
| 15847 | Empfängnis eine Kraft aus dem kleinen Sabaoth dem Guten |
| 15848 | (p. 12), führt die Seele des Elias, die sich in den Äonen der |
| 15849 | Sphära befindet, zu der Lichtjungfrau, welche sie ihren xaga- |
| 15850 | Anyxzraı übergiebt, damit die Archonten der Sphära diese Seele |
| 15851 | in den Mutterleib der Elisabeth stossen, und somit in realer Weise |
| 15852 | ein Elias vor Jesus den Weg bereite (p. 12f. 355). |
| 15853 | Ausser der Seele des Elias findet er daselbst auch noch die |
| 15854 | Seelen der übrigen alttestamentlichen Patriarchen und Propheten. |
| 15855 | Abraham, Isaak und Jacob empfangen schon in diesen Regionen |
| 15856 | die Vergebung aller ihrer Sünden und Missethaten, erhalten die |
| 15857 | Mysterien des Lichtes und werden in den Topos des Jabraoth |
| 15858 | und seiner Archonten (s. o.) versetzt; die übrigen aber sendet |
| 15859 | Jesus zur Erde in gerechte Körper hinab, damit sie hier die |
| 15860 | Mysterien finden und das Lichtreich ererben (p. 355 £) Auch |
| 15861 | die Jünger erhalten ihre Formation (8. u.). |
| 15862 | Darauf blickt Jesus zum zweiten Male auf den Kosmos herab |
| 15863 | und findet Maria, er spricht mit ihr in der Gestalt des Engels |
| 15864 | Gabriel (p. 124)? und, als sie sich glaubensvoll zu ihm nach |
| 15865 | oben wendet, stösst er in sie die Kraft von der Barbelo (d. i. den |
| 15866 | Körper) und die Kraft von Sabaoth dem Guten (d. i. die Seele). |
| 15867 | 1 Unklar bleibt mir der Sinn der Stelle p. 128: Die dıxaıoovvn |
| 15868 | aber, welche aus dem Himmel herabblickte, bist Du, das erste Myste- |
| 15869 | rium, das herausblickt, indem Du aus den ywenuatx der Höhe und |
| 15870 | den Mysterien des Lichtreiches gekommen bist. Und Du kamst über |
| 15871 | das ⲉ︦ des Lichtes, welches Du von der Barbelo empfangen hast, |
| 15872 | d. i. Jesus, unser ϭⲱⲧϩ, indem Du über ihn wie eine Taube kamst.“ |
| 15873 | Dies hat den Anstrich einer adoptianischen Christologie. |
| 15874 | 2 Vergleiche Lucas 1, 26. |
| 15875 | Texte u. Untersuchungen VII, 1, 2. 28 |
| page 450 | |
| 15876 | 434 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 15877 | Auf diese Weise ist der Erlöser ein präexistentes Gebilde, |
| 15878 | das mit den kosmischen Mächten gar keine Gemeinschaft hat |
| 15879 | und mit Recht von sich anssagen kann, 00x &lyul & to x0ö0Hov |
| 15880 | (Joh. 17, 14 p. 11). Er ist nur als fremder Gast aus der Höhe |
| 15881 | bei der Maria eingekehrt, als die xagadıxn des ersten Myste- |
| 15882 | riums, damit durch diese alle Bewohner der Erde und der Höhe |
| 15883 | gerettet werden (p. 117). |
| 15884 | ⲥ. Jesu Geburt und Wandel auf Erden. |
| 15885 | Schon die vorhergehenden Bemerkungen belehren uns, dass |
| 15886 | der Verfasser eine wunderbare Geburt Christi angenommen habe, |
| 15887 | denn nirgends finden wir die Angabe, dass Joseph der Vater ge- |
| 15888 | wesen sei, obwohl er p. 120 f. dazu Gelegenheit gehabt hätte. |
| 15889 | Nur Maria wird seine Mutter ϫⲧⲉ 2) od. ϫⲁⲧⲉ ϫⲟϭⲕⲟ (ⲣ. 13. |
| 15890 | 116. 120. 123) genannt. Sehr merkwürdig ist der Ausdruck auf |
| 15891 | p- 116: „Und die Finsternis ist durch dich (Maria) entstanden“; aus |
| 15892 | den nächsten Worten: „Und es kam aus dir der Körper der Hyle |
| 15893 | heraus, in welchem ich mich befinde, welchen ich gereinigt und |
| 15894 | geläutert habe“, scheint sich mir der Sinn zu ergeben, dass Jesus |
| 15895 | bei der Geburt durch den hylischen Körper mit Dunkelheit über- |
| 15896 | gossen sei, dass er aber diesen Zustand aufgehoben habe. Unter |
| 15897 | dem Akt der Läuterung kann der Verfasser nur die Jordantaufe |
| 15898 | verstehen. Auch er vertritt die Anschauung, wie sie noch in |
| 15899 | unsern Synoptikern vorliegt, dass Jesus erst durch die Johannes- |
| 15900 | taufe zur Ausübung seiner Lehrthätigkeit berufen sei, während |
| 15901 | derselbe vorher ein Mensch an seinem Körper war; heisst es |
| 15902 | doch auf p. 373: „Und nach einer Weile hat mir mein Vater den |
| 15903 | heiligen Geist in Gestalt einer Taube gesandt“. Auch die apokryphe |
| 15904 | Kindheitsgeschichte weist auf eine adoptianische Christologie? |
| 15905 | 1 Dasselbe sagt Jesus P. 3: „Denn ich bin nicht aus dieser Welt |
| 15906 | und gleiche nicht den dgyal und den [#50volaı, und] alles Böse stammt |
| 15907 | nicht von mir.“ Es beweist dieser Umstand von neuem, dass die |
| 15908 | Gnostiker alle auf die präexistente Natur Christi bezüglichen Stellen |
| 15909 | der Schrift wörtlich auffassten und ihnen innerhalb ihres Systems |
| 15910 | eine reale Grundlage zu geben versuchten. |
| 15911 | ? cf. Harnack, Unters. etc. ⲃ. 11 |
| page 451 | |
| 15912 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 435 |
| 15913 | (p- 120. cf. 1. 122. 124). Wie nun auch immer die Reinigung des |
| 15914 | hylischen Körpers gedacht ist, einer doketischen Christologie kann |
| 15915 | der Verfasser nicht gehuldigt haben, wenigstens lässt er es nicht |
| 15916 | klar zu Tage treten; ob er nach Koestlin die Materie des Leibes |
| 15917 | Jesu als einen im Vergleich mit der irdischen Materie weit fei- |
| 15918 | neren, ätherischen, dessungeachtet aber wie alles Hylische nicht |
| 15919 | absoluten Stoff betrachtete, lasse ich dahingestellt. Ich möchte |
| 15920 | auch glauben, dass der Verfasser im Grunde seines Herzens Doket |
| 15921 | gewesen ist, aber er hütet sich, um gut christlich zu erscheinen, |
| 15922 | seine Meinung unverhüllt zu äussern. Ganz doketisch mutet uns |
| 15923 | eine Stelle im vierten Buche p. 373 an: „Wahrlich ich sage euch: |
| 15924 | Nicht habe ich irgend etwas zum Kosmos gebracht, ausgenommen |
| 15925 | dieses Feuer und dieses Wasser und diesen Wein und dieses |
| 15926 | Blut. Das Wasser und das Feuer habe ich aus dem Topos des |
| 15927 | Lichtes der Lichter des Lichtschatzes geführt, den Wein und |
| 15928 | das Blut aus dem Topos der Barbelos. Und nach einer Weile |
| 15929 | hat mein Vater mir den heiligen Geist in Gestalt einer Taube |
| 15930 | gesandt. Das Feuer aber, das Wasser und der Wein sind ent- |
| 15931 | standen, alle Sünden des Kosmos zu reinigen; das Blut dagegen |
| 15932 | ist mir ein Zeichen inbetreff des Körpers der Menschheit geworden, |
| 15933 | welchen ich im Topos der Barbelos empfangen habe“. Dieser Doke- |
| 15934 | tismus wird aber durch p. 374: „Und deswegen hat man in meine |
| 15935 | Seite die Lanze gestossen, und es kam Wasser und Blut heraus“, |
| 15936 | wieder zerstört, denn mit demselben ist ein wirkliches Leiden |
| 15937 | und Sterben des Erlösers unverträglich. An jener Stelle ergiebt |
| 15938 | sich meiner Meinung nach eine gnostisch gefärbte Lehre der |
| 15939 | zwei Naturen; das präexistierende erste Mysterium, welches schon |
| 15940 | in den oberen Regionen seine Formation erhalten hat, ist bei |
| 15941 | seiner Geburt mit einem menschlichen Leibe bekleidet worden, |
| 15942 | derselbe verbleibt dem Erlöser auch nach seiner Taufe, darum ein |
| 15943 | wirkliches Leiden und Sterben des Gott-Menschen statthaben |
| 15944 | kann. Der auf Erden weilende Jesus ist hier die Inkarnation |
| 15945 | des ersten Mysteriums, wenn auf dem &ydvua geschrieben stehet: |
| 15946 | „Das Mysterium, welches draussen im Kosmos ist“ (p. 16) |
| 15947 | Bei alledem ist die geschichtliche Persönlichkeit des Er- |
| 15948 | lösers ganz verflüchtigt. Von seinen Wundern und Predigten, |
| 15949 | von der Bedeutung seines Leidens und Sterbens, d. h. von dem |
| 15950 | uns in den Evangelien geschilderten Heiland, weiss unser Ver- |
| 15951 | fasser gar nichts; alles dies existierte für einen Gnostiker nicht, |
| 15952 | 28* |
| page 452 | |
| 15953 | 436 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 15954 | da es für ihn keinen Wert hatte. Die Lehrthätigkeit während |
| 15955 | seines wirklichen Erdenlebens beschränkt sich darauf, dass er zu |
| 15956 | seinen Jüngern nur &p Ϥⲟ gesprochen habe, ohne dass |
| 15957 | diese den geheimen pneumatischen Sinn verstandeu hätten !. Nur |
| 15958 | der Abschluss dieser seiner Lehrthätigkeit findet Erwähnung, |
| 15959 | denn gemäss den Evangelien ist er gekreuzigt und am dritien |
| 15960 | Tage wieder auferstanden (p. 1. 10. 357. 372. 374); dieser Tod |
| 15961 | ist nicht, wie oben erwähnt, doketisch aufgefasst, da der ϭⲱ |
| 15962 | selbst getötet wird. Aber durch welche Ursachen der Tod herbei- |
| 15963 | geführt, wie überhaupt der Gott-Mensch leiden kann, welche Güter |
| 15964 | die Menschheit durch den Kreuzestod erlangt habe, jene Fragen, |
| 15965 | die innerhalb der gnostischen Krisis eine so grosse dogmatische |
| 15966 | Bedeutung erhalten hatten, werden nicht beantwortet. Blickt |
| 15967 | man näher hinzu, so können diese geschichtlichen Thatsachen |
| 15968 | für den Verfasser nur leere Phrasen gewesen sein; er glaubt |
| 15969 | durch ihre Erwähnung seiner christlichen Pflicht Genüge gethan |
| 15970 | zu haben. Man erkennt hier deutlich den „greisenhaften Ginosti- |
| 15971 | cismus“, der sich durch die äussere Autorität der Grosskirche |
| 15972 | gezwungen sieht, die allgemein anerkannten Glaubensthafisachen |
| 15973 | in sein System aufzunehmen, obwohl sie, dogmatisch betrachtet, |
| 15974 | ϣⲁⲓ keine Folgerung für die Ausprägung seines Christentums |
| 15975 | besitzen. |
| 15976 | Das vierte Buch hebt sich auch in der Christologie von den |
| 15977 | übrigen ab, der Verfasser scheint in der That dem Kreuzestode |
| 15978 | Jesu eine erlösende Wirkung zugeschrieben zu haben. Denn |
| 15979 | gleich nach seiner Auferstehung versammeln sich seine Jünger |
| 15980 | um ihn und bitten um Vergebung ihrer Sünden. Wir können |
| 15981 | daraus schliessen, dass vorher ihm dazu noch keine Macht ge- |
| 15982 | geben war; auch verheisst er ausdrücklich, den Jüngern jetzt |
| 15983 | die Schlüssel des Himmelreiches geben zu wollen (ⲣ. 372), Die |
| 15984 | Einsetzung des Abendmahls und das Herausfliessen von Wasser |
| 15985 | 1 Koestlin verweist mit Recht auf Clem. Alexandr. Exoer. 6x |
| 15986 | Thevd. $ 66: ϭⲱⲧϩ T0US AnoCTOAOUG EÖldaoxev TA ⲕ ⲛϩⲱⲃ URS |
| 15987 | xab MUOTIKOS, ⲧⲉ ⲟ VotEQu ⲡⲁϩⲁⲃⲟⲙⲕⲱ̄ϩ ⲕⲟ) Hyiypkvaws, zu 02 zalm |
| 15988 | ϭⲱϩ ⲕⲁ YUNVÖOS ⲕⲟⲧⲉ ⲙⲙⲟϩ. |
| 15989 | 2 Die beiden Bücher Jeü geben in dieser Beziebung gar keine |
| 15990 | Ausbeute. |
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| 15991 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 437 |
| 15992 | ıd Blut haben eine symbolische Bedeutung, denn sie sind die |
| 15993 | ysterien des Lichtes, welche die Sünden vergeben, und die |
| 15994 | okaciaı und die Namen des Lichtes (ⲣ. 374). Freilich kenn- |
| 15995 | ichnet sich sein gnostischer Standpunkt dadurch, dass er in |
| 15996 | m Tode noch nicht allein die entsühnende Kraft sieht, er muss |
| 15997 | ıch die Einsetzung besonderer Taufen und der mit diesen ver- |
| 15998 | ındenen Riten vornehmen lassen, eine Vorstellung, die ihm |
| 15999 | e Evangelien an die Hand geben konnten. |
| 16000 | Auch sonst tritt uns der Auferstandene als der Herr über |
| 16001 | immel und Erde entgegen, dessen Winke alles Folge leistet. |
| 16002 | ötzlich steht er mit seinen Jüngern an dem Wasser des Oke- |
| 16003 | ⲟⲃ (p. 357), im Besitz des Namens von dem Vater des Licht- |
| 16004 | hatzes ruft er den Vater an, und alle Wünsche werden erfüllt. |
| 16005 | ie Himmel gehen nach Westen, ebenso alle Äonen, die Sphära, |
| 16006 | re Archonten und Dynameis, die Sonnen- und Mondscheibe |
| 16007 | scheinen in ihrer wahren Gestalt, und Jesus mit seinen Jüngern |
| 16008 | ird der Welt entrückt und gelangt zum Topos der Archonten |
| 16009 | ⲃ Weges der Mitte, um den Jüngern die Orte der Pein zu |
| 16010 | igen (ⲣ. 358 ff.). |
| 16011 | Jesus lobsingt in dem grossen Namen; da verbergen sich |
| 16012 | e Topoi des Weges der Mitte, er dagegen bleibt auf einer sehr |
| 16013 | ossen Lichtluft und lässt die Jünger die vier heiligen Elemente |
| 16014 | ⲅ Mysterien schauen (ⲣ. 372 f.). Dann wieder befindet er sich |
| 16015 | it seinen Jüngern auf dem Berge von Galilaea (p. 374), später |
| 16016 | der Mitte des Amente, um ihnen auch diese Welt zu er- |
| 16017 | hliessen (p. 379 ff), mit einem Wort: er ist ein grosser Magier, |
| 16018 | m alle Geister und Welten dienstbar sind. |
| 16019 | Diese Thaten fallen sämmtlich in die unmittelbar der Auf- |
| 16020 | 1 Solche übernatürlichen Wunder sind echt gnostisch, dies zeigen |
| 16021 | ⲓⲃ vor allem ihre apokryphen Apostelgeschichten. Dieselbe über- |
| 16022 | türliche Kraft Jesu vertritt auch das erste Buch Jeü, denn Jesus |
| 16023 | ıgiebt sich mit einer Taxis d.h. mit den zwölf Jüngern und lässt |
| 16024 | ) die höchsten Lichtschätze schauen, indem er ihnen zugleich den |
| 16025 | ımen der einzelnen Topoi, den Namen ihrer Siegel und ihrer Psephoi |
| 16026 | gt (36.) Die ‚Jünger folgen ihm, wohin er geht, daher sie |
| 16027 | sammen im siebenten Schatz einen Hymnus auf den unnahbaren |
| 16028 | ıter, den Schöpfer der Lichtschätze, singen (P. 48 ff.). |
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| 16029 | 438 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 16030 | erstehung folgende Zeit, Aber die schaffende Phantasie des |
| 16031 | Onostikers ist weiter gegangen und hat ein neues Erdenleben |
| 16032 | des Gekreuzigten erfunden. Dieser lebt, aber nicht in der leben- |
| 16033 | digen Erinnerung der Gläubigen; nicht ist er. zum Himmel ge- |
| 16034 | fahren, sondern wandelt in realer Gestalt unter seinen Jüngern |
| 16035 | und Jüngerinnen, um ihnen die höchsten Mysterien, die Geheim- |
| 16036 | nisse dieser und jener Welt zu offenbaren. ‚Das alte Evangelium |
| 16037 | genügte den Gnostikern keineswegs, vergebens suchten sie in |
| 16038 | ihm den Aufschluss über jene Fragen, welche die Ideen der |
| 16039 | damaligen Zeit beherrschten, d. h. über die Probleme von Gott |
| 16040 | und Welt, Geist und Materie; darum musste ein neues Evangelium |
| 16041 | erfabelt, ein neues Leben nach dem Tode erdichtet werden, um |
| 16042 | die Lücken der Traditionen auszufüllen. |
| 16043 | Die Ansicht, dass Jesus nach seiner Auferstehung auf Kirden, |
| 16044 | wenn auch in verklärter Gestalt, geweilt, wird ja auch in der |
| 16045 | Apostelgeschichte vertreten; die Valentinianer ! nahmen 18 Monate |
| 16046 | an, ebenso die Ophiten?, auch Heracleon scheint denselben. Ge- |
| 16047 | U ef. Iren. I, 3, 2 (Epiph.): xel t00g A0sx00S . . . Gexaoxte ϥⲟ) |
| 16048 | ⲗⲉⲓ Ϩⲓⲥⲧⲉⲧϩⲓϣ4ϧⲟⲓ adrOv ϭⲙ TOLG MAÖNTAIS. |
| 16049 | ? cf. Iren. I, 30, 14 (Neander: Gnostische Systeme ⲃ︦. 242f.): |
| 16050 | Confirmare autem volunt descensionem Christi et ascensionem ex 60, |
| 16051 | quod neque ante baptismum neque post resurrectionem a mortuis |
| 16052 | aliquid magni fecisse Jesum dicunt discipuli, ignorantes adunitum ⲉⲃⲃⲑ |
| 16053 | Jesum Christo et incorruptibilem Aeonem hebdomadali et mundiale cor- |
| 16054 | pus animale dicunt. Remoratum autem eum post resurrectionem |
| 16055 | XVIII mensibus, et sensibilitate in eum descendente didicisse quod |
| 16056 | liquidum est; et paucos ex discipulis suis, quos sciebat capaces tan- |
| 16057 | torum mysteriorum, docuit haec. |
| 16058 | In ähnlicher Weise lehrt die ascensio Jesaiae ed. Dillmann |
| 16059 | (p. 43. 57 ⲉⲃⲟ. ⲥ.. 16) 545 Tage, dies steht mit den 18 Monaten |
| 16060 | in Verbindung. Eine treffende Erklärung aber, wie man gerade auf |
| 16061 | die Zahl von 18 Monaten gekommen, ist meines Wissens nicht ge- |
| 16062 | funden (cf. Patr. Apostol. Opp. ed. Gebhardt etc. Ⲓ 2 p. 138 ®q.). |
| 16063 | Die Vermutung von Harvey (Irenaeus tom. I p. 240) dass aus einem |
| 16064 | Irrtum IH. M. HMZ. = "Incods ⲙ Hutoaıs IH. MHEI entstanden, |
| 16065 | ist unhaltbar, wahrscheinlicher klingt diejenige von Usener (Weih- |
| 16066 | nachtsfest ⲃ︦. 22), dass der Zahlenwert von IH (cos) massgebend |
| 16067 | gewesen sei, doch sind auch damit noch nicht alle Bedenken gehoben. |
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| 16068 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 439 |
| 16069 | nken gehabt zu haben, wie dies aus einer wenig beachteten |
| 16070 | elle des Origenes in Johann. tom. XII, 51 (opP- IV, p. 2) |
| 16071 | erschliessen ist: xal ⲧⲟ̀ ⲙⲉⲧⲉ ⲧ ⲡⲟ︦ⲑⲟϩ, 0V ⲡϭϩ AUTOS |
| 16072 | ⲙ]⳪ⲥϩ ⲡⲟⲗⲗϣ︦ ⲡⲗⲉⲓⲟⲩⲥϩ dık ⲧⲟⲟⲩ Liov ⲗⲟⲩⲟⲱ ⲉ̀ⲡⲓϭⲅⲣ̃ⲫⲟϩ ⲉⲓϩ |
| 16073 | otw Eywolodn an’ avtap. |
| 16074 | Was aber unsere Gnostiker zu der Fiktion bewogen, dass |
| 16075 | sus zwölf Jahre bis zu seiner wirklichen Himmelfahrt! auf |
| 16076 | ‚den als Mensch gewandelt, mit seinen Jüngern geredet und |
| 16077 | ; belehrt habe, ist mir unerklärlich. Es gewinnt den Anschein, |
| 16078 | ⲓ wenn sie zu viel Stoff besassen, um ihn in ⲃⲟ kurzer Zeit |
| 16079 | n Jesus behandeln zu lassen, daher man zu einer stufenweisen |
| 16080 | fenbarung die Zuflucht nahm; aber warum dazu zwölf Jahre |
| 16081 | Ϥ︦ nicht zehn etc. nötig waren, verschweigt der Verfasser ?. |
| 16082 | Man findet nun gewöhnlich in den Büchern die Angabe, |
| 16083 | ⲃⲃ Jesus nur elf Jahre auf Erden geweilt habe; dies ist aber |
| 16084 | rchaus falsch, denn die Einleitung der P. Sophia lautet folgender- |
| 16085 | assen: „Es geschah aber, dass Jesus, nachdem er von den Toten |
| 16086 | ferstanden war und elf Jahre zugebracht hatte im Gespräch mit |
| 16087 | inen Jüngern und sie nur bis zu den Topoi der ersten Grenzen |
| 16088 | ıd bis zu den Topoi des ersten Mysteriums belehrend etc“. |
| 16089 | ⲓ werden also die elf Jahre als schon verflossen angesehen. |
| 16090 | un folgt am fünfzehnten Tybi des folgenden Jahres die Himmel- |
| 16091 | hart, daher sollen die Mitteilungen?, welche Jesus seinen |
| 16092 | 1 Nirgends wird gesagt, dass Jesus gleich nach seiner Aufer- |
| 16093 | ;»hung zum Himmel gefahren und von dort zurückgekehrt sei. |
| 16094 | oide (in Append. ad edit. cod. Alex. p. 1) nimmt dies ohne Wei- |
| 16095 | ⲉⲃ an, seine Vermutung ist meiner Meinung nach unwahrscheinlich, |
| 16096 | wir dann drei Himmelfahrten ansetzen müssten. Das ist wohl |
| 16097 | Ibst für einen Gnostiker zu viel. |
| 16098 | 2 Resch: Agrapha (in den Text. u. Unters. herausg. von Gebh. |
| 16099 | d Harn. Bd. V. 1889 S. 426f.) weist auf Apollonius bei Eusebius |
| 16100 | e. V, 18, 14 p. 186. 187. und auf Clemens Al. Strom. VI, 5, 43 |
| 16101 | 762 hin und zeigt, dass das zwölfte Jahr nach der Grainıpıc des |
| 16102 | ırrn in der altkirchlichen Tradition jedenfalls einen wichtigen |
| 16103 | endepunkt gebildet habe. cf. Zahn, Acta Johannis p. LIX. Herr |
| 16104 | ad. theol. v. Dobschütz hat die Freundlichkeit gehabt, mich noch |
| 16105 | f Actus Petri c. Simone ⲥ. 5 (Lipsius p. 49) aufmerksam zu machen. |
| 16106 | 3 Über den Inhalt dieser Unterredungen werden wir später handeln. |
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| 16107 | 440 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 16108 | Jüngern in den ersten zwei resp. drei Büchern zuteil werden |
| 16109 | lässt, in seinem zwölften und letzten Jahre erfolgt sein. Unsere |
| 16110 | Interpretation wird auf das Beste gestützt durch das zweite Buch |
| 16111 | ⲑ (P. 57): „Jesus hatte aber Mitleid mit seinen Jüngern, weil |
| 16112 | sie ihre Eltern und ihre Brüder, ihre Frauen und ihre Kinder |
| 16113 | und alle Lebensbedürfnisse dieser Welt preisgegeben hatten und |
| 16114 | ihm zwölf Jahre gefolgt waren und alle Gebote, die er ihnen |
| 16115 | gegeben, befolgt hatten“. |
| 16116 | Nach Verlauf von elf Jahren hat der Erlöser die Taxis |
| 16117 | seiner dıexxorla (ⲣ. 8. 9. 20. 32. 37), die vom Ineffabilis und dem |
| 16118 | ersten Mysterium bestimmt war, vollendet, er hat die Jünger bis |
| 16119 | zu einem bestimmten Punkt belehrt (ⲣ. 1 ff) und erkennt in |
| 16120 | seiner Allwissenheit, dass die Zeit seiner Erhöhung nahe ist; daher |
| 16121 | erwartet er mit Sehnsucht, dass ihm sein Kleid, welches er ja im |
| 16122 | vierundzwanzigsten Mysterium niedergelegt hat, geschickt werde. |
| 16123 | Der Ort der Situation ist der Ölberg 1! (ef. p. 170 f). Jesus sitzt mit |
| 16124 | seinen Jüngern auf demselben u. z. in einiger Entfernung von ihnen. |
| 16125 | Da geschah das Wunderbare. Am fünfzehnten Tybi, d. h. am elften |
| 16126 | Januar, bei Sonnenaufgang ? kommt eine unermesslich leuchtende |
| 16127 | Dynamis aus dem Licht der Lichter, aus dem vierun i |
| 16128 | Mysterium und ergiesst sich über Jesus. Die Augen der Jünger |
| 16129 | werden infolge dieses strahlenden Lichtglanzes geblendet, denn |
| 16130 | der Lichtstrahl reicht vom Himmel bis zur Erde, u. ⲕ ist dieser |
| 16131 | 1 Auch nach der Apostelgesch. 1, 12 ist der Ölberg der Ort der |
| 16132 | Himmelfahrt. Wahrscheinlich verlegt auch der Verfasser des zweiten |
| 16133 | Buches Jeü die Handlung nach Judaea resp. Jerusalem, da ⲉϣⲱ zu |
| 16134 | seinen Jüngern spricht (P. 59): „Gehet hinauf nach Galilaea“, Die |
| 16135 | Mitteilungen im vierten Buch der P. Sophia sollen auf dem Berge |
| 16136 | von Galilaea erfolgt sein (p. 374). Hier zeigt der Verfasser seine |
| 16137 | Abhängigkeit von Matth. 28, 16. cf. Matth. 26, 32. |
| 16138 | 2 Da der Verfasser sagt: „Als die Sonne aus ihrer Basis ⲝⲑ |
| 16139 | kommen war, ging nach ihr eine grosse Lichtdynamis aus“, darf mas |
| 16140 | wohl schliessen, dass die wirkliche Himmelfahrt erst um 9 Uhr er- |
| 16141 | folgt sei. Dafür spricht der Satz: Als Jesus zum Himmel gegangen |
| 16142 | war nach Verlauf von drei Stunden, da erschraken alle Kräfte der |
| 16143 | Himmel“ etc. ⲣ. 6); auch wird ausdrücklich gesagt, dass die Licht- |
| 16144 | dynamis ihn allmählich umgab. |
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| 16145 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 441 |
| 16146 | n verschiedener Art und Typus, indem ein Teil desselben noch |
| 16147 | endlich viel glänzender ist als der andere. Kaum hatte das |
| 16148 | ;ht Jesum ganz umgeben, da stieg er auf und eilte in seinem |
| 16149 | ermesslichen Lichtglanze nach oben. Die Jünger waren bei |
| 16150 | sem Anblick natürlich in grosser Furcht, blickten Jesum |
| 16151 | ıweigend nach, denn das Ganze machte einen solchen Eindruck |
| 16152 | f sie, dass Niemand ein Wort sprach. Die ganze Welt war |
| 16153 | Aufregung, es erschraken alle Kräfte der Himmel und alle |
| 16154 | ;»hter zugleich, ebenso alle Aonen, ihre Topoi und Taxeis; die |
| 16155 | nze Erde und alles auf ihr Befindliche war in seinen Grund- |
| 16156 | ıten erschüttert, die Menschen waren bestürzt, wie auch die |
| 16157 | nger, in dem Glauben, dass das Ende nahe sei. In der Höhe |
| 16158 | rrschte Freude, alle Engel und Erzengel und Kräfte der Höhe |
| 16159 | jesen den Innern der Innersten, so dass selbst der Kosmos |
| 16160 | ‚en Hymnus vernehmen konnte. Dieser Zustand währt von der |
| 16161 | itten Stunde des fünfzehnten Tybi bis zur neunten Stunde des |
| 16162 | genden Tages !. |
| 16163 | Während dessen hat Jesus seine Himmelfahrt vollendet, in |
| 16164 | nem strahlenden Lichtglanze gelangt er zu den Thoren des |
| 16165 | ⲉⲟϧⲱⲙϭ, sie können ihm keinen Widerstand leisten, sie thun |
| 16166 | ⲃ von selbst auf, erschrocken stehen da alle Archonten, &&0volaı |
| 16167 | d die Engel, als sie in dem ⲉⲕⲟ das Mysterium ihres |
| 16168 | ımens sehen; ihre Fesseln, mit denen sie gebunden waren, |
| 16169 | ırden gelöst, alle fallen vor ihm nieder, preisen ihn, beten ihn |
| 16170 | ı ihren Herrn und Gebieter an und sprechen: In welcher |
| 16171 | eise hat uns der Herr des Alls überschritten, ohne dass |
| 16172 | r es wussten?“ Darauf begiebt sich Jesus in neunmal grösse- |
| 16173 | n Glanze zu der Sphära, in der dasselbe wie vorher geschieht, |
| 16174 | n dort zu der «iuapu&vn und schliesslich zu den zwölf Äonen. |
| 16175 | 1 Welchen Quellen der Verfasser die Annahme entnommen, dass |
| 16176 | ı Himmelfahrt Jesu von 9 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags des |
| 16177 | genden Tages gedauert habe, weiss ich nicht anzugeben; sein |
| 16178 | ‚enes Product ist es nicht. |
| 16179 | 2 In diesem ϧⲱⲕ sind nämlich die Namen und die Mysterien |
| 16180 | nmtlicher Himmelsmächte verzeichnet, so dass Jesus ihre Regionen |
| 16181 | gehindert durchschreiten kann. Vergleiche die Schilderung ⲣ. 1 |
| 16182 | ‚ersetzung S. 34 |
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| 16183 | 443 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke, |
| 16184 | Hier entsteht eine grosse Verwirrung, denn das ihn umgebende |
| 16185 | Licht ist 8700 zehntausendmal so glänzend als dasjenige auf dem |
| 16186 | Kosmos. Aber die Weltherrscher sind nicht gebeugt, Sabaotl |
| 16187 | Adamas schaart seine Tyrannen um sich und beginnt in seiner |
| 16188 | Vermessenheit einen Kampf gegen das Licht. Aber ihre Stunde |
| 16189 | hat geschlagen, denn nun ändert Jesus, um die Macht der Ar- |
| 16190 | chonten zu brechen, die von Jeü eingesetzte Ordnung der Ge- |
| 16191 | stirnssphäre dahin ab, dass die Bahn der eiuaguern und ogpalta |
| 16192 | sechs Monate nach links und sechs Monate nach rechts gedreht |
| 16193 | ⲓⲃ. Auf diese Weise wird der Magie und Sterndeuterei ein jähes |
| 16194 | Ende bereitet oder dieselbe wenigstens eingeschränkt, denn die |
| 16195 | Berechnungen der divinatores und ordinatores horae fruchten |
| 16196 | nichts, ihre övouaoları haben keinen Erfolg, da die Namen je |
| 16197 | nach den Konstellationen verschiedene sind. Freilich ganz ge- |
| 16198 | brochen ist, der Gestirndienst keineswegs; 'gelingt es nämlich |
| 16199 | einem Wahrsager, die Neuordnung der Dinge zu durchschauen, |
| 16200 | so ist er nach wie vor im stande, aus den Sternen die Zukunft zu |
| 16201 | deuten; auch besteht noch das Mysterium der Magie des dreizehnten |
| 16202 | Äons, des Topos der dıxo.000p7 (ⲣ. 3 auf Geheiss des ersten |
| 16203 | Mysteriums fort. Diese Wertschätzung der Magie ist ein cha- |
| 16204 | rakteristisches Zeichen der ersten christlichen Jahrhunderte, der |
| 16205 | Dämonenglaube war bei Heiden, Gnostikern und Christen weit |
| 16206 | verbreitet 2. : |
| 16207 | Aber noch in anderer Weise greift Jesus in die Weltordnung |
| 16208 | ein. Wie schon oben gesagt, hatten die Weltherrscher die Ner- |
| 16209 | bildung von Menschenseelen und die damit verbundene Ver- |
| 16210 | nichtung ihres Reiches dadurch zu verhindern gesucht, dass sie die |
| 16211 | Seelensubstanzen nicht zur Erde gelangen liessen, sondern sich |
| 16212 | umwandten und dieselben wieder verschlangen. Um diesem Zu- |
| 16213 | stand ein Ende zu machen, beschleunigt Jesus ihre Bahnen, |
| 16214 | indem sie in derselben Zeit zwei Kyklen® machen, so dass sie |
| 16215 | ! Wie der Verfasser diese Weltänderung gedacht, bleibt mir |
| 16216 | unklar. |
| 16217 | ? f. Harnack, Dogmengeschichte Ⲓ ⲃ. 151 Anm. 1; interessat |
| 16218 | sind Tertullian apologet, cap. 22, 28. 85. Iren. IL ⲥ 82, 4. Orig. |
| 16219 | contra Celsum I, 6. VIII. 36. Pastor Herm. libr. IL mand, 7. Tatlm |
| 16220 | cap. 16 ⲉⲥ. |
| 16221 | * Der Verfasser scheint hier dem ptolem. Systeme zu folgen. |
| 16222 | N |
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| 16223 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 443 |
| 16224 | ; Hyle von der Hefe des reinen Lichtes nicht mehr verschlingen |
| 16225 | nnen. Infolge dessen wird die bestimmte Zahl der vollkom- |
| 16226 | ‚men Seelen in kurzer Zeit vollendet und die evectio universi |
| 16227 | nn eintreten (p. 37f.) |
| 16228 | Diese seltsamen Magierkunststücke ! des Erlösers bilden für |
| 16229 | a Verfasser bei der Himmelfahrt die Hauptsache; diese erzählt |
| 16230 | mit grosser Weitläufigkeit, während der Aufenthalt beim Vater |
| 16231 | az unberücksichtigt bleibt. |
| 16232 | Jetzt hat auch die Stunde der Befreiung der P. Sophia ge- |
| 16233 | ılagen, die drei Zeiten, von der ihr Jesus verheissen, sind vor- |
| 16234 | er, das Licht des Lichtschatzes hat sich in allen Äonen offen- |
| 16235 | :+t (p. 167). Die erneute Bedrängnis der P. S. hängt mit der |
| 16236 | mmelfahrt Jesu auf das Engste zusammen; denn als derselbe |
| 16237 | F dem Ölberg sitzt, beginnt Sabaoth Adamas einen erneuten |
| 16238 | griff, emaniert aus sich Probolai, errichtet in seinem Topos |
| 16239 | ı Chaos, um sie hier zu quälen. Obwohl die P. S. den feind- |
| 16240 | hen Mächten das bevorstehende Gericht verkündet, gelingt es |
| 16241 | • doch nicht, sie von ihrem Vorhaben abzuschrecken, daher sie |
| 16242 | ihrer Bedrängnis einen Hymnus an den Erlöser richtet. Der- |
| 16243 | be naht ihr nach der Überwindung der zwölf Äonen und |
| 16244 | ırt sie in den dreizehnten Äon zu ihren Brüdern (ⲣ. 17 |
| 16245 | Ichen sie in ihrer Freude die Wunder, welche Jesus an ihr |
| 16246 | lbracht, schildert. |
| 16247 | Von dort eilt Jesus zum vierundzwanzigsten Mysterium, um |
| 16248 | ⲅ die beiden Kleider des ersten Mysteriums und seine gesammte |
| 16249 | rrlichkeit zu empfangen, da dasselbe ihn dieser Erhöhung für |
| 16250 | rdig befunden hat (p. 17f.); diese beiden Kleider enthalten |
| 16251 | ⲓ Namen der Mysterien und Probolai der oberhalb des vier- |
| 16252 | dzwanzigsten Mysteriums liegenden Regionen (s. 0.). |
| 16253 | Mit diesen angethan, steigt Jesus am nächsten Tage um die |
| 16254 | unte Stunde (d. i. 3 Uhr nachmittags) vom Himmel herab. — |
| 16255 | e Jünger sind noch einmütig versammelt, sie sind von Angst |
| 16256 | olge des Erdbebens ergriffen und weinen in Hinblick auf die |
| 16257 | künftigen Ereignisse. Da öffnen sich um 3 Uhr nachmittags |
| 16258 | » Himmel, sie sehen ihren Erlöser in seinem unermesslichen |
| 16259 | 1 Ich brauche wohl kaum daran zu erinnern, dass auch in christ- |
| 16260 | ‘hen Kreisen ähnliche Spekulationen angestellt wurden. |
| page 460 | |
| 16261 | 444 IV. Untersuchungen über die gnostisechen Werke. |
| 16262 | Lichtglanze herabkommen. Dieses Licht zeigt sich in dreifach |
| 16263 | verschiedenen Abstufungen; der eine Strahl ist immer noch uner- |
| 16264 | messlich viel glänzender als der andere, und zwar hat der unterste |
| 16265 | von ihnen die Gestalt: des Lichtes, welches über Jesus bei |
| 16266 | seinem Aufstieg zum Himmel gekommen war (d. h. sein eigenes |
| 16267 | Gewand, welches er im vierundzwanzigsten Mysterium nieder- |
| 16268 | gelegt hat), die beiden übrigen Strahlen sind natürlich die beiden |
| 16269 | &vduuata des Ineffabilis und des ersten Mysteriums, |
| 16270 | Bei diesem Anblick sind die Jünger sehr erschrocken, aber |
| 16271 | Jesus spricht zu ihnen voll Erbarmen und Güte: „Seid getrost, |
| 16272 | ich bin es, fürchtet euch nicht“. Dieses Wort lässt sie ihren |
| 16273 | Herrn und Meister erkennen, sie bitten ihn, sein Licht ⲙ sich |
| 16274 | zu ziehen, da ihre Augen geblendet sind und der ganze Kosmos |
| 16275 | erzittert. Diesem Wunsche gemäss legt er seine Glorie ab, alle |
| 16276 | Jünger nähern sich ihm, fallen vor ihm nieder, beten ihn an und |
| 16277 | fragen nach der Ursache der gewaltigen Bewegung. Darauf |
| 16278 | giebt Jesus ihnen die im Vorhergehenden dargelegte Erklärung |
| 16279 | (p. 4 £). |
| 16280 | Diese ganze Schilderung der Himmelfahrt Jesu gehört ohne |
| 16281 | Zweifel zu den schönsten Partien des ganzen Buches, sie ist voll |
| 16282 | poetischen Schwungs, dramatischer Kraft und tief religiösen |
| 16283 | Sinnes. Aus dem Kopfe unseres Verfassers ist sie, wie ich glaube, |
| 16284 | nicht entsprungen; die Erzählung muss ihm, wenn vielleicht auch |
| 16285 | nicht in der Ausschmückung, bereits vorgelegen haben, dafür |
| 16286 | sprechen die genauen chronologischen Angaben. Das feste Datum |
| 16287 | der Himmelfahrt ist der fünfzehnte Tybi alexandrinischen Kalen- |
| 16288 | ders, entsprechend dem elften Januar der julianischen Zählung; |
| 16289 | es ist der Tag, an welchem sich der Mond im Monat Tybi fällt |
| 16290 | (ⲣ. 4. 6). Aus dieser doppelten Hervorhebung des Tages ⲙ |
| 16291 | Vollmondstag dürfen wir wohl auf ein stehendes Fest innerhalb |
| 16292 | dieser Sekte schliessen. |
| 16293 | Mit Recht hat daher Usener! dieses Datum mit der uns von |
| 16294 | Clemens Alex. Strom. I, 21 ⲃ. 1462 auftbewahrten Nachricht in |
| 16295 | 1 Weihnachtsfest ⲃ︦. 20f. |
| 16296 | 2 1]. c. of 0? ano Bacıkeldov xal ⲧⲟⲟ Parrtlioperos adrod ⲉϯ ⲙⲱ |
| 16297 | EoQtaLovoL MI0dLAVUKTEQEVOVTES ⲉ̀ⲙⲟⲩⲓⲱ̀ϭⲉϭⲓ, ⲫⲟϭ) ⲟ alvas ⲉ ⲙ Ks |
| 16298 | Ⲧⲓⲃⲉϩϭⲟⲱ Kaloagos, thv ⲡⲉⲩⲧⲉⲕⲟⲓϨⲉⲕⲟ︦ⲧϥⲱ TOU TUßL ⲕⲛⲟ̀ⲥ, ⲧⲱ) ⲟⲏ |
| 16299 | (nach Us, lies ⲡ ⲅ) Evdexarny ⲧⲟⲓ ϭⲟ̀ⲧⲟⲟ︦ ⲙⲟⲟⲥ. |
| page 461 | |
| 16300 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 445 |
| 16301 | erbindung gebracht, dass die Basilidianer am fünfzehnten Tybi, |
| 16302 | ıdere am elften Tybi die Taufe des Erlösers festlich begangen |
| 16303 | ätten, indem sie die Nacht vorher mit Vorlesungen zugebracht, |
| 16304 | eide Stellen lehren uns, dass in gewissen gnostischen Kreisen |
| 16305 | ⲉ Epiphanie Jesu als ein sehr hohes Fest gefeiert wurde; in |
| 16306 | ar P. Sophia ist freilich der ursprüngliche Sinn schon etwas |
| 16307 | »rdunkelt. Aber es ist ein verhängnisvoller Schritt von Usener |
| 16308 | awesen, dieselben zum Ausgangs- und Stützpunkt seiner Unter- |
| 16309 | ıchungen über die Entstehung des Weihnachtsfestes zu machen. |
| 16310 | it Hilfe dieser und einiger anderer Stellen sehr zweifelhaften |
| 16311 | /ertes stellt er nämlich Folgendes auf (S. 37f.): „Wir haben |
| 16312 | ⲉ hinlänglich überzeugt, dass und in welcher Weise etwa die |
| 16313 | piphanie des elften Tybi (6. Januar) in gnostischen Kreisen als |
| 16314 | eburtsfest Christi gefeiert wurde. Aber ein Zeuge noch des |
| 16315 | veiten Jahrhunderts, dessen Wort einen besonderen Wert durch |
| 16316 | m Umstand erhält, dass er selbst in dem Mittelpunkt der gno- |
| 16317 | ischen Bewegung, zu Alexandria, lebte und wirkte, Clemens |
| 16318 | sichert auf das Bestimmteste, dass das von den Basilidianern |
| 16319 | n elften Tybi begangene Fest die Feier der Taufe Christi war. |
| 16320 | nd als die Kirche den Festtag übernahm, vereinigte sie, wie |
| 16321 | ir sehen werden, an demselben das Gedächtniss der Geburt und |
| 16322 | aufe. Wie konnte das Tauffest zum Geburtsfest, wie beides |
| 16323 | sreinigt und gleichsam als eins aufgefasst werden?“ |
| 16324 | Von p. 38 bis 187 untersucht Usener diese Frage nach allen |
| 16325 | ⲙⲉ hin; besonders die Gnostiker haben ihm viel Material zur |
| 16326 | sung des schwierigen Problems an die Hand gegeben, daher |
| 16327 | ällt ihm die Antwort, auf die Frage, von der er ausgegangen, |
| 16328 | je eine reife Frucht in den Schooss. Die erste Vorstellung |
| 16329 | ⲓ der Geburt des Gottessohnes war in der Jordantaufe aus- |
| 16330 | »prägt. Die Gnostiker, welche diese Taufe zu feiern begannen, |
| 16331 | aren dazu veranlasst durch den darin entwickelten Gedanken |
| 16332 | ır Herabkunft Gottes auf die Erde. Basilides selbst hat den |
| 16333 | organg am Jordan nicht gekannt, wenigstens noch nicht zu |
| 16334 | ır Zeit, als er die uns bekannte Lehre (S. 99) vortrug. Die |
| 16335 | zer der Taufe Christi, welche seine Anhänger am 11. Tybi |
| 16336 | ler 6. Januar begingen (S. 1) verdankt ihre Entstehung der |
| 16337 | xt, als der Bericht von der Jordantaufe in der Fassung des |
| 16338 | vulinischen Evangeliums durchdrang, also der Zeit zwischen |
| 16339 | 10 und 130 (S. 122) ......... Die Herabkunft der Gottheit, |
| page 462 | |
| 16340 | 446 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 16341 | die Schöpfung eines Gottessohnes, mit einem Wort die Epiphanie | |
| 16342 | war es, was sie in der Taufe feierten: die volksthümliche Variante |
| 16343 | dieser Vorstellung, die jungfräuliche Geburt, verlieh nur dem- |
| 16344 | selben Feste einen Zuwachs liturgischen Inhalts. Mit der Ein- | |
| 16345 | setzung des Festes war von vorn herein die Vereinigung der |
| 16346 | Taufe und der Geburt Christi zur selben Feier gegeben gewesen. |
| 16347 | Die Nachtfeier, welche ehemals zu würdiger Vorbereitung auf |
| 16348 | den hohen Tag der Jordantaufe gedient hatte (S. 18), wurde nun |
| 16349 | entsprechend der Erzählung des dritten Evangeliums zu einer |
| 16350 | Feier der jungfräulichen Geburt. Wie das in diesen gnostischen |
| 16351 | Kreisen noch bis ins vierte Jahrhundert geschah, haben wir be- |
| 16352 | reits von Epiphanius uns berichten lassen (ⲃ︦. 27 f.), und die |
| 16353 | Lehre der Naassener hat diesen Bericht bestätigt (S. 31 f.). Aus |
| 16354 | ihren Zahlenspielereien ergiebt sich ferner, dass auch die Valen- |
| 16355 | tinianer das Fest hochgehalten haben. Es ist also schon im Laufe |
| 16356 | des zweiten Jahrhunderts, vor der Zeit des Clemens, die Fest- |
| 16357 | feier von den Basilidianern aus, mindesten auf zwei andere Sekten, |
| 16358 | wir dürfen annehmen, auf alle eigentlichen Gnostiker über |
| 16359 | gegangen. Während des dritten Jahrhunderts wird es sich noch |
| 16360 | weiter ausgebreitet haben, zumal im Osten, der Heimath des |
| 16361 | Bardesanes und Manes. So kam es, dass schliesslich auch die |
| 16362 | Kirche, die sich bisher gegen das Fest, vermutlich gerade wegen |
| 16363 | seines ketzerischen Beigeschmacks, so spröde verhalten hatte, |
| 16364 | dasselbe übernahm und der Bedeutung seines evangelischen In- |
| 16365 | haltes gemäss ausstattete; sie übernahm es aber ⲃⲟ wie es die |
| 16366 | Gnostiker ausgebildet hatten, als Feier der Geburt und der Taufe |
| 16367 | Christi. Das kann im Osten schon um die Wende des dritten |
| 16368 | und vierten Jahrhunderts geschehen sein; aber als der Kirche |
| 16369 | nach schwerer Verfolgung (303—311) endlich der Friede und |
| 16370 | dadurch die Möglichkeit sich behaglich im eigenen Hause ein- |
| 16371 | zurichten gegeben war, da muss die Ausbreitung der Festfeier |
| 16372 | fast eine plötzliche gewesen sein. Wir können nunmehr an der |
| 16373 | Hand der Zeugnisse die kirchliche Anerkennung und Begehung |
| 16374 | des Festes verfolgen“. |
| 16375 | Soweit Usener. Wir unsererseits ! müssen gestehen, dam |
| 16376 | 1 Vergleiche die sehr eingehende Recension des Werkes ⲩⲱ |
| 16377 | Harnack: Thevlogische Literaturzeitung 1889 No. 8 S. 1998 |
| page 463 | |
| 16378 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 447 |
| 16379 | • diesen Ausführungen gegenüber uns sehr skeptisch verhalten |
| 16380 | ssen, da wir keineswegs mit dem Verfasser überzeugt sind, |
| 16381 | ⲃ durch seine Methode das Problem „zur leibhaftigen Gewiss- |
| 16382 | t“ gebracht ist. Denn so fest geschlossen auch der ganze |
| 16383 | fbau zu sein scheint, um so wankender werden seine Funda- |
| 16384 | nte, sobald man diese näher prüft. Die Gnostiker, insbesondere |
| 16385 | Basilidianer sollen zuerst das Fest am 11. Tybi gefeiert haben; |
| 16386 | ⲅ das Zeugnis des Clemens berechtigt uns keineswegs, auf die |
| 16387 | t des zweiten Jahrhunderts weitgehende Schlüsse zu ziehen. |
| 16388 | > bleibt nun der fünfzehnte Tybi oder elfte Januar, den doch auch |
| 16389 | Basilidianer oder ein Teil derselben festlich begingen? Sind |
| 16390 | se die älteren, oder jene, die am elften 'Tybi feierten? oder |
| 16391 | »en beide Richtungen gleichzeitig neben einander existiert? |
| 16392 | elchen ist der Meister selbst gefolgt? Das sind doch Fragen, |
| 16393 | Ⲓⲥⲃⲉ ein Philologe wie Usener zur festen Fundierung seiner |
| 16394 | iteren Untersuchungen hätte scharf ins Auge fassen müssen. |
| 16395 | er die Pistis Sophia bestätigt ja Useners Ansätze auf das Treff- |
| 16396 | aste! — Die P. S. ist ein Denkmal der jüngeren Valentinischen |
| 16397 | ⲙⲉ (S. 20); eine Begründung dieser Ansicht suchen wir ver- |
| 16398 | jens, und doch war sie an dieser Stelle von der höchsten |
| 16399 | ichtigkeit, wenn sie ein vollgültiges Zeugnis für die Basili- |
| 16400 | ner abgeben sollte, zumal doch bedeutende Kenner des Gno- |
| 16401 | ısmus wie Koestlin, Lipsius, Baur etc. ganz anderer Meinung |
| 16402 | d! Was versteht denn Usener unter dem Begriff „jüngerer |
| 16403 | ‚Jentinischer Schule“! Denn dies ist meiner Meinung nach |
| 16404 | ı sehr relativer Begriff, unter dem man nur seine Unkenntnis |
| 16405 | n dem wirklichen chronologischen Verhältnis verbergen kann. |
| 16406 | he ich recht, so will Usener dadurch, dass er die P. S. den |
| 16407 | ıgeren Valentinianern zuschreibt, das Alter des Werkes höher |
| 16408 | ı1aufrücken, spricht er doch auf S. 188 vom zweiten Jahrhun- |
| 16409 | rt; dies ist aber, wie unsere Untersuchungen zeigen werden, |
| 16410 | rchaus unzulässig. — Die P. Sophia bestätigt nun die Feier |
| 16411 | 3 Tauffestes am fünfzehnten Tybi, Usener hat dieses Verhältnis |
| 16412 | t Scharfsinn erkannt; aber der fünfzehnte Tybi hat für ihn |
| 16413 | inen Wert, da er ja ein Zeugnis für die Feier am elften Tybi |
| 16414 | den will. Doch auch dieses lässt nicht auf sich warten. |
| 16415 | ıch ihm giebt dieselbe Pistis Sophia „auch für den elften Tybi |
| 16416 | Januar) ein zwar indirectes, aber unverkennbares Zeugnis. |
| 16417 | enigstens wer die Zahlenmystik der Valentinianer beobachtet |
| page 464 | |
| 16418 | 448 IV. Untersuchungen über die gnöstischen Werke, |
| 16419 | hat, wird nicht zweifeln, wesshalb das Nachleben des Heilands |
| 16420 | nach der Auferstehung gerade auf elf Jahre ausgedehnt wird. |
| 16421 | Wahrscheinlich stand diesem Ansatz die Lehre zur Seite, dass |
| 16422 | das Leben Christi von der Geburt bis zur Kreuzigung 33 Ⲁ h. |
| 16423 | dreimal 11 Jahre gewährt habe, wodurch dann die heilige Vier- |
| 16424 | zahl mit der Einheit von 11 Jahren hergestellt wurde. Die |
| 16425 | Zahl elf war nun einmal durch jenen Ansatz der Epiphanie |
| 16426 | typisch geworden durch die Erscheinung Gottes auf Erden. Diese |
| 16427 | Ableitung der 11 Jahre ist um so zwingender, als gemäss der |
| 16428 | Apostelgeschichte Jesus nach der Auferstehung nur 40 Tage |
| 16429 | bei den Jüngern blieb und andererseits die alten Valentinianer, |
| 16430 | sowie die Ophiten im Einklang mit dem Zahlenwerthe von IH |
| 16431 | (cos) diesen letzten Erdenaufenthalt des Heilandes mit 18 Mo- |
| 16432 | naten anzusetzen pflegten. |
| 16433 | Nirgends ergeht sich die Spielerei der Valentinianer mit Buch |
| 16434 | staben und Zahlen ausgelassener als in den Proben, die uns Irenseus |
| 16435 | aus Schriften des Marcus bewahrt hat. Die Hauptrolle spielen dabei |
| 16436 | natürlich wie in der pythagoreischen Mystik die Grundzahlen und |
| 16437 | ihre Vielfachen. Aber es wird auch Zahlen Bedeutung beigemessen, |
| 16438 | welche nicht durch ihre inneren Eigenschaften, sondern nur aus |
| 16439 | Gründen, welche ausserhalb der arithmetischen Metaphysik liegen, |
| 16440 | bemerkenswerth erscheinen konnten. Dasgilt von der 6 und der 11.“ |
