Schmidt – Gnostische Schriften in koptischer Sprache aus dem Codex Brucianus (Texte und Untersuchungen 8, 1892)

Apocrypha & Gnostic · Schmidt – Gnostische Schriften in koptischer Sprache aus dem Codex Brucianus (Texte und Untersuchungen 8, 1892) · sahidic · L0 witness (OCR)

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page 977
36132Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian’s. 11
36133Die fünfte Stelle aus dem griechischen Apologeticus, und
36134zwar aus dem 2. Capitel, hat Eusebius III, 33, 3 ⲃ angeführt.
36135Er erzählt zuerst den Inhalt des berühmten Briefwechsels des
36136Plinius und Trajan und zwar lediglich auf Grund des tertulliani-
36137schen Berichts (die Originale hat er augenscheinlich nicht ge-
36138kannt), sodann wiederholt er diesen Inhalt noch einmal — zum
36139Theil mit denselben Ausdrücken wie vorher —, nun aber als
36140wörtliche Wiedergabe der Sätze Tertullian’s. Eingeleitet ist diese
36141Wiederholung also: „Einztarı d’ 7 Lortoola && ⲩⲉ Avawrtkoo
36142dednicixauev ⲧⲟⲟⲩ Ⲧⲉⲣⲧⲱⲗⲗⲓⲥϧⲟⲟ︦ Poudixhs droloylas, He N
36143ⲉ̀ϩⲙϥϧⲉⲓⲁ ⲧⲟⲟⲧⲟⲩ Eyeı ⲧ TQOROV.“
36144IL
36145Bevor wir zu der Vergleichung des lateinischen Originals
36146und der griechischen Übersetzung des Apologeticus übergehen,
36147ist noch eine Voruntersuchung zu erledigen. Rufin hat bekannt-
36148lich die Kirchengeschichte des Eusebius übersetzt. Hat er die
36149aus Tertullian’s Apologeticus stammenden Stücke selbständig aus
36150dem Griechischen des Eusebius ins Lateinische zurückübertragen
36151oder hat er das Original aufgeschlagen und den Wortlaut der
36152Stücke diesem entnommen? Die Untersuchung wird zeigen, dass
36153er beides gethan hat, d.h. er hat Einiges selbständig zurück-
36154übersetzt, Anderes aus dem Originaltext abgeschrieben.
36155Das erste Stück (II, 2) leitet Rufin (ed. Cacciari) also ein:
36156„Haec Tertullianus, vir et legum et institutionum Romanorum
36157peritissimus et inter nostros scriptores admodum clarus in apo-
36158logetico suo, quem adversum gentes pro nostra fide scribit, hoc
36159modo retulit.“ Über die Einschiebung des „inter nostros scriptores“
36160ist oben bereits gehandelt worden. Eingeschoben hat Rufin auch
36161„et institutionum“ und „adversum gentes“; die Mittheilung aber,
36162dass das Werk ins Griechische übersetzt worden sei, hat er, als
36163für seine Leser gleichgiltig, einfach unterdrückt. Er bringt nun
36164die ersten 11 Zeilen des 5. Cap. des Apolog., genau so weit wie
36165Eusebius; aber ein Blick auf sein Citat zeigt, dass er hier nicht
36166Urbicus zuruft: „Ol xo&rorta Kigeßet 4 ⲅⲟⲭⲣⲥⲧⲟϧⲓ ⲟ̀ pılocdpw Kalaa-
36167ⲟⲟϩ naıdi ⲟ th Lenk ovyxhnew Kolveıs, ⲟ Obofıxe. Der Christ Apollo-
36168nius soll nach Kuseb. h. ce. V, 21 seine Vertheidigungsrede vor dem
36169Senat gehalten haben — also war er selbst Senator.
page 978
36170Die zweite Stelle (11,
36171„Sicut Tertullianus vir ⲃⲓ
36172Auch hier hat Rufin das ,
36173„vir scriptorum nobilissimu
36174Beweis dafür, dass er au
36175gefunden, aber absichtlich
36176Citat ist wiederum dem Il
36177und nicht aus der Überse:
36178ganz verschiedenen Text ϥⲓ
36179einstimmung Tertullian's m
36180aus Tertullian darin, dass j
36181Citat weiter ausgeschrieben
36182bereits hier das von Tert
36183getheilt und dazu noch eir
36184Eusebius selbst III, 20 jeneı
36185ihn demgemäss dort repeti:
36186ist, dass er ihn, wo er ihn ;
36187Eusebius zurückübersetzt, w
36188tullian abgeschrieben hat. E
36189Tertullian: Rufin II, 2
36190Temptaverat et Tentaverat et
36191Domitianus, por- | mitianus, pc
36192Ⲙⲟ Neronis de | Neronis de crı
36193crudelitate, sed. litate, sed ϥ
36194qua et hama fa-l/matı 4. ©
page 979
36195Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian’s, 13
36196Die erste Mittheilung des Rufin ist mit dem Originaltext
36197identisch, die zweite ist offenbar Übersetzung des griechischen
36198Textes, so jedoch, dass Rufin die prägnanten Worte: „portio
36199Neronis de crudelitate, sed quasi homo“ im Gedächtniss behalten
36200und in seine Übersetzung aufgenommen hat. Der Text von Rufin
36201ⲠⲒ, 20 ist also — abgesehen von dieser Eintragung — als Zeuge
36202für den griechischen Text zu verwerthen. Die Einführung der
36203tertullianischen Worte bei Rufin ⲠⲒ 20 („Sed et Tertullianus de
36204Domitiano similia refert dicens“) giebt zu Bemerkungen keinen
36205Anlass.
36206Die vierte Stelle (V, 5) hat Rufin nicht übersetzt, sondern in
36207einer ganz kurzen Regeste mitgetheilt. Er schreibt: „Nostrorum
36208vero et Tertullianus haec memorat et apud Graecos Apollinaris
36209... Tertullianus vero Marci Imperatoris epistolas etiam nunc
36210haberi dicit, quibus de his apertius indicatur. sed nos jam ex
36211hoc ad historiae ordinem redeamus.“ So kurz diese Worte sind,
36212verrathen sie doch, dass Rufin hier nicht den Originaltext nach-
36213geschlagen, sondern auf Grund des von Eusebius gebotenen
36214Textes berichtet hat. Im Originaltext steht „Marci Aurelii“, bei
36215Eusebius „Maoxov“, ebenso Ruf.; jener bietet „litterae“, dieser
36216(wahrscheinlich irrthümlich) „&xcorolal“, Ruf.: „epistolas‘“; jener
36217schreibt „requirat“, dieser „elo£tı ϧⲟϧ EQECAaL“, Ruf.: „etiam
36218nunc haberi“. Überall stimmt hier Rufin mit dem Griechen gegen
36219den Originaltext. Leider hat er bei seiner Einführung Ter-
36220tullian’s die Worte: ,ⲅ Paoyuaixt) ϭⲱϫ) ⲧϣ ⲇⲣⲟϭⲫⲱⲩ)⳪⳪ϩ ⲧⲉ‐
36221gelassen. Man kann nicht entscheiden, ob diese Weglassung einen
36222besonderen Grund gehabt hat oder nur eine Folge des Strebens
36223nach Kürze an dieser Stelle war. Wahrscheinlicher ist wohl
36224Letzteres.
36225Die Verhältnisse an der fünften Stelle (III, 33) sind desshalb
36226nicht auf den ersten Blick klar, weil Rufin den unnützen Doppel-
36227bericht des Eusebius (s. oben S. 11) in freier Weise in einen kürzeren
36228zusammengezogen und übermalt hat, ihn mit den Worten be-
36229schliessend: „Haec Tertullianus in Apologetico suo dicit, ex quo
36230possunt instrui plenius scire cupientes.“ Zunächst ist deutlich,
36231dass Rufin den Briefwechsel des Plinius und Trajan nicht selbst
36232nachgeschlagen hat; keine Wendung seines Berichtes deutet
36233darauf hin. Es kann also auch hier nur die Frage sein, ob er
36234den Eusebius übersetzt oder ob er aus Tertullian selbst ge-
page 980
362353535 [5 3530, 3535 3o353i3o35i.3Ⲟ-0̅ 35*
3623614 Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian’s.
36237schöpft hat. Letzteres wird durch den oben abgedruckten Nach-
36238satz nicht eben wahrscheinlich; auch habe ich in dem Text des
36239Rutin fast nur Stellen gefunden, die das Gegentheil beweisen. Ter-
36240tullian schreibt: „cum provinciam regeret“, Eusebius: „„yyoCHEro:
36241E&xaoglor. Rufin: „qui tune provinciam administrabat“. Ferner
36242Tert.: „ipsa tamen multitudine perturbatus“, Euseb.: ..ϭ
36243ⲧⲱ ziert‘, Ruf.: „multitudine . . . permotus‘“; Tert.: „consuluit“,
36244Kuseb.: „drex0rr0,0a@Tt0', Ruf.: „referret‘“; Tert.: ‚,et cetera scelera“.
36245Euseb.: .ϫϭⲓ td ⲧⲟⲱⲧⲟⲓϩ ⲟⲩⲙⲟⲓ* Ruf.: ,ⲩⲉⲓ cetera eiusmodi
36246erimina“; Tert.: „quam coetus antelucanos ad canendum Christo
36247et ⲑⲟ Euseh.: „.dristasdaı Ewder Xoıctiarous ϫⲱ top Xowrtor
362484800 dixyr ϣⲉⲓ. Ruf.: „quod antelucanos hymnos Christo
36249enidam eanerent deo“; Tert.: „tunc Traianus“, Euseb.: „x00s
36250ⲧⲉⲧ Tortarog, Rufin: „Ad quae tunc Traianus“; Tert.: „hoc
36251genus“, Kuseb.: ,ⲧ ⲧⲱ Ϫⲣⲓⲟⲅⲓⲥⲧⲱ ϣⲟⲗⲟⲩ, Ruf.: „Christiani“;
36252Tert.: „Iinquirendos quidem non esse, oblatos vero puniri debere“,
36253Kuseb.: „un Exoytelodaı ⲏ ⲉ̀ⲙⲡⲉϭⲟϧ dt xodabeodar, Ruf.
36254„Non requirantur, si qui tamen inciderint, puniantur.“ Diese
36255Zusammenstellung macht es gewiss, dass Rufin den Eusebius
36256übersetzt hat. Nur das ist wahrscheinlich, dass ihm aus früherer
36257Lectüre des lateinischen Apologeticus das Adjectivum „antelucanus“
36258im (Gedächtniss geblieben ist!), aber auch nicht mehr; denn er
36259verbindet, es nicht, wie Tertullian, mit „coetus‘“, sondern mit
36260Ⲙⲛ.
36261Ex ergiebt sich somit, dass Rufin in Bezug auf das 1.—3.
36262Citat ein Zeuge für den Originaltext, in Bezug auf das 3.—).
36263ein Zeuge für den griechischen Apologeticus ist, so jedoch, dass
36264er sich hier an zwei Stellen von der Erinnerung an den Grund-
36265text beeinflusst zeigt. Die Einführung, in welcher Eusebius
36266den Tertullian in seiner Kirchengeschichte als Schriftsteller ⲝⲉ
36267ehrt, als Christen unterdrückt hat, hat Rufin durchgreifend
36268vorrigirt.
362691; Verl. oben «ie Beibehaltung des „portio Neronis de erudelitate“.
362702, Auf das „Ad quae tunc“ Rufin’s, welches den Text Tertullian’s
36271und Kuschius” zu verbinden scheint, ist kein Gewicht zu legen.
page 981
36272Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian’s,
3627315
36274ⲠⲒ.
36275Im Folgenden stelle ich zunächst die beiden Texte, den
36276lateinischen Tertullian’s (nach Oehler) und den der griechischen
36277Übersetzung des Apologeticus (wesentlich nach Heinichen),
36278zusammen.
36279Apolog. 5.
36280Ut de origine aliquid retrac-
36281temus eiusmodi legum, vetus
36282erat decretum , ne qui deus ab
36283imperatore consecraretur nisi a
36284senatu probatus. scit M. Aemilius
36285de deo suo Alburno. facit et
36286hoc ad causam nostram, quod
36287apud vos de humano arbitratu
36288divinitas pensitatur. nisi homini
36289deus placuerit, deus non erit;
36290homo iam deo propitius esse
36291debebit. Tiberius ergo, cuius
36292tempore nomen Christianum in
36293saeculum introivit, adnuntiata
36294sibi ex Syria Palaestina, quae
36295Euseb. h, e. II, 2, 589. II, 25,
362964. III, 20, 9. V, 5, 689.
36297“I»a dt xal ⲉ̀ϫ ⲧⲡⲉ ⲩⲉϧ̀ϭⲉⲱⲥ
36298ⲟ ⲗⲉⲭⲑⲱ︦ⲕⲉ ⲧⲱ TOLOUTON VOÖ-
36299ⲕⲱ, Ϥⲥⲗⲥⲓⲟⲩⲩ NV dOyUAa, UNdEVA
36300Ⲑⲉ ⲡⲟ ⲃⲥϭⲓ ⲱϩ xadıspod-
36301odaı, ⲡⲟ ⲡⲟ THS ϭⲱⲩⲭⲇ] ⲧⲟⲩ
36302ⲟϫⲓ ⲙⲑ ]ϧ⳪ⲓ. Mapxos 4 ⲗⲟⲥ
36303ⲟⲍⲱϩ ⲡⲉⲣ ⲧⲓⲟϩ ⲉⲓⲱⲗⲟⲩ
36304xexolnxev ALßovQvov. xaltovTO
36305ⲙ̀ⲡⲉⲣ Ⲧⲟ ru ⲟⲩⲟⲟ xexoln-
36306ⲧⲟⲓ, ⲟⲩⲧ za’ vu» ⲉⲐϩⲱⲡⲉiⲝ 10
36307ⲟϫⲓ] Y ⲑⲉⲅϥϩ didoraı. ⲉ
36308ⲕϯ ⲉⲩⲐϩⲱⲡϣ ⲑⲉⲟ &0£0N, ⲫⲉ
3630900 ylveratı. ⲟⲩⲧⲱϩ ⲭⲁⲧ ⲩⲉ
36310ⲧⲟⲩⲧⲟ ⲥ̄ϩⲑϩⲱⲡⲟⲩ Ϩⲉⲫ︦ ⲓⲗⲉϣⲩ
36311elvaı ⲡϩⲟϭϫⲉⲓ. Tıߣot06 or,
36312ⲉ̇ϣ ⲟ ⲧⲟ̂ ⲧⲟⲩ Xot0tiap 6
36313Övoua ⲉⲓϩ top ⲭⲟ̀ϭⲙⲟⲩ ⲉϭⲉ-
36314Audev, dyyeldevtoc ϭⲟⲧ ⲉ̀ϫ
36315Ⲡⲁⲗⲡⲓⲟⲧ ⲙ] ⲧⲟⲟ döyuatos ⲧⲟ̀
36316ⲧⲟⲟ, Evda ⲡⲣⲱ̄ⲧⲟⲩ NESATO, TH:
36317Die Sigla sind die Oehler’schen.
36318— 1 tractemus Oxon. Rufin. 5 proba-
36319tus sit, probaretur al. 5 scit | sicut
36320F Ruf., ut abcd. 6 8q. Alburno fecit.
36321et ⲟⲥ ⲥ. 8 de om. Ruf. 9 et nisi
36322Ruf. 14 adnuntiata ⲗ Ruf., adnun-
36323tiatam a, adnuntiatum reliqui omnes,
36324adnuntiato Scaliger. 15 Palaestina
36325quae AßF}ibef Vindob. Leidens, Pa-
36326laestina que Ga Ambros., Palestine
36327quae E Erfurt. Oxon. Ruf., Palue-
36328stina quod (AgBD) cd.
36329Die Sigla sind die Heinichen’s. —
363309 ⲍⲟϭ︦ 16yov ϥⲕⲱ Olr. 14 8q. View
36331. mE00HXEV Ⲟ. 17 Eindvdev A.
36332=
363335
page 982
3633410 hanc sectam cum maxi
36335mae orientem Caesarianı
36336ferocisse. sed tali de«
36337damnationis nostrae etis
36338riamur. qui enim scit illı
3633915 tellegere potest non nisi
36340aliquod bonum a Nerone
36341natum. temptaverat et I
36342anus, portio Neronis de
36343litate, sed qua et homo
363442) coeptum repressit, restitutis
36345quos relegaverat .....
36346litterae M. Aurelii graı
36347imperatoris requirantur, «
36348illam Germanicam sitim C
3634925 anorum forte militum |
363501 ipsius ABEFb Vindob, ⲇⲓ
36351Leidens. Erfurt., istius ⲇ Ruf,
36352DGacde, om. Oxon. 1 dirvi
36353Ambros., divini Havercamp. 2
36354laverant ⲗ, revelarant £, revel
36355ABEFGb Ambros. Leidens, }
36356Vindob. Oxon., revelarat Dacc
36357velatae Rhanas--- =
page 983
36358Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian’s,
36359aus impetrato imbri discus-
36360zontestatur. sicut non palam
36361usmodi hominibus poenam
36362vit, ita alio modo palam
36363rsit, adiecta etiam accusa-
36364us damnatione et quidam
36365ıre). Quales ergo leges
36366quas adversus nos soli
36367ent impli iniusti turpes
36368ⲃ vanı dementes? quas
36369nus ⲉϫ parte frustratus est
36370Ϥⲟ inquiri Christianos, quas
36371s Hadrianus, quamquam
36372um curiösitatum explorator,
36373ⲑ Vespasianus, quamquam
36374;orum debellator, nullus
363753 inpressit.
36376Apolog. 2.
36377Juin invenimus inquisitio-
36378ϥⲙⲟϥⲓⲉ in nos prohibitam.
36379as enim Secundus cum pro-
36380ım regeret, damnatis quibus-
36381Christianis, quibusdam
36382ı pulsis, ipsa tamen multi-
36383e perturbatus, quid de
36384) ageret, consuluit tunc
36385numimperatorem, adlegans
36386ar obstinationem non sa-
3638717
36388uayig Ddatos Arogla UELLODTE
36389auto top OTQaTOVP dıaHEloE-
36390odar talc ⲧⲱ XoL6tiavOV ⲉⲓ
36391Xalc GeGm6daı. TOUTOV dE ϣⲟⲓ
36392xal davatop AntıÄnOaL TOLG
36393xatnyooELD ϥⲕⲱ) ⲉ̀ⲡⲓⲭⲉⲓ ϩⲟⲩϭ).
36394Hortaxol ⲟⲟⲩ ⲟ ϧⲟⲕⲟⲥ ⲟⲟ̀ⲧⲟⲥ
36395ⲟⲓ̈ϩ ⲭ 3 ⲱ Exovtat
36396dosßelc, Adıxor, ⲕⲟ( ⲟⲩϩ OUTE
36397Oveoxaciıavös &pulase, xaltoı
36398ⲩⲉ lovdalovs vıxncac, ⲟⲩϩ Toa-
36399ⲥⲟⲟⲩϩ ⲉϫ ⲏⲉ̀ⲟⲟⲟϩ &E0ovdEvnOe,
36400ⲭⲱⲗⲱⲱϧ ⲉⲡⲓⲍⲧⲉⲓ︦⳪Ⲑ⳪ Ϫⲟⲓ⳪ⲅⲓ⳪-
36401ⲟϩ, ⲟⲟϩ ⲟⲧⲉ Adpıavös, xaltoı
36402ⲩⲉ ⲡⲉϧⲧⲁ ⲧⲉ ⲡⲉⲣⲓⲉⲟⲣⲁ ⲡⲟⲗⲓ
36403ⲡⲟⲥⲩⲙⲟⲩⲱⲩ, ⲟⲧⲉ ⲟ Ⲃⲱ︦ϭⲉⲃ ⲥ
36404ⲉⲡⲓⲭⲗⲑ ⲉϩ Exexvowoep.
36405Euseb., h. e. III, 33, 3 ϥ.
36406Kalitor ⲉⲙ̀ϩ]ⲭⲥⲙⲉϧ ϫⲟⲓ TV
36407es ϥ̄ EniEnenoı xexwAv-
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36419ⲗⲱ , E&0 ⲧⲟ un Bovlsodaı
36420ezxequuntur Af Havercamp.
36421ces Dab Havercamp om. 10 vani
3642215 8q. nullus Severus Vaticanus
36423ⲫ liber Leodiensis. nullus Nero
36424ⲗⲑ nullus Vespasianus, quam-
36425Judaeorum debellator, nullus
36426zus, quamquam curiositatum
36427m explorator, nullus Pius, nul-
36428ⲉⲛⲃ impressit }). 23 ipse F.
36429ⲥ Om. ⲥ.
36430;te u. Untersuchungen VIII, 4.
36431ⲃ ⲟϩ Valesius, oil codd. ⲃ udvwr
36432codd. ⲣⲱⲓ uwövoy CDRa Nic.
36433ⲑ Exovtaı codd., Ecovtaı Fb. 21 ⲍ ⲡϩ
36434ⲉ̀ⲡⲟⲭⲓⲟⲱ CFaRa,
3643524 ⲟⲉ. GOLr., ϭⲟ ⲟⲉ
36436EaFbH Nic., dınyrosı ACFaRa, 25 Toai-
36437«vw ⲟⲟⲩ ⲥⲟϥ. exceptis E4*FbGHO
36438Nic., cett om. 0.
36439Ⲥⲧ
3644015
page 984
36441>14 ⲙⲟⲥ eNUS INquUITEI
3644210 dem non esse, obla
36443puniri debere.
364444 et deo ABCDFG2.abe.
36445Erfurt Florent. Ambros,
36446Vindob., ut deo Havercam
36447ferendam BCGe Leidens. }
36448Bevor wir uns Rechen:
36449schen Übersetzung zum Or.
36450der griechische Text als
36451Textes dienen kann und ur
36452gut überliefert, besonders a
36453lichen Tertullian-Codd. bis
36454Alburno. facit et hoc ad ca
36455aber bieten: „Sicut M. ⲇ
36456seiner Ausgabe: „.Ut M Aan
page 985
36457Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian’s, 19
36458der Grieche „nisi“, die LA „et nisi“ Rufin’s ist daher zu verwerfen. —
364598. 15, 14 „adnuntiata etc.‘“: hier kann der Grieche, wie es scheint, nicht
36460helfen, da er ganz frei übersetzt hat; allein sein Gen. absol. (er las wohl
36461„adnuntiato‘‘) schützt das „adnuntiata“ des Fuldensis (2) und des Rigaltius (f),
36462welches Rufin bezeugt; jedoch ist es vom Griechen missverstanden, denn
36463es ist nicht Ablat. abs, sondern Acc. Plur. (s. darüber unten). — Die
36464LA „introivit“ („intravit“) S. 15, 14 die auch Rufin bezeugt, bestärkt die
36465LA &losinivdev der meisten Eusebius-Codd. gegen die LA 2inivdev des
36466Cod. Regius (A). — ⲃ︦. 16, 1 erscheint die LA „ipsius‘“ bedroht zu Gunsten
36467des „istius‘“, welches Fuld. (4), Rufin und Rigaltius bieten, da im Griechen
36468z0oü döyuatos Ttovrtov steht (auch ⲃ︦. 17, 8 hat der Grieche „iste“ durch
36469„0obr0g“ wiedergegeben); doch lässt sich schwerlich entscheiden, da die
36470griechische Übersetzung im Übrigen an dieser Stelle ganz frei ist. —
36471S. 16,4 bestätigt der Grieche „ipse‘“. — ⲃ︦. 16, 9 lehnt er das „quoque“ Rufin’s
36472ab und ⲃ. 16, 10 bereugt er „cum maxime‘“ gegen Rufin und viele Tertull.-
36473Hdschr. — S. 16,12 Alle Tertull.-Hdschr. ausser Fuldensis (2) bieten „sed‘;
36474aber der Grieche und Rufin bieten es nicht. Es ist daher vielleicht zu
36475streichen. — ⲃ︦. 16,17 kann das ‚„tentavit“ Rufin’s gegen das Plusquamperf.,
36476welches alle Hdr. Tertullian’s, Rufin selbst (an der ersten Stelle) und der
36477Grieche bieten, nicht aufkommen. Rufin hat das ⲡⲉⲡⲉⲓ ⲥⲭⲉ. an der zweiten
36478Stelle als Perfect gelesen, weil das Augment fehlte. — Ob der Grieche
364798. 16, 20 ⲧⲥ NEowvos ...“ oder „tou NEowvog ...“ geschrieben, lässt sich
36480nicht mehr sicher entscheiden, Vielleicht ist doch um des Originaltexts
36481willen „ro NEpwvog‘“ zu schreiben. — ⲃ︦. 16, 21 möchte ich in dem re des
36482Griechen eine Bestätigung des ,ϥⲓ gegen „quasi‘‘ und „quia‘“ erkennen.
36483—8$.17,8 schwanken die griechischen Hdschr. zwischen udvoy und ucvwr,
36484da der Originaltetxt „soli‘“ hat, lässt sich von hier aus nicht entscheiden. —
36485Vielleicht ist S. 17, 9 wirklich „exsecuntur‘“ mit Fuld. (Ⲁ) und Rigaltius zu
36486lesen; denn der Grieche hat ⲟⲧϭ. ] aber die besten Tertull.-Codd. bieten
36487„exercent“. — 8.17, 12f. merkwürdig ist, dass die vom Griechen beliebte
36488Voranstellung des Vespasian sich auch im Erlang. (2) findet; sie lag frei-
36489lich nahe. — 8. 17, 25 ist das „tunc“ durch alle Häschr. gesichert; es ist
36490daher wohl auch im Griechen beizubehalten. — ⲃ︦. 18, 4 steht die LA
36491„Christo et den“ in dem uns überlieferten Originaltext ebenso sicher wie
36492die LA ,ⲟⲩ Xoı0töv ⲑⲉⲟ ⲭ im Griechen. Der Grieche stimmt
36493aber mit dem Text des Pliniusbriefes („Christo quasi deo‘“) überein. Wie
36494das zu beurtheilen ist, darüber ⲃ. unten. — S. 18, 5 hat Tertullian „confoe-
36495derandam‘“, der Grieche dıxpriaggsıv, wie wenn er „conservandam“ ge-
36496lesen hätte. —
36497Mit keinem einzigen Codex des Apol. Tertullian’s stimmt der Grieche
36498durchweg so überein, dass man eine besondere Verwandtschaft anzu-
36499nehmen hätte; doch ist es sehr bemerkenswerth, dass nur der Fuldensis
36500(ⲗ) und Rufin S. 15, 14 „adnuntiata‘“, S 16,1 „istius‘“ bieten und S. 16, 12 „sed“
36501auslassen (ⲃ. den Griechen), ferner dass ⲗ dieselbe Umstellung ⲃ︦. 17, 12f,
36502aufweist wie der Grieche (aber das im Griechen fehlende ‚„nullus Verus‘“
36503findet sich in A), endlich dass allein A 6. 17 9 (Rufin fehlt hier) „exequun-
36504ϩⲛ
page 986
36505Die Übersetzung Ⲛ︦.
36506wenn man den griecl
36507einen vortrefflichen Kir
36508Untersuchung aber lüss
36509Griechische und Lateinis
36510vorhanden sind, ob umg
36511Textes, ob die Fähigkei
36512ist, um die Gedanken un
36513griechisches Gewand zu
36514oder ein kundiger Grieci
36515gewesen ist. Im Folgen
36516weichungen vom Origine
36517grösseren zu untersuchen
365181. Der Übersetzer sch
36519lapidaren Stil Tertullian’s,
36520angemessen (auch S. 15, 1
36521sammenhang mit Apol.
36522ⲉ beweist übrigens noch
36523aus dem Ganzen genomn
36524Die Einschiebung des . ⲇ
36525beurtheilen. Der Übersetze
36526(doch fehlte es vielleicht
36527aus; ⲟⲃ ist in der That ni
36528überfliissie ..ⲓ
page 987
36529Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian'’s. ϩⲓ
36530m er (S. 16, 3f.) ⲟⲉ oUuyxintos — 6 dE“ schreibt. Das
36531htige absolute „temptaverat et Domitianus“ ist (S. 16, 18f.)
36532Ⲁ die langweilige Umschreibung ,,ϫⲉⲡⲉⲓϩⲟ︦ⲭⲉⲓ ⲡⲟⲧⲉ xal AousE-
36533ⲟϩ TAaUTO K0LEly Exelym“ übel ersetzt, und ähnlich matt ist das
36534ı et homo“ durch ,ⲟⲟ ⲁⲧⲉ ⲉ̀ⲭⲱ ⲧⲓ GuvEosms‘ (S. 16, 21£.)
36535lergegeben. Auch die pedantische Hinzufügung von ,ⲟ &xt-
36536Fels“ zu dem Namen des Kaisers Pius hätte ein gebildeter
36537iner schwerlich für nothwendig gehalten. Indifferent ist die
36538dergabe des „tune“ durch ⲡⲟⲟϩ ⲧϭⲟⲧ (S. 18,10; S. 17, 26
36539| es incorrect und störend durch „or“ wiedergegeben), des
36540ⲙ durch ⲉⲧϭ( 15, 13), des „xoldGeodaı‘“ für „puniri
36541re“ (ⲃ︦. 18, 13), des „Exoyrtaı“ für „exercent“ (S. 17, 8); doch
36542der Lateiner vielleicht „exsecuntur“, ⲃ. oben), des „Mäoxov“
36543M. Aurelii“ (S. 16, 24). Auch das ⲓⲃ (ⲑ︦. 15, 4), ist dem
36544ⲓⲉ nach richtig durch ⲝⲟi3 übersetzt, „facit“ (S. 15, 6) durch
36545rolntaı“. Aus stilistischen Gründen schien dem Übersetzer
36546Einschiebung des „7“ nach „Ayador“ (S. 16, 17) nothwendig.
36547r unvollkommen ist das schöne „pensitatur“ durch das blasse
36548ⲟⲧ (S. 15,11) wiedergegeben. „Tali dedicatore damnationis“
36549ichtig, jedoch farbloser übersetzt durch „z0c0UT@ ⲧ ϩ ⲭⲟⲥ-
365505 doxn7@ (S. 16, 13f.). Dasselbe gilt vielleicht auch von ⲃ︦-
36551»‘“ (S. 16, 6) für „periculum“, von „ovvetwTATOV“ für „gra-
36552mi“ (S. 16, 25) und von „&ä&yator“ für „damnationem“ (S. 17, 5).
36553» Glättung des Ausdrucks ist es, wenn der Übersetzer für
36554tio Neronis de crudelitate“ ⲟⲟϩ ⲱ ⲧⲉ NEowvos wuo-
36555ⲉ (S. 16, 20f.) geschrieben hat. Sinngemäss und gut grie-
36556;h ist „facile coeptum repressit“ durch „zayıota &xauoaTO“
36557'‚edrückt (S. 16, 22); aber die Kraft des Gedankens Ter-
36558an’s ist doch nicht genau wiedergegeben. Das „consuluit“
36559urch ,ⲉϧⲉⲭⲟⲓⲱⲱ⳪ϭ⳪ⲧⲟ (ⲑ. 17, 26) nicht vollständig getroffen.
36560hier, so ist auch ⲃ︦. 15, 20f. „detulit ad senatum“ = „7%
36561ⲧϣ AvexoLvOcatTO“ der präcise juristische Ausdruck ver-
36562ıt. Ebenso ist es zu beurtheilen, wenn der juristische ter-
36563ıs technicus „cum praerogativa suffragli sul“ durch das unbe-
36564mte: ⲗⲟϩ ⲟⲩ &xelvois ⲱ TO döyuatı doLoxETAL“ ersetzt
36565. (S. 16, 1f.), oder wenn an Stelle des anderen terminus tech-
36566ⲃ „ex Syria Palaestina“ (s. Marquardt, Röm. Staatsverwaltung
36567373) S. 260—9264) das populäre, den Griechen geläufige „&x
36568austipns“ (S. 15, 18f.) tritt. Das ⲟⲩⲧⲉ — ⲟⲟⲩⲉ für „nullus —
page 988
36569ϭⲟⲟ ϧⲟⲛⲓⲁϥ
36570Aemilius de deo suo
36571Ist sowohl durch .,
36572der Übersetzer „et
36573TOVTOLS Ϩⲟϥ ϫⲱ.
36574man Vermuthen, da
36575Lasterkataloce bestir
36576Bei seiner verdeutli
36577ϭⲗⲟ für „hoc ϣ
36578dass es jn dem berü
36579(Zuseb, h. ⲉ. TI, 11, ⲑ
36580ⲍ ⲧⲟ ⲟ︦ ϣⲟⲕ
36581„TO ⲍ︦) Ⲁⲥ,
36582hätte mir bei meine:
36583genus“ für die Christ«
36584des „TeQuirantnr“ durı
36585Sich nichts Sagen, da E
36586Aber nicht ohne Gesc]
36587durch „2 Ⲧⲉⲓ
36588druck „ut de origine a
36589ⲥ ϫ̅) dx ⲧ ⲉⲉ.
36590ⲑ. 15, 1.) Übersetzt.
36591„Omnium CUrMositatum
36592ⲟⲗⲥ HOPE (ⲑ︦. 17,
36593Bereits diese Übers
page 989
36594Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian’s. 2
36595eigenthümliche stilistische und juristische Präcision Tertullian’s
36596wiedergegeben, noch ist die Prägnanz, Wucht und Ironie der
36597tertullianischen Sprache in dieser Version erhalten.
365982. Es giebt aber noch eine Reihe von Beobachtungen, die
36599da zeigen, dass der Übersetzer zwar ein geschichtskundiger
36600Grieche gewesen ist, aber nicht über eine solche Kenntniss des
36601Lateinischen verfügte, wie der Gegenstand sie erforderte, oder
36602dass er sich aus Bequemlichkeit oder Leichtfertigkeit Freiheiten
36603genommen, durch welche der Sinn des Originals Schaden ge-
36604litten hat.
36605a) Tertullian schrieb (S. 18, 9f.): „inquirendos quidem non
36606esse, oblatos vero puniri debere“. Der Übersetzer bietet: ,
36607ExEntelodaı uEv, ⲉⲙⲡⲉ ϭ dt xoldbeodaı“. Das „Eureocv“ giebt
36608den Sinn des „oblatos‘“ nicht richtig wieder.!)
36609b) Tertullian bietet: „Litterae M. Aurelii“, der Übersetzer
36610„Mägxov&xt070266“ (S. 16, 24f.). Er hat den Plural missverstanden:
36611nur von einem Brief (oder Ediet) ist die Rede. Zwar kann der
36612Plural „&xtotolal“ auch eiuen einzigen Brief bezeichnen”); aber
36613dieser Gebrauch ist m. W. selten.
36614c) Incorrect wird „damnatis quibusdam Christianis, quibus-
36615dam gradu pulsis“ durch „xataxolvas Xoıotiavots TLVAS ⲭⲁ
36616ⲧⲡⲉ ⲉⲟⲥ &xßaloiv“ (II, 20 sq.) wiedergegeben.
36617d) Tertullian schrieb: „quas (leges) Traianus ex parte fru-
36618stratus est vetando inquiri Christianos, quas nullus Hadrianus,
36619quamquam omnium curiositatum explorator, nullus Vespasianus,
36620quamqyuam Iudaeorum debellator, nullus Pius, nullus Verus in-
36621pressit“ (S. 17, 3f.). Die Reihenfolge hat ihren guten Grund.
36622Trajan musste voranstehen, um des wichtigen Briefes an Plinius
36623willen. Daran reihen sich die beiden Kaiser, von denen man
36624erwarten sollte, dass sie für Feindseligkeiten gegen die Christen
36625für „quamquam“, dieses für „atquin‘“. Ferner ist darauf hinzuweisen.
36626dass der Übersetzer an allen Stellen „imperator‘“ durch „S«gdeis‘ wie-
36627dergegeben hat — den Griechen war dies die geläufigste Bezeichnung
36628für den Kaiser.
366291) Hat der Übersetzer S. 17,8 „wövwr‘ geschrieben, so hat er den Sinn
36630Tertullian’s auch nicht richtig getroffen. Doch ist es möglich, dass er
366314 övov schrieb; s. die kritische Note.
366322) S. Lightfoot in seinem Commentar zum Philipperbrief 3. Aufl.
36633p- 138sq. und zu Polyc. ad Philipp. 3 u. 13 (p. 911. 932).
page 990
36634ⲙⲟⲟϭ ⲉⲅ den Text Tertı
36635e) Tertullian schrie
36636Sacrificandi nihil aliud :
36637coetus antelucanos ad €
36638randam disciplinam, ho
36639et cetera scelera prohiber
36640ⲟⲩⲱ. ⲉⲱϣ Tot ⲙ)
36641&p06L0» ) QUTOLG ⲉ︦)
36642oder ⲧⲟⲧ Xotötiavoi
36643Xal ⲡⲣⲟ to zip Erıor
36644POVEVEL ϣⲟⲓⲭⲉisin ⲇ
36645ⲟⲩⲕⲟⲥⲥ (S. 1727) Hier
36646essanten Abweichungen
36647worden („ta TOVTOLS ⲟⲩⲓ
36648der Übersetzer aus der ı
36649scheint, weil er sonst nic]
36650unten). Drittens hat er ⲓ
36651ⲱ ⲁⲧⲉ wWiedergegeb
36652Aemilii“ ein „Edwlorv Al
36653indem er aus dem „nihil
36654Sätze machte, für „nihil
36655perisse“ ⲟⲁ) ⲙⲟⲟ L
36656hat also „Sacramenta“ nick
36657ganz unübersetzt gelassen.
36658auf das Alter der Übersetz
page 991
36659Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian's. 25
36660cidium, adulterium etc.“ durch Verba — aber durchweg correct —
36661wiedergegeben. Sechstens hat er „ad confoederandam discipli-
36662nam“ durch „x@0s TO TYP ⲉϤ ⲧ nϧ ⲥⲧⲟ dıkQvAdoOELD“
36663übersetzt. Diese Stelle allein lehrt, dass er ein Grieche gewesen
36664ist, der in den Geist des morgenländischen Christenthums ein-
36665getaucht war. Es ist echt griechisch — wenn auch der specielle
36666Ausdruck &xcor7un ungewöhnlich ist —, dort „Wissen“ (Theo-
36667logie) zu setzen, wo der Abendländer „Disciplin“ sagte. Wir
36668werden unten eine gleiche Beobachtung machen in Bezug auf
36669den Gebrauch des Wortes ,ⲟⲩⲙ bei unserem Übersetzer.