| 16441 | Nachdem nun die Zahlenmystik des Marcus über die Zahl 11 |
| 16442 | genügend dargelegt ist, schliesst Usener mit dem Satze: „Jenes |
| 16443 | Zahlenspiel mit der elf konnte Marcus nicht aus seiner besonderen, |
| 16444 | auf Buchstaben und Zahlen gegründeten Äonenlehre ableiten; |
| 16445 | er musste dazu eine Anleihe machen, und zu dieser konnte kein |
| 16446 | anderer Anlass sein als das Bedürfnis, den elften Tybi zu sym- |
| 16447 | bolischer Bedeutung zu erheben“. Man kann wohl diesen letzten |
| 16448 | Satz auf Usener selbst anwenden und behaupten, dass er, weil es |
| 16449 | in seinem Bedürfnis lag, den elften Tybi in der P. Sophia nach- |
| 16450 | zuweisen, eine Anleihe dazu bei Marcus gemacht hat. Denn |
| 16451 | was hat dieser Marcus mit unserm Buche zu thun? Was ⲙ |
| 16452 | überhaupt die Zahl 11 bei jenem mit dem elften Tybi, und lets- |
| 16453 | teres Datum mit den elf Jahren Jesu nach der Auferstehung = |
| 16454 | schaffen? Wir bedürfen zum Glück keiner eingehenden Wider |
| 16455 | legung, da die P. Sophia sie uns ohne Mühe an die Hand giekt |
| 16456 | Sie kann nämlich gar kein „indirectes, aber unverkennbarea Zeug- |
| 16457 | nis für den elften Tybi“ liefern, da sie ja gar nicht lehrt, dass |
| page 465 | |
| 16458 | 1V. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 449 |
| 16459 | sus elf Jahre nach seiner Auferstehung auf Erden gelebt hat; |
| 16460 | tt ⲉⲓ doch, wie wir oben nachgewiesen haben, zwölf Jahre |
| 16461 | enieden gewandelt. |
| 16462 | Ist es uns aber gelungen, die beiden Grundpfeiler der Use- |
| 16463 | r’schen Hypothese zu untergraben, so muss auch notwendiger |
| 16464 | ’eise der stolze Bau, der von ihnen getragen werden sollte, |
| 16465 | nfällig zusammenbrechen. Kein Beweis ist geliefert, dass „im |
| 16466 | ı‚ufe des zweiten Jahrhunderts die Festfeier von den Basili- |
| 16467 | anern aus auf zwei andere Sekten übergegangen ist“, noch viel |
| 16468 | aniger sind wir zu der Annahme berechtigt, dass sie „auf alle |
| 16469 | gentlichen Gnostiker übergegangen“. Ganz in der Luft schwebt |
| 16470 | ⲃ Behauptung, dass „es sich während des dritten Jahrhunderts |
| 16471 | ıch weiter ausgebreitet habe“, um ganz davon zu schweigen, |
| 16472 | ⲁⲃ dies besonders „im Osten, der Heimat des Bardesanes und |
| 16473 | anes“ stattgefunden und von hier aus dann im vierten Jahr- |
| 16474 | ındert nach Besiegung der Gnostiker in die Kirche einge- |
| 16475 | ungen sein soll. Mit einem Wort, die Frage, die Usener sich |
| 16476 | stellt hat, ist keineswegs gelöst, sondern noch mehr ver- |
| 16477 | ınkelt worden !. |
| 16478 | d, Jesus und der Jüngerkreis, |
| 16479 | Schon bei seiner Herabkunft in die Welt hat Jesus seine |
| 16480 | völf Jünger formiert, um sie in seinen Dienst zu stellen. Denn, |
| 16481 | ihrend er sich in der Äonenwelt aufhielt, nahm er auf Befehl |
| 16482 | ⲃ ersten Mysteriums zwölf Kräfte aus den zwölf dı«xovor der |
| 16483 | 1 Die Frage nach der Entstehung oder wenigstens der Feier des |
| 16484 | ’eihnachtsfestes ist neuerdings durch den von Georgiades: ⲡⲉϩ ⲧⲟⲩ |
| 16485 | ⲟⲙⲩⲏⲕⲟⲧⲟϩ ⲓⲟⲩ ⲟ︦ⲣⲟⲱ Inmolurov Eis ⲧⲟ̀ ⲡⲟϣϥ ϧⲁⲩ in der |
| 16486 | ⲕⲕⲗϥϭ. ⲑⲉⲓⲁ 1885 p. 10—24. 4-ϭ0 1886 ⲣ. 225/47. 278/87 |
| 16487 | rausgegebenen Kommentar des Hippolyt zum Daniel in ein neues |
| 16488 | cht gerückt: „1 ϯⲉⲣ ⲡϩⲱⲧⲓ ⲡⲥⲫⲟⲩϭⲥ TOD XUQIOV ϥⲕⲱ̄ N ⲉ̃ϭⲁϩⲭⲟϩ, |
| 16489 | N yeyevunıaı dv ⲂϥⲐⲉ̀ⲏ, ⲉⲣⲉϧⲉⲧⲟ ⲡϩⲟ ⲕⲧⲱ xahdavdav lavovaglaov |
| 16490 | ⲟ TETQAdı, BaGIÄEUOVTOS AUyoVOIOU TEGOKQAKOGTOV Kal ÖEUTEQOV |
| 16491 | 05, ⲉⲡⲟ ÖE ’Adap ⲡⲉⲩⲧⲥⲭⲓϭⲗⲓⲓⲟϭⲅϣ Kal ⲡⲉⲩⲅⲟⲭⲟϭⲓⲟϭⲅϣ Ereı, Ermade ⲑ |
| 16492 | ⲓⲥⲭⲟϭⲅϣ︦ TOLTO, ⲡϩⲟⲩ ⲕⲧⲱ Kadavdav ⲉ̃ⲡϩⲓⲙⲱⲩ, ϥⲙⲉϩ TAQUOKEUN, |
| 16493 | ⲧⲱⲕϭⲓ ⲉⲕⲟϣ *ⲧⲉⲓ Tıßeolov Kaiongos, ⲟⲡϭⲧⲉⲟⲱⲧⲟϩ Ⲧⲟⲱϣⲟⲱ ⲕϭⲓ |
| 16494 | Texte u. Untersuchungen VIII, 1. 3. 29 |
| page 466 | |
| 16495 | 450 JV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 16496 | Mitte resp. den zwölf ϭⲱⲧϥⲟⲉϩ des Lichtschatzes und liess sie |
| 16497 | in die Sphären der Archonten, von denen jede Geburt ausgeht, |
| 16498 | bringen. Die Dekane und deren Liturgen hielten sie für Seelen |
| 16499 | der Archonten und führten sie in den Mutterleib ihrer Mütter. |
| 16500 | Daher existiert keine Seele der Archonten in ihnen; sie stammt |
| 16501 | ebenso wenig wie diejenige Jesu vom Kosmos ab, sondern gehört |
| 16502 | der Höhe an und entstammt dem Erlöser selbst (p. 11. 14. 280); |
| 16503 | in den Jüngern ist das zveüua Jesu (ⲣ. 82. 86. 182. 343). Auf |
| 16504 | diese Weise sind die künftigen Jünger Jesu schon von vorn- |
| 16505 | herein der irdischen Weltsphäre entrückt, sie sind gewissermassen |
| 16506 | präexistent wie er selbst gedacht. Wir können diese Entwicklung, |
| 16507 | welche hier der Apostelbegriff genommen hat, sehr wohl be- |
| 16508 | greifen, denn war Jesu öffentliche Wirksamkeit nur auf eine Be- |
| 16509 | lehrung und Einweihung der Jünger in die höchsten Mysterien be- |
| 16510 | schränkt worden, waren die Jünger im Grunde die eigentlichen |
| 16511 | Weltheilande, welche an Jesu Statt die Verkündigung des Heils |
| 16512 | übernehmen sollten, so musste man sie mit einer höheren Natur |
| 16513 | begaben und zur Begründung ihres soteriologischen Ansehens |
| 16514 | eine „metaphysische Theorie“ ! aufstellen, da nach den Gnosti- |
| 16515 | kern die Welt durch wirkliche Menschen wegen der anhaftenden |
| 16516 | Hyle nicht gerettet werden konnte. Die P. S. spricht diese ihre |
| 16517 | Theorie mit klaren Worten aus, denn nach p. 11 sind ihnen |
| 16518 | diese höheren Kräfte zu dem Zwecke verliehen, dass sie den |
| 16519 | ganzen Kosmos retten und die Drohungen der Arehonten des |
| 16520 | Kosmos und die Leiden des Kosmos, ihre Gefahren und Ver- |
| 16521 | folgungen, die die Archonten der Höhe über sie führen werden, |
| 16522 | ertragen könnten (cf. p. 15). |
| 16523 | Diese hohe Fixierung des Apostolats erinnert an die spätere |
| 16524 | grosskirchliche Ansicht, die gerade im Gegensatz zum Gnosticis- |
| 16525 | mus diesen absoluten Begriff der daijdexa entwickelt hat, und |
| 16526 | zeigt uns deutlich, dass die P. Sophia kein Werk des zweiten |
| 16527 | - Jahrhunderts sein kann. Im vierten Buche ebenso wie. in den |
| 16528 | beiden Büchern Jen finden wir noch gar keine Spur der Pri- |
| 16529 | “Povßeikiwvroe® (cf. Kennedy: Part of the Commentary of ⲃ︦. Hipp |
| 16530 | lytus on Daniel, Dublin 1888. 83. 24). Ich verdanke diese Notix der |
| 16531 | gütigen Mitteilung von H. Prof. Harnack, vergleiche jetzt Harnack: |
| 16532 | Theologische Literaturzeitung 1891 No. 2. ⲃ. 383, |
| 16533 | 1 ef. Harnack: Untersuch. etc. S, 61. |
| page 467 | |
| 16534 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 451 |
| 16535 | istenzlehre von den Jüngern; sie zeichnen sich nur dadurch vor |
| 16536 | len Menschen aus, dass sie, wie die wirklichen Jünger, ihre |
| 16537 | Itern, Verwandten, Frauen und Kinder und die Güter dieser |
| 16538 | ’elt preisgegeben, ihrem Erlöser in Treue gefolgt sind und alle |
| 16539 | ine Gebote, die er ihnen gegeben, gehalten haben (p. 357. 363. |
| 16540 | 6. Ⲣ. 56. 57. 1). Ihr sittlicher Lebenswandel, ihre Nachfolge |
| 16541 | ırısti hat sie zu Erben des Himmelreiches gemacht, nicht ihre |
| 16542 | &existenz. Auch spricht sich in diesen Büchern ein deutliches |
| 16543 | .huldbewusstsein der Jünger aus, die durch den Erlöser von ihren |
| 16544 | äischlichen Gebrechen befreit zu werden wünschen (ⲣ. 357. 374. |
| 16545 | ‘6. P. 1 ff. und 61 ff.), ja sie behaupten von sich selbst, dass sie |
| 16546 | ⲓⲧⲁ ϭⲟϫ geboren sind und Jesum ϫⲟⲥ odpxa gekannt haben |
| 16547 | . 4). Diese reuige Demut hat in den drei ersten Büchern der |
| 16548 | ⲃ︦. einem stolzen Selbstgefühl Platz gemacht, das sich von |
| 16549 | m Geiste des Erlösers getragen fühlt und aus der hohen Stel- |
| 16550 | ng gegenüber der gesammten Menschheit resultiert. |
| 16551 | Der Verfasser beschränkt den Apostolat auf die Zwölfzahl |
| 16552 | ⲅ Jünger, daneben sind noch im Kreise derselben die vier |
| 16553 | :auen: Maria, die Mutter Jesu, Maria Magdalena, Salome und |
| 16554 | artha. Die Namen der Jünger treten uns nicht alle in den |
| 16555 | »sprächen entgegen, nur Johannes, Petrus, Philippus, Thomas, |
| 16556 | atthaeus, Andreas, Jacobus, Bartholomaeus (viertes Buch) werden |
| 16557 | mannt, Simon ⲟ Kavavylıns erwähnt. In den beiden Büchern |
| 16558 | Ⲁ werden, da die Komposition eine andere ist, die einzelnen |
| 16559 | amen der Jünger nicht hervorgehoben, nur in der Einleitung |
| 16560 | 2 heisst es: „Es antworteten alle Apostel mit einer Stimme, |
| 16561 | atthaeus und Johannes, Philippus, Bartholomaeus und Jacobus |
| 16562 | ıd sprachen“ etc. Es werden also nur fünf Namen erwähnt |
| 16563 | ıd sie doch als die Gesammtheit der Apostel hingestellt; aber |
| 16564 | ir sind keineswegs berechtigt, daraus den Schluss zu ziehen, |
| 16565 | ss der Verfasser die andern nicht gekannt oder gelesen habe, |
| 16566 | hebt vielmehr nur die bedeutendsten unter ihnen hervor, wie |
| 16567 | ir es sehr häufig bei den Kirchenvätern finden; auch hatten |
| 16568 | amen wie Jacobus Alphaei Sohn, Lebbaeus, Judas Iscariot oder |
| 16569 | atthias gar kein Interesse; dieselben treten in der nachaposto- |
| 16570 | ıchen Zeit fast ganz in den Hintergrund !. |
| 16571 | 1 In der grosskirchlichen Literatur haben sie gar keine Be- |
| 16572 | utung gehabt. |
| 16573 | 29* |
| page 468 | |
| 16574 | 452 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 16575 | Die Jünger werden stets yadntal genannt, der Name „dxö- |
| 16576 | 6r0i0t“ kommt niemals in der P. ⲃ vor, dagegen werden sie |
| 16577 | in der Einleitung des ersten Buches Jeü stets ⲟ äxö0tolor ⲃⲉ |
| 16578 | nannt (P. 1 ff.), nur einmal neben ax6oro4dos auch uadnıral (P. 3); |
| 16579 | daneben finden wir ol uadnrıai Incov (P. 39. 42. 44. 76), auch |
| 16580 | ⲟ dmdıxa ıP. 47. 48. 54. 75); ganz singulär ist ol uadyrıd |
| 16581 | Xot06r0t (P. 45). Dies ist um so auffallender, als nur an dieser |
| 16582 | Stelle und gleich darauf in P. 46 der Name Xow0rös erwähnt |
| 16583 | wird. da bekanntlich die Gnostiker ϭⲟϩ und Xgiorös scharf |
| 16584 | von einander unterschieden. Im zweiten Buche Jen werden |
| 16585 | ebenso wie im vierten Buche der P. ⲃ︦. die Jüngerinnen (yadrEi«) |
| 16586 | genannt, doch spielen sie noch keine hervorragende Rolle. |
| 16587 | «. Die Jüngerinnen. |
| 16588 | In der P. S. überragt alle Jünger und Jüngerinnen Maria |
| 16589 | Magdalena'); sie kann geradezu als die Hauptperson, als die |
| 16590 | Hauptsprecherin? angesehen werden. Sie ist es, die das erste |
| 16591 | Wort ergreift und damit die Reihe der Unterredungen einleitet, |
| 16592 | denn „als er nun dieses zu seinen Jüngern gesagt hatte, sprach er |
| 16593 | zu ihnen: „Wer Ohren hat zu hören, höre“. Es geschah nun, als |
| 16594 | Maria diese Worte den cwr%0 reden hörte, blickte sie eine Stunde |
| 16595 | lang in die Luft und sprach: „Mein Herr, befiehl mir &y ϭⲟ |
| 16596 | zu sprechen“. Jesus, der Barmherzige sprach zu ihr: „Maria, Du |
| 16597 | ⲙⲥⲭⲥⲣⲓ⳪. welche ich in allen Mysterien von der Höhe vollenden werde, |
| 16598 | sprich i zadtyoie«, Du, deren Herz auf das Himmelreich mehr als |
| 16599 | alle Deine Brüder gerichtet ist“ (p. 26). Damit ist deutlich ihre |
| 16600 | bevorzugte Stellung im ganzen Jüngerkreise proklamiert, und nicht |
| 16601 | nur hier auf Erden soll sie ausgezeichnet werden, sondern es |
| 16602 | soll diese Bevorzugung sich auch auf das künftige Leben er- |
| 16603 | strecken, da der Herr sagt: „Aber Maria Magdalena und Johannes |
| 16604 | ⲧⲥⲟ ⲟϩ werden vorzüglicher sein als alle meine Jünger“ (p.231) |
| 16605 | Ihre Abkunft ist ebenfalls eine höhere, denn sie hat nach p. 116 |
| 16606 | neben der Mutter Jesu Ähnlichkeit, welche in der Lichtjungfrau |
| 16607 | ist, gemäss dem Lichte empfangen. Sie tritt als der Anwalt für |
| 16608 | die andern Jünger auf (p. 199. 297. 365), dies zeigt sich in sehr |
| 16609 | ⲓ Sehr häufig wird sie nur Maria genannt, p. 350 Magiappz. |
| 16610 | * Wenn ich richtig gezählt habe, so redet sie an 67 Stellen. |
| page 469 | |
| 16611 | IV, Untersuchungen über die gnostischen Werke. 453 |
| 16612 | ıarakteristischer Weise bei jener Episode, als dieselben, durch |
| 16613 | ⲑ langen Auseinandersetzungen über den Wert des Mysteriums |
| 16614 | ⲑ Ineffabilis ermüdet, nicht mehr aufmerksam zuhören. Da ist |
| 16615 | ⲉ noch geistesfrisch und von Wissensdurst erfüllt, weinend |
| 16616 | ürzt sie sich Jesu zu Füssen und bittet: „Habe Erbarmen mit |
| 16617 | ir, mein Herr, wenn meine Brüder nicht zugehört und nach- |
| 16618 | zlassen haben in den Worten, welche Du sagst“ etc. (p. 216 ff.). |
| 16619 | je selbst ist sich ihrer hohen Würde wohl bewusst, sie kennt |
| 16620 | mn Adel ihrer Natur und spricht: „Mein Herr, der Lichtmensch |
| 16621 | ⲙ Ohren, und ich vernehme in meiner Lichtkraft, und es hat |
| 16622 | ich ernüchtert Dein Geist, der mit mir“ (p. 52. 71. 122. 197. 293. |
| 16623 | )1. 303.308. 316. 319). Ihr ⲟⲟϩ ist vo£p0s (cf. p. 343) zu jeder Zeit, |
| 16624 | n jedesmal hervorzutreten und die Auflösung der Worte der |
| 16625 | . Sophia zu verkündigen, da sie mit dem Lichtgeiste angefüllt |
| 16626 | t (ⲣ. 161). Sie fragt nach allen Dingen sicher und genau (ⲣ. 34. |
| 16627 | 31. 187. 199. 232. 310. 313. 325). Selbst Jesus ist über die dxo- |
| 16628 | ⲡ̄ϭⲉⲓϩ der Worte, welche sie sagt, erstaunt, weil sie ganz reines |
| 16629 | ⲉⲱⲙⲥ geworden war (p. 198), preist sie sehr wegen ihrer Worte |
| 16630 | . 33. 34. 188. 298. 331. 342. 343) und ist von grossem Er- |
| 16631 | ırmen gegen sie erfüllt (p. 200. 297). Auch bei der Zustim- |
| 16632 | ung zu den gegebenen Antworten lässt er ihr die schönsten |
| 16633 | »beserhebungen zuteil werden: |
| 16634 | 1) ⲉⲟⲩⲉ Maria, denn Du bist w%axapla vor allen Weibern |
| 16635 | ıf Erden, weil Du xi%0wua aller ⲡ ]ⲟⲱⲕⲥⲧ⳪ und Vollendung |
| 16636 | ler Vollendungen sein wirst (p. 28 f.). |
| 16637 | 2) «eye Maria, Du yaxapla, Du xin0owua oder Du xarua- |
| 16638 | WL0or ⲗ) ⲣⲱⲙ⳪, Welche unter allen Geschlechtern selig gepriesen |
| 16639 | ird (p. 56). |
| 16640 | 3) ⲉⲩⲉ Maria, Du yaxapla, welche das ganze Lichtreich ⲉⲓ‐ |
| 16641 | sen wird (ⲣ. 119), und &öye M., Du x1n00vöuo0os des Lichtes |
| 16642 | . 123). ; |
| 16643 | 4) ⲉⲟⲩⲉ xaldıs Maria, Du yaxapia (p. 161. 164). |
| 16644 | 5) eye, Du zvevuatıxy, ellıxoırnc Maria (ⲣ. 198. 297. 304. |
| 16645 | )8. 310. 313. 335). |
| 16646 | 6) ⲉⲟⲩⲉ Maria (p. 71. 77. 89. 98). |
| 16647 | Ⲡ) Nicht zu verwechseln ist Maria Magdalena mit Maria, |
| 16648 | ır Mutter Jesu!, die aber noch ganz in den Hintergrund treten |
| 16649 | 1 Renan: Marc Aurele S. 145 hat dies gethan, wenn er be- |
| page 470 | |
| 16650 | 454 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 16651 | muss, während im Katholicismus beide ihre Rollen vertauscht |
| 16652 | haben. Sie ist die Mutter Jesu xar& ⲗ] oder xard ⲭⲟϭⲙⲟⲃ |
| 16653 | (ⲣ. 13. 120), welche Gestalt, die in der Barbelo ist, xard tip |
| 16654 | 2 und Ähnlichkeit, die in der Lichtjungfrau ist, xard ⲧ |
| 16655 | ϭⲱϩ empfangen hat (p. 116). Nur dreimal (d. h. allein im ersten |
| 16656 | Buche (p. 116, 120. 123) beteiligt sie sich an den Gesprächen. |
| 16657 | Jesus ist voll Ehrerbietung gegen sie und spricht zu ihr: „e0ye |
| 16658 | xc«i@®s, wahrlich, wahrlich ich sage Dir, man wird Dich preisen |
| 16659 | von einem Ende der Erde bis zum andern, denn es ist bei Dir |
| 16660 | eingekehrt die ϥ⳪] ⲭ] des ersten Mysteriums, und durch jene |
| 16661 | zagaduxn werden alle die von der Erde und alle die von der |
| 16662 | Höhe gerettet werden, und jene xagadrxn ist der Anfang und |
| 16663 | die Vollendung“. Im Übrigen findet er für sie nur die Worte |
| 16664 | ⲉⲩⲉ xaims (ⲣ. 122. 124). |
| 16665 | Ill) Ⲙⲓ zur Seite tritt die Salome !. Ihre Beteiligung an der |
| 16666 | Unterhaltung ist ebenfalls gering (p. 102. 114. 381), auf p. 342 |
| 16667 | regt sie die Frage über die Dignität des »6öwog Mose an. Der |
| 16668 | Herr antwortet ihr: ⲉⲟⲩⲉ Salome ⲣ. 104) und &üye Salome und |
| 16669 | ⲭⲱ ⲣ. 114). |
| 16670 | IV) Martha wirft sich voller Demut Jesu zu Füssen, küsst |
| 16671 | sie und ruft weinend aus: „Mein Herr, habe Erbarmen mit mir |
| 16672 | und habe Mitleid mit mir und lass mich die Auflösung der uerävou, |
| 16673 | welche die P. S. geredet hat, sagen“. Darum ergreift der Herr |
| 16674 | ihre Hand und spricht zu ihr: „Selig ist jeder Mensch, der sich |
| 16675 | erniedrigt, denn man wird sich seiner erbarmen, jetzt nun Martha, |
| 16676 | Du bist eine uaxapla“ etc. (ⲣ. 61). Sie redet ferner auf p. 111. |
| 16677 | 162. 175. |
| 16678 | hauptet: Marie, mere de Jesus, en particulier, dont 1’Eglise orthodoxe |
| 16679 | ge preoccupait tres peu, dut & ces novateurs les premiers d&veloppe- |
| 16680 | ments de son röle presque divin, und Anm. 1. Voir la Pistis Sophia, |
| 16681 | ⲗ chaque page, surtout ⲣ. 19. 20. 39. KL’exagöration du culte de la |
| 16682 | Vierge est un fait avant tout syrien. Voir saint ®phrem. Ⲥⲙⲙ |
| 16683 | nisih., p. 29. 30 (ⲕⲑ Hätte Renan aufmerksamer gelesen, |
| 16684 | würde er diesen Irrtum nicht begangen haben, denn auf p. 19. 20. |
| 16685 | 39 ist nur von Maria d.h. Maria Magdalena die Rede. |
| 16686 | 1 Bekanntlich spielte Salome im Aegypterevangelium eine grosse |
| 16687 | Rolle. Vergleiche Resch: Agrapha S. 384ff. |
| page 471 | |
| 16688 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 455 |
| 16689 | Wir finden also in diesem Jüngerkreise dieselben Frauen, |
| 16690 | welche auch nach der historischen Überlieferung der Evangelien |
| 16691 | in dem Gefolge Jesu waren und sich in den Tagen des Leidens |
| 16692 | und Sterbens durch ihre Treue und Glaubensstärke auszeichneten. |
| 16693 | Diese Erzählungen haben ohne Zweifel auf den Verfasser ein- |
| 16694 | gewirkt, darum er sie einen so lebhaften Anteil an den Gesprächen |
| 16695 | nehmen lässt. Auf der andern Seite wird aber auch, wie Har- |
| 16696 | nack! scharfsinnig vermutet hat, die rechtliche Stellung der |
| 16697 | Frauen innerhalb der Gemeinde, welche ja auch in der Gross- |
| 16698 | kirche zu Streitigkeiten Anlass gab, mitgewirkt haben; in dieser |
| 16699 | Beziehung liefert uns die P. S. ein Stück älterer Kultusgeschichte. |
| 16700 | Die Jünger wollen sich natürlich dieses unberechtigte Vordringen |
| 16701 | der Frauen nicht gefallen lassen; Petrus tritt als der Verfechter |
| 16702 | ihrer Sache auf und sagt: „Mein Herr, nicht werden wir diese |
| 16703 | Frau (sc. Maria Magd.) ertragen können, da sie uns die Gelegen- |
| 16704 | heit nimmt; und nicht hat sie Jemand von uns sprechen lassen, |
| 16705 | sondern spricht unzählige Male“ (p. 57). Dieselbe Spannung finden |
| 16706 | wir im vierten Buche, auch hier ist Petrus der Wortführer |
| 16707 | (p. 382 f): „Mein Herr, mögen die Frauen zu fragen aufhören, |
| 16708 | damit auch wir fragen“. An beiden Stellen vertritt Jesus die |
| 16709 | Rechte der Frauen: „Derjenige, in dem die Kraft seines Geistes |
| 16710 | aufwallen wird, damit er das, was ich sage, denkt, möge hervor- |
| 16711 | treten und sprechen“ (p. 57 f.). |
| 16712 | Noch deutlicher spricht er sich auf p. 161 aus, als Maria |
| 16713 | sagt: „Mein Herr, mein votg ist vosgög zu jeder Zeit, damit ich |
| 16714 | jedesmal hervortrete und die Auflösung der Worte, die sie |
| 16715 | (sc. P. S.) gesagt, vorbringe, aber ich fürchte mich vor Petrus, |
| 16716 | denn er droht mir und hasst unser Geschlecht“; denn er giebt |
| 16717 | zur Antwort: „Keinen, welcher von dem Geiste des Lichtes er- |
| 16718 | füllt wird, dass er vortrete und die Auflösung dessen, was ich |
| 16719 | sage, vorbringe, wird Jemand hindern können“. Auch ⲣ. 383 weist |
| 16720 | er nicht die Rechte der Frauen zurück, wenn er sagt: „Lasst die |
| 16721 | Gelegenheit euren männlichen Brüdern, damit auch sie fragen“. |
| 16722 | ⲣ) Die Jünger. |
| 16723 | 1) Wie unter den Jüngerinnen Maria Magdalena, so nimmt |
| 16724 | unter den Jüngern Johannes den ersten Rang ein. Er ist der |
| 16725 | 1 Unters. etc. S. 17. |
| page 472 | |
| 16726 | 456 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 16727 | ⲡⲥ ⲟϩ, zu dem Jesus spricht: „eüye Johannes, Du ϩⲑⲏ. |
| 16728 | welcher in dem Lichtreiche herrschen wird“ (p. 67); er ist neben |
| 16729 | Maria der vorzüglichste unter den Jüngern und nimmt den |
| 16730 | nächsten Thron im Lichtreich ein (p. 231). Jesus ruft ihm zu: |
| 16731 | „etye Johannes, geliebter Bruder“ (p. 128), oder „uax&ä0:05 und |
| 16732 | der Geliebte“. Im dritten Buche führt er ausser Maria Magds- |
| 16733 | Jena (ein einziges Mal auch Salome p. 342) ausschliesslich das |
| 16734 | Gespräch !, wie er es selbst ankündigt: „Ertrage mich, indem |
| 16735 | ich Dich frage, denn von jetzt an werde ich anfangen, Dich zu |
| 16736 | fragen inbetreff aller Dinge über die Art, wie wir der Menschheit |
| 16737 | verkündigen werden (p. 265. ef. 269. 271. 272); ebenso tritt er auch |
| 16738 | im vierten Buche p. 387. 389 hervor. |
| 16739 | 11) Im Gegensatz zu der römischen Kirche wird Petrus ganz |
| 16740 | in den Hintergrund gedrängt. Er wird zwar als das Haupt der |
| 16741 | Jünger anerkannt, der ihre Rechte gegen fremde Kingriffe ver- |
| 16742 | teidigt, aber seine gewaltige Persönlichkeit scheint in unsern |
| 16743 | gnostischen Kreisen keinen Anklang zu haben. Dies ist ein |
| 16744 | wichtiges Fingerzeichen zur „Fixierung des Ortes, an welchem |
| 16745 | die P. Sophia geschrieben sein kann. Wie Petrus in den Evan- |
| 16746 | gelien versucht wird und den Herrn verleugnet, so muss er auch |
| 16747 | hier (ⲣ. 311) eine Probe ablegen, ob er ebenso wie Jesus |
| 16748 | die Sünder barmherzig sein wird; doch besteht er die Probe. |
| 16749 | ‚Jesus giebt auf seine Auseinandersetzungen als Antwort: ϫⲁϥ |
| 16750 | Petrus (ⲣ 59) oder ,ⲉⲑⲉ Petrus und ϫⲡⲗⲱ︦c (ⲣ. 101) oder ⲉϯ |
| 16751 | Du uaxdoıos Petrus“ (ⲣ. 135). |
| 16752 | ⲠⲒ) Philippus nimmt insofern eine hervorragende Stellung |
| 16753 | ein, als er sitzend alle Worte und Thaten Jesu niederschreibt, |
| 16754 | ein Geschäft, das ilım durch das erste Mysterium übertragen ist, |
| 16755 | damit er von dem Himmelreiche Zeugnis ablege (p. 32. 69 £). |
| 16756 | Ihm zur Seite stehen Thomas und Matthaeus, die ebenfalls ihren |
| 16757 | Teil zu der Niederschrift beitragen sollen; handeln doch die |
| 16758 | Gnostiker nach dem Grundsatze von Matth. 18, 16, dass jede |
| 16759 | Sache durch zwei oder drei Zeugen bestätigt werden müsse |
| 16760 | (p. 268. 353), Wir dürfen annehmen, dass der fingierten Be- |
| 16761 | hauptung unseres Verfassers gemäss Philippus speziell derjenige |
| 16762 | 1 Bestätigt dies unsere früher dargelegte Sonderstellung dieses |
| 16763 | Buches? |
| page 473 | |
| 16764 | IV, Untersuchungen über die gnostischen Werke. 457 |
| 16765 | ist, welcher die P. S. geschrieben haben soll, oder besser gesagt, |
| 16766 | die beiden ersten Bücher, denn das vierte Buch kann nicht von |
| 16767 | ihm stammen, ebenso wenig, wie ich glaube, das dritte Buch, |
| 16768 | da sie ja den Titel w£&00s ⲧⲱ ⲧⲉⲱⲭⲱ︦ ⲧⲟⲟ Ϩⲱⲧⲓⲟⲟϩ führen. |
| 16769 | Dafür spricht die Notiz in dem KEinschiebsel am Anfang des |
| 16770 | dritten Buches (p. 254): „Welcher gefunden hat die Worte der |
| 16771 | Mysterien, die ich euch auf Grund eines Gleichnisses geschrieben? |
| 16772 | habe, dass sie die Glieder des Ineffabilis sind“. Ob diese Worte in |
| 16773 | der Weise zu deuten sind, dass Jesus selbst als der Autor an- |
| 16774 | gesehen wird, lasse ich dahingestellt, mir erscheint dies fraglich. |
| 16775 | — Die Auswahl dieser drei Jünger als Zeugen der traditio |
| 16776 | apostolica kann, wie Harnack? richtig vermutet, schwerlich olıne |
| 16777 | Zusammenhang mit der Bedeutung sein, die dieselben innerhalb |
| 16778 | der älteren gnostischen Literatur eingenommen haben. In der |
| 16779 | That war innerhalb einer Sektengruppe, zu denen ich auch unsere |
| 16780 | P. Sophia rechnen möchte, ein Evangelium Philippi in Gebrauch *. |
| 16781 | Aller Wahrscheinlichkeit nach ist dieses mit demjenigen iden- |
| 16782 | tisch, welches auf Grund einer Notiz von Timotheus bei Meur- |
| 16783 | zius var. div. p. 117 und Leontius de sectis lect. 3 p. 432 unter |
| 16784 | len Manichäern Verbreitung gefunden hatte. Man könnte auch |
| 16785 | an die gnostische Apostelgeschichte des Philippus 4 denken. |
| 16786 | Da nun Philippus mit der Aufzeichnung der Mitteilungen |
| 16787 | rollauf beschäftigt ist, so kann er sich nur wenig an dem Ge- |
| 16788 | 3präche beteiligen, ausser den oben genannten Stellen (p. 32. 69) |
| 16789 | nur noch auf p. 179; der Herr antwortet ihm: ⲉⲑⲣⲉ Du uaxaoı0s |
| 16790 | Philippus (p. 181). |
| 16791 | IV) Thomas’> Stellung im Jüngerkreise haben wir schon |
| 16792 | 1 Vergleiche Birt: Das antike Buchwesen. Berlin 1882. S 89. |
| 16793 | 2 Unters. etc. S. 18. |
| 16794 | 3 cf. Epiphanius haer, 26, 13 bei den Ⲓⲉⲣⲟⲕⲉϧⲟⲓ Ivworıxol: |
| 16795 | ⲡϩⲟϭϣⲉ̀ϩⲟⲱϭⲓ ⲟ︦ Eis ⲟⲩⲟⲙ Dıkinnov ⲧⲟⲟ aylov uadıtod edayyElıov |
| 16796 | zExA«OuEvov ; derselbe citiert eine Stelle daraus, cf. Harn. Unters. etc. |
| 16797 | 3. 106f. |
| 16798 | 4 Vergleiche Lipsius: Die apokr. Apostelgeschichten und Apostel- |
| 16799 | legenden 2. Bd. S. 1ff. |
| 16800 | 5 Ein sehr hohes Ansehen genoss das Evang. St. Thomae bei |
| 16801 | den Gnostikern; es war ein sehr altes Product, denn bereits Iren. |
| page 474 | |
| 16802 | 455 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 16803 | vorher erwähnt. Eine grosse Bescheidenheit spricht sich in den |
| 16804 | Worten aus: „Ich ertrage meine Brüder bis jetzt, damit ich sie |
| 16805 | nicht erzürne, vielmehr ertrage ich einen jeden von ihnen, der |
| 16806 | hervortritt“ etc. (p. 79 f.); ausserdem redet er noch auf p. 149. |
| 16807 | 385. 386. Der Herr spricht zu ihm: eye Thomas und xaldis |
| 16808 | [ⲣ. 52 und ⲉⲭⲉ ⲭⲟϩ Thomas, Du uaxdoıos (p. 153). |
| 16809 | V) Nur zweimal redet Matthaeus p. 86 und 155; Jesus ant- |
| 16810 | wortet: ϫⲱϩ Matthaeus (p. 88) und evuye Matthaeus und xalws. |
| 16811 | Du Geliebter (p. 160). Matthaeus erscheint als der dritte |
| 16812 | Zeuge für die gnostischen Nachrichten. Wahrscheinlich war ein |
| 16813 | apokryphes Machwerk bei unsern Gnostikern in Gebrauch, be- |
| 16814 | richtet doch Epiph. haer. 26, 8: euayyelın db Erspa ⲉϩ ϧⲟⲕϥ |
| 16815 | ⲍ HAINTOF ϭⲱⲩⲩⲟⲉ̀ⲫⲥϭⲑⲡⲓ TETOAUTXAOLV, KÜTOV TE TOP ϭⲱⲧⲃ̄ |
| 16816 | ⲛⲱ xal ⲭⲱⲣⲓⲟϧ Incodv Ϫⲣⲓⲟⲧⲟⲩϧ ⲟⲩ̀ϫ ⲥⲓⲟⲩⲱ̀ϧⲟⲩⲅⲥ: Ⲁⲩⲉⲓ. ⲟⲩⲧ |
| 16817 | AUTOS ⲉ̃ⲡⲉⲭⲟ︦ⲗⲕⲫⲉ ⲧ) aloxgovoylav ⲧⲧ. |
| 16818 | VI) Sehr eifrig beteiligt sich Andreas an den Unterredungen |
| 16819 | aılv. haer, T, 20, 1 führt ein Citat aus demselben bei den Marcosiern |
| 16820 | an. Ob aber der Verfasser desselben dieser Sekte angehört, möchte |
| 16821 | ich stark bezweifeln, vielmehr haben wir die Entstehung desselben |
| 16822 | in syrisch-gnostischen Kreisen zu suchen; nach Hippolyt Philos. VII |
| 16823 | ⲣ. 101, 89 war es nämlich bei den Naassenern in Gebrauch. Erwähnt |
| 16824 | wird dieses Evangelium noch bei Origenes hom. 1 in Lucam, Eusebius |
| 16825 | h. ⲉ. 3, 25. Hieronymus in Matth. tom. VII, p. 1 Auch bei den |
| 16826 | Manichäern fand ein Evang. Thomae weite Verbreitung, dasselbe soll |
| 16827 | aber nach Cyrill’s Vermutung das Machwerk eines Schülers des Manes |
| 16828 | sein; doch scheint es mir fraglich, ob diese Nachricht bei Cyrill auf |
| 16829 | genauer Kunde beruht. cf. Hier. catech. 6 p. 98 coll. 4 p. 66 ed. |
| 16830 | Oxon. 1703; Gelasius in decreto de libris apoeryphis (in ⲙⲛ |
| 16831 | Canonico 15, 3); Timotheus bei Meursius var. divin. p. 117; Petrus |
| 16832 | Siculus hist. Manich. p. 30 ed. Rader; Leontius de sectis lect. 3 |
| 16833 | p- 432. Auch verdienen die gnostischen Akten des Thomas an dieser |
| 16834 | Stelle Beachtung cf. Thilo, acta S. Thomae Apostoli Lips. 1823 und |
| 16835 | Lipsius, Apokryphe Apostelgeschichten und Apostellegenden 1. Bd. |
| 16836 | ⲃ︦. 225ff. |
| 16837 | ! Auch aus dieser Notiz geht hervor, dass die Gnostiker es sich |
| 16838 | angelegen sein liessen, in ihren Apokryphen Jesum als den Offen- |
| 16839 | barer der Geheimnisse an die Jünger hinzustellen. |
| page 475 | |
| 16840 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 459 |
| 16841 | ). 74. 108. 165. 247, 384). Von gewissem Interesse ist die Peri- |
| 16842 | ope auf p. 247 ff. Andreas sagt nämlich: „Mein Herr, ich |
| 16843 | ;aune und wundere mich sehr, wie die Menschen, welche im |
| 16844 | :"osmos in dem oc@ya dieser in sind, wenn sie aus diesem |
| 16845 | ⲟⲃⲱⲟⲉ gehen, diese ϭⲅⲉⲟⲉⲱⲙⲥⲧⲥ und alle diese Archonten und |
| 16846 | Ⲙⲉ die Herren und alle die Götter und alle diese grossen dopator |
| 16847 | nd alle die von dem Topos der Mitte und der Rechten und alle |
| 16848 | ie grossen xooßolal der Rechten überschreiten werden und |
| 16849 | le ihr Inneres werden und das Lichtreich erlosen. Diese Sache |
| 16850 | un, mein Herr, ist schwierig für mich.“ Als nun dieses Andreas |
| 16851 | esagt hatte, regte sich der Geist des ⲱⲧ) in ihm, er rief |
| 16852 | us und sprach: Bis wie lange soll ich euch ertragen? Bis wie |
| 16853 | ınge soll ich euch aushalten, oder habt ihr bis zu diesem Augen- |
| 16854 | lick nicht begriffen und seid unwissend? Erkennt ihr denn nicht |
| 16855 | nd begreift ihr nicht, dass ihr und alle Engel und Götter und |
| 16856 | lerren etc. ihr alle von einander aus der einen Mischung und der |
| 16857 | inen 27 und der einen ovola abstammt, und ihr alle von dem |
| 16858 | inen ⲭⲉϭϭⲙⲟϩ seid? .......... Jetzt nun (p. 251 f.), Andreas, |
| 16859 | ist Du noch in dxcoörix und Unwissenheit. Aber wenn ihr aus |
| 16860 | em Körper geht und zu der Höhe kommt und zu dem Topos |
| 16861 | er Archonten gelangt, so werden sich alle Archonten vor euch |
| 16862 | chämen, weil ihr die Hefe ihrer Hyle seid und reineres Licht |
| 16863 | ]s sie alle geworden seid ........ Als nun dieses der 0wt%0 |
| 16864 | 'esagt hatte, wusste Andreas qavepw@s, nicht nur er, sondern es |
| 16865 | ‚ussten alle Jünger richtig, dass sie das Lichtreich erlosen |
| 16866 | rürden. Sie fielen alle zugleich Jesu zu Füssen, riefen aus, |
| 16867 | reinten, flehten den ϭⲱⲧ ⲟ an und sprachen: Ⲟ Herr, vergieb |
| 16868 | je Sünde der Unwissenheit unseres Bruders. Es antwortete der |
| 16869 | ⲱⲧ] und sprach: Ich vergebe und werde vergeben; deswegen |
| 16870 | ‚un hat mich das erste Mysterium gesandt, damit ich die Sünde |
| 16871 | inem Jeden vergebe“. |
| 16872 | Ob diese Scene oder wenigstens das Motiv irgend einer |
| 16873 | ‚pokryphen Apostelgeschichte entnommen ist, ist nicht mehr zu |
| 16874 | ntscheiden ?, |
| 16875 | 1 Hier ist Jesus als ein Mensch aufgefasst, in dem der Geist |
| 16876 | ‚es Gwrno d. h. die bei der Jordantaufe über ihn gekommene gött- |
| 16877 | iche Kraft wohnt. |
| 16878 | 2 Vergleiche Harn. Untersuch. etc. ⲃ. 17f. |
| page 476 | |
| 16879 | 460 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 16880 | VII) Jacobus, wahrscheinlich der Bruder des Johannes, ist der |
| 16881 | letzte in der Reihe der Redner (ⲣ. 93. 141. 172). Jesus sagt zu |
| 16882 | ihm: ⲉⲩⲉ xalcos Jacobus (p. 93) und euys xalcs Jacobus, Du |
| 16883 | Geliebter (p. 141. 173). |
| 16884 | VE], Nur im vierten Buche findet sich noch Bartholomaeus, |
| 16885 | der auf ⲣ. 356 redet; auch wird sein Name neben den andem |
| 16886 | p- 355 erwähnt. |
| 16887 | IX) An der letzteren Stelle wird noch der Name des Simon |
| 16888 | ⲟ Kararityg! genannt; an den Gesprächen beteiligt er sich |
| 16889 | gar nicht. ⲓ |
| 16890 | Auf diese Weise erhalten wir, wenn wir Simon nicht mit- |
| 16891 | rechnen, die Namen von acht Jüngern und vier Jüngerinnea, |
| 16892 | d. h die heilige Zwölfzahl, und es ist nicht unwahrscheinlich, |
| 16893 | dass die Verfasser der P. Sophia mit diesen den Apostelkreis |
| 16894 | der dwdexa abgeschlossen haben. Denn nur zwölf Lichtkräfte |
| 16895 | hat Jesus zur Formation der Jünger hinabgesandt (ⲃ. 0.), er umfasst |
| 16896 | die und tolar unter dem Namen uadnral, ⲣ. 231 nennt er sie |
| 16897 | seine zwölf dıdxovor, fügt dann aber gleich hinzu: „aber Maria |
| 16898 | Magdalena und Johannes ⲇ ⲟϩ werden vorzüglicher als alle |
| 16899 | meine Jünger sein“. Die Maria befindet sich also unter den |
| 16900 | zwölf dıuxoroı. Das vierte Buch und die beiden Bücher Jet |
| 16901 | unterscheiden scharf die dwdexa und die uadnrtolas. |
| 16902 | Sehr interessant ist es, dass Maria Magd. auf Roem. 13, 7 |
| 16903 | verweist und behauptet, dass Jesus dieses durch den Mund des |
| 16904 | Paulus „unseres Bruders“ gesprochen habe. Dies ist natürlich |
| 16905 | ein grosser Anachronismus; wir erkennen daran zugleich, dass |
| 16906 | man in diesen Kreisen die paulinischen Schriften anerkannte |
| 16907 | Koestlin macht mit Recht darauf aufmerksam, dass „sich noch |
| 16908 | an sehr vielen andern Orten, z. B. bei der Lehre von der Sünde, |
| 16909 | Gelegenheit dazu geboten hätte, Stellen aus den Briefen dieses |
| 16910 | Apostels in ähnlicher Weise, wie es p. 294 geschieht, anzuführen; |
| 16911 | die Absicht des Verfassers, seine Lehre als die älteste und |
| 16912 | ursprüngliche, schon den unmittelbaren Jüngern Jesu mitgetheilte |
| 16913 | darzustellen, konnte es freilich nicht anders mit sich bringes, |
| 16914 | als dass gerade dieser spätere Apostel, dessen Auffassung des |
| 16915 | Christenthums mit der seinigen an sich weit mehr Verwandi- |
| 16916 | 1 Beachtung verdient, dass der Verfasser bereits die Form Kays- |
| 16917 | vitns statt Kıuravaios in seinem Texte gelesen hat. |
| page 477 | |
| 16918 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 461 |
| 16919 | schaft hatte, als die der frühern, nur wenig in Betracht zu |
| 16920 | ziehen war“. ; |
| 16921 | Innerhalb des Jüngerkreises herrscht ein inniger Verkehr, |
| 16922 | zie alle werden gewissermassen durch ein gemeinsames Familien- |
| 16923 | band umschlungen, sie bilden einen Bruderbund, Gedanken, die |
| 16924 | der Grosskirche infolge der Ausbreitung so schnell verloren ge- |
| 16925 | gangen sind, wohl aber noch in dem engen Kreise der Auser- |
| 16926 | wählten ihre Stätte finden konnten. Jesus, der Meister, redet |
| 16927 | lie Jünger mit „meine Jünger und meine Genossen und meine |
| 16928 | Brüder“ an (p. 211) oder „meine Brüder und Genossen“ (p. 231) |
| 16929 | ⲗⲉⲓ „meine Brüder und meine Geliebten“ (ⲣ. 363) oder „meine |
| 16930 | Jünger“ (p. 216. 217. 243. 358). Von Liebe und von Erbarmen |
| 16931 | st er gegen sie erfüllt (p. 8. 26. 32. 34. 83. 99. 200. 297. P. 57), |
| 16932 | ım sie zugleich mit seinem Geiste zu beleben. Die Jünger |
| 16933 | ıähern sich ihrem Meister, sobald sie ihn fragen wollen, in tiefer |
| 16934 | Demut, sie bitten ihn beständig um seine Erlaubnis, bevor sie |
| 16935 | ‚eden, stürzen vor ihm nieder, küssen seine Füsse oder fallen |
| 16936 | ın seine Brust. Ihre Anreden sind „mein Herr“, „mein Erlöser“, |
| 16937 | ‚unser Licht“ (p. 383), „unser Herr und unser Erlöser“ (p. 363. |
| 16938 | 383), auch „Rabbi“ (p. 8. 377), „o lebendiger Jesus“ (P. 1 ff), |
| 16939 | ‚Sohn des Heiligen“ (p. 391), „wahrer Logos“ (P. 2). Seine |
| 16940 | Mutter bezeichnet ihn als „mein Sohn xat& x6ö040v, mein Gott |
| 16941 | ınd mein Erlöser gemäss der Höhe“ (p. 116), oder „mein Herr |
| 16942 | ınd mein Sohn und mein Erlöser“ (p. 123). Unter einander |
| 16943 | ıennen sie sich „Bruder“ und „Schwester“ (ⲣ. 58. 79. 184. 199. |
| 16944 | 216. 217. 251. 252. 294. 297. 342. 356. 365. 383), darum wir |
| 16945 | ıns nicht wundern dürfen, wenn Maria Paulus „unsern Bruder“ |
| 16946 | ıennt. |
| 16947 | y. Die Jünger als Träger der reinen Lehre. |
| 16948 | Die Jünger haben Vater und Mutter und alle Schätze dieser |
| 16949 | Welt preisgegeben, sind dem Erlöser mit ganzem Herzen gefolgt, |
| 16950 | lamit er ihnen das Leben seines Vaters, der ihn gesandt hat, |
| 16951 | gebe (P. 1), und haben alle seine Gebote gehalten. In der Zeit |
| 16952 | jeines wirklichen Erdenwandels haben sie das tiefe Verständnis |
| 16953 | Ⲛⲅ die Parabeln noch nicht besessen, darum scharen sie sich |
| 16954 | ıach der Auferstehung wieder um ihren Meister. Volle elf Jahre |
| 16955 | und im Verkehre mit ihm verflossen, eine Reihe Aufschlüsse |
| page 478 | |
| 16956 | 462 1Y. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 16957 | über die transcendente Welt sind ihnen bereits zuteil geworden. |
| 16958 | Sie selbst sind von Freude und Jubel erfüllt und sprechen zu |
| 16959 | einander: „Selig (vax&ot0r) sind wir vor allen Menschen auf ) |
| 16960 | Erden, denn der Erlöser. hat uns dieses offenbart, und wir haben | |
| 16961 | das Ϥⲗ]ⲟⲱⲙ⳪ und die gesammte Vollendung empfangen“ (p. 41 |
| 16962 | Aber sie sind im Irrtum befangen, wenn sie glauben, dass „das vier- |
| 16963 | undzwanzigste Mysterium die ϫⲉϣ.) des Alls und die Vollendung |
| 16964 | aller Vollendungen sei“ (p. 1 ff), Die bald darauf stattfindende |
| 16965 | Erhöhung belehrt sie eines Bessern. Sie allein sind Zeugen der |
| 16966 | Himmelfahrt Christi, ihnen erscheint er wieder in voller Herr- |
| 16967 | lichkeit und offenbart ihnen seine wunderbaren Erlebnisse. Jetst |
| 16968 | erfolgt das letzte Stadium der Unterweisung, daher ruft ihnen |
| 16969 | Jesus bei seiner Ankunft entgegen: „Freuet euch und jubelt von |
| 16970 | dieser Stunde an, denn ich bin bis zu den Topoi, aus welchen |
| 16971 | ich gekommen, gegangen. Von nun an werde ich mit euch & |
| 16972 | ⲡⲥⲟϭ von dem Anfang der Wahrheit bis zu ihrer Vollendung |
| 16973 | reden, und ich werde mit euch von Angesicht zu Angesicht olıne |
| 16974 | xatgaßolr sprechen. Nicht werde ich euch von dieser Stunde an |
| 16975 | etwas von dem in der Höhe und dem des Topos der Wahrheit |
| 16976 | verbergen, denn es ist mir durch den Ineffabilis und durch das |
| 16977 | erste Mysterium von allen Mysterien die Macht gegeben, mit |
| 16978 | euch von dem Anfang bis zum xi%ewua und vom Innern bis |
| 16979 | zum Äussern und vom Äussern bis zum Innern zu sprechen“ |
| 16980 | (ⲣ. ⲃ. |
| 16981 | Den Jüngern wird zuerst die Offenbarung zuteil, darum ⲉ |
| 16982 | ⲣ. 10 spricht: „Und damit ich beginne, mit dem Menschenge- |
| 16983 | schlechte zu reden, und ihm alles vom Anfang der Wahrheit |
| 16984 | bis zu ihrer Vollendung verkündige und mit ihm von dem |
| 16985 | Innern der Innern bis zu dem Äussern der Äussern und von dem |
| 16986 | Äussern der Äussern bis zu dem Innern der Inneren rede; freuet |
| 16987 | euch nun und jubelt und freuet euch noch mehr, denn euch ist |
| 16988 | gegeben, dass ich mit euch zuerst von dem Anfang der Wahr- |
| 16989 | heit bis zu ihrer Vollendung rede“. Dieser Gedanke beherrscht |
| 16990 | das ganze Buch, tritt auch deutlich im zweiten Buche Jen her- |
| 16991 | vor, wenn es heisst: „Und ich werde euch alle Mysterien geben, |
| 16992 | damit ich euch in allen Mysterien des Lichtreiches vollende und |
| 16993 | ihr Kinder des xiQwua, vollendet in allen Mysterien genannt |
| 16994 | werdet“ (P. 59), ebenso in der P. ⲃ︦. ⲣ. 104: „Ich werde euch |
| 16995 | in allen Mysterien des Lichtreiches vollenden“. „Ihr seid ⲙⲉⲕ |
| page 479 | |
| 16996 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 463 |
| 16997 | ⲓ vor allen Menschen, die auf Erden, denn ich werde euch |
| 16998 | se Mysterien offenbaren. Wahrlich, wahrlich ich sage euch, |
| 16999 | werde euch in allem z270@ua vollenden von den Mysterien |
| 17000 | ; Innern bis zu den Mysterien des Äussern, und ich werde |
| 17001 | ;h mit dem Geiste erfüllen, damit ihr die zyevuatıxol, voll- |
| 17002 | let in allem xi%0wux genannt werdet“ (ⲣ. 59f). „Ich werde |
| 17003 | ;h in allen Kräften und allem xinowua vollenden von dem |
| 17004 | ıern der Innern bis zum Äussern der Äussern, von dem Inef- |
| 17005 | ilis bis zu der Finsternis der Finsternisse, damit ihr die xA%n- |
| 17006 | ⲙⲟⲧ⳪, vollendet in aller Erkenntnis genannt werdet“ (p. 187. |
| 17007 | 340). „Ich werde euch noch alle die Herrlichkeiten der Höhe |
| 17008 | kündigen von dem Innern der Innern bis zu dem Äussern |
| 17009 | : Äussern, damit ihr in aller Erkenntnis und in allem x2%- |
| 17010 | ga und der Höhe der Höhen und den Tiefen der Tiefen voll- |
| 17011 | let werdet“ (p. 35 cf. p. 75). „Wahrlich, meine Brüder und |
| 17012 | ine Geliebten, welche Vater und Mutter um meines Namens |
| 17013 | Jen verlassen haben, ich werde euch alle Mysterien und alle |
| 17014 | nntnisse geben. Ich werde euch das Mysterium der zwölf |
| 17015 | nen der Archonten und ihre Siegel und ihre Psephoi und die |
| 17016 | t ihrer Anrufung, um in ihre Topoi zu gehen, geben. Und |
| 17017 | werde euch das Mysterium des dreizehnten Aons und die |
| 17018 | ⲃ der Anrufung, um in ihre Topoi zu gelangen, geben; ... und |
| 17019 | werde euch das Mysterium der Taufe von der Mitte geben |
| 17020 | Ⲓ die Art der Anrufung, um in ihre Topoi zu gehen, und |
| 17021 | e Psephoi und ihre Siegel werde ich euch zeigen. Und ich |
| 17022 | rde euch die Taufe der Rechten, unseres Topos, geben und |
| 17023 | ae Psephoi und seine Siegel und die Art der Anrufung, um |
| 17024 | thin zu gehen. Und ich werde euch das grosse Mysterium |
| 17025 | ⲓ Lichtschatzes und die Art der Anrufung geben, um |
| 17026 | thin zu gehen. Ich werde euch alle Mysterien und alle |
| 17027 | antnisse geben, damit ihr die Söhne des xin0wua, vollendet |
| 17028 | allen Kenntnissen und allen Mysterien genannt werdet; ihr |
| 17029 | 1 uaxapıoı vor allen Menschen auf Erden, denn die „Kinder |
| 17030 | ‚ Lichtes“! sind in eurer Zeit gekommen“ (ⲣ. 363f. ef. |
| 17031 | 1 Die Gnostiker nennen sich „Kinder des Lichtes“ cf. P. 56: |
| 17032 | sser denen, die ihrer würdig sein werden, welche die ganze Welt |
| 17033 | | alle ihre Sachen und ihre Götter und Gottheiten hinter sich |
| page 480 | |
| 17034 | 464 „IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 17035 | ⲣ. 275). „Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Es werden euch selig |
| 17036 | preisen auf Erden alle Geschlechter des Kosmos, denn ich habe |
| 17037 | euch dieses offenbart, und ihr habt von meinem Geiste empfangen |
| 17038 | und seid vospol und xyevlatIXOL geworden, indem ihr begreift, |
| 17039 | was ich sage. Und danach werde ich euch mit dem ganzen |
| 17040 | Lichte anfüllen und mit der ganzen Kraft des Geistes, damit ihr |
| 17041 | von dieser Zeit an alles begreift, was euch gesagt wird und |
| 17042 | was ihr sehen werdet. Noch eine kleine Weile, so werde |
| 17043 | ich mit euch über alles von der Höhe von aussen bis innen und |