36670Siebentes endlich — und das ist die frappanteste Abweichung —
36671schreibt der Grieche: „xal tor Ϫϩⲓⲧⲟ̀ϧ deob dixnv Vuvely“
36672für „ad canendum Christo et deo“. Er trifft hier mit der
36673Quelle Tertullian’s, dem Pliniusbrief, gegen Tertullian
36674zusammen. In der Quelle heisst es: „carmenque Christo quasi
36675deo“. Wie ist dieses Zusammentreffen zu erklären? Eine ent-
36676fernte Möglichkeit besteht, dass im Text des Tertullian selbst
36677„ut“ zu lesen ist; allein in diesem Falle müssten alle bisher
36678verglichenen Handschriften Tertullian’s verderbt sein; denn sie
36679bieten alle „et“. Dann aber bleibt nur die Annahme übrig,
36680dass der Übersetzer den Pliniusbrief gekannt und ein-
36681gesehen hat. So kühn diese Annahme ist, so glaube ich sie
36682durch eine weitere Beobachtung stützen zu können. Wir haben
36683oben gesehen, dass der Übersetzer den einen Satz Tertullian’s
36684„nihil aliud ... comperisse quam coetus antelucanos ⲉⲓⲥ, in
36685zwei selbständige zerlegt, deshalb „&unyve di ⲭⲁ tovTO“ selb-
36686ständig eingeschoben, ausdrücklich das ⲟⲩ) ay60c0v constatirt
36687und aus „coetus antelucanos ad canendum“ „Arlotaodaı End er
36688ϫⲟ ...ⲉⲓ gemacht hat. Was finden wir aber im Plinius-
36689brief? Genau dasselbe! Auch hier sind die Aussagen über
36690die relative Schuldlosigkeit der Christen und über ihre Gottes-
36691dienste nicht in einen Satz zusammengezogen. Die relative
36692Schuldlosigkeit der Christen wird ausdrücklich, wenn auch an
36693anderer Stelle, betont („Nihil aliud inveni quam superstitionem
36694ⲉⲓⲥ.) was Tertullian nicht thut; vor der Schilderung der Gottes-
36695dienste heisst es „adfirmabant autem hanc etc.“ (der Grieche:
36696„EunpvE dt xal ⲧⲟⲟ︦ⲧⲟ; fehlt bei Tert.), dann folgt „ante lucem
36697convenire carmenque Christo quasi deo dicere“ (der Grieche:
36698„dyiotacdaı ⲱⲐⲉϧ xal top Xoıorov Ⲑⲉⲟⲩ dixnv ⲉⲕⲉⲓ
page 992
366992 Die grieckische Übersetzung des Apologeticus Tertullian’s.
36700Tertullian: „coetus antelucanos ad canendum Christo et deo“..
36701Man kann es nach diesem Texte schwerlich bezweifeln, dass der
36702Übersetzer hier nicht den Tertullian, sondern den Plinius selbst
36703wiedergegeben hat. Dies ist aber ein höchst wichtiges Datum für
36704die Geschichte des berühmten Briefes und für die Kenntnisse des
36705griechischen Übersetzers Tertullian’s. Hält man aber den von uns
36706erbrachten Beweis nicht für ausreichend und erklärt man das Zu-
36707sammentreffen des Übersetzers mit Plinius für zufällig, da derselbe
36708im Übrigen sich an den Text Tertullian’s angeschlossen hat, so muss
36709man mindestens Apol. 2 wider die Handschriften „Christo ut deo“
36710lesen, da das ..Ϩⲟ dixyr“ unfraglich „ut deo“ oder „quasi deo”
36711verlangt. — Schliesslich aber ist noch zu erwähnen, dass Eusebius
36712in seinem Chronikon (Hieron. ad ann. 2124 Abr. Traiani XI) die Stelle
36713aus Tertullian über Plinius und Trajan bereits citirt hat. Sie liegt
36714in den drei Texten (Syncellus, Euseb.-Armen. und Hieron.) vor:
36715Synvellus, Kuseb. Armen. Hieron.
36716Ⲧⲉ ⲟⲓ ⲗⲗⲓⲉⲩⲟϩ *̀ϭⲧⲟⲟⲉ̄ Plinius Secundus, cuius- Plinius Secundus cum
36717Hilvrıoy Nezotrdor ⲣⲟⲓ dam provinciae praeses, quandam provinciam
36718ⲛⲉⲓⲟⲩ ⲉⲡⲉⲟⲭⲓⲉ. nn
36719ϣⲓⲧ ⲓⲱ) ϫⲉⲟ ⲉϫⲟⲓ
36720ⲫⲟ ⲡⲉϣⲟ ⲱⲓ ⲉⲡⲟ-
36721ϣⲱ ⲧⲓ ⲧⲟ ⲝⲓⲛ ZUWOTTEN
36722Tociare, ⲣ ⲉⲉⲓⲟⲩ
36723ⲛⲧⲱ ⲡϧⲉⲧⲉⲓ ⲉ‐
36724ⲓⲱ. ⲧ ⲧⲟⲧ ⲛ Ⲙⲉ
36725ⲗⲟⲓ. ϫⲉ ⲟⲥⲓ Nor
36726ⲱⲫⲉ)
36727(ⲩ ϭ rnc
36728ⲭ ⲙⲉⲅⲟⲓ ⲧⲉ ⲧⲧϣⲓ ϫⲉ‐
36729ⲛ &
36730ⲱⲱ ⲥ.
36731UOTE
36732ZW" TOOL OP ϩⲓⲧⲟ ⲉ
36733Ⲣ ⲟϩ ⲙ FAInTET-
36734ⲙⲛ NOTE.
36735multos ⲉⲑ Christianis
36736mortis reos fecit et con-
36737dignam suis (factis) simi-
36738liter retributionem re-
36739cipiebat, tumultu (nimi-
36740rum‘ multitudinis exorto
36741nesciebat , quid facere
36742ipsum oporteret. notum
36743faciens Traiano regi de-
36744«larabat, praeter cultum
36745idolis non tributum nihil
36746absurditatis apud eos re-
36747periri. De hoc etiam
36748eum certiorem faciebat,
36749dilueulo surgere Christi-
36750anos et. Christum deum
36751“glorificare atque prohi-
36752bere (suos) ab adulterio
36753et homicidio aliisque eius-
36754dem modi rebus. ad haec
36755‚ Vero responsum scribebat
36756(Traianus), inquisitionem
36757faciendum esse gentis
36758regeret et in magistratu
36759ⲃⲙⲟ plurimos Christiano-
36760rum interfecisset multi-
36761tudine eorum perterrni-
36762tus quaesivit de Traianv
36763quid facto opus esset,
36764nuncians ei, praeter ob-
36765stinationem non sacriß-
36766‘candi et antelucanos
36767coetus ad canendum cui-
36768dam Christo ut deo nihil
36769‚apud eos repperirl. prae-
36770‚terea ad confoederandam
36771disciplinam vetari ab his
36772‚homicidia furta adul-
36773'teria latrocinia et his
36774’similia. Ad quem com-
36775‚motus Traianus rescribit.
36776jhoc genus quidem inqui-
36777rendos non esse, oblatos
36778ⲉⲃⲟ puniri oportere.
36779Tertullianus refert in
36780Apologetico.
36781Christianorum. Refertau- ,
36782tem (haec) Tertullianus.
page 993
36783Die griechische Übersetzung des -Apologeticus Tertullian’s. 27
36784Aus der Vergleichung des Textes dieses Stücks bei Eusebius
36785(bh. e. III, 33) einerseits und bei Syncellus (der nur eine Regeste
36786aus der Chronik gegeben hat) und Eusebius Armen. andererseits
36787folgt unwidersprechlich, dass Eusebius bereits im Chronikon die
36788griechische Übersetzung des Apologeticus benutzt hat und nichts
36789anderes. (In der Epitome Euseb. Canonum ex Dionysii Telma-
36790harensis Chronico petita fehlt das Stück leider, s. die Ausgabe
36791von Siegfried u. Gelzer 1884 p.61). Dagegen hat Hieronymus
36792bei seiner Übersetzung der eusebianischen Chronik sowohl den
36793Apologeticus Tertullian’s selbst als auch den Briefwechsel des
36794Plinius und Trajan eingesehen. Ersteres folgt aus den Sätzen
36795„antelucanos coetus ad canendum“, „ad confoederandam discipli-
36796nam“, „hoc genus quidam inquirendos nun esse, oblatos vero
36797puniri oportere“, die aus der griechischen Version so nicht
36798zurückgewonnen werden konnten, sich aber wörtlich bei Tertull.,
36799Apolog. 2 finden. Letzteres ergiebt sich aus der Zusammen-
36800stellung „homicidia, furta, adulteria, latronicia“. Diese ist un-
36801mittelbar aus dem Pliniusbriefe geschöpft; denn im Apolog.
36802heisst es „homicidium, adulterium, fraudem, perfidiam“, in der
36803griechischen Version demgemäss „d@0VEVELV, UOLXEUELV, Ϥⲗⲉⲟ‐
36804vexXTEIV, ⲉⲡⲟϭⲧⲉⲣⲉⲓ dagegen im Pliniusbrief „ne furta, ne latro-
36805cinia, ne adulteria committerent“. Die „furta“ und „latronicia“
36806hat Hieronymus mithin nirgend anderswoher schöpfen können
36807als aus dem Original. Somit kennen wir drei selbständige Zeugen
36808des Pliniusbriefes, nämlich Tertullian, den griechischen Übersetzer
36809des Apologeticus und Hieronymus.!) Dagegen ist kein selbstän-
368101) Eusebius hat in seiner Chronik auch die beiden Stellen über Ti-
36811berius und Marc Aurel aus der griechischen Übersetzung des Apologeticus
36812citirt und vielleicht auch die Notiz über Nero (ad. ann. 2083 Abr.: „pri-
36813mus Nero“) benutzt.
36814Ad ann. 2051 Abr. heisst es (der griechische Text im Chron. pasch.
36815p- 430, 18, cf. Syncellus ⲣ. 621, 13): [Exl tovzwrv ⲅⲱ̃ⲩ indrwv) Movrıos
36816Ⲡⲓⲗⲉ̄ⲧⲟϩ ⲡⲉⲣ [ⲟ︦ Ϫⲟⲓ⳪ⲅⲟⲱ︦ xal] to Ⲧⲟⲉϭⲅⲓⲟⲩⲱ̃ ⲩⲙⲥⲧⲟϩ ExoıvwaaTO
36817Ⲧⲓ ⲃⲉϣ [Kuloapı), xaxetvos ty ϭⲱⲩϫⲗⲓⲥϣ Pouns‘ tig de un ⲡϩⲟϭⲓⲉⲙϧϥⲥ
36818TißE0ı05 Iavatov ⲡⲉⲗϭⲉ ⲧⲟϩ XQLOTIAKVOXATHYOQOLG, ⲱⲥ ϭⲅⲟϩⲉⲓ Tep-
36819ⲧⲩⲗⲗⲓⲥⲩⲟⲩϩ 6 Pwuatos. Der Armenier hat aus dieser einen Mittheilung
36820zwei gemacht, die zweite der ersten vorangestellt, die erste aber in er-
36821götzlicher Weise missverstanden. Er schreibt: „Tiberius mortem com-
36822minatus est iis, qui de Christianis male loquerentur. refert autem Tertul-
36823lianus Romanus.“ — „Pilatus de Christianorum religione Tiberium certio-
page 994
36824ϭⲩⲩⲉⲗⲑⲉ̀ϧⲧⲟϩ aut ⲉϫ Ⲡⲗⲥⲓ⳪.
36825ⲡⲟⲱⲧⲟⲓ NOSATO, TH GVYKANTM
36826rem fecit, ille vero senatum et m:
36827setzer hat also statt ,MHINPOZIEM,
36828(ⲃ. Schöne z. d. 6). Bieronymus
36829„Pilato de Christianorum dogmate
36830ad senatum, ut inter cetera sacra
36831patrum Christianos eliminari urbe ;
36832satoribus Christianorum comminatu:
36833Apologetico“. Hieronymus hat hier
36834eigenes Thörichte, was weder im Ⲉ
36835logeticus zu lesen stand. Letzteren
36836geschlagen zu haben (ⲃ. „mortem‘;
36837„retulit ad senatum“ (Tertull.: „detı
36838des Gegentheils (s. das oben Bemer
36839ann. 2188 schreibt Eusebius in de:
36840ⲣ. 486, 19): 4ⲉⲧϭⲓ dk ⲱϩ xal ⲉⲡⲓϭⲓ
36841ⲉⲩ als ⲙⲁⲣⲧⲓⲣⲉ MELLOVTA ⲧⲟⲩ ϭⲅϩϭ
36842ϪⲦⲟⲓϭⲅⲉⲥⲩⲱⲩ ⲉⲓⲗϭⲓ︦ⲥ ⲓⲥϭⲉϭⲱϭⲑ⳪ⲓ. UN
36843genannt ist, zeigt eine Vergleichung
36844ticus ausgeschrieben ist. Hieronyn
36845Chronik (ad ann. 2189 Abr.) auch h
36846ibn also nachgeschlagen: „Extant lit
36847toris, quibus illam Germanicam siti
36848cationibns impetrato imbri discussan
36849als so flüchtig bekannten Hieronymı
36850setzung die Quellen, aus denen Ⲛ︦ ⲑⲁ
page 995
36851Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian's. 29
36852(über die Weglassung von „Syria“ s. oben) und den Schluss hat
36853er ziemlich genau wiedergegeben, aber bereits das „adnuntiata“
36854nicht verstanden, da er irrthümlich „adnuntiato“ las. Nachdem
36855er ⲉⲃ irrthümlich durch „dyye2&6övros“ wiedergegeben, war er
36856in eine Sackgasse gerathen. Gewiss, bei näherem Nachdenken
36857hätte er das Richtige finden, „adnuntiata“ lesen oder corrigiren
36858und es als Acc. Plur. fassen müssen — dass er zu solcher Ein-
36859sicht befähigt war, zeigt seine Übersetzungskunst an anderen
36860Stellen. Aber er zog es vor, sich nicht lange aufzuhalten, und
36861so setzte er etwas ganz anderes ein, durch einen Lückenbüsser
36862die augenblickliche Verlegenheit geschickt bedeckend: ⲧⲟⲱ dö-
36863ⲩⲙⲟⲧⲟϩ ⲧⲟⲧⲟ, Edda xowtOoVp HOSATO! Das war bekannt genug
36864und brauchte nicht erst gesagt zu werden oder lag vielmehr
36865schon in dem „& Malaıotivns“. (Näheres s. am Schluss). Sehr
36866interessant aber ist, dass er ,ⲧⲟ döyua ⲧⲟⲩⲧⲟ eingesetzt hat.
36867Wenn er an die Botschaft von Christus denkt, denkt er sie so-
36868sofort als „Dogma“. Wir haben oben gesehen, dass er Ϥⲓ
36869ornun“ für „disciplina“ geboten hat. Der Grieche tritt hier klar
36870hervor, und wir bemerken die Einwirkung jener philosophischen
36871Apologeten des Christenthums, die dasselbe in ein „Dogma‘“ ver-
36872wandelt haben; vgl. auch das „7106 ⲱ) &xelvoıs ⲱϩ TO doy-
36873Katı dotoxeTtAaL“ für „cum praerogativa suffragii sui“ (S. 16, 1f.).
36874g) Die paradoxeste und interessanteste Abweichung vom
36875Originaltext möge den Schluss bilden. Tertullian schreibt:
36876„Consulite commentarios vestros, illic reperietis primum Neronem
36877in hanc sectam cum maxime Romae orientem Caesarlano gladio
36878ferocisse“, der Übersetzer: , Ⲕⲍⲓiⲗⲉⲧⲉ TOlg ÜROUPNUAOLY ULOV,
36879ⲉ̀ϫⲉ ⲉ̀ⲣ]ϭⲉⲧⲉ KOWTOVP NEQOrAa ⲧⲟⲩⲧⲟ TO ⲏⲥ, HYIXKA UALLGTEA
36880ⲉ ’Poun tnp dvatoinD ⲡⲥ̄ϭ⳪) ÖÜROTAEAG ⲱ ⲙⲟϩ NV Els KÄPTAS,
36881ⲱⲥϧ. Man beachte, dass die ersten vierzehn Worte genau
36882und in der gleichen Reihenfolge wiedergegeben sind.!) Aber
36883eben diese wörtliche Wiedergabe wurde dem Übersetzer zum
36884Fallstrick; das Kleben am Buchstaben brachte ihn um den Sinn.
36885Das „cum“ vor „maxime“ durch „7rixa‘“ wiederzugeben, war der
36886erste Fehler („cum maxime‘“ verstand dieser Grieche nicht), und
368871) Nur für „secta“ ist wiederum das Wort ,ⲕⲁ gebraucht. Der
36888Verfasser wollte „aToscıs‘“ vermeiden, und da bot sich ihm wieder das
36889Wort, in welchem er sein ganzes Christenthum zusammenfasste.
page 996
36890unser Verfasser gethan ha
36891Tertullian übersetzt, sondern
36892aber er hat sich mit Ehrer
36893seinem Texte gegenüber, au
36894ud2ı0ta ⲉ̀ Poun‘ verlangt.
36895und das ⲧ) Avatolnp“
36896ⲱ̀ⲙⲟϩ NV ⲉⲓϩ zapTAS“ und
36897(das „Caesariano gladio“ über;
36898Bemerkungen hat er die Sch‘
36899Bemerkungen sind zutreffenc
36900den Juni 64. Im J. 63 hatte
36901Parthern geschlossen, welche
36902Römer betrachtet werden Ⲕⲟⲓ
36903thische Fürst mit der Krone
36904Es ist interessant, zu erfahren
36905dieses Ereigniss aufgefasst w
36906ÜROTAEAaS‘“ — wir haben hier
36907liche Quelle. Aber für die 7
36908dass Nero in der Stadt Rom
36909Euseb. Chron. ad anı. Ner. X.
36910Das „x&äcar‘“ und ,ϫⲇϭ︦ⲧϭϩ
36911treibung; aber der Übersetze
36912schichtlichen Bemerkungen ni
36913rathen. Von hieraus erhöht sich
36914dass er den Plininshrioa® —-1--
page 997
36915Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian’s. 31
36916hörte nicht zur lateinischen auch nicht zur römischen Christen-
36917heit) und schrieb seine Sprache geläufig und gut.
369182) Latinismen sind in den Stücken seiner Arbeit, die uns
36919erhalten sind, nicht nachweisbar.
369203) Mit der lateinischen Sprache war er hinreichend vertraut,
36921um leichte Texte sicher zu übersetzen; aber die Sprache und
36922der Geist Tertullian’s waren für ihn zu sublim. Den eigen-
36923thümlich tertullianischen Stil und die juristische Präcision
36924desselben hat er nicht wiederzugeben vermocht.
369254) Der Übersetzer war schwierigen Stellen nicht gewachsen,
36926sei es weil er zu schnell übersetzte, sei es weil er sie überhaupt
36927nicht zu verstehen vermochte (jenes ist das Wahrscheinlichere).
36928In diesen Fällen hat er sich zu helfen gewusst, indem er sich
36929kein Gewissen daraus machte, statt zu übersetzen, Eigenes, jedoch
36930nichts Unrichtiges, einzutragen.
369315) Das Christenthum des Übersetzers charakterisirt sich
36932(durch die Vorliebe für das Wort „döyua‘“ und durch die Ver-
36933tauschung der „disciplina“ mit ⲡⲍ 4] als das eines philo-
36934sophisch gebildeten Griechen des 3. Jahrhunderts.
369356) Eine Zeitspur kann vielleicht darin erkannt werden, dass
36936der Übersetzer „sacramenta“ nicht durch „wvort%gLx“ wiedergab,
36937sondern das Wort bei Seite liess. Man darf daher vielleicht an-
36938nehmen, dass er vor der Mitte des 3. Jahrh. geschrieben hat.
369397) Der Übersetzer wusste nicht nur, was Jeder wissen
36940konnte, dass Vespasian früher regiert hat als Trajan, und dass
36941„Pius“ Zuname war, sondern er schloss auch M. Aurel aus der
36942Zahl der christenfreundlichen Kaiser aus und kannte die Ge-
36943schichte Nero’s recht genau. Er spielt auf den Friedensschluss
36944mit den Parthern (durch Corbulo) und die besondere Grausamkeit
36945Nero’s in den letzten Jahren seiner Regierung an und lässt jenen
36946der Christenverfolgung vorangehen, setzt diese gleichzeitig mit
36947der Verfolgung. Ausserdem scheint er den Brief des Plinius
36948über die Christen an Trajan und vielleicht auch das Zeugniss
36949des Josephus über Christus aus eigener Lectüre gekannt zu haben.
369508) Es ist oben (sub Nr. 6) bemerkt worden, dass die Über-
36951setzung vielleicht in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts ge-
36952hört. Diese Annahme wird durch die Erwägung bestärkt, dass
36953für die Zeit nach d.J. 249 viele Ausführungen im Apologeticus,
36954dieser, actuellen Vertheidigungsschrift, als veraltet erscheinen
page 998
36955ⲛ ϯ
36956ⲁ. ⲟⲣ
36957Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian’s, 33
36958griechischen christlichen Gelehrten im Orient nicht gross gewesen
36959sein, die sich an die Aufgabe, einen umfangreichen und dazu
36960noch so schwierigen Text wie den des Apologeticus zu über-
36961setzen, herangewagt haben. Im Orient haben wir den Verfasser
36962unserer Übersetzung zu suchen. Von Julius Africanus aber wissen
36963wir, nicht nur dass er die Expedition des Septimius Severus gegen
36964die Osrho@ner mitgemacht hat, dem Kaiser Alexander Severus
36965befreundet war und ihm seine „Aeortol“ gewidmet hat, sondern
36966auch, dass er an der Spitze einer Gesandtschaft von Nikopolis
36967(Emmaus) nach Rom gegangen ist, und dass er in seiner
36968Chronik Auszüge aus Sueton’s Buch de regibus ge-
36969geben hat.!) Africanus verstand also Latein, ja Gelzer
36970(a. a. O.) ist geneigt, der Angabe des Suidas Glauben zu schenken,
36971der ihn „g@t2660@0s Aißve“ nennt, als seine Heimath also das
36972Jateinische Africa bezeichnet; auch ich sehe keinen Grund, dieser
36973Überlieferung zu widersprechen, für die der Name „Africanus“
36974selbst eintritt. Gelzer fährt fort: „Für seinen römischen ([latei-
36975nischen] Ursprung kann man vielleicht auch geltend machen
36976seine Anmerkungen über den eigenen Gerichtsstand der Juden
36977in der Gefangenschaft (im Susannabriefe) und über die wirk-
36978lichen Söhne und die Söhne nach juristischer Fiction (im Briefe
36979an Aristides). Die ganze Art der Behandlung zeigt einen Mann,
36980dem die Erörterung von staatsrechtlichen und privatrechtlichen
36981Fragen geläufig ist“. Sollte ein solcher Mann, wenn er Christ
36982und der lateinischen Sprache kundig war, nicht für eine Schrift
36983wie den Apologeticus Tertullian’s ein besonderes Interesse gehegt
36984haben? Zweitens: Africanus hatte als erwachsener Mann seine
36985Heimath in Nikopolis (Emmaus) in Palästina und muss ein an-
36986gesehener Bürger, wenn nicht Stadtbeamter daselbst (nach orien-
36987talischen späten Zeugnissen „Bischof“), gewesen sein. Ist es nun
36988nicht auffallend, dass die griechische Übersetzung des Apolo-
36989geticus über Palästina hinaus nicht bekannt geworden ist? Nur
36990Eusebius und vielleicht er selbst, Africanus, brauchen sie. Aber noch
36991mehr: an einer Stelle in den uns durch Eusebius erhaltenen Resten
36992der Übersetzung ist statt „ex Syria Palaestina“ ,ⲉ̀ϫ Iaiaıotivns“
36993gesetzt (S. 15, 18 f.) und unmittelbar darauf ist eine Aussage über
36994ⲓ Palästina einfach eingetragen; denn während Tertullian geschrieben
369951) S. Gelzer, Sextus Julius Africanus I, S. 46.
36996Texte u. Untersuchungen VIII, 4. 3
36997ⲛ
page 999
3699831 Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian’s.
36999hat: „Tiberius brachte vor den Senat den ihm aus Syria Palä-
37000stina zugegangenen Bericht über die Vorgänge, die dort die
37001Wahrheit der Gottheit enthüllt hatten“, bietet die Übersetzung:
37002„Tiberius brachte idie Sache) vor den Senat, nachdem ihm diese
37003Lehre aus Palästina, wo sie zuerst ihren Anfang genommen
37004hatte, verkündigt worden war“. Gewiss — der Übersetzer hat
37005seinen Text nicht verstanden. Aber die Weglassung des „Syria“
37006vor „DPalaestina” erklärt sich am besten bei einem Palästinenser.
37007und das „Erde z0mtor ⲧⲟⲧⲟ ist nur bei einem Palästinenser
37008kein hlosser Lückenbüsser, sondern Ausdruck eines berechtigten
37009Localpatriotismus. Also spricht wirklich Einiges dafür, dass
37010unsere Übersetzung in Palästina entstanden ist. Drittens: Der
37011Übersetzer lebte in dem Geiste des philosophischen Christen-
37012thums (s. seinen Gebrauch von „Dogma“); von Africanus wissen
37013wir, dass er mit Origenes und Heraklas befreundet war, zu diesen
37014eine Reise nach Alexandrien unternommen hat!) und ein Ver-
37015treier der alexandrinischen exegetisch - philosophischen christ-
37016lichen Wissenschaft gewesen ist. Viertens: Der Übersetzer hatte,
37017wie wir gesehen haben, gute geschichtliche Kenntnisse; er wusste
37018über Nero und Rom Bescheid, über den Partherkrieg unter Cor-
37019bulo nnd seinen hefriedigenden Ausgang, über den Briefwechsel
37020des Plinius und "Trajan; er kannte vielleicht auch das Zeugniss
37021«es Josephus über Christus. Nun — das sind alles Stoffe, die
37022dem Chronographen Africanus nahe lagen. Speciell in Bezug
37023auf die Kenntniss des Krieges mit den Parthern hat man sich
37024Zu erlmmern, dass Africanus ein Freund des Königs Abgar von
37025Kılessa gewesen ist, in dieser Stadt gut bekannt war, auf seinen
37026Reisen bis nach Mesopotamien gekommen ist?) und als unermüd-
37027licher Polyhistor (s. ausser der Chronik auch die „Keortot“) No-
37028tizen und Überlieferungen gesammelt hat. Was Rom und Nero
37029ⲓⲟϯ. so lesen wir in der Chronik des Eusebius die Notiz zu
37030Nero ⲛⲛⲏ. X: „Multi nobiles Romani caesi ⲃⲱ. Wenn diese
37031Nütiz. was mir wahrscheinlich ist, aus der Chronik des Africanus
37032stamnımt --- woher sonst als aus dieser Chronik hat Eusebius
37033abendländische Nachrichten? —, so ist sie mit dem , ⲱⲕⲟⲩϩ ϯⲓ
37034a, Kissch, ⲘⲚ. ⲑ. VI OL
37035-; Auch an den Ararat, x. Fragm, ‚J. Africani bei Routh, Reliq. S. 1?
37036FOL
page 1000
37037Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullian’s. 33
37038ⲉϩ xapras“, welches unsere Version in den Text Tertullian’s
37039für d. J. 34 eingeschoben hat, zu vergleichen. Man beachte
37040aber ferner, dass Africanus in seiner Chronik eine vollständige
37041römische Bischofsliste mit Zifferangaben verwerthet und die
37042antiochenische Bischofsliste von ihr in Abhängigkeit gesetzt hat.
37043Er schöpfte also für seine Chronik nicht nur aus griechisch-
37044christlichen, sondern auch aus römisch-christlichen Quellen, wie
37045er auch aus Sueton geschöpft hat.
37046Überschlägt man diese Gründe, beachtet man, dass unsere
37047Version mit Wahrscheinlichkeit in die Zeit des Septimius oder
37048Caracalla zu setzen ist, dass ein geschichtskundiger, für den
37049Osten und Westen interessirter Grieche, der Latein verstand,
37050eine gewisse juristische Bildung besass und doch in dem Geist
37051seiner Kirche, d. h. der griechischen, dachte, sie geschrieben haben
37052muss, dass sie wahrscheinlich in Palästina entstanden ist, weil
37053sie dort auftaucht und dort verbleibt, so wird man zu dem Ur-
37054theile gelangen müssen, dass wichtige Beobachtungen für die
37055Abfassung der Übersetzung durch den Chronographen Julius
37056Africanus sprechen. Ein Gegenargument habe ich nicht zu
37057finden vermocht. Dagegen möchte ich noch darauf hinweisen,
37058dass Africanus in der späteren kirchlichen Tradition als Über-
37059setzer bekannt ist und zwar als Übersetzer aus dem Griechischen
37060ins Lateinische. Er soll die sog. Apostelgeschichte des Abdias
37061übertragen haben.!) Auch die Passio S. Symphorosae et septem
37062filiorum eius wird auf ihn zurückgeführt.?) So unglaubwürdig
37063beides ist, so beachtenswerth ist es, dass die spätere Über-
37064lieferung es im Gedächtniss behalten hat, dass Africanus latei-
37065nisch verstanden und sich an dem Austausch der Litteratur
37066zwischen dem Morgen- und Abendland betheiligt hat.
37067Wer ein anonymes Stück einem bekannten Autor zuschreibt,
37068hat die Verpflichtung, die Werke desselben nach Wortvorrath
37069und Stil mit dem fraglichen Stück zu vergleichen. In diesem
37070Falle scheint eine solche Untersuchung freilich von vornherein
37071aussichtslos; denn das Stück, um welches es sich handelt, ist
37072eine Übersetzung und ist uns nur als wenig umfangreiches
37073Bruchstück überliefert. Doch ist die Vergleichung, die ich an-
370741) ⲃ︦. Fabricius, Cod. Apocr. N. T. II, p. 629. Routh, Reliq. 811
37075p. 503. Lipsius, Apokr. Apostelgesch. I, S. 41. 117 ff,
370762) Ruinart, Acta Mart. Ratisb. 1859 p. 70.
370773*
page 1001
3707836 Die griechische Über
37079gestellt habe, micht n
37080(im Brief an den A
37081ⲟⲟ Ϩⲉ̀ⲧϥϩ dldorad“ ⲓ
37082(p- 119), Ⲡⲥⲗ̅ (ni
37083ⲫⲥϭⲓϩ = sententia (in dem
37084p- 226, vgl. in der Überse
37085will ich nicht betonen.
37086ⲣ. 266) Ähnliches über €
37087zählt wie Tertullian (Apol
37088Lectüre Tertullian’s lernen
37089bedurfte. Aber höch
37090an den Origenes mit
37091ⲧⲟϩ ϫⲱⲣⲟⲟϩ MOV ⲇ
37092ⲧϩⲟϭϭⲩⲟⲣⲉ̀ⲟ ⲟⲓ
37093ⲛⲉϧⲟ in der alten ⲫ
37094naue Parallele; zu glei
37095„ad confoederandam discip
37096unV aüUtdVP ⲓⲥϣⲱⲗⲉ̀ϭⲃⲓ
37097Die Untersuchung hat
37098setzung des Apologetieui
37099sondern im Orient entst:
37100zurückzuführen ist. Ob
37101dem Ursprung der ϣⲉ
37102petua und Felicitas von Bedetr
37103suchung lehren. r
page 1002
37104(1)
37105Medicinisches aus der ältesten
37106Kirchengeschichte.
37107I. Christliche Ärzte.
371081. Der antiochenische Arzt Lucas.
37109Im Briefe des Apostels Paulus an die Colosser (4, 14) heisst
37110es: „Es grüsst Euch der Arzt Lucas, der Geliebte“. In dem
37111gleichzeitig von Rom aus geschriebenen Brief an Philemon (v. 24)
37112nennt ihn der Apostel seinen „Mithelfer“, und auf dem letzten
37113Zettel, den wir von der Hand des Paulus besitzen, heisst es:
37114„Lucas ist allein bei mir“ (II. Tim. 4, 10). Lucas, der erste Arzt,
37115von denı wir wissen, dass er dem Evangelium gefolgt ist, nahm
37116als Gehülfe des Paulus bei der Ausbreitung des Evangeliums
37117eine hervorragende Stelle ein. Die kirchliche Überlieferung
37118schreibt ihm die Abfassung des dritten Evangeliums und der
37119Apostelgeschichte zu, und es lässt sich Manches für das Recht
37120dieser Überlieferung anführen. Die beiden Bücher, die einen
37121beträchtlichen Theil des Neuen Testamentes bilden, sind jeden-
37122falls von einem hochgebildeten Griechen geschrieben, der nach
37123Quellen genau gearbeitet, die Regeln der historischen Kunst wohl
37124verstanden und einen vortrefflichen Stil geschrieben hat. Man
37125will auch in den beiden Werken Stellen gefunden haben, die
37126durch das medieinische Interesse und die Kenntnisse, die sie ver-
37127rathen, auf einen Arzt als Verfasser hindeuten !); ja es ist sogar
37128behauptet worden, dass der Eingang des dritten Evangeliums
37129dem Eingang der „Materia medica“ des Dioscorides nachgebildet
37130ⲃⲉ). Sicher ist jedenfalls, dass in keinem anderen Evangelium
371311) Schon Eusebius schreibt in seiner KGeschichte IlI, 4: „Lucas, seiner
37132Wissenschaft nach Arzt, hinterliess uns als Beweise der Seelenheilkunde,
37133die er von den Aposteln gelernt hatte, zwei Bücher“.
371342) Lagarde, Psalterium iuxta Hebr. Hieron. p. 165, vgl. auch Mit-
37135theil. III, S. 355.
page 1003
37136rung, die in das 2. Jahrhur
37137gewesen sein — an dem Hel
37138der Überlieferung ist in neueı
37139getreten. Er schreibt): „Da.
37140nach ein Arzt war, stimmt auf:
37141Denn dieser enthält, so zu say
37142diätetische (5, 12—14) und eir
37143Ein geistreicher Einfall, wie ⲃ
37144Jehrten eigenthümlich waren,
37145fassung des Hebräerbriefs durı
37146aus Verlegenheit und gelehrte:
37147rung. Auch gegen die Herl
37148Apostelgeschichte von ihm sin:
37149gemacht worden. Keinem Bı
37150nahme, dass er jener Begleiter
37151welcher die Seereise von Cäsar
37152bruch (Apostelgesch. 27f.) bescl
37153Zuverlässigkeit der Schilderung
37154welche das Seewesen der Alten
37155aus dem ganzen Alterthum kau
37156der in Bezug auf Schärfe der
37157Darstellung so lehrreich für di
37158des Arztes Lucas.
371591) Man will auch die Beobacht
37160gelist die Exorciemen von den Hails
page 1004
37161[3] J. Christliche Ärzte. 39
37162Ist dieser der Verfasser des dritten Evangeliums, so haben
37163wir unter den vier Evangelisten nach der Tradition nicht nur
37164einen „Theologen“ — den Johannes, der diesen Ehrentitel führt —,
37165sondern auch einen „Mediciner“. Marcus als der Dolmetscher
37166des Petrus wäre der „Philologe“, und der „Zöllner“ Matthäus
37167müsste zusehen, ob er bei den Juristen eine Unterkunft fände.
37168Man hat die vier Evangelisten mit allem Möglichen verglichen,
37169was vierfach in der Welt resp. über der Welt vorkommt und eine
37170Universitas bildet, mit den vier Himmelsgegenden, den vier
37171Winden, den vier Cherubim u.s.w. Ob Einer schon bei diesen
37172Vergleichen, die man einst sehr ernst genommen, auf die vier
37173Facultäten verfallen ist, weiss ich nicht. Es sollte mich aber
37174wundern, wenn es nicht geschehen wäre. Heute denkt man nicht
37175mehr an dergleichen, am wenigsten an die Universitas der vier
37176Facultäten, die etwas locker geworden ist und den Heutigen
37177überhaupt nicht leicht einfällt.
37178Auf guter Kunde beruht es, dass Lucas aus Antiochien
37179stammte und Mitglied der ältesten heidenchristlichen Gemeinde
37180gewesen ist!). Was aber die Tradition darüber hinaus von ihm
37181zu berichten weiss, taucht erst spät auf und ist unglaubwürdig:
37182er soll in Achaja und Böotien, in Dalmatien, Gallien, Italien,
37183Macedonien, auch in Alexandrien usw. gewirkt haben. Einige
37184wissen von einem Martyrium zu erzählen, welches er in Theben
37185in Böotien erlitten hat; Andre nennen Paträ oder Ephesus. Aus
37186der Überzahl der Legenden?) sei die anmuthige hervorgehoben,
37187dass es über dem Grabe des Heiligen in Theben Pastillen oder
37188Bisquite von heilkräftiger Wirkung geregnet habe, und ⲃⲟ sei das
37189vergessene Grab entdeckt worden — eine böotische Localsage
37190aufgebracht vielleicht von einem speculativen Priester, der einige
37191kleine Kuchen opferte, um seinen Gläubigen ein heiliges Grab
37192und seiner Kirche Ansehen und Geld zu verschaffen. Erst sehr
37193spät, nämlich im 6. Jahrhundert®), taucht die Nachricht auf,
371941) Euseb.,, h. e. III, 4. Quaest. ad Steph. bei Mai, Nova Patr. Bibl.
37195IV, 1 p. 270. Hieron. de vir. inl. 7. Die Nachricht geht vielleicht auf
37196Julius Africanus zurück; ebenso vielleicht die andere, dass er der grie-
37197chischen Wissenschaften kundiger war als des Hebräischen.
371982) S. Lipsius, Apokr. Apostelgesch. II, 2 S. 354 ff., der diese Legen-
37199den mit bewunderungswürdigem Fleiss gesammelt und gesichtet hat.
372003) Bei Theodorus Lector (Valesius, Mogunt. p. 551).
page 1005
37201dıtıon, dass er Arzt gewese
37202drückt. Dies hat allerding
37203rühmter Mann, aber ohne
37204Marcion. Marcion wollte uı
37205Arzt wissen, weil er in sei
37206thusiasmus die Beschäftigun
37207etwas Unchristliches hielt.
37208Worte, die neben dem Nam
37209Geliebte“ gestrichen. Aber
37210welches sogar die alten Uı
37211grossen Kirche zurückgewies:
37212und als solcher zugleich das le
37213thum und Heilkunde sehr wol
37214hat Zeiten gehabt, in denen
37215wissenschaft und Heilkunde
37216bannen. Da ist es für sie vc
37217sich zu erinnern, dass im Neı
37218vorkommt und dass er der Ge:
37219Herrn, des Petrus und des Ps
37220Lucas noch nach dem Tode
37221ausgeübt. Er hat seine Wi
37222Kirche geschützt und die ]
37223scheuen Christenthums ⲉⲓ̈ⲉϣ
37224abgewehrt.
page 1006
37225[5)] I. Christliche Ärzte, 41
37226haben. Dort heisst ⲉⲃ „Während des Verhörs derjenigen
37227Christen, die ihr Christenthum verleugnet hatten, noch einmal
37228verhört wurden und nun grösstentheils fest blieben] stand ein
37229gewisser Alexander, der Herkunft nach Phrygier, dem Berufe
37230nach Arzt, neben dem Richterstuhl. Er lebte bereits seit vielen
37231Jahren in Gallien und war nahezu Allen wegen seiner Liebe zu
37232Gott und wegen seines feurigen Redeflusses — er besass näm-
37233lich hierin eine apostolische Gabe — wohlbekannt. Indem er
37234die Angeklagten durch lebhafte Zeichen zu dem offenen Bekennt-
37235niss ihres Christenstandes ermunterte, erschien er den das Tribu-
37236nal Umstehenden, wie wenn er gleichsam diese Bekenner gebäre.
37237Da erhob die heidnische Menge, ungehalten darüber, dass die,
37238welche verleugnet hatten, jetzt wieder bekannten, unter lautem
37239Geschrei die Anklage gegen Alexander, er habe diesen Um-
37240schwung bewirkt. Der Statthalter liess ihn vor sich kommen
37241und fragte ihn, wer er sei. Als Alexander antwortete: ein Christ
37242so gerieth er in Zorn, verurtheilte ihn zu den wilden Thieren
37243und bereits am folgenden Tage liess er ihn in das Amphitheater
37244bringen. Nachdem dort Alexander alle zur Marter ausersonnenen
37245Werkzeuge an sich erprobt und den furchtbarsten Kampf be-
37246standen hatte, wurde ihm zuletzt die Kehle durchschnitten.
37247Weder einen Seufzer noch einen Laut hat er bei dem Allen von
37248sich gegeben, sondern im Herzen mit Gott gesprochen.“ Alexander
37249ist u. W. der erste Arzt, welcher Märtyrer geworden.
372503. Christliche Schüler Galen’s in Rom.
37251In Rom gab es um das J. 200 innerhalb der katholischen
37252Kirche eine Schule, die sich eifrig mit aristotelischer Philosophie,
37253Geometrie und Naturwissenschaft beschäftigte, aber von dem
37254Bischof und der Majorität der Gemeinde heftig bekämpft und
37255schliesslich excommunicirt wurde. Wir besitzen noch das Bruch-
37256stück einer sehr plumpen und gehässigen Streitschrift gegen sie
37257aus dem Anfang des 3. Jahrhunderts?). Hier heisst es: „Sie
37258beschäftigen sich mit Geometrie als Leute, welche irdisch sind
37259und Irdisches reden ... KEuklides mit seiner Geometrie wird
372601) Euseb., h. e. V, 1, 49 ⲃϥ.
372612) Bei Euseb., h. e. V, 28.
page 1007
37262Menschenkenner. Er ist d
37263ja anerkennendes Urtheil €
37264wird in der Kirchengeschic
37265dass es ein Arzt gewesen,
37266Christen zuerst in der Li
37267schreibt !): „Die meisten M
37268ordnete Beweisführung zu €
37269mit Hülfe von Parabeln (.
37270Strafen in einem zukünftige
37271wir, wie in unseren Tagen j
37272ihren Glauben aus Parabel:
37273aber entspricht bisweilen de:
37274achten, wie wir sehen, den
37275Scheu jeglichen Geschlecht.
37276ihnen sowohl Frauen als N
37277Lebens sich der Ehe enthalı
37278auch solche, die es in der Se
37279Streben so weit gebracht hal
37280sophen in nichts nachstehen.‘
37281heit der Christen jener Ⲧⲁ
37282Beobachtungsgabe und den uı
37283Als er diese Worte nieders
37284Christen in der „guten Gesel
37285Fronto’s und des Kaisers M
37286In seinen zahlreichen Wo»)
page 1008
37287[7] l. Christliche Ärzte. 43
37288lich seien“!) An einer anderen Stelle?) bemerkt er witzig:
37289„Man kann Juden und Christen leichter eines Besseren belehren
37290als die Anhänger einer medicinischen oder philosophischen Schule.“
37291Ob dieser Satz noch heute zutrifft, müssen die Ärzte und Philo-
37292sophen wissen, die eine neue Methode oder eine neue Wahrheit
37293aufbringen.
372944. Der Heilkünstler Proculus.
37295Tertullian schreibt in seinem Tractat an den Statthalter
37296Scapula z. Z. des Kaisers Caracalla (c. 4): „Auch Septimius selbst 3),
37297der Vater des Antoninus, ist der Christen eingedenk geblieben;
37298denn er liess den Christen Proculus mit dem Beinamen Torpa-
37299cion ....%), der ihn einmal durch Anwendung von Öl gesund
37300gemacht. hatte, zu sich holen und behielt ihn bei sich in
37301seinem Palaste bis zu dessen Tode. Ihn hat auch Antoninus
37302(Caracalla), der mit christlicher Milch aufgezogen ist, sehr gut
37303gekannt.“ Proculus war von Beruf kein Arzt; aber es scheint,
37304dass sich der Kaiser in der Noth an ihn gewandt hat, und die
37305Kur, die vielleicht in einer religiösen Besprechung neben der
37306Anwendung von Öl bestand, glückte. An der Thatsäche, dass
37307der Kaiser seitdem den christlichen Heilkünstler bei‘ sich im
37308Palaste behielt, lässt sich nach den Worten Tertullian’s nicht
37309zweifeln. Für die religiöse Stellung des Kaisers ist der Vorgang
37310ohne Bedeutung. In der Türkei gelten auch jetzt noch die christ-
37311lichen Priester dem muhammedanischen Volke häufig als Zauber-
37312ärzte, deren Hülfe in der höchsten Noth begehrt wird.
373135. Julius Africanus, medicinischer Schriftsteller.
37314Der älteste christliche Chronograph, der Freund des christ-
37315lichen Königs von Edessa, Abgar, und Jagdgenosse seines Sohnes
37316— Julius Africanus in Emmaus in Palästina, hat um d. J. 225
37317ein umfangreiches Werk, eine Art von Encyklopädie der ange-
37318wandten Naturkunde geschrieben, der er den Titel „Kestoi“ gab
373191) Opp. VII, p. 579 ed. Kühn.
373202) L. c. p. 657.
373213) Der Kaiser Septimius Severus.
373224) Die hier ausgelassenen beiden Worte „euhodae procuratorem“ hat
37323man bisher nicht sicher zu erklären vermocht,
page 1009
37324Hınsıcht erscheint er als
37325Synesius von Ptolemais, d
37326den uns Kingsley in sei
37327hat. An Julius Africanus
37328d. J. 210 ff. ein Christent
37329älteren Generation völlig
37330volle Züge doch nicht a
37331palästinensische Christ ⲛ
37332seiner Vaterstadt, ging m
37333diein, Landbau und Mathe
37334licher Exeget, ein alexan
37335tüchtiger Historiker. Aus
37336liche Recept hervor, wie
37337schützen soll°). Man soll
37338ben: „Schmecket und sehe
37339man soll diese Worte auf
37340Wein thun. Auch erzählt
37341römisches Regiment durch
373426. Zenobius, Pri
37343Unter den Märtyrern
37344Phönicien nennt Eusebius i
373451) ⲃ. Vet. Mathemat. Opp.,
37346micta, S. 167 f.) veröffentlichten
37347schrift der „Arzt“,
page 1010
37348[9] I. Christliche Ärzte. 45
37349den Priester der Gemeinde zu Sidon, Zenobius. Er wurde nach
37350Antiochien geschleppt und dort mit eisernen Krallen zerfleischt.
37351Eusebius rühmt seine Standhaftigkeit und bemerkt ausserdem
37352noch, er sei der „vorzüglichste Arzt“ gewesen. Der Beruf eines
37353solchen und eines christlichen Priesters galt also damals noch
37354nicht für unvereinbar. Erst in spätererer Zeit verlangte man
37355vom Priester, dass er sich jedes weltlichen Berufs enthalte.
373567. Theodotus, Mediciner und Bischof in Laodicea.
37357Ein noch glänzenderes Zeugniss hat Eusebius (KG. VI, 32,
3735823) einem anderen Manne ausgestellt, der nach dem Abfall des
37359feigen Bischofs Stephanus das bischöfliche Amt zu Laodicea in
37360Syrien um d. J. 305 erhielt. Eusebius schreibt: „Der Bischof
37361Theodotus richtete die Gemeinde zu Laodicea sogleich wieder
37362auf. Er war ein Mann, dessen Wirksamkeit seinem Namen (‚von
37363Gott gegeben‘) und seinem bischöflichen Berufe entsprach, denn
37364in der Heilkunst des menschlichen Körpers behauptete er den
37365ersten Rang; aber in der Seelenheilkunde, an Nächstenliebe,
37366Edelmuth, Mitgefühl für Andere, sowie an Dienstfertigkeit gegen
37367diejenigen, die seiner bedurften, kam ihm Niemand gleich. Auch
37368war er in der Theologie sehr bewandert. Ein solcher Mann war
37369Theodotus.“ Man fühlt es dem Eusebius noch heute ab, mit
37370welcher Bewunderung er zu dem grossen Collegen aufschaute,
37371der, Arzt und Bischof in einer Person, das Gedächtniss eines
37372wahren Seelenhirten hinterlassen hatte !).
373738. Ein christlicher Arzt und Bischof am See Tiberias.
37374Minder erfreulich ist, was wir von einem palästinensischen
37375Bischof, dessen Name uns nicht überliefert ist, hören. Epiphanius
37376(haer. 30, 4) berichtet uns, der jüdische Patriarch Ellel (um 300)
37377habe Christ werden wollen, aber nicht den Muth gefunden, diesen
373781) Unter den Opfern der Diocletianischen Verfolgung wird noch ein
37379berühmter Arzt und Bischof von Aegeä in Cilicien (Menaea Graec. 30. Oct.,
37380Baronius, Annal. ad ann. 285), Namens Zenobius, genannt, aber seine
37381Existenz ist nicht ganz sicher. Ferner wird im römischen Martyrologium
37382z. 16. Aug. ein christlicher Arzt Diomedes aus Tarsus erwähnt, der auch
37383unter Diocletian zu Nicia Märtyrer geworden sein soll.
page 1011
37384trotz der Quelle, auf die si
37385lehrreich ist es, dass man
37386zugleich Ärzte waren, Ϥⲉ
37387an ihrem Verfahren genom
373889. Der Grammatiker u
37389Hieronymus erzählt (de
37390zusammen mit Lactantius d
37391medien als Lehrer kommen
37392Schrift „de medieinalibus“
37393Christ gewesen oder doch
37394Schrift gegen Jovinian (II, €
37395stoteles, Marcellus Sidetes ı
37396erwähnt er seine Hexamete
37397nicht mehr erhalten ist, wis:
37398behandelt hat; doch muss «
37399mittellehre befasst haben. L
37400bei den Römern in Verse ⲝ
37401gewöhnlich, wissenschaftlick
37402zu geben.
3740310. Der ägyptische
37404Von einem sehr gelehrt
37405Mönchsvereina in ⲃ︦ ⲟⲩⲩ.
page 1012
37406111) I. Christliche Ärzte. 47
3740711. Der römische Bischof Eusebius (309,310).
37408Nach einer alten Überlieferung soll der römische Bischof
37409Eusebius Sohn eines Arztes gewesen sein!) und selbst als Bischof
37410die ärztliche Kunst hie und da ausgeübt haben. Damit mag es
37411zusammenhängen, dass gerade diesem Papst ein Decret über die
37412letzte Ölung beigelegt worden ist, welches noch Benediet XIV.
37413für echt erklärt hat?).
3741412. Der Bischof Basilius von Ancyra.
37415Von diesem berühmten Bischof, der unter Konstantin und
37416Konstantius gelebt hat, berichtet Hieronymus (de viris inlustr. 89),
37417er sei „artis medicinae gnarus“ gewesen.
3741813. Der Arianer Aötius.
37419Aötius war das Haupt der strengsten Arianer. Von ihm
37420erzählt der arianische Kirchengeschichtsachreiber Philostorgius
37421(II, 15), er habe auch die medicinische Wissenschaft erlernt, um
37422nicht nur die Krankheiten der Seele, sondern auch des "Leibes
37423heilen zu können; sein Lehrer sei Sopolis gewesen, den‘ damals
37424Niemand in der Heilkunst übertroffen habe; Aötius sei ein vor--
37425trefflicher Arzt geworden, habe aber niemals Honorar genom-
37426men %. Dass Letzteres ausdrücklich hervorgehoben wird, ist ein
37427Beweis dafür, dass auch die christlichen Ärzte sich in der Regel
37428haben bezahlen Jassen, wie sie ja auch ihre Kunst nicht umsonst
37429gelernt hatten. Bemerkenswerth ist, dass die meisten Zeugnisse
37430für christliche Ärzte uns aus Syrien resp. Palästina kommen‘
37431(Lucas, Zenobius, Theodotus, Diomedes, der namenlose Arzt sub
37432Nr. ⲃ, Aötius). Syrien war das Land der Ärzte.
3743314. Der heidnische Oberarzt Aegialeus als
37434Schiedsrichter zwischen Mani und dem katholischen
37435Bischof Archelaus.
37436In den Acten der Disputation Mani's, des Stifters der Mani-
37437chäer, mit dem katholischen Bischof Archelaus (c. 12) wird er-
374381) Duchesne, Lib. pontif. I, p. 167: „Eusebius natione Graecus e
37439medico“,
374402) Benedict XIV., de servorum dei beatificatione Ill, 32, 31.
374413) Auod0v ⲡϫϩⲉⲓ̈ⲭⲉ ⲧⲟⲓ̈ .ⲉⲟⲙⲟⲓϩ THV GEQANEICV.
page 1013
3744215. Der christliche .
37443In der grossen dialogisc;
37444Auferstehung des Fleisches (u
37445Methodius der Arzt Aglaoph:
37446das Fleisch nicht aufersteheı
37447seiner Klinik statt, wie der Ei
37448phon streitet für seine These
37449diceinischen Gründen, bringt
37450„Büchern der Ärzte“ spec. aus
37451verständiger Naturforscher ur
37452nung konnte er sich auf deı
37453Origenes berufen; aber sie ϭ.
37454retisch und wurde in der Folg
37455bekämpft. Nachmals durften
37456so frei reden wie Aglaophon
37457Bezug auf die Auferstehung ⲥ
37458thodius einen Arzt zum Vertre
37459gemacht hat, ist bemerkenswe
3746016. Die christlichen Ä
37461Unter allen christlichen £
37462sind die Brüder Cosmas und D:
37463als die Patrone der Ärzte ⲛⲏⲓ
37464--ⲓ ⲩ ⲻ
page 1014
37465[13] I. Christliche Ärzte. 49
37466Ihre Wirksamkeit hatte, da sie zugleich begeisterte Christen
37467waren, wunderbare Erfolge. Sie vermochten ohne Medicin, nur
37468durch Gebet, Kranke gesund zu machen. In der grossen Christen-
37469verfolgung wurden sie ergriffen und, nachdem sie die schreck.
37470lichsten Leiden erduldet, enthauptet. An ihrem Grabe geschahen
37471viele Wunder; namentlich fanden Kranke, die sich gläubig nah-
37472men, dort immer die Medicin, die sie brauchten.
37473Leider ist die geschichtliche Wissenschaft nicht im Stande,
37474irgend etwas aus der Geschichte dieser beiden vortrefflichen
37475Arzte für gesichert zu erklären; vielleicht haben sie überhaupt
37476nie existirt!). Aber die Legende bindet sich nicht an die Ge-
37477schichte. Sie hat sich unter den altchristlichen Ärzten an dieses
37478Brüderpaar gehalten und die beglaubigten Personen bei Seite
37479gelassen. Jetzt wird ein Theil der Reliquien des Cosmas und
37480Damian sammt den Köpfen, die früher in Bamberg waren, in
37481München in der ehemaligen Jesuitenkirche aufbewahrt und ver-
37482ehrt. Lebten wir noch im Mittelalter, so würden wir urtheilen,
37483dass München die Blüthe seiner medicinischen Facultät der kräf-
37484tigen Wirksamkeit dieser Patrone verdankt ?).
37485Aus der nachkonstantinischen Zeit wäre Manches von christ-
37486lichen Ärzten zu erzählen. Einem christlichen syrischen Arzt
37487und medicinischen Schriftsteller des 9. Jahrhunderts, Abu Zaid
37488Honain ben Ishaq in Bagdad am Hof der Chalifen, der das Haupt
37489einer Schule von Übersetzern aus dem Griechischen in das Sy-
37490rische und Arabische war, verdanken wir den arabischen Tatian.
37491Sein Schüler Isa ben Ali Almottabab hat das syrische Manuseript
37492Tatian’s angefertigt, nach welchem Abulfaraj Abdullah ben-at tib
37493die arabische Übersetzung gemacht hat’). Unter den christlichen
37494Grabinschriften der byzantinischen Zeit finden sich auch solche
37495auf Ärzte, z. B. in Gozzo, der kleinen Insel bei Malta (Nr. 604,
374961) Sie leisteten den Christen das, was Asklepius früher geleistet
37497hatte, ja sie sind geradezu an Stelle desselben getreten. Ihr Ehrentitel
37498ist: ⲟⲩⲣⲟ. ⲃ. Acta SS. Sept. T. VII, p. 400. Ihre Verehrung muss
37499schon im 4. Jahrh. begonnen haben; aber bei_den Griechen machten
37500ihnen andere heilige Ärzte Concurrenz.
375012) Christliche Ärzte nannten sich im Alterthum nach Cosmas, s. die
37502von Kaibel gesammelten griechischen Inschriften Italiens z. B. Nr. 1788.
37503406, 3.
375043) S. Harris, Diatessaron p. 8.
37505Texte u. Untersuchungen VIII, 4. 4
page 1015
37506ⲩⲩ-
37507nommen hatte, bestrebte ich
37508Künste dorthin zu bringen. I
37509dass sie sich in die Stadt b
37510der sehr fromme Priester Petı
37511Klugheit ausübt und durch se
37512ich fortgehe, verlassen diese a:
37513entschlossen. Desswegen bitte
37514zu tragen; denn er behandelt
37515heilt recht gut.“ Noch Kaiser
37516zugleich Priester war, geheilt :
37517Besondere Apotheker nebe:
37518schwerlich gegeben. Die im
37519„Pharmaci“ sind natürlich Gift
37520die in dem 6. Kanon einer Syn
37521nannt werden), sind Rechnur
37522Sprichwort: „Es frommt nicht
37523findet sich im Murator. Fragmen:
37524geistlichen Nahrung, den Häre
37525bei Irenäus®): „Der Milch Got
37526(iyps bei“.
375271) T. Kiavdie,y "Aixiuw ⲧⲟⲫ ı
37528ⲁⲥ xadnynız ⲑ︦ xal dsl.
375292) Vis. 1, 9, 7.
375303) Mansi I, p. 143.
page 1016
37531115] II. Diütetisches und Therapeutisches. 51
37532II. Diätetisches und Therapeutisches.
37533Zum Verdruss aller Temperenzler findet sich im Neuen
37534Testament eine Stelle, welche mässigen Weingenuss anräth.
37535„Trinke hinfort nicht (immer) Wasser, sondern (auch) ein wenig
37536Wein deines Magens und deiner häufigen Schwächezustände
37537wegen“, heisst es im 1. Timotheusbrief (c. 5, 23). Die Anordnung
37538wird noch heute den Beifall verständiger Arzte haben, wenn
37539auch nicht des Magens, so doch der Schwächezustände wegen.
37540Zu der Zeit, als dieser Brief geschrieben wurde, gab es schon
37541solche in den Gemeinden, die sich ein Gewissen daraus machten,
37542Wein zu trinken (s. auch Röm. 14, 21), ja die sogar das Abend-
37543mahl nur mit Wasser feierten !). Die Kirche hat sie zuerst ge-
37544währen lassen, dann aber bekämpft, als sie bemerkte, dass sich
37545hinter dieser Praxis bedenkliche Sectirerei versteckte. Sie fuhr
37546einerseits fort, vor unmässigem Weingenuss zu warnen, anderer-
37547seits widerlegte sie die „Enkratiten“, welche den Fleisch- und
37548Weingenuss für eine Sünde hielten und die Gaben der Natur
37549auf den Teufel statt auf Gott zurückführten. Für beides seien
37550hier einige Zeugnisse angeführt. Der Apostel Paulus muss es
37551rügen, dass Einige sogar bei den gemeinsamen Liebesmahlen bis
37552zur Trunkenheit zechen (I. Cor. 11, 21), und im Epheserbrief
37553(5, 18) findet sich die Warnung: „Saufet euch nicht voll Weins,
37554sondern werdet voll Geistes“. Die religiöse Ekstase machte auf die
37555Aussenstehenden den Eindruck, als sei sie die Folge von Trunken-
37556heit (Apostelgesch. 2): um so sorgfältiger sollten sich die Christen
37557vor dieser hüten ?). Besonders mussten die alten Wittwen, die
37558im Gemeindedienste standen und häufig die Nacht bei den Kranken
37559zu wachen hatten, immer wieder ermahnt werden, sich nicht dem
37560Weingenuss zu ergeben). In seiner grossen Schrift von der
375611) Texte ⲙ. Unters. VII, 2.
375622) Es scheint auch, dass der Vorwurf gegen die Christen erhoben
37563wurde, die Ekstase stamme aus dem Rausch, den sie sich bei den Agapen
37564angetrunken. Duher schreibt Tertullian Apol. 39: „Post aquam manualem
37565et lumina, ut quisquis de scripturis sanctis vel de proprio ingenio
37566potest, provocatur in medium deo canere; hinc probatur quomodo biberit‘.
375673) Tit. 2, 3. Apostol. Kirchenordng. in d. Texten u. Unters. II, 5
37568S. 23, etc.
375694*
page 1017
37570ubrıgens, dass man Knaben
37571diesem Pharmakon fernhält; d
37572hin glühenden Jugend die hitz.
37573den Wein, als wolle man Ⲕⲉ
37574Wasser soll man nicht allzuviı
37575die Nahrung nicht zerwaschen
37576Zweck der Verdauung.“ „Der
37577zu denken, sagt der Komiker,
37578lässt. Abends aber bei der ]
37579wenn wir nicht mehr an den ]
37580die eine grössere Nüchternheit
37581trinke man wenig Wein; es d
37582Gebrauch von Mischkrügen ge
37583Leuten indess kann man einer
37584wehren; ohne Schaden fachen
37585gleichsam erlöschende Flamme
37586Rebe. Bei den Alten giebt es
37587denden Begierden mehr, die de
37588fürchten lassen; feststehend auf c
37589Zeit halten sie die aus dem Bec
37590aus. Sie dürfen auch heitere ⲃ︦
37591giebt es auch für sie eine ϭ
37592muss unerschüttert bleiben, das
37593darf nicht stolpern und wanke
page 1018
37594[17] Ⲡ. Diätetisches und Therapeutisches, 53
37595Sachkundigen ... Ich erinnere mich, dass ein gewisser Artorius
37596in seiner Makrobiotik die Meinung aufstellt, man solle nur so viel
37597trinken, als zur Befeuchtung der Speise nöthig ist, um sich eines
37598längeren Lebens zu erfreuen ... Es ist also in der Ordnung,
37599dass die Einen den Wein als eine Art Arznei anwenden aus-
37600schliesslich der Gesundheit wegen, die Anderen zur Erheiterung
37601und Zerstreuung. Der Wein macht nämlich beim Anfang des
37602Genusses die Selbstbeurtheilung freundlicher, das Verhalten gegen
37603die Tischgenossen liebenswürdiger, gegen die Diener sanftmüthiger,
37604gegen die Freunde gütiger ... aber in Folge unmässigen Wein-
37605genusses gleitet die Zunge aus; die Lippen lallen; die Augen
37606rollen gleichsam schwimmend in der vielen Feuchtigkeit; sie
37607werden gezwungen zu lügen und meinen, es drehe sich Alles im
37608Kreise; einzelne Gegenstände in der Ferne können sie nicht
37609zählen. „Zwei Sonnen glaube ich zu sehen“, sagt der betrunkene
37610Alte von Theben!) ... Die schlaffe Begierde, eine Frucht der
37611Unmässigkeit, will überseeische importirte Weine. Da ist der
37612gewürzte Thasier und der aromatische Lesbier und ein süsser
37613Kreter und ein milder Syrakusier und der Mendesier, ein ägyp-
37614tisches Gewächs, und der naxische Tafelwein, und eine duftende
37615Sorte aus den italischen Landen — die Namen sind Legion.
37616Einem besonnenen Trinker genügt eine einzige Weinsorte.“
37617Ein anderer Kirchenvater des 3. Jahrhunderts warnt vor
37618dem Frühschoppen. Novatian schreibt?): „Es giebt Christen,
37619welche das Beispiel der Unenthaltsamkeit geben und in ihrer
37620Lasterhaftigkeit so weit gekommen sind, dass sie gleich früh
37621morgens nüchtern trinken, während doch Christen erst nach der
37622Mahlzeit einen Trunk zu sich nehmen. In die noch leeren Adern
37623giessen sie, nachdem sie sich eben vom Schlaf erhoben, Wein;
37624ungegessen sind sie bereits trunken; sie laufen nicht nur in die
37625Kneipen, sondern sie tragen eine Kneipe mit sich herum, und
37626ihr Gruss besteht im Zutrinken. Was werden diese Menschen
37627am Nachmittag anfangen, wenn sie schon berauscht zur Mahlzeit
37628kommen? oder in welcher Verfassung wird sie die untergehende
376291) Es folgt noch eine ausgeführte, sehr realistische Schilderung der
37630Trunkenheit. Sie stimmt ⲍ. Th. wörtlich mit der in dem pseudojustinischen
37631Brief an Zenas und Serenus (c. 12) gegebenen überein,
376322) De cibis iudaicis 6.
page 1019
37633sıch damit gegen die gnosti
37634Severianer, Tatian, Marcionit:
37635wahrscheinlich auch gegen e:
37636den Weingenuss absolut veı
37637dass Jesus selbst Wasser in
37638einen Weinsäufer habe sche
37639Abendmahl den Wein zum £
37640„Zeige mir, wo in der h.
37641boten ist“, ruft der Verfasser
37642philus (c. 28) aus, der wahr
37643des 2. Jahrhunderts geschöpf
37644für ihre Praxis auch einen S
37645That liessen sich aus dem Alı
37646bringen, die den Weingenuss •
37647Vor allem konnte man sich
37648haupten, sie seien das Vorbi
37649Philippika gegen den Wein :
37650„Der Teufel, der vom Himme
37651Schlangengestalt an, vermischt.
37652dieser Vermischung ist der Wei
37653arme des Weinstocks, beweiser
37654Dieselben Leute, welche d
37655in der Regel nicht, sich der Ar.
37656späterer Mönche wollten sie
page 1020
37657[19] II. Diätetisches und Therapeutisches. 55
37658wissen oder suchten Heilung allein bei Gott (dem Gebet u. Exor-
37659cismus). Tatian z. B. gestattet die Anwendung von Heilmitteln
37660höchstens den Heiden, nicht aber den Christen !). Um das billig
376611) Orat. ad Gr. 20. Auch Tertullian spottet über die wissenschaft-
37662lichen Heilmittel Apolog. 23: „Aesculapius, medicinarum demonstrator,
37663aliam diem morituris Acordio et Tenatio et Asclepiodoto subministraturus.“
37664Tatian sagt (c. 1), die Ursachen der Krankheiten lägen in der Regel in
37665der Beschaffenheit des Leibes, einige aber würden von den Dämonen be-
37666wirkt. Er fährt dann (c. 17) fort: „Was nun die von Demokrit aufge-
37667stellten Sympathie- und Antipathiemittel betrifft, so lässt sich darüber nur
37668sagen, dass der aus Abdera Gebürtige, wie der Volksmund sagt, auch ein
37669„abderitischer Schwätzer“ ist... Kein Leiden wird durch Antipathie
37670vertrieben und kein Rasender wird durch Amulette geheilt. Anfälle der
37671Dämonen sind hier im Spiel; bei Krankheit, Liebeskummer, bei Hass und
37672Rachsucht machen die Menschen sie zu ihren Gehilfen. Ihr Wesen aber
37673treiben die Dämonen hier folgendermassen: Wie die Buchstabenformen
37674und die aus ihnen gebildeten Reihen nicht an und für sich fähig sind,
37675den Gedanken auszudrücken, vielmehr die Menschen sie zu Zeichen ihrer
37676Begriffe gemacht haben, indem sie aus der Art ihrer Zusammensetzung
37677erkennen, was durch die Ordnung der Buchstaben sich für ein Sinn er-
37678geben soll — ähnlich sind auch die verschiedenen Wurzeln und die hin-
37679zugefügten Knochenbänder und Knochen nicht an und für sich wirksame
37680Mittel, sondern die Dämonen in ihrer Bosheit bedienen sich ihrer, und
37681sie haben die Wirksamkeit eines jeden dieser Stoffe bestimmt. Sehen sie
37682nun, dass die Menschen diese Mittel gern in ihren Dienst nehmen, 8o
37683fahren sie hinein und machen die Menschen ⲃⲟ zu ihren Sclaven . .. Ist
37684es richtig, die Heilung von Rasenden materiellen Stoffen und nicht Gott
37685zuzuschreiben? Durch List machen hier die Dämonen die Menschen von
37686der Gottesverehrung abwendig, indem sie sie verleiten, auf Kräuter und
37687Wurzeln zu vertrauen. Hätte aber Gott diese zu dem Gebrauche ge-
37688schaffen, zu dem sie die Menschen (oft) gebrauchen wollen, so wäre er
37689der Schöpfer böser Dinge ... Die Arzneiwissenschaft in allen ihren Formen
37690stanımt aus derselben betrügerischen Kunst; denn wenn Jemand von der
37691Materie geheilt wird, indem er ihr vertraut, um wieviel mehr wird er,
37692wenn er sich auf die Kraft Gottes verlässt, geheilt werden ... Wesshalb
37693will der, welcher sein Vertrauen auf die Eigenthümlichkeit der Materie
37694setzt, nicht Gott vertrauen? Warum gehst du nicht zu dem mächtigeren
37695Herrn; statt dessen ziehst du es vor, dich zu heilen wie der Hund durch
37696Kräuter, der Hirsch durch Schlangen, das Schwein durch Flusskrebse,
37697der Löwe durch Affen (s. Plinius, Hist. nat. XXV, 8. XXVIII, 42.
37698XXXIl, 19)? Warum vergöttlichst du irdische Dinge? Warum lässt
37699du dich einen Wohlthäter nennen, wenn du deinen Nächsten heilst?
37700Folge der Macht des Logos! Zu heilen vermögen die Dämonen nicht;
37701sie nehmen vielmehr durch betrügerische Kunst die Menschen gefangen,
page 1021
3770256 Medieinisches aus der ältesten Kirchengeschichte. ⲑ(
37703zu beurtheilen, muss man sich freilich auch erinnern, dass die
37704Medicin mit Zauberei, Astrologie und dem ganzen Apparat des
37705Heidenthums zusammenhing, und dass die Christen ihre eigene
37706Methode der Heilung hatten. Dennoch verwarfen die grossen
37707Kirchenväter die Medicin als solche nicht. Bäder !), Arzneien und
37708sonstige Körperpflege erschien ihnen erlaubt; sogar das Spazieren-
37709ϣⲱⲥ zur Erholung des Leibes hat Einer von ihnen angerathen“,
37710ein Anderer die Heilkraft des Wassers des todten Meers geschil-
37711dert 1. Gerne hörte man, dass schon Noah ein Buch über Heil-
37712mittel von Gott empfangen habe, und auch dem König Salomo
37713und der bewunderungswürdige Justin hat mit Recht über sie den Aus-
37714spruch gethan, dass sie Räubern gleichen. Wie diese nämlich Menschen
37715lebendig einzufungen und sie dann um Lösegeld den Ihrigen wieder aus-
37716zuliefern pflegen, so schleichen sich auch diese vermeintlichen Götter in
37717«die (Gliedmassen gewisser Menschen ein. Alsdann bewirken sie durch
37718Träume, dass man sie als die Urheber erkennt, nöthigen die Besessenen
37719an die Öffentlichkeit zu gehen, so dass Alle sie sehen, fliegen, wenn sie
37720das, was man ihnen nun spendet, genossen haben, aus den Kranken da-
37721von. und, nachdem sie der von ihnen erregten Krankheit Einhalt ge-
37722boten haben, versetzen sie die Menschen wieder in den früheren Zustanı!
37723zurück.”
377241; Z. B. Tertull. Apol, 42, vor allem Clemens, Paedag. III, 9 — eine
37725ausführliche Abhandlung, die mit den Worten beginnt: „Zum Gebrauch
37726von Bädern wicht es vier Motive: die Reinigung, die Erwärmung, die Ge-
37727sundheit, dus Vergnügen. Zum Vergnügen aber soll man nicht baden ...
37728Die Weiber müssen ein Bad nehmen im Interesse der Reinlichkeit und
37729Gesundheit, die Münner im Interesse der Gesundheit allein. Überflüsig
37730ist das Motiv der Erwärmung; den vor Kälte erstarrten Gliedern kann
37731man auch auf andere Weise zu Hülfe kommen. Der fortgesetzte Gebrauch
37732der Büder aber setzt die Kräfte herab und erschlafft die natürliche Spann-
37733kraft; oft führen sie auch Entkräftungen und Ohnmachten herbei. Denn
37734der Körper trinkt gewissermassen, gerade wie der Baum, nicht nur mit
37735dem Munde, sondern auch beim Bade mittelst der Thätigkeit der ⲃⲟ‐
37736zenunnten Poren, die auf dem ganzen Leibe sich finden. Beweis dafür
37737ist. dass Viele durstig waren und dass dann, wenn sie ins Bad gestiegen
37738waren, der Durst gelöscht wurde.“ KEs folgt nun noch eine Reihe ver-
37739-tän«diger und hygienisch richtiger Ausführungen über den vorsichtigen
37740Gebrauch von Bädern, damit sie nicht erschlaffen. Zeit, Umstände, Alters-
37741stufen sollen berücksichtigt werden.
377422) Ep. ad Zenam et Serenum 11: Ol xeginaroı dık TO CwWHATIOV
37743zuröhouser. Das Turnen empfiehlt Clemens, Paed. IM, 10.
377443 ‚Julius Africanus bei Routh, Rel. SS. II? p. 266,
page 1022
37745[2] II. Diätetisches und Therapeutisches. 57
37746wurde ein solches Buch zugeschrieben!). In einer christlichen
37747Schrift des 4. Jahrh. wird einmal die Frage aufgeworfen: „Wenn
37748die Heilkunst den Menschen so zuträglich ist, wie konnte es
37749geschehen, dass man die Erfindung eines solchen Gutes Nicht-
37750Christen verdankt“ 2) Darauf wird die beschwichtigende Antwort
37751gegeben: „Auch von den Frommen sind viele Heilmittel für leib-
37752liche Krankheiten entdeckt worden, vor Allem vom König Salomo;
37753aber keiner von den Nicht-Christen hat ein Verständiss der Seelen-
37754heilkunde besessen“%). Hieronymus, der es nie lassen konnte,
37755seine zusammengerafften Kenntnisse leuchten zu lassen, hat sich
37756in der Schrift gegen Jovinian sehr ausführlich über die Arznei-
377571) Die Legende über Noah stammt aus jüdischer Überlieferung;
37758ⲃ. Rönsch, Buch der Jubiläen S. 385 (Midrasch über Noah): „Dieses ist
37759das Buch der Heilmittel, welches die früheren Weisen übersetzt haben
37760ⲃⲙⲃ dem Buche Sem’s, des Sohnes Noah, das dem Noah übergeben wurde
37761auf dem Berge Lubar, der zu den Bergen des Ararat gehört... Und
37762die Heilmittel der Plagen der Menschenkinder und alle Arten von Heil-
37763mitteln zeigte der Engel an, zu heilen mit den Bäumen der Erde und
37764den Gewächsen des Erdbodens und ihren Wurzeln.“ Die guten Geister
37765belehren nun den Noah über die Heilkraft der verschiedenen Pflanzen.
37766„Noah aber schrieb diese Worte in ein Buch und gab es seinem grossen
37767Sohne Sem, und aus diesem Buche haben sie übersetzt die Weisen der
37768Vorfahren, und sie schrieben viele Bücher, ein Jeglicher in seiner Sprache.“
37769Nun erhalten die Indier, die Macedonier, die Ägypter, die Syrer weise
37770Ärzte. Dann heisst es: „Und ihre Weisheit war im Zunehmen, bis As-
37771klepinus sich aufmachte, einer der Kundigen Macedoniens.“ Dann ist
37772die medicinische Wissenschaft 630 Jahre lang latent geblieben, bis Arta-
37773schaschta König ward. In seinen Tagen stand ein Mann auf, verständig
37774und kundig und wohlgelehrt in der medicinischen Wissenschaft und er-
37775fahren in allen Dingen, Namens Hippokrates, der Macedonier, und die
37776übrigen Weisen der Völker, Asaph, der Jude, und Dioskorides von
37777Baala und Galenus von Kaphtor und sehr viele andere Weise, und die
37778Ruhmeskränze der Heilkunde verjüngten sich wieder, und sie blieb bis
37779auf diesen Tag.“ Hier ist Alles durcheinander gemischt. Hauptzweck ist
37780natürlich, alles Werthvolle in majorem gloriam des Judenthums auf den
37781Erzvater Noah zurückzuführen. Das Stück ist mittelalterlich; aber schon
37782in dem alten Jubiläenbuch heisst es (Rönsch S. 388): „Und die Heil-
37783mittel alle sagten wir Engel dem Noah, wie man die Verführungskünste
37784der Dämonen heile mit den Pflanzen der Erde. Und Noah schrieb Alles
37785auf, wie wir ihn gelehrt hatten, in ein Buch über jegliche Art von Heil-
37786mitteln. Und er gab alle Schriften seinem ältesten Sohne Sem.“
377872) Pseudojustin, Quaest. et Respons. ad Orthod. 55 p. S0 Otto.
377883) So hat Maranus den Text hergestellt.
page 1023
37789ⲉⲙⲱ — Was dem Leser vıelle
37790zu welchen Heilungen der Me
37791seinem Buch: „Hapla“. Die .
37792abgeworfene Schlangenhaut, ⲓ
37793wunderbar stille. Was erschei
37794die Wanzen? Wenn der Blut
37795so wird er alsbald, nachdem er
37796gespieen, und die Urinbeschwe
37797eines solchen gelindert. Welı
37798Hühner- und Fasanenfett gewä
37799Wenn man sie liest, sieht man, -
37800vorhanden sind, als er Gliedeı
37801Heftigkeit des Podagra. Die
37802Habichtsblut, der Strauss, die Frö:
37803mist und -fleisch, für wie viele Ⲕ
37804würde ich auseinandersetzen, weı
37805über die ärztliche Behandlung de
37806beliebt, der lese Aristoteles und
37807cellus Sidetes und unseren Flavi
37808geschrieben haben, auch den Pl
37809und die Uebrigen, Naturkundige
37810jeden Stein, jedes Thier, die krie«
37811den und schwimmenden, zum Vı
37812Epiphanius vergleicht die
37813„schwächlichen Kriechthier ⲻ-
37814ⲧⲙ.. •
page 1024
37815[23] 11. Diätetisches und Therapeutisches. 59
37816Rede, es habe seinen Namen davon erhalten, dass die Aerzte es
37817in der Geburtshilfe (ⲅⲉ anwenden“ !).