| 17044 | von innen bis aussen reden“ (p. 82). Darum darf es uns nicht |
| 17045 | zu kühn erscheinen, wenn Maria Magdalena also spricht (ⲣ. 181 f): |
| 17046 | „Jetzt nun, mein Herr, welchen werde ich finden, oder bei wel- |
| 17047 | chem sollen wir anklopfen, oder wer ist im stande, uns die ⲉⲡ⳿ |
| 17048 | g.«cı5 der Worte zu sagen, nach denen wir Dich fragen? Oder |
| 17049 | wer ist es, der die Kraft der Worte kennt, nach denen wir |
| 17050 | fragen werden, weil Du aus einem voüs uns voüg des Lichtes |
| 17051 | gegeben hast und uns dlo#n0ı5 und einen-sehr erhabenen Ge- |
| 17052 | danken gegeben hast? Deswegen nun wird Niemand, der auf dem |
| 17053 | Kosmos der Menschheit, noch der, welcher. mn der Höhe der |
| 17054 | Äonen sich befindet, im stande sein, uns die dxögadıg der Worte, |
| 17055 | nach welchen wir fragen, zu sagen, wenn -:picht Du allein, der |
| 17056 | das All kennt und der in dem AN vollendöt”ist, weil wir nicht |
| 17057 | nach der Weise, wie die Menschen des Kosmos fragen, sondern |
| 17058 | weil wir in der Kenntnis der Höhe, die Du uns gegeben hast, |
| 17059 | fragen, und wir in dem Typus der vorzüglichen Frage fragen, |
| 17060 | welche Du uns gelehrt, damit wir in ihr fragen“. |
| 17061 | Sind aber den Jüngern, wie gesagt, die höchsten Geheim- |
| 17062 | nisse offenbart, haben sie sogar die oberen und unteren Welten |
| 17063 | in Begleitung Jesu geschaut, sind sie somit als die Nachfolger |
| 17064 | Christi auf Erden auserkoren, so ist es natürlich, dass sie mit |
| 17065 | der höchsten Machtvollkommenheit ausgerüstet werden. Daher |
| 17066 | sagt Jesus (p. 60): „Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ich |
| 17067 | gelassen haben und keinen audern Glauben besitzen ausser dem Glas- |
| 17068 | ben an das Licht nach Weise der „Kinder des Lichtes“, indem sie |
| 17069 | auf einander hören und sich wie „Kinder des Lichtes“. einander |
| 17070 | unterordnen“, cf. Joh. 12, 36 u. Ephes, 5, 8: ⲱϩ ıduva ⲫⲱⲧϩ ⲙ |
| 17071 | ⲡⲡⲧⲉⲓ︦ⲧⲉ. ‚Jesun ist der „Sohn des Lichtes“ Ⲣ. 68. |
| page 481 | |
| 17072 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 465 |
| 17073 | werde euch alle Mysterien von allen Topoi meines Vaters geben und |
| 17074 | von allen Topoi des ersten Mysteriums, damit, was ihr auf Erden auf- |
| 17075 | nehmen werdet, in das Licht der Höhe aufgenommen wird, und, was |
| 17076 | ihr auf Erden herausstossen werdet, aus dem Reich meines Vaters, |
| 17077 | das im Himmel ist, ausgestossen wird“. Sie sind im Besitz der |
| 17078 | Schlüssel des Himmelreichs (p. 372) und des Mysteriums der Sün- |
| 17079 | denvergebung, damit dem, welchem sie auf Erden vergeben werden, |
| 17080 | im Himmel vergeben wird, und der, welchen sie auf Erden |
| 17081 | binden werden, auch im Himmel gebunden sein wird (p. 374). |
| 17082 | Sie allein sind mit dem Mysterium der Totenauferweckung und |
| 17083 | der Heilungswunder ! ausgerüstet, darum der Herr ihnen den Befehl |
| 17084 | giebt, dasselbe nicht der Öffentlichkeit zu überliefern, damit sie |
| 17085 | an ihm als die wahren Glaubensboten des wahren Gottes erkannt |
| 17086 | werden und Glauben finden: „Das Mysterium aber der Totenauf- |
| 17087 | erweckung und des #epaxeveıy der Krankheiten gebet Keinem, |
| 17088 | auch unterrichtet nicht in ihm, denn jenes Mysterium mit allen |
| 17089 | seinen ovouaoiaı gehört den Archonten; deswegen nun gebet es |
| 17090 | Keinem und unterrichtet auch nicht in ihm, bis ihr die zlottc im |
| 17091 | ganzen Kosmos befestigt habt, damit, wenn ihr in Städte oder Länder |
| 17092 | geht und sie euch nicht aufnehmen und an euch nicht glauben |
| 17093 | und auf eure Worte nicht hören, ihr Tote in jenen Orten auf- |
| 17094 | erweckt und den Lahmen und den Blinden und den mannigfal- |
| 17095 | tigen Krankheiten in jenen Orten helfet; und durch alles Der- |
| 17096 | artige werden sie an euch glauben, dass ihr den Gott des Alls |
| 17097 | verkündigt, und sie werden allen Worten von euch glauben. |
| 17098 | Deswegen habe ich euch jenes Mysterium gegeben, bis ihr die |
| 17099 | ⲡⲅⲓϩ im ganzen xö6uos aufrichtet“? (ⲣ. 278 6) Denn als die |
| 17100 | Weltheilande sind sie dazu berufen, in die Welt hinauszugehen |
| 17101 | 1 Siehe Harnack Unters. etc. 73ff. |
| 17102 | 2 Als die Jünger diese Worte vernehmen, rufen sie alle aus: |
| 17103 | „O Erlöser, Du hast uns wegen der Herrlichkeiten, die Du uns sagst, |
| 17104 | rasend gemacht und Du hast unsere Seelen genommen, und sie be- |
| 17105 | gehrten (?) aus uns heraus in Dich hineinzugehen, weil wir von Dir |
| 17106 | stammen. Jetzt nun wegen dieser Herrlichkeiten, die Du uns sagst, |
| 17107 | sind unsere Seelen rasend geworden, und sie sind sehr rasend ge- |
| 17108 | worden, indem sie aus uns herauszugehen wünschten zu der Höhe, |
| 17109 | zum Topos zu Deinem Reiche“ (p. 279f.). |
| 17110 | Texte u. Untersuchungen VIII, 1. 3. 30 |
| page 482 | |
| 17111 | 466 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 17112 | und die ihnen mitgeteilte Lehre, „in der die gesammte Er- |
| 17113 | kenntnis wohnt“, zu verkündigen (ⲣ. 231. 250. 254 ⲉⲓⲥ.) Nach |
| 17114 | dem Vorbilde der wirklichen Apostel sollen sie von Land zu |
| 17115 | Land, von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf wandern; gilt |
| 17116 | doch ihre Lehre nicht einem von Natur dazu auserwählten Ge- |
| 17117 | schlechte, sondern dem totum genus humanum. Nichts nennen |
| 17118 | sie ihr Eigen, darum treten sie mit dem Friedensgrusse in die |
| 17119 | Häuser der Fremden, un bei ihnen Unterkunft zu finden, und |
| 17120 | ist dies geschehen, so teilen sie den Bewohnern die geheimen |
| 17121 | Mysterien mit, ohne dass sie wissen, ob sie derselben würdig |
| 17122 | sind oder nicht (p. 270. 280). Dieser universalistische Che- |
| 17123 | rakter der gnostischen Lehre ist ein Zeichen späterer Zeit, in |
| 17124 | der die Gnosis selbst ihre bis dahin so streng behüteten Ge- |
| 17125 | heimnisse preisgab und damit sich selbst den Todesstoss ver- |
| 17126 | setzte, denn nur in dem geheimnisvollen Zurückhalten ihrer ver- |
| 17127 | meintlichen tiefen Weisheit lag der Zauber, den die Gnostiker |
| 17128 | auf mystisch angelegte Naturen ausübten. Wie auch sonst, so |
| 17129 | zeigt uns das vierte Buch der P. ⲃ︦. einen älteren Zustand der |
| 17130 | Sekte, denn es heisst auf p. 377: „Aber verbergt dieses Myste- |
| 17131 | rium und gebet es nicht jedem Menschen, ausser demjenigen, |
| 17132 | welcher alle Dinge, die ich euch in meinen Geboten gesagt habe, |
| 17133 | thun wird“. Hier ist von der freien Missionspraxis gar keine |
| 17134 | Rede. Eine noch bessere Illustration erhalten wir im zweiten |
| 17135 | Buche ⲉ nach dessen Anordnung nur unter den grössten Kau- |
| 17136 | telen und der grössten Verschwiegenheit die Lehre verbreitet |
| 17137 | werden soll: „Als er aber dieses gesagt hatte, fuhr er fort, zu |
| 17138 | ihnen zu reden: Diese Mysterien, welche ich euch geben werde, |
| 17139 | bewahret sie und verratet sie keinem Menschen, sie seien denn |
| 17140 | ihrer würdig. Nicht verratet sie an Vater noch Mutter, nicht |
| 17141 | an Bruder noch Schwester noch Verwandten, nicht für Speise |
| 17142 | noch Trank, nicht für eine Weibsperson, nicht für Gold noch |
| 17143 | Silber, noch überhaupt für irgend etwas dieser Welt. Bewahret |
| 17144 | sie und verratet sie überhaupt Niemandem um der Güter dieser |
| 17145 | ganzen Welt willen. Verratet sie keinem Weibe oder irgend |
| 17146 | einem Menschen, der in irgend einem Glauben an diese 72 Ar- |
| 17147 | chonten steht etc.“ (P. 55 ff), Diese wenigen Worte werden |
| 17148 | schon genügen, um uns die Art der Propaganda vor Augen zu |
| 17149 | führen. |
| 17150 | Freilich ist die Missionsthätigkeit der Apostel mit grossen |
| page 483 | |
| 17151 | 1V. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 467 |
| 17152 | Schwierigkeiten verknüpft, sie werden viele Leiden von den |
| 17153 | Menschen empfangen, bis sie alle Worte verkündigen werden, |
| 17154 | die Jesus ihnen gesagt hat (p. 231), und vielen Verfolgungen |
| 17155 | ausgesetzt sein (p. 11). Dafür werden sie auch belohnt werden, |
| 17156 | denn in dem künftigen Reiche Jesu werden ihre Throne dem |
| 17157 | seinigen am nächsten stehen, sie werden zur Linken und Rechten |
| 17158 | von ihm sitzen und als Könige über die vollkommenen Seelen |
| 17159 | herrschen (p. 231. 244. cf. p. 76), ja sie sollen die ersten sein, |
| 17160 | die in das Lichtreich eingehen werden, wie der Herr ihnen ver- |
| 17161 | heisst: „Wahrlich, ich sage Dir, Maria: Nicht wird er zu dem |
| 17162 | Lichte gehen, bevor ich Deine Seele und die aller Deiner Brüder |
| 17163 | zu dem Lichte getragen habe“ (p. 356). Auch bei der dxoxa- |
| 17164 | r&oTAacıs des Alls sind sie beteiligt: „Wahrlich, ich sage euch: |
| 17165 | Wenn die vollkommene Zahl vollendet ist und das All hinauf- |
| 17166 | eilt, werde ich im Lichtschatz sitzen, und ihr selbst werdet auf |
| 17167 | zwölf Lichtkräften sitzen, bis ihr alle Taxeis der zwölf ϭⲱⲧ ⲉϩ |
| 17168 | zu dem Topos der xAngovoulaı eines jeden von ihnen versetzt“ |
| 17169 | (dxoxadıorävar) ⲣ. 89). |
| 17170 | Überblickt man noch einmal die ganze Lehre über die |
| 17171 | Jünger, so springt uns sofort die Thatsache in die Augen, dass |
| 17172 | der Verfasser die Autorität der Jünger über das Mass gesteigert |
| 17173 | hat, wie es kaum von der Grosskirche geschehen ist. Das ganze |
| 17174 | christliche Lehrgebäude! ist nur aus den authentischen Aus- |
| 17175 | sprüchen Jesu zu schöpfen, die einerseits in den neutestament- |
| 17176 | lichen Schriften niedergelegt, anderseits aus einer geheimen Offen- |
| 17177 | barung an die Jünger geflossen sind. Diese Hermengestalt des |
| 17178 | Gnosticismus hat Harnack mit Scharfsinn erkannt und mit Recht |
| 17179 | betont, dass jener in dieser Beziehung auf dem Boden des Christen- |
| 17180 | [ⲱⲃ als einer positiven Religion verharren wollte. Wäre dies |
| 17181 | nicht der Fall gewesen, so müsste es für uns ein unlösbares |
| 17182 | Rätsel sein, dass er selbst innerhalb der Grosskirche einen ⲃⲟ |
| 17183 | festen Fuss fassen, ja für eine Zeit lang die Existenz derselben |
| 17184 | in Frage stellen konnte. „Es ist aber die Absicht der Quostiker, |
| 17185 | sich auf die unverfälschte, aus Schriften zu erhebende, aposto- |
| 17186 | lische Tradition zu gründen, durch drei Momente gekreuzt worden, |
| 17187 | 1 Vergl. Harnack Unters. etc. S. 60 und Dogmengeschichte Ⲓ |
| 17188 | ⲃ. 215f. |
| 17189 | 30 |
| page 484 | |
| 17190 | 468 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 17191 | die übrigens sämmtlich in den christlichen Gemeinden überhaupt |
| 17192 | wirksam waren und dem Gnosticismus also nicht eigenthümlich |
| 17193 | sind: 1) durch den Glauben an die fortgehende Prophetie® — |
| 17194 | über diesen Punkt werden wir bei der Besprechung des zweiten |
| 17195 | gnostischen Werkes handeln, — |
| 17196 | 2) „durch die Annahme einer esoterischen Geheimtradition |
| 17197 | von den Aposteln her“. Für diese These liefert die P. S. ebenso |
| 17198 | wie die beiden Bücher ⲉⲗ den besten Beweis, Während der zwölf |
| 17199 | Jahre, die Jesus nach der Auferstehung auf Erden geweilt, hat |
| 17200 | er den Jüngern erst die wahre Lehre mitgeteilt; alle übrigen |
| 17201 | Lehren sind x2aval, vor denen auf das Dringlichste gewarnt |
| 17202 | wird (p. 258f. 280. 322. 353). Diesen Grundsatz spricht der Ver- |
| 17203 | fasser in der Einleitung zu den Büchern Jeü sehr deutlich aus: |
| 17204 | „Dies ist das Buch von den ⲩⲙⲱϭⲉϣ des unsichtbaren Gottes durch |
| 17205 | die verborgenen Mysterien, welche den Weg zu dem auserwählten |
| 17206 | Geschlechte zeigen, in der Ruhe? zum? Leben des Vaters, in der |
| 17207 | Ankunft des Erlösers, des Erretters der Seelen, welche diesen |
| 17208 | Logos des Lebens bei sich aufnehmen werden, welcher höher ist |
| 17209 | denn alles Leben, in der Erkenntnis Jesu, des Lebendigen, welcher |
| 17210 | durch den Vater aus dem Lichtäon in der Fülle des xi%Qgepa |
| 17211 | herausgekommen ist, in der Lehre, ausser der es keine andere |
| 17212 | giebt, welche Jesus, der Lebendige, seinen Aposteln gelehrt hat, |
| 17213 | indem er sagte: „Dies ist die Lehre, in der die gesammte Er- |
| 17214 | kenntnis wohnt“. |
| 17215 | Ausdrücklich wird also der Inhalt des ganzen Werkes auf |
| 17216 | die Apostellehre zurückgeführt, die nur den Gnostikern resp. |
| 17217 | unsern Verfassern zuteil geworden ist. Dieser aristokratische |
| 17218 | Dünkel derselben, die die wahre Lehre gepachtet zu haben schienen, |
| 17219 | wirkt auf uns sehr unangenehm, aber auch die Christen ergingen |
| 17220 | sich in ähnlichen schroffen Antithesen. Freilich haben die |
| 17221 | Gnostiker in der Lehre ein sehr weites Gewissen gehabt, denn sie |
| 17222 | befand sich in stetem Fluss, wie wir ja an unsern Büchern ⲉⲩ |
| 17223 | sehen können. da der Schüler stets die Ansichten des Meisters |
| 17224 | zu modificieren versuchte. Dies war ein sehr wunder Punkt, |
| 17225 | der ohne Frage zum schnellen Untergang des Gnosticismus bei- |
| 17226 | getragen hat. Denn bei welchem Lehrer war die unumstössliche |
| 17227 | Wahrheit, die den Menschen zum Erben des Lichtreiches machen |
| 17228 | sullte, zu finden, wenn sie von heute auf morgen nicht mehr die- |
| 17229 | selbe hlieb? |
| page 485 | |
| 17230 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 469 |
| 17231 | Hier kommt das von Harnack an dritter Stelle aufgestellte |
| 17232 | Moment in Betracht, nämlich „die fortgehende Produktion evan- |
| 17233 | gelischer Schriften und Hinzufügung von Apostelgeschichten“. |
| 17234 | Man kann wohl ohne Übertreibung behaupten, dass die Häupter |
| 17235 | der einzelnen Sekten zu den bedeutendsten Männern gehört |
| 17236 | haben !, welche die Grosskirche in ihrer Mitte barg. Denn diese |
| 17237 | waren hoch gebildet, voll ausgerüstet mit der griechisch-römischen |
| 17238 | . Bildung der damaligen Zeit. Nun trat das Christentum an sie |
| 17239 | heran, sie waren von den hohen Ideen und ethischen Grundsätzen |
| 17240 | der neuen Lehre überwältigt, aber sie waren zu sehr spekulative |
| 17241 | Köpfe, als dass sie die einfachen Gedanken des Evangeliums in |
| 17242 | ihrer Schlichtheit begreifen konnten. Sie suchten die neuen Ein- |
| 17243 | drücke mit den alten zu verbinden, wollten die alte abgestorbene |
| 17244 | Kultur mit dem neu hereinbrechenden Zeitalter verschmelzen, |
| 17245 | mussten aber, um diesen Verschmelzungsprozess durchzuführen, |
| 17246 | ein neues Evangelium an die Stelle des alten setzen und jenes |
| 17247 | auf eine apostolische Quelle zurückführen. Ein frischer jugend- |
| 17248 | Kcher Geist, der durch das Christentum einen ungeahnten Impuls |
| 17249 | erhalten hat, weht uns in dieser Bewegung entgegen; würden |
| 17250 | wir nach im vollen Umfange die gesammte Literatur besitzen, so |
| 17251 | würden wir erstaunt sein über die eminent wissenschaftliche Be- |
| 17252 | gabung, über die tiefen philosophischen Gedanken und die un- |
| 17253 | erschöpfliche Produktionskraft der Gnostiker. Sie waren die ersten |
| 17254 | Dogmatiker, die ersten Sammler des Kanons und die gelehrtesten |
| 17255 | Exegeten; „Gnostiker waren es, welche das geistliche Lied schu- |
| 17256 | fen ?; Gnostiker haben die Gattung der religiösen Prosadichtung |
| 17257 | ausgebildet: ihre Apostel- und Märtyrergeschichten haben trotz |
| 17258 | der kirchlichen Verurtheilung auch in orthodoxen Kreisen zahl- |
| 17259 | reiche Leser gefunden, und bis heute sind solche Stücke erhalten |
| 17260 | 1 Von Valentin müssen es selbst die Kirchenväter zugestehen, |
| 17261 | cf. Hieronymus comment. in Osee II cap. 10. (Opp. VI, 1, 106) und |
| 17262 | Dialog. de recta in deum fide Sect. IV (Orig. opp. IV, 840) 00x zürtelns |
| 17263 | ϯ ⲉⲩⲛ, ebenso Tertullian adv. Valentinianos ⲥ. 4: speraverat epi- |
| 17264 | scopatum Valentinus quia et ingenio poterat et eloquio. |
| 17265 | 2 Vergleiche Harnack Dogmengeschichte I? ⲃ︦. 286 1, und |
| 17266 | Untersuch. etc. S. 35 ff, über die gnostischen Oden, inshesondere S. 46 |
| 17267 | Anm. 2. |
| page 486 | |
| 17268 | 470 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 17269 | geblieben !“, mit einem Wort: sie sind die Schöpfer der gross- |
| 17270 | kirchlichen Literatur, |
| 17271 | ⲉ. Die Bedeutung der Person des Erl&sers. |
| 17272 | Hatten für die Gnostiker die Reden und Werke des histo- |
| 17273 | rischen Jesu keinen namhaften Wert, so war die notwendige |
| 17274 | Folge, dass die grossen Heilsthatsachen, die den eigentlichen Ge- |
| 17275 | halt der neuen Religion ausmachten, ihres Inhaltes entleert wurden. |
| 17276 | Zwar hielten die meisten Gnostiker die These aufrecht, dass die |
| 17277 | Erlösung aus der Knechtschaft der Sünde und des Todes durch |
| 17278 | ein höheres, vom Vater gesandtes Wesen, d. h. durch Jesum |
| 17279 | Christum stattgefunden habe, aber ihre kosmologischen und an- |
| 17280 | thropologischen Spekulationen, ihr Doketismus und übermässiger |
| 17281 | Hang zum Spiritualismus mussten der christlichen Erlösungslehre |
| 17282 | schnurstracks entgegenlaufen. Einen deutlichen Beweis hierfür |
| 17283 | liefern unsere gnostischen Originalwerke. |
| 17284 | In dem ganzen Buche Jeü findet der Kreuzestod des Hei- |
| 17285 | landes gar keine Erwähnung. Dies ist nur zu natürlich, denn auf |
| 17286 | welche Weise hätte man den Tod des Erlösers dogmatisch recht- |
| 17287 | fertigen können? Tod und Leiden waren nach Ansicht des Gno- |
| 17288 | stikers die üblen Folgen des in die Welt eingedrungenen bösen |
| 17289 | Princips, d. h. der Materie; sollte aber die Menschheit aus diesen |
| 17290 | Banden befreit werden, so konnte der schimpfliche Kreuzestod |
| 17291 | des Heilands keinen weltgeschichtlichen Faktor in der religiösen |
| 17292 | Menschheitsgeschichte bilden. Dazu bedurfte man einer rein gött- |
| 17293 | lichen, den Wirkungen des menschlichen Daseins nicht unter- |
| 17294 | worfenen Persönlichkeit, aber keineswegs war der Tod und die |
| 17295 | Auferstehung des wahren Gott-Menschen nötig. Die Pistis Sophis |
| 17296 | giebt sich freililich dadurch als ein späteres Product des Gno- |
| 17297 | sticismus zu erkennen, dass sie, wie wir schon oben erwähnt |
| 17298 | haben, die Thatsachen des Todes und der Auferstehung — sicherlich |
| 17299 | unter dem Drucke der grosskirchlichen Autorität — anerkennt, ohne |
| 17300 | aber daraus die notwendigen Konsequenzen für die Versöhnungs- |
| 17301 | und Erlösungslehre zu ziehen; sie verraten sich in diesem Buche |
| 17302 | als leere Phrasen. Mögen nun auch immer die Gnostiker diese |
| 17303 | Fundamente der christlichen Lehre negiert haben, so kann auf |
| 17304 | 1 cf. Usener Weihnachtsfest S. 27. |
| page 487 | |
| 17305 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 471 |
| 17306 | der andern Seite doch nicht geleugnet werden, dass sie die ab- |
| 17307 | solute Bedeutung der Person des Erlösers stark in den Vorder- |
| 17308 | grund ihrer Religionsanschauung gestellt haben, darum sie auch |
| 17309 | den Anspruch erhoben, zu den Christen gerechnet zu werden. |
| 17310 | Jesus ist der grosse Markstein des Gott-Weltprozesses, seine |
| 17311 | Herabkunft bedeutet die letzte Phase des gewaltigen Welt- |
| 17312 | dramas, welches seinen endlichen Abschluss in der Vernichtung |
| 17313 | der siderischen Mächte bei der Himmelfahrt findet. Christus |
| 17314 | tritt uns somit nicht als das reine Erlösungsprincip, sondern zu- |
| 17315 | gleich als ein kosmisches Princip entgegen. Mit der Besiegung |
| 17316 | der Weltmächte hängt aber die speziell auf die Menschheit ge- |
| 17317 | richtete Erlöserthätigkeit auf das Engste zusagnmen. Jesus be- |
| 17318 | zeichnet den Eintritt und das Offenbarwerden des höchsten Prin- |
| 17319 | cips in dieser sündigen, materiellen Welt; er ist dadurch zugleich |
| 17320 | der Offenbarer einer bis dahin ‚der Menschheit unbekannt ge- |
| 17321 | bliebenen Gottheit, die sich selbst nicht einmal durch den Mund |
| 17322 | der Propheten des Alten Bundes kundgethan hat!'. Er ist nicht |
| 17323 | nur der Lehrer der Wahrheit, sondern die Erscheinung der Wahr- |
| 17324 | heit selber, welcher der herrschenden dyyola ein Ende macht. |
| 17325 | „Er ist die Erkenntniss des Alls“ (p. 233); „er allein kennt das |
| 17326 | All und ist in dem All vollendet“ (p. 182); „Jesus, der Lebendige, |
| 17327 | ist die Erkenntnis der Wahrheit“ (P. 1), er ist „das Licht, welches |
| 17328 | Licht verleiht und die Herzen erleuchtet, damit sie das Licht des |
| 17329 | Lebens empfangen, der wahre Logos, der die verborgene Erkennt- |
| 17330 | nis lehrt“ (P. 2). Die weltgeschichtliche Mission des cwtn0 |
| 17331 | beruht also nicht in dem Leiden und Sterben, sondern in seiner |
| 17332 | Lehre? der „yrojo&c des unsichtbaren Gottes Uurch die verbor- |
| 17333 | 1 Vergleiche die Antwort Jesu auf die Frage der Maria, ob die |
| 17334 | Propheten in das Licht eingegangen sind (P. S. p. 355). Daraus |
| 17335 | erklären sich die oft so schroffen Antithesen der Gnostiker gegen |
| 17336 | den Gott des A. T. und überhaupt gegen das A. T. |
| 17337 | 2 In dieser Beziehung stehen ihren Ansichten die beiden grossen |
| 17338 | Alexandrinischen Gnostiker sehr nahe, nämlich Clemens Alexandrinus |
| 17339 | und Origenes, insbesondere der erstere, denn bei ihm tritt infolge |
| 17340 | der Logosspekulation der Erlöser als Mensch sehr zurück, sein Tod |
| 17341 | hat für die Welt keine Bedeutung, er ist nur „der Lehrer, der den |
| 17342 | Gnostiker durch Mysterien erzieht, den Gläubigen durch gute Hoff- |
| page 488 | |
| 17343 | 472 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 17344 | genen Mysterien, welche den Weg zu dem auserwählten Ge- |
| 17345 | schlechte zeigen“ (P. 1), ein Satz, der gewiesermassen die ge- |
| 17346 | sammte gnostische Lehre in sich birgt. Denn immer und immer |
| 17347 | tönt uns aus dem gnostischen Munde die Behauptung entgegen, |
| 17348 | dass Jesus nur deshalb in die Welt gekommen sei, um den |
| 17349 | Menschen jene kostbaren Güter, die allein die Wi |
| 17350 | mit der Urgottheit und das ewige Leben im künftigen Reiche |
| 17351 | verbürgen, d. h. die Mysterien zu bringen: „Ich bin zum Kosmos der |
| 17352 | Menschheit gegangen und habe ihnen die Mysterien der Höhe |
| 17353 | gegeben“ (p. 178 cf. 181). „Wahrlich, ich sage euch, um des |
| 17354 | Menschengeschlechtes willen, weil es hylisch ist, habe ich mich |
| 17355 | gezerrt und ihm alle Mysterien des Lichtes gebracht, damit ich |
| 17356 | sie reinige, denn sie sind die Hefe der ganzen Hyle von ihrer |
| 17357 | Hyle; wenn nicht, so wäre keine Seele in dem ganzen Geschlechte |
| 17358 | der Menschheit gerettet worden, und nicht würden sie das Licht- |
| 17359 | reich erlangt haben können, wenn ich nicht ihnen die reinigenden |
| 17360 | Mysterien gebracht hätte, denn die xgoßolal des Lichtes bedürfen |
| 17361 | nicht der Mysterien, denn sie sind rein, aber das Menschen- |
| 17362 | geschlecht hat ihrer nötig, denn sie sind alle hylische Hefen“ |
| 17363 | (p. 249). „Denn wegen der Sündhaftigkeit haben wir die My- |
| 17364 | sterien zum Kosmos gebracht, damit ich alle ihre Sünden, die |
| 17365 | sie von Anfang begangen haben, vergebe; deswegen nun habe |
| 17366 | ich euch gesagt: „Nicht bin ich gekommen, die Gerechten zu |
| 17367 | rufen“. Jetzt nun habe ich die Mysterien gebracht, damit einem |
| 17368 | Jeden die Sünden vergeben, und sie in das Lichtreich aufgenom- |
| 17369 | men werden. Denn jene Mysterien sind die Geschenke des ersten |
| 17370 | Mysteriums, damit es die Sünden und die Missethaten aller Sünder |
| 17371 | austilge“ (p. 260 f. cf. p. 276. 278. 301. 341. 350. 354. 355. 357) |
| 17372 | „Er ist der Verkündiger der grossen Mysterien, die Niemand in |
| 17373 | dem unsichtbaren Gott kennt“ (P. 54), darum sagt Maria ganz |
| 17374 | mit Recht von ihm: „Du bist der Schlüssel, der für den Erden- |
| 17375 | menschen öffnet und für den Erdenmenschen schliesst, und Dein |
| 17376 | Mysterium beherrscht sie alle“, denn nur derjenige, welcher Jesu |
| 17377 | Predigt sorgfältig in sein Herz aufnimmt, kann vor dem ewigen |
| 17378 | Verderben gerettet werden (P. 3). |
| 17379 | nungen, und den, der harten Herzens ist, durch eine die Besserung |
| 17380 | durch sinnliche Mittel wirkende Zucht“ cf. Harnack Dogmengeschichte |
| 17381 | 1? S. 54 ⲃ︦ |
| page 489 | |
| 17382 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 473 |
| 17383 | Es könnte nun den Anschein gewinnen, als ob die Erlösung |
| 17384 | resp. die Mitteilung der Mysterien auf die Rettung der gesammten |
| 17385 | Menschheit berechnet gewesen sei, die Persönlichkeit des Erlösers |
| 17386 | eine universelle Bedeutung gehabt habe, da stets von dem totum |
| 17387 | genus humanum gesprochen wird. Wir würden daraus erkennen, |
| 17388 | dass der Gnosticismus in Verzweiflung über sich selber seine |
| 17389 | einst mit so grosser Hartnäckigkeit verfochtene Position, „das |
| 17390 | auserwählte Geschlecht“, die wahren xyevuatıxol innerhalb der |
| 17391 | gesammten Menschheit zu sein, aufgegeben und eine Universal- |
| 17392 | religion angebahnt habe. Aber wenn auch insbesondere die P. |
| 17393 | Sophia in dieser Hinsicht zuweilen einen fast ungnostischen |
| 17394 | Charakter trägt und sich in den Schoss der Grosskirche zurück- |
| 17395 | begiebt, so darf man darin nicht die wahre Herzensmeinung des |
| 17396 | Verfassers erkennen, der nur äusserlich als ein wirklicher Christ |
| 17397 | erscheinen will, innerlich aber weit davon entfernt ist, alle Men- |
| 17398 | schen der Erlösung teilhaftig werden zu lassen. Dies zeigt sich |
| 17399 | deutlich in der folgenden Unterredung Jesu mit Maria (p. 354 |
| 17400 | drittes Buch): „Als nun der Soter dieses gesagt hatte, antwortete |
| 17401 | Maria und sprach: „Mein Herr, wer aber ist denn der Mensch |
| 17402 | auf Erden, der überhaupt nicht gesündigt hat, der frei von Misse- |
| 17403 | that ist? Denn wenn er von einer rein ist, so wird er von anderer |
| 17404 | nicht rein sein können, damit er die Mysterien finde, die in den |
| 17405 | Büchern Jeü sind. Ich sage nämlich: Kein Mensch auf Erden |
| 17406 | wird von Sünde rein sein können, denn wenn er von einer rein |
| 17407 | ist, wird er nicht von anderer rein sein können. Es erwiderte |
| 17408 | der Soter und sprach zu Maria: „Ich sage euch: man wird einen |
| 17409 | unter tausend und zwei unter zehntausend finden wegen |
| 17410 | der Vollendung des Mysteriums des ersten Mysteriums“ etc. Denn |
| 17411 | nur auf eine bestimmt prädestinierte Anzahl von vollkommenen |
| 17412 | Seelen erstreckt sich das Erlösungswerk; ist diese Zahl in das |
| 17413 | Himmelreich eingegangen, hat dasselbe sein Ende gefunden, und |
| 17414 | die grosse Weltkatastrophe tritt ein. Denselben aristokratisch |
| 17415 | dünkelhaften Standpunkt vertrat auch Basilides, wenn es Iren. I, |
| 17416 | 24, 6 (Epiph. 24, 5 p. 72) von ihm heisst: „gdoxet dt ⲙⲟⲩ |
| 17417 | ⲡⲉⲣ ⲡⲁⲧⲣⲟϩ ϫⲟ) ⲧⲟ ̃ⲱⲅⲟⲱ ⲙⲱϭⲅⲟⲓⲟⲱ ⲙⲉ) AkOKALURTELV, |
| 17418 | ⲉ̀ⲗⲗⲁ ϭⲓ) Eyeır Ⲉ ̃ⲥⲱⲧⲟⲓ︦ⲥ. Evi di ⲡ ⲗ ⲗⲱ AKOXAÄUKTEW, |
| 17419 | xal dvoly ⲉⲡⲟ ⲙⲱ. Diese einschneidende, das Christen- |
| 17420 | tum geradezu zerstörende These ist daher von den Ketzerbestrei- |
| 17421 | tern auf das Schärfste bekämpft worden; ebenso sehr hatten sie |
| page 490 | |
| 17422 | 474 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 17423 | sich der Lehrmeinung zu widersetzen, welche die Erlösung nicht |
| 17424 | auf den Menschen, sondern nur auf die von der Lichtwelt in die |
| 17425 | untere hylische Sphäre herabgesunkene Seele ausgedehnt sein |
| 17426 | liess. Denn wie konnte dieser Leib, der doch hylisch, der nur der |
| 17427 | Kerker der Seele ist, gerettet werden? Musste er nicht wieder zu |
| 17428 | dem zurückkehren , was er gewesen war, und am Ende der Tage |
| 17429 | der Vernichtung anheimgegeben werden? Der Leib bleibt auf |
| 17430 | Erden, die Seele aber, die vormals in höheren Regionen weilte, |
| 17431 | die das Antlitz der Urgottheit geschaut, ja ein Teil ihres eigenen |
| 17432 | Wesens, darum mit der alodnoıs zveunatıIKH begabt war, sie |
| 17433 | sollte wiedergewonnen und mit der Urgottheit wieder vereinigt |
| 17434 | werden. In der Rettung der Seelen, des herabgesunkenen Licht- |
| 17435 | urstoffes bestand dies gewaltige Erlösungswerk Jesu, es war nur |
| 17436 | ein kosmologischer Akt. Nirgends ist in unsern Schriften von |
| 17437 | dem dereinst der Auferstehung teilhaftigen Körper die Rede; |
| 17438 | bei dem Tode zerreisst das bis dahin stattgehabte Band zwischen |
| 17439 | der ⲥ︦ der siuapuErn (P. 69) und der wur, und diese durcheilt |
| 17440 | die weiten Regionen, um in den Lichtschatz, den Ort des „Schwei- |
| 17441 | gens und der Ruhe“, einzugehen. Wie einst Paulus verheissen, |
| 17442 | dass Fleisch und Blut das Himmelreich nicht erlangen würden, |
| 17443 | so soll die Seele ihre Wesenheit aufgeben und wieder zu reinem |
| 17444 | Lichte werden. Es sprach Jesus zu ihnen: „Diese Mysterien, |
| 17445 | nach welchen ihr fragt, es giebt kein Mysterium, welches vor- |
| 17446 | züglicher als sie ist; es wird eure Seele zu dem Licht der Lächter, |
| 17447 | zu den Topoi der Wahrheit und der Güte des Topos des Heiligen |
| 17448 | aller Heiligen führen, zu dem Topos, in dem es weder Frau noch |
| 17449 | Mann giebt, noch giebt es Gestalten in jenem Topos, sondemn |
| 17450 | ein ewiges, unaussprechbares Licht“ (p. 378). Nicht deutlicher |
| 17451 | konnte der Gnostiker seinen Standpunkt in der Erlösungsfrage |
| 17452 | aussprechen als in den Einleitungsworten zum Buche Jeu: „Dies |
| 17453 | ist das Buch von den ypwoeıc des unsichtbaren Gottes .......... |
| 17454 | in der Ankunft des Erlösers, des Erretters der Seelen, welche |
| 17455 | diesen Logos des Lebens bei sich aufnehmen werden, der höher |
| 17456 | ist denn alles Leben“. |
| 17457 | Kann aber der Mensch seine Seligkeit resp. die seiner Seele |
| 17458 | nur durch Aneignung der Mysterien gewinnen, so wird es an |
| 17459 | der Zeit sein, diese Mysterienlehre, die in unsern Schriften die |
| 17460 | Hauptsache, die summa religionis bildet, näher ins Auge ⲙ |
| 17461 | fassen. |
| page 491 | |
| 17462 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 475 |
| 17463 | €. Die Lehre von den Mysterien. |
| 17464 | Wie das Universum aus einer Unzahl von KEinzelwesen, |
| 17465 | welche die Machtfülle des höchsten Wesens darstellen sollen, |
| 17466 | besteht, so existieren für unsere Gnostiker dem entsprechend |
| 17467 | auch eine Menge höherer und niederer Mysterien. |
| 17468 | Nach p. 252 sind die höchsten Mysterien, deren der Mensch |
| 17469 | teilhaftig werden kann, die Mysterien, die in dem Ineffabilis |
| 17470 | wohnen, d, h. diejenigen, welche noch nicht aus ihm hervor-. |
| 17471 | gegangen sind und vor dem ersten Mysterium existierten, welche |
| 17472 | einem Bilde gemäss mit den Gliedern des Ineffabilis verglichen |
| 17473 | werden. „Wer hingegen die Worte der Mysterien gefunden hat, |
| 17474 | die ich euch entsprechend einem Gleichnis geschrieben? habe, dass |
| 17475 | . sie die Glieder des Ineffabilis sind, wahrlich ich sage euch: Wer |
| 17476 | die Worte jener Mysterien des Gottes in Wahrheit gefunden hat, |
| 17477 | jener Mensch ist der Erste in Wahrheit und ihm gleich, denn |
| 17478 | durch jene Worte und Mysterien und jenen Ersten stand das |
| 17479 | All selber; deswegen ist derjenige, welcher die Worte jener My- |
| 17480 | sterien gefunden hat, dem Ersten gleich“ (ⲣ. 254), Auch das |
| 17481 | zweite Buch (p. 241) kennt diese Mysterien, welche „in den Glie- |
| 17482 | dern des Ineffabilis vereinigt sind“, und unterscheidet sie deutlich |
| 17483 | von dem Mysterium, das sich in dem y@@nua@ des Alls des Inef- |
| 17484 | fabilis befindet. ; |
| 17485 | Dies ist das so oft genannte „Mysterium des Ineffabilis“ |
| 17486 | oder „das einzige Mysterium des Ineffabilis“!. Aber obwohl es |
| 17487 | nur ein einziges ist (p. 236 ff.), zerfällt es doch in zwei Paare von |
| 17488 | Mysterien; erstens enthält es drei Mysterien, u. z. hat jedes von |
| 17489 | ihnen einen verschiedenen Typus, ebenso ist der Typus des ϭ ⲗⲍ] ⲕ⳪ |
| 17490 | eines jeden von ihnen verschieden. Wer das erste von den dreien |
| 17491 | in allen seinen oyuata gut vollendet, wird bei seinem Tode eine |
| 17492 | Licht-dx6ö600c@ werden und alle Regionen durchwandern, bis die |
| 17493 | Seele zum Topos ihres Reiches gelangt. |
| 17494 | 1 In der Lehre vom Mysterium des Ineffabilis herrscht eine |
| 17495 | grosse Unklarheit; nach p. 232 soll das Mysterium des Ineffabilis |
| 17496 | wieder von dem Wort der ganzen Erkenntnis verschieden sein. Dies |
| 17497 | weist auf eine spätere Entstehung dieser Mysterien. |
| page 492 | |
| 17498 | 476 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 17499 | Vollzieht man das zweite Mysterium [des ersten Mysteriums] |
| 17500 | des Ineffabilis! in allen seinen ϭⲙ]ⲙϭⲧⲥ, so erlangt man nicht |
| 17501 | nur für sich die Seligkeit, sondern kann sie auch Verstorbenen |
| 17502 | verschaffen. Denn sobald man dieses Mysterium über das Haupt |
| 17503 | oder in die beiden Ohren eines Menschen spricht, der der My- |
| 17504 | sterien nicht teilhaftig geworden ist, so wird derselbe in keinem |
| 17505 | Topos von den Archonten bestraft oder von dem Feuer berührt |
| 17506 | werden, weil ihn das grosse Mysterium des Ineffabilis begleitet, |
| 17507 | vielmehr lässt ihn die Lichtjungfrau in einen Körper bringen, |
| 17508 | der die wahre Gottheit und die hohen Mysterien des Lichtes |
| 17509 | finden wird ?. |
| 17510 | Vollendet dagegen Jemand das dritte Mysterium des Ⲙⲉ- |
| 17511 | bilis, so wird er nicht nur nach seinem Tode das Lichtreich er- |
| 17512 | langen, sondern auch andere Seelen von den bösen Qualen, in |
| 17513 | denen sie sich befinden, befreien (ⲣ. 2) |
| 17514 | Ausser den drei Mysterien giebt es noch fünf Mysterien, |
| 17515 | die ebenfalls von verschiedenem Typus sind, aber sie sind in dem |
| 17516 | Mysterium des Reiches in den xAingovoular des Lichtes einander |
| 17517 | ähnlich; ihr Reich ist vorzüglicher und höher als das ganze Reich |
| 17518 | der zwölf Mysterien des ersten Mysteriums, dagegen sind sie |
| 17519 | nicht den drei Mysterien ähnlich (p. 236. 241. 244). |
| 17520 | Das Mysterium des Ineffabilis erbarmt sich des Menschen |
| 17521 | zu jeder Zeit und vergiebt stets seine Stinden (p. 269. 271. 274. |
| 17522 | 305. 307 ff. 311. 314); freilich muss der Sünder aufrichtige Busse |
| 17523 | empfinden und keine Heuchelei treiben. Vor allem aber ist nötig, |
| 17524 | dass er bei Lebzeiten umkehrt, ist dies aber nicht der Fall, so |
| 17525 | trifft ihn die schlimmste Strafe, ohne Gnade nämlich in die |
| 17526 | äusserste Finsternis gestossen zu werden (p. 307. 310). |
| 17527 | 1 Im Ms. steht unrichtig „das zweite Mysterium des ersten |
| 17528 | Mysteriums.“ |
| 17529 | ? Wie lebhaft werden wir an katholische Vorstellungen erinnert! |
| 17530 | 3 Dasselbe Mittel giebt Jesus auf p. 275f. an und zugleich den |
| 17531 | bei dieser Handlung angewandten Spruch: „Traget die Seele eines |
| 17532 | gewissen Menschen, den wir in unserm Herzen denken, traget ihr |
| 17533 | aus allen Peinigungen der Archonten und beeilt euch schnell um ] |
| 17534 | führt sie zu der Lichtjungfrau; und in jedem Monat besiegele Ⲙ |
| 17535 | die Lichtjungfrau ınit einem vorzüglichen Siegel; und die Lichtjuag |
| page 493 | |
| 17536 | ⲱⲑ |
| 17537 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 477 |
| 17538 | Ihm zunächst steht das Mysterium des ersten Mysteriums |
| 17539 | (p. 234. 236. 237. 240. 244. 305. 306); dasselbe zerfällt wieder in |
| 17540 | zwölf Mysterien (ⲣ. 1 ⲃ︦.) Diese zwölf Mysterien werden auch |
| 17541 | unter dem Namen des „aud&rteg UvOTH(LOV“ zusammengefasst |
| 17542 | (ⲣ. 205. 235)!. Darum kaun der Inhaber noch zwölfmal einen |
| 17543 | Fehltritt begehen, denn das erste Mysterium ist barmherzig und |
| 17544 | vergiebt die Sünden zu jeder Zeit (p. 267. 269. 271. 303. 309 ff. |
| 17545 | 311. 314); sündigt Jemand auch dann noch, so kann ihn nur |
| 17546 | das Mysterium des Ineffabilis retten. |
| 17547 | Alle diese Mysterien scheinen in den beiden ⲭⲱⲣ]]ⲥⲅ⳪ des |
| 17548 | ersten Mysteriums verteilt zu sein, z. B. befinden sich im zweiten |
| 17549 | X0NKA des ersten Mysteriums drei Mysterien (267 ff. cf. 245. |
| 17550 | 286. 287. 314. 315. 330), welche für die letzte wetaroım des |
| 17551 | Menschen Zeugnis ablegen. Die Mysterien aller drei ywouata |
| 17552 | vergeben die Sünden der Seele in den Topoi der Archonten, welche |
| 17553 | sie von Anfang an begangen bis zu dem Zeitpunkt, wo das be- |
| 17554 | treffende Mysterium dem Menschen mitgeteilt wird (p. 303). |
| 17555 | Die Mysterien dieser drei we uata, nämlich des ywmonUA |
| 17556 | des Ineffabilis, des ersten we. des ersten Mysteriums und des |
| 17557 | zweiten wo. des ersten Mysteriums werden unter dem Namen |
| 17558 | „die drei ϫⲟⲟⲥ des Lichtreiches“ (ⲣ. 244 ff.) zusammengefasst. |
| 17559 | Denn diese Gnostiker sind der Meinung, dass im künftigen Him- |
| 17560 | melreiche die Einzelnen je nach Verdienst und Würdigkeit ver- |
| 17561 | schiedene Stellungen inne haben werden, daher diejenigen, welche |
| 17562 | ein höheres Mysterium empfangen haben, auch nach ihrem Tode |
| 17563 | in den der Gottheit näher gelegenen Topoi weilen als die mit |
| 17564 | den niedrigen Mysterien Betrauten?; zwar haben dieselben die |
| 17565 | Macht, zu den Topoi, welche unterhalb von ihnen liegen, zu |
| 17566 | gehen, aber die oberen Taxeis sind ihnen für immer ver- |
| 17567 | schlossen (p. 233 f.). |
| 17568 | frau möge ihn in jedem Monat in einen Körper stossen, und er möge |
| 17569 | gerecht und gut werden und zu der Höhe gehen und das Lichtreich |
| 17570 | erlangen.“ cf. p. 326f. |
| 17571 | 1 An letzterer Stelle muss es statt „das zwölfte Mysterium nach |
| 17572 | einander“ „die zwölf Mysterien nach einander“ heissen. |
| 17573 | 2 Zur Begründung dieser Ansicht wird Matth. 10, 41 herange- |
| 17574 | zogen (p. 233). |
| page 494 | |
| 17575 | ⲍ. ⲩ *ⲉϫⲓⲛ *ⲙ de guetnchen Werke. |
| 17576 | Nackt. ⲉⲧ Ⲁsⲍⲁⲉ des Verfansers sind dıe Mysterzen der drei |
| 17577 | ϫⲱⲓ 3625 zalireiel. auch könne man sie In den beiden Büchen |
| 17578 | Je. ürien. ⲁⲡⲉⲓ ich werde euch geben und euch die grossen |
| 17579 | Mystoricn jedes zi7.003 sagen. welche vorzüglicher als jeder Topos |
| 17580 | ⲥ ⲉⲓⲉ sind die zzqgailci entsprechend den Topoi und ⲉⲙ |
| 17581 | aprecner.d dem Taxeis. welche das ganze Menschengeschlecht zu den |
| 17582 | ⲓ... Topni gemäss dem ⲍⲱ̀ϩⲡⲏϭ der zingeveopia führen werden. |
| 17583 | Iy.« übrigen. geri.gen Mysterien nun gebraucht ihr nicht, sonders |
| 17584 | ⲅ werdet sie in den beiden Büchern ⲉⲁ finden, die Henoch |
| 17585 | geschrieben hat. als ich mit ihm aus dem Baum der Erkennias |
| 17586 | und ⲁⲗⲁ dem Baum des Lebens im Paradiese des Adam sprach. |
| 17587 | Jetzt nun. wenn ich euch die gesammte Emanation auseinander |
| 17588 | geu-tzt habe, werde ich euch geben und euch die grossen Mysterien |
| 17589 | der drei ϫⲟⲟⲥ meines Reiches sagen, weiche die zspalal der My- |
| 17590 | »terien sind, die ich euch geben unddie ich euch in allen ihren gyıjwert« |
| 17591 | nnd allen ihren ttx0c und ihren ⲫϥⲣⲟⲉ und den ggpgayidec des letzten |
| 17592 | “um ua sagen werde, welches das erste 7007 a von aussen ist. Und |
| 17593 | ich werde euch die dxog.ä0&ıc und die axoloyiaı und die oupmfola |
| 17594 | jenes ⲭⲱ ⲙⲟ geben. Das zweite z00nKa innerhalb aber besitzt keine |
| 17595 | Axogdotız noch axoioyiaı noch suußola noch ϩϥ︦ϣⲟⲉ noch ϭⲣϩⲑ |
| 17596 | /ldrs, sondern es hat nur texor und 0yuuarta“ (245 f.). Ich habe |
| 17597 | diese Stelle im Wortlaut wiedergegeben, weil sie mir in doppel- |
| 17598 | ter Hinsicht von Wichtigkeit zu sein schien. Einerseits lehrt sie |
| 17599 | ⲙⲡⲃ das Wesen dieser Mysterien kennen; sie bestehen nämlich |
| 17600 | in Typen und oynyara, die wahrscheinlich bei der Anrufung |
| 17601 | innegehulten werden mussten, in dxog@äges und ⲉϫⲟⲟⲩ in |
| 17602 | denen man sich von den feindlichen, den Durchgang durch ihre |
| 17603 | Regionen hindernden Mächten lossagte, und in ouußola, wos und |
| 17604 | 6q.vo«/1dee, die zur Legitimation dienen sollten. Aus der P. Sophis |
| 17605 | selbst. würden wir uns kein klares Bild von ihnen entwerfen |
| 17606 | können, denn jedesmal, wo der Verfasser davon spricht, verweist |
| 17607 | er auf spätere Auseinandersetzungen (ⲣ. 228. 243. 246. 291 etc.) |
| 17608 | Erst. unsere beiden Bücher Jeü klären den Sachverhalt in ⲱ |
| 17609 | winschter Weise auf, da diese Lehren fast den ganzen ⲘⲘⲙ |
| 17610 | des Werkes ausmachen. Sobald nämlich die Seele zu irgend |
| 17611 | einem Topos gelangt, so besiegelt sie sich mit einem bestimmten |
| 17612 | Siege] !, welches aus einer komplieierten Figur besteht und eines |
| 17613 | 1 Siehe diese Siegel im Text. |
| page 495 | |
| 17614 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 479 |
| 17615 | bestimmten Namen führt; daneben hält sie ein #705! in ihren |
| 17616 | Händen und ruft zugleich den Namen des betreffenden Siegels |
| 17617 | ein- oder dreimal aus. Ist dies geschehen, dann machen sich |
| 17618 | die Bewohner jener Region, sobald sie ihren Namen vernehmen, |
| 17619 | auf und davon und gestatten auf diese Weise den Durchgang |
| 17620 | wie ⲉⲃ ⲍ. B. P. 42 f. heisst: „Jetzt nun, wenn ihr zu diesem To- |
| 17621 | pos geht, so besiegelt euch mit diesem Siegel, d. h. mit diesem. |
| 17622 | Dies ist sein Name &a£&agalalaian, saget ihn nur einmal, in- |
| 17623 | dem sich dieses wos: Awxe in eurer Hand befindet. Dies ist |
| 17624 | das Siegel. Wiederum saget auch diesen Namen 77C0ouatato- |
| 17625 | alacnban dreimal; und die Taxeis und die Vorhänge stieben |
| 17626 | davon, bis ihr zu dem Topos des Vaters geht“. Sehr interessant |
| 17627 | sind auch die Angaben über die &xoloylat und die Art der An- |
| 17628 | rufungen der einzelnen Äonen (P. 76 ff.). Gelangt nämlich eine |
| 17629 | Seele zum ersten Äon, so treten die Archonten desselben vor sie |
| 17630 | hin, dann besiegelt sie sich mit einem Siegel, dessen Name Ϩⲱ‐ |
| 17631 | TeCn ist, sagt denselben nur einmal, ergreift das wos 11 |
| 17632 | mit ihren beiden Händen und spricht folgende Apologie: „Weichet |
| 17633 | zurück ⲡⲟⲧⲉⲐⲇⲉϩϭⲟⲕϣⲱⲓϧ Xovc, ihr Archonten des ersten Äons, |
| 17634 | denn ich rufe ala Enwias Ϩⲱⲉⲱ an“. Wenn aber die Ar- |