37818Veber die Nahrung der verschiedenen Völker giebt Hieronymus
37819im Folgenden (Il. c. 1I, 7) interessante Mittheilungen: „Die Araber
37820und Sarazenen und alle Wüstenbewohner leben von Kameelsmilch
37821und -fleisch, weil dieses Thier bei der Temperaturbeschaffenheit
37822und Unfruchtbarkeit jener Gegenden leicht bei ihnen aufgezogen
37823und ernährt wird. Sie halten es für ein Verbrechen, Schweine-
37824fleisch zu essen... Wenn du dagegen die Völkerschaften des
37825Nordens zum Genuss von Esels- oder Kameelsfleisch auffordern
37826würdest, so werden sie das ebenso ablehnen wie den Genuss von
37827Wolfs- oder Rabenbraten. In Pontus und Phrygien kauft der
37828Familienvater die weissen und fetten Holzwürmer mit schwarzen
37829Köpfen, die in faulem Holze entstehen, für theures Geld. Und
37830wie bei uns das Haselhuhn und die Schnepfe, die Rothbarbe
37831und der Lippfisch für Leckerbissen gehalten werden, so ist
37832bei ihnen ein Holzwurm eine Delicatesse. Bei den Orientalen
37833und den Völkern Libyens ist es hinwiederum Sitte, Heuschrecken
37834zu essen, weil in der Wüste und in der ausgebrannten Einüde
37835Wolken von Heuschrecken sich finden ... Die Syrer essen Land-
37836krokodile und die Afrikaner grüne Eidechsen. In Aegypten isst
37837Niemand wegen der Seltenheit des Rindviehs die Kuh; man
37838nimmt vielmehr Stier, Ochsen- und Kalbfleisch zu Speisen. Aber
37839in unserem Lande hält man es für ein Verbrechen, Kälber zu
37840essen. Desshalb hat auch der Kaiser Valens neulich für den Orient
37841ein Gesetz gegeben, es solle Niemand Kalbfleisch essen aus Vor-
37842sorge für den Ackerbau und um die hässliche, von den Juden
37843stammende Gewohnheit abzustellen, statt Geflügel und Span-
37844ferkel Kälber zu essen. Die Nomaden, Troglodyten, Scythen
37845und die neuerdings aufgetauchten wilden Hunnen essen halb
37846rohes Fleisch. Ferner die Fischesser, ein Nomadenvolk an der
37847Küste des rothen Meeres, trocknen auf Felsen in der Sonnen-
37848gluth die bähenden Fische und leben nur von diesem Nahrungs-
37849mittel. Die Sarmaten, Quaden, Vandalen und zahllose andere
37850Völkerschaften halten Pferde- und Fuchsfleisch für Leckerbissen.
37851Was soll ich von anderen Völkerschaften sagen, da ich doch
37852selbst als Jüngling in Gallien die Attikoten, einen britanischen
37853.-
378541) Epiph. h. 51, 1.
page 1025
37855gesundheitsschädlich: „Ein
37856müse ist einerseits leichter
37857keiner Kochkunst und keinı
37858gesund und wird, mässig ⲝ
37859nicht so begierig verschluı
37860kitzelt ... Wenn die Schüs:
37861gerüchen lecker bereiteter F
37862wie Sclaven an, doch davo
37863schon gestillt sein... Hip
37864dass die fetten, feisten Ⲕⲓⲣ
37865stark werden, gern der Gicht
37866heiten unterworfen seien ...
37867gelehrter Mann, der Erkläre
37868nung zur Arzneikunde, dass d
37869Kunst in der Mästung bestel
37870bleiben könnten, und dass ihı
37871Blutes und des Fettes wie ⲩ
37872gehüllt, an nichts Gescheidtes
37873an Fleisch und Frass und Völ
37874dass, wenn Tyrannen auftreten.
37875oder bürgerliche Kriege sich ı
37876fachen Lebensunterhalt von
37877Fleisch und die Genüsse der
37878auch nicht nach Weisheit str
37879einer vollen Tafel bedacht si
page 1026
37880[2] Ⲙ. Diätetisches und Therapeutisches. 61
37881verleiht, wie sie jener Milo aus Kroton besass, die nur eine Folge
37882von Fleischspeisen sind und durch sie erhalten werden, so ist
37883darauf zu sagen: wozu ist denn auch dem weisen Manne und
37884dem christlichen Philosophen eine solche Stärke zu besitzen noth-
37885wendig, wie dem Fechter und Soldaten, deren Besitz doch nur
37886zu Lastern aufreizt? ...ⲉ Christen ist Gesundheit ohne allzu-
37887grosse Körperkraft nothwendig . .. Die alten ägyptischen Priester
37888vermieden selbst Eier und Milch als Fleischspeisen; jene nannten
37889sie flüssiges Fleisch, diese Blut mit veränderter Farbe.“
37890Die berühmteste Philippika gegen die Völlerei und Leckerei
37891in der altchristlichen Litteratur findet sich bei Clemens !), der in
37892der grossen Weltstadt Gelegenheit hatte, diese Laster — nicht
37893nur bei den Heiden?) — zu beobachten: „Uns Christen sagt der
37894Pädagog (der Logos): Esset, um zu leben! Unsere Lebensauf-
37895gabe ist nicht die Nahrung, unser Lebensziel nicht das Ver-
37896gnügen . .. das Vielerlei der Speisen muss man vermeiden, da
37897es mancherlei Übel im Gefolge hat; körperliches Unbehagen,
37898Revolutionen des Magens entstehen, wenn der Gaumen verdorben
37899wird durch jene teuflische Kunst der leckeren Bissen, durch die
37900eitlen Bravourstückchen der Küche. Nahrung wagen sie’s zu
37901nennen, diese Erfindungen der Gourmandise, diese Quellen der
37902schlimmsten Lüste! Antiphanes, der delische Arzt, hat das Durch-
37903einander der Speisen als die einzige Krankheitsursache bezeichnet
37904bei Leuten, die das wirklich Nahrhafte verschmähen, in ihrer
37905Gourmand-Eitelkeit das weise Mass im Gebrauch der Lebens-
37906mittel abschwören und überall nach importirten Leckerbissen
37907herumfragen. Ich für meine Person habe Bedauern mit dieser
37908Krankheit; sie selbst aber schämen sich nicht, die Gegenstände
37909ihrer süssen Leidenschaften zu besingen?), sich bemühend um
37910die Muränen aus der sicilischen Meerenge und die mäandrischen
379111) Paedag. II, 1. ⲃ. auch schon I Pet. 4, 31
379122) Vgl. was Tertullian de ieiunio 17 über die „Liebesmahle“ der
37913katholischen Christen sagt: „Bei dir brodelt die Agape in den Kochtöpfen,
37914der Glaube dampft in der Küche, der Gegenstand der Hoffnung liegt auf
37915den Schüsseln.“ Gegen den Luxus in Speisen eifert er de pallio 5.
379163) Merkwürdig nur, dass Clemens es für angezeigt hält, die ganze
37917Speisekarte der Leckerbissen, die sich übrigens auch bei Athenäus findet, -
37918mitzutheilen. Man erinnert sich dabei, dass auch Jesaias (c. 3) es für
37919nöthig gehalten hat, alle Toilettenstücke einer putzsüchtigen jüdischen
37920Dame aufzuzählen.
page 1027
37921ⲇⲓⲥ uenugel zusammen von Pl
37922medische Pfaue. Nach solche
37923der Schlemmer; was die Erde, ⲩ
37924Luftraum producirt, Alles bring
37925maul. Wahrhaftig das ganze
37926Gaumen aus, diese Unersättlick
37927hört man ihre Bratpfannen zisc
37928dreht sich ihr Leben; dem holz
37929die Allverschlinger! Ja sie entr
37930Speise, das Brod, indem sie das ı
37931absondern, als wäre der Genus
37932für die Delicatessenlust. Die Sc.
37933keine Schranke.“ Nun folgen
37934solcher Mensch scheint mir ein (]
37935Die Schrift sagt: Begehre nicht
37936führt das zu einem Leben voll
37937schäftigt sich soviel mit Leckerbi:
37938wandern. Wir aber, die wir nacl
37939müssen den niederen Bauch bel
37940Dinge, die ihm angenehm sind;
37941Die Speisen gehören zum Bauche:
37942und verderbliche Unsitte im gesells
37943welcher Einige mit frecher Zung
37944geben wagen, jene kleinen Diners
37945Saucen duften. Die schöne und }
page 1028
37946[27] ⲘⲠ. Diätetisches und Therapeutisches. 63
37947führungen gegen die Völlerei und Gourmandise. Sie füllen in
37948dem Pädagog viele Seiten und sind sitten- und culturgeschichtlich
37949von hohem Werthe.
37950In diesem Stile haben Clemens und Hieronymus für die ein-
37951fachste Lebensweise geeifert. Ein absolutes Verbot des Fleisch-
37952und Weingenusses hat auch dieser nicht gegeben. Man musste
37953fürchten, zu den Manichäern gerechnet zu werden, wenn man
37954die asketische Lebensweise zum Gesetz erhob !). Aus demselben
37955Grunde haben es die Mönche nicht wagen dürfen, die Ehe für
37956sündhaft zu erklären?). Schon im 2. Jahrhundert hat es aller-
37957dings heroische Christen gegeben, welche, ein Wort Christi miss-
37958verstehend, sich selbst entmannt haben?). Unter Anderem be-
37959richtet uns Justin ?): „Und schon hat — um euch zu überzeugen,
37960dass bei uns die ungescheute Vermischung kein „Mysterium“
37961sei — einer der Unsrigen zu Alexandria dem Präfecten Felix ein
37962Bittgesuch eingereicht, es möchte einem Arzte gestattet werden,
37963ihn zu entmannen; denn ohne die Erlaubniss des Präfecten,
37964sagten die dortigen Ärzte, sei es ihnen verwehrt das zu thun.
37965Und als Felix durchaus nicht unterschreiben wollte, so hlieb
37966der junge Mann enthaltsam und gab sich mit seinem eigenen und
37967der Gleichgesinnten gutem Gewissen zufrieden.“ Die Anekdote
37968ist u. A. auch interessant für die Machtvollkommenheiten, welche
37969dem Präfecten von Ägypten zustanden, wenn es auch zweifelhaft
37970bleiben muss, ob er wirklich die Befugniss hatte, die nachgesuchte
37971Erlaubniss zu ertheilen®). Manche Christen freilich fragten nicht
37972erst um Erlaubniss, sondern entmannten sich heimlich. Der erste
379731) Das haben nicht wenige Christen, namentlich die Priscillianer in
37974Spanien, zu fühlen bekommen beim Beginn der mönchischen Bewegung
37975im Abendland; s. die Werke des Sulpitius Severus.
379762) Geschah es, so wurden sie für häretisch erklärt. Das wäre’beinahe
37977dem Hieronymus selbst passirt.
379783) Zu unterscheiden davon ist die freiwillige Ehelosigkeit, die von
37979ältester Zeit an von vielen Christen erwählt wurde; ⲃ. I. Cor. 7; I. Clem.
379803S, 2; Ignat. ad Polyc. 5; Didache 6; Justin, Apol. I, 15; Athenag. Suppl. 33;
37981Tertull., Apol. 9; de cultu II, 9; ad uxor. I, 6; de virg. vel. 13; de exhort. 13;
37982de monog. 3.17; de resurr. 61; Minucius, Octav. 31; Hippol., de charism. ;
37983Orig. c. Cels. I, 26 etc.
379844) Apol. I, 29.
379855) Die Entmannung hatte Domitian verboten, ⲃ. Euseb. Chron, ad
37986ann. 2098 Abr.
page 1029
37987enrıstlıchen es waren, auch ⲓ
37988Heilmittel sich einschlich, kanı
37989den alten jüdischen und heid
37990bildete sich ein neuer. Aber
37991vergessen, dass in dieser Zeit
37992manche Krankheit wirklich au:
37993heilt worden ist. Ein zerstörtes
37994hergestellt werden; aber der G.
37995sammenfassende Zuversicht und
37996auch über den Körper. Die Apc
37997dass man die Kranken auf die
37998Schatten des vorüberwandelndeı
37999die Schweisstücher des Paulus :
38000das Fieber zu bannen (19, 12).
38001dass sein Speichel heilkräftig
38002Joh. 9, 6) !), und dass die bloss
38003nesung brachte (Mre. 5, 27 f.).
38004Veranlassung geworden, dass in ı
38005ten die wunderbaren Heilungeı
38006sprechung, Gebet, Auflegung ϥ
38007Hauptthema der Erzählungen
38008Lipsius diese Berichte mit gı
38009und kritisch gewürdigt?). Sie
38010wenig interessant, um hier eir
38011achtenswerth ist, dass in einer
page 1030
38012[2] IL Diätetisches und Therapeutisches, 65
38013allgemeine Anweisung über die Behandlung erkrankter Christen
38014mit Ölsalbung und Gebet gegeben wird. Es heisst im Jakobus-
38015brief (5, 14f.): „Ist Jemand unter Euch erkrankt, so rufe man
38016die Presbyter der Kirche, und sie sollen über ihn beten, nachdem
38017sie ihn im Namen [Christi] mit Öl gesalbt; und das Gebet des
38018Glaubens wird den Kranken heilen und der Herr wird ihn auf-
38019richten ... betet für einander, damit ihr geheilt werdet; viel
38020vermag kraftvolles Flehen eines Gerechten.“ Aus dieser An-
38021weisung (vgl. die Geschichtserzählung Mrc. 6, 13) hat sich in
38022der katholischen Kirche das Sakrament der letzten Ölung ent-
38023wickelt. Aber die Kirche erwartet von demselben in der Regel
38024nicht mehr leibliche Heilung, sondern geistliche Stärkung. Nähe-
38025res über die Heilungen durch Gebet und gläubiges Vertrauen s.
38026im 5. und 6. Abschnitt.
38027Die Lebensweise der ältesten Christen war einfach und schlicht.
38028Was genossen wurde, wurde mit Danksagung gegen Gott ge-
38029nossen, und die Hauptmahlzeit sollte die Christen an einem Ort
38030zu einer Familie vereinigen und das Gedächtniss des Todes Jesu
38031lebendig erhalten. Kranke sollten durch Gebet geheilt werden.
38032Aber lange liessen sich diese Sitten nicht aufrecht erhalten. Das
38033Abendmahl wurde eine „kirchliche“ Feier und von der Mahlzeit
38034abgetrennt; der Luxus zog ein, und der Unterschied von Reich
38035und Arm machte sich bald geltend. Tertullian eiferte vergebens !),
38036und selbst die gebrochenen Mahnungen des Clemens Alexandrinus ?)
38037haben schwerlich eine Folge gehabt. Musste man es doch sogar
38038den Propheten vorwerfen, dass sie schmausten und sich schmink-
38039ten und putzten. Eine wirkliche Krisis aber muss im 2. Jahr-
38040hundert entstanden sein über die Frage nach der Zulässigkeit
38041der Arzneiwissenschaft. Sie bildete nur einen Theil der grossen
38042Frage, wie weit der Christ auf die „Welt“ eingehen dürfe. Wie
38043das Christenthum seine besondere Überzeugungen hatte von der
38044Seele und ihrer Heilung, so hatte es auch besondere Ansichten
38045sammelten den Staub ihrer Füsse „Ldgews Evexev‘ und ebenso ,ⲧⲟⲩ ϭⲉⲗⲟ
38046ⲧⲱ NTVOUATWVY UEYALWS EUNAaLEOUEVOL EXOGVTO Ev ⲫⲱⲗϫⲧϥϩⲓⲟⲓⲥ ⲭⲁ
38047nEQLANTOLG“; 8. Epiph. h. 53, 1.
380481) De ultu fem. u. sonst.
380492) S. den „Pädagog“.
38050Texte u. Untersuchungen VIII, 4.
38051er
page 1031
38052Ⲙⲓⲉⲃⲉ Skızze wäre unvol
38053nicht noch der schrecklichen
38054Bezug auf ihre Lebensweise s
38055Während des ganzen 2. Jah
38056hinaus wurde in Ost und W
38057der furchtbare Vorwurf erhobe
38058dienstlichen Versammlungen ‚,
38059auf und tränken ihr Blut. |]
38060an Trajan tritt dieser Vorwu:
38061sondern gebildete Männer wi«
38062Marc Aurel’s?), und der Statt.
38063und obgleich die christlichen .
38064hörlich wider denselben verth
38065bar zu sein. Nur von Lucian
38066Celsus wissen wir, dass sie ein.
38067um ihn zu unterdrücken. Wi
38068sagen? Durch den religiösen
38069die primitivsten Stufen der Cu
38070verlassenen Abgründen entsetzli
38071wir es doch heute noch, dass
38072zugeschleudert wird, heute am
38073von denselben Christen, deren
38074geschlachtet worden sind, weil
38075Wodurch der Vorwurf gegen d
page 1032
38076[31] ⲠⲒ. Physiologisches und Psychologisches. 67
38077das lässt sich angeben. Erstlich mag die dunkle Kunde von der
38078geheimnissvollen Abendmahlsfeier mit dem Blute Jesu Christi
38079die schon entzündete Phantasie der Heiden angefacht haben; so-
38080dann haben verworfene heidnische Sklaven christlicher Herren,
38081angestachelt durch Belohnungen, lügenhafte Aussagen gemacht !)
38082endlich — und damit berühren wir ein trauriges Capitel —
38083haben die christlichen Apologeten selbst aus Hass gegen die
38084gnostisch-christlichen Secten in ihren Schriften durchblicken
38085lassen, dass sie diesen Menschenfresserei wohl zutrauen?). Trau-
38086ten sie aber ihren Brüdern dergleichen zu, warum sollte der
38087Staat, der zwischen Katholiken und Sectirern keinen Unterschied
38088zu machen wusste, nicht auch Jene für des Verbrechens fähig
38089halten? Man kann zur Entschuldigung der Apologeten nur das
38090Eine anführen, dass es unter denen, welche sich auch „Christen“
38091nannten, wirklich solche religiöse Gemeinschaften im 2. Jahrh.
38092gegeben hat, die von dem Christenthum kaum mehr als den
38093Namen hatten und manchen scheusslichen Greuel trieben %. Die
38094grosse Kirche ist jedenfalls von ihm völlig frei geblieben, und
38095auf Grund der sittlichen Führung ihrer Glieder durfte sie mit
38096Recht in Bezug auf die sie anklagenden Heiden sagen: „Pessimi
38097optimos“.
38098ⲠⲒ. Physiologisches Ϥ︦ Psychologisches.
38099Es ist von vornherein nicht zu erwarten, dass sich in den
38100altchristlichen Schriften, die zur Erbauung und Vertheidigung
38101des Glaubens geschrieben sind, zahlreiche Ausführungen medi-
38102cinisch-wissenschaftlicher Art finden werden. Indessen ist doch
38103die Ausbeute nicht ganz gering. Zunächst begegnen Mitthei-
38104lungen zur Geschichte der Medicin, sowohl zu ihrer mytho-
38105logischen Vorgeschichte als zu ihrem gegenwärtigen Zustande.
381061) Dies war z, B. in Lyon der Fall, Euseb. h. e. V, 1. Auch Tertul-
38107lian spricht an mehreren Stellen vom Verrath der „domestici‘.
381082) Vgl. Justin, Apol. I, 26.
381093) Man vergleiche, was Epiphanius und die Pistis Sophia von
38110manchen Gnostikern glaubwürdig zu erzählen wissen,
381115*
page 1033
38112ⲁ ⲙⲱⲟⲩⲙⲅ ⲓⲓⲙⲱ VON der Gebu.
38113erweckt, so sagen wir das
38114geschrieben wird“*). Ⲥ. 2 ⲓ
38115Götter. Sehr ausführlich }
38116weil sein Gegner, Celsus, ;
38117hatte). Dass der Ägyptier
38118hat Clemens Alexandrinus k}
38119einen alten ägyptischen Köır
38120der memphitischen Könige, Ϥ︦
38121sei’). Tatian schreibt dem
38122Aeskulap weiss er zu bericl
38123aus dem Haupt der Gorgo ϭ
38124leumdungen zusammengesetzt
38125Philosophen behauptet er, da
38126Zerreissungen gestorben sei,
38127verschlungen habe, und dass
38128Grunde gegangen sei. „Er li
38129der Medicin wie der Philosoy
381301) Vielleicht schon in der /
38131Pergamum) wird 2, 13 auf den
38132XaTOLKXEIS, ⲡⲟⲩ Ö SpCvoS Tot Ϫⲁ
38133XATOLKET.
381342) Vgl. auch Theoph. ad Auf
38135sunt 1. Tatian, Orat. 21.
381363) S. auch c. 54.
381374\ ⲧⲩ
page 1034
38138|33] ⲒⲘ. Physiologisches und Psychologisches. 69
38139ganzen Leib mit Kuhdünger; der Koth verhärtete sich, zerriss
38140den Leib und er starb daran“!). Mit Galen beschäftigten sich
38141schon um ⲟ.. 200 gelehrte römische Christen 2) der delische
38142Arzt Antiphanes wird von Clemens Alexandrinus %), Hippokrates
38143von Tertullian ) und Methodius 5) erwähnt. Jener nennt in seiner
38144Schrift de anima eine ganze Reihe gelehrter Arzte, unter denen
38145er besonders den Soranus sehr hoch stellt®. Der Asklepiades,
38146dessen Anschauungen er in derselben Abhandlung anführt, wird
38147auch von Dionysius Alexandrinus in der Schrift „Über die
38148Natur“ erwähnt”). Von dem „Arzt oder besser Fleischhacker
38149Herophilus“ berichtet Tertullian, dass er unzählig viele Menschen
38150secirt habe („ut naturam scrutaretur“®), und ad nat. I, 4 (Apol. 3)
38151bemerkt er beiläufig, die Ärzte hiessen „Erasistratei“, wie die
38152Grammatiker „Aristarchi“,
38153Ein sachliches Interesse aber für medicinische und natur-
38154wissenschaftliche Fragen erwuchs den christlichen Apologeten,
38155sofern sie die Auferstehung des Leibes, die Existenz der Seele und
38156die Schöpfung der Welt zu vertheidigen versuchten. Leider ist
38157uns die älteste Schrift dieser Gattung, die Abhandlung des Justin
38158„Über die Seele“ nicht erhalten ®). Aber wir besitzen den Tractat
38159des Athenagoras über die Auferstehung, die pseudojustinische
38160Schrift über denselben Gegenstand, die grossen Abhandlungen
38161Tertullian’s über die Seele!°) und über die Auferstehung des
381621) Orat. 2. 3.
381632) S. oben 8.5.
381643) Paedag. II, 1, 2.
381654) De anima 15.
381665) P. 81 ed. Bonwetsch. Methodius führt folgenden Ausspruch des
38167Pseudo-Hippokrates an: „Was den Bäumen die Erde sei, das sei den
38168lebendigen Wesen der Magen.“
381696) De anima 6. 8. 14. 15. 25. Näheres s. unten.
381707) Routh, Reliq. S. IV? S. 395. 424.
381718) De anima 10. Gemeint sind augenscheinlich Vivisectionen am
38172Menschen, also wohl an verurtheilten Verbrechern. Interessant ist der
38173skeptische Einwurf Tertullian’s: „nescio an omnia interna eius liquido
38174explorarit, ipsa morte mutante quae vixerant, et morte non simplici, sed
38175ipsa inter artificia exsectionis errante.‘“
381769) Hoffnungen, dass dieselbe noch in einer Bibliothek Griechenlands
38177aufbewahrt werde, haben sich als trügerisch erwiesen; s. Diels, Sitzungs-
38178berichte der K. Pr. Akad. d. Wiss. 191...
3817910) Er hat vielleicht aus Justin’s verlorenem Tractat Manches über-
38180nommen.
page 1035
38181..ⲟⲟ ⲙⲅⲓ DEUDACHTUNG. MI
38182steine zu einer physiologisc
38183grösseren Landsmann Augı
38184im Folgenden darauf beschr:
38185dieser christlichen Naturfoı
38186nisches anführen. Athenago
38187der Auferstehung des Fleis
38188stellt, was denn mit solchen ]
38189geschehen werde, die von ⲃ
38190Menschen gefressen worden
38191seiner Schrift durch eine se
38192dauungsprocesses zu lösen.
38193den Körper als Speise eingefi
38194nicht Alles werde wirklich
38195habe drei Stadien, im Mageı
38196jedem dieser Stadien werde :
38197geschieden; nur die Speise,
38198mache, werde assimilirt. „Ei
38199nährende Kraft, Anderes wiı
38200und der in der Leber vor sich |;
38201und geht in eine Gestalt über,
38202ist.“ Nur das Assimilirte is
38203kann nur das sich zur Nahı
38204sprechend ist, d. h. nur verwan
38205alles Uebrige wird ausgestos
38206ϭⲱ. 11
page 1036
38207[5] ⲘⲒ. Physiologisches und Psychologisches. 71
38208Der Verfasser der pseudojustinischen Schrift über die Auf-
38209erstehung hat sich gehütet, auf diese schwierige Frage einzu-
38210gehen !). Er hat die Einwürfe der Mediciner umgangen und sich
38211nur an die Philosophen gehalten. Darin aber sind alle Apolo-
38212geten einig, dass sie die Möglichkeit der Auferstehung des
38213Fleisches ex analogia aus der Entstehung des Menschen zu be-
38214gründen versuchen?). Wenn aus einem kleinen Samentropfen
38215ein lebendiger Mensch mit Leib, Seele und so vielen Gliedern
38216werden kann, warum können die Reste des Leibes nicht wieder
38217zum Leibe werden? Man muss zugeben, dass dieses Argument
38218nicht ohne Kraft war, so lange die Entwicklungsgeschichte der
38219Organismen noch völlig unbekannt war und man vor einer Welt
38220von Wundern hier zu stehen glaubte.
38221Auf eine medicinische Erörterung über den Ursprung der
38222Muttermilch wird Clemens Alexandrinus?) durch die Behauptung
38223der Gnostiker geführt, dass aus den Stellen der h. Schrift, wo von
38224der geistlichen Milch die Rede ist, die ersten Elemente der
38225christlichen Lehre gemeint seien. Sie zogen daraus die Folge-
38226rung, dass es zweierlei ganz verschiedene Arten von Christen
38227gebe, solche, die mit Milch, und solche, die mit starker Speise
38228(Fleisch- und Blut-Christi-Gnosis) zu ernähren seien. Clemens sucht
38229dem gegenüber nachzuweisen, dass die Milch nur eine Abwandelung
38230des Blutes ist, dass also auch die Unterscheidung zweier Arten
38231von geistlicher Nahrung nicht einen specifischen Unterschied
38232begründe. „Das Blut ist im Menschen der Urstoff, und Einige
38233haben es sogar ‚Wesen der Seele‘ zu nennen gewagt.“ Die
38234Milch aber ist nichts anderes als verwandeltes Blut. Dies wird
38235von Clemens in einer ausführlichen physiologischen Darlegung,
38236die nicht ohne Interesse ist, begründet‘). In diesem Zusammen-
382371) Auch Tertullian de resurr. 32 hat sie kaum gestreift.
382382) Vgl. z. B. Justin., Apol. I, 19. Tatian, Orat. 6. Athenag. de
38239resurr. 17. Method., Opp. I p. 234f. ed. Bonwetsch Tert. de resumr. 11.
382403) Paedag. ⲉ 6, 39.
382414) Todro ⲧⲟⲩ alun« ϣⲱϭⲓⲭϣ︦ TOENOMEVOV ⲡϣⲉ, ϫⲱⲣϭⲥ̀ϭϥⲥ Hs UNTOOS,
38242ⲫⲓⲗⲟϭⲅⲟⲣⲩⲓϥ ⲟⲩⲡⲉ ⲉⲟⲩⲉ ϫⲁⲥ ynodoxeı ⲡⲟⲟϩ ⲧ̀ äpoßor ⲧⲟ ⲡⲥⲓⲟⲩ.
38243xal Eotı ϣⲁⲩ ⲍ ϭϭϩⲭⲟ̀ϩ ⲩⲟⲅⲉϩⲟⲩ ⲧⲟⲩ ⲡⲓⲙ, ⲟⲟⲩ ⲩⲩⲟⲁ Ts ⲟⲩϭ ϭⲉ
38244ⲧⲟⲟ ⲟ︦ ⲉⲕⲧⲟⲥ VOOTILUWTEQOV ⲧ yala ϫⲟⲓ ⲗⲉⲡⲧⲟⲕⲉⲣ̀ϭⲅⲉϩⲟⲩ ⲉⲅⲉ yao to
38245̀ⲡⲓⲭⲟϩϥⲣⲟ̀ⲙⲉⲟⲩ alua ⲧ Eußeio xal die ⲙϥⲧϩⲫⲟⲟ NQÖTEPÖV EOTL NEUNG-
38246MEVOV ̀ⲕϣⲁⲗⲟⲟ, ⲉⲉ «U ⲧⲟⲩ xaraUNVIOV AUTO, dnoxie109Ey ⲧϥⲥ olxelas
38247PoOQÜS, ϫⲧⲉ PUGLKHV AVAXUTIV YWEEIV XELETETAL MOÖG ⲧⲟϭ NAVTQODOV ϫⲁⲓ
page 1037
38248ⲙⲙ 0. Vapıtel (5. 48 ff
38249sehr verständige Darlegung
38250Gestaltung des Embryo ge:
38251mit dem reinen Reste des
38252Samen innewohnende Krafi
38253Bluts, macht es gerinnend, ı
38254Gestaltungsprocess hervor.
38255YEVETLOVOYOG Ⲫⲉⲟϭ ⲉ̀ⲡ) ⲅⲟⲩⲥ ϣⲗ
38256ⲙϭⲅⲟⲥ ⲉ̀ⲗⲗⲟⲥⲟⲙⲉrⲟⲩ Ⲑⲉϩⲙⲟⲟ︦, Ϥⲟ
38257ⲧ ⲙⲉⲧⲥⲃⲁ︦ⲗⲗⲟⲩ ϭ ⲙⲉⲗⲟⲥ ⲩϩ
38258ⲉ̀ ⲟⲧ ϫⲉⲧⲉ TOUS ⲧϫⲟⲱϩ drox
38259Eußovov ⲅ nina EpEOETO, MücıC
38260Enl ⲅⲟⲩⲥ ⲙⲥ⳪ⲅⲟ̈ϩ To alua ⲕⲃ
38261Ⲟⲁⲍⲉϧⲟⲩⲅⲥ. xal ⲙⲉⲧⲥⲃⲁⲗⲗⲉⲓ TO ⲥ
38262ϭⲉⲱⲥ ⲉⲓϩ ⲡⲟⲩ TOD ⲥⲕⲥⲧⲟϩ ⲕⲉⲧⲥⲃ
38263XELUEVOV ϣⲗⲉⲱⲩ ⲉⲩⲩⲥⲟⲅⲟⲕⲟ ⲙⲙⲱ
38264alua ⲙⲉⲥⲭⲉⲓ. ⲉ ⲧⲥ ϣⲱϭⲉ ⲓ
38265XLOVCÄUEVOV TO ⲉ̀ⲛⲟ ⲧⲟⲩ ϯⲉⲓⲅⲱⲱϭⲓ
38266MEVOVONG ⲉ̀ⲧⲓ ⲧⲡ ̀ⲟϫⲉ ⲙⲩⲥ ⲉ̀ϫ
38267MEVOV Ⲁⲩϫⲥⲉⲧⲥⲓ. xal ⲋ︦ ⲟⲓⲥ
38268NAQANÄNGLÖV Tı ⲡⲉⲡⲟⲩⲑⲟⲩϩ TE Ike
38269ⲕⲧⲱ ⲟ ⲡⲟϥ POLY ⲉ̀ⲟⲡⲧ isin
38270ⲟⲩϭⲟ... ⲡ̀ϭⲗⲉⲓ db ⲧϯ) ⲙⲉⲧⲥⲃ
38271S. auch die Beobachtung, die er 8
38272Brüste säugender Frauen: ⲧⲧ ı
38273MEVOV ⲧϣ ⲟϩⲉ TO yaıa ⲗⲟⲟⲩⲉ ⲍ
38274NEOLBIENCMEVOL ⲑⲟ 6 ϫⲉ..
page 1038
38275137] II. Physiologisches und Psychologisches. 73
38276Frucht; blosse Berührung führt selten dazu. Auch nur dann,
38277wenn die Erde vom Regen durchfeuchtet ist, wird der Same
38278aufgenommen; vertrocknet die Feuchtigkeit, so verdorrt er. Die
38279schleimige Feuchtigkeit aber hält den Samen fest und lässt ihn
38280keimen. Ⲧⲓⲱⲉϩ di ⲭ ⲧⲟ Oxtoua ⲧⲟⲟ Ϩⲫⲟⲱ AgpoOV ⲉϭⲉ ⲧⲟ
38281aluatos ⲭⲟⲧ ⲟⲩϭⲥ ⲉⲟⲧⲓⲑ ⲉⲧϭⲓ 6 th ⲉⲕϣⲱⲧϣ ⲧⲟⲟ ⲁⲩϩⲟⲉϧⲟϩ
38282Ⲑ̀ϩⲙⲓ ⲡϭϩⲁ ⲧⲉϩ ϭⲱⲙⲡⲗⲟⲭϩ ⲉϫⲧⲥϩⲥⲗⲑϧ ⲉ̀ⲭⲣⲉⲡⲓϩⲟ̀ϣⲉⲩⲟⲩ EEaqooT-
38283ⲧϭⲓ ϫⲟⲩ ⲧϭⲓ ϭⲡⲉϩⲕⲟⲧⲓⲧⲓ⳪ⲓ ⲡⲥϩⲥⲧⲓⲑⲉⲅϭⲓ ϣⲗⲉϣⲓi. ⲉⲧⲉⲐⲉϧ ⲩϩ
38284ⲟ Ϥ︦ⲡⲟⲗⲗⲱⲩⲓ ⲧⲥ 4ⲓⲟⲩϧϩ ta ⲉ̀ϣϩⲟⲒϭⲓⲥ ⲭⲉⲭⲗ]ⲟ⳪ⲑⲥⲓ Bovlstaı.
38285Aus all dem ist klar, dass das Blut die Substanz des mensch-
38286lichen Körpers ist. Auch das Wesen im Müutterleibe ist zuerst
38287eine milchähnliche Masse feuchten Stoffs; dann, in Blut über-
38288geführt, verwandelt sich diese Masse zu Fleisch und, im Uterus
38289condensirt, wird sie durch den natürlichen und warmen Athem,
38290durch den der Embryo gestaltet wird, lebendig gemacht !). Aber
38291auch nach der Schwangerschaft wird das Kind mit demselben
38292Blute genährt. Denn Milch ist Blut?), und die Quelle (aller)
38293Nahrung ist die Milch. Im Folgenden spricht Clemens ausführ-
38294lich über die Mischungen der Milch mit Wasser, mit Honig und
38295mit Wein. Er behauptet, dass die Mischung mit Honig zur
38296Reinigung der Milch diene, und bemerkt, dass der Wein die
38297Milch in Molke und festere Bestandtheile zerlege ).
38298; An einer anderen Stelle seines „Pädagog‘“ *‘) behauptet Clemens,
38299dass der Honig im menschlichen Körper Galle erzeuge, dass aber
38300der Senf die Gallenabsonderung vermindere.
38301Zusammenhängende naturwissenschaftliche Ausführungen bie-
38302tet Dionysius Alexandrinus in seiner Schrift „Über die Natur“
38303— sie ist der erste altchristliche Versuch einer systematischen
38304Widerlegung der Atomtheorie Demokrit’s und Epikur’s. Aber
38305da die interessante Abhandlung nicht direct medicinischen In-
383061) Eine sehr ausführliche Darlegung ⲡⲉⲣ xaıdoroılas bietet Clemens
38307Paedag. II, 10 im Zusammenhang seiner praktischen Ethik. Er theilt hier
38308mit antiker Offenheit Untersuchungen über geschlechtliche Laster mit und
38309zeigt auch eingehende Kenntnisse der Naturgeschichte gewisser Thiere und
38310ihres Geschlechtslebens. Ausserdem giebt er eine Reihe von medicinischen
38311und ethischen Anweisungen, die sich aber nicht eignen, übersetzt zu
38312werden. Er selbst entschuldigt sich & 92, dass er so offen spreche.
383132) Aluatos ϣⲱ̀ϭⲓϩ TOT yAdaxTOS ϯ ÖVOLS.
383143) L. ⲥ. 8 51. ;
383154) I, 11, 96.
page 1039
38316-ⲟⲩⲙ ⲙⲙⲙ ⲙⲉ AUWISSCNNEIT
38317Er giebt eine poetisch-teleo.
38318des menschlichen Körpers ©):
38319den Nutzen, sondern auch
38320Hauptes Schutz und Bedec
38321Zierde ist für den Philosophe
38322die Natur des gesammten m
38323wendigen Theilen zusammen
38324seitige Verbindung und bes
38325stattung. Auch den Laien isi
38326Bedeutung die hauptsächlich:
38327die Herrschaft; wie um einen
38328die Sinne um das Gehirn he
38329vor, die Ohren bringen Meld
38330sam die Abgaben ein, der Ge:
38331späht umher, das Gefühl or
383321) Ein Schüler Plato's.
383332) Vielleicht der Asklepiadee
38334und den Cicero behandelt hat.
383353) Routh, Relig. S. IV? p. 39
383364) P. 399: Ⲧⲁ misiora tv T
38337ⲱⲭⲓⲕⲟϩⲥ ⲕⲁ POCKUTELN, ⲱⲅ ϭ
383385) P. 407: „IMöocas dröuovg
38339ⲉ̃ϭⲱⲧⲟϭ︦ nOOEXEEV, ÖT ANECNLOUAM
38340ⲥⲓⲧⲟϭ ϫⲉⲧⲥⲭⲗⲉⲓϭⲑⲉⲓ⳪⳪. YAOTEQX ϭ
38341Inoav, Exımdnoav, ϥ ⲥ︦ⲙⲐϥϭ⳪ⲩ;
38342ⲁ ⲗⲁ...
page 1040
3834338] ⲠⲒ. Physiologisches und Psychologisches. 75
38344Hände sind zum Dienst da; mit besonderen Fähigkeiten zu ge-
38345meinsamer Arbeit ausgerüstet, werden durch sie allerlei Werke
38346und sinnreiche Künste ausgeführt; die Schultern sind geeignet
38347zum Lasttragen, die Finger zum Fassen, die Ellenbogen sind
38348biegsam, damit sie Gegenstände anziehen und abstossen können,
38349je nachdem sie sich zum Körper hinbewegen oder von ihm sich
38350abwenden. Da sind die gehorsamen Füsse, durch welche die
38351ganze irdische Schöpfung uns unterworfen ist; das Land wird
38352durchwandert, das Meer befahren und ein allgemeiner Verkehr
38353wird herbeigeführt. Der Bauch ist die Speisekammer, der allen
38354den wohlgeordneten Gliedern nach bestimmtem Mass die Ration
38355aus sich zutheilt und das Überflüssige auswirft. Dazu kom-
38356men die übrigen Glieder alle, durch deren Vermittelung der
38357Haushalt des menschlichen Lebens so herrlich bewerkstelligt
38358wird!). Der Gebrauch dieser Glieder ist bei Unwissenden und
38359Wissenden gleich; jene haben nur nicht die Erkenntniss des-
38360selben ... sie schreiben thöricht die treffliche, der grössten Be-
38361wunderung würdige Erhaltung dem zufälligen Zusammentreffen
38362der Atome zu. Die Ärzte aber, welche eine genauere Betrach-
38363tung dieser Dinge vornahmen und besonders die inneren Vor-
38364gänge genau untersuchten, haben von Bewunderung erfüllt der
38365Natur göttliches Wesen zugeschrieben 2)
38366Wie auf den Werken des Clemens und Dionysius noch ein
38367Strahl antiker klassischer Bildung ruht, so auch auf denen des
38368Methodius. In seinem grossen Dialog über die Auferstehung ist
38369der Interlocutor der Arzt Aglaophon (ⲃ. oben). In Folge hievon
38370finden sich einige medicinische Ausführungen. So beklagt Aglao-
38371phon die Täuschungen, die von den Sinnen unzertrennlich sind 3).
38372Er wirft die Frage auf, welcher Leib auferstehen werde, der des
38373Kindes oder des Jünglings oder des Greises, und er bemerkt,
38374dass der Leib sich immerfort wandle: „Wie können uns die-
38375selben Leiber bleiben, während die, welche wir früher besassen,
38376öfters entfernt werden durch den inwendig fliessenden Strom der
38377„Speisen? Denn ein anderes ist das Fleisch des eben geborenen
383781) Dionysius braucht hier den bemerkenswerthen Ausdruck: ⲟ
38379ϫⲡϭⲓϩ ⲧⲡ AVFQWREIOV ⲉϭⲙⲟⲩⲡ̄ⲥ MEUNXAVNTEAL.
383802) Also schon damals waren die Ärzte geneigt, die Natur zu ⲩⲉⲓ
38381göüttern.
383823) Methodii Opp. I p. 75 ed. Bonwetsch.
page 1041
38383usuurecngenend, Blut, welck
38384ganzen Leib ergiessend, aufw:
38385mehrend, das Fleisch bereitet
38386Gott, der gute Künstler und
38387Leibes bereitet. Zuerst führ!
38388damit sie, über das Mark erhi
38389sprengend anfeuchten. Dahı
38390Nahrung, wenn sie nicht aus
38391Adern und aufsteigend durch
38392Wunden an jenen Stellen, wo
38393steigend durch den Dampf, um
38394So ist auch der Leib zunehmeı
38395änderung unterworfen, ähnlic.
38396Aller (der Erde).“ Es wird n
38397nahme einen dreifachen Proces
38398kochung, der Blutbildung ⲱ
38399Processe bewirken besondere A
38400scheidung der Hülsen, sodann
38401Schleims. Diese gehen in die }
38402stammt, und so findet ein Krei
38403aus der Erde auf, geht in deı
38404Erde; denn Fleisch und Knoche
38405sich in Haare und Nägel unc
38406andere Feuchtigkeit des Leibes,
38407Speise, die Speise in Blut, je
page 1042
3840841 ⲠⲒ. Physiologisches und Psychologisches. 77
38409hinweg nach Haar, Leib (?), Blut, Knochen, und der andere, der von
38410der Speise an die Stelle des alten und weggegangenen immer
38411hinzukommt, bewahrt die Wesensform, so dass derselbe sich ver-
38412ändernd ist, niemals seiend, noch das Seine in sich habend, wenn
38413er auch als derselbe erscheint.“ In dieser höchst ausgezeichneten
38414Weise greift Aglaophon die Lehre von der Auferstehung des
38415Fleisches an!). Er erhält noch Succurs durch einen gewissen
38416Proklus, und auch des berühmten Origenes Einwürfe gegen die
38417vulgäre kirchliche Meinung werden vorgetragen, die freilich
38418Aglaophon grösstentheils schon vorweggenommen hatte?). Das
38419Ergebniss der Untersuchungen der Gegner ist: nur die Form
38420des Menschen bleibt sich ähnlich, und desshalb kommt nur ihr
38421Dauer und Verklärung zu. Die breiten Entgegnungen des
38422Methodius, die in dialogisch abwechselnder Rede gegeben
38423werden, bieten an dieser Stelle kein Interesse®. Auch er pole-
38424misirt gegen Demokrit und Epikur 4). Er schreibt ferner °): „Die
38425Ärzte nennen die Galle — die eine die gelbe, eine andere grau,
38426eine andere schwarz, eine andere grün, und das Blut wiederum
38427das eine gelb, ein anderes dicht (?), ein anderes schwarz,“ und
38428sucht zu zeigen, dass die Reinigung dieser Substanzen nicht
38429Wegnahme derselben bedeutet®). Er handelt auch von der Be-
38430fruchtung ’) und bringt das alte Argument, dass der, welcher das
38431Wunder der Entstehung eines Menschen schafft, auch das ge-
38432ringere der Wiederbelebung bewirken kann. Derselbe Methodius
384331) S. auch die Ausführungen p. 82 f.
384342) Auch Origenes nannte den Leib einen „Fluss“, der kein beharr-
38435liches Sein habe, ⲃ. p. 92. ⲃϥ.
384363) Vgl. p. 211 f., 217 f., 221 f. die Entgegnung auf die Behauptung,
38437der Leib sei ein „Fluss“. Methodius stellt die Theorie vom „Ersatz“ auf.
38438der den alten Bestand fort und fort erhält. Er beruft sich auch auf die
38439Dauer von Wunden und Narben p. 220.
384404) P. 212.
384415) P. 218.
384426) Hierbei trägt er (p. 219) eine sonderbare orientalische Theorie über
38443die Katamenien vor: „Den Männern, die immerfort arbeiten und schaffen
38444bringen die Arbeiten den Thau des Leibes (den Schweiss), daher sie auch
38445einer überflüssigen Reinigung nicht bedürfen; den Frauen, die viel Über-
38446fluss durch die Speisen bekommen, ohne Arbeit sind und daher nicht
38447Ausdünstung des Leibes haben, ward die monatliche Reinigung.“
384487) P. 234f.
page 1043
38449ihren wissenschaftlichen ⲓ
38450Er, der Jurist unter den \
38451sinnigste und selbständig
38452„über die Seele“ nimmt
38453lichen Literatur der Kai:
38454wegzusehen gelernt, dass ı
38455in den Ekstatischen als
38456Erkenntniss neben der veı
38457oft in seltsamster Verbindı
38458welche Fülle trefflicher Ein
38459gegner, die er in dem Buci
38460(inostiker, und die Hauptth
38461die Seele sei ein unkörpeı
38462Theil) der Gottheit. Ihr gı
38463meiner Übereinstimmung mi
38464licher Ausprägung — den £
38465ein Körper sui generis, un
38466Anfang.
384671) S. Bonwetsch, L c. p.
384682) Die grosse Schrift über
38469für unsere Zwecke wenig Ausbe
38470lehrreich. Er, wie alle kirchliche
38471wird in seiner Vertheidigung de
38472geten des Leibes gegenüber der
38473dies eine nicht ⲟⲩⲩ. ---- N
page 1044
38474[43] Ⲱ︦. Physiologisches und Paychologisches. 79
38475In der Einleitung überschaut er zunächst, was die Philo-
38476sophen in der Seelenlehre geleistet haben. Nachdem er sich
38477in Kürze darüber ausgesprochen, fährt er fort: „Aber auch in
38478die Medicin habe ich einen Blick gethan, die Schwester, wie
38479man sagt, der Philosophie. Sie nimmt die Psychologie ebenfalls
38480für sich in Anspruch, und es scheint, dass sie ihr noch mehr
38481angehört, sofern die Medicin es mit der Sorge für den Körper
38482zu thun hat. Daher setzt sie auch ihrer Schwester sehr häufig
38483Widerspruch entgegen, weil sie die Seele gleichsam persönlich
38484in ihrem Hause zu behandeln habe und daher besser kenne.
38485Doch mag der Anspruch beider auf den Vorrang auf sich be-
38486ruhen! Es hat die Philosophie die Freiheit genialer Betrachtung
38487für sich, die Medicin aber die strenge Methode der Kunstübung,
38488um den Erwägungen über die Seele weiten Spielraum zu ge-
38489statten: ungewisse Dinge werden lang und breit, blosse Hypo-
38490thesen noch breiter besprochen. Je schwieriger ein wirklicher
38491Beweis ist, desto geschäftiger sucht man zu überreden, so dass
38492mit Recht Heraklit, der dunkle, die noch düstereren Abgründe bei
38493den Psychologen bemerkend, aus Überdruss an ihren Unter-
38494suchungen den Ausspruch gethan hat, er habe die Grenzen der
38495Seele doch nicht gefunden, obgleich er den ganzen Weg be-
38496schritten habe“ ).
38497Der Verfasser kehrt zu den Philosophen zurück, legt ihre
38498Meinungen über die Seele genauer dar und verweilt mit Beifall
38499bei den stoischen Lehren von der Körperlichkeit der Seele. Für
38500besonders werthvoll hält er das Argument des Chrysippus und
38501Lucretius, dass das Körperliche und „Unkörperliche“ aufs engete
38502zusammengehören, weil sie sich sonst nicht berühren könnten,
38503anders ausgedrückt: dass auch das scheinbar Unkörperliche kör-
38504perlich sei. „Haec Platonici subtilitate potius quam veritate
38505conturbant.“ Unter Anderem führen sie an, dass der Körper
38506sich durch Körperliches, die Seele aber durch Geistiges ernähre,
38507und desshalb sei sie selbst kein Körper. „Aber auch dieses
38508Argument ist nichtig, da Soranus, ‚methodicae medicinae instruc-
38509tissimus auctor‘, dagegen bemerkt, die Seele ernähre sich eben-
38510falls durch körperliche Dinge, ja man könne sie, wenn sie zu
38511sterben droht, sehr häufig noch durch Speisen erhalten. Ja
385121) Cap. 2.
page 1045
38513ϣϣ ⲻⲻ
38514Dingen ernähre, so n
38515sie von unkörperlich
38516einer Seele im kritisı
38517den Honigseim Plato:
38518Brocken aus dem subti
38519Vorgesetzt, Was Solle
38520h in uUngelehrter |
38521und attische Säulenha
38522Philosophische Kost de
38523der Seele hilft die Nah
38524ihrer Führung; denn ;
38525dern (nur) geschmückte:
38526auch ⲕ
page 1046
38527[45] ⲠⲒ. Physiologisches und Psychologisches. $1
38528Sie sind verschieden für die Wahrnehmung, verschieden in ihren
38529Eigenschaften. „Man behauptet, auch desshalb müsse die Seele für
38530unkörperlich erklärt werden, weil die von der Seele verlassenen
38531Leiber schwerer werden !), während sie doch durch Wegnahme
38532des Gewichts eines körperlichen Dings leichter werden müssten,
38533wenn die Seele ein Körper wäre. Was aber — bemerkt Soranus
38534— würde man sagen, wenn Jemand leugnete, das Meer sei ein
38535Körper, weil ein Schiff ausserhalb des Meeres unbewegbar und
38536schwer wird? Um wieviel kräftiger muss daher jener Körper,
38537welcher die Seele ist, sein, wenn er den immer schwerer werden-
38538den Leib spielend leicht bewegt und trägt?“ Auch die Unsicht-
38539barkeit der Seele ist kein Beweis gegen ihre Körperlichkeit.
38540Unsichtbarkeit ist nur etwas Relatives. Was der Eine sieht, sieht
38541der Andere nicht; desshalb bleibt es doch etwas Körperliches.
38542„Was der Adler constatirt, leugnet die Nachteule, ohne die Aus-
38543sage des Adlers zu präjudiciren“ 2).
38544Im Folgenden führt Tertullian aus, dass die Seele ein licht-
38545und luftartiger Körper sein müsse, der in seinen Formen dem
38546Leibe entspreche. Mit Plato wird die Einheitlichkeit, Einfach-
38547heit, Untheilbarkeit und Unauflösbarkeit der Seelensubstanz be-
38548hauptet; der Unterschied von spiritus und anima ist kein substan-
38549zieller. Dabei wird auf die Athmungsthätigkeit und die Sinnesorgane
38550der niederen Thiere eingegangen. Die Mücken, Ameisen und
38551Motten haben keine Lungen und Arterien; auch nicht Augen u. 8.w.
38552Sie athmen ohne die Blasbälge der Lungen und ohne „fistulae
38553arteriarum“. Leben und Athmen sind nicht zwei Dinge, sondern
38554dasselbe. Desshalb ist auch die lebende und athmende Seele ein
38555Wesen („ipsa anima spiritus“). Das Athmen ist nur eine Function,
38556d. h. „spiritus“ ist eine Function der Seele, die eine einfache
38557Substanz ist. Ebenso ist auch der „animus“ (mens, vos) nicht
38558etwas Anderes, sondern nur der energische Trieb der Seele, ver-
38559möge dessen sie empfindet und handelt. Die Lehren des Valentin,
38560Anaxagoras und Aristoteles werden hier kritisirt. Von dem letz-
38561teren heisst es „nescio an sua paratior implere quam aliena
38562inanire“. Auch der animus ist ebenso leidensfähig wie die Seele,
38563weil alles „sentire“ ein „pati“ ist; der animus aber empfindet.
385641) Ein Irrthum, der noch heute nicht ausgestorben ist.
385652) Cap. 8.
38566Texte u. Untersuchungen VI, 4. 6
page 1047
38567vorzugt ⲡⲓⲉ ⲟⲉⲉⲓⲉ ϥⲓ
38568ciner schreiben „de ⲓ
38569„anima“, nicht den ,,
38570sind alle Theilungsveı
38571zehn gekommen -ⲓ
38572zählt sieben) dürfen n
38573werden; denn die Seele
38574eingeborene Kräfte (in;
38575und Denkvermögen. Zu
38576orgel (organum hydra
38577der flötende Hauch in
38578kanälen u. s. w. wird ⲡ
38579der Substanz. So ist's au
38580mögen das Nähere über
38581„Zunächst steht nun
38582wisses Höchstes, welches
38583das, was man ⲗⲣⲉⲙⲟϧⲓⲭⲟϧ
38584dieses geleugnet wird, ⲃ
38585Die, welche dieses Oberst
38586selbst für nichts erklärt.
38587unter den Ärzten aber
38588Oberste dadurch beseitigt,
38589Princip behauptet wird, 1
38590des reitet auch auf dem I]
38591dem ınan sie der Thoil-
page 1048
38592[4] ⲠⲒ. Physiologisches und Psychologisches. 83
38593zieht; daher gebe es gar kein Oberstes; denn wenn es ein solches
38594gebe, so würde die Lebenskraft der Seele mit ihrem Sitz ver-
38595loren gehen und nicht fortdauern. Allein zahlreich stehen sowohl
38596Philosophen als Mediciner gegen Dikäarchus, Andreas und As-
38597klepiades, von jenen Plato, Strato, Epikur, Demokrit, Empedokles,
38598Sokrates, Aristoteles, von diesen Herophilus, Erasistratus, Diokles,
38599Hippokrates und vor Allem Soranus.“ Tertullian tritt auf die
38600Seite der Letzteren; aber das „Oberste“ sei nicht im ganzen
38601Körper verbreitet (Moschion), noch sitze es im Kopfe (Plato),
38602noch im Scheitel (Xenokrates), noch im Gehirn (Hippokrates),
38603noch in der Hirnbasis (Herophilus), noch in den Hirnhäuten
38604(Strato und Erasistratus), noch in der Mitte zwischen den beiden
38605Augenbrauen (der Physiker Strato), noch im ganzen Brustkasten
38606(Epikur), sondern im Herzen, nach dem Spruch des Orpheus oder
38607Empedokles: „denn das das Herz umströmende Blut ist beim
38608Menschen das Geistige (ⲥⲏⲥ ⲉ avdocrols XEQLKAQdıOp ⲉϭⲧⲓ
38609vönua). So lehren mit Recht auch Protagoras, Apollodor und
38610Chrysippus. Die aber, welche mit Asklepiades aus den Experi-
38611menten an der Thierseele Schlüsse auf die menschliche Seele
38612machen wollen, erhalten von Tertullian folgendes Compliment:
38613„Asklepiades mag seine Ziegen suchen, die ohne Herz blöken, und
38614mag seine Mücken jagen, die ohne Kopf fliegen, und alle Jene,
38615welche aus der Beschaffenheit der Thiere Schlüsse ziehen wollen
38616auf die Einrichtung der menschlichen Seele mögen wissen, dass
38617sie selbst ohne Herz und Hirn leben“ 1).
38618Nun wendet sich Tertullian gegen die Platoniker. Er pflichtet
38619ihrer Zweitheilung der Seele in „rationale“ und „irrationale“
38620im Allgemeinen bei; aber er unterscheidet anders. Von Natur
38621hat die Seele nur das „rationale“, das „irrationale“ ist erst durch
38622die Sünde hinzugetreten; aber in das „rationale“ gehören auch
38623(gegen Plato) die irrasciblen und concupisciblen Strebungen, nicht
38624nur das Denkvermögen. Das „irrationale“ dagegen ist nur „ad
38625instar jam naturalitatis“ ; es ist zweite Natur geworden. In diesen
38626Thesen kommt sowohl der christliche Standpunkt Tertullian’s
38627zum Ausdruck als seine Plato gegenüber überlegene Psychologie.
38628„Man darf nicht glauben (wie Plato), das Irrascible und Concupis-
38629cible gehe bei uns Menschen immer vom irrationalen Princip
386306*
page 1049
38631zur Lösung der Frage.
38632aus, weil das Object der
38633dern ein Drittes vorhan6
38634einwirkt. Das ins Wasser
38635aber ausserhalb des Wasseı
38636des Ruders wird also dur
38637abgelenkt !). Erscheint ein
38638an der Entfernung. „Die C
38639überkleidet nämlich die K
38640wischt die Linien 2). Wenn
38641Wein minder mundet, und
38642bei allen diesen Empfindun
38643Im Urtheil über Rauhheit u
38644die zarten und die schwiel
38645ander ab. So entbehrt k
38646Wenn nun Ursachen die Sinr
38647Vorstellungen, so kann ma
38648Sinne setzen — denn sie fc
38649Vorstellungen, denn sie werd
38650Ursachen folgen . . Nicht ei
38651den Vorwurf der Täuschun;
38652nungen ihren natürlichen Gri
38653liche nicht als Täuschung :
386541) „Teneritas -ⲇ- •
page 1050
38655[49] IM. Physiologisches und Psychologisches. 85
38656laufen muss, das ist keine Lüge. Wenn daher die Ursachen
38657von jedem Vorwurf zu entlasten sind, wie viel mehr die Sinne,
38658da ihnen die Ursachen ja frei vorangehen. Man muss im Gegen-
38659theil den Sinnen Wahrheit, Zuverlässigkeit und Integrität vindi-
38660ciren, weil sie nicht anders berichten, als wie jener (hinzutretende)
38661Umstand es befiehlt, der da bewirkt, dass die Sinne anders be-
38662richten, als es den (reinen) Objecten entspricht.“ Nun folgt ein
38663heftiger Angriff auf die „höchst unverschämte“ Akademie, die
38664durch ihre Skepsis Alles umstürzt und den Schöpfer der Blind-
38665heit bezichtigt, während doch durch die Sinne Alles vermittelt
38666wird, was das Leben zum Leben macht, nicht nur das Niedere,
38667sondern auch die „secunda instructio“ der Menschen, nämlich
38668Künste, Erfindungen, Wissenschaften, Geschäfte, Pflichten, Handel,
38669Mediein, Rath, Trost, die Lebensweise und jegliche Cultur. „Dies
38670Alles hat allein dem Leben Würze gegeben, indem durch die
38671Sinne der Mensch als das einzige vernunftbegabte Wesen dasteht,
38672das zum Erkennen und Wissen befähigt ist und — zur Aufnahme
38673in die Akademie!“ . .. Plato freilich spricht sich im Theätet
38674Wissen und Empfinden ab und im Phaedon verschiebt er die
38675Mittheilung seiner Ansicht — eine nachgeborene Tochter der
38676Wahrheit — bis nach seinem Tode. Und dennoch philosophirte
38677er weiter, obgleich er noch nicht todt war! !)“
38678Hierauf fasst Tertullian das ins Auge, was Plato gegen die
38679Sinne ausspielt, den Intellect, die höhere Erkenntniss. Aber diese
38680ganze Unterscheidung eines Höheren und Niederen — jenes sich
38681auf das Unsichtbare beziehend, dieses auf das Sichtbare — ist
38682verwerflich. Der „animus“ (das 2.) ist nur ein Moment in
38683der einen Seele, wie er schon oben gezeigt habe. Eben die-
38684selbe Seele hat die Fähigkeit zu empfinden (das Sinnenfällige)
38685und zu erkennen (das Übersinnliche); ja das Erkennen ist selbst
38686ein Empfinden und das Empfinden ein Erkennen?. Was ist
38687denn die Sinneswahrnehmung anderes, als ein Erkennen des
38688Gegenstandes, der wahrgenommen wird? Was ist die Erkennt-
38689niss (der Intellect) anderes als ein Wahrnehmen des Gegenstandes,
38690der erkannt wird? „Unde ista tormenta cruciandae simplicitatis
38691et suspendendae veritatis?“ Nur die Objecte sind verschieden,
386921) Cap. 16. 17.
386932) „Non enim et sentire intellegere est et intellegere sentire est?“
page 1051
38694.. ϫϫⲁⲁⲁⲁⲁⲗⲗⲕⲅⲓⲓ 1.Ⲅ̄ⲙⲘⲱ ⲘⲈⲘⲘ
38695(nur) durch Bilder erfasst.
38696zum Führer, Bürgen und All
38697kann er zu den geistigen Wa
38698Wie soll er also vornehmer
38699dessen er bedarf, dem er alles
38700Somit ergiebt sich ein dopp
38701dem Sensus nicht vorzuzieheı
38702als das, wodurch es besteht, 2
38703nicht zu trennen ist; denn je
38704dem, wodurch es existirt“ !).
38705In dieser eindringenden *
38706logischen Fragen untersucht.
38707Drittel seines Werkes berichtet.
38708hang zu weit führen, über da
38709Einiges sei noch kurz hervorg
38710dass der Intellect auf keiner
38711Seele abgesprochen werden dü
38712ihn. Er bietet hier sehr inte
38713„unbewussten Intelleet“ z. B.
38714stock, Epheu) und über ihre €
38715„Mögen sie leben wie die Ph:
38716die Philosophen nicht wollen!‘
38717lings beweist, dass er fühlt ⲓ
38718Sinnesthätigkeiten treten mit
38719nrima iM --
page 1052
38720[51] IH. Physiologisches und Psychologisches, 87
38721Personen zu, die ihm bekannt sind.“ Was der Seele natürlich
38722ist, das ist auch von Anfang an da. Die verschiedene Entwick-
38723Jung ist grösstentheils von der Umgebung und Erziehung ab-
38724hängig. Zu Theben kommen, wie überliefert wird, stumpfsinnige
38725und dumme Menschen zur Welt, zu Athen die gewandtesten im
38726Denken und Sprechen, ja im Stadtviertel Colyttus (hier ist Plato
38727geboren) lernen die Kinder einen Monat früher sprechen. Der
38728Einfluss der Volkseigenthümlichkeiten ist bekannt. Die Phrygier
38729werden von den Komikern als furchtsam verspottet, Sallust tadelt
38730die Mauren als eitel, die Dalmatier als wild, Paulus brandmarkt
38731die Kreter als Lügner. Vielleicht hat auch die Körperbeschaffen-
38732heit und das Befinden Einfluss auf die Seelenentwicklung !).
38733Mit grossem Scharfsinn wird ⲥ. 23 f. die Hypothese der An-
38734fangslosigkeit der Seele bekämpft, sowie die Wiedererinnerungs-
38735theorie Plato’s. Es wird gezeigt, dass die Seele entsteht, aber
38736nicht etwa erst im Moment der Geburt, sondern sie wird mit
38737dem Körper zusammen erzeugt. Hierfür beruft sich Tertullian
38738auf die medicinische Wissenschaft, jedoch nicht auf den dem
38739Plato zustimmenden Arzt Hikesius, „et naturae et artis suae
38740praevaricatorem“. Noch eindrucksvoller gegenüber der These, die
38741Seele trete erst unmittelbar nach der Geburt zum Körper hinzu,
38742ist seine Verweisung auf die schwangeren Frauen, die es besser
38743wüssten 2) und die Philosophen beschämen könnten, und auf die
38744todtgeborenen Kinder. Was todt ist, muss einmal gelebt haben 3).
387451) Cap. 20.
387462) S. die höchst realistische, vortrefflich beobachtete Darlegung
38747in c. 25.
387483) Hier findet sich eine für die Geschichte der Geburtshülfe interes-
38749sante Stelle 1. c.: „Es kommt sogar vor, dass das Kind noch im Mutter-
38750leib getödtet wird, eine Grausamkeit, die nothwendig ist, wenn es beim
38751Heraustreten, sich querlegend, die Geburt hindert — ein_Muttermörder,
38752wenn es nicht stürbe. Daher giebt es im Besteck der Arzte auch ein
38753Instrument, womit zunächst, indem man es drehend handhabt, die ge-
38754heimen Theile erweitert werden; an ihm befindet sich erstens ein sichel-
38755förmiges Messer, womit im Innern die Frucht zerstückelt wird unter
38756banger Erwartung, sodann ein stumpfer Haken, mit dem das ganze Ob-
38757ject der Unthat in gewaltsamer Entbindung herausbefördert wird. Es
38758giebt auch eine bronzene Lanzette, mittelst welcher der Kehleschnitt im
38759Verborgenen vorgenommen wird; es heisst &ußevoogpaxtns. Dieses Instru-
38760mentes bedienten sich schon Hippokrates, Asklepiades, Erasistratus, Hero-
38761philus — er, der auch Erwachsene secirte — und sogar der menschlichere
page 1053
38762ϫⲁⲁⲱ ϭ. ⲇ. ⲘⲒⲈ ϣⲉⲓⲃⲡⲓⲝⲉ und ⲔⲞ
38763Auch hier führt er wieder
38764dass die äusseren Umstände
38765bestimmen; aber insofern ⲝ
38766hier Tribut, als er den Nah
38767natürliche Begierde erklärt, ϥ
38768Gestalt aber für verschlechi
38769Grundlinien der späteren kirc
38770Hier breche ich ab. Noc
38771Ausführungen über Schlaf und
38772Er behandelt Fragen wie die,
38773wie die Träume entstehen, wel
38774auf sie haben, u. ⲃ. w. Aber
38775bei diesen Untersuchungen ka
38776Wir besitzen aus vorkonstan
38777lateinische Abhandlung, welche :
38778Körper handelt, seine ganze Constitu
38779aus beleuchtet und die Annahmen
38780— die Schrift des Lactantius „de
38781diocletianischen Verfolgung. Sie er
38782und dazu physiologische und (am !
38783Soranus.“ Beiläufig bemerkt Tertu
38784Folgendes: „Von der Hitze in den
38785ganzen Wärmevorrichtung, die sie ı
38786Mundes ihnen gefährlich ist, schw
38787kommt das Kind ans Licht.“
38788ϥⲛ ⲧⲗ •
page 1054
38789[53] ⲠⲒ. Physiologisches und Psychologisches. ⲑ
38790wie sie ähnlich von Tertullian in seinem Buch „de anima“ angestellt
38791worden sind. Es wäre zu weitläufig gewesen, über ihren Inhalt im Texte
38792zu berichten; aber hier mag das Interessanteste eine Stelle finden. Jüngst
38793hat Brandt (Wiener Studien 1891 XIII ⲃ. 255—292) über die Quellen
38794dieser Schrift, die natürlich ausserchristliche sind, in ausgezeichneter
38795Weise gehandelt.
38796Nach einer Einleitung (c. 2—4), in der der Verfasser den Vorzug der
38797Ausstattung des Menschen (Vernunft) vor der der Thiere preist und die
38798Behauptung der Epikureer zurückweist, dass der Mensch („aeternum
38799animal‘) schwächer und hinfälliger geboren werde als die Thiere, von
38800der Natur stiefmütterlich behandelt sei, und frühzeitig dahinsieche und
38801sterbe, geht er zur Betrachtung des menschlichen Körpers („„vas hominis‘‘)
38802über. Im 5. Cap. wird die Zweckmässigkeit des menschlichen Knochen-
38803gerüstes und der menschlichen Gestalt geschildert. Der Verfasser spricht
38804sich auch über die Gelenke und die Verbindung der Knochen unter
38805einander aus („ossa non aequaliter porrecta finivit, sed summas eorum
38806partes crassiorihus nodis conglobavit, ut et substringi nervis facilius et
38807verti tutius possent, unde sunt vertibula nominata. eos nodos firmiter
38808solidatos leni quodam operculo texit, quod dicitur cartilago; scilicet ut
38809sine attrıtu et sine sensu doloris aliquo flecterentur. eosdem tamen non
38810in unum modum informavit; alios enim fecit simplices et in orbem rotun-
38811dos etc.‘“). Hierauf folgt (c. 6) eine Widerlegung der Ansichten des Lucrez
38812resp. des Epikur in Bezug auf die natürliche Entwickelung der Organe.
38813Der Verfasser geht nun (c. 7) von den Knochen zu den „Nerven“, den
38814Adern und der Haut über. Er spricht hier die bemerkenswerthe Beobach-
38815tung aus: „Illud commentum dei mirabile, quod una dispositio et
38816unus habitus innumerabiles imaginis praeferat varietates.
38817nam in omnibus fere, quae spirant, eadem series et ordo
38818membrorum est... nec solum membra suum tenorem ac situm
38819in omnibus servant, sed etiam partes membrorum.“ Die mo-
38820derne Naturforschung hat diesen Satz bestätigt. Von c.8 an werden die
38821einzelnen Theile des menschlichen Körpers besprochen, zuerst der Kopf
38822mit den Sinnesorganen. Über die Theorie des Sehens weiss der Verfasser
38823nicht Bescheid; die richtige Einsicht („imaginum incursione nos cernere“)
38824lehnt er ab; auch der Bedeutung der Lichtstrahlen für das Sehen, die
38825man schon erkannt hatte, entzieht er sich. „Der Verstand sieht durch
38826die Augen wie durch Fenster hindurch,“ behauptet er und bekämpft in
38827unverständiger Weise die scharfsinnigen Ausführungen der Lucrez. Aber
38828er bekämpft auch die Theorie der Sinnestäuschungen, indem er an der
38829Wahrheit der Sinneswahrnehmungen , wie Tertullian, festhält (c. 9). Gut
38830beobachtet ist, dass das Convergiren der Augen seine Grenze hat („ei
38831aliquid nimis propius admoveas, duplex videbitur; certum est enim inter-
38832vallum ac spatium, quo acies ocnlorum coit“), und dass es nur durch Ab-
38833sicht erreicht wird („item si retrorsum avoces animum quasi ad cogitan-
38834dum et intentionem mentis relaxes, tum acies oculi utriusque deducitur,
38835tunc singuli videre incipiunt separatim; si animum rursus intenderis aciem-
page 1055
38836septo intercedente divisi‘,
38837beiden Kammern mit der Di«
38838mundo summa rerum vel
38839gubernat et continet totum“
38840die Zähne, das Zahnfleisch ⲱⲓ
38841wird bemerkt: „Quod attinet
38842gensum palato inesse arbitratı
38843nec tamen tota; nam partes
38844saporem subtilissimis sensibu
38845neque ex potione minuatur,
38846sapor.‘“‘ Es werden nun Kin
38847ganze äussere Rumpf besprot
38848wird gedacht („illud vero ad
38849ⲃ ceteris separatus cum ipsa ⲓ
38850qui se velut obvium ceteris ⲣ
38851vel solus vel praecipue possid:
38852unde etiam pollicis nomen acce
38853duos quidem articulos extante
38854manum carne connectitur pulc
38855in seltsamer Confusion: „ad hı
38856utero, nutriatur“.
38857In c. 11—13 werden die
38858geführt (hier gilt „non pulchri'
38859die Lungen („vicissitudo flanc
38860sustentat in corpore“), die Spi
38861„Ile, qui est ab ore transitus
38862cohaereat sibi sicut os ipsum,
38863gula, quia corporales sunt, :
38864contra, qui est incorporalis ac
38865ⲡⲟϣ ⲩⲟ.. --ⲇ
page 1056
38866[55] ⲠⲒ. Physiologisches und Psychologisches. 91
38867jene heisst es (ⲥ. 12): „Vena in maribus, ϥⲱⲃⲉ seminium continet, duplex
38868est, paulo interior quam illud humoris obscoeni receptaculum. sicut enim
38869renes duo sunt, ita testes, ita et venae seminales dusae, in una tamen
38870compage cohaerentes, quod videmus in corporibus animalium,
38871cum interfecta patefiunt.“ Die Entstehung des Geschlechts an-
38872langend wird fortgefahren: „sed illa dexterior masculinum continet semen,
38873sinisterior femininum, et onınino in toto corpore pars dextra masculina
38874est, sinistra vero feminina. ...item in feminis uterus in duas se dividit
38875partes, quae in diversum diffusae ac reflexae circumplicantur, sicut arietis
38876cornua. quae pars in dextram retorquetur, masculina est, quae in sinistram,
38877feminina.“ Dieser Aberglaube ist noch heute im Volk verbreitet. Über
38878den Ursprung des Samens werden zwei Theorien angeführt („ex medullis“
38879— „ex omni corpore“), aber beide für ungewiss erklärt. Die Theorie der
38880Zeugung wird nach Varro — von dem der Verfasser überhaupt abhängig
38881ist — und Aristoteles gegeben (‚semen masculinum cum semine feminino
38882mixtum“); zuerst bilde sich nach diesen Gelehrten das Herz, aber schon
38883am 40. Tage sei die Grundgestalt des zukünftigen Menschen fertig: „ex
38884abortionibus haec fortasse collecta sunt.“ Der Verfasser meint
38885aber, dass die Entwicklung mit dem Kopfe beginnen müsse, und beruft
38886sich hierfür auf die Embryonen der Vögel, deren erste Bildung er aller-
38887dings in naiver Weise verkannt hat („in avium foetibus primum oculos
38888fingi, dubium non est, quod in ovis saepe deprehendimus“). Die Ähnlich-
38889keit der Kinder bald mit dem Vater, bald mit der Mutter, wird aus dem
38890Überwiegen des einen Theiles der Zeugenden erklärt; „id autem praevalet
38891ⲉ duobus, quod fuerit uberlus‘; sind sie gleich kräftig, so trägt die Frucht
38892entweder die Züge beider oder aus der Mischung entsteht ein Neues;
38893„nam in corporibus animalium videmus, aut confundi parentum colores
38894ac fieri tertium neutri generantium simile, aut utriusque sic exprimi, ut
38895discoloribus membris per omne corpus concors mixtura varietur.“ Endlich
38896wird die Theorie mitgetheilt, dass der männliche Same zwar das Geschlecht
38897bestimme, aber ,ⲥⲱ forte in laevam uteri partem masculinae stirpis
38898semen inciderit, (foetum) aliquid in se habere femineum, supra quam decus
38899virile patiatur, vel formam insignem vel nimium candorem, vel corporis
38900levitatem vel artus delicatos vel staturam brevem vel vocem gracilem vel
38901animum imbecillem vel ex his plura. item si partem in dextram semen
38902feminini sexus influxerit, feminam quidem procreari, sed .. . habere in se
38903aliquid virilitatis ultra quam sexus ratio permittat, aut valida membra
38904aut immoderatam longitudinem aut fuscum colorem, aut hispidam faciem
38905aut vultum indecorum aut vocem robustam aut animum audacem aut ex
38906his plura“ (c. 12). In dem 13. Capitel werden noch die unteren Extremi-
38907täten unter teleologischen und ästhetischen Gesichtspunkten besprochen.
38908Die Darstellung beginnt mit den Worten: „Conglobata in nates caro
38909quam sedendi officio apta!“
38910In dem 14. Capitel stellt der Verfasser das zusammen, was am Bau
38911und den Functionen des menschlichen Körpers ihm noch unsicher oder
38912dunkel zu sein scheint. Er beginnt mit dem Bauchfell: „An aliquis
page 1057
38913Ⲅⲉ ⲁⲩⲁ ⲅⲁϫⲁⲁⲟⲩ
38914ⲥⲉⲓⲙⲡⲓ genera unum
38915corpore. sed quid ⲣ
38916artifex, potest, ⲉⲡⲓ ⲓ
38917fasser, nachdem er ı
38918einige psychologische
38919Über den Sitz der Vı
38920referirt nur über die
38921Vernunft sitze in der
38922in dem Gehirn. Für
38923dass sie über den gan
38924Lehre des Aristoxenus
38925sondern „quasi harmc
38926pagibus viscerum vim
38927unpassend, „non enim
38928sua sponte et cogitat e
38929esset, ictu moveretur ⲉ)
38930pulsuque digitorum mı
38931zwischen „animus“ und
38932lösbar erklärt (ⲥ. 18), nı
38933sind. „Quid anima sit,
38934fortasse conveniet.“ V
38935aliquid videtur“. Gewit
38936entsteht. Doch sind di
38937Seele, sie sei Blut, Wär
38938sanguine simul et calore
38939Tertullian’s in Bezug au
38940Gott schafft nach ihm j
38941nur Sterbliches erzeugt
38942parentis nihil --*
page 1058
38943[7] IV. Krankheiten. 93
38944IV. Krankheiten.
38945Viele Krankheiten und Gebrechen werden in den Evangelien
38946erwähnt, Aussatz, Wassersucht, Ruhr, Lahmheit, Blutgang, Blind-
38947heit, Taubheit, Stummheit, dazu Besessenheit, von der unten die
38948Rede sein wird. Doch werden die Krankheiten nicht näher be-
38949schrieben. Aber Mre. 5, 25 f. heisst es von dem blutflüssigen
38950Weibe: „Zwölf Jahre hatte sie den Blutgang gehabt und viel er-
38951litten von vielen Ärzten, und sie hatte ihr gesammtes Ver-
38952mögen dabei aufgebraucht und doch keinen Nutzen davon ge-
38953habt, vielmehr hatte sich ihr Zustand nur verschlimmert“ —
38954eine erschütternde Geschichte; aber wie viele Krankheitsfälle
38955verlaufen noch heute so! Die Heilung eines Blinden wird Mre.