| 17635 | chonten des ersten Äons diese Namen hören, so werden sie sich |
| 17636 | sehr fürchten und davonstieben und nach Westen nach links |
| 17637 | fliehen; und ihr werdet nach oben gehen“. Derselbe Vorgang |
| 17638 | wiederholt sich bei jedem der folgenden Äonen. |
| 17639 | Aber unsere oben angeführte Stelle ist von besonderer Wich- |
| 17640 | tigkeit für die Feststellung des chronologischen Verhältnisses |
| 17641 | zwischen der P. Sophia und den beiden Büchern Jeü; zugleich |
| 17642 | liefert sie auch den Beweis für die Identität unseres neuen |
| 17643 | 1 Dieses wngos besteht aus beliebigen Zahlen; warum nun ge- |
| 17644 | rade dasselbe diese Zahl hat und nicht eine andere, habe ich noch |
| 17645 | nicht untersuchen können. Überhaupt werde ich manche von den hier |
| 17646 | in Frage stehenden Punkten späterhin in einer besonderen Abhand- |
| 17647 | Jung darzulegen suchen, in der ich vor allem die heidnischen, super- |
| 17648 | stitiösen Elemente im Gnosticismus ins Auge fassen möchte; hier |
| 17649 | würde uns dies zu weit führen, |
| 17650 | 2 Auch die Untersuchung über die eigentümlichen Namen ver- |
| 17651 | spare ich mir auf spätere Zeit. |
| page 496 | |
| 17652 | 480 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 17653 | Werkes mit den in der P. Sophia citierten „beiden grossen |
| 17654 | Büchern Jeü“. Wir haben schon oben diese Vermutung ⲙⲙ |
| 17655 | gesprochen, konnten sie aber im Einzelnen noch nicht näher be- |
| 17656 | gründen, daher wir bei dieser Gelegenheit die Sache ausführ- |
| 17657 | licher behandeln wollen. |
| 17658 | Die vorhin citierte Stelle würde, wie wir eingestehen müssen, |
| 17659 | unserer Vermutung keine Stütze gewähren, ja eine Identifikation |
| 17660 | geradezu ausschliessen, denn eine genaue Interpretation des Satzes: |
| 17661 | „Dies sind die drei ϫⲗ ⲟⲉ des Lichtreiches von den Mysterien! |
| 17662 | dieser drei Ϫⲗ ⲟⲟ. des Lichtes, sie sind sehr zahlreich, ihr werdet |
| 17663 | sie in den beiden grossen Büchern Jeü finden“, lehrt uns, dass |
| 17664 | in diesen zwei Büchern Jeü die zahlreichen Mysterien der drei |
| 17665 | ϫⲟⲟⲥ des Lichtreiches behandelt gewesen sein müssen. Nun wird |
| 17666 | aber innerhalb der beiden neuen Abhandlungen ebenso wenig |
| 17667 | von den Mysterien der drei xA%00t, noch überhaupt von den drei |
| 17668 | ϫⲡⲟⲥ gesprochen. Man könnte eine Erwähnung derselben in |
| 17669 | den verlorenen Blättern vermuten, aber dieser Ausweg ist durch- |
| 17670 | ans unstatthaft. Damit wäre denn unsere vermeintliche Identi- |
| 17671 | fikation mit den beiden Büchern Jedü zu Grabe getragen, da die |
| 17672 | Angabe Jesu zu bestimmt ist. Aber dieser angeführte Satz unter- |
| 17673 | liegt den grössten kritischen Bedenken, denn so bestimmt auch |
| 17674 | die Angabe lauten mag, so wenig Vertrauen in Bezug auf ihre |
| 17675 | Richtigkeit flösst sie uns ein. Unmittelbar darauf heisst es näm- |
| 17676 | lich folgendermassen: „Aber ich werde euch geben und euch die |
| 17677 | grossen Mysterien jedes ⲭⲟϩ sagen“. Dies widerspricht doch |
| 17678 | der vorhergehenden Aussage. Die ganze Gedankenverbindung ist |
| 17679 | unlogisch, denn wenn man diese Mysterien in den beiden Büchern |
| 17680 | Jeü finden konnte, so brauchte sie doch Jesus nicht noch einmal |
| 17681 | zu verkündigen; der Hinweis auf das Werk hätte ohne Zweifel |
| 17682 | genügt. Klarer wird der Sachverhalt durch die folgende Notiz |
| 17683 | gestellt: „Die übrigen geringen Mysterien habt ihr nicht nötig |
| 17684 | (sc. dass sie euch gegeben und gesagt werden), ihr werdet sie |
| 17685 | vielmehr in den beiden Büchern Jeü finden“. Dies giebt einen |
| 17686 | logischen Gedankenfortschritt; es müsste deshalb der Sinn der |
| 17687 | ' Ich vermute, dass diese Stelle verderbt und also zu lesen ist: |
| 17688 | „Dies sind die drei xAz90ı des Lichtreiches; die Mysterien der drei |
| 17689 | xAn00ı des Lichtes sind sehr zahlreich.“ |
| page 497 | |
| 17690 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 481 |
| 17691 | ganzen Stelle also lauten: „Die grossen Mysterien der drei x1700t |
| 17692 | werde ich euch später geben, die geringen Mysterien brauche |
| 17693 | ich euch nicht mehr zu sagen, da ihr sie ja in den beiden |
| 17694 | Büchern Jeü finden könnt“. Wir glauben dadurch wahrschein- |
| 17695 | lich gemacht zu haben, dass in den beiden Büchern Jeü! keines- |
| 17696 | wegs die Mysterien der drei ϫⲟⲟⲥ des Lichtreiches enthalten ge- |
| 17697 | wesen sind; es bliebe nur die Frage zu beantworten übrig, wie |
| 17698 | der Verfasser seine Behauptung so bestimmt habe formulieren |
| 17699 | können. Es giebt zwei Möglichkeiten: einmal hat derselbe den |
| 17700 | Inhalt des Werks nicht genau im Kopfe gehabt, so dass er einen |
| 17701 | Irrtum beging, oder, was mir wahrscheinlicher dünken möchte, |
| 17702 | es liegt in der Angabe eine bewusste Absicht vor, um den wahren |
| 17703 | Sachverhalt zu verdecken. Ihm war nämlich sicher bekannt, |
| 17704 | dass diese Mysterien der drei x4%00c erst ganz jungen Datums, |
| 17705 | vielleicht von ihm selbst erfunden waren, also durch die alte |
| 17706 | Autorität: Jesus-Henoch nicht als ein Stück der Uroffenbarung |
| 17707 | geheiligt waren. Zu diesem Zwecke suchte er absichtlich sie |
| 17708 | dadurch zur Anerkennung zu bringen, dass er die Behauptung |
| 17709 | aufstellte, auch diese wären schon in jenen Büchern enthalten |
| 17710 | gewesen. Freilich ist seine Unverfrorenheit nicht so weit ge- |
| 17711 | gangen, dass er direct seine Behauptung aussprach, da er ja |
| 17712 | leicht von Kundigen eines Besseren belehrt werden konnte; er |
| 17713 | drückt sich vielmehr so unbestimmt aus, dass man ihn nicht |
| 17714 | ohne Weiteres der Fälschung bezichtigen kann. |
| 17715 | Dieselben Bücher Jeü werden im dritten Buche auf p. 354 |
| 17716 | erwähnt; auch hier ist die Vorstellung, dass Jesus sie durch Henoch |
| 17717 | im Paradiese habe aufschreiben lassen, zugleich wird hinzuge- |
| 17718 | fügt, auf welche Weise sie aus der Sintflut gerettet sind. Zwar |
| 17719 | giebt der Verfasser nicht eine bestimmte Anzahl von Büchern |
| 17720 | an, doch ist ersichtlich, dass auch er nur zwei Bücher gekannt |
| 17721 | hat. In diesen beiden Büchern waren Mysterien behandelt; der |
| 17722 | Verfasser spricht nur im Allgemeinen von ihnen, doch lässt sich |
| 17723 | nachweisen, dass er unter diesen nicht die Mysterien der drei |
| 17724 | 1 Auffallend ist es auch, dass erst der Verfasser bei der |
| 17725 | zweiten Anführung jener Bücher auf ihren Ursprung hinweist; dies |
| 17726 | war doch, sollten auch die hohen Mysterien in ihnen enthalten sein, |
| 17727 | schon gleich zu Anfang notwendig. |
| 17728 | Texte u. Untersuchungen VII, 1, 2. 31 |
| page 498 | |
| 17729 | 482 1V. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 17730 | ϫⲟⲟ. verstanden haben kann. Wir müssen zu diesem Zwecke |
| 17731 | den ganzen Zusammenhang näher betrachten. |
| 17732 | Auf p. 336 wird durch Maria die Frage angeregt, welche |
| 17733 | Mächte den Menschen zum Sündigen zwingen, eine Frage, die in |
| 17734 | der damaligen Zeit sehr häufig ventiliert wurde, darum sie auch |
| 17735 | hier einen bedeutenden Raum in Anspruch nimmt (ⲣ. 336/850). |
| 17736 | Die bösen Archonten der ⲉⲙⲕ) und ihre Organe sind es |
| 17737 | insbesondere, die stets den Menschen verführen; und ⲱⲙ |
| 17738 | würde sich ihrem Einflusse nicht entziehen können, wenn nicht |
| 17739 | Jesus die „Schlüssel der Mysterien des Himmelreiches“ ! zum |
| 17740 | Kosmos gebracht hätte; sonst wäre kein Fleisch gerettet worden; |
| 17741 | „denn ohne Mysterien kann Niemand in das Lichtreich eingehen, |
| 17742 | mag er ein Gerechter oder ein Sünder sein. Deshalb nun habe ich |
| 17743 | die Schlüssel der Mysterien zum Kosmos geführt, damit ich die |
| 17744 | Sünder befreie, welche an mich glauben und auf mich hören |
| 17745 | werden, damit ich sie aus den Banden und den Siegeln der Äonen |
| 17746 | der Archonten löse und sie in die Siegel und die Kleider und |
| 17747 | die Taxeis des Lichtes binde, damit derjenige, den ich auf Erden |
| 17748 | von den Banden und den Siegeln der Äonen der Arehonten lösen |
| 17749 | werde, in der Höhe von den Banden und Siegeln der Äonen der |
| 17750 | Archonten gelöst werden wird, und der, welchen ich auf Erden |
| 17751 | in die Siegel und die Kleider und die Taxeis des Lichtes binden |
| 17752 | werde, in dem Lichtlande in die Taxeis der x4ngovoglias des Lichtes |
| 17753 | gebunden wird“? (p. 350f.). Hier ist durchaus keine Rede von |
| 17754 | Mysterien, die nach dem Tode einen bestimmten Platz im Licht- |
| 17755 | reiche verbürgen, sondern von Mysterien, die zur Reinigung der |
| 17756 | Sünden, zur Sühnung der Missethaten dienen und von den Ⲃⲙ‐ |
| 17757 | den und Siegeln, mit denen die Archonten die ⲕⲟⲓ und das |
| 17758 | Avrtiuınop xveOua (8. 0.) an die Seele und den Körper des Men- |
| 17759 | schen gebunden haben, zu befreien. Welcher Art können num |
| 17760 | diese Mysterien gewesen sein? Die Antwort kann nicht schwer |
| 17761 | fallen; es sind die Mysterien der Taufen. Nur von diesen |
| 17762 | wird man behaupten können, dass sie xa#agl5eıy und zum reinen. |
| 17763 | Lichte machen (p. 341. 352. 357); nur in diesem Zusammenhang |
| 17764 | 1 ef. Matth. 16, 19; 18, 18. |
| 17765 | 2 Man erkennt hier deutlich die Beziehung auf die Worte Jesa |
| 17766 | Joh. 20, 23. Matth. 16, 19; 18, 18. |
| page 499 | |
| 17767 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 483 |
| 17768 | wird der Ausspruch Jesu klar: „Deswegen nun hat über mich |
| 17769 | Johannes der Täufer prophezeit, indem er sprach: Ich taufe zwar |
| 17770 | euch mit Wasser zur Busse zur Vergebung eurer Sünden; der, |
| 17771 | welcher nach mir kommt, ist vorzüglicher als ich, in dessen |
| 17772 | Hand seine Wurfschaufel ist, wenn er seine Tenne reinigen wird. |
| 17773 | Die Spreu zwar wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen, |
| 17774 | seinen Weizen wird er aber in seine Scheune sammeln. Die |
| 17775 | in Johannes befindliche Kraft hat über mich prophezeit, da sie |
| 17776 | wusste, dass ich die Mysterien zum Kosmos führen, die Sünden |
| 17777 | der Sünder, die an mich glauben und auf mich hören werden, |
| 17778 | reinigen, sie zum reinen Lichte machen und sie in das Licht auf- |
| 17779 | nehmen würde“ (p. 352). Diese Mysterien der Taufen werden mit |
| 17780 | dem Namen „Mysterien des Lichtes“ bezeichnet, wenn auch nicht |
| 17781 | ausgeschlossen sein soll, dass ausser ihnen noch einige andere |
| 17782 | Mysterien mit einbegriffen sind, doch bilden jene den Haupt- |
| 17783 | bestandteil. |
| 17784 | Wenn wir schon aus dem ganzen Zusammenhang schliessen |
| 17785 | zu müssen glaubten, dass keineswegs die Mysterien der drei |
| 17786 | ϫⲟⲟⲥ, sondern die Taufen in den Büchern Jeü enthalten ge- |
| 17787 | wesen seien, so wird unsere Vermutung durch eine andere Stelle |
| 17788 | desselben Buches zur vollen Evidenz erhoben, darum ich die- |
| 17789 | selbe um ihrer Wichtigkeit willen in vollständiger Übersetzung |
| 17790 | gebe (p. 298 ff.): „Jetzt nun, mein Herr, tilgen die Mysterien der |
| 17791 | Taufen die Sünden, die in den Händen der &0tyator ⲗⲉⲉⲅⲟⲱⲣⲩⲟ |
| 17792 | sind, dass sie ihr Vergessen bewirken? Jetzt nun, mein Herr, |
| 17793 | sag’ uns den Typus, in welchem sie Sünden vergeben, aber |
| 17794 | wir wünschen es ganz sicher zu wissen. Es antwortete der Er- |
| 17795 | löser und sprach zu Maria: .......... Hört, und ich werde |
| 17796 | euch das Wort in Wahrheit sagen, in welchem Typus das My- |
| 17797 | sterium der Taufe Sünden vergiebt. Jetzt nun, wenn die Seelen |
| 17798 | sündigen, während sie noch auf Erden sind, so kommen freilich |
| 17799 | die &0tyalor ⲗⲉⲓⲧⲟⲱⲟⲩⲟ und werden Zeugen aller Sünden, welche |
| 17800 | die Seele thun wird, damit sie ja nicht aus den Topoi der Unter- |
| 17801 | welten kommen, damit sie dieselbe in den xglo&5, welche ausserhalb |
| 17802 | der Unterwelten sind, überführen, (damit sie dieselbe überführen !]. |
| 17803 | Und das aprtiuınoy zvedua wird Zeuge für alle Sünden, welche |
| 17804 | 1 Der letzte Satz ist tautologisch, daher zu streichen. |
| 17805 | 31* |
| page 500 | |
| 17806 | 484 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 17807 | die Seele begehen wird, damit es sie selbst in den ϫⲣϭⲉⲓϩ, die |
| 17808 | ausserhalb der Unterwelten sind, überführe, nicht allein, dass |
| 17809 | es Zeuge von ihnen wird, sondern es siegelt alle Sünden der |
| 17810 | Seelen und befestigt sie an die Seele, auf dass alle Archonten |
| 17811 | der Sünder der xolosıs sie erkennen, ob eine Seele sündig ist, |
| 17812 | und die Zahl der Sünden, die sie begangen, an den Siegeln er- |
| 17813 | kennen, welche das Ayrtiueuopv ⲇⲱⲉⲟ̄ⲙ an sie geheftet hat, und |
| 17814 | sie dieselbe gemäss der Zahl der Sünden, die sie begangen, be- |
| 17815 | strafen. So thun sie allen stindigen Seelen. Jetzt nun, wer |
| 17816 | die Mysterien der Taufen empfangen wird, so werden die My- |
| 17817 | sterien von jenen ein grosses, sehr gewaltiges weises (sic!) Feuer |
| 17818 | und ⲉⲃ verbrennt die Sünden, und sie gehen im Verborgenen in die |
| 17819 | Seele hinein, und es verzehrt alle Stinden, welche das ayrtiunor |
| 17820 | AvETUA an ⲃⲓⲉ geheftet hat. Und wenn es genug alle Stinden |
| 17821 | gereinigt hat, die das ⲱⲅ. xysUna an sie geheftet, so gehen |
| 17822 | sie im Verborgenen in den Körper ein, und es verfolgt im Ver- |
| 17823 | borgenen alle Verfolger und trennt sie zu der Seite des Teiles |
| 17824 | des Körpers. Denn es verfolgt das avtiuuov ϫⲕⲉⲙⲱ und die |
| 17825 | ⲕⲟⲓ̈ⲟⲥ und trennt sie weg von der Kraft und der Seele und legt sie |
| 17826 | auf Seite des Körpers, so dass es das aptluLyov xzwveuga und die |
| 17827 | ⲕⲟⲓⲥ und den Körper nach einem Teile trennt, die Seele da- |
| 17828 | gegen und die Kraft zu dem andern Teile. Das Mysterium der |
| 17829 | Taufe aber bleibt in der Mitte von den beiden und trennt sie |
| 17830 | fortwährend von einander, damit es sie reinigt und sie läutert, |
| 17831 | auf dass sie nicht von der Hyle befleckt werden. Jetzt mun |
| 17832 | Marin, auf diese Weise vergeben die Mysterien der Taufen alle |
| 17833 | Sünden und Missethaten“. |
| 17834 | Die Parallelen mit den Angaben auf p. 351 liegen auf der |
| 17835 | Hand; auch hier handelt es sich um die Befreiung des Menschen |
| 17836 | aus den Banden der Archonten der Äonen resp. ihrer Diener, |
| 17837 | der &0tpaloı Ⲁⲉⲓⲧⲟⲱⲟⲩⲟ, die Zeugen aller begangenen Sünden |
| 17838 | gewesen sind, aus den Siegeln, mit denen das ⲉϧⲉ(ⲙⲉϣⲟϧ KUSUnC |
| 17839 | und die ⲙⲟⲓⲟ⳪ an die Seele gebunden sind. An dieser Stelle |
| 17840 | kommen ausschliesslich die Mysterien der Taufen in Frage, ja, |
| 17841 | sie sind deutlich von den Mysterien der drei yÄguAaTE bez. |
| 17842 | xA%n00t unterschieden. Denn Maria fragt unmittelbar darauf |
| 17843 | 1 Im Or. wechselt merkwürdiger Weise stets das Subjekt. |
| page 501 | |
| 17844 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 485 |
| 17845 | (p. 302f.): „Siehe, wir haben & xaßOnolx zwar den Typus ⲉⲓ‐ |
| 17846 | kannt, wie die Taufen Sünden vergeben, jetzt aber, in welchem |
| 17847 | Typus vergeben das Mysterium dieser drei yworuata und die |
| 17848 | Mysterien dieses ersten Mysteriums und die Mysterien des Inef- |
| 17849 | fabilis die Sünden? Vergeben sie in dem Typus der Taufen |
| 17850 | oder nicht?“ Es antwortete der Erlöser und sprach: Nein, son- |
| 17851 | dern alle Mysterien der drei ywonpata vergeben der Seele in |
| 17852 | allen Topoi! der Archonten alle Sünden, welche die Seele von |
| 17853 | Anfang an begangen, sie vergeben sie ihr und sie vergeben auch |
| 17854 | die Sünden, welche sie nach diesen begehen wird bis zu der |
| 17855 | Zeit, bis zu welcher ein jedes der Mysterien mächtig sein wird. Ich |
| 17856 | werde euch die Zeit, bis zu welcher jedes von den Mysterien herr- |
| 17857 | schen wird, bei der Auseinandersetzung des Alls sagen und auch |
| 17858 | das Mysterium des ersten Mysteriums und die Mysterien des Ineffa- |
| 17859 | bilis, welche der Seele in allen Topoi der Archonten alle Sünden |
| 17860 | und alle Missethaten vergeben, welche die Seele begangen, und |
| 17861 | ferner, dass sie dieselben alle ihr vergeben, sondern ihr die Sünden |
| 17862 | nicht anrechnen von dieser Zeit bis in alle Ewigkeit wegen des |
| 17863 | Geschenkes jenes grossen Mysteriums und ihres bedeutenden |
| 17864 | Ruhmes“. Aus diesen Worten erhellt deutlich, dass die Myste- |
| 17865 | rien der drei ywo7uatA die höchsten sind und ihre Wirkung in |
| 17866 | Bezug auf Sündenvergebung sich viel weiter als die der Taufen |
| 17867 | erstreckt, und die ersteren, wie wir schon ohen gesehen, in be- |
| 17868 | stimmten Zwischenräumen successive bei Übertretungen mit- |
| 17869 | geteilt werden, jene aber die Sünden, welche die Seele bis zum |
| 17870 | Eintritt in die Gemeinschaft der Gläubigen begangen hat, austilgen. |
| 17871 | Es entsteht nun die Frage, ob die Mysterien der drei x4%00e |
| 17872 | zu dem ursprünglichen Bestande des Systems gehört haben. |
| 17873 | Dies glauben wir mit Recht verneinen zu dürfen, denn ebenso |
| 17874 | wenig, wie auf Grund der früher angestellten Erörterungen? die |
| 17875 | drei ymoKatA ursprünglich gewesen sind, können auch schon |
| 17876 | ihre Mysterien existiert haben. Zu denselben Schlussfolgerungen |
| 17877 | führen uns mit innerer Notwendigkeit noch andere Erwägungen. |
| 17878 | Man denke sich diese Gnostiker als eine Gemeinde von Esote- |
| 17879 | rikern, die ein Mysterienkult zu einem gemeinsamen Bunde, zu |
| 17880 | ! Das Original ist an dieser Stelle fehlerhaft. |
| 17881 | 2 Vergl. Kosmologie. |
| page 502 | |
| 17882 | 486 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 17883 | einer gemeinsamen Hoffnung auf ein zukünftiges Himmelreich |
| 17884 | verknüpfte, als eine Gemeinschaft, in die alle Glieder durch den |
| 17885 | Ritus der Taufe aufgenommen wurden — wie wäre es bei der |
| 17886 | Gründung der Sekte möglich gewesen, diesen Bruderbund durch |
| 17887 | ein trennendes Band zu zerreissen? Denn dies war die notwen- |
| 17888 | dige Folge, sobald man eine Reihe von Mysterien einführte, die |
| 17889 | den Inhabern zu einem teils höheren teils niederen Platze im |
| 17890 | Himmelreich berechtigten, so dass diejenigen, welche der höchsten |
| 17891 | Mysterien gewürdigt waren, unmittelbar Jesu Herrlichkeit schauen |
| 17892 | und die unteren Regionen beherrschen konnten. Nur allein die |
| 17893 | Ansicht kann die richtige sein, dass die Mysterien der drei x1%00: |
| 17894 | bez. die Einteilung des Reiches Jesu in drei Ⲁ- |
| 17895 | findung späterer Gnostiker ist, zumal da ihre Lehre von den- |
| 17896 | selben, wie oben gesagt, grosse Unklarheiten zeigt. Bei dieser |
| 17897 | Erweiterung des Systems war ein Gedanke wirksam, den wir |
| 17898 | auch bei der Entwicklung in der Lehre über die Äonenwelt zu |
| 17899 | erkennen glaubten, nämlich die Idee der ausgleichenden Gerech- |
| 17900 | tigkeit, indem auch der, welcher auf Erden eine grössere Wür- |
| 17901 | digkeit gezeigt, auch im Himmel einen erhöhten Rang ein- |
| 17902 | nehmen soll. |
| 17903 | Zugleich aber trieb eine andere Erkenntnis zu der Ausbil- |
| 17904 | dung von neuen heilwirkenden Mysterien, die auch in der Gross- |
| 17905 | kirche auf die Entwicklung der Lehre von den Sakramenten von |
| 17906 | tief einschneidender Bedeutung gewesen ist. Durch die Taufe |
| 17907 | sollte beim Eintritt in die neue Gemeinde ein einmaliger Sünden- |
| 17908 | erlass erfolgen, sie war der letzte Akt der Gnadenmittel, der zu |
| 17909 | einem heiligen Lebenswandel verpflichtete. Dies war wohl in |
| 17910 | den ersten enthusiastischen Zeiten angängig, aber bei der rapiden |
| 17911 | Entwicklung des Christentums konnte ein solcher Gedanke nicht |
| 17912 | realisiert werden, denn täglich fielen die eben für die neue Reli- |
| 17913 | gion Gewonnenen ihren alten Sünden anheim, eine Thatsache, |
| 17914 | die zu den grössten Unzuträglichkeiten führen musste und in |
| 17915 | dem Ketzertaufstreit und in dem Streit über die Lapsi eine akute |
| 17916 | Krisis hervorrief. Hermas suchte dadurch zu helfen, . dass er |
| 17917 | noch einmal als ein Beauftragter Gottes einen Generalpardon |
| 17918 | predigte, dies sollte aber das letzte Gnadengut, welches Gott der |
| 17919 | sündigen Welt geschenkt, bilden. Daneben riss die moralisch |
| 17920 | sehr verderblich wirkende Praxis ein, die Taufe bis auf das |
| 17921 | Totenbett aufzuschieben, um dadurch der Vergebung sämmtlicher |
| page 503 | |
| 17922 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 487 |
| 17923 | Sünden ganz sicher zu sein. Unter denselben Verhältnissen |
| 17924 | standen auch unsere Gnostiker, nur mit dem Unterschiede, dass |
| 17925 | sie sich schneller als ihre Brüder, die Grosschristen, über die |
| 17926 | Hindernisse hinwegsetzen konnten. Auch sie hatten erkannt, |
| 17927 | dass selbst diejenigen, welche der Mysterien des Ineffabilis und |
| 17928 | des ersten Mysteriums teilhaftig geworden, durch die dyayxn |
| 17929 | der eiuaQuern stets sündigten, darum sie von diesen Mysterien |
| 17930 | behaupteten, dass sie barmherzig seien und zu jeder Zeit die |
| 17931 | Sünden vergäben (p. 309), sobald man nur aufrichtige Reue zeige. |
| 17932 | Die höheren Mysterien, d. h. die Mysterien des Ineffabilis und |
| 17933 | des ersten Mysteriums waren aber erst im Laufe der Zeit hinzu- |
| 17934 | gekommen, als die einfachen Sakramente der Taufe nicht mehr |
| 17935 | allen Anforderungen genügten. |
| 17936 | Die Grundlagen dieses Kultvereins waren demgemäss ur- |
| 17937 | sprünglich die einfachen Tauf- und Abendmahlsriten, wie sie |
| 17938 | auch in den urchristlichen Gemeinden das gemeinsame Band |
| 17939 | bildeten. In den drei ersten Büchern finden wir nur selten |
| 17940 | eine Erwähnung der Taufen (p. 207. 291. 298. 299. 300. |
| 17941 | 301. 302. 312. 334), sie scheinen ihre frühere Bedeutung fast |
| 17942 | verloren zu haben, da man vor allem für einen Ehrenplatz im |
| 17943 | Himmel Sorge tragen zu müssen glaubte. Wie nun schon oft |
| 17944 | gezeigt, hat das vierte Buch uns die ältere Stufe des Systems |
| 17945 | wie auch des Mysterienkultus aufbewahrt. Der erste Teil be- |
| 17946 | schäftigt sich ausschliesslich mit den Mysterien der Sünden- |
| 17947 | vergebung !. |
| 17948 | Gleich nach der Auferstehung scharen sich die Jünger um |
| 17949 | Jesus und bitten ihn, sich ihrer zu erbarmen, da sie Vater und |
| 17950 | Mutter und den ganzen Kosmos preisgegeben und ihm gefolgt |
| 17951 | wären (p. 357) Als nun Jesus ihnen die Schrecknisse der Topoi |
| 17952 | des Weges der Mitte vor Augen geführt hat, da stürzen sie sich |
| 17953 | vor ihm nieder und sprechen: „Hilf uns, unser Herr, und habe |
| 17954 | Mitleid mit uns, damit wir vor diesen bösen xoildosıc, die den |
| 17955 | Sündern bereitet sind, gerettet werden. Wehe ihnen, wehe ihnen, |
| 17956 | den Söhnen der Menschen, denn sie tappen wie Blinde in der |
| 17957 | ⲓ Vergl. unsere Übersetzung S. 334. |
| 17958 | 2 Dieselbe Berufung auf die Nachfolge Christi finden wir p. 363. |
| 17959 | ef. 341 P. 1. 56. 57. |
| page 504 | |
| 17960 | 488 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 17961 | Finsternis herum, da sie nicht sehen“ ete.! (p. 371 £.), Ks sprach |
| 17962 | Jesus zu seinen Jüngern: „Vertrauet und fürchtet euch nicht, |
| 17963 | denn ihr seid selig, weil ich euch zu Herren über alle diese |
| 17964 | machen und sie alle euch unterthan sein lassen werde. Gedenket, |
| 17965 | dass ich zu euch, bevor ich gekreuzigt wurde, gesagt habe: Ich |
| 17966 | werde euch die Schlüssel des Himmelreiches? geben. — Jetzt |
| 17967 | nun sage ich euch: Ich werde sie euch geben“. |
| 17968 | Darauf stimmt Jesus einen Hymnus in dem grossen Namen |
| 17969 | an, die Topoi des Weges der Mitte verbergen sich, die Jünger |
| 17970 | verbleiben mit Jesus in einer starken Lichtluft und txeten auf |
| 17971 | seinen Befehl zu ihm heran. Jetzt erfolgt die geheimnisvolle |
| 17972 | Scene. Jesus wendet sich zu den vier Ecken der Welt, spricht |
| 17973 | über dem Haupte der Jünger den grossen Namen aus, segnet |
| 17974 | sie und bläst in ihre Augen hinein?. Darauf spricht er zu ihnen: |
| 17975 | „Schauet hinauf und sehet, was seht ihr?“ Sie heben ihre Augen |
| 17976 | auf und erblicken ein grosses gewaltiges Licht. Dann befiehlt |
| 17977 | er aus dem Lichte wegzublicken und ihm zu sagen, was sie jetzt |
| 17978 | sehen. Diese erblicken Feuer, Wasser, Wein und Blut. Jesus |
| 17979 | spricht zu seinen Jüngern: „Wahrlich, ich sage euch: nicht habe |
| 17980 | ich etwas zu der Welt, als ich kam, gebracht, ausgenommen dieses |
| 17981 | Feuer, dieses Wasser, diesen Wein und dieses Blut. Ich habe |
| 17982 | das Wasser und das Feuer aus dem Topos des Lächtes der Lich- |
| 17983 | ter* des Lichtschatzes gebracht und den Wein und das Blut aus |
| 17984 | dem Topos der Barbelos. Und nach einer Weile hat mein Vater |
| 17985 | mir den heiligen Geist in Gestalt einer Taube gesandt. Das Feuer |
| 17986 | aber und das Wasser und der Wein waren reinigend alle Sünden |
| 17987 | der Welt; das Blut aber war mir ein Zeichen wegen des Kör- |
| 17988 | pers der Menschheit, welchen ich in dem Topos der Barbeice, |
| 17989 | der grossen Dynamis des unsichtbaren Gottes, empfangen; der |
| 17990 | 1 ϭ. ⲟ. die Übersetzung dieser Stelle ⲃ︦. 336. |
| 17991 | 2 Man beachte die deutliche Beziehung dieser Stelle zu p. 351. |
| 17992 | 357, wo ebenfalls Jesus als der Bringer „der Schlüssel der Myate- |
| 17993 | rien“ bezeichnet wird. |
| 17994 | 3 Auch in der griechisch- und römisch-katholischen Kirche werden |
| 17995 | die Täuflinge angehaucht. |
| 17996 | + cf. p. 4. 46. 47. 49. 50. 56. 75. 92, 100. 110. 111. 187. 160. |
| 17997 | 166. 171. 378. P. 58. ⲛ |
| page 505 | |
| 17998 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke, 489 |
| 17999 | Geist hingegen zieht alle Seelen, indem er sie zu dem Topos |
| 18000 | des Lichtes führt. Deswegen habe ich euch gesagt: Ich bin |
| 18001 | gekommen, ein Feuer über die Erde zu werfen', d. h. ich bin |
| 18002 | gekommen, die Sünden der ganzen Welt durch Feuer zu rei- |
| 18003 | nigen. Und deswegen habe ich zu der Samariterin gesagt: Wenn |
| 18004 | du wüsstest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: |
| 18005 | Gieb mir zu trinken, du hättest ihn gebeten, und er gäbe dir |
| 18006 | lebendiges Wasser, und es würde in dir eine Quelle sein, die in |
| 18007 | das ewige Leben quillet 2. |
| 18008 | Und deswegen nahm ich einen Becher Weins, segnete ihn, |
| 18009 | gab ihn euch und sprach: Dies ist das Blut des Bundes, welches |
| 18010 | für euch zur Vergebung eurer Sünden vergossen werden wird. |
| 18011 | Und deswegen hat man auch die Lanze in meine Seite ge- |
| 18012 | stossen, und es kam Wasser und Blut heraus, |
| 18013 | 1 Luc. 12, 49. Sehr bezeichnend wird dieselbe Stelle auf p. 301 |
| 18014 | für die Wirkung der Mysterien des Lichtes angeführt Luc. 12, 49—52; |
| 18015 | vergleiche die allegorische Deutung: „Das Wort nun, welches Du ge- |
| 18016 | sagt hast: Ich bin gekommen, ein Feuer über die Erde zu werfen |
| 18017 | und wie sehr wünsche ich, dass es schon brennte, d. h. mein Herr, |
| 18018 | Du hast die Mysterien der Taufen zum Kosmos gebracht, und wie |
| 18019 | sehr gefällt es Dir, dass es alle Sünden der Seele verzehrte und sie |
| 18020 | reinigte. Und auch danach hast Du es deutlich auseinandergesetzt, |
| 18021 | indem Du sagtest: Ich besitze eine Taufe, in ihr zu taufen, und in |
| 18022 | welcher Weise werde ich ertragen, bis es vollendet wird d. h.;: Du |
| 18023 | wirst nicht auf Erden, bis dass die Taufen vollendet sind und sie die |
| 18024 | vollkommenen Seelen reinigen, weilen. Und auch das Wort, welches |
| 18025 | Du einst zu uns gesagt: Denkt ihr, dass ich gekommen bin, Frieden |
| 18026 | auf Erden zu bringen? Nein, sondern Zwietracht ist es, die ich zu |
| 18027 | bringen gekommen, denn von nun an werden fünf in einem Hause |
| 18028 | sein; drei werden gegen zwei getrennt sein und zwei gegen drei, |
| 18029 | d. h. das Mysterium der Taufen hast Du zum Kosmos gebracht, indem |
| 18030 | es eine Scheidung in den Körpern des Kosmos vollzog, weil es das |
| 18031 | avriuınov zveipa und den Körper und die ⲕⲟⲓⲥ zu einem Teile ⲝⲉ- |
| 18032 | trennt, die Seele hingegen und die Kraft zu dem andern Teil ge- |
| 18033 | trennt hat, d. h. drei werden gegen zwei getrennt sein und zwei |
| 18034 | gegen drei. |
| 18035 | 2 Joh. 4, 10. |
| page 506 | |
| 18036 | 490 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 18037 | Dies aber sind die Mysterien des Lichtes, welche Sünden ver- |
| 18038 | geben, d.h. die Anrufungen und die Namen des Lichtes“ ⲣ. 37 |
| 18039 | Der letzte Zusatz macht eine genauere Besprechung des Ⲙ |
| 18040 | haltes überflüssig; wir erkennen deutlich, dass in diesen vier |
| 18041 | Elementen Feuer, Wasser, Wein und Blut die geheimnisvollen, |
| 18042 | magisch wirkenden Bestandteile der Mysterien des Lichtes dar- |
| 18043 | gestellt sein sollen. Zugleich haben wir einen Anhalt für die |
| 18044 | Bücher ⲉⲗ, denn oben wurden die Mysterien der Taufen „My- |
| 18045 | sterien des Lichtes“ genannt, auch in letzteren sollte man die |
| 18046 | Mysterien bez. die Mysterien des Lichtes finden. Sind also diese |
| 18047 | in unsern beiden vorliegenden Büchern enthalten, so ist die Iden- |
| 18048 | tität beider über jeden Zweifel erhaben. ; |
| 18049 | „Darauf gehen die Dynameis der Linken zu ihren Topoi zu- |
| 18050 | rück und Jesus mit seinen Jüngern bleibt auf dem Berge von |
| 18051 | Galilaea. Jetzt fahren die Jünger fort, ihn zu bitten, doch ihnen |
| 18052 | ihre Sünden zu vergeben und sie zu Erben des Reiches seines |
| 18053 | Vaters zu machen. Jesus antwortet: „Wahrlich, ich sage euch: |
| 18054 | nicht nur werde ich eure Sünden reinigen, sondern ich werde |
| 18055 | euch auch des Reiches meines Vaters würdig machen. lassen und |
| 18056 | euch das Mysterium der Sündenvergebung auf Eirden . geben, |
| 18057 | damit dem, welchem ihr auf Erden vergeben werdet, im Himmel |
| 18058 | vergeben wird, und der, welchen ihr auf Erden binden werdet, |
| 18059 | im Himmel gebunden sein wird!. Ich werde euch das Myste- |
| 18060 | rium des Himmelreiches geben, damit ihr selbst sie an den Men- |
| 18061 | schen vollzieht. |
| 18062 | Endlich findet sich Jesus zu der Mitteilung: des erbetenen |
| 18063 | Mysteriums bereit. Wir werden diese Stelle, da .sie von ‚grosser |
| 18064 | Wichtigkeit für die Geschichte des Kultus ist, ausführlicher be- |
| 18065 | handeln. |
| 18066 | 1) Auf Jesu Befehl bringen die Jünger Feuer und Weinzweige. |
| 18067 | 2) Derselbe bringt die x000gp00d dar; |
| 18068 | 3) stellt zwei dyyeza Weins auf, einen zur Rechten und |
| 18069 | einen zur Linken von der 30009008; |
| 18070 | 4) stellt die X000Q00& vor die Jünger hin; |
| 18071 | 5) stellt ein xot%Qt0v Wassers vor das &yyelov Weins ⲃⲱ |
| 18072 | Rechten und |
| 18073 | 1 ef. Joh. 20, 23. Matth. 16, 19; 18, 18. Man beachte wiederum |
| 18074 | den Zusammenhang mit p. 351. |
| page 507 | |
| 18075 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 491 |
| 18076 | ⲃ) ein xot%EL0v Weins vor das dyyslop zur Linken, |
| 18077 | 7) dazu Brote nach Anzahl der Jünger zwischen die beiden |
| 18078 | KOTHQLA, |
| 18079 | ⲃ) zuletzt ein zxot%7E:0v Wassers hinter die Brote. |
| 18080 | Nachdem diese Vorbereitungen getroffen, stellt sich Jesus |
| 18081 | bei der xg0o0g0o@Q& hin; die Jünger treten hinter ihn, sie sind |
| 18082 | mit leinenen Kleidern angethan und halten das Psephos des |
| 18083 | Namens des Vaters des Lichtschatzes in ihren Händen. Dann |
| 18084 | beginnt das Gebet Jesu an seinen Vater, den Vater aller Vater- |
| 18085 | ‚schaft, das unendliche Licht. Dasselbe zerfällt in folgende Be- |
| 18086 | standteile: . |
| 18087 | 1) Anflehung des Vaters um Erhörung der Bitte, Anrufung |
| 18088 | der Namen. |
| 18089 | 2) Anrufung der Sündenvergeber und Reiniger der Misse- |
| 18090 | thaten, den Seelen der Jünger ihre Sünden und Missethaten zu |
| 18091 | vergeben und sie des Lichtschatzes würdig zu machen. |
| 18092 | 3) Anrufung des heiligen Vaters. |
| 18093 | 4) Bitte um ein Zeichen in der x0006@00& zum Beweis dafür, |
| 18094 | dass der Vater das Gebet erhört hat. |
| 18095 | Dies geschieht. |
| 18096 | Darauf giebt Jesus den Jüngern die Versicherung, dass ihre |
| 18097 | Sünden vergeben, ihre Missethaten ausgetilgt, und sie zu dem |
| 18098 | Reiche des Vaters gezählt worden sind. Zugleich knüpft er daran |
| 18099 | die Mahnung, dieses soeben gezeigte Mysterium allen Menschen |
| 18100 | zu geben, die an sie glauben und auf sie in allen guten Worten |
| 18101 | hören. werden, in denen aber kein Falsch ist; dann werden ihre |
| 18102 | Sünden und Missethaten, die sie bis zum Tage des Empfangs |
| 18103 | des Mysteriums vollzogen haben, ausgetilgt werden. Den übrigen |
| 18104 | Menschen soll dasselbe nicht mitgeteilt werden. „Dies nun ist |
| 18105 | das wahre Mysterium der Taufe von denen, welche ihre Sünden |
| 18106 | vergeben und ihre Missethaten bedecken werden; dies ist die |
| 18107 | Taufe der ersten xz000®00a, die den Weg zu dem wahren Topos |
| 18108 | und zu dem Topos des Lichtes weist“. |
| 18109 | „Darauf sprechen seine Jünger zu ihm: Rabbi, enthülle uns |
| 18110 | das Mysterium des Lichtes Deines Vaters, denn wir hörten Dich |
| 18111 | sagen: Es giebt noch eine Feuertaufe und noch eine Taufe |
| 18112 | des heiligen Geistes des Lichtes und eine geistige Salbung, |
| 18113 | welche die Seelen zu dem Lichtschatz führen. Sage uns nun |
| 18114 | ihr Mysterium, auf dass wir selbst das Reich Deines Vaters er- |
| page 508 | |
| 18115 | 492 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 18116 | langen. Es sprach Jesus zu ihnen: Es giebt kein Mysterium, |
| 18117 | welches vorzüglicher als diese Mysterien ist, nach welchen ihr |
| 18118 | fragt, indem es eure Seele zu dem Licht der Lichter, zu den |
| 18119 | Topoi der Wahrheit und der Güte des Topos des Heiligen der |
| 18120 | Heiligen führen wird, zu dem Topos, in welchem es keine Frau |
| 18121 | noch Mann giebt, noch giebt es in jenem Topos Gestalten, sondera |
| 18122 | ein beständiges, unaussprechliches Licht“ (ⲣ. 377 |
| 18123 | Aus dieser Angabe geht mit Notwendigkeit hervor, dass die |
| 18124 | Feuertaufe, Taufe des heiligen Geistes und die geistige Salbung |
| 18125 | von der Taufe der ersten zg00@0Q4 nicht getrennt werden dürfen, |
| 18126 | denn auch die ersteren werden mit dem Namen „das Mysterium |
| 18127 | des Lichtes“ bezeichnet. |
| 18128 | Welches ist nun das Mysterium, welches hier in so feier- |
| 18129 | licher Weise von Jesus eingesetzt wird? Was haben wir unter dem |
| 18130 | Begriff „Mysterien des Lichtes“ zu verstehen? |
| 18131 | Koestlin (Das gnost. System ⲃ︦ 169 Anm. 1) nennt den |
| 18132 | ganzen Akt eine Eucharistie, nur findet er es auffallend, dass |
| 18133 | dieser Akt als Taufakt, uwvorn0L0V dindelas Paxtionarog, Bax- |
| 18134 | ⲧⲓⲏ primae ⲡϩⲟϭϣⲟϩϭ̄ϩ introducentis in töxoy dindelag et |
| 18135 | intus in ⲧⲡⲟ luminis bezeichnet wird. Das fäxrtıoga fomi |
| 18136 | ist nach ihm vielleicht ein Sühnakt für Gläubige, welche gesün- |
| 18137 | digt haben (Taufe, die vom Rauch des Höllenfeuers erlöst), das |
| 18138 | BüntIOUK KVEVLATOS Bancti luminis etwa ein Akt voller Auf- |
| 18139 | nahme in die Gemeinde, d. h. in den engern Kreis der xweupa- |
| 18140 | ⲧⲓⲭⲟⲓ (der in die höheren Mysterien Eingeweihten), die unctio |
| 18141 | etwa eine Salbung in Krankheiten oder vor dem Tode ‘(letzte |
| 18142 | Ölung). |
| 18143 | Usener (Weihnachtsfest, S. 164) kennt in der P. Sophia |
| 18144 | nur eine „Taufe des Geistes, welche dem heiligen Lichte (sie!) |
| 18145 | gilt, und eine geistige Salbung, welche die Seelen in das Schatz- |
| 18146 | haus des Lichtes führt (sic) im Übrigen fügt er gar kein Wort |
| 18147 | für ihre Erklärung hinzu. |
| 18148 | Harnack (Untersuch. S. 93) hat gemeint, dass es ⲙ̃ hier |
| 18149 | nicht um eine Taufe handle, sondern um das Mysterium ⲙⲟⲥ |
| 18150 | Baxtiouatos und das fAxtioua primae ϫϩⲟϭⲣⲟϩ̄ϩ: die Jünger |
| 18151 | wären ja auch schon getauft worden. „Es ist vielmehr die |
| 18152 | Einsetzung einer Art von Busssacrament, nach welchem |
| 18153 | man im 3. Jahrh. so sehnlich ausschaute. Was die Kirehe ersehnte, |
| page 509 | |
| 18154 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 493 |
| 18155 | aber sich nur allmählich schaffen konnte, ist hier mit einem |
| 18156 | Schlage von Jesus selbst gewährt“. |
| 18157 | Wir glauben auf Grund eines genauen Studiums der P. Sophia, |
| 18158 | wie nicht geringer der beiden Bücher Jeü zu einer von diesen |
| 18159 | Gelehrten abweichenden Meinung berechtigt zu sein. Dieselben |
| 18160 | haben den Zusammenhang aller angeführten Mysterien nicht er- |
| 18161 | kannt und sind dadurch irre geleitet worden. Wenn speziell |
| 18162 | Harnack die Einsetzung einer Art von Busssakrament dadurch zu |
| 18163 | begründen sucht, dass die Jünger ja schon getauft wären, so ist |
| 18164 | dieser Grund, sobald es sich um Gnostiker handelt, nicht stich- |
| 18165 | haltig. Denn wie konnte dieses Faktum dieselben hindern, sie |
| 18166 | noch einmal der echt gnostischen Taufe teilhaftig werden zu |
| 18167 | lassen, für die die wirkliche Thätigkeit Jesu auf Erden absolut |
| 18168 | bedeutungslos war, die deshalb ein zwölfjähriges Leben nach der |
| 18169 | Auferstehung fabulierten, um in diesen Zeitraum ihre Fiktionen |
| 18170 | verlegen zu können? Sahen sie sich nicht genötigt, da sie alle |
| 18171 | ihre Lehren auf die hochheilige Autorität von Jesus und seinen |
| 18172 | zwölf Jüngern zurückführten, auch den bedeutungsvollen Akt, |
| 18173 | durch den Jesus seinen Jüngern die Mysterien des Lichtes, d. h. |
| 18174 | die Weihen der Taufe mitteilte, in der unmittelbar der Aufer- |
| 18175 | stehung folgenden Zeit geschehen zu lassen? |
| 18176 | Im Grunde entfernt sich unser Verfasser nicht so weit von |
| 18177 | den Berichten unserer Evangelien, wie es auf den ersten Blick - |
| 18178 | den Anschein gewinnen möchte. Hatte doch Jesus zu den |
| 18179 | Jüngern noch kurz vor seinem Tode gesagt: ,ⲙⲉⲧⲉ di to ⲉⲉⲣ |
| 18180 | $nval ⲕⲉ 00080 ⲙⲙⲁ̄ ⲉⲓϩ ⲧⲓ Taiılalar“ !; diesem Befehle |
| 18181 | sind sie getreulich nachgekommen, wenn es heisst: Ⲟ di Eydaxa |
| 18182 | ⲕⲁ ϥⲧⲟ ⲉ̀ⲡⲟⲣⲉ̀ⲑϥϭ⳪ ⲉⲓϩ ⲧ) Talılalar, le ⲧⲟ 00065 ot &taAsarto |
| 18183 | ⲥϭⲩ̀ⲍⲟⲓϩ ⲟ Incovs?). |
| 18184 | Auf diesem Berge redete nach Matthaeus 28, 1 der Auf- |
| 18185 | erstandene und forderte sie auf, hinauszugehen und alle Völker |
| 18186 | zu lehren, und sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und |
| 18187 | des heiligen Geistes zu taufen und sie zu lehren, alles was er |
| 18188 | ihnen befohlen, zu halten. — Nach dieser Version geschah also |
| 18189 | der Befehl und die Einsetzung der Taufe auf einem bestimmten |
| 18190 | 1 cf. Matth. 26, 32; 28, 7. 10. Marcus 14, 28. |
| 18191 | 2 Matth. 28, 16. |
| page 510 | |
| 18192 | 494 IV, Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 18193 | Berge in Galilaea nach seiner Auferstehung, u. z. waren nur die |
| 18194 | elf Jünger um ihn versammelt. Mir ist es unzweifelhaft, dass |
| 18195 | der Verfasser des vierten Buches diese im Matthaeus vorliegende |
| 18196 | Erzählung vor Augen gehabt hat. Man beachte nur den Ar- |
| 18197 | fang: „Es geschah nun, als unser Herr Jesus gekreuzigt wurde, |
| 18198 | stand er auf von den Toten an seinem dritten Tage. Ka versam- |
| 18199 | melten sich seine Jünger um ihn, beteten ihn an und sprachen |
| 18200 | etc.“ (p. 357) Der Verfasser fährt dann fort: „Damals stand Jesus |
| 18201 | mit seinen Jüngern an dem Wasser des Oceans und |
| 18202 | dieses Gebet etc.“ Wir übergehen diese und andere Begeben- |
| 18203 | heiten; am Schluss heisst es: „Es geschah nun danach, dass |
| 18204 | Jesus befahl: Mögen alle Dynameis der Linken zu ihren Topoi |
| 18205 | gehen. Und Jesus mit seinen Jüngern blieb auf dem Berge von |
| 18206 | Galilaea.‘“ Dann folgt unmittelbar die Einsetzung der „Myaterien |
| 18207 | des Lichtes“. Wir müssen daraus folgern, dass auf diesem |
| 18208 | die Mitteilung stattgefunden; vor allem möchten wir noch darauf |
| 18209 | aufmerksam machen, dass der Verfasser diesen Ort kurzweg als |
| 18210 | „den Berg von Galilaea“ bezeichnet, wie ja auch ohne nähere |
| 18211 | Angabe unsere synoptische Quelle. Das ist kein Zufall. |
| 18212 | Um nun zu unserer These zurückzukehren, dass das füxrıch® |
| 18213 | der ersten x000g0oQ& kein Busssakrament, sondern ein Tauf- |
| 18214 | sakrament war, so spricht gegen obige Annahme einerseits die |
| 18215 | Thatsache, dass das Mysterium resp. die Mysterien als faxtiegara |
| 18216 | bezeichnet werden, andererseits der Name „Saxtıcna der arsten |
| 18217 | 006@00&“. Dies setzt doch die Existenz eines fdxtıona der |
| 18218 | zweiten x000@00@ etc. voraus? Wir würden auf dieses Weise |
| 18219 | nicht ein, sondern mehrere Busssakramente erhalten, und das |
| 18220 | ist sehr bedenklich; fassen wir dagegen dies Paxtıcka der ersten |
| 18221 | X006@0Qk, das ⲃⲉ︦ⲡⲅⲓϭⲙⲥ des Feuers und des heiligen Geistes |
| 18222 | und die geistige Salbung als einen Komplex eng zusammen- |
| 18223 | gehörender Taufakte auf, und verstehen darunter die Mysterien |
| 18224 | des Lichtes, so werden wir das Richtige getroffen haben. |
| 18225 | Diese Mysterien des Lichtes sollten nach p. 246 und 354 |
| 18226 | in den beiden Büchern ⲉ genauer behandelt sein. Welch’ ein |
| 18227 | glücklicher Zufall, dass uns in dem neuen Werke eines der äl- |
| 18228 | testen, wenn nicht das älteste Denkmal der Sekte über die |
| 18229 | Mysterienlehre aufbewahrt ist, denn in den Augen unserer |
| 18230 | Verfasser erschien das Werk durch ein.so hohes Alter gehei- |
| 18231 | ligt zu sein, dass es ohne Besinnen dem Henoch zugeschrieben |
| page 511 | |
| 18232 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 495 |
| 18233 | wurde.! Dieselben Taufen, denen wir in dem vierten Buche der |
| 18234 | P. Sophia begegnen, ohne über ihr Wesen nach allen Seiten hin |
| 18235 | genauer aufgeklärt zu werden, treffen wir in dem zweiten Buche |
| 18236 | unseres Werkes wieder. Eine Täuschung ist unmöglich, wir be- |
| 18237 | sitzen jetzt, wenn auch mit einigen Lücken, die beiden Bücher Jen |
| 18238 | und damit zugleich eine wichtige Urkunde für das innere Leben |
| 18239 | der Sekte in einer weit älteren Periode. |
| 18240 | Gleich der Anfang lehrt uns den Inhalt des ganzen Buches |
| 18241 | kennen. „Es sprach Jesus zu seinen Jüngern, welche um ihn |
| 18242 | versammelt waren, zu den Zwölfen und den Jüngerinnen: Um- |
| 18243 | gebet mich, meine zwölf Jünger und Jüngerinnen, und ich werde |
| 18244 | euch die grossen Mysterien des Lichtschatzes verkündigen, |
| 18245 | die Niemand in dem unsichtbaren Gott kennt. Weder können sie |
| 18246 | die Äonen des unsichtbaren Gottes, wenn ihr sie vollzieht, ertragen, |
| 18247 | weil sie die grossen Mysterien des Lichtschatzes des Innern der |
| 18248 | Inneren sind, und es können sie auch nicht die. Äonen der Ar- |
| 18249 | chonten, wenn ihr sie vollzieht, ertragen, noch können sie dieselben |
| 18250 | erfassen etc.“ (P. 54). Mit diesen Einleitungsworten ist deutlich |
| 18251 | angekündigt, dass in diesem Buche die grossen Mysterien des |
| 18252 | Lichtschatzes behandelt werden sollen. Nun spricht Jesus im |
| 18253 | Laufe der Erzählung folgendermassen: „Aber vor alledem werde |
| 18254 | ich euch die drei SaxtiouatAa geben: „das PAxtıoua des Wassers“ |
| 18255 | und „das Baxtıcua des Feuers“ und „das Paxtıocwa des heiligen |
| 18256 | Geistes“. Und ich werde euch das Mysterium, die Unbill der |
| 18257 | Archonten von euch zu beseitigen, geben und danach werde ich |
| 18258 | euch das Mysterium des xoloua xyELLATIKXO geben.“ |
| 18259 | Um nun die beiden letzten Mysterien zuvörderst unberück- |
| 18260 | sichtigt zu lassen, so ergiebt sich aus diesem Satze ein Drei- |
| 18261 | faches, einerseits die Bestätigung unserer Ansicht, dass wir hier |
| 18262 | kein Busssakrament, sondern BaxtiouatA vor uns haben, zweitens |
| 18263 | die Zusammengehörigkeit der Wassertaufe, Feuertaufe und Taufe |
| 18264 | des heiligen Geistes ?, drittens die Identität der Wassertaufe mit |
| 18265 | 1 Der Einwand, den man vielleicht erheben möchte, dass in dem |
| 18266 | Werke kein Anspruch auf Henoch als den Verfasser erhoben wird, |
| 18267 | wird dadurch hinfällig, dass diese Angabe in dem Werke selbst nicht |
| 18268 | gestanden haben kann, sondern augenscheinlich die Tradition sich erst |
| 18269 | später innerhalb der Sekte gebildet hat. |
| 18270 | 2 Eine sehr willkommene Bestätigung liefert die Perikope von |
| page 512 | |
| 18271 | 496 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 18272 | dem in der P. Sophia genannten ,ⲃⲉⲅⲱⲕϭ der ersten |
| 18273 | 000p00&“ bez. dem „wahren Mysterium des ⲃⲉⲉⲅⲓϭⲏⲉ von |
| 18274 | der Versuchung des Petrus durch Jesus im dritten Buch ⲣ. Ⲁ |
| 18275 | Dort heisst es: „Danach sah Jesus eine Frau, welche kam, um Busse |
| 18276 | zu thun; er hatte sie dreimal getauft und nicht hatte sie das den |
| 18277 | Taufen Angemessene gethan, Und der Erlöser wollte den Putrus auf |
| 18278 | die Probe stellen, um zu sehen, ob er‘ barmherzig und Sünden ver- |
| 18279 | gebend wäre, wie er es ihnen befohlen hatte, und sprach zum Petrus: |
| 18280 | Siehe, dreimal habe ich diese Seele getauft und bei diesem dritten |
| 18281 | Mal hat sie das den Mysterien des Lichtes Angemessene nicht yethan |
| 18282 | Warum nun vernichtet sie auch den Körper? ⲑⲃ ⲱⲱ, Petrus, |
| 18283 | vollziehe das Mysterium des Lichtes, welches die Seelen aus den |
| 18284 | xAnoovoulaı des Lichtes ausscheldet, vollziehe jenes Mysterium, damit |
| 18285 | es die Seele dieser Frau aus den xAÄngovopier den Lichtes ⲙⲃ |
| 18286 | scheidet. Als nun dieses der Erlöser gesagt hatte, stellte er [ihn] auf |
| 18287 | die Probe, um zu sehen, ob er barmherzig und Sünden vergebend |
| 18288 | wäre. Als nun dieses der Erlöser gesagt hatte, sprach Petrus: Mein |
| 18289 | Herr, lass sie auch dieses Mal, auf dass wir ihr die hohem Mysterien |
| 18290 | geben. Und wenn sie Nutzen bringt, so IMsst Du sie, und sie erlangt |
| 18291 | das Lichtreich; wenn sie aber keinen Nutzen bringt, ⲱ seheidest |
| 18292 | Du sie aus dem Lichtreich aus. Als num Petrus dieses gesagt |
| 18293 | hatte, erkannte der Erlöser, dass Petrus barmherzig und Sünden ver- |
| 18294 | gebend, wie er, wäre“, Man beachte zunächst, dass hier von Pasrie- |
| 18295 | ⲕⲁⲧⲁ die Rede ist, und diese ebenfalls die Ⲙⲙⲱ des ⲱϣ |
| 18296 | genannt werden; zugleich werden sie als die niedrigen Mysterien be- |
| 18297 | trachtet, da Petrus die Bitte ausspricht, der Seele die hulen. Myste- |
| 18298 | rien mitteilen zu können. Aber diese Stelle setzt, was noch. ⲙⲙ |
| 18299 | tiger ist, die drei Taufen voraus. Harnack (Unters. ⲃ︦. 79 Ⲙⲙⲱ 2) |
| 18300 | hat auf Grund obiger Stelle geschlossen, dass diese Gineutiker‘ äurch |
| 18301 | ein dreimaliges Untertauchen tauften, wie ja auch in der Gressikärche |
| 18302 | der Täufling bei der Taufe auf den Namen des ⲉⲱϣ des Schues |
| 18303 | und des heiligen Geistes jedesmal untergetaucht wurde. Dieser Schlun |
| 18304 | wäre vollkommen berechtigt, wenn ⲉⲃ sich um einen einmällgeh Tauf- |
| 18305 | akt handelte, dies ist aber an dieser Stelle nicht der Fall; ⲙⲙ der |
| 18306 | Ausdruck „dreimal taufen“ besagt hier nur so viel, dass die Taufe |
| 18307 | dreimal vorgenommen ist, und zwar kann dies ⲕⲱ 2m Mingeren |
| 18308 | Zwischenräumen geschehen sein, da eine gewisse Zeit veruirelchen |
| 18309 | musste, damit die Frau neuen Sünden anheimfßel. Aly sie sich jetzt |
| page 513 | |
| 18310 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 497 |
| 18311 | denen !, welche ihre Sünden vergeben und ihre Missethaten |
| 18312 | bedecken werden.“ |
| 18313 | Um den letzten Punkt zu beweisen, müssen wir den Ritus, |
| 18314 | wie er sich in unserem Buche darthut, näher betrachten, u. z. werden |
| 18315 | wir, damit die Uebereinstimmung besser in die Augen fällt, die |
| 18316 | beiden Berichte einander gegenüberstellen; den Bericht in der |
| 18317 | P. Sophia bezeichnen wir mit A und den im zweiten Buche Jeü |
| 18318 | mit B. Letzterer zeigt folgenden Eingang: „Es geschah danach |
| 18319 | dass Jesus seine Jünger herbeirief und zu ihnen sprach: Kommet |
| 18320 | alle und empfanget die drei Taufen, bevor ich euch das My- |
| 18321 | sterium der Archonten sage. — Es kamen nun alle Jünger und |
| 18322 | Jüngerinnen und umgaben Jesus alle zugleich.“ |
| 18323 | A. B. |
| 18324 | Jesus aber sprach zu ihnen: Jesus sprach nun zu ihnen: |
| 18325 | Gehet hinauf nach Galilaea ? und |
| 18326 | findet einen Mann oder eine |
| 18327 | Frau, in denen die Mehrzahl der |
| 18328 | Schlechtigkeit gestorben ist, — |
| 18329 | wenn es ein Mann ist, der keinen |
| 18330 | Beischlaf hält, oder wenn es eine |
| 18331 | Frau ist, die mit der Weise der |
| 18332 | Frauen aufgehört hat und keinen |
| 18333 | Beischlafmacht — und empfanget |
| 18334 | zwei ⲩⲣⲉ. Weins aus den Hän- |
| 18335 | Bringt mir Feuer und Wein- | den solcher und bringt sie mir |
| 18336 | zweige. zu diesem Ort und holt mir |
| 18337 | Weinzweige herbei 3. |
| 18338 | wieder reuevoll naht, hat sie sämmtliche drei Taufen bereits em- |
| 18339 | pfangen, der Gnadenschatz derselben ist erschöpft, nur die höheren |
| 18340 | Mysterien der drei ywoyuat« können helfen; mit einem Wort, die |
| 18341 | Frau hatte die uns bekannten drei Taufen: die \WVasser- und Feuer- |
| 18342 | taufe und die Taufe des heiligen Geistes empfangen. |
| 18343 | 1 Dieser Genitiv zeigt uns an, dass es noch andere Taufen giebt, |
| 18344 | welche dieselbe Wirkung ausüben. |
| 18345 | 2 Der Berg Galilaeas ist nach A p. 374 der Ort der Mitteilung |
| 18346 | jener Mysterien, |
| 18347 | 3 B. ist ausführlicher und verdient den Vorzug, da die Spen- |
| 18348 | Texte u. Untersuchungen VIII, 1, 2. 32 |
| page 514 | |
| 18349 | 498 |
| 18350 | A. |
| 18351 | Sie brachten sie ihm. |
| 18352 | Er legte die xz00064.004 auf, |
| 18353 | stellte zwei dyysIa Weins auf, |
| 18354 | eins zur Rechten und das andere |
| 18355 | zur Linken der x0006g008. |
| 18356 | Er stellte die x000g00& vor |
| 18357 | sie hin, stellte einen Becher |
| 18358 | Wassers vor den Weinkrug, der |
| 18359 | zur Rechten, und stellte einen |
| 18360 | Weinbecher vor den Weinkrug, |
| 18361 | der zur Linken, und legte Brote |
| 18362 | gemäss der Anzahl der Jünger |
| 18363 | mitten zwischen die Becher und |
| 18364 | stellte einen Becher Wassers |
| 18365 | hinter die Brote 3. |
| 18366 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 18367 | B. |
| 18368 | Die Jünger brachten aber die |
| 18369 | beiden ⲉⲩⲉⲓ Weins und die |
| 18370 | Weinzweige herbei. |
| 18371 | Jesus legte aber eine #vola |
| 18372 | auf, stellte ein äyystop Weins |
| 18373 | zur Linken der $vola und das |
| 18374 | andere dyyzsIo» Weins zur Rech- |
| 18375 | ten der #vola. |
| 18376 | Er legte Wachholderbeeren und |
| 18377 | Kasdalanthos und Narden auf‘. |
| 18378 | Er stellte seine Jünger vor |
| 18379 | das Opfer (ⲉⲃⲓⲱ aber |
| 18380 | stand bei dem Opfer (ⲑ) |
| 18381 | breitete über einen Topos leinene |
| 18382 | Kleider aus und stellte einen |
| 18383 | Becher Weins darauf und Brote |
| 18384 | gemäss der Anzahl der Jünger? |
| 18385 | legte Olivenzweige auf den To- |
| 18386 | ⲣⲟⲃ der ϫϩⲟϭϣⲟϩϭ̄ und bekränzte |
| 18387 | sie alle mit Olivenzweigen. Und |
| 18388 | Jesus besiegelte seine Jünger |
| 18389 | mit diesem Siegel (s. Text); |
| 18390 | seine Auslegung ist diese: #:w- |
| 18391 | ϩⲟ sein Name ist: galagpapac. |
| 18392 | dung der heiligen Sakramentalien nur von Personen erfolgen konnte, |
| 18393 | die der gnostischen Ethik entsprachen, In A wird an Stelle von |
| 18394 | ayysia das Feuer genannt, während umgekehrt in B das Feuer ⲙⲱ |
| 18395 | gelassen ist; dies aber ist belanglos, da ja das zur Handlung Not- |
| 18396 | wendige herbeigebracht werden musste. |
| 18397 | 1 Hier ist B genauer, da bei dem Opfer viele wohlriechende |
| 18398 | Pflanzen verwandt wurden. |
| 18399 | 2 Wir werden hier und im Folgenden die einzelnen Sätze etwas |
| 18400 | anders ordnen. |
| 18401 | * An dieser Stelle zeigen A u. B bedeutende Abweichungen; vor |
| page 515 | |
| 18402 | IV, Untersuchungen über die gnoetischen Werke. • 499 |
| 18403 | A. B. |
| 18404 | Es stand Jesus vor der ⲣⲟⲟϭ- Er liess alle Jünger sich in |
| 18405 | ϣⲟⲣ, stellte die Jünger hinter | leinene Kleider einhüllen, steckte |
| 18406 | sich, alle bekleidet mit lei- | Flohkraut in ihren Mund und |
| 18407 | nenen Gewändern, während das | legte das Psephos der sieben |
| 18408 | Psephos des Namens des Vaters | Stimmen, nämlich 9879, in ihre |
| 18409 | des Lichtschatzes in ihren Hän- | beiden Hände und legte das Son- |
| 18410 | den war! | nenkraut in ihre beiden Hände |
| 18411 | ⲓ und stellte seine Jünger vor die |
| 18412 | | Svola. |
| 18413 | ⲓ Jesus wandte sich mit seinen |
| 18414 | | Jüngern gegen die vier Ecken |
| 18415 | | der Welt und befahl ihnen, dass |
| 18416 | ; ein jeder von ihnen seine Füsse |
| 18417 | dicht aneinander stelle 2. |
| 18418 | Er rief also aus und sprach: ‘| Und er sprach folgendes Ge- |
| 18419 | ϯ bet (ssiⲭ] |
| 18420 | Erhöre mich, mein Vater, Du |
| 18421 | Vater aller Vaterschaft, Du un- |
| 18422 | endliches Licht. | |
| 18423 | Law‘ ⲓ̈ⲟⲱⲱ ⲓ̈ⲥⲱ ⲥⲱⲓ̈ ⲱⲓ̈ⲥ Yı- Wabahnd ⲥⲥⲝⲓ] ϭ) dunv |
| 18424 | ϧⲱⲑⲉϩ Ⲫⲉⲟⲱⲯⲓⲩ• ⲱϣⲓⲑⲉⲟ ⲉϣ- | aUnV AUNV ⲉⲓⲉⲓ ⲉⲓⲥⲍⲉⲓ and |
| 18425 | allem ist auffällig, dass A neben den 2 ayysia Weins noch 2 ⲡⲟⲧ ⲓ⳪ |
| 18426 | Wassers und ein xzor1v.0v Weins hat, B dagegen nur ein zor%QL0v |
| 18427 | Weins; A scheint hier in seinen Angaben genauer zu sein. |
| 18428 | ⲓ Es geht aus der Parallele hervor, das das wos des Namens des |
| 18429 | Vaters des Lichtschatzes mit dem wos der sieben Stimmen identisch ist, |
| 18430 | 2 Diese Verordnung kommt in A nicht vor, war aber ihm nicht |
| 18431 | unbekannt, denn es heisst (p. 357f.): „Während Jesus dieses (sc. |
| 18432 | Gebet) sagte, waren Thomas, Andreas, Jacobus und Simon der Ka- |
| 18433 | naniter im Westen, und ihre Gesichter nach Osten gekehrt. Philippus |
| 18434 | aber und Bartholomäus befanden sich im Süden, gewendet nach Nor- |
| 18435 | den, die übrigen Jünger und Jüngerinnen aber standen hinter Jesus. |
| 18436 | Jesus stand aber beim dvoınotnELOr, und es rief Jesus aus, indem er |
| 18437 | sich zu den vier Ecken der Erde wandte mit seinen Jüngern, bekleidet |
| 18438 | alle mit leinenen Gewändern“. Ebenso p. 372: „Er wandte sich zu |
| 18439 | den vier Ecken der Welt, sprach den grossen Namen über ihrem |
| 18440 | Haupte, segnete sie und blies in ihre Augen“. |
| 18441 | 32° |
| page 516 | |
| 18442 | 500 • |
| 18443 | A. |
| 18444 | Ϩⲟⲙϭⲱⲑ • ϧⲉϣⲉⲟⲙϭⲱ• UHAQAXAX- |
| 18445 | da‘ ⲙⲉϩⲕϭⲟϭⲭⲑⲁ• ⲓⲓⲥⲱϭ ⲙⲉ‐ |
| 18446 | ⲥⲙⲟⲩ ... TOV ⲟⲗⲣϭⲱⲟⲩ ⲉϭⲱ |
| 18447 | dunp du" Govßaißal‘ AaRKACK‘ |
| 18448 | au dunpr ⲉⲥⲥϩⲁⲓ ga Xag0V |
| 18449 | dur ⲉⲏ). ϭⲥϩϭⲥϩϭϭϩⲧⲟⲱ duny |
| 18450 | dur vr KXOUVXLAULD ⲙⲓⲥⲓ dunp |
| 18451 | ⲉ̀ϯ ⲓ̈ⲥ ⲥⲓ ⲧⲟⲕ RaUND ⲉⲓϯ) |
| 18452 | dur ϣⲟⲓ ⲕⲥϩⲉ ⲙⲥϩⲱϯ Hager |
| 18453 | ⲉⲕ] ⲉ) ⲏ) |
| 18454 | Erhöre mich, mein Vater, Du |
| 18455 | Vater aller Vaterschaft 2. |
| 18456 | Ich rufe euch selbst an, ihr |
| 18457 | Sündenvergeber, ihr Reiniger |
| 18458 | der Missethaten, vergebet die |
| 18459 | Sünden der Seelen dieser Jünger, |
| 18460 | die mir gefolgt sind, und reiniget |
| 18461 | ihre Missethaten, machet sie |
| 18462 | würdig, in das Reich meines |
| 18463 | Vaters aufgenommen zu werden, |
| 18464 | denn sie sind mir gefolgt und |
| 18465 | haben meine Gebote gehalten. |
| 18466 | Jetzt nun, mein Vater, Du |
| 18467 | Vater aller Vaterschaft, mögen |
| 18468 | die Sündenvergeber kommen, |
| 18469 | deren Namen diese sind: |
| 18470 | ϭⲉϣⲓⲟⲉⲯⲱⲓⲭⲓⲉ • ϩⲉⲓⲉⲓ ⲃⲉⲣⲓⲙⲟⲩ • |
| 18471 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 18472 | B. |
| 18473 | Sand ϩⲟϥ ⲉⲙ ⲉ̀ⲣⲟ ⲉ̀ |
| 18474 | aunp dunp ⲉⲃ) alaayalagayı |
| 18475 | ϩϭϩϭⲗϭ ϩⲥϩⲃⲁⲑϣ Tagfadar ⲟ |
| 18476 | ϭⲉ. ϩⲥϩϭⲉⲉ ϩⲟϩϭⲉⲉ ⲥⲟⲣϥ |
| 18477 | ⲟϩⲉ ⲃⲟϩⲭⲥ ⲑⲟϩⲥⲑ ⲑⲟϩⲁⲃ |
| 18478 | ...2 - |
| 18479 | Erhöre mich, mein Vater, Du |
| 18480 | Vater aller Vaterschaft, Du un- |
| 18481 | endliches Licht, welches sich im |
| 18482 | Lichtschatz befindet. |
| 18483 | Mögen die fünfzehn xaga- |
| 18484 | ⳪ϭⲅⲉⲧⲥⲉ kommen, welche den |
| 18485 | sieben Lichtjungfrauen, die der |
| 18486 | Lebenstaufe vorgesetzt, dienst- |
| 18487 | bar sind, deren |
| 18488 | bare Namen diese sind: |
| 18489 | Astrapa, Tesphoiode, Onto- |
| 18490 | 1 Über die Namen werde ich in einem besonderen Aufsatz han- |
| 18491 | deln, zuvörderst vergl. Harnack Untersuch. S, 87 .. |
| 18492 | 2 Auch in der ⲡϩⲟϭⲉⲱⲭⲓ auf p. 357 heisst es: „Erhöre mich, mein |
| 18493 | Vater, Du Vater aller Vaterschaft, Du unendliches Licht.“ |
| 18494 | 375. 379. |
| 18495 | ef. 358. |
| page 517 | |
| 18496 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 18497 | A. |
| 18498 | ϭⲟⲗⲥⲃⲣⲓⲭⲓⲣ ⲉⲱϩⲥ va Vai dıeLG- |
| 18499 | BalunotX HEUPLROS XLQLE' EVTALQ" |
| 18500 | ⲙⲟⲱⲐⲓⲟⲱϩⲣ ϭⲕⲟⲱⲣ ⲡⲉⲱⲗϥⲟ ⲟⲟⲱⲟ‐ |
| 18501 | ⲗⲟⲩϭ ⲕⲓⲙⲓⲟϧⲟⲣ ⲓ̈ϭⲟⲭⲟⲃⲟϩⲥ. |
| 18502 | Erhört mich, indem ich euch |
| 18503 | anrufe, vergebet die Sünden die- |
| 18504 | ser Seelen und tilget ihre Misse- |
| 18505 | thaten aus. Mögen sie würdig |
| 18506 | sein, in das Reich meines Va- |
| 18507 | ters, des Vaters des Lichtschatzes, |
| 18508 | aufgenommen zu werden, denn |
| 18509 | ich kenne Deine grossen Dyna- |
| 18510 | meis und rufe sie an: |
| 18511 | ⲥⲱⲣ ⲃⲉⲃⲟⲱ adyorı" ⲟⲩⲟⲉ |
| 18512 | ⲓⲱⲱⲉ• ϭⲟⲕϣⲉ)• ⲭⲩⲓⲧⲟⲱϭⲟⲭϩⲉⲱⲫ |
| 18513 | ⲕϭⲱⲱⲩⲱⲃⲓ• ⲕϧⲉⲱⲱⲣ ϭⲟⲩⲱⲙⲓ ⲭⲱⲭⲉ‐ |
| 18514 | ⲧⲉⲱϣ ⲱⲗⲉ ⲉⲧⲉⲱϣ ⲙⲉⲙⲱⲭϭⲓⲗⲙⲫ |
| 18515 | Vergieb die Sünden dieser |
| 18516 | Seelen, tilge aus ihre Misse- |
| 18517 | thaten, die sie wissentlich und un- |
| 18518 | wissentlich begangen, die sie in |
| 18519 | Hurerei und Ehebruch bis zum |
| 18520 | heutigen Tage begangen haben, |
| 18521 | vergieb sie ihnen und mache sie |
| 18522 | würdig, in das Reich meines |
| 18523 | Vaters aufgenommen zu werden, |
| 18524 | und mögen sie würdig sein, von |
| 18525 | dieser x000@00& zu empfangen, |
| 18526 | mein heiliger Vater !. |
| 18527 | Wenn Du nun, mein Vater, |
| 18528 | mich erhört und die Sünden |
| 18529 | dieser Seelen vergeben und ihre |
| 18530 | Missethaten getilgt und sie wür- |
| 18531 | dig gemacht hast, zu Deinem |
| 18532 | 501 |
| 18533 | B. |
| 18534 | nios, Sinetos, Lachon, Poditanios, |
| 18535 | Opakis, Phaidros, Odontuchos, |
| 18536 | Diaktios, Knesion, Dromos, Eui- |
| 18537 | detos?, Polypaidos, Entropon. |
| 18538 | Mögen sie kommen und meine |
| 18539 | Jünger mit dem Lebenswasser |
| 18540 | der sieben Lichtjungfrauen tau- |
| 18541 | fen, ihre Sünden vergeben und |
| 18542 | ihre Schlechtigkeiten reinigen |
| 18543 | und dieselben zu den Erben des |
| 18544 | Lichtreiches rechnen. |
| 18545 | Wenn Du nun mich erhört |
| 18546 | und Mitleid mit meinen Jüngern |
| 18547 | gehabt hast, und wenn sie zu |
| 18548 | den Erben des Lichtreiches ge- |
| 18549 | zählt worden sind, und wenn |
| 18550 | 1 ef. „der Topos des Heiligen der Heiligen“ (p. 378) „der Sohn |
| 18551 | des Heiligen“ (p. 390). |
| page 518 | |
| 18552 | 502 |
| 18553 | A. |
| 18554 | Reiche gerechnet zu werden, so |
| 18555 | mögest Du mir ein Zeichen in |
| 18556 | dieser x000@00& geben, |
| 18557 | Und es geschah das Zeichen, |
| 18558 | welches Jesus erbeten hatte. |
| 18559 | Es sprach Jesus zu seinen |
| 18560 | Jüngern: Freuet euch und ju- |
| 18561 | belt, denn eure Sünden sind ver- |
| 18562 | geben und eure Missethaten aus- |
| 18563 | getilgt, und ihr seid zu dem |
| 18564 | Reiche meines Vaters gezählt. |
| 18565 | Als er aber dies gesagt hatte, |
| 18566 | freuten sich die Jünger sehr. |
| 18567 | IV, Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 18568 | B. |
| 18569 | Du ihre Sünden vergeben und |
| 18570 | ihre Missethaten ausgetilgt hast, |
| 18571 | so möge ein Wunder geschehen |
| 18572 | und Sogoxodogx kommen und |
| 18573 | das Wasser der Lebenstaufe in |
| 18574 | einen von diesen dyysla Weins |
| 18575 | herausbringen. |
| 18576 | Und in demselben Augenblick |
| 18577 | geschah das Wunder, welches |
| 18578 | Jesus erbeten hatte, |
| 18579 | und der Wein zur Rechten der |
| 18580 | $vola wurde zu Wasser. Und |
| 18581 | die Jünger traten vor Jesus; er |
| 18582 | taufte sie und gab ihnen von der |
| 18583 | diesem Siegel (s. Text) 1. |
| 18584 | Und die Jünger waren in sehr |
| 18585 | grosser Freude, dass ihre Sün- |
| 18586 | den vergeben, ihre Missethaten |
| 18587 | bedeckt waren, und sie zu den |
| 18588 | Erben des Lichtreiches gezählt |
| 18589 | wurden, und dass sie mit dem |
| 18590 | Lebenswasser der sieben Licht- |
| 18591 | jungfrauen getauft und das hei- |
| 18592 | lige Siegel empfangen hatten. |
| 18593 | Es bedarf wohl keiner weiteren Erörterungen, um zu zeigen, |
| 18594 | dass die in A und B behandelten Stücke trotz einzelner Ab- |
| 18595 | weichungen identisch sind, mithin das ⲃⲉ︦ϫⲅⲉϭⲏϭ der ersten |
| 18596 | wir sehen werden. |
| 18597 | 1 Diese Stelle ist eine der wichtigsten im ganzen Werke, wie |
| 18598 | B verdient grossen Vorzug vor A. |
| page 519 | |
| 18599 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 503 |
| 18600 | ⲡⲟⲟϭⲫⲟⲣⲟ nichts anderes als die Wassertaufe bedeutet, und |
| 18601 | zweitens, dass wir es nicht mit einem Buss-, sondern mit einem |
| 18602 | Taufsakrament zu thun haben. Letzteres wird auch dadurch be- |
| 18603 | wiesen, dass am Schlusse der Handlung die Jünger mit dem |
| 18604 | Lebenswasser der sieben Lichtjungfrauen getauft werden und das |
| 18605 | heilige Siegel empfangen. Bevor wir aber diese Taufe näher be- |
| 18606 | sprechen, wollen wir die Riten bei der Feuertaufe und Taufe des |
| 18607 | heiligen Geistes betrachten. | |
| 18608 | Jesus lässt Weinzweige holen, bringt ein Räucherwerk dar |
| 18609 | und legt darauf Wachholderbeeren, Myrrhen, Weihrauch, Harz |
| 18610 | vom Mastixbaum, Narden, Kasdalanthos, Terpentin und Zimmtöl. |
| 18611 | Dann werden über den Topos der ⲡϩⲟϭϣⲟⲣϭ︦ leinene Kleider |
| 18612 | gebreitet und darauf ein Becher Weins und Brote gemäss |
| 18613 | der Anzahl der Jünger gestellt; die Jünger müssen leinene |
| 18614 | Kleider anlegen, werden mit aufrecht stehendem Taubenkraut |
| 18615 | bekränzt, bekommen wiederum Flohkraut in ihren Mund, halten |
| 18616 | das wos der sieben Stimmen 9879 und die Goldblume in ihren |
| 18617 | Händen und haben Knöterich unter ihren Füssen. In dieser |
| 18618 | Weise müssen sie vor das Räucherwerk treten und zugleich ihre |
| 18619 | Füsse dicht aneinander stellen. Jesus tritt hinter das Räucher- |
| 18620 | werk, besiegelt die Jünger mit einem bestimmten Siegel, wendet |
| 18621 | sich mit ihnen gegen die vier Ecken der Welt und spricht ein |
| 18622 | Gebet zum Vater, dem Vater aller Vaterschaft, und zu der Licht- |
| 18623 | jungfrau, der Richterin (s. Kosmologie). Das Gebet enthält die- |
| 18624 | selben Gedanken wie das vorhergehende, ist aber verhältnismässig |
| 18625 | länger. Wir wollen nur hervorheben, dass unter den Sünden, |
| 18626 | welche die Jünger wissentlich und unwissentlich begangen haben |
| 18627 | sollen, namentlich ihre Verleumdungen, Flüche, falschen Eide, |
| 18628 | Diebstähle, Lügen, falschen Beschuldigungen, Unzucht, Ehe- |
| 18629 | brüche, Begierden,. Habgier aufgezählt werden !. |
| 18630 | Zum Schluss bittet Jesus wiederum um ein Zeichen u. z. |
| 18631 | in dem Feuer des duftenden Weihrauchs. Das Wunder geschieht; |
| 18632 | worin es aber bestanden, wird leider nicht angegeben. Darauf |
| 18633 | tauft er sie, giebt ihnen von der xg00g00& und besiegelt sie an |
| 18634 | der Stirn mit dem Siegel der Lichtjungfrau, welches zu dem |
| 18635 | Lichtreiche rechnet. |
| 18636 | 1 Man vergl. P. Sophia p. 376: „die sie in mogvei@ und Ehe- |
| 18637 | bruch begangen haben“. |
| page 520 | |
| 18638 | 504 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 18639 | Ferner errichtet Jesus das Räucherwerk für die Taufe des |
| 18640 | heiligen Geistes, legt Weinzweige, Wachholderbeeren, Kasdı- |
| 18641 | lanthos, xgoxoudyuatos, KactiKn, xıvauapov, Myrrhen, Balsam |
| 18642 | und Honig darauf, stellt zwei ⲉⲩⲉⲓ Weins, einen zur Rechten |
| 18643 | und den andern zur Linken des Räucherwerks auf und Brote |
| 18644 | gemäss der Anzahl der Jünger. Er besiegelt dieselben, tritt zu |
| 18645 | dem Räucherwerk, stellt die Jünger vor dasselbe, u. z. sind diese |
| 18646 | in leinene Gewänder eingehüllt, mit Myrten bekränzt, haben in |
| 18647 | ihrem Mund Flohkraut von der xgcörn?, Kinspross vom Bei- |
| 18648 | fuss und das ⲫⲟϩ der sieben Stimmen in ihren Händen, ihre |
| 18649 | Füsse sind dicht aneinander gestellt, und sie sind zu den vier |
| 18650 | Ecken der Welt gewandt. Wiederum bittet er um KErhörung |
| 18651 | seines Gebetes und zum Zeichen dafür um ein Wunder in der |
| 18652 | T000g00&@; das erbetene Wunder geschieht‘. Jesus tauft sie mit |
| 18653 | der Taufe des heiligen Geistes, giebt ihnen von der x000g00Q& |
| 18654 | und besiegelt ihre Stirn mit dem Siegel der sieben Lichtjung- |
| 18655 | frauen. |
| 18656 | Mit der Taufe des heiligen Geistes haben die Taufen ihren |
| 18657 | Abschluss erreicht, sie beschränken sich auf die Zahl drei. Alle |
| 18658 | drei haben dasselbe Ritual, nur sind einzelne Modifikationen vor- |
| 18659 | genommen. Überall treffen wir die #vola (x000@00&), die Weih- |
| 18660 | rauchspenden, die Weinkrüge, die Brote, die leinenen Gewänder, |
| 18661 | die Kränze, das Flohkraut, das wijgog der sieben Stimmen, die |
| 18662 | dicht aneinander gestellten Füsse, die Wendung zu den vier |
| 18663 | Ecken, das Gebet Jesu an den Vater, das Wunder und zum |
| 18664 | Schluss die Taufe, Mitteilung von der ϫϩⲟϭϣⲟϩⲥ und Besiegelung. |
| 18665 | Wie kamen aber diese Gnostiker zur Aufstellung einer drei- |
| 18666 | fachen Taufe? Man könnte vielleicht die Dreiheit symbolisch |
| 18667 | deuten, wie man auch die Taufe auf den Namen des Vaters, des |
| 18668 | Sohnes und des heiligen Geistes symbolisch fasste, aber m. E. |
| 18669 | dürfen wir dem Symbolismus nicht zu grossen Spielraum geben, |
| 18670 | wie dies oft geschehen; wir wollen vielmehr eine geschichtliche |
| 18671 | Unterlage suchen, uud diese geben uns die Evangelien an die |
| 18672 | Hand. Unsere Gnostiker hatten nicht die Abschiedsworte des |
| 18673 | Auferstandenen am Schluss von Matth. 28, 19: „Gehet hin und |
| 18674 | 1 Auch hier ist die Art und Weise desselben nicht näher an- |
| 18675 | gegeben. |
| page 521 | |
| 18676 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 405 |
| 18677 | lehret alle Völker und taufet sie auf den Namen das Vaters, des |
| 18678 | Sohnes und des heiligen Geistes“ vor Augen, sondern das x70vyua |
| 18679 | Johannes des Täufers. Dieser hatte gepredigt: „Ich taufe euch |
| 18680 | nit Wasser zur Busse; der aber nach mir kommt, ist stärker |
| 18681 | lenn ich, dem ich nicht wert bin, seine Schuhe zu tragen, der |
| 18682 | wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen; er hat |
| 18683 | ⲉⲓⲙⲉ Wurfschaufel in der Hand; er wird seine Tenne fegen und |
| 18684 | Ⲓⲉ Weizen in seine Scheune sammeln, aber die Spreu wird er |
| 18685 | rerbrennen mit ewigem Feuer“! (Matth. 3, 11—12. cf. Luc. 3, |
| 18686 | 16—17). Nun war der Messias leibhaftig in die Welt gekom- |
| 18687 | men; was Wunder, wenn man in naiver Weise glaubte, dass auch |
| 18688 | Jer zweite Teil der Prophetie in Erfüllung gegangen wäre, dass |
| 18689 | Jesus wirklich mit dem heiligen Geiste und dem Feuer getauft |
| 18690 | hätte 2, doch behielt man die Johannes-Taufe als die unumgäng- |
| 18691 | lich notwendige Vorbereitung auf die Messiastaufe bei. Freilich |
| 18692 | haben die Gnostiker, wie auch aus andern Nachrichten bekannt, |
| 18693 | ihre Vorlage mit einer gewissen Freiheit benutzt und die Feuer- |
| 18694 | taufe vor diejenige des heiligen Geistes gestellt?. Auch bot die |
| 18695 | Stelle bei Lucas 12, 49—52: ⲡⲟ 3 Balelv lc ⲧ) ϯ ⲭⲱ) |
| 18696 | ⲓ ⲑⲉⲱ ⲉⲓ Yon ⲱⲑ) BantıcHa dt ⲉⲭⲱ Bartıcdnvaı, xal |
| 18697 | ⲡⲱϩ GvpEXOUAL ⲱϩ ⲟⲩⲧⲟⲱ TEIECHN; etc. einen Anhaltspunkt für |
| 18698 | Ⲙⲉ Aufstellung von andern Taufen; aber auch an dieser Stelle |
| 18699 | zeigt sich die grosse Willkür der Gnostiker bei der Citation |
| 18700 | ınd Interpretation der evangelischen Schriften. Um nämlich |
| 18701 | ihren Sinn in dieselbe hineinzulegen, haben sie ohne Weiteres |
| 18702 | das Citat entstellt und geschrieben: Säxtıoua Eyo, &r @ Bax- |
| 18703 | ⲓi⳪ⲱ, ⲭ ⲡⲱ̄ϩ AvkEoucı ⲱϩ ⲟⲩⲧⲟⲱ TEIEGHN; auch Marcus resp. |
| 18704 | lie Marcosier benutzten diese Stelle für ihre Aufstellungen, wie |
| 18705 | [renaeus Ⲓ 21, 2 (Epiph. ⲃ. 34, 20) berichtet: xal ⲧ ⲕⲉ ßöx- |
| 18706 | ⲓⲉϭⲙⲟ ⲙ̀ⲡ Indrvov xatyyyELFAaL ⲉⲓϩ UETApVOLCD, ⲧ) dt AnoAT- |
| 18707 | ⲡϩⲱϭⲓ: ⲙ̀ⲡ Incov xexoulodaı ⲉ̇ϩ ⲧⲉⲗⲉⲒⲱϭⲓⲱ • xal ⲧⲟⲟⲩ elvaı ⲉⲣ) |
| 18708 | ⲗⲉⲓ ,ϫⲁⲓ ⲁ︦ⲗⲗⲟ ⲃⲥ︦ⲡⲧⲓϭⲙⲥ ⲉⲭⲱ ⲃⲟⲗⲧ( ⲓ ⲭⲁ ⲡⲥⲱ Exel- |
| 18709 | 1 Dieselbe Stelle wird Ⲣ. Soph. p. 352 citiert. Marc. 1, 8 |
| 18710 | aennt nur die Taufe mit dem heiligen Geist. |
| 18711 | 2 Eine Nachwirkung hat m. E. diese Vorstellung auf die Pfingst- |
| 18712 | taufe Act. cap. 2 ausgeübt. Reminiscenzen finden sich auch in der |
| 18713 | Jordantaufe Jesu. |
| 18714 | ⲑ Auch hierfür bietet das Pfingstfest eine Parallele. |
| page 522 | |
| 18715 | 506 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 18716 | youarı ⲉⲓϩ ⲥⲱⲧ. Eine schlagende Parallele findet die Tauf- |
| 18717 | praxis unserer Gnostiker mit derjenigen bei den Murcioniten; dies |
| 18718 | beweisst eine Notiz bei Epiphanius Ⲛ̅. 42, 3: Ov uörop di xag |
| 18719 | aUT@ Er 20vt00V didorat,. ϩⲗ ϫⲟ) Ews T0LWOV ⲁⲟⲱⲅϩϣ, ϫⲟ) |
| 18720 | ⲉ̀ⲡⲉϫⲉⲓⲩⲁ ̀ϭⲉⲟⲧ. ϭⲓ ϫϭϩ ⲥⲧⲟ ⲧⲫ︦ ⲃⲟⲱ ⲟϣ , ⲟⲥ ϥⲣ |
| 18721 | ⲡⲟⲗⲗⲱ) ⲉⲭϫⲟϭ. Ivußkßrxe ⲧⲟⲟⲩⲧⲟ ⲉⲕϭⲓ ϭⲟⲧ ⲧⲟⲩ ⲫⲉ |
| 18722 | ϭⲓ ⲧⲓⲥ ⲗⲟⲱⲧⲣⲉ dldoadaı, dı' Yp ϫⲉⲓⲉ ⲗⲗⲉϥⲱ ϫⲟⲣⲉ TOD |
| 18723 | ⲡⲉⲧⲟⲩ ⲉⲩϧⲱⲭⲟ̀ⲧⲱϧ ⲙⲃ ϥⲥⲱ AUTOÜ ⲉϫ KAQARTONATOG ⲧⲉ ϫⲱ |
| 18724 | 80086 ⲧⲡⲉ ⲉⲓ̀ϩ ⲧ] ⲡⲥϩⲃⲟϩ ⲩⲉⲩⲉϧϥⲏⲟϥⲥ ?. Exeidn) wOeloas |
| 18725 | ir tn Savrot xöleL ip ⲡⲥⲑⲟⲓ, xal Axodpagas ⲕ du ϫⲟ‐ |
| 18726 | QAXKTOUATI ⲕⲉⲩⲟ̀ⲗϣ ⲉϩ &xevöncer ö dyügrns ̀ⲟⲱⲅϣ︦ dev- |
| 18727 | TEQOV ⲟⲩⲧⲣⲟ, ⲫ) ϭ, ⲟⲅ. "Escort Ems Top Ⲁⲟⲱⲧϩⲱ, ⲅⲟⲱⲧ‐ |
| 18728 | ⲉ̀ϭⲧⲉ TOLOV ⲃⲁⲡⲧⲓⲟⲙⲱⲩ, ⲉⲓϩ ⲥϣⲉϭⲓⲱ AauaQgTLOV dldnadaı • ⲃ) |
| 18729 | ⲉ ⲧⲓϩ RAQENEGEr ⲉϩ TO XODTOV, ⲃ) dEUTSQOV HETAKPONGAS, ϫⲟ) |
| 18730 | Toltop ⲱϭ⳪ⲧⲱϩ. ⲉⲟ ⲉ̀ KAQARTOUATL ⲕⲉⲧ TO ⲉ̀ⲅⲉⲣⲟⲱ ⲣ |
| 18731 | ϥⲧⲟⲓ. Deo db ⲑⲉ, Ira ⲧϥ) ϯⲥⲟⲧⲟ ie ⲉⲙⲥϭⲱ̀ⲟⲣ ⲉⲥ |
| 18732 | AAQAGTAGLF AUTO‘ ⲟⲩⲧⲉ TO ⲛⲉⲧⲉ to ⲡⲧⲟ ⲡϭϩ̃ⲛⲧⲱⲙⲉ ⲛⲉⲙⲏ |
| 18733 | Exadaolodn, xal ⲟⲓⲕⲟ) ⲉ dd moi ⲩⲕⲟϩⲭⲉⲓ, ⲕⲥⲟⲅⲱⲣⲥ ϫⲉⲣ |
| 18734 | ⲧⲟⲓⲧⲟⲱ ⲫⲉⲓⲣⲣⲟⲣⲱ ⲟⲉ ⲡⲓⲑⲥⲏ duvapkunp SaxatoaL, ⲟ |
| 18735 | ⲧⲟⲧⲟ di ⲧ... ⲟⲩ ⲥⲧⲟϩ ⲗⲉ, ⲟⲧⲉ ϥ⳪ Baxtıodais 6 |
| 18736 | ⲭⲙⲣⲓⲟϩ ⲙⲡ ⲧⲟϭ︦ Ⲓⲱⲉ̃ϧϧⲟⲩ ⲉ̃ⲗⲉⲩⲉ ⲅⲟⲓ̈ϩ uadnrale: „Bürtıona Ⲉⲓⲱ |
| 18737 | ⲃⲁⲡⲧⲓϭ var‘ ⲭⲓ ⲧⲓ Ⲑⲉⲗⲱ ⲉ ⲧⲉⲧ ⲗϫ ⲟⲩⲧ ϫⲟ) ⲛⲉⲙⲏ |
| 18738 | Ⲡⲟⲧ ⲓⲟ ⲭⲱ ⲡⲓⲓ ⲭ ti ⲉⲗⲱ el HOn ⲇⲀnⲟⲱ̀ϭⲱ AUTO“; Kal |
| 18739 | ⲱ ⲧⲟ dıdoraı ⲡⲗⲉⲒⲱ Barticuata kdoypatıceV.“ |
| 18740 | 1 Marcus hat sich hier eine grosse Textentstellung erlaubt, denn |
| 18741 | niemals kann er diesen Wortlaut in irgend einem Exemplar gefunden |
| 18742 | haben, |
| 18743 | ? Die Bemerkung, welche Epiph. daran knüpft, um die sittliche |
| 18744 | Reinheit des Marcion anzutasten, ist eine boshafte Entstellung der |
| 18745 | Thatsachen und eine bodenlose Verleumdung, Solche pikante Krzäh- |
| 18746 | Jungen, welche Epiph. nicht selbst erfunden hat, hatten für ihn ein |
| 18747 | besonderes Interesse und wurden mit Behagen registriert. Irenaeus, |
| 18748 | Tertullian de praesc. haer. cap. 30, adv. Marc. I, 28. I, 29, Hippolyt |
| 18749 | Philosoph. VII, 29, Eusebius, Origenes etc. müssen wider ihren Willen |
| 18750 | die strenge und aufrichtige Askese dieses Mannes anerkennen; leider |
| 18751 | haben Walch: Geschichte der Ketzereien I, pag. 490 und Beausobre: hist. |
| 18752 | du Manich. IT p. 77 dem Geschwätz des Epiph. Glauben ⲉⲑⲃ |
| 18753 | 3 Auch hier ist der Text willkürlich entstellt. |
| page 523 | |
| 18754 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 507 |
| 18755 | Hier wie in der Pist. Sophia die Berufung auf Lucas 12, 50; |
| 18756 | hier wie dort die Aufstellung von drei Taufen und ihre Anwen- |
| 18757 | dung zur Vergebung der Sünden bei aufrichtiger wetdvoıw; hier |
| 18758 | wie dort ihre Mitteilung in längeren Zwischenräumen. Sind diese |
| 18759 | drei Taufen schon von Marcion eingeführt? Dies wird man |
| 18760 | wohl bestimmt verneinen können, da Irenaeus, Tertullian, Cyprian |
| 18761 | keine Kunde von ihnen haben, denn wäre dies der Fall gewesen, |
| 18762 | so würde es ihnen grosse Freude bereitet haben, diese Ketzerei |
| 18763 | ihrem Bestgehassten entgegenzuhalten. Ihre Einrichtung gehört |
| 18764 | einer viel späteren Zeit an, als die Busspraxis laxer geworden |
| 18765 | war. Epiphanius hat sie ohne Zweifel zu seiner Zeit im Ⲑⲉ- |
| 18766 | brauche der Marcioniten vorgefunden. |
| 18767 | Sind nun ferner diese drei Taufen mit den unsrigen zu identi- |
| 18768 | ficieren? Epiphanius liefert uns die Namen derselben nicht, hat |
| 18769 | er doch seine Nachrichten nur von Gewährsmännern (ⲱϩ xa0d |
| 18770 | ⲡⲟⲗⲗⲱ Axnxoa); wenn sie auch nun vielleicht nicht die Namen: |
| 18771 | „Wasser-, Feuertaufe und Taufe des heiligen Geistes“ geführt |
| 18772 | haben, so wird jedenfalls ein Zusammenhang zu konstatieren sein '. |
| 18773 | Münter’s Vermutung (Versuch über die Kirchlichen Alterthümer |
| 18774 | der Gnostiker, Anspach 1790 S. 108), dass dieser Ritus eine |
| 18775 | dreifache Einweihung gewesen, die erste die allgemein christ- |
| 18776 | liche, durch welche die Katechumenen zum Bekenntnis der |
| 18777 | Religion aufgenommen wurden, die zweite die Aufnahme der |
| 18778 | Ⲧⲉⲗⲉⲱⲱ und die dritte vielleicht eine besondere Ordination zum |
| 18779 | Lehramt, ist ohne jede Begründung. — Zugleich giebt die Nach- |
| 18780 | richt bei Epiphanius einen chronologischen Anhalt für unsere |
| 18781 | Pist. Sophia, dass sie nämlich durchaus nicht in das zweite Jahr- |
| 18782 | hundert verlegt werden darf. |
| 18783 | Kehren wir jetzt nach dieser langen Digression zu unserer |
| 18784 | früheren Untersuchung zurück, ob die geschilderten Mysterien |
| 18785 | ein Taufsakrament vorstellen oder nicht, so müssen wir ge- |
| 18786 | stehen, dass die ganze Scene, welche der Einsetzung der My- |
| 18787 | sterien in der P. Sophia vorausgeht, auf den ersten Blick unsere |
| 18788 | Auffassung nicht bestätigt. Denn es sprechen dagegen die vier |
| 18789 | Elemente, die Jesus seine Jünger in den Höhen erblicken lässt; |
| 18790 | 1 Über die Taufen der Marcosier, wie überhaupt über das Tauf- |
| 18791 | wesen der Gnostiker werde ich später in einem besonderen Artikel |
| 18792 | ausführlicher handeln. |
| page 524 | |
| 18793 | 508 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 18794 | Feuer, Wasser, Wein und Blut, ebenso der Heinweis auf die |
| 18795 | Unterredung mit der Samariterin (Joh. 4, 10), auf die KEin- |
| 18796 | setzungsworte beim Abendmahl (Matth. 26, 28. Marc. 14, 24. |
| 18797 | Luc. 22, 20) und den Ausfluss von Wasser und Blut aus der |
| 18798 | Seite des Gekreuzigten (Joh. 19, 34); dies sind Züge, welche nur |
| 18799 | auf die Eucharistie gedeutet werden können. Noch deutlicher |
| 18800 | Jehrt uns dies das Ritual selber: Das Bringen von zwei dyy«&la |
| 18801 | und einem xor%0c0» Weins, der mit Leinwand bedeckte Topos, |
| 18802 | auf dem die heiligen Elemente stehen, die Brote gemäss der An- |
| 18803 | zahl der Kommunikanten, das Verwandlungswunder von Wein |
| 18804 | zu Wasser, das Räucherwerk, welches dargebracht wird, sind |
| 18805 | alles Momente, die entschieden für die Eucharistie sprechen, |
| 18806 | zumal da stets von der x000@00& resp. 0vola geredet wird, Aus- |
| 18807 | drücke, die in der alten Kirche bei dem Sakrament des Abend- |
| 18808 | mahls angewendet wurden. Andere Kennzeichen sprechen wiederum |
| 18809 | entschieden für das Taufsakrament, z. B. das Blasen in die Augen, |
| 18810 | die Bekleidung mit weissen Gewändern, die Bekränzung und Be- |
| 18811 | siegelung zu Anfang und am Schluss der Handlung, die Stellung- |
| 18812 | nahme beim heiligen Akte, insbesondere aber die Bezeichnung |
| 18813 | desselben als Säxtıcka und „Wasser der Lebenstaufe“, die Tauf- |
| 18814 | handlung vor Austeilung der xgoogpogd. Wir gelangen dem- |
| 18815 | gemäss zu dem wichtigen Schluss, dass diese Gnostiker das Sakra- |
| 18816 | ment der Taufe und des Abendmahls als ein Sakrament gefeiert |
| 18817 | und dabei ein sehr komplicirtes Kultusritual in Anwendung |
| 18818 | gebracht haben. Dieses Verhältnis hat Koestlin schon ϭⲉ |
| 18819 | wenn er den Akt eine Eucharistie nennt, es aber auffallend findet, |
| 18820 | dass derselbe als Taufakt bezeichnet wird. Für uns kann dies |
| 18821 | nicht auffallend sein, da wir wissen, dass in den ältesten Zeiten |
| 18822 | den Katechumenen gleich nach der Aufnahme in die Gemein- |
| 18823 | schaft der Gläubigen durch die Taufe auch das heilige Sakrament |
| 18824 | des Abendmahles mitgeteilt wurde, damit sie zu Vollbürgern ge- |
| 18825 | stempelt würden. Die griechisch-katholische Kirche hat noch |
| 18826 | diesen alten Zustand, wenn auch in kümmerlichen Formen, bei- |
| 18827 | behalten, während in der römisch-katholischen und protestan- |
| 18828 | tischen Kirche an ihre Stelle die Firmelung resp. Konfirmation |
| 18829 | getreten ist. Wir müssen freilich bedenken, dass es sich bei |
| 18830 | den Gnostikern ausschliesslich und zum grossen Teil auch in der |
| 18831 | Grosskirche um Erwachsene handelte, die spätere Kindertaufe |
| 18832 | aber eine Umänderung erforderte. |
| page 525 | |
| 18833 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 509 |
| 18834 | Noch klarer zeigt sich der Charakter des Taufsakraments |
| 18835 | durch die beiden Mysterien, welche den drei Taufen folgen, näm- |
| 18836 | lich durch das Mysterium, die Unbill der Archonten von den |
| 18837 | Jüngern zu beseitigen, und durch das yoloua VEVUATIXOD. |
| 18838 | Das erste Mysterium wird P. 66 ff. ausführlich beschrieben. |
| 18839 | Jesus lässt die Jünger ein Weihrauchfass auf Harnischkraut |
| 18840 | bauen, legt Weinzweige, Wachholder, Betel, Kuoschi?, Asbest, |
| 18841 | Achatstein und Weihrauch darauf; dann lässt er sie in leinene |
| 18842 | Kleider einhüllen, bekränzt sie mit Beifuss, giebt Weihrauch in |
| 18843 | ihren Mund und das Psephos des ersten Amens „530“ in ihre |
| 18844 | Hand. Sie müssen ihre Füsse dicht an einander stellen und vor |
| 18845 | das Räucherwerk treten, und nachdem Jesus sie besiegelt, tritt |
| 18846 | er zu dem Räucherwerk und spricht ein Gebet an seinen Vater, |
| 18847 | dass er den Sabaoth Adamas und alle seine Archegoi zwinge, |
| 18848 | ihre Unbill von den Jüngern fortzunehmen. Jesus spricht dieses |
| 18849 | Gebet gegen die vier Ecken der Welt und besiegelt die Jünger |
| 18850 | mit dem Siegel des zweiten Amens. Die Wirkung ist wunderbar; |
| 18851 | denn in demselben Augenblick kommen die Archonten und tragen |
| 18852 | ihre gesammte Unbill von ihnen fort. Als dies geschehen, |
| 18853 | waren die Jünger in sehr grosser Freude, denn jetzt erst sind |
| 18854 | sie unsterblich geworden und können Jesus in alle Topoi folgen, |
| 18855 | wohin sie wollen. |
| 18856 | Das y@loua xvevuatıxoy wird nicht mitgeteilt, dasselbe fin- |
| 18857 | den wir auch P. Sophia p. 378 erwähnt, ebenso p. 195. 291. 292. |
| 18858 | 328. 334; an letzteren Stellen werden die Seelen nach dem Tode |
| 18859 | von den sieben Lichtjungfrauen im Topos der Mitte getauft und |
| 18860 | mit diesem ⲗⲟ. ⲡⲅⲉ. gesalbt. Die Bedeutung desselben liegt |
| 18861 | auf der Hand, es ist die Salbung, welche bekanntlich in der alten |
| 18862 | Kirche und noch jetzt in der griechisch- und römisch-katholi- |
| 18863 | schen Kirche der Neugetaufte empfing; sogar der Name ist |
| 18864 | derselbe !. |
| 18865 | Das vorhin geschilderte Mysterium gehört ebenfalls dem |
| 18866 | Taufsakrament an, das ganze Ritual ist wesentlich identisch, doch |
| 18867 | 1 Die Taufe selbst führt zuweilen den Namen 7oicuo, unctio; dies |
| 18868 | war in der alten Kirche nicht auffallend, da Taufe und Konfirmation _ |
| 18869 | noch keineswegs, wie jetzt üblich, durch lange Zwischenräume in zwei |
| 18870 | Akte zerlegt waren. |
| page 526 | |
| 18871 | 510 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 18872 | fehlen die Weinbecher und Brote; von einer XE00F00H ⲓⲱ. |
| 18873 | $voia ist nicht die Rede, auch wird nirgends von einer Tank |
| 18874 | oder von einem Wunderzeichen gesprochen, sondern nur ein |
| 18875 | Räucherwerk dargebracht, und die ganze Handlung ist einfacher |
| 18876 | gestaltet. Durch dieselbe wird die Wirkung bezweckt, dass die |
| 18877 | feindlichen Archonten ihre Unbill furtnehmen. Dies erinnert |
| 18878 | uns nur zu deutlich an die Exorcismen, welche in der alten Zeit |
| 18879 | bei der Taufe eine hochbedeutende Rolle spielten, da ja alle Täuf- |
| 18880 | linge von Dämonen besessen gedacht wurden, infolge dessen ⲉ |
| 18881 | sogar eine in hohem Ansehen stehende Klasse von Exoreisten gab. |
| 18882 | Auf diese Weise wird nun unser Werk ein Dokument ersten |
| 18883 | Ranges, welches der Didache würdig an die Seite gesetzt werden |
| 18884 | kann, da es auf die Geschichte des Sakramentaliemus bedeutende |
| 18885 | Streiflichter wirft, andererseits aber das Räthsel löst, welches uns |
| 18886 | bis dahin die ganze gnostische Bewegung aufgab. |
| 18887 | Studieren wir nämlich die Ketzerbestreiter, so müssen. wir |
| 18888 | uns über diese Christen — denn Christen waren sie, und Christen |
| 18889 | wollten sie sein — und über die Herzensöde wundern, weiche |
| 18890 | ein Christentum mit sich bringen musste, welches ganz in phan- |
| 18891 | tastischen Spekulationen und abstrusen Ideen aufzugehen schien. |
| 18892 | Denn dieselben werden nicht müde, die Ausgeburten der Phan- |
| 18893 | tasie, die zahllosen Äonenwesen ihren Lesern vorzuführen und |
| 18894 | in das Lächerliche zu ziehen, gleichsam als wenn sie in uns |
| 18895 | und ihren damaligen Lesern den Glauben erwecken wollten, dass |
| 18896 | in diesen die ganze Religion der Gnostiker aufging. Und in der |
| 18897 | That ist es ihnen vortrefflich gelungen, diese Meinung. allgemein |
| 18898 | zu verbreiten; man braucht nur heute unsere |
| 18899 | Handbücher über Kirchen- und Dogmengeschichte in die Hand |
| 18900 | zu nehmen, so findet man dies in vollem Masse bestätigt. Kiner |
| 18901 | wie der andere zählt fein säuberlich die Äonenreihen der-eir- |
| 18902 | zelnen gnostischen Sekten auf, schliesst daran einige Bemer- |
| 18903 | kungen und glaubt damit der Sache Genüge gethan zu haben. |
| 18904 | Infolge dessen erscheint den gewöhnlichen Theologen; .die ⲛⲑ |
| 18905 | selten in die Lage kommen, sich näher mit dieser Erscheinung |
| 18906 | zu beschäftigen, der Gnosticismus als ein Wahnwitz, als ein |
| 18907 | unnützer Ballast, der je eher je lieber über Bord geworfen werden |
| 18908 | müsste. Sehr verhängnisvoll hat in dieser Beziehung das grosse |
| 18909 | artige und gehaltreiche Buch von Baur über die Geschichte des |
| 18910 | Gnosticismus gewirkt, der von seinem Hegelschen Standpunkt |
| page 527 | |
| 18911 | IV, Untersuchungen über die gnostischen Werke. 511 |
| 18912 | aus demselben nur ein spekulatives Interesse abzugewinnen ver- |
| 18913 | mochte, zumal da er in gewisser Hinsicht den grossen gnosti- |
| 18914 | schen Schulhäuptern sehr congenial war. Aber wie einseitig |
| 18915 | und ungerecht ist diese Betrachtungsweise! Wie wenig kann |
| 18916 | sie uns die grosse Bewegung — denn dies kann selbst von ihren |
| 18917 | erbittersten Feinden, den Kirchenvätern, nicht geleugnet werden |
| 18918 | — in ihrem ganzen Umfange begreiflich machen! |
| 18919 | Erst in neuerer Zeit hat man mit dieser Geschichtsbetrach- |
| 18920 | tung aufgeräumt und die praktisch-religiöse Tendenz in den Vor- |
| 18921 | dergrund des Interesses gerückt, ohne freilich die eigentümlich |
| 18922 | ausgebildete Metaphysik ausser Augen zu lassen. Bereits Möhler |
| 18923 | hat in einem Tübinger Programm ! diese Richtung angebahnt; |
| 18924 | seinen Spuren sind besonders G. Koffmane?, Weingarten ?, Hacken- |
| 18925 | schmidt *, Overbeck gefolgt, und Harnack (Dogmengeschichte 1? |
| 18926 | ⲉ. 186 ff.) hat diese Gedanken in genialer Weise zum Ausdruck |
| 18927 | gebracht. Obwohl diese Darstellung mannigfach bestritten 5, so |
| 18928 | möchte ich sie doch für die einzig richtige halten, da sie uns erst |
| 18929 | tiefer in das Wesen und in die Bedeutung des Gnosticismus |
| 18930 | eindringen lehrt. |
| 18931 | Der Gnosticismus birgt in seinem Schosse ein doppeltes |
| 18932 | Element, einmal einen spekulativ- philosophischen Geist, anderer- |
| 18933 | seits eine praktisch-ethische Richtung. Beide laufen nicht neben |