38956ⲃ, 23 f. realistisch erzählt. „Ich sehe die Menschen, als wenn
38957ich Bäume wandeln sehe“, sagt der Erblindete, nachdem ihm
38958das Augenlicht wieder geschenkt ist und er zum ersten Mal
38959um sich blickt. In dem uralten Hebräerevangelium, von dem
38960wir noch einige Fragmente besitzen, tritt Einer mit einer ge-
38961lähmten Hand auf Jesus zu und spricht: „Ich war Steinhauer
38962und lebte von meiner Hände Arbeit; ich bitte dich, Jesus, dass
38963du meine Gesundheit wiederherstellst, damit ich mir nicht meine
38964Nahrung schimpflich zu erbetteln brauche“ !). Unter allen Krank-
38965heitsfällen aber, die im Neuen Testamente erwähnt werden?), hat
38966die meiste Aufmerksamkeit die Krankheit des Apostels Paulus
38967auf sich gezogen. In jüngster Zeit hat Krenkel in Dresden
38968die in den paulinischen Briefen und in der Apostelgeschichte (?)
38969verstreuten Angaben über die Krankheit zusammengestellt und
38970mit exquisiter Gelehrsamkeit untersucht ?). Das Ergebniss, dass
38971der Apostel an Epilepsie gelitten habe, stützt sich auf mehrere
389721) Texte u. Unters. V, 3 S. 86.
389732) Eine Untersuchung der Fälle im Einzelnen wäre nicht ohne Nutzen,
38974würde hier aber zu weit führen.
389753) Beiträge zur Aufhellung d. Gesch. u. d. Briefe des Ap. Paulus
38976(1890) S. 47—125. Die Stellen sind 2 Cor. 12, 7—9; Gal. 4, 12ff.; 2 Cor.
389775, 13; 10, 10.12; 11, 1. 6. 16. 23; 12, 6. 11 u. Act. 9, 4ff.; 2272.
38978Doch ist es fraglich, ob die drei letzten Stellen sowie Act. 18, 18 hierher
38979gehören.
page 1059
38980(vor ihm) nicht ausgespuck
38981nahe, dass Paulus epileptisc
38982Alterthum der Aberglaube,
38983ausspucken, um nicht ange:
38984Legendarisch ausgeschı
38985glaubwürdig ist der hässlic]
38986änderung des Körpers des Jı
38987Hierapolis, Papias, im 4. B
38988worte“ um d. J. 140 gegeb
38989wissenschaftliche Diagnose .
38990unübersetzt bleiben 2). Papi
38991„weissagenden“ Töchtern des
38992nach Hierapolis übergesiedel
38993und sonderbare Dinge erzähli
389941) Vgl. auch das Gutachten
38995gart bei Krenkel ⲃ︦. 104f.
389962) Patr. App. Opp. ed. Get
38997dk doeßelas inddeıyua & ⲧⲟⲓ
38998ϭⲉⲥ Enl ⲧⲟϭⲟⲩ︦ⲧⲟⲩ ⲧϯ OdpxXa, GC
38999Exeivov düvaadaı ⲓ ⲉⲗⲪⲉⲓ︦, did &
39000aUtOU. ⲧⲟ ⲙⲉ ⲣⲉ PlLpapa tOv
39001ⲓ⳪, ⲱⲥ ⲁⲓⲧⲟⲩ ⲙⲉ xauddiov ⲓ
39002«Urn ⲙⲡ ⲡⲟ ⲧϩⲟ [6] dom:
39003ⲉⲭⲉ dnö ⲧⲡ︦ϩ E&wder Erugparelas.
39004HONG AnNdEOTEQOV Kal UETGOV Fa
39005TOT ϭⲱ̀ⲙⲥⲧⲟⲥ. OVOOLOVTAEC ⲟⲁ.
page 1060
39006[59] IV. Krankheiten. 95
39007Häretiker Arius ist im J. 336 an Mastdarmvorfall und darauf
39008folgender Verblutung plötzlich gestorben !). Die orthodoxen Geg-
39009ner sahen darin die göttliche Strafe.
39010Mit der Erzählung von der Krankheit des Judas sind wir
39011bereits zu einer ganzen Gruppe fabelhafter Krankheiten über-
39012gegangen, die theils der naiven Volksdichtung, theils der Tendenz-
39013legende angehören. Schon im Alten Testament werden die, welche
39014sich in Hochmuth wider Gott auflehnen oder seine Diener ver-
39015folgen, mit besonders furchtbaren Krankheiten geschlagen oder
39016in Wahnsinn versetzt. Das bekannteste Beispiel bietet die Er-
39017zählung von dem Könige Nebucadnezar (Dan. 4, 30). Auch bei
39018anderen Völkern werden ähnliche Geschichten von schrecklichen
39019Strafen, welche die „Hybris“ treffen, erzählt. Die alten Christen
39020pflanzten diese Legenden, an denen der Hass oft ebensoviel An- .
39021theil hatte wie das Gefühl für strafende Gerechtigkeit, fort. In
39022der Apostelgeschichte (12, 23) wird erzählt, dass Herodes, weil
39023er Gott nicht die Ehre gegeben, vom Engel des Herrn geschlagen
39024worden sei, also dass er von Würmern gefressen wurde?). Die
39025medicinische Wissenschaft kennt eine solche Krankheit nicht.
39026Sie weiss nur, dass sich unter Verbänden, wenn sie unreinlich
39027gehalten werden, Ungeziefer und Maden einfinden ®). Aber das
39028Volk glaubt, dass sich Würmer im Körper bilden und bis an
39029die Oberfläche durchfressen können. In der altchristlichen Zeit
39030galt diese Krankheit, auf Grund jüdischer Legendenbildung *),
390311) In einer Bedürfnissanstalt der Stadt Konstantinopel, s. die genauen
39032Angaben bei Athanas. de morte Arli c. 2eq. Socrates, h. e. I, 38: &ua toi
39033ⲥⲭⲱⲣⲙⲥϭⲓ ϯ ⲉⲁ ⲧⲟⲧⲉ NUQAUUTIXA ExnInteL, ϫⲁ aluatOS ⲡⲗⲡ̄ⲑⲟϩ ⲉ̀ⲡϥ‐
39034ϫⲟⲗⲟ̀ⲑⲉⲓ ϫⲁ) ⲧⲉ ⲗⲉⲡⲧⲥ TOV EvtEQwv. ϭⲱⲩⲧϩⲉⲭⲉ ⲉ ⲙ̄ⲙⲁ AUTO ϭⲡⲗϥⲩⲓ ⲧⲉ
39035ϫ ⲡⲧⲓ• ϭⲓϫ ⲟⲩⲩ Eredynxen.
390362) Vgl. Euseb., Chron. ad ann. 2020 Abr.
390373) Von dem höchst seltenen Falle, dass colossale Mengen von Spul-
39038würmern heftige Entzündungen veranlassen können, in Folge deren ein
39039Durchbruch erfolgt, darf wohl abgesehen werden. Doch ist es beachtens-
39040‚werth, dass Syncellus (p. 600) den Bericht des Eusebius über den Tod des
39041Herodes so ausgeführt (rationalisirt?) hat, dass man an Erbrechen von
39042Nematoden denken muss. Eusebius schrieb: „Herodes ingenti hydrope
39043affectus scatentibus corpore vermibus ⲉ vita tollebatur.“ Syncell.: „Hocdnc
39044ϭ︦̃ⲟⲱⲡⲓ ϭⲱϭⲭⲉⲑ ⲉϩ ϭⲭⲱ︦ⲗϥⲭⲥϩ ⲉ̀ⲡ ⲧⲟⲩ OTOUATOG EEEBOXGE ϫⲧⲗ
390454) Aber Josephus (Antiq. XIX, 8, 2 vgl. Euseb., h. e. 1I, 10) hat bei
39046seiner Schilderung des Todes des Herodes die Würmer weggelassen.
page 1061
39047gegenüber der rasch sich bi
39048reichend gewappnet waren‘
390491) Z. B. Tert. ad Scap. 3: ‚(
39050in praetorio suo vastatus peste ⲥⲓ
390512) Euseb., h. e. VII, 16, 3 sc
39052LE ⲥⲓiⲧϥ︦ϩ ⲓⲧⲟⲩ (scil. Galerii) xa
39053ⲡⲣⲟⲉⲗⲑⲟⲩϭ⳪. KIQOM ⲙⲉ ⲉϩ NE
39054ⲉⲡϭⲅⲥϭⲓϩ Yiyveraı aut, ELF
39055&viaTtOS ⲩⲟ ⲕⲓ) ϫⲉⲧⲉ TOV EvdoTat.
39056ϭϫⲱⲗⲡϫⲱⲩ ⲃⲟ ⲉⲓ), Gavatwdn TE
39057Zerfall der Gewebe), zo ⲡ⳪ⲓⲧ
39058ϭⲓⲧⲫ︦ xal ⲡⲣ ⲧϥ̄ vOOOV ⲉⲓϩ ine
39059NV ⲧⲟⲧⲉ ϫⲟⲧⲥϭⲥⲡⲉⲓ̈ϭ) ApdONTOV
39060ⲉⲓ ⲧ ⲉⲥ) (vgl. die Schilderu
39061oiv ol Ev, ⲟⲓ ⲗⲱϩ ÖrouEtvaı
39062ⲡⲓ.) olol ⲅⲉ, xatECHATTOVTO (!),
39063ⲉⲓϩ dvEinı0toV ϭⲱⲧⲡⲟϩ ⲉ̀ⲡⲟⲡⲉⲡⲓ
39064ⲗⲉⲱ̄ϩ Extelvovro (). In der Schr
39065Schilderung wiederholt (I, 57, 2)
39066bei erwähnt, aber doch nicht ga
39067Kunst und nicht obne pathologis
39068Rohheit und Schadenfreude hat
39069persecutorum (ⲥ. 33) eben diese F}
39070Es ist die ausführlichste Kranken
39071in vorkonstantinischer Zeit besi
39072nicht, sie sind aber minder disı
39073XVII. annus agebatur, cum pe
page 1062
39074161] IV. Krankheiten. 97
39075eine Krebskrankheit; aber sie können es doch nicht lassen, die
39076„Würmer“ zu erwähnen.
39077Lehrreicher als diese Geschichten sind die Schilderungen
39078der grossen Volkskrankheiten, die bekanntlich im 2. und 3. Jahr-
39079hundert im römischen Reich furchtbar wütheten. Es war vor
39080Allem die Pest, die immer wieder aus dem Osten resp. Süden
39081eingeschleppt wurde und die Provinzen des grossen Reiches ver-
39082heerend durchzog. Für die Christen bedeutete sie ein doppeltes
39083Unglück; denn von den Tagen des Antoninus Pius an galten sie
39084als die „Pestbereiter“ — Plinius hat in dem berühmten Brief
39085an Trajan das Christenthum selbst die „Seuche“ genannt, welche
39086invadit, et yuanto magis circumsecatur latius saevit, quanto curatur
39087increscit —
39088............ cessere magistri
39089Phillyrides Chiron, Amythaoniusque Melampus.
39090undique medici nobiles trahuntur. nihil humanae manus promovent. con-
39091fugitur ad idola. Apollo et Asclepius orantur, remedium flagitatur. dat
39092Apollo curam. malum multo peius augetur. ijam non longe pernicies
39093aberat et inferiora omnia corripuerat. computrescunt forinsecus viscera
39094et in tabem sedes tota dilabitur. non desinunt tamen infelices medici vel
39095sine spe vincendi mali fovere, curare, repercussis medullis malum recidit
39096introrsus et interna conprehendit, vermes intus creantur. odor it autem
39097non modo per palatium, sed totam civitatem pervadit. nec mirum cum
39098jam confusi essent exitus stercoris et urinae. comestum a vermibus et in
39099putredinem corpus cum intolerandis doloribus solvitur —
39100Clamores simul horrendos ad sidera tollit,
39101Quales mugitus fingit saucius tanrus.
39102Adponebantur ad sedem fluentem cocta et calida animalia, ut vermiculos
39103eliceret calor. queis resolutis inaestimabile scatebat examen, et tamen multo
39104maiorem copiam tabescendorum viscerum pernicies foecunda generaverat. iam
39105diverso malo partes corporis amiserant speciem. superior usque ad vulnus
39106aruerat, et miserabili macie cutis lurida longe inter ossa consederat. in-
39107ferior sine ulla pedum forma in utrium modum inflata discreverat. et
39108haec facta sunt per annum perpetem ..... cum ijam totius corporis
39109membra defluerent, horrenda tabe consumptus est.“ Der Verfasser dieser
39110Schrift ist unbekannt. Lactantius’ Autorschaft ist nicht sicher. Man könnte
39111an einen christlichen Arzt als Verfasser denken; jedenfalls beruhen die
39112Mittheilungen auf ärztlichen Berichten, die dann tendenziös gesteigert
39113sind. — Ein siebenjähriger Knabe, Dinokrates, der an Krebs (Lupus oder
39114Noma) gestorben ist, wird in den echten Acten der Perpetua (c. 7) ⲉⲓ‐
39115wähnt: „Hic Dinocrates fuerat frater meus carnalis annorum VII, qui per
39116infirmitatem facie cancerata male obiit, ita ut more eius odio fuerit omni-
39117bus hominibus.“
39118Texte u. Untersuchungen VII, 4. 7
page 1063
39119EDsSerer Brüder
39120Ⲃⲓⲉ ihre
39121Furch-L.s besuch
39122pflegter. sie ⲛ
39123Mt Ihnen aus Jen
39124heitssta? der Andı
39125auf sich berüber
39126sich auf. Ja viel
39127ihre Pflege die €
39128Yleichsau ⲛ. sich
39129die Ⲉ)...
39130ⲙⲉⲉⲩⲉ Männ
39131scheint alı Fr
39132dem Märtyrertode j
39133«die Leichnume der F
39134rückten 33
39135ⲟ ⲓ.. a ⲥ ,ⲫ
39136ⲩ ⲙ ⲁ. N
page 1064
39137[63] IV. Krankheiten. 99
39138an sich, umfassten sie (!), wuschen und bekleideten sie und hatten
39139in kurzer Zeit dasselbe Schicksal, da immer die Übriggebliebenen
39140ihren Vorgängern folgten. Bei den Heiden aber fand das grade
39141Gegentheil statt. Sie stiessen diejenigen, welche krank zu wer-
39142den begannen, von sich, flohen von den Theuersten hinweg,
39143warfen die Halbtodten auf die Strassen und liessen die Todten
39144unbeerdigt liegen. Dadurch suchten sie sich der Ansteckung
39145und dem allgemeinen Sterben zu entziehen. Allein trotz aller
39146angewandten Mittel konnten sie ihm nicht leicht entgehen.“
39147Solche Mittel (Präservativmassregeln) erwähnt Rufin einmal
39148Ⲣⲉⲙ.
39149Ausführlicher sind die Schilderungen, welche der carthagi-
39150niensische Bischof Cyprian von eben dieser Pest und ihren Folgen
39151gegeben hat. Vor Allem aber hat er, um seine Gemeinde zu stär-
39152ken, zu trösten und zu ermahnen, in jenem Pestjahre den Tractat
39153„Von der Sterblichkeit“ geschrieben, der zu den besten Arbeiten
39154des grossen Bischofs gehört. Diesen Tractat muss man lesen, um
39155die Wärme und Überzeugungskraft, den Ernst und die treue Sorge
39156dieses Hirten kennen zu lernen. Wie hat er die Kleinmüthigen
39157getröstet, die Verzagten gestärkt, die Feigen ermahnt und die
39158Muthigen angefeuert! Wie verstand er es, das Gottvertrauen
39159wachzurufen und das Unglück als eine Prüfung und als eine
39160Wahlschlacht darzustellen! Nur einige Abschnitte seien hervor-
39161gehoben. In c.14 wird die Krankheit selbst geschildert: „Der Um-
39162stand, dass der Leib in der heftigsten Kolik die Kräfte ausfliessen
39163Jässt, dass in dem wunden Schlund ein tief innerlich entzündetes
39164Feuer aufbrennend tobt, dass durch fortwährendes Erbrechen die
39165Gedärme geschüttelt werden, dass durch Blutandrang die Augen
39166sich entzünden, dass Einigen die Füsse, Anderen andere Körper-
39167theile, weil von der verderblichen Fäulniss angesteckt, abgenom-
39168men werden müssen, dass in Folge des Verlustes oder der Ein-
39169busse der Leibeskräfte Lähmung eintritt und nun die Beine be-
39170wegungslos werden oder das Ohr taub, das Auge blind wird —
39171dies dient zur Erweisung des Glaubens. Wider so viele Angriffe
39172der Verheerung und des Todes mit unerschütterlicher Geistes-
391731) Rufin, Vorrede zur KGesch. (Migne XXI p. 461): „Peritorum dicunt
39174esse medicorum , ubi imminere urbibus vel regionibus generales viderint
39175morbos, providere aliquod medicamenti vel poculi genus, quo praemuniti
39176homines ab imminenti defendantur exitio.‘
39177m
39178(4
page 1065
39179Freuden zu geniessı
39180heilsamen Erprobunz
39181wie vortrefflich, wi«
39182wärtige Pest und Se
39183scheint, die innere Bıt
39184und die Gesinnunge
39185(Gesunden den Kranke
39186Angehörigen liebevol
39187leidenden Sklaven erb:
39188nicht verlassen, ob Ϥ︦
39189drücken, ob die Raul
39190leidenschaftlicher Hab;
39191auslöschen, ob die Stc
39192losen ihre Frechheit
39193Theuern die Reichen ı
39194schenken, da sie ohne
39195Welchen Einfluss
39196Carthagos ausübte, sc
39197Demetrian“ (c. 16)
39198gemäss zeigten sich di
39199eine Spanne zu leben ϯ
39200Treiben, wie später in
39201loser Habsucht: „Durı
39202verbrecherischen Gesinı
39203gedeckt #+#L-"
page 1066
39204[65] IV. Krankheiten. 101
39205worden sind, damit sie nicht, wenn sie gepflegt worden wären,
39206wieder genäsen. Denn der hat den Untergang des Kranken
39207gewollt, der über das Vermögen des Dahinscheidenden herfällt.
39208Selbst dieser entsetzliche Schrecken der Verheerungen vermag
39209nicht ein reines Leben zu erzeugen, und während das Volk zu
39210Hauf hinstirbt, denkt Niemand daran, dass er auch sterblich sei.
39211Überall ein wildes Jagen, Rauben und Besitz-Ergreifen! Die
39212Maske ist abgeworfen: man sucht nur noch zu erbeuten; jede
39213Minute ist kostbar. Wie wenn’s erlaubt wäre, wie wenn’s sein
39214müsste, wie wenn der, der nicht raubt, Schaden und Nachtheil
39215hätte, so eilt Jeder zum Rauben. Bei den professionsmässigen
39216Räubern findet sich immerhin noch eine Art von Scheu bei den
39217Verbrechen; sie lieben abgelegene Höhlen und verlassene Ein-
39218öden, und die Frevelthat wird von ihnen so verübt, dass sie mit
39219dem Schleier der Dunkelheit und der Nacht verhüllt wird. Die
39220Habsucht aber wüthet am hellen Tage und, sich sicher fühlend
39221durch ihre eigene Frechheit, stellt sie die Schergen ihrer zügel-
39222losen Begierde auf offenem Marktplatz auf. Daher die Urkunden-
39223fälscher, daher die Giftmischer, daher mitten in der Stadt die
39224Meuchelmörder, die eben ⲃⲟ rasch zur Frevelthat sind als sie
39225straflos freveln. Der Bösewicht begeht das Verbrechen und
39226kein Rächer findet sich. Die Furcht vor dem Ankläger oder
39227Richter hat aufgehört. Die Verbrecher geniessen Straflosigkeit,
39228weil die Verzagten schweigen, die Mitschuldigen sich fürchten
39229und die Richter sich erkaufen lassen.“
39230Von diesem düsteren Hintergrunde hebt sich das Bild des
39231Bischofs leuchtend ab. Sein Biograph Pontius hat ein Capitel
39232seiner Lebensbeschreibung dem Verhalten Cyprian’s in der Pest-
39233zeit gewidmet !). „Ein Verbrechen wäre es, es zu verschweigen“,
39234ruft er aus. Hervorgehoben sei besonders, dass der Bischof es.
39235aufs ernstlichste den Christen ans Herz gelegt hat, nicht nur die
39236Glaubensgenossen in dienender Liebe zu pflegen, sondern auch
39237die Feinde und Verfolger, damit sie Kinder ihres Vaters seien,
39238der seine Sonne aufgehen lässt über Gute und Böse.
39239Einer epidemisch auftretenden Krankheit sei hier gedacht,
39240die nach Eusebius?) während der maximinischen Verfolgung in
392411) ⲃ︦. c. 9.
392422) Hist. eccl. IX, 8 init.
page 1067
39243ⲓⲟⲙ ⲙ ⲓⲱ ZU ⲛⲉⲙⲃ
39244auch Galen.
39245Die grossen
39246brachen seit der
39247die Christen inmme
39248Welt nahe sei. }
39249zeit: „Es wird sicl
39250Königreich über c
39251theure Zeit und E:
39252der Offenbarung .J
39253Reitern wurde der
39254tet). „Nun sieh“
39255Seuche aus — „di
39256Einsturz bereits nich
39257der Dinge“*). Aust
39258der Schrift „An Den
39259ie klassische Stelle
39260älteren Generation ]
39261hinfälliger und schle
39262eine goldene Zeit, un:
39263so kräftig, frisch un
39264sind. Bei lebendig
39265Erwartung des naher
39266bessere Krkenntniss
39267„Du musst allem zu
39268and
page 1068
39269[67] IV. Krankheiten. 103
39270mehr in der Fülle der Kraft steht, in der sie früher gestanden,
39271noch derselben Frische und Stärke sich erfreut, wodurch sie
39272ehemals sich auszeichnete. Das kündet, auch wenn wir Christen
39273schweigen und dafür keine Beweise aus den h. Schriften und
39274den göttlichen Vorhersagungen beibringen, bereits die Welt
39275selber und bezeugt ihren Untergang durch den augenschein-
39276lichen Zerfall der Dinge. Nicht mehr ist im Winter die Fülle
39277des Regens zum Wachsthum der Saaten so reichlich; nicht mehr
39278ist im Sommer die Sonnenhitze zur Reife des Getreides so gross;
39279nicht mehr lachen die Lenze mit lauen Lüften so wonnig, noch
39280sind die Herbste an Baumfrüchten so ergiebig. Weniger wird
39281aus den durchwühlten und erschöpften Bergen an Marmorblöcken
39282ausgegraben, weniger liefern die bereits ausgebeuteten Gruben
39283Schätze von Gold und Silber, und die geringhaltigen Erzadern
39284nehmen täglich ab. Es nimmt ab und vermindert sich auf den
39285Fluren der Ackersmann, auf dem Meere der Schiffer, der Soldat im
39286Lager, die Rechtschaffenheit auf dem Markte, die Gerechtigkeit
39287bei Gericht, in Freundschaften die Eintracht, in den Künsten die
39288Erfahrenheit, in den Sitten die Zucht. Glaubst Du wirklich, bei
39289einem alternden Dinge könne noch die reiche Lebenskraft vor-
39290handen sein, von der es früher zur Zeit frischer und kräftiger
39291Jugend strotzte? Abnehmen muss nothwendig Alles, was, weil
39292sein Ende schon ganz in der Nähe, dem Niedergang und dem
39293Letzten sich zuneigt. So sendet die Sonne bei ihrem Untergang
39294die Strahlen mit weniger hellem und feurigem Glanze, so wird
39295der Mond, wenn sein Lauf bereits abwärts neigt und seine Hörner
39296zu wachsen aufhören, durchsichtiger; und der Baum, der vorher
39297grün und fruchtbar gewesen, wird nachher, wenn seine Äste ver-
39298dorren, unfruchtbar. und vor Alter hässlich, und die Quelle, die
39299vorher aus überströmenden Adern reichlich hervorsprudelte, ver-
39300siegt im Alter und presst kaum noch einige Tropfen aus. Das-
39301selbe Urtheil ist der Welt gesprochen; dies ist das Gesetz Gottes,
39302dass Alles, was entsteht, vergeht, und dass Alles, was währt,
39303altert, dass das Starke schwach wird und das Grosse klein und,
39304wenn es schwach und klein geworden, ein Ende nimmt. Du
39305legst es den Christen zur Last, dass Alles abnimmt, während die
39306Welt altert. Wie, wenn auch die Greise es den Christen zur
39307Last legten, dass sie sich im Alter nicht mehr so wohl befinden,
39308dass sie nicht mehr so wie früher eines feinen Gehörs sich
page 1069
39309Zu; ⲃⲟ artet ın ⲕⲟ
39310geboren wird, so di
39311Einzelne in der Wı
39312Welt selbst bereits
39313Endes steht.“ — Nar
39314steigerte sich bei den
39315Diese Verfolgungen ⲩ
39316Gemüthsstörungen un
39317chen, die zu schwack
39318lichen Gewissen und ı
39319Ein Mann wurde, n:
39320leugnet hatte, plötzlicl
39321und starb. Diese Fül
39322unwürdiger Abendmal
39323Krankheiten zur Folge.
39324Legende angehören; an
39325haben. Man glaubte :
39326digen Genusses (s. sch
39327sie bei Einigen wirklic
page 1070
39328[69] V. Exorcismen, 105
39329des Wahnsinns kommt auch heute noch vor, ist aber selten, weil
39330in weiten Kreisen der Glaube an die Existenz und Wirksamkeit
39331von Dämonen erloschen ist. Die Erscheinungsformen aber, in
39332denen der Wahnsinn sich ausprägt, sind stets abhängig von dem
39333allgemeinen Zustande der Cultur und der Vorstellungen der Ge-
39334sellschaft. Wo das religiöse Leben noch erregt ist und wo zu-
39335gleich ein starker Glaube an die unheimliche Thätigkeit böser
39336Geister herrscht, da bricht auch jetzt noch sporadisch die „Be-
39337gessenheit“ aus. Neuere Fälle haben sogar gezeigt, dass ein
39338überzeugter „Geisterbeschwörer“, namentlich ein religiöser, in
39339seiner Umgebung unfreiwillig „Besessenheit“ erst hervorruft, um
39340sie dann zu heilen. Auch wirkt die „Besessenheit“ ansteckend.
39341Ist erst ein Fall der Art in einer Gemeinschaft vorgekommen
39342und bringt der Kranke selbst oder gar der Geistliche denselben
39343in Zusammenhang mit der allgemeinen und besonderen Sündhaftig-
39344keit, predigt er darüber und richtet erschütternde Worte an die
39345Gemeinde, verkündet er, dass hier wirklich der Teufel sein Spiel
39346treibe, so folgt dem ersten Fall bald ein zweiter und dritter ?).
39347Dabei treten die wunderbarsten, im Einzelnen noch vielfach un-
39348erklärten Erscheinungen ein. Das Bewusstsein des Kranken, sein
39349Wille und seine Actionssphäre verdoppeln sich. Mit vollster
39350subjectiver Wahrhaftigkeit — Schwindeleien laufen natürlich
39351immer mit unter — fühlt er sich selbst und dazu ein zweites
39352Wesen in sich, welches ihn zwingt und beherrscht. Er denkt,
39353fühlt, handelt bald als der Eine, bald als der Andere, und von
39354der Überzeugung, ein Doppelwesen zu sein, durchdrungen, be-
39355stärkt er sich selbst und seine Umgebung durch klug ersonnene
39356wenn auch innerlich erzwungene, Handlungen in diesem Glauben.
39357Abgenöthigter Selbstbetrug, schlaue Activität und hülfloseste Pas-
39358sivität sind in unheimlicher Weise verbunden und vollenden das
393591) Wie die krankhaften geistigen Zustände, besonders die Visionen,
39360welche die Christen in den Gemeindeversammlungen befielen, von der
39361eben gehörten Predigt abhängig waren, dafür bietet Tertull. de anima 9
39362ein schönes Beispiel. Eine Schwester, erzählt dieser, sah in der Vision
39363eine Seele in leiblicher Gestalt, nachdem Tertullian eben über die Seele
39364und zwar wahrscheinlich über die Körperlichkeit der Seele) gepredigt
39365hatte. Er fügt ganz unbefangen selbst hinzu, dass die Visionen ihren
39366Inhalt aus der eben gehörten Schriftverlesung, aus Psalmen und aus den
39367Predigten zu erhalten pflegen.
page 1071
39368heit" em bisher
39369niederwerfende }
39370Apostels. Von d
39371denn sie besteht ı
39372Wo die Kra
39373und im Zusamme
39374Prognose keine ⲛⲓ
39375bringt, vermag sie
39376christlichen Religio
39377sündhaftes, fast deı
39378Predigt dieser Reli,
39379die Knechtschatt dı
39380sessenheit übergeht,
39381die in Jesus Christus
39382befreien. Die Blätte
39383auf den heutigen Ti
39384unserer Zeit nur mi
39385hunderten bis zum
39386nicht in den seltene
39387Auftreten der Krank
39388Die blosse Bots
39389freilich nicht, um di
39390überzeugter Glaube,
39391stehen. Nicht das (
39392Formel, sondem der
page 1072
39393[71] V. Exorcismen. 107
39394Exorcist. Nur wo die Krankheit, wie wir das von nicht wenigen
39395Fällen des 2. Jahrhunderts voraussetzen müssen, epidemisch und
39396fast gewöhnlich geworden ist, ja sogar etwas Conventionelles be-
39397kommen hat, da genügen auch conventionelle Mittel. Der Exoreist
39398wird zum Magnetiseur, wohl auch zum betrogenen Betrüger. Aber
39399wo eine starke Individualität vom Dämon des Schreckens um
39400sich selber betrogen wird und die Seele wirklich erschüttert ist
39401durch die Macht der Finsterniss, die sie besitzt und der sie doch
39402bereits entfliehen will, da muss ein starker heiliger Wille von
39403aussen den gebundenen Willen befreien. Dort und hier handelt
39404es sich um das, was man aus Verlegenheit in neuerer Zeit „Sug-
39405gestion“ nennt; aber anders „suggerirt“ der Prophet, anders der
39406professionelle Exorecist.
39407Der Glaube an die Wirksamkeit der Dämonen hat sich in
39408der Form, wie wir ihn in den jüngsten Büchern des griechischen
39409Alten Testaments, im Neuen Testament und in den jüdischen
39410Schriften der Kaiserzeit finden, verhältnissmässig spät bei den
39411Juden entwickelt. Damals aber stand er in vollster Blüthe !).
39412Um dieselbe Zeit begann er auch bei den Griechen und Römern
39413Überhand zu nehmen. Es ist bisher noch nicht erklärt worden,
39414wie diese dazu gekommen sind. Dass die Form des Dämonen-
39415glaubens, wie wir sie vom 2. Jahrhundert an überall im Reiche
39416verbreitet finden, lediglich auf jüdische oder gar auf christliche
39417Einflüsse zurückzuführen sei, ist höchst unwahrscheinlich. Aber
39418ihren Beitrag zur Einbürgerung des Glaubens, oder richtiger zur
39419Entwicklung des altgriechischen und dann auch von den Philo-
39420sophen (Plato) genährten Geisterglaubens in einer ganz bestimm-
39421ten Richtung, mögen diese Religionen ebenso geliefert haben wie
39422andere orientalische, vor allem die ägyptische?), deren Priester
39423von alten Zeiten her berühmte Exorcisten waren. Im zweiten
39424Jahrhundert gab es einen Stand von Exorcisten, wie es heute
394251) ⲃ︦. die interessante Stelle ‚Joseph. Antiq. VII, 2,5: Ⲡⲉ̄ⲉϭⲭⲉ Zodo-
39426Or UuUdEiv Ⲑⲉⲟϩ xal Thy ϫⲁⲧⲉ TOV daLLOVWV tExunv ⲉϩ ⲱ̀ϩⲉⲗⲉⲓⲥ) xal
39427ⲑⲉϩⲥⲡⲉⲓ̀ϭ) ⲧⲟϩ ⲉⲕⲃϩⲱⲡⲟⲓⲥ ⲉ̀ϫϣⲟⲥ︦ϩ TE ovyraSduEr ⲟⲥ ⲉϩ ⲡϭⲣϥⲩⲟⲣⲉⲓⲥⲓ ⲧⲥ
39428ⲕⲟϭⲓϯⲙⲉⲧϭ ϫⲁ ⲧϩⲟ̀ⲡⲟⲩϩ ⲉⲉ︦ⲟⲟϫⲱ̀ϭⲉⲱⲩ xatElınev, ⲟϩ ol Evdovusvoı ⲧⲥ ϭⲓ
39429ⲕⲟⲩⲓ ⲱϩ ⲙϥϫⲉⲧ EnuvelGeiv Exdıwkovaı. ϫⲁ) ⲁⲧ ⲙⲉⲭⲟⲓ VÜV ⲡϩ ϯⲓ)
39430ⲓ Gepunela ⲡⲗⲉⲓ̄⳪ⲧⲟⲩ ϭⲉ Man vergleiche die Geschichte, die nun folgt.
39431Die Juden müssen im Reiche als Exorcisten bekannt gewesen sein.
394322) Auch die persische.
page 1073
39433ten ın dıe ober
39434ungleich wichtig
39435keine kräftige
39436sich hat, die ihr.
39437indifferent gedavcl
39438von der Schlech
39439individuellen A
39440die seelischen Kraır
39441Momente zusamme.
39442Dämonenglaubens ⲓ
39443Krankheit auf das
39444zurückzuführen, das
39445Religionen dahinscl
39446abhängiges sich zu
39447eigenen Kern und d
39448Überlieferung mehr
39449leblosen Fragmenteı
39450Jieferungen einer il
39451diese, bald jene heı
39452und Hoffnung getrie
39453zu finden oder an ⲓ
39454In diese Situatic
39455hat man gesagt, es !
page 1074
39456[73] V. Exorcismen. 109
39457heilen verkündete. Aber der Spott, in einzelnen Fällen berech-
39458tigt, fällt in der Hauptsache auf den Spötter zurück. Das Evan-
39459gelium hat die Krankheiten zur Reife gebracht, die es dann ge-
39460heilt hat. Es fand sie vor und hat sie durch seine eigene Mis-
39461sion gesteigert. Aber es hat sie auch geheilt, und die kühnste
39462Phantasie vermag sich kein Bild zu machen, was aus dem Reiche
39463des 3. Jahrhunderts, was aus der alten Welt geworden wäre ohne
39464die Kirche. Professoren wie Libanius oder wie seine Collegen
39465an der Hochschule zu Athen sind freilich unsterblich, und sie
39466können sich, wesentlich unverändert, in allen Jahrhunderten er-
39467halten; aber Völker leben nicht von der Kost der Rhetoren und
39468Philosophen. Das alte Rom hat beim Ausgang des 4. Jahrhun-
39469derts nur einen Symmachus besessen, der Osten nur einen
39470Synesius, aber Synesius wurde Christ.
39471Ich beabsichtige im Folgenden einige wichtige Nachrichten
39472über die Besessenheit und die Heilung von Besessenen, die uns
39473aus der alten Kirchengeschichte erhalten sind, ohne Commentar
39474zusammenzustellen. An einer Stelle werde ich ein Bild geben
39475von der Verbreitung und der Art des Dämonenglaubens. Tertullian
39476hat es gezeichnet; man thut nicht gut, an Tertullian vorüber-
39477zugehen. Um den Werth, welchen die Exorcismen für die älteste
39478Christenheit besassen, zu würdigen, muss man sich erinnern, dass
39479nach dem Glauben der Christen der Sohn Gottes in die Welt
39480gekommen ist, um den Satan und sein Reich zu bekämpfen. Die
39481Evangelisten, besonders Lucas, haben das Leben Jesu als unauf-
39482hörlichen Kampf gegen den Teufel geschildert. Im Marcus-Evan-
39483gelium heisst es (1,32), man habe viele Besessene zu Jesus ge-
39484bracht und er habe sie geheilt, indem er die Dämonen austrieb
39485(1, 34). „Er liess die Dämonen nicht reden; denn sie kannten
39486ihn“ (vgl. auch Luc. 4, 34. 41). Generell wird (1,39) erzählt:
39487„Er predigte in den Synagogen in ganz Galiläa und trieb die
39488Dämonen aus.“ Den zwölf Jüngern verlieh er bei der Aus-
39489sendung die Macht des Exorcismus (3, 15), die sie auch sofort
39490ausübten (6, 13; vgl. für die 70 Jünger Luc. 10, 17); aber die
39491jerusalemischen Schriftgelehrten sagen von ihm, dass er den
39492Beelzebul habe!) und die Dämonen durch den Obersten der
394931) Auch von Johannes dem Täufer hiess es, er sei besessen; 8.
39494Matth. 11, 18.
page 1075
39495(auch Stummheit,
39496zählung Matth. 1
39497dass schon bei Leb
39498ders autorisirt zu
39499Das hat Anlass zu
39500Johannes gegeben
39501Meister, wir sahen .
39502trieb, und wir wehr
39503Jesus aber antwortete
39504eine Kraftthat thut in
39505denn wer nicht wideı
39506seits giebt es nach ei
39507seinem Namen Teufel
39508(Matth. 7, 22). Von ı
39509war auch später noch
39510ausgetrieben hatte (Ma
39511thaten, mit denen al
39512zählte man nach dem
39513Exorcismus (16, 17) 27.
39514Als Dämonenbesc
39515Welt eingetreten, wie
39516kommen sei, um die
39517dem Beweise, den sie
39518führten, verwiesen sie
39519orcismne .--
page 1076
39520[75] V. Exorcismen. 111
39521stand dargelegt und auch die Beweise für die Wahrheit unserer
39522Sache, nämlich die Glaubwürdigkeit und das Alterthum
39523der göttlichen Schriften und zweitens das Geständniss
39524der dämonischen Mächte (für uns).“ Ein solches Gewicht
39525legte man auf die Thätigkeit der Exorcisten! !)
39526In den Paulusbriefen ?), in dem Briefe des Plinius und in
39527der Didache ist von ihnen allerdings nicht die Rede. Aber seit
39528der Zeit Justin’s ist die christliche Literatur angefüllt von den
39529Hinweisen auf die Dämonenbeschwörungen, und mindestens jede
39530grössere Gemeinde besass Exorcisten, die ursprünglich als be-
39531sonders begnadigte Menschen angesehen wurden, später aber
39532einen eigenen Stand in der niederen Hierarchie neben den Lec-
39533toren und Subdiakonen bildeten. Indem sie zu einem eigenen
39534Stande wurden, hörten sie auf, das zu sein, was sie früher ge-
39535wesen waren.?) Die Kirche zog eine feste Grenze zwischen
39536ihren Exorcisten, die im Namen Christi handelten, und den heid-
39537nischen Magiern, Zauberern u. dgl.‘) Dennoch vermochte sie
39538sich gegen gewinnsüchtige Schwindler nicht genügend zu schützen,
39539und manche ihrer Exorcisten waren ebenso zweideutige Leute,
39540wie ihre „Propheten“. Die hohe Schule religiöser Schwindeleien
39541war in Ägypten, worüber sowohl Lucian’s „Peregrinus Proteus“
395421) In dem pseudoclementinischen Brief „über die Jungfräulichkeit“
39543sind Schriftvorlesung, Exorcismus und Lehre als die wichtigsten religiösen
39544Functionen zusammengestellt (I, 10, ⲫ. Auch die interessante Polemik
39545II, 6, 3 ist gegen christliche Exorcisten gerichtet, die zu Spassmachern
39546herabgesunken waren.