| 18934 | einander her, sondern sind so eng mit einander verknüpft, dass |
| 18935 | das eine ohne das andere das Wesen des Gnosticismus aufzuheben |
| 18936 | droht. Für den Ausbau der philosophischen Richtung bildete |
| 18937 | ' Versuch über den Ursprung des Gnosticismus 1831. Gesammelte |
| 18938 | Schriften Bd. I, S. 408ff. |
| 18939 | 2 Die Gnosis nach ihrer Tendenz und Organisation. Zwölf |
| 18940 | Thesen. Breslau 1881. |
| 18941 | 3 Die Umwandlung der ursprünglichen christlichen Gemeinde- |
| 18942 | organisation zur katholischen Kirche. Historische Zeitschr. Bd. 45 |
| 18943 | N. F. 1881 S. 441 ff. (besonders 460ff.). Auch hat derselbe in Aus- |
| 18944 | sicht gestellt, seine kurzen Andeutungen demnächst in einem grösseren |
| 18945 | kirchengeschichtlichen Zusammenhange auszuführen, m. W. ist dies |
| 18946 | nicht geschehen. |
| 18947 | 4 Anfänge des katholischen Kirchenbegriffs S. 83f. |
| 18948 | 5 Besonders von Hilgenfeld „Der Gnosticismus“ Z. f. wissensch. |
| 18949 | Theologie Bd. 38. 1890 1. |
| page 528 | |
| 18950 | 512 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 18951 | die damalige griechisch-römische Philosophie die Hauptquelle, |
| 18952 | aus der alle Weisheit floss; und den Kirchenvätern ist diese |
| 18953 | Thatsache keineswegs entgangen !; besonders in den Schulen der |
| 18954 | Häresiarchen (Valentin und .Basilides) scheint man mit besonderer |
| 18955 | Vorliebe die Fragen über die Entstehung der Welt und des |
| 18956 | Menschen, über Ursprung des Bösen, Verhältnis von Geist und |
| 18957 | Materie behandelt zu haben, aber sehr verkehrt wäre es, ihnen |
| 18958 | nur philosophische Interessen zuschreiben zu wollen. Denn die |
| 18959 | Excerpte, welche uns Clemens v. AL und Origenes aus ihren |
| 18960 | Schriften überliefert haben, zeigen uns deutlich, dass sie Sinn |
| 18961 | für die ethischen Fragen und religiösen Bedürfnisse der Men- |
| 18962 | schen entfalteten. Und wie wäre dies anders zu erwarten! Die |
| 18963 | Gnostiker müssten sehr thöricht gewesen sein, wenn sie auf |
| 18964 | Grundlage einer philosophischen Weltanschauung eine neue Ge- |
| 18965 | 1 Vergl. Iren. praef, 1. IT, 14, 1. — 14, 17. — 14, 18. — |
| 18966 | 17, 9. — 32, 2. — 32, 5. — 33, 2 ⲑⲃⲁ Tertallian de ⲣⲅ. haer. |
| 18967 | cap. 7: Hae sunt doctrinae hominum et daemoniorum, prurientibus |
| 18968 | auribus natae de ingenio sapientiae saecularis, quam Dominus stalti- |
| 18969 | tiam vocans, stulta mundi in confusionem etiam philosophiae ipsius |
| 18970 | elegit. Ea est enim materia sapientiae saecularis, temeraria interpres |
| 18971 | divinae naturae et dispositionis. Ipsae denique haereses a philosophia |
| 18972 | subornantur. Inde aeones, et formae nescio quae infinitae, et trinitas |
| 18973 | hominis apud Valentinum: Platonicus fuerat. Inde Mareionis deus meller |
| 18974 | de tranquillitate: a Stoicis venerat. Et uti anima interire dieatur, ab |
| 18975 | Epicureis observatur, Et ut carnis restitutio negetur, de una omnium |
| 18976 | philosophorum schola sumitur. Et ubi materia cum deo aequater, |
| 18977 | Zenonis disciplina est, et ubi aliquid de igneo deo allegatur, Hera- |
| 18978 | clitus intervenit: Eaedem materiae apud haereticos et philosophos vole- |
| 18979 | tantur, iidem retractatus implicantur. Unde malum, et quare? et ϣⲱ |
| 18980 | homo, et quomodo? et, quod proxime Valentinus proposuit: unde Deus? |
| 18981 | Scilicet de enthymesi et ectromate. Miserum Aristotelem! qui ill |
| 18982 | dialecticam instituit, artificem struendi et destruendi, versipellem in |
| 18983 | sententiis, coactam in conjecturis, duram in argumentis, operarlam |
| 18984 | contentionem molestam etiam sibi ipsi, omnia retractantem; ne ⲉⲙ |
| 18985 | omnino tractaverit. etc. cf. l. ⲥ. cap. 30. Philastrius 6ap. 38. |
| 18986 | Epiphan. h. 26, 16 und besonders Hippolyt’s Darstellung in seinen |
| 18987 | Philosophumena, doch ist dieselbe sehr einseitig und sichtlich falsch. |
| page 529 | |
| 18988 | IV... Untersuchungen über die gnostischen Werke. 513 |
| 18989 | meinschaft gründen wollten; hätten sie dies gethan, so müsste |
| 18990 | uns die Ausbreitung dieser Lehren sehr Wunder nehmen, denn |
| 18991 | auch damals stand der Mensch nicht auf einer so hohen geistigen |
| 18992 | Stufe, dass er im reinen Denken aufging und für seine Seele |
| 18993 | keine Empfindung hatte; vielmehr ist in den ersten christlichen |
| 18994 | ‚Jahrhunderten gerade das Umgekehrte der Fall gewesen. Die |
| 18995 | Philosophie hatte sich überlebt, das abstrakte Denken fand keinen |
| 18996 | Beifall mehr, darum sie sich mehr und mehr den ethischen Fragen |
| 18997 | zuwandte, ja im Neuplatonismus zu einer Philosophie des Ge- |
| 18998 | müts wurde. Wären die Gnostiker Philosophen, die sich vor allem |
| 18999 | mit solchen seltsamen Spekulationen beschäftigten, so hätte das |
| 19000 | Christentum nichts von ihrer Seite zu befürchten gehabt; sie |
| 19001 | wären ebenso wie die heidnische Philosophie fast spurlos an ihr |
| 19002 | vorübergegangen. Nun wissen wir aber, dass sie eine grossartige |
| 19003 | Propaganda trieben, nicht nur bei den Gebildeten, sondern auch |
| 19004 | in den unteren Volksschichten, besonders unter den Frauen |
| 19005 | (Iren. I, 13, 4ff.) willige Aufnahme fanden, und ihre Adepten |
| 19006 | sich nicht allein aus den Heiden, sondern vorzüglich aus den |
| 19007 | Christen rekrutierten; dies ist ja die einstimmige Klage aller |
| 19008 | Ketzerbestreiter. Die Gnostiker müssen demgemäss eine Speise |
| 19009 | ihren Anhängern gereicht haben, welche von diesen leicht verdaut |
| 19010 | werden konnte; diese kann aber unmöglich das System aus- |
| 19011 | gemacht haben, dessen Verständnis uns so grosse Schwierigkeiten |
| 19012 | bereitet. Nicht das System in allen seinen Details wurde den |
| 19013 | Mitgliedern an die Hand gegeben, sie brauchten vielmehr nur |
| 19014 | die wesentlichen Punkte auswendig zu lernen; das Übrige ver- |
| 19015 | blieb in den Köpfen der Theologen. Das Manna, welches den |
| 19016 | Gnostikern gereicht wurde, waren die Mysterien, welche aus den |
| 19017 | orientalischen Kulten geflossen sind. |
| 19018 | Sehr zu recht besteht die These von Koffmane, dass die |
| 19019 | Gnosis nicht auf dem Wege des Denkens oder Lernens zu er- |
| 19020 | langen ist, sondern in und von einer Gemeinschaft durch Weihen, |
| 19021 | Feiern, Riten etc. gespendet wird. Wohl hat der QGnostiker |
| 19022 | ein bedeutendes wissenschaftliches Streben, aber er will nicht, |
| 19023 | wie man behauptet, den Menschen durch spekulative Erkenntnis |
| 19024 | zum Heil führen. Freilich brauchen die Gnostiker dergleichen |
| 19025 | Wendungen; aber nur dann, wenn sie theoretisch den Inhalt und |
| 19026 | Wert ihrer Systeme darlegen wollen. Es handelt sich ihnen auch |
| 19027 | nicht lediglich um die Pflege esoterischer Wahrheiten. Sie empfan- |
| 19028 | Texte u. Untersuchungen ⲩⲛ 1. 3. 33 |
| page 530 | |
| 19029 | 514 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 19030 | den es, dass zur Reinigung und Läuterung der Gemüter ausser |
| 19031 | dem Wissen noch etwas anderes gehöre. Die Gnostiker wollen |
| 19032 | die Erkenntnisse verwerten als Vehikel religiös-sittlicher Hand- |
| 19033 | lungen und die Erkenntnis suchen, nicht indem man mie lernt, |
| 19034 | forscht, denkt, sondern indem man sie von einer religiösen Ge- |
| 19035 | meinschaft durch sakrale Handlungen empfängt. |
| 19036 | Welch’ treffende Illustrationen geben uns die |
| 19037 | Originalwerke an die Hand, welch’ tiefen Einblick gewähren sie |
| 19038 | uns in das ganze Leben und Treiben der Gnostiker! |
| 19039 | Mysterien, Mysterien, dies war das Losungswort; dasselbe |
| 19040 | tönt uns auf jeder Seite entgegen. Die Taufen reinigen die |
| 19041 | Sünden und machen zu Erben des Himmelreiches, die Mysterien |
| 19042 | Jehren die Probleme der Welt begreifen; nirgends findet sich |
| 19043 | ein Ausdruck für den Satz, dass man spekulieren müsse; dazu |
| 19044 | bedarf es nur gewisser Mysterien, und man hat die Gnosis ohne |
| 19045 | Mühe erlangt. Den Beweis liefern die Worte Jesu selber. Als |
| 19046 | nämlich Jesus den Jüngern auseinandersetzt, welche Kenntnisse |
| 19047 | der Inhaber des Mysteriums des Ineffabilie besitze, werden sie |
| 19048 | durch die Langweiligkeit des Stoffes so ermüdet, dass sie nicht |
| 19049 | mehr zuhören, ausgenommen nur Maria Magdalena. Da spricht |
| 19050 | er zu ihnen also: „Jetzt nun sage ich euch: Ein Jeder, welcher |
| 19051 | den ganzen Kosmos und alles, was in ihm ist, ablegen und sich |
| 19052 | der Gottheit unterwerfen wird, jenes Mysterium ist für sie leichter |
| 19053 | als alle Mysterien des Lichtreiches, und es ist besser zu begreifen |
| 19054 | als sie alle und klarer als sie alle. Wer zu der Erkenntnis jenes |
| 19055 | Mysteriums gelangt, legt diesen ganzen Kosmos und alle in ihr |
| 19056 | befindlichen Sorgen ab. Deswegen nun habe ich zu euch einst |
| 19057 | gesagt: „Alle, die ihr unter Sorgen und unter eurer Last er- |
| 19058 | müdet seid, kommet her zu mir, und ich will euch Ruhe geben, |
| 19059 | denn meine Last ist leicht und mein Joch ist sanft“. Jetzt nun |
| 19060 | legt derjenige, welcher jenes Mysterium empfangen wird, den |
| 19061 | ganzen Kosmos und die Sorge der ganzen in ihm befindlichen |
| 19062 | Hyle ab. Deswegen nun, meine Jünger, trauert nicht, indem |
| 19063 | ihr denkt, dass ihr jenes Mysterium nicht begreifen könnt. Wahr- |
| 19064 | lich, ich sage euch: Jenes Mysterium ist besser zu. begreifen als |
| 19065 | alle Mysterien, und wahrlich, ich sage euch: Jenes Mysterium |
| 19066 | ist euer und eines Jeden, der den ganzen Kosmos und alle in |
| 19067 | ihm befindliche Hyle ablegen wird* (ⲣ. 217f.). |
| 19068 | Das Mysterienwesen war die Signatur der ganzen Zeit. |
| page 531 | |
| 19069 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 515 |
| 19070 | Die alte Volksreligion war nicht mehr im stande, das Herz des |
| 19071 | Menschen zu fesseln, denn der antike Mensch war aus seinem |
| 19072 | Traume erwacht, hatte sein eigenes Ich wiedergefunden, das |
| 19073 | Individuum seinen persönlichen Wert und zugleich seine per- |
| 19074 | sönliche Verantwortlichkeit erkannt. Das Gefühlsleben forderte |
| 19075 | gebieterisch sein Recht, die Gedanken von Busse und Entsühnung, |
| 19076 | die Idee von der Unsterblichkeit der Seelen und Sehnsucht |
| 19077 | nach ewigem Leben hatten ihn mächtig ergriffen, seine sittlichen |
| 19078 | Regungen waren vertieft und vergeistigt. Es ist ein ganz ver- |
| 19079 | kehrter Standpunkt moderner Apologetik, die griechisch-römische |
| 19080 | Gesellschaft der ersten Jahrhunderte nach einigen berühmten |
| 19081 | Mustern abzuurteilen und ad summam dei gloriam die sittlichen |
| 19082 | Zustände vor Annahme des Christentums in den greilsten Farben |
| 19083 | auszumalen. Das ist eine eigentümliche Geschichtsbetrachtung; |
| 19084 | lehrt uns doch die Geschichte selber, dass den Zeiten grosser |
| 19085 | Umwälzungen nicht eine Dekadenz, sondern ein Höhepunkt |
| 19086 | vorausgeht, denn aus Schlechtem kann nur Schlechtes wieder ent- |
| 19087 | stehen. Es hiesse der christlichen Religion einen sehr schlechten |
| 19088 | Dienst erweisen, wollte man behaupten, dass sie die korrumpierte |
| 19089 | Gesellschaft in sich aufgenommen hätte. Vielmehr war die Zeit |
| 19090 | erfüllt, in der Gott seinen Eingeborenen Sohn in die Welt ge- |
| 19091 | sandt hat; der Boden war bereitet, auf dem die neue Religion |
| 19092 | tausendfältige Frucht bringen sollte, und diesen Boden bildeten |
| 19093 | die verschiedenen Kultvereine !, in denen der Mensch vermittelst |
| 19094 | geheimnisvoll wirkender Riten die Unsterblichkeit der Seele zu |
| 19095 | erlangen hoffte. Dieselben sollten die Verbindungsbrücke zwi- |
| 19096 | schen der Antike und dem Christentum bilden, und gerade darin |
| 19097 | besteht die religionsgeschichtliche Bedeutung des Gnosticismus, |
| 19098 | dass er dazu beigetragen hat, das Christentum seiner partikulär- |
| 19099 | jüdischen Stellung zu entheben und auf dem Boden der griechisch- |
| 19100 | römischen Welt zu einer Universalreligion zu stempeln. So gross |
| 19101 | aber dadurch der Gewinn war, so folgenschwer war auf der |
| 19102 | 1 cf. Friedländer: Darstellungen aus der Sittengeschichte Rom’s |
| 19103 | in der Zeit von Augustus bis zum Ausgang der Antonine. 3. Bd. |
| 19104 | 5. Aufl. — Boissier: La religion Romaine d’Auguste aux Antonins, |
| 19105 | 2 Bde. 1874. — Reville: La religion Ⲁ Rome sous les Severes 1886, |
| 19106 | deutsch von Krüger 1888. — Marquardt: Römische Staatsverwaltung, |
| 19107 | 3. Bd. 1878. — Foucart: Les associations relig. chez les Grecs 1873. |
| 19108 | 33* |
| page 532 | |
| 19109 | 516 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 19110 | andern Seite der Nachteil, denn die Religion des Geistes und der |
| 19111 | Wahrheit wurde zu einer Religion des Dogmas und Sakramen- |
| 19112 | talismus, mit einem Worte: sie wurde hellenisiert resp. säkularisiert. |
| 19113 | Am einschneidendsten. ist seine Bedeutung für die Aus |
| 19114 | bildung des sakramentalen Kultus, in dem er noch bis auf den |
| 19115 | heutigen Tag die Spuren seines Geistes hinterlassen hat, wenn |
| 19116 | auch er nicht allein der massgebende Faktor gewesen ist, son- |
| 19117 | dern das Christentum selbst sich auf dieser Linie der Entwicklung |
| 19118 | bewegte. Als das Evangelium den Heiden verkündigt wurde, |
| 19119 | überkamen sie als die heiligen Handlungen, welche der Herr |
| 19120 | selber eingesetzt hatte, die Taufe und das Abendmahl. Auf ihrer |
| 19121 | Grundlage sollte die neue Religion errichtet werden, sie sollten |
| 19122 | das Band bilden, welches die ganze Gemeinschaft umschloss; |
| 19123 | doch waren die Handlungen sehr einfach und ohne Gepränge, |
| 19124 | denn sie waren ja nur symbolisch. Aber nur zu bald änderte |
| 19125 | sich die Sache, als das Christentum auf heidnischem Boden festen |
| 19126 | Fuss fasste. Für die Heidenchristen war eine Religion im Geist |
| 19127 | und in der Wahrheit eine Thorheit; die Augen mussten |
| 19128 | das Gemüt von dem Sinnlichen gepackt, durch äusserliche Hand- |
| 19129 | Jungen und Applikationen innere Heilsgüter gespendet werden; |
| 19130 | so waren sie es gewohnt, nur so konnten sie sich in der neuen |
| 19131 | Religion wiederfinden, das Neue mit dem Alten verbinden. In |
| 19132 | verhältnismässig kurzer Zeit vollzog sich diese Umwandlung; das |
| 19133 | Symbolische verlor seinen Wert, das Objektive und Reale wurde |
| 19134 | bei Seite geschoben, das Geheimnisvolle, Mystische, Magische an |
| 19135 | ihre Stelle gesetzt und ein sinnlicher Kultus ausgebildet, in wel- |
| 19136 | chem man, wenn auch ganz verhüllt, jene erhabenen einfachen |
| 19137 | Worte Christi entdecken kann: „Gehet hin in alle Welt und lehrei |
| 19138 | alle Völker und taufet sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes |
| 19139 | und des heiligen Geistes“. Das Christentum wurde damit seines |
| 19140 | rein geistigen Charakters entäussert, es wurde für die Masse eine |
| 19141 | #votaywria; die obere Schicht war christlich, aber die untere |
| 19142 | — und sie bildete doch die Hauptsache — gediegen heidnisch. |
| 19143 | Die Taufe und das Abendmahl wurden Sakramente, Mysterien; |
| 19144 | sie galten als heilige Weihen, wie sie ja auch in ähnlicher Weise |
| 19145 | bei den Eleusinischen, Samothrakischen etc. Mysterien, besonders |
| 19146 | im Mithraskult!) in Anwendung waren, in denen durch sinnliche |
| 19147 | — an |
| 19148 | 1 Über den Mithraskult vergl. Sayous: Le taurobole in d. Rer. |
| page 533 | |
| 19149 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 517 |
| 19150 | Gegenstände, die man schmecken, riechen und fühlen kann, himmli- |
| 19151 | sche Güter mitgeteilt werden sollten. Diesen mystischen Ratio- |
| 19152 | nalismus haben insbesondere die Gnostiker eingeführt oder besser |
| 19153 | gesagt ausgebildet, die Tauf- und Abendmahlshandlungen in die |
| 19154 | antiken Mysterienweihen umgebogen. Man lese nur unser zweites |
| 19155 | Buch Jeü; welch’ antiker Geist weht uns hier entgegen! |
| 19156 | Bestimmte Formeln, heilige Symbole, geheimnisvolle Worte, |
| 19157 | magische Siegel in Hülle und Fülle, oppaytdes, wo, 6) ⲕⲟⲧⲥ, |
| 19158 | Axoloyiat, ⲉⲡⲟⲫⲉϭⲉⲓϩ, ϭⲟⲗⲡ, ⲧⲟⲡⲟⲥ Ohne Zahl, dazu bestimmte |
| 19159 | Dispositionen vor dem Akte, symbolische Handlungen während |
| 19160 | desselben (weisse Kleider, das Setzen der Füsse, vorgeschriebene |
| 19161 | Stellung beim Gebet), Bekränzungen, Errichtung von Altären, |
| 19162 | Aufstellung von Räuchergefässen, Darbringung von Weihrauch, |
| 19163 | lauter Postulate bei den heidnischen Kulten, sie finden wir herr- |
| 19164 | lich beisammen, so dass man kaum noch die Taufhandlung |
| 19165 | wiedererkennt. Das Christentum ist zu einem Kult neben den |
| 19166 | andern grossen Kulten umgewandelt, und zwar ist er der allein |
| 19167 | bedeutungsvolle, da diese Religion nach Ansicht der Gnostiker |
| 19168 | als die allein absolute galt. |
| 19169 | Auch die Sprache erinnert deutlich an das Mysterienwesen. |
| 19170 | Die Taufhandlung wird ein 4vot7QL0V genannt; der Täufling |
| 19171 | empfängt eine oppayis !, die ihn zu den Erben des Himmelreiches |
| 19172 | rechnen wird, wird während der Handlung an der Stirn besiegelt, |
| 19173 | Ausdrücke, die ja auch in der Grosskirche geläufig wurden. |
| 19174 | Dem antiken Kult ist die Auffassung von der Sünde und |
| 19175 | deren Tilgung entnommen. Die Sünde ist das Nichtexistierende, das |
| 19176 | Negative, welches durch die Archonten und Dämonen entstanden |
| 19177 | und von hier aus in ihre Geschöpfe, die Menschen gelangt ist. |
| 19178 | Diese werden jetzt von den bösen Geistern, der #ozlp@ und dem |
| 19179 | Ayrtiuınop xvEDuA gepeinigt und zur Sünde veranlasst, jene |
| 19180 | müssen ausgetrieben werden; dies kann aber nicht durch einen |
| 19181 | gerechten Lebenswandel, sondern nur durch die magisch wie |
| 19182 | . de lhist. des religions 1887 T. XVI. N. 2 p. 137—156. cf. Mar- |
| 19183 | quardt und Reville. |
| 19184 | 1 Über den Gebrauch von o@o«yis für Taufe vergl. II. Clem. |
| 19185 | ad Corinth. VII. Anm. 6 in den Patr. Apostol. Opp. von Gebhardt |
| 19186 | und Harnack, |
| page 534 | |
| 19187 | 518 IV, Untersuchungen über die gnostischen‘ Werke. |
| 19188 | ein verzehrendes Feuer wirkenden Weihen und Riten der Ge- |
| 19189 | meinschaft geschehen! (ef. p. 300. 301. 373.). Es findet durch ⲉ |
| 19190 | ein innerlich physisch und dynamisch wirkender Prosess ⲃ; |
| 19191 | eine Sinnesänderung wird nicht gewährleistet, denn sie ist ge- |
| 19192 | geben, sind doch mit einem Schlage alle Sünden, die man wie- |
| 19193 | sentlich und unwissentlich begangen hat, ausgetilgt und vernichtet. |
| 19194 | Schon hier auf Erden ist man ein unsterblicher Gott geworden. |
| 19195 | Wie man bei den alten Mysterien erst allmählich von Stufe |
| 19196 | zu Stufe in die grossen Geheimnisse eindrang, so wurden auch |
| 19197 | den gnostischen Adepten verschiedene Grade durch auf einander |
| 19198 | folgende Einweihungen zuerteilt, um ihre Würdigkeit zu prüfen |
| 19199 | (cf. Iren. I, 15, 6. I, 21, 1ff)., Nicht eine Taufe genügt, um Voll- |
| 19200 | bürger der Gemeinde zu werden, sondern es sind deren drei an |
| 19201 | der Zahl nötig; ja auch damit haben die Weiben noch kein |
| 19202 | Ende; es tritt vielmehr das Mysterium, die Unbill der Archonten |
| 19203 | zu beseitigen, das yoloua ϫϧⲉⲱⲙⲟⲅⲉϫⲟ, die Mysterien der zwölf |
| 19204 | Äonen, des Topos der Mitte und der Rechten hinzu, kurz für |
| 19205 | jede Region, welche die Seele nach dem Tode durchwandern |
| 19206 | will, bedarf sie gewisser Formeln und Apologien. |
| 19207 | Zu den höchsten Mysterien gehört dasjenige der fünf Bäume, |
| 19208 | der sieben Stimmen und des grossen Namens d.h. des grossen |
| 19209 | Lichtes, welches den Lichtschatz umgiebt; besitst man diese, so |
| 19210 | bleibt nur das höchste übrig, nämlich das Mysterium der Sün- |
| 19211 | denvergebung (P. 58). „Es ist das grosse Mysterium, welches |
| 19212 | sich in den Schätzen desInnern der Inneren befindet, und es ist |
| 19213 | das gesammte Heil der Seele. Und ein Jeder, welcher jenes |
| 19214 | Mysterium empfangen wird, ist vorzüglicher als alle Götter und |
| 19215 | alle Herrschaften aller dieser ⲟⲉ, welche die zwölf Äonen des |
| 19216 | unsichtbaren Gottes sind“. Darum muss jeder Mensch, der an |
| 19217 | den Sohn des Lichtes glauben will, dieses Mysterium empfangen, |
| 19218 | damit er xaprt&i&ı0s werde (P. 68f.). Vollzieht man dieses nur |
| 19219 | einmal, so werden alle Sünden, die man unwissentlich umd |
| 19220 | wissentlich „seit der Kindheit bis zum heutigen Tage“, ja ⲙ |
| 19221 | zur Auflösung des Bandes des Fleisches der |
| 19222 | gangen hat, ausgetilgt, man wird zum lauteren Lichte und in I |
| 19223 | Licht der Lichter aufgenommen (P. 58); denn schon auf Bırdea |
| 19224 | 1 Vergl. Harnack: Untersuchungen etc, ⲃ︦. 98f, |
| page 535 | |
| 19225 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 519 |
| 19226 | haben sie das Reich Gottes ererbt, sie haben Anteil am Licht- |
| 19227 | schatz erhalten und sind unsterbliche Götter geworden. Alle |
| 19228 | Aonen stieben vor dem Besitzer desselben davon und lassen die |
| 19229 | Seele ungeschoren, denn sie ist dywontos (P. 70ff.). Das My- |
| 19230 | sterium der Sündenvergebung vertritt hier die Stelle des Myste- |
| 19231 | riums des Ineffabilis in den drei ersten Büchern; das vierte |
| 19232 | Buch der P. S. kennt ebenfalls nur das Mysterium der Sünden- |
| 19233 | vergebung (p. 374), daneben dasjenige der sieben Stimmen und |
| 19234 | ihrer 49 Dynameis ⲣ. 37 |
| 19235 | Freilich sollte den Geweihten nicht ein allen Menschen zu- |
| 19236 | gängliches Mysterium mitgeteilt werden, denn gerade durch die |
| 19237 | Profanation hörte es auf, ein Mysterium zu sein; dies lehrten die |
| 19238 | Gnostiker und gaben sich damit als die wahren Hellenen zu |
| 19239 | erkennen. Durch die Mysterien über das profanum vulgus ge- |
| 19240 | hoben zu werden, dem &xiextöp yEvos, den tTELELOL Oder KyEv- |
| 19241 | ⲙⲁⲧⲓⲭⲟ zuzugehören, das erfüllte die Menge mit Neugierde, ergriff |
| 19242 | sie mit heiligem Schauer. Aber hierin lag die zerstörende Wir- |
| 19243 | kung des Gnosticismus, dass er die Universalreligion wieder |
| 19244 | zu einem esoterischen Geheimkult herabwürdigte. ; |
| 19245 | Infolge dessen war es notwendig, dass die Gnostiker sehr |
| 19246 | behutsam bei ihrer Propaganda auftraten, um eine Veröffent- |
| 19247 | lichung ihrer Mysterien zu vermeiden, daher sie erst lange |
| 19248 | Prüfungen vorausgehen liessen und zuerst nur einige Details |
| 19249 | mitteilten. Darum heisst es p. 377: „Aber verberget dieses My- |
| 19250 | sterium und gebet es nicht jedem Menschen, ausser demjenigen, |
| 19251 | welcher alle Dinge thun wird, die ich euch in meinen Geboten |
| 19252 | gesagt habe“. Noch grössere Kautelen? werden dem Gnostiker |
| 19253 | 1 „Nichts giebt es, was vorzüglicher ist als diese Mysterien, |
| 19254 | nach welchen ihr fragt, wenn nicht das Mysterium der sieben Stimmen |
| 19255 | und ihrer 49 Dynameis und ihre wor. Und nicht giebt es einen |
| 19256 | Namen, der vorzüglicher als sie alle ist, der Name, in dem alle |
| 19257 | Namen und alles Licht und alle Dynameis sich befinden“ etc. Der- |
| 19258 | gelbe Name wird den Jüngern P. 46 mitgeteilt. cf. P. 58 „das Myste- |
| 19259 | rium des grossen Namens d. h. des grossen Lichtes, welches den |
| 19260 | Lichtschatz umgiebt.“ |
| 19261 | 2 Ganz entgegengesetzt wird in den drei ersten Büchern eine |
| 19262 | wenig behutsame Missionspraxis empfohlen (p. 272). |
| page 536 | |
| 19263 | 530 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 19264 | im zweiten Buche Jen P. 55ff. aufgelegt: „Diese Mysterien, welche |
| 19265 | ich euch geben werde, bewahret sie und verratet sie keinem |
| 19266 | Menschen, sie seien denn ihrer würdig. Nicht verratet sie an |
| 19267 | Vater noch Mutter, nicht an Bruder noch Schwester noch Ver |
| 19268 | wandten, nicht für Speise noch Trank, nicht für eine Weibs- |
| 19269 | person, nicht für Gold noch Silber, noch überhaupt für irgend |
| 19270 | etwas dieser Welt. Bewahret sie und verratet sie überhaupt |
| 19271 | Niemandem um der Güter dieser ganzen Welt willen etc.“ Dies |
| 19272 | war ein Schwur, welchen der Neophyte nach Weise der antiken |
| 19273 | Mysterien ablegen musste, der ihn für sein Leben an seinen Kult |
| 19274 | fesselte'. Von hier aus ist die Arkandisciplin in die Grosskirche |
| 19275 | eingedrungen, der Gnosticismus hat auf diesem Gebiete den |
| 19276 | Katholieismus anticipirt 2. |
| 19277 | Wie elende Reklamehelden, wie grosse Betrüger und Gaukler, |
| 19278 | die sehr deutlich an die Figur des Peregrinus erinnern, möchten |
| 19279 | uns diese Menschen erscheinen, welche die Menge durch ihre |
| 19280 | mit grossem Bombast angepriesene Waare betrogen und das |
| 19281 | Seelenheil ihrer Anhänger gewissenlos vernichteten. Dies hiesse |
| 19282 | aber die ganze gnostische Bewegung und das Mysterienwesen |
| 19283 | der griechisch-römischen Gesellschaft sehr verkennnen. Welch’ |
| 19284 | Aberglauben, welche Roheit auch immer in ihnen einen passenden |
| 19285 | Schlupfwinkel gefunden hat, so wird man doch keineswegs dem |
| 19286 | harten Urteil der Kirchenväter und mancher heutigen Gelehrten? |
| 19287 | beipflichten dürfen; wir können uns vielmehr auf die Seite von |
| 19288 | 1 cf. Iren. prooem, cap. 2. I, 4, ⲃ. I, 24, 6 (Epiph. haer. 24, 5) |
| 19289 | ⲠⲒ 15, 2. Tertullian adv. Valent. cap. 1, adv. Valent. cap. 9. — |
| 19290 | Eusebius h. ececl. IV, 7. — Hippolyt Philosophumena V, 38 214. — |
| 19291 | 24, 216. — 27, 230. — 28, 232. |
| 19292 | 2 Dies hätte bei der Untersuchung über die Arkandisciplin fester |
| 19293 | ins Auge gefasst werden müssen. Vergl. die Untersuchungen von |
| 19294 | Rothe: de disciplinae arcani, quae dicitur, in Eccl. christ. origine, |
| 19295 | Heidelberg 1841 progr. — Von Zezschwitz: System der Katechetik |
| 19296 | Leipz. 1863 I, 154 ⲃ︦. — 'Theod. Harnack: Der christl. Gemeinde- |
| 19297 | gottesdienst im apost. u. altkathol. Zeitalter, Erlangen 1846 ⲃ 286. |
| 19298 | — Bonwetsch: Wesen, Entstehung und Fortgang der Arkandisciplin |
| 19299 | in Kahnis Z. f. d. hist. Theol. 1873 S. 203. |
| 19300 | % Foucart: les associat. relig. chez les Grecs ⲃ︦. 177. Boilssier: |
| 19301 | Ja religion Romaine Bd. I, 377. |
| page 537 | |
| 19302 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 521 |
| 19303 | Renan (les apötres, deutsche Übers. S. 239) stellen, welcher sagt: |
| 19304 | „Wenn in der griechischen Welt noch etwas Liebe, Frömmigkeit, |
| 19305 | religiöse Moral blieb, so war es der Freiheit der Privatkulte zu |
| 19306 | verdanken“. Denn ihrem eigentlichen Zwecke nach sollten sie |
| 19307 | ohne Zweifel die sittlich ethische Seite im Menschen zur Geltung |
| 19308 | bringen; die nur äusserlich verschiedenen Einweihungen und |
| 19309 | Reinigungen sollten den Menschen zum Menschen bilden, ethisch |
| 19310 | bestimmend auf sein Denken und Handeln wirken. Den meisten |
| 19311 | lag ein ethischer Charakter zu Grunde, wenn auch dieser durch |
| 19312 | das Symbolische und Rituelle stark zurückgedrängt wurde, ja |
| 19313 | dies für das gewöhnliche Volk die Hauptsache war. Erhabene |
| 19314 | Gefühle, hohe sittliche Bestrebungen wurden geweckt. |
| 19315 | Dasselbe gilt auch von den Gnostikern. Die Kirchenväter wer- |
| 19316 | den nicht müde, die grössten sittlichen Verbrechen ihren Gegnern |
| 19317 | vorzuwerfen, selbst Männer wie Marcion, Valentin, Basilides auf |
| 19318 | das Schmählichste zu verleumden; aber wir wollen mit ihnen |
| 19319 | nicht rechten, denn der Hass macht blind und sucht besonders |
| 19320 | die sittliche Intaktheit des Feindes zu verdächtigen. Wir sind |
| 19321 | weit davon entfernt, in allen Gnostikern gute und fromme Christen |
| 19322 | zu sehen, denn viele Abscheulichkeiten hatten unter ihnen, wie |
| 19323 | die Väter mit Recht berichtet haben, Platz gegriffen; ein ex- |
| 19324 | centrischer Libertinismus schien alle Bande der menschlichen |
| 19325 | Gesittung zu zersprengen. Aber fanden sich nicht viele Pestbeulen |
| 19326 | in der eigenen Gemeinde? ; |
| 19327 | Einen hohen ethischen Gehalt, einen tiefen Ernst verraten |
| 19328 | die von uns zu behandelnden Gnostiker; kein libertinistischer |
| 19329 | Zug trübt das reine Bild. Nicht jedem beliebigen Menschen |
| 19330 | wird die Gnosis an den Hals geworfen; er muss sich im Leben |
| 19331 | ihrer würdig gezeigt haben, bestimmte Voraussetzungen muss er |
| 19332 | erfüllen, genau vorgeschriebenen Anforderungen genügen. Die |
| 19333 | ︦ϫⲟⲧ⳪)ⲓ] TOVTOV ⲧⲟ ⲭⲟϭⲙⲟⲱ ist dieses gnostische Lebensideal, |
| 19334 | sie ist das ⲭ]ⲟⲱⲩⲙⲥ der gnostischen Apostel, mit dem sie sich |
| 19335 | an das Volk wandten. Alle Güter dieser Welt sind gering zu |
| 19336 | achten, denn wer sich mit ihnen beschäftigt, häuft zu seiner Hyle |
| 19337 | noch andere (p. 250) und ist rettungslos verloren. Diese ganze |
| 19338 | Erscheinungswelt erfüllte die Gnostiker mit unaussprechlichem |
| 19339 | Ekel; die Welt und der Körper waren die feindlichen Mächte, |
| 19340 | 1 ef. p. 214. 217. 218. 239. 249. 250. 251. 319. |
| page 538 | |
| 19341 | 522 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. - |
| 19342 | welche ihren Geist, ihre Seele in die niedrige Sphäre hinabzogen, |
| 19343 | darum vollkommner Bruch mit ihr; Weltflucht war die Losung |
| 19344 | d. h. ein mönchisch-asketisches Ideal, wie es auch unter den |
| 19345 | Christen eifrige Vertreter fand. Sehr deutlich spricht Jesus |
| 19346 | diesen Grundsatz auf P. 56 aus: „Nicht saget ihnen diese My- |
| 19347 | sterien des Lichtschatzes, ausser denen, welche ihrer würdig sein |
| 19348 | werden, welche die ganze Welt und ihre Götter und Ⲑⲟⲃ |
| 19349 | heiten hinter sich gelassen haben und keinen anderen Glauben |
| 19350 | besitzen ausser dem Glauben an das Licht nach Weise der |
| 19351 | Kinder des Lichtes, indem sie auf einander hören und sich ein- |
| 19352 | ander unterordnen wie Kinder des Lichtes“. Sehr häufig wird |
| 19353 | auf das apostolische Leben hingewiesen: „Jetzt nun, da ihr eure |
| 19354 | Väter und eure Mütter und eure Brüder und die ganze Welt |
| 19355 | verlassen habt und mir gefolgt seid und alle meine Befehle, |
| 19356 | welche ich euch aufgetragen, vollführt habt“ (P. 56). „Jesus |
| 19357 | hatte Mitleid mit seinen Jüngern, weil sie ihre Eltern und ihre |
| 19358 | Brüder, ihre Frauen und ihre Kinder und alle Lebensbedürfnisse |
| 19359 | dieser Welt preisgegeben hatten und ihm zwölf Jahre gefolgt waren |
| 19360 | und alle Gebote, die er ihnen gegeben, befolgt hatten. ! (P.57.c£ P.1). |
| 19361 | Jesus selbst ist das Vorbild; wie er einst gewandelt, so soll man auch |
| 19362 | jetzt seine Jungfräulichkeit und sein Kleid tragen (P.4). Selig ist nur |
| 19363 | derjenige, welcher-die Welt gekreuzigt hat und sich nicht von |
| 19364 | ihr hat kreuzigen lassen, d. h. wer sein Wort gefunden und den |
| 19365 | Willen dessen, der ihn gesandt, erfüllt hat (P. 1). Eine sittliche |
| 19366 | Lebensführung auf Grund der Herrenworte, der &yzo4al, die ⲉ |
| 19367 | seinen Jüngern gegeben hat, ist die Vorbedingung, um in die |
| 19368 | Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen zu werden. Diese |
| 19369 | &rtolai wurden den Täuflingen wie in der Grosskirche als der |
| 19370 | Sittenspiegel vorgehalten. „Und vor allen Dingen befehlet dem- |
| 19371 | jenigen, welchen ihr diese Mysterien geben werdet, nicht falsch |
| 19372 | zu schwören noch überhaupt zu schwören, nicht zu huren noch zu |
| 19373 | ehebrechen, nicht zu stehlen noch nach fremdem Gut zu begehren, |
| 19374 | nicht Silber noch Gold zu lieben, nicht den Namen der Archonten |
| 19375 | noch den Namen ihrer Engel um irgend eine Sache anzurufen, |
| 19376 | nicht zu rauben, nicht zu fluchen, nicht fälschlich zu ⲅⲉ] ϣⲱⲙ |
| 19377 | noch zu beschuldigen, sondern ihr Ja sei Ja und ihr Nein Ne, |
| 19378 | mit einem Wort sie sollen die guten Gebote ausführen“, |
| 19379 | 1 Ebenso P. Sophia ⲣ. 341. 357. 368. |
| page 539 | |
| 19380 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 523 |
| 19381 | Diese regula ist ein Stück echt christlicher Ethik, sie ist von |
| 19382 | diesen Gnostikern augenscheinlich nicht ersonnen worden, son- |
| 19383 | dern den Katechesen der Grosskirche entnommen, mit der unsere |
| 19384 | Gnostiker in sehr naher Berührung gestanden haben müssen; dies |
| 19385 | lehrt uns ein Blick in die Didache, Barnabas, Apostolische |
| 19386 | Constitutionen; ähnliche Sittenregeln finden wir in der Pistis |
| 19387 | Sophia. ! |
| 19388 | Ihren eigentümlichen Ausdruck fand die gnostische Ethik |
| 19389 | in der &yxgärteıa d. h. in der Ehelosigkeit, eine Ansicht, die nicht |
| 19390 | den Gnostikern allein, sondern einem grossen Teil der damaligen |
| 19391 | Gesellschaft eigentümlich war, da der Mensch durch Frau und |
| 19392 | Kinder zu sehr an diese Welt geknüpft, der freie Geist durch |
| 19393 | die Sorgen niedergedrückt würde?. Als reine Menschen galten |
| 19394 | diejenigen, welche sich jedes sinnlichen Genusses enthielten, daher |
| 19395 | auch Jesus spricht: „Gehet hinauf nach Galilaea und findet einen |
| 19396 | Mann oder eine Frau, in denen die Mehrzahl der Schlechtigkeit |
| 19397 | gestorben ist — wenn es ein Mann ist, der keinen Beischlaf |
| 19398 | hält, oder wenn es eine Frau ist, die mit der Weise der Frauen |
| 19399 | aufgehört hat und keinen Beischlaf macht“ (P. 59 f.). Wie dem |
| 19400 | Mönchtum, so ist es auch dem Gnosticismus ergangen; die strengste |
| 19401 | Askese musste in den schrecklichsten Antinomismus und Liberti- |
| 19402 | nismus umschlagen. Wir bedürfen in dieser Beziehung gar nicht |
| 19403 | der Nachrichten des Irenaeus, Clemens Alexandrinus und Epi- |
| 19404 | phanius. Unsere Gnostiker kennen selbst einige von ihren Brü- |
| 19405 | dern, die der exorbitantesten Unsittlichkeit anheimgefallen sind, |
| 19406 | V cf. Harnack, Untersuch, etc. S. 67f. und 70f. |
| 19407 | 2 Sehr schroff ist die These des Marcion. Clemens Alexandr. |
| 19408 | Strom. IHM, 3, 12. 13. III, 4, 25. Tertullian ad Marcion. I, 29. IV, 11. |
| 19409 | 34. III, 11. Hippolyt VIT, 80, 394. Epiph. haer. 42, 3. 4. — Tatian |
| 19410 | und Julius Cassian, Clem. Alex. Strom, III, 13, 91. 92. Philastrius |
| 19411 | cap. 48. — Saturnin Iren. I, 24, 2. Epiph. haer. 23, 2. Hippolyt |
| 19412 | VII, 28, 382. Theodoret haer. fab. I, 3. — Encratiten Iren. TI, 28, 1. |
| 19413 | Euseb. h. ⲑ. IV, 29. — Naassener Hippolyt V, 8, 160; V, 9, 170. |
| 19414 | Basilides verwarf nicht schlechthin die Ehe, wenigstens nicht sein |
| 19415 | Sohn Isidor in seinen ⲘⲎⲐⲓⲭϭ︦ bei Clem. Alex. Strom. MI. 1, 1. — |
| 19416 | Valentin hielt sie für etwas Gottgefälliges, zumal da seine Aonen |
| 19417 | in Syzygien verbunden waren cf. Clem. Al. Strom. IHN, 1. |
| page 540 | |
| 19418 | 524 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 19419 | darum sie ihnen gegenüber energisch Front machen. „Verratet |
| 19420 | sie (sc. die Mysterien) keinem Weibe oder irgend einem Men- |
| 19421 | schen, der in irgend einem Glauben an diese 72 Archonten steht, |
| 19422 | oder die ihnen dienen, noch verratet sie denen, welche der achten |
| 19423 | Dynamis des grossen Archon dienen d.h. denen, welche das |
| 19424 | Blut von der Menstruation ihrer Unreinigkeit und den Samen |
| 19425 | der Männer verzehren, indem sie sagen: Wir besitzen die wahre |
| 19426 | Erkenntnis und beten zum wahren Gott. Ihr Gott aber ist schlecht“ |
| 19427 | (P. 55). Es ist dieselbe Sekte von der im vierten Buche: der P. ⲃ |
| 19428 | (ⲣ. 386) Thomas spricht, und welche von Jesus mit den heftigsten |
| 19429 | Worten verdammt wird. Wir werden ihrer noch später gedenken. |
| 19430 | Unsere Gnostiker haben ihr Ideal mit grossem Ernst zu bewahr- |
| 19431 | heiten gesucht, und es gewinnt den Anschein, dass sie bei der |
| 19432 | Durchführung desselben nicht gescheitert sind. Wir müssen mr |
| 19433 | bedauern, dass das Christentum bei ihrer so hoch gesteigerten |
| 19434 | Ethik so verkümmerte Formen angenommen hat, zugleich ein |
| 19435 | deutlicher Beweis für die absolute Gültigkeit der christlichen |
| 19436 | Religion und für den ungeheuren Eindruck, welchen sie auf die |
| 19437 | heidnischen Gemüter ausgeübt hat, |
| 19438 | Bevor wir uns zur Eschatologie wenden, möchten wir noch |
| 19439 | einmal auf die Mysterien der Taufen, insbesondere auf die heiligen |
| 19440 | Elemente zurückkommen. Das Brot scheint wirkliches Brot ge |
| 19441 | wesen zu sein, und zwar werden ebenso viel Brote, als Täuflinge |
| 19442 | vorhanden sind, auf den Tisch gelegt. Daneben spielt der Wein |
| 19443 | eine grosse Rolle; die heiligen Gefässe heissen dyyela und ⲟⲉⲓϣ |
| 19444 | erstere dienen ohne Zweifel zur Aufbewahrung des Weines, letztere |
| 19445 | werden bei der Kommunion benutzt. Nach der Version A sind |
| 19446 | zwei dyyela Weins, zwei ⲟⲩϩⲓ Wassers und ein ⲟⲩϩⲃⲟ Weis |
| 19447 | in Gebrauch, nach B zwei dyysza und ein ⲟⲩϯϩⲟ Weins, es fehlen |
| 19448 | mithin die zwei zo7%0:@ Wassers. Letztere sind im Kultus durchaus |
| 19449 | notwendig, denn nicht Wein, sondern Wasser wurde im heiligen |
| 19450 | Abendmahl gespendet, wie ja auch von andern Gnostikern über- |
| 19451 | liefert ist.! Denn dies beweist das Wunder, welches darin be- |
| 19452 | 1 Dies war besonders bei den Encratiten und Tatlan der Fall |
| 19453 | ef. Epiph. h. 30, 16. Epiph. 46, 2. Hieronym. in Amos 2, 12 ⲉ VI |
| 19454 | P. 247. Vall. Clemens Alex. Paedag. II, 2, 832 ⲃ. Strom. I, 19, 9%. |
| 19455 | Epiph. h. 47, 1. Theodoret haer, fab. I, 20 — auch bei Mareioa |
| page 541 | |
| 19456 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 525 |
| 19457 | steht, dass der Wein zu Wasser verwandelt wird. Wir besitzen |
| 19458 | hier ein sehr altes Zeugnis für eine Art von Transsubstantiation, |
| 19459 | und es sollte uns nicht Wunder nehmen, wenn ein katholischer |
| 19460 | Gelehrter daraus für das hohe Alter derselben und für den |
| 19461 | Usus in der Grosskirche Kapital herausschlüge. Giebt es doch |
| 19462 | noch andere Zeugnisse, die für das Verwandlungswunder bei den |
| 19463 | Gnostikern sprechen; es wird z. B. bei Iren. I, 13,2 von Marcus be- |
| 19464 | richtet: x0t70(L@ ⲟϣ XEXQAUEVX ROOCKOLOVUEVOG EUXAQLOTELV |
| 19465 | xal ⲉ̀ⲡⲓ ⲡⲟⲩ ⲉ̀ϫⲧⲉϧⲱϧ ⲧⲟ̀ ⲗⲟⲩ ⲧϥⲥ &RLKÄNGEWS, ⲡⲟϩϣⲙ̀ⲣⲉϥ |
| 19466 | xal ⲉⲱⲣ dvagaivecdaı ot. In der That hat Massuet Dissert. |
| 19467 | 1. in Iren. artic. 2. 86. p. 50. 51 und Diss. 3. art. 7. $ 76. 77, p. 139 |
| 19468 | diesen Versuch gemacht, wenn er sagt: Ubi facile adverterit, |
| 19469 | quisquis tantisper anticipatis Calvinianorum et Lutheranorum |
| 19470 | opinionibus animum exuere voluerit, tam alte tunc temporis eorum, |
| 19471 | qui Christianum nomen, etiam specie tenus, profitebantur, animis |
| 19472 | illud insedisse, sacra dona, consecratione facta, in verum Christi |
| 19473 | corpus et sanguinem converti, eo conversionis genere, quae nunc |
| 19474 | transsubstantiatio dicitur, ut ii, qui legitima auctoritate ac po- |
| 19475 | testate destituti vinum in Christi sanguinem invisibili, vera ta- |
| 19476 | men ratione convertere se non posse probe sciebant, praestiglis |
| 19477 | uterentur, ut id operari se persuaderent. Age, quaeso, fac Mar- |
| 19478 | cum et eius asseclas in eucharistia nihil aliud agnovisse, quam |
| 19479 | meram Christi corporis et sanguinis figuram, eadem semper per- |
| 19480 | severante substantia panis et vini post consecrationem; ut quid |
| 19481 | tam operose studuisset, vinum album in rubrum colorem com- |
| 19482 | mutare sanguinemque desuper stillantem exhibere et praedicare, |
| 19483 | nisi Christianorum omnium ea tunc fuisset sententia, vinum con- |
| 19484 | secratione facta non manere, sed in verum sanguinem converti? |
| 19485 | Facinus hactenus in coetibus eccelesiasticis inauditum exhorruis- |
| 19486 | sent quique, nec fuisset, qui eo liquore, qui sanguinem retulisset |
| 19487 | quemque verum esse sanguinem iactasset impostor, labia cruen- |
| 19488 | tare non refugisset; quum tamen ex Irenaeo constet, nullum |
| 19489 | fuisse, qui ex eo gustare non gestiret. Adeo infixa erat omnium |
| 19490 | Christianorum animis ea sententia, eucharistiam verum Christi |
| 19491 | corpus et sanguinem esse“. Wie grundfalsch eine solche Be- |
| 19492 | Epiph. h. 42, 3. Tertull. adv. Marc. I, 14. Vergleiche Harnack: Brod |
| 19493 | und Wasser: Die eucharistischen Elemente bei Justin in d. Texten |
| 19494 | und Untersuchungen VII. Bd. Heft 2. S. 117. |
| page 542 | |
| 19495 | ⲃ IV. Untersuchungen über die guostischen Werke |
| 19496 | haunptung ist. wird jedem denkenden Leser klar sein, deun gerade |
| 19497 | das Gegenteil von dem, was Massuet beweisen will, kann ⲙⲙ |
| 19498 | aus den Worten des Irenaeus entnehmen. Man stelle sich zur |
| 19499 | vor, dass schon in der Grosskirche der Transsubstantialione- |
| 19500 | gedanke herrschend gewesen, hätte er dann wohl mit so beisser- |
| 19501 | dem Spott das Treiben des Marcus gegeisselt? M. Ⲕ gewiss nicht. |
| 19502 | Auch hier ergiebt sich eine Thatsache, die wir schon öfters be- |
| 19503 | tont haben, dass nämlich der Gnosticismus den Katholicismus |
| 19504 | anticipiert hat, u. z. in erhöhtem Masse bei der Lehre von den |
| 19505 | Sakramenten, denn er hat Taufe und Abendmahl unter den Ge- |
| 19506 | sichtspunkt der antiken Mysterien gestellt, hat neue Sakramente |
| 19507 | hinzugefügt (Salbung, wiederholte Taufen) und den Kultusdienst |
| 19508 | eingeführt, ebenso auch die Transsubstantiationsidee.. Auch in |
| 19509 | den Excerpta ex Theodoto ⲃ 82 tritt sie hervor: ϫⲁ) ö ⲉ̄ϩⲅⲟϩ ϫⲟ |
| 19510 | ⲧ ⲉⲗⲥⲓⲟⲩ Gyıäberaı ⲧϥ̄ ϧⲟϧ To ‚Svöparos ⲟ ⲅⲉ ⲉⲉⲛ |
| 19511 | Örta ⲭⲟⲧ ⲧⲟ̂ qaıvopevovp ola Eingdn, ⲗ. durapueı ⲉϩ düvapıy |
| 19512 | AVEULATIKN,D HETAßEBANTAL' OUTAG ϫⲟ TO dmg ϫⲱ) TO ⲟϣⲉ |
| 19513 | ϧⲟⲩ ϫⲟⲓ TO BAKTIOUA YLVÖLEVOP ⲟⲩ HÖVOV XWOE TO XElQ0P, ⲀϤ ⲱ |
| 19514 | &/ıacyöp ϫⲣⲟϭⲗⲟⲕⲃⲥϧⲉⲓ. Solche Gedanken findet man in dieser |
| 19515 | Zeit noch keineswegs in der Grosskirche; man müsste denn zu |
| 19516 | dem berühmten Heilmittel der disciplina arcana seine. Zuflucht |
| 19517 | nehmen. |
| 19518 | D. Eschatologie. |
| 19519 | Unsere bisherigen Quellen geben uns über die gnostische |