395472) Doch ⲃ. Ephes. 6, 12; II Cor. 12, 7 u.8. w.
395483) Die Geschichte des Exorcismus (bei der Taufe und als selbständige
39549Handlung) und der Exorcisten ist viel zu umfangreich und zum Theil
39550noch zu wenig erforscht, um hier abgehandelt werden zu können. Von
39551den sog. Zauberpapyri, die in immer grösserer Anzahl auftauchen, ist noch
39552Manches zu erwarten. Insofern Exorcismus und Exorcisten in das öffent-
39553liche Leben der Kirche fielen, vgl. Probst, Sakramente und Sakramentalien
39554S. 39ff.; Kirchliche Disciplin S. 116ff.
395554) Vgl. die Apologeten, die Schrift des Origenes c. Celsum und die
39556Bestimmung in den Canones Hippolyti (Texte u. Untersuch. VI, 4 S. 83f.):
39557„Olwrıotng vel magus vel astrologus, hariolus, somniorum interpres,
39558praestigiator ...ⲩⲉⲓ qui phylacteria conficit ... hi omnes et qui sunt
39559similes his neque instruendi neque baptizandi sunt.“ Vgl. auch die Polemik
39560gegen die magischen Künste der Gnostiker.
page 1077
39561--ϫⲁ ⲙⲱ |
39562in Christo und ist
39563Suchen, die von bö
39564ⲉⲑⲃ ⲟϣⲉ] übı
39565worten, die vor Got
39566und Jan
39567Menschen als beredt
39568erscheinen, Solche N
39569ehre des Herrn, der
39570denn durch Fasten Ⲙⲡ
39571ⲓⲉ Anspannung des (
395721) Vopiscus, Saturn. 5; _
39573Samaritee un.
page 1078
39574177] V. Exorcismen. 113
39575eleganten, gelehrt zusammengestellten und wohldisponirten Reden,
39576sondern wie Menschen, die von Gott das Charisma der Heilung
39577erhalten haben, zuversichtlich, zum Lobe Gottes. Durch euer
39578Fasten und durch Flehen und beständige Nachtwachen und durch
39579die anderen guten Werke, die ihr thut, tödtet die Werke des
39580Fleisches durch die Kraft des heiligen Geistes. Wer so handelt.
39581der ist ein Tempel des heiligen Geistes Gottes; ein solcher möge
39582die Dämonen austreiben, und Gott wird ihm dabei helfen....
39583Der Herr hat befohlen: ‚Treibt die Dämonen aus‘, und hat die
39584Anweisung gegeben, auch sonst zu heilen, und dazu gesprochen:
39585‚Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es.‘ Ein
39586grosser Lohn von Gott wartet derer, die ⲃⲟ handeln, die da
39587dienen den Brüdern mit den Charismen, die ihnen vom Herrn ge-
39588schenkt sind.“
39589Justin schreibt (Apol. II, 6): „(Der Sohn Gottes ist Mensch
39590geworden zur Vernichtung der Dämonen.) Ihr könnt das er-
39591kennen aus dem, was unter euren eigenen Augen vorgeht. Denn
39592Viele von den Unsrigen, den Christen, haben eine grosse Anzahl
39593Besessener in der ganzen Welt und in eurer Stadt (Rom) durch
39594Beschwörung beim Namen Jesu Christi, des unter Pontius Pilatus
39595Gekreuzigten, geheilt, während sie von allen anderen Beschwörern
39596und Zauberern und Arzneimischern nicht geheilt worden waren;
39597sie heilen sie auch jetzt noch fort und fort, indem sie die Dä-
39598monen, von denen diese Menschen besessen sind, zu nichte
39599machen und austreiben.“ In seinem Dialoge gegen die Juden
39600(c. 85) schreibt derselbe Justin: „Jeder Dämon, der beschworen
39601wird bei dem Namen des Sohnes Gottes und des Erstgeborenen vor
39602aller Creatur, des durch eine Jungfrau Geborenen, des zum leidens-
39603fühigen Menschen Gewordenen und Gekreuzigten unter Pontius
39604Pilatus von eurem Volke, und Gestorbenen und von den Todten
39605Auferstandenen und zum Himmel Aufgestiegenen — bei diesem
39606Namen wird jeder Dämon besiegt und überwunden. Wenn ihr
39607aber bei allen Namen der Könige oder Gerechten oder Propheten
39608oder Patriarchen, die bei euch gewesen sind, Beschwörungen an-
39609stellt, so wird doch kein einziger Dämon überwunden werden...
39610Bereits bedienen sich eure Exoreisten, wie auch die Heiden, einer
39611besonderen Kunst und wenden Räucherwerk an und magische
39612Bande.“ Aus dieser Stelle geht hervor, dass die christlichen
39613Beschwörungsformeln die Hauptstücke der Geschichte Christi
39614Texte u. Untersuchungen VII, 4. 8
page 1079
39615ϫⲟⲉⲓ (ⲟⲕ Sin
39616Wunderthäter ⲓ
39617Gottes, Noch in
39618tum, was sie th
39619durch Magische '
39620als Nützend dene
39621denn Weder ⲕϩⲓ
39622Tauben das Gehö,
39623mit Ausnahme de
39624sie das vermögen.
39625sich Irenäus (8. a.
39626ihren Mitgliedern €
39627Schein Oder Irrthu
39628selhst, auch das Ar
39629Üben seine Währen
39630hähen, eine heilbrin
39631Menschen als, je na
39632halten haben, Denn
39633und Wahrhaftig; Oft
39634Von den hösen Geiste
39635nchmen und Glieder
39636ⲛⲥ] eine Vorkenntnis
39637Phetische Sprüche . ..
39638Nünygen, Welche in de
39639CMpfangend, im Nay
39640Ⲣⲟ..
page 1080
39641[79] ⲯ Exorcismen. 115
39642langen. Denn wie sie umsonst empfangen hat von Gott, so dient
39643sie auch damit umsonst.“
39644Die populäre Vorstellung der ältesten Christen, wie der
39645späteren Juden, war die, dass abgesehen von der zahllosen Menge
39646von Dämonen, die in der Natur und in der Geschichte ihr ver-
39647wegenes Spiel treiben, ein Jeder einen guten Engel zur Seite
39648hat, der über ihn wacht, und einen bösen Geist, der auf ihn
39649lauert.!) Lässt er sich von diesem leiten, so ist er eigentlich
39650schon „besessen“, d. h. die Sünde selbst ist „Besessenheit“. Die
39651sklavische Abhängigkeit, in welche der Mensch geräth, der sich
39652seinen Trieben überlässt, ist gut beobachtet, aber die Deutung
39653ist naiv. An dem Dämonenglauben, wie er die christliche Welt
39654im 2. und 3. Jahrhundert beherrscht hat, lassen sich leicht die
39655Züge nachweisen, die ihn zu einer reactionären, die Cultur be-
39656drohenden Erscheinung stempeln. Aber man darf doch nicht
39657vergessen, dass er in seinem Kern einen sittlichen und darum
39658auch einen geistigen Fortschritt barg: die Aufmerksamkeit auf
39659das Böse und die Erkenntniss der Macht der Sünde und ihrer
39660Herrschaft in der Welt, Desshalb hat auch ein so hochgebildeter
39661Geist wie Tertullian sich ganz dem Dämonenglauben hingegeben.
39662Es ist interessant zu sehen, wie sich in seiner ausführlichen Dar-
39663stellung desselben in dem Apologeticus die griechisch-römischen
39664und die jüdisch-christlichen Elemente verbunden haben. Ich
39665setze seine Ausführung vollständig hierher. Sie steht in dem
39666Zusammenhang des Nachweises, dass hinter den todten Götzen
39667aus Holz und Stein die Dämonen stecken, die aber, von den
39668Christen gezwungen, sich als das bekennen müssen, was sie sind,
39669nämlich als unreine Geister, nicht als Götter. An einigen Stellen
39670klingt schon der Ton der Ironie und des Spotts über diese
39671„armen Teufel“ an, der im Mittelalter so kräftig wurde, ohne
39672doch den Dämonenglauben zu erschüttern. Aber im Ganzen ist
39673die Darstellung höchst ernsthaft. Mit welchen Coefticienten das
39674alte Christenthum belastet gewesen ist, mögen die lernen, welche
39675heute träumen, sie besässen es, wenn sie nur einige alte
39676Glaubensformeln in Kraft erhielten?):
396771) S. z. B. den Hirten des Hermas.
396782) Neben Tertullian ist es der ältere Tatian gewesen, der in seiner
39679„Rede an die Griechen“ c. 7—18 die genaueste Darlegung der christlichen
39680Dämonenlehre gegeben hat. Die Dämonen haben das „Fatum‘“ eingeführt.
39681ⲩ.
page 1081
39682ϫⲉⲙⲧ — ruft |
39683Ist die Kunde ı
39684hat selbst Pla
39685Wesen stehen ;
39686ligen Schriften
39687Wissen Engeln,
39688verdorbeneres G
39689Gott Samt den
39690Wir (oben) den ]
39691INUSS es genügen
39692das Verderben C
39693arbeitete die Ⲕⲱ]
39694schen. Daher ve
39695höse Zufülle aller
39696Ordentliche, sie ge
39697kommt ihnen bei |
39698heit und Dünnheit.
39699entzogen, erschein.
39700aber im Effect sind
39701klärliches in der Lu
39702in der Blüthe heral
39703WickInng schädigt,
39704und den Polytheismus,
39705Menschen sind sie sicht!
39706Oder dach Nür Ⲙⲉ..
page 1082
39707[81] V. Exoroismen. 117
39708verdorbene Luft ihren pestbringenden Hauch herabschüttet. Mit
39709derselben Heimlichkeit der Ansteckung bewirkt die Anhauchung
39710der Dämonen und Engel auch mancherlei Verderben des Geistes
39711durch Raserei, Wahnsinn und hässliche oder schreckliche Lüste
39712mit verschiedenen Irrthümern, wovon der vornehmste jener
39713ist, dass sie den besessenen und gebundenen Menschenseelen
39714jene Götter empfehlen, um [auch] sich das beliebte, in Fett-
39715dampf und Blut bestehende Futter zu verschaffen, welches
39716den Götzenstatuen und -bildern dargebracht wird. Und welch’
39717eine ausgesuchtere Weide könnte es für sie geben, als dass sie
39718die Menschen durch falsche Vorspiegelungen von dem Gedanken
39719und der Erwägung der wahren Gottheit abbringen? Wie sie
39720diese Vorspiegelungen bewirken können, werde ich zeigen. Jeder
39721Geist ist beflügelt; so auch die Engel und Dämonen. Daher
39722sind sie im Augenblick überall. Die ganze Welt ist für sie ein
39723einziger Ort. Was und wo etwas geschieht, erfahren sie ebenso
39724schnell als sie es melden. Ihre Schnelligkeit hält man für Gött-
39725lichkeit, weil man ihr Wesen nicht kennt. Sich das zu Nutze
39726machend, wollen sie bisweilen auch als Urheber der Dinge
39727gelten, die sie nur ankündigen. In Bezug auf die schlimmen
39728sind sie es in der That manchmal, in Bezug auf die guten nie.
39729Sogar die Kenntniss der Dispositionen Gottes wissen sie zu er-
39730langen, in früherer Zeit aus den Reden der Propheten, jetzt aus
39731der Vorlesung der h. Schriften. Aus diesen Quellen erfahren sie
39732manches Zukünftige und ahmen nun die Gottheit nach, während
39733sie doch die Gabe, die Zukunft zu schauen, nur stehlen. Wie
39734verschlagen sie bei den Orakeln die zweideutige Rede auf den
39735möglichen doppelten Erfolg berechnen, davon wissen die Krösus’
39736und Pyrrhus’ zu erzählen .... Da sie in der Luft wohnen, in
39737der Nachbarschaft der Gestirne, und mit den Wolken in Ver-
39738bindung stehen, können sie sofort wissen, was sich dort vor-
39739bereitet, so dass sie den Segen, den sie schon fühlen, versprechen
39740können. Wohlthätig sind sie fürwahr auch in ihrer Sorge für
39741die Gesundheit! Sie schädigen nämlich zuerst, dann schreiben
39742sie Heilmittel vor, unerhörte oder gegentheilige, um das Wunder
39743zu markiren —, dann hören sie auf zu schädigen und gelten nun
39744als die Heilbringer. Was soll ich also noch über die anderen
39745Künste oderauch Fähigkeiten der betrügerischen Geisterwelt sagen ?
39746soll ich von den Trugbildern der Kastoren, von dem im Siebe
page 1083
39747rische Blendwerk
39748indem sie die hü
39749Dümonen zur Ver
39750sagen ist ja, Dank
39751-- wenn schon Ⲙ
39752die (Geisterwelt best
39753Rechnung mit alle.
39754schon einer fremdeı
39755die Engel und Däm:
39756bleibt da der Vorzu;
39757als jede andere Mac
39758würdiger, sie selhst |
39759machen, inden sie (£
39760an Götter hervorrufeı
39761monen und Engeln g
39762eine Ortsverschiedenh
39763„Götter“, die ihr aus
39764Doch keine weite
39765der Thatsache; wir we
39766(ieselbe Qualität habe
39767‚Jemanden auf, von Ϥ
39768besessen ist. Auf Ϥ
39769zu reden, wird jen:
39770Dämon wahrheitse
39771rn ⲓ
page 1084
39772183] V. Exorcismen. 119
39773Luft einziehend, die Gottheit aus dem Fettdampf in sich auf-
39774nehmen, welche durch Luftausstossung wieder zu sich kommen
39775(„ructando curantur“), welche mit keuchendem Athem weissagen.
39776Oder lasst die „himmlische Jungfrau“ selber kommen, die Regen-
39777verheisserin, ja den Askulap selbst, den Lehrer der Arzneien, der
39778Leute, die demnächst sterben werden, mit Scordium, Tenatium (?)
39779und Asclepiodotum bedient — wenn sie sich nicht als Dämonen
39780bekennen werden, weil sie nicht wagen einen Christen zu be-
39781lügen, so vergiesset vor dem Tribunal das Blut dieses unver-
39782schämtesten Christen! Was kann es entscheidenderes geben als
39783solch’ einen Versuch, was zuverlässigeres als diesen Beweis?
39784Die Wahrheit in schlichter Klarheit steht vor den Schranken;
39785nur ihre eigene Kraft steht ihr zur Seite; jeder Argwohn ist
39786ausgeschlossen. Behauptet ihr, dass Zauberei oder sonst eine
39787Betrügerei hier obwalte? ... Was kann man einwerfen gegen
39788das, was in unverhüllter Klarheit gezeigt wird? Wenn (jene
39789Dämonen) doch wahrhaft Götter sind, warum lügen sie (wenn
39790wir sie beschwören), dass sie Dämonen seien? Um uns zu will-
39791fahren? Dann aber wäre bereits das, was bei euch „Gott“ ist,
39792den Christen unterthan und hörte damit auf, Gottheit zu sein,
39793weil sie den Menschen untergeben ist.... Also ist das keine
39794Gottheit, woran ihr festhaltet, weil sie, wenn sie es wäre, weder
39795von den Dämonen, wenn sie Rede stehen, erheuchelt noch von
39796den Göttern abgeleugnet werden könnte .... KErkennt, dass es
39797nur eine Gattung giebt, nämlich Dämonen; auch die „Götter“
39798sind nichts anderes. Sucht also nach Göttern! die, welche ihr
39799dafür gehalten hattet, erkennt ihr nun als Dämonen!“
39800Tertullian sagt im Folgenden, dass die Dämonen, von
39801Christen befragt, nicht nur sich selbst als Dämonen bekennen,
39802sondern auch den Christengott als den wahren Gott. „Indem
39803sie Christus in Gott fürchten und Gott in Christus, müssen sie
39804sich den Dienern Gottes und Christi unterwerfen. Wenn wir
39805sie berühren und anblasen, so werden sie durch die Betrachtung
39806und Vergegenwärtigung des (zukünftigen) Feuers in Bestürzung
39807versetzt und verlassen auf’ unsern Befehl die Körper (der Kran-
39808ken), mit Unwillen und Schmerz und — wenn ihr zugegen seid
39809— voll Scham. Glaubet ihnen, wenn sie über sich selber die
39810Wahrheit sagen, die ihr ihnen glaubt, wenn sie lügen. Niemand
39811Jügt zu seiner eigenen Schande, sondern nur zu seiner Verherr-
page 1085
39812wıe Nichtsputzi
39813Trotz und fren
39814Welche sie füre]
39815Nähe flehen sie,
39816Sträflinge und
39817gefangener Knec
39818finden, los, Wohl
39819sich selbst nur Ⲓ
39820ⲛϭⲉ uns mit di
39821nicht besiegt, an
39822Arrend, was sie }
39823über Sie, als Wer
39824Glauben verdammt
39825In dem 7 Ca}
39826ZUSanmmen, den die
39827leisten: » Wenn Wil
39828borgenen, ⲉⲛⲉ Sep
39829fort VErwüstenden ϯ
39830monen -- ©
39831ütreissen,
39832Zahlung vertreiben »«
39833den Statthalter Sci]
39834nicht Nur, sondern
39835Tag und treiben sie.
39836ekannt ist 5 Die:
39837Weiten Kreisen ana.
page 1086
39838[83] V. Exorcismen. 121
39839psychisch Kranken gedauert haben. Leider ist darüber nichts
39840bekannt, und doch ist auf diesem Gebiete nichts häufiger als
39841ein augenblicklicher Erfolg.
39842Wie Tertullian, so hat auch Minucius Felix in seinem „Oc-
39843tavius“ dieses Thema abgehandelt, ⲍ. Th. mit denselben Worten
39844wie Tertullian (ec. 27)!). Der Apologet Theophilus (ad Autolyc.
39845II, 8) schreibt: „Die griechischen Dichter redeten, nicht von
39846einem reinen, sondern von einem Irr-Geist inspirirt. Dies erweist
39847sich deutlich daraus, dass auch Besessene manchmal und zwar
39848bis heute im Namen des wahren Gottes exorcisirt werden und dass
39849dann die Irrgeister selbst bekennen, sie seien Dämonen und
39850eben diese Dämonen, die früher in jenen Dichtern wirksam ge-
39851wesen.“ Hiernach ist anzunehmen, dass die Besessenen bei den
39852Exorcismen manchmal den Namen „Apollo“ oder den der Muse
39853ausgestossen haben Auch Cyprian spricht noch, um d. J. 250,
39854wie die Früheren, von den christlichen Dämonenheilungen (ad
39855Demetr. 15): „O0 wenn du die Dämonen hören und in jenen
39856Momenten sehen wolltest, wenn sie von uns beschworen, mit
39857geistlichen Geisseln gequält und durch folternde Worte aus den
39858besessenen Leibern ausgetrieben werden, wenn sie, mit mensch-
39859licher Stimme (!) heulend und ächzend und durch göttliche Macht
39860die, Geisselhiebe und Schläge empfindend, das kommende Gericht
39861bekennen müssen. Komm und sieh, dass es wahr ist, was wir
39862gen. Und weil du sagst, dass du so sehr die Götter verehrst, so
39863ⲟ doch wenigstens denen selbst, die du verehrst ... du wirst
39864Sehen, dass wir angefleht werden von denen, die du anflehst,
39865gefürchtet werden von denen, die du anbetest. Sehen wirst du,
39866wie diejenigen unter unserer Hand gebunden stehen und als Ge-
39867fangene zittern, zu denen du aufschaust und sie verehrst wie
39868VDespoten. Hier wirst du sicherlich in deinen Irrthümern zu
39869Schanden gemacht, wenn du siehst und hörst, wie deine Götter
39870auf unsere Frage sogleich kundthun, was sie sind, und selbst in
39871zu heilen, ϧⲟⲧⲉ ⲉ ol dauluoves ⲕⲟⲧⲟⲩ Evıdavtwv ⲕⲱ peUEOovTAL LoaOıy
39872ⲩⲁ̀ϩ ⲧⲟⲥ drodedwxitaUG E&avTOLG TO ⲑⲉϣ, did TILÖVTEG KÜTODE ⲡⲉϩⲟ ⲙⲟⲓ
39873PedyovaıV.
398741) „Adiurati (daemones) per deum verum et solum inviti miseris
39875corporibus inhorrescunt et vel exiliunt statim vel evanescunt gradatim,
39876prout fides patientis adiuvat aut gratias curantis adspirat. sic Christiano
39877de proximo fugitant, quos longe in coetibus per vos Jacessebant etc.“
39878-ϥ
page 1087
39879-ⲁⲉ ⲓ
39880und um herschwei
39881Von ihnen Besitz
39882zum Bekenntniss
39883ZU nöthigen, sie ⲓ
39884Krösserung ihrer |
39885ZU Peitschen und
39886Wenn man es nich
39887ist. die Strafpein.
39888haben ZU sein, nä
39889(bereits) seine Herr
39890Königlichem Recht ©
39891m interessant.
39892ZWischen Celsus und
39893dem hier streiten ⲝ
39894Ööhe der Bildung der
39895verdankten die Kraft
39896nnd Beschwörung ge
39897lediglich der Name ‚Je
39898welche die Kraft hab
39899kräftig sei der Jesusn:
39900Sittliche Menschen aus:
39901#laubten also an Däm
39902Kraft der AÄussprechun
39903auch sonst (ⲍ Ⲛ I, 34
39904„Namen wissenenn e
page 1088
39905[87] V. Exorcismen. 123
39906bei der man aber wohl zusehen müsse, dass man sie in der
39907richtigen Sprache recitirt. „Die einen sind besonders kräftig,
39908wenn sie ägyptisch gesprochen werden, bei gewissen Geistern,
39909deren Macht nur auf diese Dinge und Gebiete sich erstreckt; die
39910andern aber, wenn sie in der Sprache der Perser ausgesprochen
39911werden, bei anderen Geistern, und so weiter.“ „Zu dieser Namen-
39912wissenschaft gehört auch der Jesusname, welcher bereits unzäh-
39913lige Geister aus den Seelen und Leibern ausgetrieben hat und
39914kräftig gewesen ist in Bezug auf die, aus denen sie ausgetrieben
39915wurden“!). Auf die Thatsache des gelungenen Exorcismus be-
39916ruft sich Origenes noch mehrmals (I, 46. 67). Celsus leugnet sie
39917nicht, leugnet auch die „Wunder“ Jesu nicht, aber deutet sie
39918ganz anders: „Die Goeten versprechen noch viel wunderbarere
39919Dinge, und die in der Schule der Ägyptier ausgebildet worden
39920sind, führen das Gleiche aus, jene Leute, welche für wenige
39921Obolen auf den Märkten ihre Wunderweisheit losschlagen, Dä-
39922monen aus Besessenen austreiben, Krankheiten wegblasen, die
39923Geister der Heroen citiren, köstliche Speisen, Tische, Backwerk
39924und Delicatessen vorführen, ohne dass sie wirklich vorhanden
39925sind, und, wie wenn es lebendige Wesen wären, leblose Dinge
39926in Bewegung setzen, ihnen einen täuschenden Schein verleihend.
39927Wenn Einer solche Dinge vollbringen kann, müssen wir ihn
39928desshalb für „Gottes Sohn“ halten? müssen wir nicht vielmehr
39929sagen, dass diese Dinge nur Veranstaltungen schlechter, schlimmen
39930Dämonen ergebener Menschen sind?“ Die Christen Taschen-
39931spieler oder Zauberer oder Beides, Christus ebenfalls ein dämo-
39932nischer Zauberer — das ist die eigentliche Meinung des Celsus.?)
39933Origenes giebt sich viele Mühe, diesen schwersten Vorwurf zu
399341) Vgl. dazu die Aussage des Schülers des Origenes, des Bischofs
39935Dionysius von Alexandrien (bei Euseb., h. e. VII, 10, 4), über die Ursache
39936des Ausbruchs der valerianischen Verfolgung. Hier haben heidnische und
39937christliche Beschwörer sich gegenüber gestanden. Von diesen sagt Dio-
39938nysius: „Es giebt und gab unter ihnen Viele, die durch ihre blosse Gegen-
39939wart und ihren Blick, sowie schon durch Anblasen und durch ein Wort
39940die Blendwerke der bösen Geister zu zerstören vermögen.“ Auch sonst
39941sind lokale Christenverfolgungen so entstanden, dass die heidnischen
39942Priester erklärten, die anwesenden Christen verhinderten durch ihre Gegen-
39943wart die heilbringenden Opfer u. s. w.
399442) Über die gnostischen Dämonenbeschwörer hat er sich (VI, 39f.
39945noch besonders ausgesprochen.
page 1089
39946Gesundheit der Seele ist ⲡ︦
399471) Eine alte edessenische L
39948heilende Thätigkeit angeschlossen
399493. Jahrhunderte ihr Christenthum,
399502. Jahrhunderts erhalten hatten, a
39951bewahrten einen angeblichen Brie
39952und Jesus. Dieser Briefwechsel ist
39953Er ist eine naive Dichtung. Der:
39954„Abgar, Toparch von Edessa, entb
39955der Gegend von Jerusalem erschie
39956und Deinen Heilungen gehört, die :
39957Denn, wie erzählt wird, machst
39958reinigst Aussätzige, treibst unrein
39959welche von langwierigen Krankhe
39960Da ich nun alles dieses über Dich
39961Doppelte vor die Seele: entweder '
39962vom Himmel, thust Du dies, oder
39963thust. Desswegen schreibe ich nuı
39964kommen und das Leiden, welche:
39965auch gehört, dass die Juden wide
39966wollen. Ich habe eine sehr kleine
39967beide genügt.“ Darauf antwortet .
39968gläubig geworden bist, ohne mich |
39969mir geschrieben: Die mich gesehen
39970damit diejenigen, welche mich nic.
39971Was aber Deine Bitte zu Dir zu Ⲕⲥ
39972wozu ich gesandt bin, erfüllen und
39973der mich gesandt hat. Wenn icha
page 1090
399741] VI. Das Evangelium vom Heiland und von der Heilung. 127
39975Fels hatte sie Jesus aus dem Schiffbruch des Lebens gerettet. Weil
39976sie Gott als den Vater in dem Sohne erkannt haben, darum
39977wissen sie sich als geheilt. Sie schöpfen fortan aus einem nie
39978versiegenden Quell Gesundheit und wahres Leben.
39979„Ihr werdet zu mir dies Sprichwort sagen: ‚Arzt heile dich
39980selbst‘“ !) — er, der so Vielen half, schien selbst in eine immer hülf-
39981losere Lage zu kommen. Angefeindet, verleumdet, von den Oberen
39982seines Volks mit dem Tode bedroht, verfolgt in dem Namen des
39983Gottes, den er verkündigte, ging er dem Kreuze entgegen. Aber
39984eben dieses Kreuz offenbarte erst die ganze Tiefe und Kraft
39985seines Wirkens als Heiland. Es vollendete seinen Beruf, indem
39986es die Menschen lehrte, dass das Leiden des Gerechten das
39987Heil in der Geschichte ist.
39988„Fürwahr er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere
39989Schmerzen; durch seine Wunden sind wir geheilt“ — das war
39990die neue Erkenntniss, die vom Kreuze ausging?). Wie ein leben-
39991diger Strom Wassers ergoss sie sich auf die vertrockneten Men-
39992schenherzen und auf ihre dürre Moral. An die Stelle der ding-
39993lichen und statutarischen Moral trat die Anschauung eines
39994persönlichen, reinen und göttlichen Lebens, das sich im Dienste
39995an den Brüdern verzehrt und willig in den Tod gegeben hatte.
39996Diese Anschauung wurde das neue Lebensprincip; sie entwurzelte
39997das alte Leben, wie es zwischen Sünde und Moral hin- und her-
39998schwankte; aber sie liess ein neues Leben entstehen, welches
39999nichts anderes sein wollte als Nachfolge Christi, und welches
40000Kraft schöpfte aus seinem Leben. Die Jünger zogen hinaus, um
40001die Botschaft „Gottes des Heilandes“ zu verkündigen?), des Heilandes
40002und Arztes, dessen Person, Thun und Leiden die Heilung war.
40003Es war nicht augenblickliche überschwängliche Stimmung, son-
40004dern der sichere und ruhige Ausdruck des Bewusstseins, das ihn
40005stätig erfüllte, wenn Paulus den Galatern schrieb *): „Ich lebe —
40006doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was
40007ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des
40008Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich
40009dargegeben.“ In diesem Bewusstsein waren die ältesten christ-
400101) Luc, 4, 23.
400112) Vgl. I Petr. 2, 24: ⲧϣ uwiwnı ⲥⲧⲟ ⲑ ϥⲉ.
400123) Joh. 4, 42: oldauev ⲧⲓ ottos Lotıy CinNIGS ϭⲱⲧϩ TOT XOOLOV.
400134) Gal. 2, 20.
page 1091
40014zu sehen, wie noch bei dem €
400152. Jahrhunderts diese Auffassı
40016welche zur Feier anderer Ⲱ︦
40017Botschaft voraus: ‚Wer reine
40018(der komme herzu)‘, oder: ,
40019wer sich in seiner Seele keir
40020edles und gerechtes Leben g
40021das rufen die aus, welche Ent
40022Hören wir nun dagegen, was
40023‚Wer ein Sünder ist, ein Tho
40024ein Unglücksmensch — ihn
40025Den Sünder: damit meinen ⲃ
40026Einbrecher, den Giftmischer,
40027schänder. Wenn einer eine
40028er solche Leute herbeirufen!“
40029hat hier Celsus den principi
40030und der antiken Religion zur
400311) Orig. ⲥ. Cels. II, 59 f.
400322) Der Sinn ist, selbst zu ⲃ
40033Entsühnung handelt, werden nur
40034und gerecht gelebt haben.
400353) Origenes vertheidigt hier
40036ein Christ seine Einladung an die
40037ein Räuberhauptmann wendet, ⲃⲓ
40038thut es. um ihre Wunden mit. seir
page 1092
40039[93] VI. Das Evangelium vom Heiland und von der Heilung. 129
40040Aber die religiöse Stimmung, welche das Christenthum vor-
40041fand und welche sich im 2. und 3. Jahrhundert rapid entwickelte
40042und verbreitete, war nicht mehr die „antike“. Auch hier zeigt
40043es sich, dass die neue Religion erschien, „als die Zeit erfüllt
40044war“. Die heitere Naivetät der alten Religion war im Ab-
40045sterben; an ihre Stelle traten neue religiöse Bedürfnisse. Die
40046Philosophie hatte das Individuum entfesselt und den Menschen
40047im Bürger entdeckt. Der Austausch der Staaten und Nationen,
40048ihr Zusammenwachsen zu einem Weltreich, hatte den Kosmo-
40049politismus verwirklicht. Der Kosmopolitismus aber hat immer
40050den Individualismus zu seiner Kehrseite. Die verfeinerte ma-
40051terielle und geistige Cultur machte das Leid des Lebens empfind-
40052licher; die furchtbaren Calamitäten steigerten das Leid. Die
40053grössere Empfindlichkeit zeigte sich auch auf dem sittlichen Ge-
40054biet, und einige orientalische Religionen kamen dem entgegen.
40055Die Philosophie der Sokratiker mit ihren feinen ethischen Re-
40056flexionen verbreitete sich aus den Höhen der Denker in die
40057Niederungen des Volkes. Vor allem die Stoiker hatten es un-
40058ablässig mit der „Gesundheit und den Krankheiten der Seele“
40059zu thun und zwangen ihre praktische Philosophie in diese Grund-
40060form. Reinheit, Trost, Entsühnung, Heilung begehrte
40061man, und man begann sie in der Religion zu suchen, weil man
40062sie sonst nirgends fand. Man schaute nach neuen religiösen
40063Weihen aus, um sie zu gewinnen. Beweise für diese veränderte
40064religiöse Stimmung bieten die Werke des Seneca, des Epiktet
40065und vieler Anderer. Aber ein noch viel stärkerer Beweis liegt
40066in dem Aufschwung, den der Cult des Äskulap in der Kaiserzeit
40067gewonnen hat. Bereits im J. 290 v. Chr. war auf den Rath der
40068Sibyllinischen Bücher der Äskulap von Epidaurus nach Rom ge-
40069holt worden. Auf der Tiberinsel hat er sein Heiligthum er-
40070halten; daneben stand, wie bei den zahlreichen Asklepieen der
40071Griechen, eine Heilanstalt, in welcher die Kranken im Schlaf die
40072Anweisungen des Gottes erwarteten. Griechische Ärzte folgten
40073hätte und den Leuten es verübelte, wenn sie sagten, ein wohlwollender
40074und gnädiger (gılavdownöt«TOS, Beiwort des Äskulap) König habe in
40075eine Stadt seinen Arzt gesendet der Personen wegen, die in derselben
40076krank lägen. Gott das Wort ist demnach als Arzt für die Sünder gesandt
40077worden, als Lehrer der göttlichen Geheimnisse aber für die, welche he-
40078reits rein sind und nicht mehr sündigen‘“ (III, 61).
40079Texte u. Untersuchungen VII, 4. 9
page 1093
40080die Römer selbst immer ⲡⲟⲓ
40081und beurtheilten sie wie ei
40082griechische Ärzte waren auc
40083des Äskulap, des „deus clini
40084sich über den ganzen Wester
40085mit dem Cultus des Serapis
40086Seite und untergeordnet der
40087Telesphorus und Somnus. Di
40088heilenden Gottes immer mel
40089hin, zu dem Gott, der in alle
40090freunde“ (gilardowrötAatTOS.
40091nach Rettung und Heilung
40092Ansehen des Gottes. Er gel
40093dem Christenthum am läng
40094Darum begegnet er auch i
40095nicht selten. In der zweiter
40096und im dritten war der Äsk
40097Man reiste zu den berühmten
40098heute in die Bäder reist; maı
40099des Leibes und der Seele; man b
40100reichsten Geschenke; man w
40101Inschriften und Bildwerke bez
40102Göttern stellte man die heil
40103Mittelpunkt. Zeus selbst und
40104Auch sie wurden „Heilande“.
page 1094
40105[95] VI Das Evangelium vom Heiland und von der Heilung. 131
40106grosse Streitschrift des Origenes gegen Celsus, so gewahrt man
40107leicht, dass ein Hauptstreitpunkt zwischen den beiden bedeutenden
40108Männern der war, ob Jesus der rechte Heiland sei oder Äskulap.
40109Celsus tritt ebenso lebhaft und wundergläubig für diesen ein,
40110wie Origenes für jenen. Dabei ist die Mischung schlimmsten
40111Aberglaubens mit verständiger Kritik, wie sie sich bei beiden
40112findet, heute für uns ein Räthsel. Wir können uns den geistigen
40113Zustand, in welchem sich jene Männer befanden, kaum mehr
40114vorstellen. L. ⲠⲒ, 3 bemerkt Origenes: „Es geschahen überall
40115oder doch an vielen Orten Wunder. Celsus selbst giebt in
40116seinem Buche an, dass Äskulap Krankheiten geheilt und künftige
40117Dinge offenbart hat in allen Städten, die ihm geweiht waren,
40118wie in Trikka, Epidaurus, Kos und Pergamum.“ Nach III, 22
40119macht es Celsus den Christen zum Vorwurf, dass sie sich nicht
40120entschliessen können, den Äskulap, weil er zuvor Mensch gewesen,
40121Gott zu nennen. Origenes erwidert, dass Äskulap nach der
40122griechischen Überlieferung von Zeus mit dem Blitz getödtet
40123worden sei, Celsus behauptet (III, 24) als glaubwürdig, dass
40124eine grosse Auzahl von Griechen und Barbaren den Askulap
40125gesehen haben und noch sehen, ihn selbst und nicht ein blosses
40126Trugbild von ihm, wie er Krankheiten heilt und Wohlthaten
40127spendet, dass aber die Jünger Jesu nur einen Schatten gesehen
40128hätten. Origenes ist darüber sehr empört; aber seine Gegen-
40129beweise sind schwach. Auch auf die zahllose Menge von Griechen
40130und Barbaren, die an Äskulap glauben, beruft sich Celsus. Ori-
40131genes verweist auf die grosse Anzahl von Christen (l. c.), auf
40132die Wahrheit der h. Schriften und auf die gelungenen Kranken-
40133heilungen im Namen Jesu. Dann aber ändert er plötzlich seine
40134Vertheidigung und schreibt (III, 25) in höchst verständiger Über-
40135Jegung: „Wollte ich aber auch zugeben, dass ein Dämon,
40136Äskulap mit Namen, die Macht habe, körperliche Krankheiten
40137zu heilen, so könnte ich doch denjenigen, welche dieses Heilen
40138oder das Weissagen des Apollo mit Staunen erfüllt, die Be-
40139merkung machen, dass diese Kraft der Krankenheilungen an sich
40140weder gut noch böse ist, dass sie eine Sache ist, die nicht bloss
40141Rechtschaffenen, sondern auch den Gottlosen zu Theil wird, dess-
40142gleichen dass, wer die Zukunft kennt, damit nicht sofort ein
40143braver und wackerer Mann ist... Man wird nicht im Stande
40144sein, die Tugendhaftigkeit derer zu erweisen, die Kranke heilen
401459*
page 1095
40146ⲉ̅ Askulap ⲉ
40147nach „Heilung“
40148In diese hı
40149ein. Dass sie H
40150Eigenschaft alle
40151hat ihren Sieg bı
40152legene Philosoph
40153erträumten Äsku
40154sie gestaltete si
40155„als die Mediei:
40156estimmt aus?)
40157Sorge für die ].
40158Pflichten. Beide
40159ans einer unüberse
40160Zunächst die T
40161“ingepflanzten Rege
40162ⲉⲃ Setzte demgemä:
40163Normalen Zustande
40164Es steht und fällt
40165Medicinische Religio
40166Zestaltungen auch ⲉ
40167sich Menschen krank
40168diesen Charakter uns
40169’hristus als Sterbend:
40170ihm haben die yielar
page 1096
40171[97] VI. Das Evangelium vom Heiland und von der Heilung. 133
40172ist dem Tode verfallen, und zwar von ihrer Geburt an. Das
40173ganze Geschlecht liegt im Sterben. Jetzt aber ist die „Güte
40174und Menschenfreundlichkeit Gottes des Heilandes“ erschienen
40175und erneuert die kranke Seele!). So wurde die Taufe als ein
40176Bad zur Wiederherstellung der Gesundheit der Seele, zur „Er-
40177Jangung des Lebens“ aufgefasst?); so galt das Abendmahl als
40178das „Pharmakon der Unsterblichkeit“ 3); so heisst die Busse „vera
40179de satisfactione medicina“ *). Bei der Feier wurde für das „Leben“
40180gedankt, welches nun geschenkt ist°). Der Begriff des „Lebens“
40181erhielt eine neue, vertiefte Bedeutung. Schon Jesus selbst hatte
40182von einem „Leben“ gesprochen, dem der Tod nichts anzuhaben
40183vermag, ja das man gewinnt, indem man das irdische Leben
40184opfert. Paulus und der vierte Evangelist haben die Anschauung
40185und das Wort aufgenommen und sie zum Inbegriff aller Güter der
40186Religion ausgestaltet. Der Noth, dem Elend, der Sünde, dem
40187Tode gegenüber gab sich die neue Religion als die Botschaft
40188von der Unsterblichkeit. Das verstand die Heidenwelt. Sie ver-
40189stand es, wenn ihr verheissen wurde, sie sollte selig und unsterb-
40190lich werden, wie die seligen Götter. Aber nicht Wenige ver-
40191standen auch das Recht der Bedingung, dass man sich der Kur
40192der Religion zu unterwerfen habe, dass die Seele erst rein und
40193heilig sein müsse, bevor sie unsterblich werden könne. So er-
40194griffen sie die Botschaft von dem grossen Arzte, der „Enthaltung“
40195predigt und „Leben“ verleiht 5). Wer einen Strahl von der Kraft
40196und Herrlichkeit des neuen Lebens empfangen hatte, der beur-
40197theilte sein bisheriges Leben als Blindheit, Krankheit und Sterben.