| 19520 | Eschatologie nur wenig Auskunft‘; „dies ist nicht auffallend; |
| 19521 | denn die Gnostiker hatten über dieselbe nicht viel zu sagen, reıp. |
| 19522 | was sie zu sagen hatten, kam bereits in ihrer Lehre von der |
| 19523 | Entstehung der Welt und von der Erlösung durch Christas zum |
| 19524 | Ausdruck, Wir erfahren, dass „Apelles’ regula ? mit den Worten |
| 19525 | ϣⲉⲙ :hlossen hat: ⲉ̀ⲧⲡⲧϥ ⲉⲓϩ ⲟⲓ̀ϭⲃⲟ̀ϩ ⲟⲩⲑⲉ ⲕⲱ ⲕⲉ (statt S0w |
| 19526 | ⲟⲗⲉⲧϭⲓ XOTVaL Ϩⲱ︦ⲧϭϩ ⲕ⳪) vEXQgOVG); Wir wiesen, dass Marcion, der |
| 19527 | hier schon genannt werden darf, die ganze urchristliche eschatole: |
| 19528 | gische Erwartung in das Gebiet des Judengotts verwiesen hat,? und |
| 19529 | ' ef. Harnack, Dogmengesch. I? ⲃ. 228 x |
| 19530 | 2 cf. Harnack in den Patrum apostol. opp. L 8. 140. |
| 19531 | * Tertullian ad. Marc. I, 27. 28. II, 28. IV, 29. |
| page 543 | |
| 19532 | IV. Untersuchungen über die guostischen Werke. 527 |
| 19533 | wir hören, dass Gnostiker (Valentinianer) die Worte ϭϭϩⲭⲟⲩϩ |
| 19534 | AvydoTAadıp beibehalten, aber so gedeutet haben, dass man in diesem |
| 19535 | Leben auferstehen, d. h. die Wahrheit erkennen müsse ⲃⲟ setzten |
| 19536 | sie auch an Stelle der „resurrectio mortuorum‘“ die „resurrectio |
| 19537 | a mortuis“ d. h. die Erhebung über das Irdische; s. Iren. II, 1 |
| 19538 | Tertullian de resurr. carnis 19. Während die christliche Über- |
| 19539 | lieferung ein grosses Drama an das Ende aller Geschichte ge- |
| 19540 | stellt hat, ist den Gnostikern vielmehr die Geschichte das Drama, |
| 19541 | welches im Grunde bereits mit der (ersten) Erscheinung Christi |
| 19542 | schliesst. Mögen auch nicht alle Gnostiker der Meinung gewesen |
| 19543 | sein, „die Auferstehung sei schon geschehen“, so scheinen doch |
| 19544 | die Zukunftserwartungen für die Meisten ganz blass und vor |
| 19545 | Allem bedeutungslos gewesen zu sein. So sehr ist das „Leben“ |
| 19546 | in die Erkenntnis mit eingeschlossen, dass uns in den Quellen |
| 19547 | nirgends ein kräftiger Ausdruck der Hoffnung auf ein jen- |
| 19548 | seitiges Leben entgegentritt und jene Einführung der Geister in |
| 19549 | das Pleroma sehr unsicher und vage erscheint. Es ist aber hoch |
| 19550 | bedeutsam, dass diese Gnostiker, die nach ihren Prämissen als |
| 19551 | höchstes Gut die reale Erlösung von der Welt fordern, in Bezug |
| 19552 | auf solche Erlösung schliesslich in derselben Unsicherheit und |
| 19553 | religiösen Muthlosigkeit stecken geblieben sind, welche die grie- |
| 19554 | chischen Philosophen charakterisirt. Eine Religion, die Religions- |
| 19555 | philosophie ist, bleibt eben schliesslich immer im Diesseits haf- |
| 19556 | ten, mag auch der Kontrast des Geistes mit seiner Umgebung |
| 19557 | noch so stark betont und die Erlösung sehnsüchtig verlangt |
| 19558 | werden. An die Stelle des Wunsches nach Erlösung schiebt |
| 19559 | sich unbemerkt die Freude des Denkers an seiner Erkenntnis, |
| 19560 | und diese stillt ihm den Wunsch (Iren. III, 15,2). Wie in aller |
| 19561 | Religionsphilosophie tritt auch hier ein Moment der Freigeisterei |
| 19562 | sehr deutlich auf. Die eschatologischen Hoffnungen haben nur |
| 19563 | . durch die Überzeugung kräftig erhalten werden können, dass |
| 19564 | die Welt Gottes sei. Schliesslich sei aber darauf hingewiesen, |
| 19565 | dass gerade auch in der Eschatologie der Gnosticismus nur die |
| 19566 | Konsequenzen von Ansichten gezogen hat, die von allen Seiten in |
| 19567 | die Christenheit eindrangen und ihre Zukunftshoffnungen in |
| 19568 | steigendem Masse gefährdeten. Übrigens wurde doch in einigen |
| 19569 | 1 cf. Massuet dissertatio ad Iren. I. Artic. 3, $ 2. — Heu- |
| 19570 | mann: Vermischte Bibliothek, Hamburg Tom. I, p. 147. |
| page 544 | |
| 19571 | 328 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 19572 | valentinianischen Kreisen das zukünftige Leben als ein Zustand |
| 19573 | der Erziehung betrachtet, als ein Fortschritt durch die Reihe |
| 19574 | der (sieben) Himmel, resp. es wurden zukünftige Läuterungen |
| 19575 | angenommen. Beides ist nachmals — von Origenes ab — in die |
| 19576 | kirchliche Lehre eingedrungen (Fegefeuer, verschiedener Rang im |
| 19577 | Himmel), wie denn überhaupt die valentinianische Eschatologie |
| 19578 | stark auf Clemens und Origenes eingewirkt hat.“ |
| 19579 | Mit diesen schönen Worten hat Harnack kurz, aber scharf- |
| 19580 | sinnig die eschatologischen Hoffnungen der Gnostiker charak- |
| 19581 | terisiert. Aber ich möchte befürchten, dass derselbe ihnen, da er |
| 19582 | zu sehr den religionsphilosophischen Standpunkt betont, in einem |
| 19583 | Punkte nicht ganz gerecht geworden ist. Denn m. E. hat der |
| 19584 | Gnosticismus niemals eine Religionsphilosophie im eigentlichen |
| 19585 | Sinne des Wortes sein wollen, es möchte dies vielleicht bei |
| 19586 | einigen spekulativ angelegten Schulhäuptern der Fall gewesen |
| 19587 | sein; aber in seiner ganzen Erscheinung — und nur in dieser ist er |
| 19588 | religionsgeschichtlich von Bedeutung gewesen — war er eine |
| 19589 | tief religiöse Bewegung, die, von hellenischem Geiste getragen, die |
| 19590 | hellenistisch gebildete Gesellschaft der alten Welt für ihre eigen- |
| 19591 | tümlich gefärbte christliche Religion zu gewinnen suchte und in |
| 19592 | der That eine Zeit lang diese ihre Aufgabe mit grossem Erfolg |
| 19593 | durchgesetzt hat. |
| 19594 | Hohe Erwartungen hatten damals die Gemüter der ersten |
| 19595 | Christen erfüllt und ihnen jenen bewundernswürdigen Enthusias- |
| 19596 | mus, jene beispiellose Todesfreudigkeit verliehen, die sie all |
| 19597 | Leiden dieser Welt vergessen machte. War der Christ doch hier |
| 19598 | auf Erden seiner ewigen Seligkeit gewiss, wusste er sich doch |
| 19599 | nach seinem Tode in dem Schosse Abrahams geborgen, um in |
| 19600 | jenen Lichthöhen das Antlitz Gottes des Vaters und seines Kir- |
| 19601 | geborenen Sohnes schauen und in ewiger Glückseligkeit leben |
| 19602 | zu können. Das Ende der Welt sei nahe, -— dies war sein felsen- - |
| 19603 | fester Glaubenssatz; — dann würde des Menschen Sohn in dem |
| 19604 | herrlichsten Lichtglanze zum zweiten Male in die Welt kommen, |
| 19605 | zu richten die Lebendigen und die Toten; dann würde alles |
| 19606 | Fleisch leibhaftig auferstehen, ein allgemeines Weltgericht ⲓⲙ |
| 19607 | finden, ein tausendjähriges Reich unter Jesu Christi Herrschaft |
| 19608 | errichtet werden.! Diese sinnlich apokalyptischen Hoffnungen |
| 19609 | 1 ef. Iren. fünftes Buch. |
| page 545 | |
| 19610 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 529 |
| 19611 | bildeten das Erbe, welches das Judentum der neuen Religion hinter- |
| 19612 | Jassen hatte; der Gnosticismus hat sie von demselben befreit, |
| 19613 | denn ein notwendiges Postulat seiner hellenischen Weltanschauung |
| 19614 | war das Abstreifen aller sinnlichen Momente. Wie wäre es mög- |
| 19615 | lich, dass der zum Vater zurückgekehrte Jesus in leibhaftiger |
| 19616 | Gestalt herniedersteigen würde, da ein Lichtwesen nicht körper- |
| 19617 | lich gedacht werden kann? Wie wäre es denkbar, dass die Ver- |
| 19618 | storbenen aus ihrem Grabe auferstehen und die Seelen in den |
| 19619 | früheren Leib zurückkehren sollten, da dieser gerade ihr natür- |
| 19620 | licher Feind, ein Produkt der Materie ist!? Diese Vorstellungen |
| 19621 | mussten alle eschatologischen Hoffnungen der Christen negieren; |
| 19622 | aber es wäre ein voreiliger Schluss, die Behauptung aufstellen |
| 19623 | zu wollen, dass bei den Gnostikern dieselben sehr verblasst, ja |
| 19624 | durch die Spekulation ganz begraben wären. Auch für sie gab |
| 19625 | es sichere Bürgschaften, auch sie glaubten an ein zukünftiges |
| 19626 | Leben nach dem Tode; dies lehren uns ganz deutlich die herr- |
| 19627 | schenden Mysterienkulte, die Taufen und die Spekulationen über |
| 19628 | den Wert derselben für das künftige Heil. Aber — und darin |
| 19629 | besteht der Unterschied — der Gnostiker war ein Hellene; als |
| 19630 | die Errungenschaft seiner griechischen Philosophie galt der Satz, |
| 19631 | dass die Seele unsterblich sei, ein Gedanke, den man in dem |
| 19632 | Kult- und Mysterienwesen zum kräftigen Audruck gebracht |
| 19633 | hatte. Was hier begonnen, aber noch heidnisch verbrämt war, |
| 19634 | hat der Gnostiker in ein christliches Gewand gekleidet. Auch hier |
| 19635 | zeigt sich der Gnosticismus als der Träger jener grossen Kultur- |
| 19636 | aufgabe, das Christentum mit den Ideen des Hellenismus zu durch- |
| 19637 | I Diese These ist von allen Gnostikern verfochten. Einige Bei- |
| 19638 | spiele werden genügen: Valentin: Tertullian de praescr. haer. cap. 33. |
| 19639 | Epiph. h. 31, 7. Philastrius cap. 38. — Basilides: Tren. I, 24, 5. |
| 19640 | Pseudo-Tertull. cap. 46. — Carpocrates: Pseudo-Tertullian cap. 48. |
| 19641 | Philastrius cap. 35. Iren. II, 31, 2. — Saturnin: Iren, I, 24, 1. |
| 19642 | Philastr. cap. 31. Tertull. 1. c. cap. 46. — Cerinth: Epiph. h. 28, 6. |
| 19643 | — Cerdo: Pseudo-Tertullian cap. 71. Epiph. h. 41, 1. — Marcion: |
| 19644 | Iren. I, 27, 3. Tertullian de praeser, cap. 33. — Apelles:;: Pseudo- |
| 19645 | Tertullian cap. 71. Tertullian de praeser. haer. cap. 33. Hie- |
| 19646 | ronymus epist. 38 ad Pamm. (Opp. I, 36.) — Ophiten: Epiph. h. |
| 19647 | 26, 9. 15. Pseudo-Tertull. cap. 57. |
| 19648 | Texte u. Untersuchungen VII, 1, 2. 34 |
| page 546 | |
| 19649 | 530 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 19650 | dringen und auf diese Weise jenen weltgeschichtlichen Prozess |
| 19651 | der Hellenisierung des Christentums zu beschleunigen. Von |
| 19652 | diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, erkennen wir mit klaren |
| 19653 | Augen, aus welchen Gründen der Gnosticismus die jüdisch-apoka- |
| 19654 | lyptischen Hoffnungen verworfen, an ihre Stelle aber den Un- |
| 19655 | sterblichkeitsglauben der Seele gesetzt hat. Die Seele macht |
| 19656 | den Adel der menschlichen Natur aus, sie ist ein kostbares |
| 19657 | Kleinod, welches dem Menschen als ein teures Erbstück seit |
| 19658 | jenem verhängnisvollen Sündenfalle überkommen ist, welches ihn |
| 19659 | an seine höhere Bestimmung gemahnt. Ist doch die Seele ein |
| 19660 | Teil der göttlichen Substanz selber, darum das Bindeglied dieser |
| 19661 | und jener Welt. Um sie aus den Banden der Materie und des |
| 19662 | Körpers zu lösen und ihr die Rückkehr nach der Urheimat zu |
| 19663 | ermöglichen, ist Jesus auf die Erde herniedergestiegen.! Das ist |
| 19664 | gnostisch und, fügen wir gleich hinzu, hellenisch. |
| 19665 | Wie deutlich liegt in unseren gnostischen Werken diese |
| 19666 | hellenische Weltanschauung ausgesprochen! Vergebens suchen |
| 19667 | wir einen Ausspruch, der uns zur Annahme einer Erlösung des |
| 19668 | Körpers, eines Auferstehungsglaubens berechtigt. Über das gap |
| 19669 | und dessen Schicksale weiss der Gnostiker nichts zu sagen, es |
| 19670 | bleibt auf Erden; die Seele dagegen legt den ihr lästigen yezoiv |
| 19671 | ab, zersprengt die Banden, welche sie an das Fleisch der «ixao- |
| 19672 | MEvn fesselt; die dienstbaren Geister des guten Princips, die |
| 19673 | xagainurtAaı des Lichtes? nehmen sie in Empfang und führen |
| 19674 | sie zu den herrlichen Lichthöhen, zu dem Topos der Ruhe und |
| 19675 | des Schweigens. Ohne Anstrengung überwindet sie die feind- |
| 19676 | lichen Weltmächte; die Mysterien mit ihren opgayldeg, dxodo- |
| 19677 | ylaı, AnopAGEIZ, ϭⲕⲃⲟⲗ⳪, OXHUATA und YäDOL, welche sie auf |
| 19678 | Erden empfangen, bezeichnen sie als Sohn des Lichtes, als Herr- |
| 19679 | scher der unteren Regionen, denn „sie hat die Welt gekreuzigt |
| 19680 | und sich nicht von ihr hat kreuzigen lassen“ und „den Himmel nach |
| 19681 | unten und die Erde nach oben getragen“. Dieses Schicksal tziffi |
| 19682 | freilich nur diejenigen Seelen, welche die wahre Lehre empfangen, |
| 19683 | welche der Taufen und Mysterien, die zum Lichtschatz führen, teil- |
| 19684 | haftig geworden sind und alle Befehle Jesu vollführt haben; |
| 19685 | 1 Man lese zu diesem Zwecke die Einleitungsworte des Buches Joel. |
| 19686 | ? ef. Ⲣ. Soph. p. 106. 192. 198. 2.. |
| page 547 | |
| 19687 | 1V. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 531 |
| 19688 | die sündigen Seelen aber werden von den Archonten und in der |
| 19689 | Unterwelt (s. o.) gepeinigt und teils von der Lichtjungfrau zu |
| 19690 | der Metensomatose zurückgeführt oder bei groben Sünden sofort |
| 19691 | der ewigen Verdammnis anheimgegeben. ! |
| 19692 | Die Erlösung hat zwar durch Jesum stattgefunden, aber sie |
| 19693 | wird erst in der Zeit zur Vollendung kommen; er selbst kehrt |
| 19694 | bald zu seinem Vater zurück (p.20. 254. 302.), um hier ein Reich |
| 19695 | zu gründen. Auch insofern hat Jesus noch nicht sein grosses |
| 19696 | Erlösungswerk vollendet, als er freilich die Macht der Archonten |
| 19697 | der Äonen geschwächt, aber noch keineswegs gänzlich gebrochen |
| 19698 | hat. Noch immer muss die Überleitung ihres Lichtstoffes zur |
| 19699 | Erschaffung von Menschenseelen fortgesetzt werden, damit die |
| 19700 | Archonten ihrer höheren Lichtelemente entleert, die Abhängig- |
| 19701 | keit von dem Unendlichen wieder hergestellt und die entstandenen |
| 19702 | Seelen zum Teil für das Lichtreich gewonnen werden. „Länger |
| 19703 | als bis diess vollbracht ist, dauert die gegenwärtige Ordnung |
| 19704 | der Dinge nicht, weil nur diese Herstellung der Einheit und |
| 19705 | Harmonie im Universum das Ziel der göttlichen Weltregierung, |
| 19706 | der mit dem Wesen des göttlichen Urprincips als der Alles aus |
| 19707 | sich hervorbringenden und in sich zurücknehmenden Einheit von |
| 19708 | selbst gegebene eine und letzte Endzweck sein kann; nicht eine |
| 19709 | fort und fort ins Unendliche sich mehrende, sondern nur eine |
| 19710 | so grosse Zahl von Menschenseelen, als zur Erreichung jenes |
| 19711 | Zweckes erforderlich ist, soll ins Dasein treten und auch von |
| 19712 | diesen nur eine schon zum Voraus festgesetzte Anzahl zur wirk- |
| 19713 | lichen Wiedervereinigung mit dem Lichtreich gelangen“ (Koestl.). |
| 19714 | Echt gnostisch ist die Ansicht, dass nur eine bestimmt vorher |
| 19715 | praedestinierte Anzahl von Seelen, die dot 3ϭⲓϩ od. doıtduOS TOP |
| 19716 | TELELwrp ⲯⲱⲭⲱⲩ (ⲣ. 33. 37. 39. 40. 76. 89. 194. 195. etc.) der Selig- |
| 19717 | keit teilhaftig sein werden d.h. die Seelen der Gnostiker. Diese |
| 19718 | Zahl ist die Vollendung des ersten Mysteriums (p. 15. 354.) |
| 19719 | Wie gross diese Zahl sein wird, ist nicht angegeben, ebenso |
| 19720 | wenig die Zeit der Vollendung. Vielleicht aber lässt sich dieselbe |
| 19721 | durch die Notiz (p. 243 ff.) genauer bestimmen, dass nämlich Jesus |
| 19722 | 1000 Jahre entsprechend den Jahren des Lichtes als König über |
| 19723 | 1 Über das Schicksal der guten und schlechten Seelen werde |
| 19724 | ich nicht ausführlich handeln, da es wenig Interesse bietet. |
| 19725 | 34* |
| page 548 | |
| 19726 | ⲩⲩ ⲩ ⲩ . .. . |
| 19727 | 532 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 19728 | alle zooßolal des Lichtes und alle Seelen, welche die Mysterien |
| 19729 | empfangen haben, in der Mitte des letzten zxagasctdrng herrschen |
| 19730 | wird. Diese 1000 Jahre des Lichtes entsprechen 365000000 Jahren |
| 19731 | des Kosmos, da ein Tag des Lichtes 1000 Jahre des Kosmos aus- |
| 19732 | macht. Hieraus ergiebt sich, dass die Zeit der Vollendung noch |
| 19733 | eine ungeheure Zeit in Anspruch nehmen wird; zugleich er- |
| 19734 | kennen wir einen Rest jener altchristlichen Vorstellung vom |
| 19735 | tausendjährigen Reich Christi auf Erden, nur mit dem Unter- |
| 19736 | schiede, — und dies ist beachtenswert — dass die Gnostiker dieses |
| 19737 | Reich infolge ihres Spiritualismus in ein himmlisches umgeselzt |
| 19738 | haben. |
| 19739 | Dass nach der Pist. Sophia noch ein langes Zwischensta- |
| 19740 | dium zwischen der Rückkehr Jesu zum Vater und der Sammlung |
| 19741 | der Seelen liegt, zeigt deutlich p. 89, wenn es heisst: „Wahrlich |
| 19742 | ich sage euch, wenn die vollkommene Zahl vollendet ist und das |
| 19743 | All auffährt, werde ich im Lichtschatze sitzen, und ihr werdet |
| 19744 | auf zwölf Lichtkräften sitzen, bis wir alle Taxeis der zwölf ϭⲱ |
| 19745 | ⲃⲟⲉⲥ in den Topos der xAingovolulaı eines jeden von ihnen |
| 19746 | zurückversetzen (dxoxadıctdvar)“. — Das vierte Buch der P. 8. und |
| 19747 | die beiden Bücher Jeü kennen nur ein sofortiges Eingehen der |
| 19748 | Seele in den Lichtschatz. |
| 19749 | Die ϭⲱϧⲧ ⲉⲓⲥ ⲧⲟⲩⲧⲟ ⲧⲟⲟ aldivos ! (ⲣ. 188. 180. 194. 195) |
| 19750 | zerlegt sich in zwei Akte, in die evectio universi od. wvy@r |
| 19751 | (ⲣ. 76. 89. 189. 194. 220 ete.) und in die solutio universi od. |
| 19752 | xö0uov od. ⲭⲉⲟϭϭⲙⲟⲩ (ⲣ. 76. 206. 259. 271). Beide Akte fallen |
| 19753 | in die Zeit des letzten Weltdramas, u. z. geht die eveotio universi |
| 19754 | der solutio universi voraus. |
| 19755 | Am Ende der Tage findet keine Parusie des Erlösers statt; |
| 19756 | er verschliesst die Thore des Lichtes, damit Niemand seit dieser |
| 19757 | Zeit hinein- und herausgehen kann, denn jetzt wird er an den |
| 19758 | Kosmos Feuer anlegen, damit dasselbe die Aonen und die Vor- |
| 19759 | hänge und die Firmamente und die ganze Erde und alle in ihr |
| 19760 | befindlichen Hylen reinige; u. z. geschieht dies zu einer Zeit, |
| 19761 | wo das Menschengeschlecht noch existiert. In jenen Tagen werden |
| 19762 | sich sehr viel die ⲡϭⲅⲉϩ und die ⲙⲱϭⲉⲩⲣⲉⲥ offenbaren, und |
| 19763 | einige Seelen, die vermittelst der Metensomatosen zum Kosmos |
| 19764 | ! Der Ausdruck findet sich in den Evangelien nur bei Matth. |
| 19765 | 13, 39. 40. 49; 24, 3; 28, 20 und Hebr. 9, 26. |
| page 549 | |
| 19766 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 533 |
| 19767 | gelangt sind, werden daselbst die Mysterien des Lichtes finden |
| 19768 | und sich zum Lichtschatz begeben wollen, aber dann ist es zu |
| 19769 | spät. Denn sobald sie an die Thore anklopfen und sagen: |
| 19770 | „O Herr, öffne uns“, wird Jesus zu ihnen sprechen: „Ich kenne |
| 19771 | euch nicht, woher ihr stammt“. Dann antworten sie: „Wir haben |
| 19772 | von Deinen Mysterien empfangen und Deine ganze Lehre vollendet, |
| 19773 | und Du hast uns auf den Strassen belehrt“. Jesus erwidert: |
| 19774 | „Ich kenne Euch nicht, wer ihr seid, die ihr die Missethat und |
| 19775 | das Böse bis jetzt vollführt, deshalb gehet zu der äussersten Fin- |
| 19776 | sternis“. Und in demselben Augenblick werden diese in die |
| 19777 | äusserste Finsternis gehen, an den Ort, wo Heulen und Zähne- |
| 19778 | klappern ist (p. 317 ff.). |
| 19779 | Jetzt gehen die vollkommenen Seelen in den Ort der xAn- |
| 19780 | oovoulaı des Lichtes ein, um daselbst in ewiger Seligkeit an |
| 19781 | der dyaxavoıs teil zu haben. Eine jede „gelangt in Gemässheit |
| 19782 | der Höhe des geistigen Lebens, zu dem sie sieh hier auf Erden |
| 19783 | aufgeschwungen, zur Befriedigung der Sehnsucht nach Erkenntniss |
| 19784 | des Universums und insbesondere der höchsten Regionen desselben“ |
| 19785 | (Koestl.) und erhält ihren bestimmten Platz im Reiche angewiesen |
| 19786 | (p. 196. 202 ff. 233. 244. 303 ff.); die unterhalb von ihr befindlichen |
| 19787 | Regionen kann sie betreten, aber nicht die oberhalb gelegenen. |
| 19788 | Daher können diejenigen Seelen, welche das Mysterium im ersten |
| 19789 | Gebot empfangen haben, nur die Taxeis des dritten yOoEnuUA be- |
| 19790 | suchen, ebenso die, welche das Mysterium des ersten Mysteriums |
| 19791 | d. h. des vierundzwanzigsten Mysteriums oder das Mysterium in |
| 19792 | den Taxeis der 24 Mysterien oder das in den Taxeis des ersten My- |
| 19793 | steriums d. h. im dritten ⲭⲱ ⲫ) etc. empfangen haben. „Und wer |
| 19794 | das audErytEs WvOTNOLOP des ersten Mysteriums des Ineffabilis |
| 19795 | empfangen hat d.h. die zwölf Mysterien nach einander des ersten |
| 19796 | Mysteriums, welche über alle wo uata des ersten Mysteriums |
| 19797 | herrschen, wer nun jenes Mysterium empfangen wird, hat die |
| 19798 | Macht, alle Taxeis der drei ⲱⲣ ⲕⲥⲧϭ der toLKZVELLATOL und die |
| 19799 | drei xo0NKATA des ersten Mysteriums und alle ihre Taxeis an- |
| 19800 | zuschauen; und er hat die Macht, alle Taxeis der x4n0oovoulaı |
| 19801 | des Lichtes anzuschauen, und sie von aussen bis innen und von |
| 19802 | innen bis aussen und von oben bis unten und von unten bis |
| 19803 | oben und von der Höhe bis zur Tiefe und von der Tiefe bis zur |
| 19804 | Höhe und von der Länge bis zur Breite und von der Breite bis |
| 19805 | zur Länge anzuschauen. . . Und er hat die Macht, in dem Topos |
| page 550 | |
| 19806 | 534 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 19807 | zu bleiben, der ihm in der xAngovogla des Lichtreiches gefällt; |
| 19808 | und wahrlich ich sage euch: Jener Mensch wird bei der Auf- |
| 19809 | Jösung des Alls König über alle Taxeis der xAngovopla sein“ |
| 19810 | (ⲣ. 202 ⲃ.) Den höchsten Rang nehmen die Besitzer des My- |
| 19811 | steriums des Ineffabilis ein, durch dieses erhalten sie Einsicht in |
| 19812 | den Grund und Zweck der Schöpfung, in die Entstehung aller |
| 19813 | Dinge und in den grossen Gott-Weltprozess (ⲣ. 206 ff.); sie wer- |
| 19814 | den dem Ersten gleich (ⲣ. 354) und : verbinden sich mit den |
| 19815 | Gliedern des Ineffabilis (p. 228). Auf diese Weise „haben sie sich |
| 19816 | zu dem, was sie ihrer ursprünglichen Natur nach sind, zu einem |
| 19817 | Gebilde des Ineffabilis, zu einem Wesen von gleicher Höhe mit |
| 19818 | ihm erhoben, wie ja ursprünglich alle Wesen und so auch der |
| 19819 | Mensch aus dem Urprincip selbst hervorgegangen, und so aus |
| 19820 | einer und derselben Substanz mit ihm sind. Was den Menschen- |
| 19821 | geist von seinem Urquell, dem Urgrund aller Dinge, trennte, |
| 19822 | war ja nur der Mangel an dem Bewusstsein“ (Koestl.), |
| 19823 | Der Besitzer dieses Mysteriums steht, obwohl er noch im |
| 19824 | Kosmos ist, höher als alle Engelmächte; er und Jesus’ bilden |
| 19825 | eine mystische Einheit, denn „jener ist ich und ich bin jener* !; |
| 19826 | dieser ist König in seinem Reiche und wird zur Rechten und |
| 19827 | zur Linken von ihm sitzen (p. 206. 230f. 243f.). Unter allen |
| 19828 | treten die Jünger Jesu hervor, seine Genossen und seine Brüder, |
| 19829 | welche im Besitze dieser höchsten Mysterien sind, denn ihr Thron |
| 19830 | wird demjenigen von Jesus am nächsten stehen und zwar allen |
| 19831 | voran der von Maria und Johannes 6 xag##&vos (p. 231). |
| 19832 | An dieser evectio ty yvyay nehmen auch die Seelen derer |
| 19833 | teil, welche durch den Gnadenschatz der Gläubigen gerettet woräen |
| 19834 | sind (ⲣ. 238 f. 240. 275f. 325f. 334). Dieselben haben entweder |
| 19835 | die Mysterien nicht empfangen oder sich Versündigungen zu Schul- |
| 19836 | den kommen lassen, sind aber durch die Besitzer der höchsten |
| 19837 | Mysterien den Peinigungen der Archonten der Mitte und der |
| 19838 | Unterwelt entronnen, haben von der Lichtjungfrau ein vörzügliches |
| 19839 | Siegel empfangen und sind von den sieben Lichtjungfrauesi getauft |
| 19840 | und gesalbt worden; aber da dies sie noch keineswegw zum Ⲙⲛ- |
| 19841 | tritt in das Lichtreich berechtigt, werden sie in das Ⲙⲟ des |
| 19842 | Schatzes an einen besonderen Ort gesammelt, bis die eveutio des |
| 19843 | Alls stattfindet. Sobald dann die Vorhänge des „Tüchtschatues |
| 19844 | 1 cf. Harnack: Untersuch. etc. ⲃ︦. 63ff, ; .-. |
| page 551 | |
| 19845 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 535 |
| 19846 | aufgezogen werden, reinigen und läutern die sieben Lichtjung- |
| 19847 | frauen jene Seelen noch einmal, geben ihnen von neuem die |
| 19848 | Mysterien und versetzen sie in die letzte Taxis des Lichtschatzes. |
| 19849 | Auf diese Weise ist der Spruch Jesu wunderbar in Erfüllung |
| 19850 | gegangen, dass die Letzten die Ersten und die Ersten die |
| 19851 | Letzten sein werden (p. 252. 188. 98. 197. 229f.). Denn die |
| 19852 | Menschheit war bedeutend später als die Archonten- und höhere |
| 19853 | Lichtwelt entstanden. Erst nachdem das auserwählte Geschlecht |
| 19854 | die ewige Seligkeit empfangen, hat auch die Stunde ihrer Er- |
| 19855 | lösung geschlagen, während sie bis dahin an ihren Ort gebunden |
| 19856 | und im Dienste des Lichtes thätig waren. In der Zeit der |
| 19857 | ovpTtElELX des Äons werden die zwölf 00THQES des Schatzes |
| 19858 | und die zwölf Taxeis eines jeden von ihnen d.h. die Probolai |
| 19859 | der sieben Stimmen und der fünf Bäume mit Jesus in dem Topos |
| 19860 | der xAnoovoulaı des Lichtes als Könige herrschen und zwar ein |
| 19861 | jeder über seine Probolai. Der ϭⲱⲍ ⲟ der Probolai der ersten Stimme |
| 19862 | wird in dem Topos derjenigen Seelen herrschen, die das erste |
| 19863 | Mysterium des ersten Mysteriums empfangen haben; in demselben |
| 19864 | Verhältnis wie die zwölf Mysterien des ersten Mysteriums sich ab- |
| 19865 | stufen, ebenso auch die Probolai; und die sieben Amen, fünf Bäume |
| 19866 | und drei Amen werden zur Rechten Jesu als Könige in den xAn00- |
| 19867 | rogulaı des Lichtes sitzen, die vcwt70-Zwillinge und neun Wächter zu |
| 19868 | seiner Linken, und ein jeder der ϭⲱⲧ] ⲉϩ wird König über die |
| 19869 | Tazxeis seiner Probolai sein, wie es bereits früher schon der Fall |
| 19870 | war. Die neun Wächter werden vorzüglicher als die ϭⲱⲧ ⲉϩ sein, |
| 19871 | die ocwrtYE-Zwillinge als die neun Wächter, dann die drei Amen, |
| 19872 | ihnen folgen Jeü, der Wächter des Vorhangs des grossen Lichtes, |
| 19873 | die beiden grossen x00%yovuWEVOL, der grosse Sabaoth, die Licht- |
| 19874 | jungfrau, der grosse 7yovuevoc der Mitte, der grosse ⲃ, die |
| 19875 | zwölf Diakonen, die zagaotdtAaı der sieben Lichtjungfrauen und |
| 19876 | die übrigen Engel der Mitte (ⲣ. 16.) Sehr merkwürdig ist |
| 19877 | es, dass der Verfasser bei dieser Aufzählung die Archonten des |
| 19878 | ‚Jabraoth, die Busse gethan haben, und die Bewohner des drei- |
| 19879 | zehnten Äons, die doch ohne Zweifel — wenigstens die Archonten |
| 19880 | des Jabraoth und einige aus dem dreizehnten Aon — der Erlö- |
| 19881 | sung teilhaftig geworden sind, ganz vergessen hat; auch sonst |
| 19882 | finden sie in dieser Hinsicht keine Erwähnung. |
| 19883 | Auf die evectio der Seelen und der höheren Lichtmächte |
| 19884 | folgt die solutio universi, xö04gov od. xeEQAGUOT, d. ⲃ. die Schei- |
| page 552 | |
| 19885 | 336 IV, Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 19886 | dung des widernatürlich Gemischten, die Trennung des Lichtes |
| 19887 | und der Materie. Letztere, das Princip des Bösen, die Weltmächte |
| 19888 | und Bewohner der Unterwelt nebst den verdammten Seelen |
| 19889 | müssen vernichtet werden, .damit von nun ab das Reich Jesu |
| 19890 | ungestört fortexistieren kann. In dieser Zeit wird Jesus den Be- |
| 19891 | fehl erteilen, alle tyrannischen Götter, die noch nicht das Reine |
| 19892 | ihres Lichtes abgegeben haben, vor seinen Richterstuhl zu führen. |
| 19893 | Der Tag des Gerichtes ist gekommen. Jesus sitzt auf einer Licht- |
| 19894 | kraft und seine Jünger zu seiner Rechten, ein weisesP Feuer |
| 19895 | verzehrt die Tyrannen, bis sie das letzte in ihnen befindliche |
| 19896 | Licht abgegeben haben (p. 76). Auch der grosse Archon mit |
| 19897 | dem Drachengesicht, der die Finsternis umgiebt, wird gerichtet |
| 19898 | (p. 385) und am Schluss des Dramas die irdische Welt und |
| 19899 | die Äonenwelt dem Untergange preisgegeben werden (p. 14. 210. |
| 19900 | 211). — In den beiden Büchern Jeü finden wir gar keine An- |
| 19901 | deutung über das Weltende; nur einmal scheint Jesus diese |
| 19902 | Frage zu streifen; auf P. 86. spricht er nämlich von den drei |
| 19903 | ⲧⲟⲓⲕⲟ, die an das Lichtreich geglaubt haben und dafür |
| 19904 | insofern belohnt werden, als sie bei der Scheidung der Äonen |
| 19905 | das Mysterium der Sündenvergebung erhalten und in das Licht- |
| 19906 | reich aufgenommen werden. Auf Grund des ganzen Systems |
| 19907 | muss der Verfasser eine andere Auffassung in der Eschatologie |
| 19908 | vertreten haben. Er konnte noch keine Rangverhältnisse im |
| 19909 | Himmelreich und keine evectio der Seelen annehmen; alle Seelen |
| 19910 | der Gnostiker gehen ohne Unterschied in den Topos des Schwei- |
| 19911 | gens und der Ruhe ein; beim Weltgericht wird eine Scheidung |
| 19912 | der guten und bösen Gewalten eintreten, jene gerettet, diese |
| 19913 | vernichtet werden. |
| 19914 | So hatte der gnostische Christ seine hohen Ideale, seine |
| 19915 | Zukunftshoffnungen, auf denen er seine ganze Lebensführung fun- |
| 19916 | damentierte; sie galten nicht seinem Körper, sondern seiner Seele, |
| 19917 | durch die er sich als ein Glied Gottes erkannt hatte. Das Heil |
| 19918 | der Seele beschäftigte sein ganzes Dichten und Trachten. Das |
| 19919 | sichere Bewusstsein, dasselbe durch die Mysterien empfangen zu |
| 19920 | haben, und schon hier auf Erden ein Sohn des Lichtes, ein un- |
| 19921 | sterblicher Gott! (P. 58. 68) geworden zu sein, entrückte ihn |
| 19922 | 1 Diesen Gedanken hat Valentin in den wundervollen Worten |
| page 553 | |
| 19923 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 537 |
| 19924 | dieser gemeinen Welt, liess ihn die Leiden derselben vergessen |
| 19925 | und lehrte ihn, auf seine Mitmenschen, die nicht der himmlischen |
| 19926 | Güter teilhaftig geworden, mit grosser Verachtung herabzublicken. ' |
| 19927 | eines Fragmentes seiner Homilie zum Ausdruck gebracht (Clemens |
| 19928 | Alex. Stromat. IV, 13, 91): . |
| 19929 | ’Ax &oyns ⲉⲐⲥⲩⲁⲧⲟ Lore ⲕⲁ) ⲧⲉⲭ Ewns ⲉ̀ϭⲓ alwviag ⲭⲁ TO |
| 19930 | Bavarov NOere Ueoloaodar ⲉⲓϩ ⲉ̀ϭⲱⲧⲟⲩϩ ⲓⲁ daravnontE ⲥⲱⲧⲟⲩ ⲛⲟ) |
| 19931 | dvakwontE, ϫⲟ Arodavn 6 Ⲑϭⲟⲟⲧⲟϩ ⲉ ⲕ︦ ϫⲟ) Öl’ ⲕⲱ̄ ⲟⲧⲟⲩ ⲣⲉϩ |
| 19932 | ⲧⲟⲩ ⲕⲩ ⲭⲟϭⲕⲟϧ ÄUnNTE, ⲙⲉⲓ ÖL un KatalUnOdE, xVQLEUETE ⲧϥⲥ ⲭⲧⲓϭⲉⲱϩ |
| 19933 | xal ıns ϣⲑⲟϩⲁ̄ϩ ANKONS. |
| 19934 | 1 Die Klage über diesen unerträglichen Dünkel der Gnostiker, |
| 19935 | welche die wahre Lehre gepachtet zu haben, daher nur allein in das |
| 19936 | Himmelreich einzugehen vermeinten, tönt aus allen Schriften der |
| 19937 | Väter entgegen cf. Iren, I, 6, 2: ’Emaıdevdnocav ϩⲁⲣ ⲧⲉ ⲯⲱⲭⲓⲭⲟ of |
| 19938 | ⲯⲱⲭⲓⲭⲟ) &vdQwroL, ⲟ Öl Foywv ⲕⲟ) ⲡϭⲅⲉⲱϩ ⲯⲓⲥ feßaroupevor ⲕⲟ) |
| 19939 | N ⲧⲩ ⲧⲉⲗⲉⲓⲁ ⲯⲱⲱ̄ϭⲓϧ Ϩⲭⲟⲩⲧⲉϩ. Elvaı 0! ⲧⲟⲧⲟⲟϩ ⲉⲡⲟ ⲧϥ̄ϩ ⲕⲭϥϭⲓⲁϩ |
| 19940 | ⲡⲙⲁϩ ⲣⲟⲟϭ.. ϫⲓⲟⲩ ⲕⲁⲓ ϥⲙⲟ ⲙⲉⲩ ⲉ̀ⲩⲁⲩⲭⲟⲓ̈ⲟⲩ ⲉϭⲓ ⲧⲓ Ayadıv modkıvy |
| 19941 | ⲉⲡⲟϣⲥⲓⲩⲟⲩⲓϭⲓ ⲟ︦ⲗⲗⲱϩ ⲣⲉϩ Aduvarov ϭⲱⲃϥ⳪ⲓ. Avrtovs ⲑ un dıa ⲡⲣⲟ‐ |
| 19942 | Eecwos, Ⲙⲁ Ϩⲓ TO ϣⲱϭⲉ ⲡϧⲉⲱⲕⲟⲧⲓⲭⲟϩ ⲉⲓ ⲡⲥ︦ⲟⲧϥ ⲧⲉ ⲕ) ⲡϭ︦ⲟⲧⲱϩ ϭⲱ‐ |
| 19943 | Ⲑⲏϭⲉϭⲑϭⲓ doymarlkovoıv. Ns ⲩϩ TO ⲗⲟⲓ̈ⲭⲟⲩⲩ AdUvaTOV ϭⲱⲧϥϩⲁϩ ⲙⲉ‐ |
| 19944 | ⲧⲉⲓ̅ (ⲟ ⲁϩ Elvaı AEyovoıy ⲥiⲍⲟ ÖextıKOV aUTHS) ⲟⲩⲧⲱϩ ⲡϭ︦ⲗⲓ TO ⲡⲩⲉⲱ‐ |
| 19945 | ⲕⲟⲧⲓⲭⲟ (ⲟϭ ol ⲁⲱⲟ Elvarı) ⲉⲑ ̃ⲩⲟⲅⲟⲩ ϣⲪⲟϩⲟⲙ ϫⲁⲧⲥ4sⲑⲡⲓ, ⲭⲉ |
| 19946 | ⲟⲡⲟⲓⲓϩ ϭⲱⲩⲭⲁⲧⲟⲩϧⲱⲓⲧϭⲓ ⲡϩⲟ︦ⲝⲉϭⲓ. Ⲟⲩ ⲣⲉϩ ⲧϩⲟ︦ⲡⲟⲩ ϥϩⲱϭⲟⲩϩ Ev ⲃⲟϩⲃⲟⲩϩϣ |
| 19947 | ⲭⲟⲧⲟⲧⲉⲑⲉ̀ϩ 00x Anoßahleı ⲧⲓ ⲭⲁⲗⲟⲩ) ⲧⲟⲟ, Ⲙⲁ ⲧ] (Olav quo |
| 19948 | ⲩⲓⲁϣⲱⲗ︦ⲧⲧⲉⲓ ⲧⲟⲩ Bogßogou undiv ddınn dar Övvapkvouv ⲧⲟ̀ ϥϩⲱϭⲟⲅ• OUTOO |
| 19949 | ⲑⲉ xal aUTOUS AEyovGL, ⲕⲟⲩ Ev Örolais UlIxais ⲡϩⲟ︦ⲝⲉϭⲓ KATAyEVWVTAL, |
| 19950 | ⲙⲏ abrode magaßiantecdat, ⲏⲓ Aroßahleıv ⲧⲓ) KVEULATIKNV ⲡ |
| 19951 | ora«cıy. Vergl. ferner Iren. I, 6, 4. I, 16, 3. I, 19, 2. I, 27, 3. TI, 3 |
| 19952 | IL, 6, 9. — 18, 6. — 22, 1. — 26, 1. — 28, 6 etc. — Hippolyt Phi- |
| 19953 | losoph. V, 8, p. 158. 162. 164. V, 9, p. 168. 174. V, 16, p. 190. 192, |
| 19954 | V,17,p.196. V,21,p. 212. Am weitesten gingen wohl die Anmassungen |
| 19955 | des Carpocrates cf. Iren. I, 25, 2 (Epiph. h. 27, 2. Theodoret haer, |
| 19956 | fab. I, 5). ⲞⲐⲉⲩ eis tugpov ⲟⲩⲧⲟⲓ ÄÄNACKOTES ⲙⲟⲩ .. . EXUTOUS ⲡϩⲟⲕϩⲓⲧ4ⲟⲱϩ |
| 19957 | NyoOvrzaı ⲕ⳪) ϭⲟ̀ⲧⲟⲟ︦ ⲧⲟⲟ Incod. Ⲙⲟⲓ ⲟ︦ s ⲁⲧⲱ 00x Ⲓⲏϭⲟⲱ pasır, |
| 19958 | ⲉⲗⲁ Ⲡⲉⲧϩⲟⲱ ⲭⲁ) ϩⲟⲩ ⲕⲁⲓ ITaviov ⲕⲁ) ⲧⲱ ⲗⲟⲓⲡⲱⲩ ⲉⲡⲟϭⲧⲟⲱⲩ |
| 19959 | ⲉ̃ⲥⲱⲧⲟⲩⲩϩ ⲩⲧⲉϩϣⲉϩⲉϭⲓϩⲟⲟϩ Elvarı dık ⲧⲓ VREQBOANV INS ⲣϧⲱ̀ϭⲉⲱϩ ... |
| 19960 | ⲟⲓ ⲑⲉ ZE ⲁⲧⲱ ϣϭ̃ϭⲕⲟⲱϭⲓ ⲙϥ dıevnvozEvar ⲧⲟⲟ Ⲓ3ϭⲟⲩ. AL ⲣⲉϩ |
| 19961 | ϣⲱϥ ⲉⲕ ins AUS ⲡⲉϩⲓϣⲟϩⲁⲉ̄ϩ ⲉⲓϭⲓ Kal ⲕⲟⲃⲱϩ ⲭⲁⲧ ⲧⲓ) TOU Incov |
| page 554 | |
| 19962 | ϭⲉⲟ ⲉ ⲧⲟϩ ⲡⲉ ⲧⲟ ϫⲱⲛⲧ |
| 19963 | pertafiirat ϫ ⲟⲩⲧ da ⲧⲟ |
| 19964 | dorw iv ⲧⲃ̄ ⲕⲁϭⲟ̃ⲧⲣⲧⲓ. Ⲧⲉ ⲧ |
| 19965 | ⲉⲏⲧⲟϩ Mingauatos ⲭⲱⲟⲉⲓⲏ. Ⲧⲟⲕⲧ |
| 19966 | .........7-...-- |
| 19967 | ⲩⲥϭ̀ⲏⲉϧⲟⲃ ⲡⲉ̄ϭⲥ ⲗ. ϭⲕⲕⲉ ⲱⲱ |
| 19968 | unter” elvaı zoom -.)- |
| 19969 | tovtarp byvamkvaı Gxompal |
| 19970 | 88 63. 64. 65. — Ophiten. Iren. |
| 19971 | antem futuram, quando tota humeet |
| 19972 | et abripiatur in Aeonem incorrupi |
| 19973 | ϣⲙ |
| 19974 | ϩⲙ |
| 19975 | xal 00 "Inooü - « ⲙ |
| 19976 | = |
| page 555 | |
| 19977 | ⲙⲁⲓⲩⲃⲕ︦ⲉⲓⲧⲩ |
| 19978 | Ca, ‚07 |
| 19979 | ⲙ.. ⲟⲃϣ |
| 19980 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke, 539 |
| 19981 | Untersuchungen über das zweite koptisch- |
| 19982 | gnostische Werk. |
| 19983 | Mit diesen Ausführungen hätten wir ein ungefähres Ge- |
| 19984 | sammtbild von den Anschauungen, die im Kreise unserer Gno- |
| 19985 | stiker heimisch gewesen sind, gegeben; an eine erschöpfende |
| 19986 | Darstellung konnte nicht gedacht werden, da dieselbe über den |
| 19987 | Rahmen unserer Arbeit hinausgehen würde. |
| 19988 | Es wird nunmehr die Aufgabe an uns herantreten, auch |
| 19989 | dasjenige Werk (P. 1*—61*), welches wir als ein selbständiges |
| 19990 | Ganze aus dem Codex herausheben zu müssen glaubten, nach |
| 19991 | den verschiedensten Seiten zu betrachten. Aber sobald man sich |
| 19992 | dieser Arbeit unterzieht, ergiebt sich das merkwürdige Resultat, |
| 19993 | dass dies nicht angängig ist; denn das Werk nimmt auf prak- |
| 19994 | tische Fragen gar keine Rücksicht, sondern entwickelt auf phi- |
| 19995 | losophisch-spekulativer Grundlage den grossartigen Weltprozess. |
| 19996 | Auch eine kurze Inhaltsangabe erscheint mir ein Ding der |
| 19997 | Unmöglichkeit, da diese nur im Zusammenhang mit der ganzen |
| 19998 | Kosmologie gegeben werden kann; eine genaue Untersuchung |
| 19999 | aber über das zu Grunde liegende System hielt ich aus prak- |
| 20000 | tischen Gründen nicht für geboten, um nicht die Herausgabe des |
| 20001 | Codex Brucianus unnötiger Weise zu verzögern. |
| 20002 | Daher ist es meine Absicht, nur zwei Punkte näher zu be- |
| 20003 | leuchten, da auch diese schon hinreichend geeignet sind, die |
| 20004 | besondere Stellung unseres Werkes zu illustrieren, u. z. 1) die Be- |
| 20005 | nutzung der heiligen Schrift, 2) den Ursprung und die Abfas- |
| 20006 | sungszeit des Werkes. Dies geht um ⲃⲟ eher, als wir auch in |
| 20007 | kurzen Zügen die beiden Bücher Jeü und die P. Sophia in den |
| 20008 | Bereich unserer Untersuchungen stellen können. |
| 20009 | E. Die Stellung zur heiligen Schrift‘. |
| 20010 | In den „Untersuchungen über das gnostische Buch P. Sophia“, |
| 20011 | hat Harnack bereits das Verhältnis des Buches zum A. und N. |
| 20012 | 1 Im Allgemeinen vergleiche man die gediegene Abhandlung |
| 20013 | von Heinrici: „Die valentinianische Gnosis und die heilige Schrift“ |
| 20014 | Berlin 1871 und Hofstede de Groot: „Basilides am Ausgang des |
| 20015 | apostolischen Zeitalters als erster Zeuge für Alter und Autorität neu- |
| page 556 | |
| 20016 | 540 1V. Untersuchungen über die gnostischen. Werke. |
| 20017 | Testament in erschöpfender Weise behandelt (ⲃ︦. 2-—49). Er ist |
| 20018 | zu dem Resultat gekommen, dass der Verfasser das A. Ⲧ. alı |
| 20019 | göttlich-kanonische Urkunde anerkannt, ebenso auch die Evan- |
| 20020 | gelien und Paulusbriefe trotz mannigfacher Abweichungen vom |
| 20021 | recipierten Text benutzt hat und sich demgemäss von: den gross- |
| 20022 | kirchlichen Christen nicht nachweisbar unterscheidet. Auch hat |
| 20023 | H. im Anschluss daran die biblische Exegese (8. 40—858) an |
| 20024 | einzelnen Proben beleuchtet und ihre willkürliehe allegorisele |
| 20025 | Erklärung charakterisiert. |
| 20026 | In dieser Hinsicht bietet also die P. Sophia für den Kanoa- |
| 20027 | forscher kein grosses Interesse, zumal wenn sie ein Produkt |
| 20028 | späterer Zeit ist. Anders gestaltet sich sehon die Frage: bei‘ den |
| 20029 | beiden Büchern Jen, da sie ein bedeutend höheres Alter repräsen- |
| 20030 | tieren und m. E. der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderte |
| 20031 | entstammen. Leider finden wir in ihnen nur ganz geriege |
| 20032 | Ausbeute, an keiner Stelle treffen wir ein wörtliches Citat; doch |
| 20033 | lassen sich eine Menge Parallelen anführen, die selilagend be- |
| 20034 | weisen, dass der Verfasser die Evangelien benutzt und: eifrig |
| 20035 | gelesen hat. Man betrachte nur die ganze Kompositionsweise; die |
| 20036 | Gespräche Jesu mit seinen Jüngern, insbesondere- die Einleitung, |
| 20037 | welche voll von Reminiscenzen steckt, z. B. |
| 20038 | 1) .ϯⲭⲉ̀ⲡϥϭ⳪ ⲟ.. Joh. 15, 9. 12. |
| 20039 | 2) „typ Cwnp ⲱ︦ ⲓϧ linca* cf. ⲟⲃ. 6; 38. — |
| 20040 | 10, 28. — 17, 2. —.1. Joh, 5, 11. 16. |
| 20041 | 3) „’Incois 6 COv“ of. Luc. 24, 5. Joh. Ⲉ 5%. — 14; 19. |
| 20042 | 4) „Jesus ist die Erkenntnis der Wahrheit“ ⲙ ganz im |
| 20043 | johanneischen Geiste. |
| 20044 | 5) „Exdextöp yEvoc“ 1. Petr. Ⲁ 9. |
| 20045 | ⲃ) ⲩⲟϩ tüs ⲱⲡ of. 1. Joh. 1, 1 U |
| 20046 | 7) „Selig ist der, welcher die Welt gekreuzigt hat und nicht |
| 20047 | die Welt hat ihn kreuzigen lassen“. Dies erinnert. an Ⲉ Ⲁ 14: |
| 20048 | ϣⲟⲓ ⲟⲉ un yEvoıTO xavyä0dat, ⲉ un) &v te ⲟⲅϭⲟϩϩ ⲉⲑ |
| 20049 | ⲗⲱ Incod Ϫⲣⲓϭⲅⲟⲟ• dı' ⲟⲟ ⲉ̀ϣⲟ) ⲭⲟϭⲕⲟϩ ia |
| 20050 | ⲓ ϯ |
| 20051 | testamentlicher Schriften, insbesondere des Johannep- Evangelium“. |
| 20052 | Deutsche Ausg. Leipz. 1868. |
| 20053 | 1 Ich habe grösstenteils die koptischen ⲃⲱ da ⲡⲃ |
| 20054 | zurückübersetzt, |
| page 557 | |
| 20055 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 541 |
| 20056 | ϫⲟϭⲙϣ, einen Satz, welchen nach Celsus! Aussage alle Christen |
| 20057 | stets im Munde führten. |
| 20058 | ⲃ) „töp ArootellaytaA ⲛⲉ Matth. 10, 40. Marc. 9, 37. Luc. |
| 20059 | 9, 48; 10, 16. Joh. 3, 17. 28. 34 ete. |
| 20060 | 9) „Wir, die wir Dir mit unserm ganzen Herzen (cf. Matth. |
| 20061 | 22, 37. Marc. 12, 30 etc.) gefolgt sind, haben Vater und Mutter |
| 20062 | verlassen und die Besitzungen, Felder, Güter und die Herrlich- |
| 20063 | keiten des Königs preisgegeben“, ebenso P. 56: „Da ihr eure |
| 20064 | Väter und eure Mütter und eure Brüder und die ganze Welt |
| 20065 | verlassen habt und mir gefolgt seid und alle meine Gebote, die |
| 20066 | ich euch aufgetragen, vollführt habt“ und P. 57: „weil sie ihre |
| 20067 | Eltern und ihre Brüder, ihre Frauen und ihre Kinder und alle |
| 20068 | Lebensbedürfnisse dieser Welt preisgegeben hatten“ etc. Keine |
| 20069 | von diesen Stellen stimmt genau mit Matth. 19, 29. Marc. 10, |
| 20070 | 28 sq. Luc. 14, 26. — 18, 29 überein; dasselbe konnte Harnack |
| 20071 | schon für die P. Sophia p. 341. 357. 363 konstatieren. |
| 20072 | 10) P. 2: „ö «0x0 TOovTOVL TO aldcyos“. Joh. 12, 31. — |
| 20073 | 14, 30. — 16, 11. 1. Cor. 2, 6. 8. |
| 20074 | 11) P. 2: ,ⲧⲟ ⲡϧⲉⲟ︦ⲕϭ ⲟ nAQAXKAnNTOS“ Joh. 14, 16. 26. — |
| 20075 | 15, 26. — 16, 7. , |
| 20076 | 12) P. 3: ,ⲟⲩⲭ &lul ⲉⲭ ⲧⲟⲟ x60uuv“. (ef. P. S.p. 11) Joh. 17,14. |
| 20077 | 13) P. 4: ,ⲭⲟⲧⲉ ϭⲁϫ* Roem. 4, 1. — 8, 1. 4. 5. 12. 13. |
| 20078 | 2. Cor. 1, 17. — 5, 16. — 10, 2. 3. — 11, 18. Gal. 4, 23. 29. |
| 20079 | 14) „weois“ Luc. 10, 42. Coloss. 1, 12. |
| 20080 | 15) „z&xva (viol) to ⲫⲱⲧϩ (P. 56.) Luc. 16, ⲃ. Joh. |
| 20081 | 12, 36. Eph. 5, 8. — 1. Thessal. 5, 5. |
| 20082 | 16) „xotacosodaı ⲗⲗ ⲗⲟⲓϩ (P. 56) Ephes. 5,21. 1. Petr. 5, 5. |
| 20083 | 17) „&prolal (P. 57) sehr häufiger Ausdruck im N. T. |
| 20084 | 18) „Sondern ihr Ja sei Ja und ihr Nein Nein“ (P. 57) ef. |
| 20085 | Matth. 5, 37. — 2. Corinth. 1, 17. Jacob. 5. 12. Der Verfasser |
| 20086 | weicht von der Version bei Matth. 5, 37 ab und schliesst sich den |
| 20087 | beiden andern Stellen an. Nach Hilgenfeld soll in der That |
| 20088 | der ursprüngliche Text Zoro di vumy to val val xal ⲧⲟ̂ ⲟ ⲟ |
| 20089 | gewesen sein (ef. Justin Apol. Ⲓ 16 und Clement. Homil. 3, 55; 19, 2.). |
| 20090 | Wir könnten noch eine Reihe anderer Parallelen anführen, |
| 20091 | aber schon diese werden für unsern Zweck genügen. |
| 20092 | 1 Origenes ⲥ. Celsum V. cap. 65 und bei den Valentin. Iren. |
| 20093 | Ⲧ ⲉ) . |
| page 558 | |
| 20094 | 5342 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 20095 | Von grösster Wichtigkeit für den Kanonforscher gestaltet |
| 20096 | sich aber das zweite grosse gnostische Werk, vorausgesetzt, dass |
| 20097 | uns der Nachweis gelingen wird, es habe der unbekannte Ver- |
| 20098 | fasser um 160—200 n. Chr. gelebt. Denn wir hatten bis dahin |
| 20099 | wohl hinreichende Kunde, dass die Onostiker sich der heilge |
| 20100 | Schriften in ausgedehntem Masse bedient haben, aber.die Zeit |
| 20101 | bestimmung war eine sehr schwierige, zumal da man nicht gene |
| 20102 | bestimmen konnte, ob an der betreffenden Stelle von dem Meister |
| 20103 | oder von seinen Schülern die Rede sei; andererseits war es nicht |
| 20104 | auszumachen, ob die Kirchenväter das Citat nebst der Cähations- |
| 20105 | formel wörtlich der gnostischen Quelle entnommen hatten. oder |
| 20106 | nicht. In dieser Beziehung besitzen wir in unserm Werke ein |
| 20107 | Dokument ersten Ranges, da wir hier den Gebrauch der Schriften |
| 20108 | an der Quelle studieren und dadurch die uns sonst |
| 20109 | Nachrichten kontrolieren können; denn im Laufe der Eintwiek- |
| 20110 | lung des Systems werden eine Reihe von Citaten sowohl des N. |
| 20111 | wie des A, Testamentes angeführt. Schon dieser Umstand be- |
| 20112 | lehrt uns in unzweideutiger Weise, welch’ ein vergebliches Unter- |
| 20113 | fangen es sein würde, wollte man mit Amdlineau dieses Werk |
| 20114 | mit den beiden Büchern Jeü in irgend eine nähere Verbindung |
| 20115 | setzen. |
| 20116 | Zuvörderst wird es nötig sein, die Citationaformeln näher |
| 20117 | ins Auge zu fassen, da sie ja für die Wertschätzung ϥⲟⲓ heiligen |
| 20118 | Schriften von besonderem Interesse sind.‘ ; |
| 20119 | ⲙ |
| 20120 | 1) Psalm 64, 12 wird auf P. 13° mit folgenden. Worten ein- |
| 20121 | geleitet: xard top 26y0p, Ⲟⲩ 406 ⲉⲕⲉ 26ye hs 5 |
| 20122 | 2) Psalm 35, 10 (P. 14%): ws yETOAK TEL. ϫⲁ... |
| 20123 | 3) Unmittelbar darauf Psalm 67, 18: ⲟϩ ⲩⲩ ⲉⲣⲉⲃ |
| 20124 | (P. 142). |
| 20125 | 4) Eine Stelle aus demselben Verse: xal ⲡ︦) (P. TR |
| 20126 | 5) Proverb. 12, 11 (cf. 28, 19): an Lorlu 4 77, za |
| 20127 | ⲉⲅ. (P. 218). |
| 20128 | 6) Daran schliesst sich unmittelbar Predig. Salom, 5,8: xal |
| 20129 | al ⲱ (ⲃ. 21 |
| 20130 | ! Wir haben sämmtliche Formeln zur besseren Orientierung |
| 20131 | griechisch wiedergegeben. |
| page 559 | |
| 20132 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 543 |
| 20133 | 7) Psalm 104, 5: xad0ws ϯⲉⲩⲣⲥⲡⲧϭⲓ (P. 2). |
| 20134 | 5) Psalm 74, 4 unmittelbar darauf: xal x&Aıp (P. 26. |
| 20135 | 9) Psalm 146, 4: ϫⲧⲉ to yEOCUUEVOD (P. 2) |
| 20136 | 10) Hohelied 3, 11 ⲟⲑ ⲉϭⲓ 6 ϭⲟϩ, ⲡⲉ ⲟ YEYOA- |
| 20137 | ⲙ̄ⲧⲱⲓ (P. 338). |
| 20138 | 11) Psalm 16, 9: ⲥ ⲧⲟⲩⲧⲟ ⲗⲉⲓ (P. 39) |
| 20139 | Es sind dies die solennen Formeln, mit denen in der Gross- |
| 20140 | kirche das A. Test. citiert wurde; daraus geht hervor, dass für |
| 20141 | unsern Verfasser dasselbe eine heilige, mit Autorität ausgestattete |
| 20142 | Urkunde war. In diesem Punkte unterscheidet er sich keines- |
| 20143 | wegs von der P. Sophia, während in sehr vielen gnostischen |
| 20144 | Kreisen das A. T. heftig angefochten und als ein Werk des |
| 20145 | Demiurgen angesehen wurde. |
| 20146 | b) Neues Testament. |
| 20147 | 1) Joh. 1, 3 ohne Formel (ⲃ. 98). |
| 20148 | 2° Joh. 1, 1. 3. 4: ⲟⲩⲱⲧϩ ⲉϭⲓ, ⲡⲉⲣ ot Ⲓⲱⲉϧⲩⲗϩ ⲉⲡⲉ) |
| 20149 | (P. 162), |
| 20150 | 3) Matth. 3, 3. Marc. 1, 3. Luc. 3, 4. Joh. 1, 23 und |
| 20151 | 2. Corinth. 6, 1: xal ol ⲭϣⲟⲍⲟⲩⲧⲉϩ (P. 2). |
| 20152 | 4) Joh. 1, 16 ohne Formel (P. 28%). |
| 20153 | 5) Ein Agraphon: xad- ws yEyoanTaL (P. 30. |
| 20154 | 6) Hebr. 6, 7: ⲥⲟⲧ] Zotip ϥ 7, ⲡⲉⲣ Ns yEyoOAKTAL (P. 2 |
| 20155 | 7) Galat. 4, 19: xal ⲧⲟⲧⲉ AveßonceEp (ExgaGe) ⲉϫⲱ (P. 398). |
| 20156 | ⲃ) Gleich darauf 2. Cor. 11, 2: xal ⲡ︦ dvaßoa (xoaAbeı) |
| 20157 | (P. 39. . |
| 20158 | 9) Matth. 19,29 etc.: ⲉⲗⲟ ⲧ) Enayyellar, 4 Ennyyeidn |
| 20159 | ⲉ︦ ⲧⲟⲟ AeyoprTos (P. 418). |
| 20160 | 10) Mitten im Text Matth. 23, 37. Luc. 13, 34 (6.3) |
| 20161 | 11) Joh. 8, 31 u. 10, 28: ⲉⲱⲭⲉ) aUutOoIs &vtolas (P. 46 |
| 20162 | 12) Ein Agraphon im Text (P. 498). |
| 20163 | 13) Ohne Formel Joh. 12, 364). |
| 20164 | Übersehen wir noch einmal die sämtlichen Stellen, so er- |
| 20165 | giebt sich ein grosser Unterschied in der Citationsweise, denn, |
| 20166 | während diejenigen des A. T. ohne Ausnahme in solenner Weise |
| 20167 | eingeführt werden, geschieht es beim N. T. nur in drei Fällen. |
| 20168 | Die meisten werden als Aussprüche den betreffenden Gottheiten |
| 20169 | in den Mund gelegt; immerhin ist der Schluss unabweisbar, dass |
| page 560 | |
| 20170 | 544 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 20171 | die neutestamentlichen Schriften für den Verfasser dieselbe Dig- |
| 20172 | nität besassen, wie diejenigen des A. T. |
| 20173 | Wir haben nun zu untersuchen, 1) welche Schriften und in |
| 20174 | welcher Weise sie benutzt werden, 2) ob neben ihnen noch andere |
| 20175 | nichtapostolische Quellen hohe Dignität besitzen. |
| 20176 | a) Altes Testament. |
| 20177 | 1) Psalm 64, 12: ϫⲱⲧⲉ ⲧⲟ̀ ⲟⲕ, 0v 4) ⲉⲡⲉ ey: |
| 20178 | Ⲃⲓ ⲟⲩϭⲱ ⲧⲟⲩⲩ ϭⲧⲉ̀ϣⲥϧⲟⲩ ⲧⲟⲟ EvLKUvTOG ⲉ Ti) XONGTÖTNTL GOU = |
| 20179 | ⲉ ⲗⲟⲩϭⲉ TOP GTEKAVOD TO ⲉ̀ϧⲓϭⲱⲧⲟ̄ ⲉⲓϩ XQNOTÖTNTOS ϭⲟⲟ |
| 20180 | ⲭⲁ ⲧⲉ ⲡⲉ ϭⲟⲟ ⲡ⳪ ]ϭⲟⲩⲅϭⲓ KXLÖTHTOS. Der Verfasser schreibt |
| 20181 | EUÄ0yH00 st. ⲉⲗⲟⲩ]ϭⲉⲓϩ, während Gott als derjenige, welcher |
| 20182 | EU207e7, aufgefasst sein soll. Die Variante &y s] xENOTÖTNTL 00V |
| 20183 | st. ts XONGTÖTNTOS ϭⲟ ist nirgends bezeugt. |
| 20184 | 2; Psalm 35, 10: ⲱⲥ y&yoaxtaı ⲉ ⲅ︦ ⲫⲱⲧⲓ ϭⲟⲱ ÖpöpEd |
| 20185 | ge, wörtlich nach der Septuag.: ⲅⲉ ϫϭϩⲟ 001 zn Gais, ⲉ |
| 20186 | tm Ott ϭⲟ ϥ... ϣⲱⲥ. |
| 20187 | 3) Psalm 67, 18: ⲱϩ ⲡ︦ ⲩⲩϩⲥⲙⲧⲡⲓ• TO ⲉϩⲙ ⲧⲟⲩ ϩⲱ |
| 20188 | HVQLOXÄAGLÖD Zortw, ebenfalls wörtlich nach der Sept.: ⲅ ⲉⲙ |
| 20189 | ⲧⲟⲓ ⲉⲟ WVQLORAAGLOD. |
| 20190 | 4) Psalm 67, 18: xal ⲡⲟⲗⲓ • yede&des On voÖnTEG ⲉϭⲱ |
| 20191 | xt ⲫⲟⲥ ⲉ̀ autos (od. & ols xUQt06) == ϥⲓⲗ︦Ⲫⲉϩ SÜÖNpOoUPTED |
| 20192 | ϫⲟⲓⲟϩ ⲉ ⲡⲓⲧⲟϩ & Zıwa &v tm ⲉⲓϣ. Die Varianten sind |
| 20193 | unbedeutend. |
| 20194 | Prov. 12, 11 (ⲥ 2, 19): ⲥⲟⲧϥ ⲉⲟ) 7, ϫⲉⲣ Hs done |
| 20195 | OÖ ̀ⲩⲥϩϣⲉϧⲟϩ ⲧ. ⲉ̃ⲥⲱⲧⲟ ϯ] ⲉ̀ⲕⲡϥϭⲟⲩ̀ϭⲉⲧϭⲓ ⲉ̄ⲟⲅⲱⲕ ϫⲱ ϩⲱ |
| 20196 | ⲉ̀ϭⲓ ⲧⲟⲟ ⲉ̃ⲗⲱⲩⲥ yo. Der Nachsatz xal ⲧⲟ ⲉⲥⲱⲩⲟⲟ︦ ⲉ︦ⲗⲱ̃ⲙ |
| 20197 | ⲱⲯⲱϭⲉ. findet sich an keiner Stelle, daher ein Agraphon ⲙ |
| 20198 | genommen werden muss; dies ist um so beachtenswerter, weil |
| 20199 | dieser Teil ohne Weiteres dem echten Citat angeschlossen wird. |
| 20200 | 6) Pred. Salom. 5, 8: xal zdAlıy" 6 ßadılsds to& ⲉⲩⲣⲟ ale |
| 20201 | 7aGukvor ⲉⲡ) xavtl ⲉⲧⲓ) = ⲟ xegloosın ⲩϩ nl ⲥⲓⲧ bares, |
| 20202 | Bautleus TOO ⲉⲩⲣⲟ oyaouevov. Der Vers ist umgestellt und |
| 20203 | ein wenig verändert worden, |
| 20204 | 7) Psalm 104, 5: ϫϭⲑⲱ̀ⲥ ⲩⲩⲟⲥϫⲅⲡⲓ • ⲉ̀ⲟⲅⲉⲣϭⲱϭⲉ ⲉⲓϯ ⲟⲃⲱⲟ |
| 20205 | ⲕⲉ ⲣ ϫⲟⲓ̈ ⲟⲧ ϭϭⲗⲉⲱⲪⲓϭⲉⲥⲓ — xal ⲩⲉ ⲉ̀ⲟⲅⲉϩϧⲱϭⲉ up ⲱⲱⲱ |
| 20206 | ⲏeir:]n HTIS ⲟ ϭ⳪ⲗⲉⲱⲃⲓ⳪ⲉⲧϭⲓ mit unbedeutender Variante ϣⲙ |
| 20207 | Pealm 95, 10. — 88, 12). |
| 20208 | | |
| page 561 | |
| 20209 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 545 |
| 20210 | 8) Psalm 74, 4: xal ⲡⲓ Erdxn 3 ⲭⲁ KAPTEG Ol XATOL- |
| 20211 | ϫⲟⲱ︦ⲙⲧⲉϩ aUTHp, wörtlich nach der Septuag. |
| 20212 | 9) Psalm 146, 4: xata ⲧ ⲩⲉⲩⲟⲁⲙⲕⲉ̀ϧⲟⲩ• 6 ⲉ̀ϩⲓⲫⲕⲱ ⲇⲇ) |
| 20213 | ⲛ̀ⲟⲫ xal ⲡⲥ̄⳪. aUTOIG övöyata ⲁⲗⲱⲧ nach der Sept. |
| 20214 | 10) Hohelied 3, 11: oUtTös ⲉ̀ϭⲧⲓ ⲟ OTEHAVOS, ⲡⲉⲣ ⲟ yEYOR- |
| 20215 | ⲧⲧⲡⲓ • 6) Ϫⲁⲗⲱⲙⲱⲩⲓ (Zodopdrı) & ⲡⲕⲉ ⲉ̀ⲫⲣⲟϭⲱⲗⲥ ϫϥⲫ‐ |
| 20216 | dias «tod = ϭⲱⲩⲟⲧ̀ⲣⲉϩ Ϫⲱ, ⲉⲃⲉⲗⲑⲟⲧⲉ ⲭⲁ idete ⲉ̀ ⲍ︦ ⲃⲟ |
| 20217 | ϭⲓⲗⲉⲓ Ϫⲱ ϣⲱ, & ⲧϣ ϭⲅⲉⲫϭⲙϣ ⲫ ⲉ̀ϭⲧⲉϣⲥ̀ϧⲱϭⲉϩ avtöp Y |
| 20218 | ⲙⲧⲟ AUTO ⲉ NUEOX VULEUGEMG AUTO ⲭⲁ ⲉⲩ ⲛⲛⲉϩ |
| 20219 | ⲉⲧⲟⲟ ϭ ⲱϩ xagdlag autOov. Der Verfasser hat diese Stelle |
| 20220 | sinngerecht umgewandelt. |
| 20221 | 11) Psalm 15, ⲉ toUTO ⲗⲉⲓ NÜwOCPIN ⲓ) xaQdia HOT |
| 20222 | xal yallıkoato ⲣⲗⲱϭϭⲥ ⲕⲟ Wörtlich nach der Sept. cf. Act. |
| 20223 | 2, 26. Es bedarf wohl gar keiner näheren Begründung, dass |
| 20224 | unsere Stelle nur dem Psalm entnommen sein kann. |
| 20225 | b) Neues Testament. |
| 20226 | 1) Joh. 1,3: 05705 dr’ ⲁⲩⲧⲟ ⲡⲟⲧⲥ EyEpETO ϫⲟ ⲭⲱⲣⲓ̀ϩ auTOD |
| 20227 | ⲉ̀ⲣϧⲉⲧⲟ ⲟⲩⲉ. Ob der Verfasser ⲟⲩⲉ Ey oder ⲟ gelesen |
| 20228 | hat, lässt sich im Koptischen nicht mehr konstatieren. Es fehlt |
| 20229 | am Schluss 5 y£yovey, diese Lesart bieten alle Gnostiker und |
| 20230 | die älteren Kirchenväter. |
| 20231 | 2) Joh. 2; 1. 3. 4: ⲟⲟⲧⲟϩ Zott, ⲧⲉⲣ ⲟⲑ Ⲓⲱⲥ̀ⲩⲩϥϩ ⲉⲡⲉ) • |
| 20232 | & ⲉ̄ϩⲭ 4) ⲟ 26706, xal 6 Aöyos 7) ⲡⲟⲟϩ TOD Ⲑⲉ, ϫⲟⲓ̈ ⲉⲟ ϩ |
| 20233 | ⲛ︦ O0 26706. ⲟⲩⲧⲟϩ ⲭⲱⲣⲓⲥ AUTO EyEvETO ⲟ︦ Ey ⲭ ⲟⲩⲉⲩ |
| 20234 | ⲉ̀ ⲧ︦, ⲱ ⲟⲧⲓ. |
| 20235 | Es ist von sehr grosser Wichtigkeit, dass der Prolog des |
| 20236 | Johannes- Evangeliums unter dem Namen des Johannes citiert |
| 20237 | wird. Daraus geht mit Notwendigkeit hervor, dass der Ver- |
| 20238 | fasser dasselbe bereits im Kanon als johanneisch vorfand und |
| 20239 | 1 Derselbe Vers bei Ptolemaeus ep. ad Flor. (Epiph. 33, 3): |
| 20240 | ⲧⲓ ⲉ ⲧ ⲧⲟⲩⲩ x6öoyov Önwıovoylav Wiav ⲗⲉⲓ eivaı (ⲉⲉ zavıa ÖL |
| 20241 | ⲁⲧⲟⲩ yEyOvEVAL, ⲕⲁⲓ ϥⲱⲣⲓϩ ⲡⲟⲟⲩ ⲣⲉⲣⲟⲩⲉ ⲟ). Theodot: Clem, |
| 20242 | Alex. Exec. 6. 45. Peraten: Hippolyt Philos, V, cap. 16, S. 194. |
| 20243 | Naassener: Hippol. Philos. V, cap. 8, S. 150. Valent.: Iren. I, 8, 5. |
| 20244 | (Epiph. h. 31, 29). — Heracleon: Origenes in Joh. Tom. IT, 8 (Opp. |
| 20245 | IV, 66 sϥ.). |
| 20246 | Texte u. Untersuchungen VII, 1, 2. 35 |
| page 562 | |
| 20247 | 546 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 20248 | im Gebrauch der Christen voraussetzte, da sonst eine Berufung |
| 20249 | auf dasselbe gar keinen Wert haben konnte. Wir würden damit |
| 20250 | einen neuen Beitrag zu dem berühmten Kapitel „Die äusseren |
| 20251 | Zeugnisse für das Johannes Evangelium“ liefern, aber es wird |
| 20252 | Vorsicht am Platze sein, von hieraus die Frage von neuem zu |
| 20253 | erörtern, bevor nicht die Zeit des Werkes endgültig feststeht. |
| 20254 | Es könnte vielleicht der Versuch gemacht werden, die Cita- |
| 20255 | tionsformel oder das Wort „Johannes“ für einen späteren Zusatz |
| 20256 | eines Schreibers anzusehen, doch ist dieser Ausweg von vorn- |
| 20257 | herein als ein ganz verkehrter und methodisch in jeder Hinsicht |
| 20258 | verwerflicher zu bezeichnen, der leider auf dem Gebiete des |
| 20259 | ältesten Christentums viele subjektive Einfälle zur Folge gehabt |
| 20260 | hat. An dieser Stelle können wir nun positiv nachweisen, dass |
| 20261 | eine spätere Interpolation nicht vorliegt. Der Prolog wird näm- |
| 20262 | lich zum Beweis des ⲕⲟⲟⲩⲉ iϩ angeführt; nun werden im vor- |
| 20263 | hergehenden Paragraphen zwei wörtliche Citate aus einem Buche |
| 20264 | eines unbekannten Phösilampes gegeben, und das erstere mit der |
| 20265 | Formel ⲡⲉⲣ ⲟⲑ Pooıldunrng ⲉⲡⲉ eingeführt; in Parallele zu |
| 20266 | diesem steht der Prolog; infolge dessen sah sich der Verfasser |
| 20267 | genötigt, an dieser Stelle ebenfalls den Namen des Autors zu |
| 20268 | nennen. Man kann mit Sicherheit behaupten, dass dies sonst |
| 20269 | keineswegs geschehen wäre. |
| 20270 | ‚Was den Text anbetrifft, so ist der zweite, Vers 05to0s 5v |
| 20271 | ⲉ̀ ⲉⲗ ⲡⲟⲟϩ deop, ebenso im dritten Vers xädyra 6 aurot |
| 20272 | E&y£&reto ausgelassen; aber dies ist kein Beweis, dass er noch |
| 20273 | nicht den vollständigen Prolog gelesen, vielmehr kennt er in |
| 20274 | P. ⲫ den Anfang von ⲩ. 3; diese Stücke sind wahrscheinlich |
| 20275 | aus bestimmten Gründen nicht aufgeführt. Viel wichtiger ist |
| 20276 | die Thatsache, dass der Verfasser ⲟⲩ ‚yEyovep von dem Vorher |
| 20277 | gehenden trennt und mit & aur@ in Verbindung setzt, eine |
| 20278 | Lesart, welche bei den alten Vätern die herrschende war! |
| 20279 | (ef. Tischend. Nov. Test. Graece I. S. 740 f.). Doch schiebt er vorher |
| 20280 | ein xal ein, liest also xal 6 ⲣⲟⲕⲉ ⲉ aut; ebenso willkürlich |
| 20281 | setzte Ptolemaeus? ⲥ︦ an Stelle von xal. Am Schluss steht |
| 20282 | ' Für die Gnostiker vergleiche Iren. I, 8, 5. Hippolyt Philos |
| 20283 | V, 16 und V, ⲃ. Clemens Al. Exe. $ 19. Origenes in Johann,, Tom. |
| 20284 | IT, 15 (Opp. ⲓⲛ ⲧ) SW |
| 20285 | 2 cf. Iren. J, |
| page 563 | |
| 20286 | 1V. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 547 |
| 20287 | ⲥⲱ) Eotw, wie es sich bei älteren Kirchenvätern bezeugt |
| 20288 | findet. |
| 20289 | 3) Matth 3, 3. Marc. 1, 3. Luc. 3, 4. Joh. 1, 23 cf. Jesaia |
| 20290 | 40, 3: xal ol xoACoptEG ⲉⲧⲟⲙ̃ϭⲧⲉ ⲧ ⲟ︦ xvolov; der Schluss |
| 20291 | von dem x%0vyua des Johannes fehlt, an seiner Stelle heisst es: |
| 20292 | xal ⲉⲡⲉ ⲧⲓ) ⲗⲟⲓ ⲧⲟⲩⲩ ⲉⲟ. Nirgends findet man ein |
| 20293 | solches Citat, daher wir hier ein Agraphon vor uns haben; am |
| 20294 | nächsten käme noch 2. Cor. 6, 1 in Betracht: Ϫⲱⲟϧⲉϩⲩⲟⲟⲧⲉϩ ⲟⲉ |
| 20295 | ⲭⲉ ⲡϭϩⲥⲭⲁⲗⲟⲟⲩⲙⲉϧ UN ⲉⲓϩ ϫⲉⲟⲩ ⲧ) ⲭⲉⲓ ⲧⲟⲟⲩ Ⲑⲉⲟⲱ︦ ⲉⲥ- |
| 20296 | ϭⲑ⳪ⲓ ⲙⲙⲁⲥ. |
| 20297 | 4) Joh. 1, 16: ⲉϫ ⲥⲟ ⲡⲗ]ⲟⲱⲙⲧⲟϩ AUTO ELKßOMEV XAQLV |
| 20298 | = ⲟⲓ Ex ⲧⲟ ⲡ ϥⲟⲱ̀ⲕⲥⲧⲟϩ AUTOÜ NUEIS AAVTES ⲗⲟⲏ, ⲭ) |
| 20299 | Xdow dvrTı ⲭⲉ̀ϩⲓⲧⲟⲥ. |
| 20300 | 5) xal ϭ) &p ⲡ⸍ⲧⲉϩ, ⲭⲑⲱ̀ϩ ⲣⲩⲟⲁⲡⲧϭⲓ ϯϭ Ep KAPTES |
| 20301 | ⲉ to ϯⲅ uöva. Ein derartiges Citat kommt im N. Test. nicht |
| 20302 | vor, das Wort ⲉⲓ̄ uörog ist gnostischen Ursprungs. Herr Ober- |
| 20303 | kirchenrat Resch hat die grosse Freundlichkeit gehabt, mir |
| 20304 | brieflich mitzuteilen, dass dieses Citat wahrscheinlich ein johan- |
| 20305 | neisches Agraphon sei und sich Joh. 17, 21 nähere; er verweist |
| 20306 | zugleich auf Epiph. haer. 69 cap. 67 p- 793: xal x&lır ⲡⲟlnϭⲟ |
| 20307 | ⲥⲩⲧⲟϩ Ira mom E& Zuol, wos ⲭⲱ xal cv Ep kouer ck. Joh. 11, |
| 20308 | 52. — 17, 11. |
| 20309 | 6) Hebräer 6 ϭⲟⲧ] ϭ u ⲩ ⲡⲉ Ϯ̀ⲉ ⲩⲉⲩⲣⲡⲧⲓ ” |
| 20310 | 7 ϥ ⲡⲛⲟϭ ⲧⲟ̀ VETOP ⲡⲟⲗⲗⲟ̄ⲭⲓⲉ = ⲩ ⲣ̀ N ⲡⲓⲟⲅ︦ϭϭ ⲧⲟⲩⲩ Ex’ |
| 20311 | ⲁⲧⲉ ⲉⲟⲭⲟⲙⲉϧⲟϧ ⲡⲟⲗⲗⲟ̀ⲭⲓϩ ⲙⲉⲧ. Der Verfasser hat leicht ge- |
| 20312 | ändert. Dieses Citat aus dem Hebräerbrief ist nicht ohne Inter- |
| 20313 | esse, da es uns auf den Wohnsitz des Verfassers, nämlich auf |
| 20314 | Aegypten hinweist, wo dieser Brief zuerst als paulinisch in den |
| 20315 | Kanon aufgenommen ist !. |
| 20316 | ⲧ) Ⲉ] 4, 19: xal ⲧⲟⲧⲉ ⲉⲃ ϭⲉ (Expaßer) exop: TExra |
| 20317 | KOov, ⲟⲥ ⲱⲱ, UEXOLS ⲟ ⲕⲟⲟⲣⲱⲑ ϥ Ⲕⲣⲓⲟⲧⲟⲩϩ EV ⲙ =— TEXVA |
| 20318 | ⲙⲟⲟ, ⲟϩ ⲡⲇⲓ ⲱⲱ, UEXOLE ⲟ ⲟⲟⲟ Ϫϭⲓⲟⲧⲟ̀ϩ ⲉ ⲡ |
| 20319 | Nur ⲡϭ︦ⲗⲓϧ ist ausgelassen. |
| 20320 | ! Die Berufung auf paulinische Briefe in ⲃⲟ alter Zeit ist sehr |
| 20321 | interessant; die Gnostiker haben dieselben in den kirchlichen Kanon |
| 20322 | gebracht, überhaupt ihre Gedanken in Paulus wiederzufinden gesucht. |
| 20323 | cf. Werner: „Der Paulinismus des irenaeus“ Texte u. Untersuch. |
| 20324 | 1889, VI, 2. S. 48ff, |
| 20325 | 3 |
| page 564 | |
| 20326 | 548 1V. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 20327 | 8) 2. Cor. 11, 2: xal x&2ıp (dvaßog) xgäbet* ⲅⲉ dopölopa |
| 20328 | ⲩϩ ⲫ̀ⲏϭ̅ϩ in ⲉⲩⲟ̀ϩⲓ ⲡⲡⲣⲃϧⲟⲩ &ypip ⲡϥϩⲟ ϥ̅ϭ: TB Ϫϩⲱⲟⲅⲫ |
| 20329 | = YoLOGdUND ⲩϩ ⲕⲁϩ Eyl Avdol ⲕⲥⲟⲑⲟⲱ ⲉⲩ) ϫⲉϩⲥⲟⲧϥ̅ϭⲉⲓ |
| 20330 | ⲧ︦ Xoıorm. Es stimmt fast wörtlich überein. |
| 20331 | ⲑ) ⲉ̀ⲗⲃⲟⲩ ⲅ) &xayyellav, ⲉaⲣⲩⲩⲗⲑϥ ϫⲟ tod Adyorres |
| 20332 | ⲟⲅ. ⲟϩ ⲉϭⲉ KATEORX ϫⲁ) ϣⲥⲣⲥ ϫⲟ) ⲉⲉⲗ ϫⲁ |
| 20333 | xal yvvalxa xal ⲧⲉ̀ϫⲱⲥ ⲕ Vxagkiy ϫⲟ) ⲃⲟⲟⲅⲉ̀ϩⲉⲉ (dos) von |
| 20334 | oravgöp ⲁⲧⲟⲩ ϫⲁⲓ Axolovdel Hot, Exayysllag, ⲉϩ ⲉⲉⲩⲉ ⲏ |
| 20335 | ⲥⲉⲧ, ⲉⲧϭⲓ. Dies ist eine Compilation von Matth. 19, 29. |
| 20336 | Marc. 10, 29. Luc. 14, 26. — 18, 29 und Matth. 10, 38. — 16, 24 |
| 20337 | Marc. 8, 34. Luc. 9, 23. — 14, 27. Luc. 14, 26 sq. ⲃⲟⲃⲉⲙ die |
| 20338 | Vorlage gebildet zu haben, das Wort öxap&ıg kommt‘ an diesen |
| 20339 | Stellen nicht vor. |
| 20340 | 10) Matth. 23, 37. Luc. 13, 34: ⲱϩ ⲟ︦ϩⲓⲥ ⲉ̀ⲕⲉⲟⲟⲃⲥ̀ⲩⲉⲉ ⲉⲉ |
| 20341 | vooola ⲥⲧⲉ ⲡⲟ ⲧⲉϩ ⲡⲧⲉ̀ϩⲟⲩⲟϩ ⲉ- x000xiG ⲓ] iⲙ]ⲟ⳪ ⲉⲑⲓ |
| 20342 | ayayılv ⲧⲉ ⲧϫ⳪ ϭⲟ, ⲟϧ TOÖX0V ⲟⲩϩⲃⲉϩ EXLOUPETEL ⲅⲉ ⲛⲟⲟⲙⲉ |
| 20343 | aÜTHS ⲙⲡⲟ ⲧⲉϩ ⲡⲧ̀ⲣⲟⲩⲟⲥ mit kleinen Varianten. |
| 20344 | 11) ⲉϣϫⲉ) AUTOS &vto2ds* ⲕⲉⲧⲉ ⲉ ⲅ ϣⲟ ⲉⲫⲱϣ |
| 20345 | xal ⲱϭⲱ ⲥ. ⲝⲱ) ) ϭⲱ̀ϧⲓⲟⲩ eine Compilation yon doh. 8,31: |
| 20346 | Eleyep ⲟⲟⲩ ⲟ ⲧϭⲟ ⲡϩⲟ ⲧⲟⲩ̀ϩ KEXLOTEUXÖTAG aür@: |
| 20347 | ϩⲩ ⲙ̀ⲙⲉ uelpntE ⲉ tm ‚267 zo Eu®, ⲉⲗϥⲑⲑ̅ⲥ ⲕⲉⲑϥⲅⲱ ⲓⲱⲑ |
| 20348 | ⲉϭⲉ und Joh. 1 28: ϫⲉⲱ ϧⲓϭⲱϣⲓ ⲟⲩⲧⲟⲓ ϩⲱ ⲱ̀ⲱ ⲙⲟ |
| 20349 | 12) xal Sol ⲉϭⲉ xal ⲩⲱⲱ̀ϭⲉⲟⲑⲉ ⲟⲩⲧ. ⲃⲉ ⲉⲛ ⲑⲟ ders |
| 20350 | scheint ein neutest. Agraphon zu sein, erinnert schr’an Gin. 3,8. |
| 20351 | 13) xal tovtOvG TOUG 267005 ⲕϩⲓⲟϩ ϩⲟ ⲉⲩⲣⲁ ⲙⲁⲅⲟⲥ |
| 20352 | (xavtöc) AÜTOIG 8102n0e xal ⲉ̀ϫ aUTOD ⲉⲩⲉⲭⲱ̀ϩϧϭⲓⲱ ϫⲱ |
| 20353 | ax’ aUt@»p ist Joh. 12, 36 nachgebildet: ⲩⲟ |
| 20354 | ”Incods, ⲭ Areidov ϫⲟⲃ) dx avtay. ⲁⲁ. |
| 20355 | 14) Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen; ⲙⲱ |
| 20356 | die 12 Edelsteine (ddäuayrtes) im Kranze der sieben 4 |
| 20357 | an die dadexa Hapyaptraı der Apoc. Joh. 21, 21 ⲙⲙⲛ. • |
| 20358 | Damit hätten wir die Übersicht über die vorhandenen ⲥⲁⲙ |
| 20359 | erschöpft. Aus dem A. T. werden mit Vorliebe die Panlusem be- |
| 20360 | 1 So wird ohne Zweifel zu lesen sein, |
| 20361 | 2 Auch bei den Kirchenvätern findet man häufig Zusammen- |
| 20362 | stellungen von verschiedenen Stellen zu einem Citat; die Gnostiker |
| 20363 | haben dies mit Vorliebe angewendet, |
| page 565 | |
| 20364 | 1V. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 549 |
| 20365 | nutzt z. B. N. 1. 2. 3. 4. 7. 8. 9. 11, daneben Proverbien N. 5, |
| 20366 | Prediger Salomonis N. 6 und Hohelied N. 10, d. h. die poetischen |
| 20367 | Stücke. Die Propheten, welche doch eine reiche Ausbeute ge- |
| 20368 | währten, sind nicht ein einziges Mal angeführt. Können wir |
| 20369 | daraus irgend welche Schlüsse ziehen, welchen Standpunkt der |
| 20370 | Verfasser in der Frage nach dem Gesetz und den Propheten ein- |
| 20371 | genommen hat? Es gewinnt in der That den Anschein, als |
| 20372 | wenn er diesen Stücken keine Autorität zugeschrieben hat; sicher |
| 20373 | ist dies aber keineswegs. |
| 20374 | Was das Neue Testament anbetrifft, so nehmen unter den |
| 20375 | Citaten diejenigen des Johannes-Evangeliums ! den ersten Rang |
| 20376 | ein, nämlich N. 1. 2. 4. 11. 13; auch sonst sind eine Reihe von |
| 20377 | Terminologien wie z. B. uovoye&rpns, 26y0s, zatııo diesem Evan- |
| 20378 | gelium entnommen, aus den Synoptikern nur N. 3. 9. 10, daneben |
| 20379 | der Hebräerbrief N. 6, der Galaterbr. N. 7, 2. Corinth. N. 8 und |
| 20380 | drei Agrapha N. 3. 5. 12 nebst einer Parallele zur Apokalypse; |
| 20381 | es fehlen mithin die Apostelgeschichte und katholischen Briefe. |
| 20382 | Ob diese letzteren bereits im Kanon gestanden haben oder nicht, |
| 20383 | lasse ich unbeantwortet; im Übrigen kann man wohl behaupten, |
| 20384 | dass die vier Evangelien und die paulinischen Briefe als heilige, |
| 20385 | mit hoher Autorität ausgestattete Urkunden gelten. |
| 20386 | Wie uns aus den Kirchenvätern bereits bekannt, so giebt |
| 20387 | auch hier die Gnosis ihr Bestreben zu erkennen, dass sie christ- |
| 20388 | lich sein will, daher ihr Lehrgebäude auf dem Boden des A. und |
| 20389 | N. Testamentes zu errichten sucht, um sich der Qrosskirche |
| 20390 | gegenüber als die wahre Religion, als die einzig berechtigte In- |
| 20391 | terpretin der heiligen Schriften zu legitimieren. Aber mit welchen |
| 20392 | Mitteln konnte man dieses Verfahren durchführen! Denn jeder |
| 20393 | Gnostiker musste erkennen, dass sich weder im N. noch im A. |
| 20394 | Testament seine Ideen und Spekulationen lauter und rein wieder- |
| 20395 | finden; dazu bedurfte es erst eines tieferen Verständnisses des |
| 20396 | 1 Die Valentinianer haben bei ihren Spekulationen dasselbe sehr |
| 20397 | häufig benutzt: cf Iren. III, 11, 7: Hi autem, qui a Valentino sunt, |
| 20398 | eo quod est secundum Joannem plenissime utentes ad ostensionem |
| 20399 | conjugationum suarum, ex ipso detegentur nihil recte dicentes, Dies |
| 20400 | beweisen die Excerpte des Clemens aus Theodot und der Johannes- |
| 20401 | Kommentar des Heracleon. |
| page 566 | |
| 20402 | 550 IV, Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 20403 | vorliegenden Textes und einer besonderen Interpretation. Des |
| 20404 | Hauptmittel bildete die allegorisch-pneumatische Ausdeutung, |
| 20405 | welche in der P. Sophia mit verblüffender Virtuosität gehandhabt |
| 20406 | wird, eine Methode, deren sich auch die apostolischen Väter in |
| 20407 | ausschweifender Weise bedienten. In unserm Werke ist dies |
| 20408 | nicht der Fall, vielmehr dient jedes Citat zur Stütze der auf- |
| 20409 | gestellten Behauptungen. Das System wird einfach formuliert, |
| 20410 | die nötigen Bibelstellen finden sich von selbst. Infolge dessen |
| 20411 | kann von einem wirklichen Eindringen in den inneren Kern der |
| 20412 | betreffenden Stelle nicht die Rede sein; die Exegese steht ganz |
| 20413 | im Dienste der Dogmatik, ihr zu Liebe werden die einzelnen |
| 20414 | Stellen aus ihrem Zusammenhang gerissen und dadurch ihres |
| 20415 | genuinen Inhalts beraubt. Aber dies ist noch keineswegs genug. |
| 20416 | Man lässt einzelne Worte, die nicht passen, beliebig fort, ⲱⲙ |
| 20417 | willkürlich andere hinzu, zieht ganz verschiedene Stellen zu |
| 20418 | einem Citat zusammen und fälscht, so viel es beliebt. Das heisst |
| 20419 | doch aller gesunden Logik Hohn sprechen, wenn man die Schrift |
| 20420 | nach dem System interpretiert und nicht das System nach der |
| 20421 | Schrift. Wir können nicht umhin, den Kirchenvätern unsere |
| 20422 | vollsten Sympathien auszusprechen, welche in energischer Weise |
| 20423 | gegen diesen Unfug Front gemacht haben !. In dieser Beziehung |
| 20424 | haben die Gnostiker grossen Schaden angerichtet, freilich auch |
| 20425 | auf der andern Seite einen nicht zu unterschätzenden Dienst ge- |
| 20426 | leistet. Im Gegensatz zu ihnen hat man die allegorische Methode, |
| 20427 | wenn auch nicht aufgegeben, so doch auf ein gewisses Mass |
| 20428 | beschränkt, das richtige Verständnis der heiligen Schriften wieder- |
| 20429 | gewonnen, den schlichten Wortsinn verstehen gelernt; von ⲉ |
| 20430 | ab bildete das lebendige Wort, wie ⲉⲃ in den |
| 20431 | apostolischen Schriften niedergelegt war, die einzige Norm. ⲟ |
| 20432 | schönen Worten hat Irenaeus Ⲱ︦ 27, 1) diesen Gedanken zum |
| 20433 | Ausdruck gebracht: 0 ⲗⲟ ⲙⲟϩ ϫⲟ) äxlvduvog ⲕⲱ) ⲉⲃ |
| 20434 | xal ...ⲧ ⲟⲩϭⲥ &p ⲧϥ ⲍⲱⲏ ⲉⲩⲑϩⲱ̀ⲡⲱⲟ &Eovolg didaxer 6 |
| 20435 | Ⲑⲉⲟ̀ϩ xal ÜTOTETALE th ÜHETEOR ⲩⲱⲱϭⲉ:, ⲧⲟⲧ ⲉϩⲟ HS &z- |
| 20436 | ⲕⲉⲗⲉⲧⲙϭⲉⲓ. ⲭⲁ Ep ⲡⲉⲧⲟⲓ ⲡϩⲟⲭⲟ̀ⲫⲉⲓ, ⲓⲉ ⲧϥ̅ ⲕⲑ ϥⲙⲉⲣⲉ ⲉⲟ- |
| 20437 | ϭⲉⲱϩ ϥ︦. ınr i ϥϭⲓ ̀ϭⲱⲅϣ︦ ⲡⲟⲉⲟⲩ̀ⲙⲉⲃⲟϩ ⲉ ⲟ) ⲅⲱⲟ︦ⲥⲉ |
| 20438 | ⲟ. Iren. prooem. 1. Ⲓ 3, 6. — 8, 1, 2. — 9, 1. 3. 8. 4 — |
| 20439 | 18. 1ff. Tertullian de praeser. haer, cap. 15. 17. 18. 87. |
| 20440 | | |
| page 567 | |
| 20441 | IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. 551 |
| 20442 | ⲧ ⲧⲉ Un ⲟⲓ AinTOrTA TYV ⲕⲉⲧ) ϫⲓ 00H OAVEQOE Kal |
| 20443 | ⲉⲩⲟⲏϭⲓⲃⲟⲗⲱϩ AUTOLEEEL Ev TAis ⲉⲥⲓⲥ ⲩⲟϭϣⲥⲓⲥ ⲗⲉⲗⲉϫⲧϭⲓ etc. |
| 20444 | Vor ihm hat kein Schriftsteller in der Weise gesprochen. |
| 20445 | Hat nun der Verfasser neben diesen heiligen Schriften noch |
| 20446 | andere Quellen benutzt? Wir haben freilich oben gesehen, dass |
| 20447 | er seine Lehre „auf die unverfälschte, aus Schriften zu erhebende |
| 20448 | apostolische Tradition“ zu gründen beabsichtigt; aber so redlich |
| 20449 | auch immer diese Absicht gewesen sein mag, so wurde sie bald |
| 20450 | durchkreuzt, denn die apostolische Tradition reichte nicht im ge- |
| 20451 | ringsten Masse aus, um durch sie den Inhalt der Lehre zu decken; |
| 20452 | man sah sich genötigt, neue Quellen zu erschliessen. Sehr viel |
| 20453 | Interesse bietet in dieser Hinsicht P. 13 denn hier unterbricht |
| 20454 | der Verfasser plötzlich sein Thema und schickt sich an, den |
| 20455 | Nachweis zu liefern, welchen Quellen er seine Kenntnis von der |
| 20456 | oberen Welt entnommen habe. Er gesteht ein, dass er nicht |
| 20457 | den yovoyerns — denn um diesen handelt es sich — mit Flei- |
| 20458 | scheszunge beschreiben könne, er müsse vielmehr zu grösseren |
| 20459 | Geistern seine Zuflucht nehmen, die den Ort des wovoyernc mit |
| 20460 | eigenen Augen geschaut haben. Als solche von Gott begnadete |
| 20461 | Männer werden Marsanes und Nicotheos angeführt, ja von letz- |
| 20462 | terem sogar ein wörtliches Citat gegeben: Nicotheos hat von ihm |
| 20463 | geredet und ihn geschaut, denn er ist jener. Er sprach: „Der Vater |
| 20464 | existiert, indem er über alle z£A&t0t erhaben ist“, Dasselbe ist, wie |
| 20465 | wir weiter unten sehen werden, einer Apokalypse des Nicotheos |
| 20466 | entnommen, während Marsanes ein Prophet der Archontiker |
| 20467 | war! (ⲃ. u.). Neben diesen tritt als dritter im Bunde Phösilam- |
| 20468 | ! Sehr häufig haben die Gnostiker Propheten als Gewährsmänner |
| 20469 | angeführt ⲍ. B. Gnostiker, Nicolaiten den Barcabbas. Epiph. h. |
| 20470 | 26, 2. — Philastr. haer. cap. 33. — Basilides den Barcoph und |
| 20471 | Barcabbas cf, Agrippa Castor bei Euseb. h. e. IV, 7, 5—8. Ⲧⲃⲑⲟ‐ |
| 20472 | doret haer. fab. I, 4. — Isidor schrieb to zgo@1r0ou Ⲡⲁϩⲗⲱ̀ϩ &EnynN- |
| 20473 | tıxa cf, Clemens Alex. Strom. VI, 6, 53. — Nach den Acta Archelai |
| 20474 | et Manetis 52 und Epiph. haer. 64, 3 verhandelt Terebinthus mit |
| 20475 | einem Propheten II«xyxos. — Die Marcosianischen Prophetinnen Iren. |
| 20476 | I, 13, 3 und die Philumene des Apelles Tert. de praesc. cap. 30. de |
| 20477 | carne Chr. cap. 6. Pseudo-Tertull. cap. 71. Hippolyt VII, 38 p. 410 |
| 20478 | und X, 20, 524. Hieron. Epist. 132 ad Ctesiph. cap. 4. Auch die |
| 20479 | Helena des Simon Magus scheint als Prophetin aufgetreten zu sein. |
| page 568 | |
| 20480 | 552 IV. Untersuchungen über die gnostischen Werke. |
| 20481 | ⲣⲃ, eine bis dahin unbekannte Grösse. Aus einem Werke der |
| 20482 | selben erhalten wir zwei Citate 1) P. 15%: Dies ist die ⲕ |
| 20483 | x0olıs des uovoyernc, dies ist der yovoysrpng, von dem Phös- |
| 20484 | lampes gesagt hat: „Er existiert vor dem All“. 2) Gleich darasf: |
| 20485 | Und als ihn Phösilampes begriffen hatte, sprach er: „Durch ⲘⲰ |
| 20486 | ist das in Wirklichkeit wahrhaftig Existierende und das wahrhaftig |
| 20487 | Nichtexistierende, durch welchen das in Wirklichkeit verborgen |
| 20488 | Existierende und das in Wirklichkeit offenbar Nichtexistierende | |
| 20489 | existiert“. Diese Schrift war ursprünglich, wie alle Indieien an die |
| 20490 | Hand geben, in griechischer Sprache verfasst; der Verfasser giebt |
| 20491 | sich durch das öyzws ⲟⲩ und ur) öytws Öp als Platoniker kund, |
| 20492 | daher man auf ein im philosophischen Ton abgefasstes Werk |
| 20493 | schliessen möchte, doch war dasselbe m. E.ebenfalls eine |
| 20494 | Sehr bezeichnend für den Standpunkt des Ginostikers. uni |
| 20495 | zugleich ein schlagendes Indicium für das hohe Alter unseres |
| 20496 | Werkes ist die Thatsache, dass diese beiden Citate ohne irgend |
| 20497 | welchen Unterschied in der Dignität mit dem Prolog des Johanunse- |
| 20498 | Evangeliums auf gleiche Linie gestellt, ja sogar beide mit: «rag |
| 20499 | ⲟ ...ⲉⲡⲉ eingeleitet werden. Valentinianer würden sich |
| 20500 | niemals dieser Freiheit, soweit wir auf die uns überlieferten: ‚Nach- |
| 20501 | richten vertrauen können, bedient haben. |
| 20502 | ⲉ |
| 20503 | . . |
| 20504 | V. Ursprung, Zeit und Ort der koptisch-gnostischen |
| 20505 | Originalwerke. |
| 20506 | A. Die Pistis Sophia und die beiden Bücher ⲑ |
| 20507 | Sehr eingehend hat Amelineau in seiner oben erwähnten Ab- | |
| 20508 | handlung ! diese Punkte besprochen; daher wird es notwendig |
| 20509 | sein, seine Ansichten, auch wenn sie von den unsrigen in jeder |
| 20510 | Hinsicht abweichen sollten, den Lesern zur Prüfung vorzulegen. |
| 20511 | Nach Am. gehören die im Codex Brucianus enthaltenen |
| 20512 | Werke dem ägyptischen Gnosticismus an; denn wenn anch das |
| 20513 | Original in griechischer Sprache abgefasst war, so führt doch |
| 20514 | 1 Revue de lhistoire des relig. 1890 ⲃ︦. ⲱⲃ |
| page 569 | |
| 20515 | V. Ursprung, Zeit u. Ort d. koptisch-gnostischen Originalwerke. 553 |
| 20516 | der Umstand, dass dasselbe ins Koptische übertragen, zu der |
| 20517 | Vermutung, dass die behandelten Stoffe den Ägyptern bekannt |
| 20518 | und sehr angenehm gewesen sind, mithin eine bestimmte Anzahl |
| 20519 | gewissermassen autochthonischer Ideen enthalten haben müssen, |
| 20520 | Er sieht nun in den Siegeln der Äonen der mittleren Welt und |
| 20521 | in den Merkmalen der Äonen des höheren Pleroma wirkliche |
| 20522 | hieroglyphische Zeichen und findet dies dadurch bestätigt, dass |
| 20523 | ein Zeichen nicht allein die Augenkenntnis, sondern auch das |
| 20524 | Verständnis des ideographischen Zeichens beweise. Das Merk- |
| 20525 | mal des Gottes der Wahrheit nämlich, welcher an der Spitze |
| 20526 | des höheren Pleroma steht und von Irenaeus „Bvd0ös‘“ im valen- |
| 20527 | tinianischen Systeme genannt wird, setzt sich aus einem Bassin |
| 20528 | zusammen, das drei wellenförmige Linien einschliesst 5 ; |
| 20529 | vermittelst dieser drei wellenförmigen Linien bezeichnet der Ägyp- |
| 20530 | ter das Wasser. Den Einwand, welchen man erheben möchte, |
| 20531 | dass der Gott der Wahrheit in der Abhandlung niemals Bvd6s |
| 20532 | genannt wird, daher auch nicht mit dem ersten Gott des von |
| 20533 | Irenaeus dargestellten Systems identificiert werden dürfe, glaubt |
| 20534 | Am. dadurch zu entkräften, dass die Kirchenväter bei der be- |
| 20535 | trächtlichen Anzahl von Namen für einen und denselben Äon |
| 20536 | nicht immer den Hauptnamen gewählt haben. Zugleich beruft |
| 20537 | er sich auf sein Buch Essai sur le Gnosticisme !, in welchem er |
| 20538 | den Nachweis geführt habe, dass ein grosser Teil der von Basi- |
| 20539 | lides und Valentin verfochtenen Ideen ägyptischen Quellen ent- |
| 20540 | nommen seien. Unsere Abhandlungen liefern ihm zur Stütze |
| 20541 | jener These neues Material. |
| 20542 | Unter den Genien, welche jeden Äon bevölkern und das |
| 20543 | Pleroma durch ihre Gesammtheit ausmachen, giebt es eine Hierar- |
| 20544 | chie der zapgalnurtAaL oder zapgalnUKTOQES, deren Aufgabe darin |
| 20545 | besteht, die Seelen nach dem Tode aus dem Körper zu holen |
| 20546 | und durch alle Äonen bis zum Topos des Gottes der Wahrheit |
| 20547 | zu führen. Diese vergleicht Am. mit Anubis, dem Yvyox6U0s |
| 20548 | der ägyptischen Religion, welcher die Seelen in den Saal des |
| 20549 | Osiris und seiner 42 Beisitzer führte und ihnen „den Weg öft- |
| 20550 | nete“. Auch ähnelt die Reise einer gnostischen Seele durch die |
| 20551 | Äonen ganz derjenigen einer ägyptischen zum Amente. Jene be- |
| 20552 | 1 ⲃ︦. 231— 253 und 281—320. |
| page 570 | |
| 20553 | 5354 V. Ursprung, Zeit u. Ort d. koptisch-gnostischen Originalwerke. |
| 20554 | darf der Siegel und Losungsworte, um die Ungeheuer zu be- |
| 20555 | kämpfen, diese muss auf ihrer Reise zum Osiris viele Ungeheuer, |
| 20556 | die sich ihr entgegenstellen, überwinden, muss bei der Überfahrt |
| 20557 | über den grossen Fluss der Unterwelt ein Verhör bestehen, um |
| 20558 | sich in betreff der Kenntnis der Mysterien zu rechtfertigen. Für |
| 20559 | die Bildung dieser Ungeheuer (ef. P. Sophia p. 105 u. 106) |
| 20560 | brauchte der Gnostiker nur die Malereien der Tempel, die Vig- |
| 20561 | netten der Totenhbücher und die Darstellungen in den Totengräbern |
| 20562 | zu betrachten. Endlich entspricht eine im Codex Brucianus vor- |
| 20563 | kommende Phrase: „der Vater und die Quelle aller Wesen, der, |
| 20564 | welcher alle seine Glieder hervorgebracht hat“ derjenigen in den |
| 20565 | Texten der pharaonischen Hymnen: „der Gott schafft die Götter, |
| 20566 | welche seine Glieder sind“. |
| 20567 | Auf diese Weise gelangt Am. zu dem Resultat, dass der |
| 20568 | Grund der gnostischen Lehren im Codex Brucianus zum grossen |
| 20569 | Teil auf den alten Doktrinen Ägyptens beruhe, dass also unsere |
| 20570 | beiden Abhandlungen Erzeugnisse des ägyptischen Gnosticismus |
| 20571 | seien, mithin auch den Meistern desselben zuerteilt werden müssten. |
| 20572 | Welches sind nun die Meister des ägyptischen Gnosticismus? |
| 20573 | Carpocrates, Ptolemaeus, Heracleon und Colorbasos scheidet Am., |
| 20574 | da sie seiner Meinung nach zu spezielle Lehren vorgetragen |
| 20575 | haben, von vornherein aus; es bleiben für ihn daher nur noch |
| 20576 | die beiden grossen Schulhäupter Basilides und Valentin übrig. |
| 20577 | Zwar geht er nun noch nicht so weit, unumwunden die Behaup- |
| 20578 | tung aufzustellen, dass dieser oder jener der Urheber des Werkes |
| 20579 | sei, ja ⲉⲃ steht ihm sogar fest, dass sie es nicht seien; aber beide |
| 20580 | sollen einen gleichmässigen Einfluss auf den Gnosticismus un- |
| 20581 | seres Werkes ausgeübt haben. |
| 20582 | Basilides stellt an die Spitze seines Systems den nicht- |
| 20583 | existierenden Gott d. h. den grossen Schatz, in dem alle Keime |
| 20584 | en puissance vereinigt sind, der aber nach einer Reihe von ab- |
| 20585 | strakten Evolutionen sich mehr und mehr dem Konkreten nähert. |
| 20586 | In jeder Welt existiert ein Vater, der einen Sohn hervorbringt, |
| 20587 | der grösser als er in der Ogdoas ist; dasselbe Wunder wieder- |
| 20588 | holt sich in allen 365 Himmeln, von denen der erste die Heb- |
| 20589 | domas ist. — Die Glückseligkeit, welche Basilides seinen An- |
| 20590 | hängern verspricht, ist die vollkommene Unkenntnis, an welchem |
| 20591 | Orte die oberhalb gelegenen Äonen sich befinden (cf. Hippolyt |
| 20592 | Philos. VI1I, II, 20—26, p. 344/366). |
| page 571 | |
| 20593 | V. Ursprung, Zeit u. Ort d. koptisch-gnostischen Originalwerke. 555 |
| 20594 | Alle diese Punkte findet man in der ersten Abhandlung |
| 20595 | wieder. 1. Zwar wird der nichtexistierende Gott nirgends ausdrück- |
| 20596 | lich genannt, aber es treten uns daselbst abstrakte Ausdrücke |
| 20597 | entgegen z. B. „der, welcher ist“ und „der, welcher nicht ist“. |
| 20598 | 2. Es kehrt die Zahl 365, welche für das basilidianische System |
| 20599 | charakteristisch ist, zweimal wieder. 3. Der Monogenes spielt |
| 20600 | neben seinem Vater dieselbe Rolle, wie der Sohn des grossen |
| 20601 | Archonten neben dem seinigen in jeder Welt, denn er ist mäch- |
| 20602 | tiger wie jener. 4. Die Wesen, welche Körper angenommen haben, |
| 20603 | wünschen ihn zu verlassen, um zur ewigen Glückseligkeit zu |
| 20604 | gelangen; um nun das Ende dieser Glückseligkeit oder die all- |
| 20605 | gemeine Wiedergeburt auszudrücken, heisst es, dass die Unsicht- |
| 20606 | barkeit in allen Welten herrsche, d. h. dass jede der unteren |
| 20607 | Welten nicht die darüber befindlichen erkennen werde. 5. Auch |
| 20608 | findet man die Namen der Ogdoas und Hebdomas, letztere nicht |
| 20609 | namentlich, aber ihr gleichbedeutend sieben cog(aı, u. z. führt eine |
| 20610 | derselben den Namen Hebdomas. 6. Daneben erscheint die Enneas |
| 20611 | als eine Sammlung, „die ohne Merkmal und in der die Merkmale |
| 20612 | jeder Kreatur sind.“ 7. Endlich tritt uns eine vörnNs entgegen. |
| 20613 | Aber noch andere Züge weisen auf Basilides. Derselbe war |
| 20614 | bekanntlich ein Schüler des Menander und Mitschüler des Satur- |
| 20615 | nin, kannte also das System beider. Der Äon Evangelium spielt |
| 20616 | in seinem System dieselbe Rolle wie der Lebensfunke bei Satur- |
| 20617 | nin, freilich mit der Differenz, dass jener nicht wie dieser in Ge- |
| 20618 | fangenschaft geführt wird. Dieser Funke kommt in der ersten |
| 20619 | Abhandlung vor; er übt eine wohlthuende Wirkung aus und |
| 20620 | steigt in alle Äonen hinab, wird aber nicht in ein elendes |
| 20621 | Loos geführt, sondern an seiner Stelle wird die Gnade gefangen. |
| 20622 | Ja, Am. findet sogar Anklänge an das System von Simon Magus, |
| 20623 | in welchem die &xivor@ ebenso wie bei Menander eine grosse |
| 20624 | Rolle spielt. |
| 20625 | Nach diesen Betrachtungen würde man den Codex Brucianus |
| 20626 | für basilidianischen Ursprungs halten, wenigstens die erste Ab- |
| 20627 | handlung. Andere Ausdrücke weisen uns dagegen auf das valent. |
| 20628 | System, z. B. wird ein Äon von der Sophia-Ogdoas geschaffen, |
| 20629 | der alle Vollkommenheit des Pleroma besitzt. Dieser Aon ist die |
| 20630 | „gemeinsame Frucht des Pleroma oder Jesus“ !, mithin kannte der |
| 20631 | 1 Hipp. Phil. VI, II, 32 p. 287. |
| page 572 | |
| 20632 | Gestalt angenommen hätten. _ vie |
| 20633 | Abhandlungen eine spätere En |
| 20634 | Systems zu sehen; dies wäre f |
| page 573 | |
| 20635 | V. Ursprung, Zeit u. Ort d. koptisch-gnostischen Originalwerke. 55 |
| 20636 | sehr leicht. Demgemäss setzt Am. die Originalkomposition der |
| 20637 | beiden Abhandlungen zwischen 130 und 140 n. Chr. Zum Be- |
| 20638 | weis für ein solches Alter macht er das seltene Citieren der |
| 20639 | Evangelien geltend, da nur die ersten Verse von dem Johannes |
| 20640 | Evangelium zur Rechtfertigung der Abstammung der Äonen an- |
| 20641 | geführt werden. Dieselbe Ableitung findet er auch in den Ex- |
| 20642 | cerpta Theodoti, ohne damit einen Schüler Valentin’s als Autor |
| 20643 | des Werkes hinstellen zu wollen. |
| 20644 | Hatten wir schon bei der Anordnung der Fragmente den |
| 20645 | Ansichten von Am. unsere Anerkennung versagen müsen, wie |
| 20646 | viel mehr noch bei diesem Teil der Untersuchungen! Abgesehen |
| 20647 | davon, dass eine andere Fragmentanordnung auch in den andern |
| 20648 | Fragen eine verschiedene Ansicht zur Folge haben muss, so wird |
| 20649 | man dennoch über die hier dokumentierte Methodik in ein nicht |
| 20650 | geringes Erstaunen versetzt; denn von einer wissenschaftlichen |
| 20651 | Untersuchung findet man keine Spur, vielmehr werden einzelne |
| 20652 | Stellen ohne Sinn und Verstand aus dem Zusammenhang gerissen |
| 20653 | und auf das Geratewohl mit sonstigen Nachrichten der Kirchen- |
| 20654 | väter in Verbindung gesetzt; bei näherer Prüfung erkennt man |
| 20655 | aber nur Seifenblasen und Phantasiegebilde. Wie schon in seinem |
| 20656 | Essai sur le Gnosticisme, so hat auch hier Am. seine Kenntnis |
| 20657 | von der Geschichte und dem Wesen des Gnosticismus grössten- |
| 20658 | teils den Philosophumena entnommen, bei deren Benutzung |
| 20659 | gerade die grösste Vorsicht am Platze gewesen wäre !; aber auch |
| 20660 | abgesehen davon, vermissen wir überhaupt jedes tiefere Eindringen |
| 20661 | in die Quellenfragen und in die Geschichte des Gnosticismus. |
| 20662 | Am. scheint eine besondere Vorliebe für den ägyptischen Gno- |
| 20663 | sticismus, den er in seinem Essai sehr eingehend darzustellen ver- |
| 20664 | sucht hat, gefasst zu haben. Ich schliesse mich in dieser Hin- |
| 20665 | sicht voll und ganz den Ausführungen von Harnack? an; denn |
| 20666 | auch ich muss meinerseits gestehen, dass der Zusammenhang des |
| 20667 | Gnosticismus mit der ägyptischen Religion und den ägyptischen |
| 20668 | 1 Vergleiche darüber Salmon: "The Cross-References in the |
| 20669 | Philosophumena. Hermathena 1885 und Stähelin: Die gnostischen |
| 20670 | Quellen des Hippolyt etc. in den Texten und Untersuch. VI, 3. |
| 20671 | 2 Vergl. die Anzeige des Werkes in der Theol. Literztg. 1889 |
| 20672 | Nr. 9, S. 22. |
| page 574 | |
| 20673 | 558 V. Ursprung, Zeit u. Ort d. koptisch-gnostischen Originalwerke. |
| 20674 | Mysterien keineswegs nachgewiesen und die Parallelen ..meisten- |
| 20675 | teils an den Haaren herbeigezogen sind. Am. setzt gar nicht |
| 20676 | in Rechnung, dass die gnostischen Schriften und die religiösen |
| 20677 | Texte der Pharaonenzeit durch Jahrtausende von einander ge |
| 20678 | trennt sind, dass wir von den letzten Stadien der ägyptischen |
| 20679 | Religion so gut wie gar nichts wissen!, Ebenso wenig haben |
| 20680 | uns die speciell für unser Werk beigebrachten Parallelen über- |
| 20681 | zeugen können, ja sie entbehren sogar jeder thatsächlichen Grand- |
| 20682 | lage. Die Widerlegung eines Punktes möchte schon. ‚genügen. |
| 20683 | Am. sieht in den Siegeln etc. hieroglyphische Zeichen, ja stellt |
| 20684 | die Behauptung auf, dass der Verfasser das ägyptische.Zeichen |
| 20685 | Mu „Wasser‘ als Bud0g verstanden habe. Dies ist. eitel Dunst, |
| 20686 | denn die Siegel haben mit Hierogly hen n „En |
| 20687 | irgend welche Ähnlichkeit; wie missli |
| 20688 | schon daraus hervor, dass Am. keinen B |
| 20689 | viel weniger ist die zweite Behauptun |
| 20690 | tet man das Original genauer, so sin |
| 20691 | tes der Wahrheit (P. 5) nicht drei \ |
| 20692 | gerade Striche vorhanden; dieselben Stril |
| 20693 | dern Stelle (P.6) wieder, wenn auch die A |
| 20694 | Schwartze fälschlich ⲉⲝ geben. Zum Glü« |
| 20695 | über die Bedeutung der Zeichen in e |
| 20696 | es heisst: „Diese drei Striche, welche a |
| 20697 | men, welche er von sich geben wird |
| 20698 | dass er den Vater preise, damit er sell |
| 20699 | bringe und selbst emaniere“, Das ist klar |
| 20700 | teren Kommentars. |
| 20701 | Wir unsererseits wollen den Versuch ma |
| 20702 | deren Wege zu möglichst sicheren Resnul |
| 20703 | ! Damit ist nun noch nicht gesagt, das |
| 20704 | ägyptischen religiösen Vorstellungen, wie |
| 20705 | cismus ausgebildet waren, rundweg von |
| 20706 | vielmehr bedarf diese Frage einer besonder |
| 20707 | will ich behaupten, dass man auf dem von Ar |
| 20708 | zu keinem festen Resultate gelangen ⲓ |
| 20709 | dass es mir späterhin vergönnt sein wind, |
| 20710 | Punkt in einem grösseren Zusammenh |
| 20711 | ? Vergl. meine Abhandlung: „Über di |
| page 575 | |
| 20712 | V. Ursprung, Zeit u. Ⲟ d. koptisch-gnostischen Originalwerke. 559 |
| 20713 | und zwar liegt es in unserer Absicht, zu diesem Zwecke zwei |
| 20714 | Namen, welche für das ganze System charakteristisch sind, näm- |
| 20715 | lich Jaldabaoth und Barbelo, näher zu beleuchten und ihren Ge- |
| 20716 | brauch bei den gnostischen Sekten nachzuweisen. |
| 20717 | I. Die richtige Lesart des ersten Namens ist Jaldabaoth; die |
| 20718 | Erklärung desselben ist eine sehr verschiedene. Petavius leitet |
| 20719 | ihn von 83x 751 „matrix patrum ac propagatrix vis“ ab, Beller- |
| 20720 | mann (Gemmen der Alten 1 39) von 13 87“ „Sohn der Bytho |
| 20721 | (ⲟϩ ⲧϥⲥ Ⲃⲱ) Gieseler (Kirchengeschichte S. 189), Matter |
| 20722 | (hist. du Gnosticisme II, 198) von Ma ⲁⲧ „Sohn des Chaos“, |
| 20723 | eine Erklärung, die heute wohl als die recipierte gelten kann; |
| 20724 | nur Harvey vermutet in seiner Ausgabe des Irenaeus I, p. 230, |
| 20725 | MNMaN NT. |
| 20726 | Diese mythologische Figur tritt uns bei einer Reihe von |
| 20727 | gnostischen Sekten entgegen. Jaldabaoth ist gewöhnlich der Sohn |
| 20728 | der Sophia-Prunikos oder Barbelo und als solcher Inhaber des |
| 20729 | siebenten Himmels und Schöpfer der Welt. |
| 20730 | 1. Bei den Ophiten. Epiph. haer. 37,3. Theodor. fab. h, I. 14. |
| 20731 | Pseudo-Tertullian cap. 47. Philastrius cap. 1. |
| 20732 | 2. Bei den Nicolaiten. Epiph. h. 25, 2. 3. Philastr. c. 33. |
| 20733 | 3. Bei den sog. /vowottxol. Epiph. h. 26, 10 ff. |
| 20734 | 4. Bei den Severianern. Epiph. h. 45,1. |
| 20735 | 5. Bei den Barbelo-Gnostikern. Iren. I, 30,1 ff. |
| 20736 | 6. Bei den Naassenern nach Dunker und Schneidewin !, welche |
| 20737 | ”Hoaidatos in ’Iaidaßacnd geändert haben; ihnen haben sich |
| 20738 | Möller, Hefele u. A. angeschlossen, aber diese Emendation ist |
| 20739 | durchaus willkürlich, da an jener Stelle gar kein Verdacht einer |
| 20740 | Korruption vorliegt. |
| 20741 | IL Die zweite Figur ist die Barbelo; die richtige Form des |
| 20742 | Namens lautet Ⲃⲱ (Iren. I, 29,1. Epiph. h. 25,2. Philastr. |
| 20743 | ⲥ. 33), daneben auch Bapßnicwid (Epiph. h. 21,2. Theod. 1. 13). Auch |
| 20744 | dieser Name hat eine verschiedene Erklärung gefunden; nach |
| 20745 | Petavius „Syriaca vox esse videtur ⲛ. <a filius Bahalis id |
| 20746 | est ‚Jovis‘“; Bellermann (Gemmen der Alt. 1 2) übersetzt ihn |
| 20747 | erhaltenen gnostischen Originalwerke“, Sitzungsber. der Königl. Preuss. |
| 20748 | Akad. d. Wissensch. zu Berlin phil.-hist. Klasse XI, 1391 S. 215 —219. |
| 20749 | 1 Hippolyt Philosoph. V, 7 p. 104. |
Provenance
Full provenance, licence and citation: part 1.
What the layers are
The text as its witness or edition has it, original spelling; its dialect is a description and is never standardized.
For Egyptian texts: the transliteration with the editors' marks turned into the symbols ° * < > _ ^ (ruled 2026-09-10). For papyri: the edition's Leiden marks as the same symbols, and the editors' readings beside the scribe's as ‹scribe→editors› (ruled PAP-3).
Standardized Greco-Bohairic spelling and grammar, generated by code from the layer above under the rulings of the project.
The Kemetic alphabet, generated by code from L1.
Quoted translations where they exist, credited; otherwise model drafts, marked as drafts.