40198Die apostolischen Väter und die Apologeten bezeugen diese Auf-
40199fassung. „Das Licht hat er uns geschenkt, wie ein Vater hat
402001) Ⲧⲛ. 3,4: % XxonotöTNG ϫⲁ) ϯ Pıkavdowrla Enepavn ⲧⲟⲩ GwWTIHEOS
40201ⲡ̈ⲙⲱ̃ⲩ Ⲑⲉⲟⲩ... Eowoev ϥⲕⲡ︦ϩ. ⲃ. das N. T. sub ϭⲱⲧc.
402022) Tertullian, de bapt. 1 u. viele a. Stellen. Clemens, Paedag. I, 6, 29
40203nennt die Taufe „Maıwrvıov papuaxor‘“, Tertull. „aqua medicinalis‘,
402043) Ignatius, Justin, Irenäus.
402054) Cypr., de lapsis 15.
402065) Didache 9. 10.
402076) Clemens Alex. beginnt seinen Pädagog damit, dass er den Logos
40208‘als den Arzt bezeichnet, welcher die Leidenschaften heilt (I, 1, 1: ⲧⲁ
40209ⲡⲃ d ⲡⲥⲟⲁⲙⲱⲑⲓϫⲭⲟϩ A6yos läraı). Er unterscheidet den i6yos ⲡϩⲟⲧϩⲉ‐
40210nTIXOG, Örodertıxös und zapAaLVÄixiS; dazu kommt noch der dıdaxtıX66.
40211Der Logos aber ist Christus.
page 1097
40212unsterblich seien“
40213gewiss einen Wii
40214wäre; aber dem b
40215Glaubens der Chri
40216handen gekommen
40217Die Gesundhe:
40218aber es muss inne.
40219fahr, dass die das |
40220möglichen Mysterier
40221wie man eine Sache
40222wie bald die Kirche
40223Mysterienwesen verfa
40224gepflanzte Element «
40225Seele, dass es sich :
40226schlechten Sacramen!
40227Seelenheilkunde }
40228matischen und cultis
40229diesen Zweck. Sie g
40230anstalt, als das Lazare
40231Häretiker sind die K
40232lungen sind die Arzn
40233Ärzte, aber als solck
40234Seelen ?). Ich greife
page 1098
40235[99] VI. Das Evangelium vom Heiland und von der Heilung. 15
40236Leibes die Gesundheit ist, so ist das Gut der Seele die Erkennt-
40237niss Gottes“, sagt Justin !). „Solange wir noch Frist haben für
40238(unsere) Heilung, wollen wir uns dem Gott, der da heilt, über-
40239geben, und ihm als Bezahlung lautere Bussgesinnung weihen“ ?),
40240„Jesus hat wie ein trefflicher Arzt um der Heilung der Kranken
40241willen Abschreckendes untersucht und Ekelhaftes berührt, bei
40242fremden Leiden selbst Schmerz empfunden und uns, die wir nicht
40243nur krank waren, nicht nur an schrecklichen Geschwüren und
40244eiternden Wunden litten, sondern bereits unter den Todten lagen,
40245aus den Abgründen des Todes durch sich selbst errettet...
40246er, der Lebenspender, der Lichtspender, unser grosser Arzt),
40247König und Herr, der Christus Gottes“ ). „Der Arzt kann dem
40248Origenes: „Welches sind denn die Ärzte, von denen wir die Einfältigen
40249fern halten?‘ Er zeigt dann, dass es die Philosophen nicht sein können,
40250noch weniger die, welche noch in dem rohen Aberglauben des Polytheis-
40251mus befangen sind‘ (ILT, 74).
402521) Fragm. IX, Otto, Corp. Apol. III p. 258. Vgl. dazu den schönen
40253Wunsch im Anfang des 3. Johannesbriefs: ⲡⲉ ⲡ︦ϧⲅⲱⲩ ⲉ̀ⲭⲟⲙⲥl ϭⲉ ⲉ-
40254oda xal öyıalveıry, ϫⲑⲱϩ Eodotrtal cov Yvyn.
402552) II Clem. ad Cor. 9.
402563) Vgl. ep. ad Diogn. 9, 6. Pseudojustin, de resurr. 10: „Unser
40257Arzt, Jesus Christus‘. Clemens, Paedag. I, 2, 6: „Der Logos des Vaters ist
40258der einzige Päonische Arzt für die menschlichen Schwächen und der hei-
40259lige Zauberer (ⲉ︦)ⲓⲟϩ &mpdög) für die kranke Seele“ (folgt Ps. 86, 2. 3).
40260„Die Heilkunst kurirt nach Demokrit die Krankheiten des Körpers, die
40261Weisheit aber befreit die Seelen von den Leidenschaften. Der gute Päda-
40262gog aber, die Weisheit, der Logos des Vaters, der Schöpfer des Menschen,
40263kümmert sich um das ganze Gebilde und heilt es nach Leib und Seele,
40264er, ö nxavapxKNS ⲧⲡ̄ⲥ dvFowWNOTHTOS lutods ϭⲱⲅⲟ*. Folgt Mre. 2, 11.
40265ⲃ︦. auch I, 6, 36 u. I, 12, 100: „Desshalb heisst auch der Logos „Heiland“;
40266denn er hat für die Menschen geistige Arzneien erfunden zum Wohl-
40267befinden und zum Heil; er bewahrt die Gesundheit, er deckt die Schäden
40268auf, er bezeichnet die Ursachen der Leidenschaften, er amputirt die Wur-
40269zeln unvernünftiger Begierden, er schreibt Diät vor, er verordnet alle
40270heilsamen Gegengifte für die Kranken. Denn das ist das grösste und
40271wahrhaft königliche Werk Gottes: die Rettung der Menschheit. Dem
40272Arzt, der keinen Rath für die Gesundheit giebt, zürnen die Kranken, wie
40273aber sollten wir nicht dem göttlichen Erzieher Dank sagen u. ⲃ. w.“
402744) Euseb., h. e. X, 4, 11, vgl. auch die Bezeichnung der Bibel bei
40275Aphraates „die Bücher des weisen Arztes“. Vgl. Cyprian, de op. 1:
40276„Christus ist verwundet worden um unsere Wunden zu heilen... Als
40277der Herr bei seiner Ankunft jene Wunde, die Adam verursacht, geheilt
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40278wurden wir etwas Ungere
40279dass die Heilwissenschaft €
40280der Krankheit lehrt, so ist
40281die Sünde getroffen wird“?
40282Von den Häretikern }
40283(2, 17), dass ihre Rede wie
40284Wort ist sehr häufig wieder
40285„Ihr Gespräch steckt an wie ı
40286heilen“, sagt Ignatius*), „elı
40287unseren Herrn.“ Den häreti
40288richtige Lehre schon in den
40289Am häufigsten aber wi
40290verfahren verglichen: „Nicl
40291selben Pflaster geheilt; die
40292hatte u. ⲃ. w.“ Bei Cyprian sinc
40293genommenen Bilder sehr häufig;
40294laps, 14. 34.
402951) Athenag., de resurr. 1.
402962) Origenes gegen die Antin
40297T. VI p. 195. Ahnlich Clemens,
40298Kranken nicht böse ist, der ihm
40299der Arzt ist nicht der Urheber de
40300(ⲟ a«ltı0s, did” ⲉ̃ⲗⲉⲩⲭⲟϩ) —, ⲃⲟ
40301Seele leidet, nicht übelwollend.“ ϯ
40302„Wie wir nun einen Arzt nicht
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40303[101] VI Das Evangelium vom Heiland und von der Heilung. 17
40304Umschläge“, heisst es bei demselben Ignatius!). „Die Heilung
40305der Leidenschaften‘, sagt Clemens im Eingang des „Pädagog“,
40306‚bewirkt der Logos durch Zureden; er kräftigt die Seelen mit
40307milden Gesetzen wie mit mildernden Arzneien?) und disponirt
40308die Kranken zur vollen Erkenntniss der Wahrheit.“ „Lasset uns
40309das Verfahren der Ärzte (bei Ausübung der Sittenzucht) anwenden“,
40310sagt Origenes%); „wenn trotz der Behandlung mit Öl, der Pflaster
40311und erweichender Umschläge die Härte der Geschwulst nicht
40312nachgiebt, bleibt nur noch das Mittel übrig — zu schneiden.“
40313Auf den Einwurf bussscheuer Christen, die behaupteten, das
40314öffentliche Schuldbekenntniss sammt der Bussleistung beleidige
40315das Ehrgefühl und sei jämmerlich, erwidert Tertulliani): „Nein
40316— durch die Sünde geräth man in die Jämmerlichkeit; wo es
40317aber zur Busse kommt, da hört das Jämmerliche auf, weil das
40318Heilsame eintritt. Jämmerlich ist es auch, sich schneiden, mit
40319dem Eisen ausbrennen und durch ein ätzendes Pulver peinigen
40320zu lassen; allein bei den Heilmitteln, die unter Schmerzen Hei-
40321lung bewirken, dient der Vortheil der Heilung zur Entschul-
40322digung der Unbill.“ Mit ihm stimmt Cyprian überein, wenn er
40323schreibt®): „Der Priester des Herrn muss heilsame Mittel brau-
40324chen®). Unerfahren ist der Arzt, der angeschwollene Wund-
40325beulen mit schonender Hand berührt und das tief in den inneren
40326Theilen eingeschlossene Gift sich vermehren lässt, indem er es
403271) Ad Polyc. 2. Die Stelle ist allegorisch zu verstehen und richtet
40328sich an den Bischof Polykarp, der schon c. 1 ermahnt worden war: „Trage
40329die Krankheiten Aller.‘ Mit Sanftmuth und Weisheit soll der Bischof
40330gegen die Irrenden und geistlich Kranken verfahren. Die Mahnung kehrt
40331in der Form, in die sie lgnatius gekleidet hat, in der späteren Literatur
40332sehr oft wieder, ⲃ. die gelehrte Note von Lightfoot. Clem., Alex., Fragm.
40333(Dindorf III p. 499): „Mit einem Pflaster wirst du dich selbst und den
40334Nächsten (der dich verleumdet) heilen (wenn du der Verleumdung sanft-
40335müthig begegnest).‘‘ Clem. Homil. X, 18: „Man muss das Pflaster nicht
40336auf das gesunde Glied des Körpers legen, sondern auf das leidende. Hermes
40337Trismeg., Ϥⲉ for. xvi.p.331: „Brauche nicht (immer) das nämliche Pflaster.“
403382) I, 1,3: ⲡⲓϭ ⲫⲉⲟⲙⲥⲗϭ, ⲃ. Homer.
403393) In 1. Jesu Nave VII, 6 Lomm. XI, p. 71.
403404) De poenit. 1
403415) De lapsis 14.
40342ⲃ) Vgl. Pseudoclem. ep. ad Jacob. 2: „Der Vorsitzende (der Biachof)
40343muss (in der Gemeinde) wie ein Arzt walten und darf nicht heftig wie
40344ein unvernünftiges Thier sein.“
page 1101
40345ⲛⲛⲙ ⲙⲙⲁⲙⲟⲱⲙⲙⲱ UL ⲁⲙⲱⲱⲱⲙⲙϧ ⲛⲁ ⲁⲙⲙⲁ
40346dich nicht auf Schneiden und
40347austrocknender Streupulver, :
40348zeug und Charpie, gieb mil
40349spende Trostworte als milder
40350Wunde tief und hohl ist, so
40351sich wieder fülle und dem ⲓ
40352Wenn sie aber eitert, dann re
40353einer Strafrede; wenn sie sic]
40354grössert, so mache sie mit sch
40355drohung des Gerichts; wenn s
40356sie mit Eisen und schneide ϥ
40357durch Auferlegen von Fasten
40358funden, dass von Fuss bis ϫ
40359aufzulegen ist, weder Öl noch
40360um sich greift und jedem He
40361der Krebs jegliches Glied in I
40362mit vieler Umsicht und nach ϭ
40363erfahrenen Ärzten das faule (
40364Leib der Kirche verdorben we
40365Schneiden bereit und nicht sı
40366gezähnte Säge, sondern brauch
40367die Abscesse, damit durch En!
40368sache der Krankheit der Körpe
40369Triffst du aber einen Unbussf
40370Ⲕⲁ.. ⲇ.. ⲀϤ. ...-. ⲇ. ...2. 2Ⲅ- --
page 1102
40371[103] VI. Das Evangelium vom Heiland und von der Heilung. 139
40372Man kann nicht leugnen, dass diese fortgesetzte Aufmerk-
40373samkeit auf die „Krankheiten“ der Sünde auch schlimme Folgen
40374hatte. Nicht nur der ästhetische Sinn stumpfte sich ab!), son-
40375dern auch der sittlich-thätige. Man muss die Menschen auf das
40376Gesunde, die edle That, lenken, wenn man sie bessern will; das
40377fortgesetzte Reden über Sünde und Vergebung übt eine narko-
40378tische Wirkung aus. Mindestens muss der Pädagoge abwechseln
40379zwischen dem Hinweis auf die Vergangenheit (die Schuld, die
40380sittliche Gebundenheit) und dem Ausblick auf die Zukunft (das
40381zu erstrebende Ziel und die Anspannung der Kräfte). Die
40382Theologen der alexandrinischen Kirche hatten für Letzteres einen
40383Sinn. Aber indem sie das Bild des vollkommenen Christen
40384zeichneten, des wahren Gnostikers, legten sie in einseitiger Weise
40385Werth auf das Wissen und die richtige Erkenntniss. Sie
40386hatten sich nicht völlig von dem sokratischen Irrthum losgemacht,
40387dass der wissende Mensch auch immer der gute sei. Zwar
40388haben sie den Wissensdünkel der „Gebildeten“ auf dem Boden
40389der Religion und Sittlichkeit überwunden. In der Schrift des
40390Origenes gegen Celsus finden sich vortreffliche Abschnitte dar-
40391über, dass auch der ungebildete Mensch Gesundheit der Seele
40392erlangen muss und kann, dass allem zuvor Heilung von Sünde
40393und Kraftlosigkeit nöthig ist?), und er trifft den Nagel auf den
40394der Seelen; diese sind Abscesse an der Wahrheit; man muss sie durch
40395den Schnitt des Tadels öffnen. Der Tadel gleicht einer Arznei, die die
40396verhärteten Beulen der Leidenschaften auflöst und das Hässliche des
40397wollüstigen Lebens reinigt, dazu die Hypersarkosen des Hochmuths ab-
40398trägt und den Menschen wieder gesund und wahr macht.“ Vgl. I, 9, 83.
40399Methodius, Opp. I, p. 115 ed. Bonwetsch.
404001) An dieser Folge hat namentlich der Kaiser Julian Anstoss ge-
40401nommen — und mit Recht. Es war in der Kirche eine Ästhetik des
40402Hässlichen aufgekommen als Protest gegen die Sinnlichkeit des Heiden-
40403thumse. Krankheit, Tod und die Reste des Todes, Moder und Gebeine,
40404wurden der Gesundheit und dem Schönen vorgezogen. Die Übersinnlich-
40405keit des Christenthums suchte sich einen Ausdruck zu geben in den häss-
40406lichen Fragmenten des abgestorbenen Sinnlichen. Wie weit von diesem
40407Raffßnement einer sublimen Frömmigkeit war der entfernt, der auf die
40408Schönheit der Lilien auf dem Felde hingewiesen hatte! Die Christen des
404093. u. 4. Jahrhunderts fingen wirklich an, die Krankheit für gesund und
40410den Tod für das Leben zu erklären.
404112) C. Cels. III, 53: „Wir heilen mit der Arznei unserer Glaubens-
40412lehre jedes vernünftige Wesen.‘
page 1103
40413Bildung alles Geschicht.
40414unnöthig wird, wie deı
40415Auf der höchsten Stufe
40416keines „Heilandes“, alsc
404172) Eine sehr feine Au
40418reden muss, dass die Menge
40419und beherzigen kann, finde
40420an, die gesund ist und im S
40421ken, aber auf eine Weise zul
40422gewürzt, dass sie dem Gesc
40423Dinge nicht gewöhnt sind,
40424nicht zusagt, sondern nur
40425Man nehme ferner an, diese
40426die Feinschmecker es lieben,
40427die überwiegende Mehrzahl
40428folge die auf die eine Art zube
40429wohl bekommt, von den Anc
40430im Gegentheil, auf die ander:
40431und Stärke giebt: von welche:
40432dass sie dem öffentlichen Wohl
40433die sich nur den Vornehmen,
40434als nützlich erweist? Nehme:
40435und nahrhaft, mag sie nun
40436ⲃⲟ ist es doch klar und auge:
40437Sorgfult für das allgemeine
40438der Vielen die Gesundheit geb
40439der dieses nur bei Wanigen
page 1104
40440[195] VI. Das Evangelium vom Heiland und von der Heilung. 141
40441mehr. „Selig“, ruft er aus!), „sind Diejenigen, die, indem sie den
40442Sohn Gottes brauchten, so geworden ‚sind, dass sie ihn nicht
40443mehr als den Arzt nöthig haben, der die Kranken heilt, noch
40444als den Hirten, noch eine Erlösung bedürfen, sondern nur Weis-
40445heit, Vernunft und Gerechtigkeit.“ Ganz scharf scheidet er in der
40446Schrift gegen Celsus (II, 61 f.) zwischen zwei Zwecken und Gütern
40447der christlichen Religion, einem niederen und einem höheren.
40448„Nicht zu den Mysterien und zur Theilnahme an der Weisheit,
40449die im Geheimniss verborgen liegt, rufen wir den Ungerechten,
40450den Dieb, den Einbrecher u. s. w., sondern zur Heilung. Denn
40451ein Doppeltes bietet unsere göttliche Lehre. Sie reicht dem
40452Kranken Heilmittel dar und darauf bezieht sich das Wort:
40453‚Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken‘,
40454und sie eröffnet denen, die rein an der Seele und am Leibe sind,
40455das Geheimniss, das seit ewigen Zeiten verschwiegen war, nun
40456aber durch die prophetischen Schriften offenbart worden ist und
40457durch die Erscheinung unseres Herrn Jesu Christi... Gott das
40458Wort ist demnach als Arzt gesendet worden für die Sünder, als
40459Lehrer der göttlichen Geheimnisse aber für die, welche bereits
40460rein sind und nicht mehr sündigen?)“.
40461Origenes verbindet also den altchristlichen und den philo-
40462sophischen Religionsbegriff. Er erhebt sich damit auch über
40463die pessimistische Romantik, welche als Gefahr jenem Religions-
40464begriff drohte. Aber nur unter den Gebildeten konnte er Nach-
40465folger finden. Das christliche Volk hielt an Jesus, dem Hei-
40466Jlande, fest. Aber das lässt sich bisher nicht erweisen, dass der
40467für uns im fünften (vielleicht schon im vierten) Jahrhundert auf-
40468tauchende Christustypus, der dann in den bildlichen Darstellungen
40469der herrschende geworden ist, dem Typus des Äskulap nach-
404701) Comm. in Joh. I, 22 T. I, p. 43 Lomm.
404712) Ebenso Clemens Alex., Paed. I, 1, 3: Ϩⲟ. 00x ⲉⲟⲥ ⲩⲉⲓ ϫⲁⲓ
40472ϩⲩⲱ̄ϭⲓϩ, ⲉⲗ 4 ⲕ uadnoEı, db iⲥ︦ϭⲉⲓ NEQYLVETAL. ⲟⲓ̈ϫ ⲉⲩ ⲟ ⲧⲓⲥ ϧⲟϭⲱⲩ
40473ⲉⲧⲓ ⲡⲣⲟⲧⲉ ⲅⲓ ⲧⲱ) dıdanoxahıxdv Exuddoı ⲡⲣ) N ⲧⲉⲗⲉⲟⲩ ⲭⲓ︦ⲩϭⲓ. ⲟⲓ
40474ⲗⲉ GIKUTWS ⲡⲣⲟⲩϩ TOLG MAVICKVOVTAG N KXAUVOPTAG del ⲧⲱ NAQAYYELLUTUV
40475Exauotor ⲗⲉⲧ⳪ⲓ, ⲉⲗ ⲡϩⲟϩ ⲟϩ ⲙⲉ ⲉϩ yvaAoıy, ⲡⲣⲟϩ ⲟϩ db Ele ϭ.
40476ϫⲑⲉⲡⲉⲣ ⲟ̀ ⲧⲟⲥ ϧⲟϭⲟⲓ︦ϭⲓ TO GOUA ̈ⲟⲧϩⲟ ⲭⲟⲉ, TAUTY ϫⲁ ⲧⲟⲓ̄ϩ ⲉ̀ϭⲑⲉ‐
40477votoı ⲧⲓ ϣⲱϯ ⲡϭⲓϧⲟⲩⲱⲩⲟϭ del, ϥⲕⲱ Ikontuı ⲧⲉ naddn, ⲉⲓ̈ⲧ ⲟ
40478ϫⲁ) dıduoxdlov, ⲟϩ ϫⲉϥⲩϭⲉⲧϭⲓ ⲡⲟⲟϩ Xadapkv ⲩⲩⲱ̀ϭⲉⲱϩ ⲉ̀ⲡⲓⲧϥⲉⲓϧⲧϥⲧⲁ
40479ⲉⲧⲟⲉⲡⲓⲥⲱⲩ ⲧ YUAHV, ⲱⲙ ⲭⲱⲣⲡ̄ϭϭⲓ TV ⲉ̀ⲡⲟϫⲥ̃ⲗⲱϣⲯⲓ ⲧⲟⲟ ⲗⲟⲩ.
page 1105
40480ⲥⲙⲏ für sie
40481der Stadt Paneas
40482Bild Jesu galt,
40483erzählt uns nämli
40484gesehen, Welches
40485Dankbarkeit habe
40486Basis bei der Tht
40487auf die Kniee geb:
40488gegenüber steht
40489rechtstehenden Mar
40490geschlagenen Mant.
40491streckt. Zu seinen
40492Pflanze empor, die
40493und ein Heilmittel
40494Mannesgestalt nun
40495ⲉⲝ nicht, dass ehema
40496empfangen hatten, si
40497dieses Bildwerk J esur
40498eibe errichtet Worc
40499Wahrscheinlich? j vie
40500leicht schon frühe, +
40501Uumgedeutet Worden
40502und dafür Spricht die
40503dings ein Übergang ⲩ
40504Allein gesichert ist ϥ
40505ϫ] 4
40506ⲩⲩ
page 1106
40507[107] ⲦⲒ. Das Evangelium vom Heiland und von der Heilung. 143
40508man den Abscheu, den auch noch die Christen des 4. Jahrhun-
40509derts vor den heidnischen Göttern gehegt haben, wenn man an
40510eine bewusste Umbildung des Äskulapbildes zum Christusbilde
40511denken zu dürfen meint.
40512Wir haben bisher betrachtet, wie sich das älteste Christen-
40513thum als Religion der „Heilung“ in den Gleichnissen, Ge-
40514danken, Lehren und Bussordnungen ausgebaut hat. Es er-
40515übrigt noch zu zeigen, dass es diesen Charakter auch in
40516seinen Ordnungen zur Pflege der leiblich Kranken aus-
40517geprägt hat.
40518„Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht ....
40519Was ihr gethan habt Einem unter diesen meinen geringsten
40520Brüdern, das habt ihr mir gethan.“ In diesen Worten hat der
40521Stifter der Religion die dienende Liebe an den Kranken in den
40522Mittelpunkt der Religion gestellt und sie allen seinen Jüngern
40523auf die Seele gelegt. Die alte Christenheit hat diese Verpflich-
40524tung im Herzen behalten!) und in der That verwirklicht. Man
40525kann das noch aus den Resten der uns erhaltenen Literatur er-
40526kennen, obgleich sie nicht zu dem Zwecke geschrieben ist, das
40527Gedächtniss an die Werke der Barmherzigkeit zu erhalten. Zu-
40528nächst begegnen uns überall Mahnungen, für die Kranken zu
40529sorgen. „Iröstet die Kleinmüthigen, nehmt euch der Kranken
40530an“, schreibt der Apostel Paulus an die erregte, die nächsten
40531Pflichten übersehende Gemeinde von Thessalonich?. In dem
40532Kirchengebet, welches uns in dem ersten Clemensbrief erhalten
40533ist, wird ausdrücklich für die seelisch und körperlich Leidenden
40534gebetet?). „Ist Jemand krank, der rufe zu sich die Ältesten der
40535Gemeinde“, heisst es im Jakobusbrief*) — ein deutlicher Beweis,
40536dass die Hülfe in Krankheitsfällen als eine Gemeindesache®) an-
405371) Vgl. die schönen Ausführungen des Lactant., Div. inst. VI, 12 (nament-
40538lich p. 529 Brandt): „aegros quoque quibus defuerit qui adsistat, curandos
40539fovendosque suscipere summae humanitatis et magnae operationis est.“
405402) I, 5, 14.
405413) I Clem. 59: ,ⲧⲟϩ dodeveig [so ist wahrscheinlich zu lesen] asaı
40542.... EEAVAOTNIOV ⲧⲟϩ AOPEVOTFTAG, NAQAXALETOV TODE ⲗⲓⲩⲟϣⲱⲗⲟⲟⲟⲧⲥϩ.
40543Vgl. die späteren Krankengebetsformularien von App. Const, VIII, 10 an;
40544ⲃ. Binterim, Denkwürdigkeiten VI, 3 ⲃ. 17 ff.
405454) Ⲥ. 5, 14.
405465) ⲃ︦. I Cor. 12, 26: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit.“
page 1107
40547--ⲟ. sag CU ⲔⲓⲘⲈⲄ UUUSIE)
40548richtet Tertullian im Apo.
40549die Gemeinde für die a:
40550fahren weiter durch Just
40551welche die Pflicht hatten
40552Man darf sagen, d
40553Kranken- und Armenpfle
40554mehrere Generationen hi
40555ruhte auf der breiten Basi:
40556aus dem Gemeindegottesc
40557Der Bischof war der Ob:
40558namentlich in Syrien und
40559Arzt gewesen sein; seine
40560konen und die angestellt
40561zugleich vor Mangel gesı
40562meindedienst aufgenommeı
40563dem 2. Jahrhundert heisst
40564destens) eine Wittwe ange:
40565heimgesuchten Frauen beiz
40566das Nöthige den Presbyter
40567vielem Weingenuss ergebeı
40568für die nächtlichen Hülfle
40569das Nöthige“ melden, d. h.
40570bemerkt Tertullian einma:
40571ϥⲛ ⲩⲛ ⲇ ‐
page 1108
40572[109] VI. Das Evangelium vom Heiland und von der Heilung. 145
40573häretischen Gemeinschaften: „sie wagen zu lehren, zu streiten,
40574zu exorcisiren, Heilungen zu versprechen, vielleicht auch
40575zu taufen“ '). Eine Einrichtung, wie sie sich heute manchmal
40576in kirchlichen Krankenhäusern findet, dass eine „Oberin“ die
40577Kranken und die Ärzte dirigirt, wäre nicht im Sinne der alten
40578Kirche gewesen, freilich auch nicht die Beschickung der männ-
40579lichen Kranken durch Frauen und Jungfrauen, während sich diese
40580Einrichtung bei uns bewährt hat. Ziemlich frühe scheint das
40581Institut der angestellten Wittwen in das der „Diakonissen“ über-
40582gegangen zu sein; leider ist uns über diesen Übergang und die
40583Entstehung der Diakonissen-Institution nichts bekannt 2).
40584In der ältesten Kirche traten aber die weiblichen Pfleger
40585hinter den männlichen sehr zurück. Die Diakonen waren die
40586eigentlichen Helfer. Ihr Amt war ein schweres und, namentlich
40587in den Zeiten der Verfolgungen, ein sehr exponirtes. Sie haben
40588eine beträchtliche Anzahl zu den Märtyrern gestellt. „Thäter
40589guter Werke, Tag und Nacht nach Allem sehend‘“, werden sie
40590genannt 3). Die Sorge für die Armen und Kranken war eine ihrer
40591Hauptaufgaben ). Wie viel sie leisten mussten und was sie ge-
40592leistet haben, erkennt man vor Allem aus der Briefsammlung
40593Cyprian’s5) und aus den echten Märtyreracten. Aber der Um-
40594stand, dass besondere Krankenpfleger vorhanden waren, sollte den
40595Laien nicht entlasten. „Die Kranken sind nicht zu vernachläs-
40596sigen, noch soll Einer sagen: ‚ich habe das Dienen nicht gelernt‘.
40597Niemand soll eine gemächliche Lebensweise oder das Ungewohnte,
40598Anderen hülfreich zu sein, vorschützen“, heisst es im pseudo-
40599justinischen Brief an Zenas und Serenus ©). Dass sich die Nach-
40600folge Christi im Krankendienst zeigt, mit dem das „visitare
406011) De praescr. 41.
406022) Sie werden zuerst im Pliniusbrief erwähnt.
406033) Texte u. Unters. II, 5 8. 24.
406044) S. Ep. Pseudoclem. ad Jacob. 12: Ⲟ ⲧⲡ︦ϩ Exxinolas dıdxovoı ⲧⲟ
40605ETLOXOÖNOV GUVETÖG ÖEMPOMEVOL ECTWOXY dpYRÄLOL, EXAOTOV ⲧ ⲡϩ ExxinglaG
40606NOÄVNOKYLOVOÖVTEG TA NOQAEUG ... ⲧⲟⲟⲩϩ ⲉ ϫⲧⲉ ϭⲟϫ VOGCOUVTAG ⲙⲁⲩ‐
40607Ⲫⲥ)ⲉ̀ⲍⲱϭⲩ xal TO dyvooDyTL ⲡⲗ]Ⲑⲉⲓ ⲡϩⲟϭϭⲧⲓⲃⲗⲗⲉⲧⲱϭⲥ ⲩ, Eupalvwrrat,
40608ϫ) ⲧ dfovıa Enl th TO ⲡⲣⲟⲭⲉⲑⲉⲍⲟⲙ̀ⲩⲟⲩ YYWLY NAQEXETWOCV.
406095) Er ermahnt immer wieder in den Briefen, die er aus seinem Ver-
40610steck an die Gemeinde schrieb, die Kranken nicht zu vernachlässigen.
40611ⲃ) C. 17.
40612Texte und Untersuchungen VIII, 4. 10
page 1109
40613öfters gehört 2), und Lucian be
40614Nachdem die Kirche durci
40615vilegirt worden war, übte sie
406164. und 5. Jahrhundert. im gross
40617Krankenpfleger ausbilden, sonde
40618häuser und vernichtete durch
40619Doch fällt diese Thätigkeit bere
40620Abhandlung; sie ist auch be
40621schreibern ausreichend geschild
40622Nicht verschweigen lässt
40623— und dies gilt von allen Z
40624Kirche — ein berechnender Zu
40625pflege sich geltend gemacht h:
40626Jahrhundert steigerte. Man ⲣ
40627eigenen Seligkeit willen. Wenr
40628Seligkeit in diesem Dienste fanı
40629wenn man des himmlischen Lol
40630im Grunde nicht dem Kranken,
40631ist schmal, und sie lag bei den
40632Stelle, als wo der evangelisch
406331) De mart. Pal. 11, 22.
406342) Apolog. 39.
406353) Auf den Kampf, den die Kir
40636z B. die Fruchtabtreibung (Didache
40637Minucius 30. 2. Athenas.. Suannl 35 €
page 1110
40638[111] VI. Das Evangelium vom Heiland und von der Heilung. 147
40639haben die evangelischen Christen bereits den Beweis ausreichend
40640geliefert, dass die uninteressirte Liebe ebenso opferfreudig macht
40641wie die interessirte? Umgekehrt zeigt die alte Kirche, obgleich
40642sie viel weniger empfindlich war gegen das „Dienen um Lohn“,
40643dass auch unter dieser Bedingung die Liebe aufzuwachsen ver-
40644mag, die nicht das Ihre sucht, sondern was des Andern ist.
40645Christliche Religion und Krankenpflege sind ein langes
40646Stück Wegs in der Geschichte miteinander gegangen; sie sind
40647unzertrennlich. Auch heute noch beruht die Kraft und Zukunft
40648der Kirche darauf, dass sie sich der seelisch und leiblich
40649Leidenden annimmt. Nicht zum wenigsten gilt das von der
40650christlichen Mission. Eigentlich sollte jeder Missionar, der zu
40651uncultivirten Völkern geht, zugleich Arzt sein. Das hat uns noch
40652jüngst der früh vollendete Pionier- Missionar von Uganda,
40653Alexander M. Mackay., in überzeugendster Weise klar ge-
40654macht !). Nur als das Evangelium von dem Heilande und von
40655der Heilung — in dem umfassenden Sinn, den die alte Kirche
40656mit diesem Gedanken verbunden hat — bleibt das alte Christen-
40657thum jung und das junge Christenthum das alte.
406581) S. die von seiner Schwester herausgegebene Biographie, deutsch
40659bei Hinrichs 1891.
4066010*
page 1111
40661ANıma und animus45f. 56 B]
40662anima und 8piritus 45 | Blı
40663apothecarli 14, Bri
40664Arzneimittel und -Jehre | Brı
4066510. 15ff, 22. 29f, Bri
40666Arzneiverbote 4.18f.29f. | Bu:
40667Arzt, Jesus 89ff. k
40668Ärzte bevorzugen die
40669höheren Stände 104. Chi:
40670tzte, christliche 1., 3:
40671griechische 93f. Con
40672Ärzte des Galerius 60. 16
40673Ärzte, Lehren der31—52, Con
40674Ärzte im Sinne des Ϥⲉ- 53
40675setzes 79.
40676Ärztin 14. 109, Däm
40677Athmen 45 hei
40678Atomtheorie 37ff. Daun
40679Auferstehung des Flei- | Delic
40680sches 12, 35, 39f, 42. Diäte
40681Augen 38, 53f. 55. Diako
40682Augenbrauen 54. Diako
40683Augenleiden 22. 58.
40684Ausbrennen 101f. Ehelo:
40685Aussatz 42 57. 27.
40686Ausscheidungen, körper- | Kier 2
40687liche 40f. Ekstası
40688Ausschneiden 99—1083, heit,
40689Ausspucken 58. Ellenhe
page 1112
40690Holzwürmer, essbar 23,
40691Honig 37.
40692Honorar, ärztliches und
40693Verzicht 11.13. 78f. 841.
40694Hydrops 58. 59.
40695Hypersarkosen 103.
40696Jatrosophistik 10. 12.
40697Kalbfleisch, Verbot 23.
40698Karbunkel 65f.
40699Kind, Entwicklung des
4070050f.
40701Kinderfressen 30f.
40702Kletterpflanzen 50.
40703Klinik 12.
40704Knochen,Knochengerüst
40705Kopf 38. 53. 55.
40706Körper, menschlicher,
40707teleologisch betrach-
40708tet 38. 52—56.
40709Körper, stetige Umwand-
40710Jung desselben 36
40711Körperlichkeit der Seele
4071243 ff.
40713Kranke, das Christen-
40714thum die Religion für
40715sie 89ff, 96ff.
40716Krankenpflege 62f. 64f.
40717107—111.
40718Krankenpflegen soll Je-
40719der können 109.
40720Krankheiten 57f.
40721Krankheiten, durch Dä-
40722monen verursacht 19.
4072381. 84.
40724Krebskrankheit 60f. 100.
40725102.
40726Kreislauf des Lebens 40f.
40727Kurpfuscher 72. 98f.
40728Lähmung 57. 63.
40729Laster, widernatürliche
40730110.
40731Leben 97f.
40732Lebensdauer 38. 66ff,
40733Sachen.
40734Leber 34. 56.
40735Leichname, Schwerer-
40736werden derselben 45.
40737Liebesmahle s. Agapen.
40738Lippen 54.
40739Luftröhre 54.
40740Lunge 54.
40741Lupus 61.
40742Mästung 24.
40743Magen 54.
40744Magier 72. 75. 76. 80. 82.
4074587.
40746Makrobiotik 17.
40747Mastdarmvorfall 59.
40748Medicin, Geschichte der
4074931f.
40750Menschenfleisch, unver-
40751daulich 34.
40752Menschenfresser 23 f, 30f.
40753Menstruation 35. 36f. 41.
40754Milch 25. 35—37.
40755Milz 56.
40756Mission 111.
40757Muttermilch 35—37.
40758Mysterien, heilende 86f.
4075993. 95. 98.
40760Nabel 35. 54.
40761Nahrung 40f.
40762Nahrungsmittel 23f.
40763Nahrungstrieb 52.
40764Nahrungsverfälschung
4076514.
40766Nawmenwissenschaft, ge-
40767heime 86f.
40768Narben 41,
40769Nase 54.
40770Naturärzte 72.
40771Naturscheu 4. 15. 42.
40772Naturvergötterung der
40773Ärzte 39.
40774Nervöse Störungen 68.74.
40775Noma 61.
40776Oberin in Krankenhäu-
40777sern gab es nicht 109.
40778149
40779Ölsalbung als Heilmittel
407807. 29.
40781Ölung letzte 11. 29.
40782Ohren 38.
40783Ohrenschmerz 22.
40784Pest 61f. 63ff. 66. 100.
40785Pflaster 100f.
40786PharmaceutischeSprich-
40787wörter 14.
40788Podagra 22.
40789Poren 20.
40790Präservativmassregeln
40791gegen Pest 63.
40792Pubertät 52.
40793Rückenmarksseele 46f.
40794Ruhr 57.
40795Samen 35. 36f. 55.
40796Schatten, heilender 25.
40797Schleim 40.
40798Schnupftücher fehlen 54.
40799Schulen, medicinische
40800verschiedene 104.
40801Schultern 39.
40802Schwächezustände 15.
40803Schweisstücher, heilende
4080428.
40805Schwellenwerth 48.
40806Sectionen 55 s. Vivi-
40807sectionen.
40808Seele, Seelenlehre der
40809Ärzte, Philosophen und
40810Tertullian’s 43—52, 56.
4081169.
40812Seelenentstehung 51f. 56.
40813Seelenernährung 43f.
40814Seelenheilkunde 1. 9. 11.
4081521. 6 ⲃ︦. 97. ⲃ.
40816Seelensitz 46f. 56.
40817Seelentheile u. -functio-
40818nen 46.
40819Seelenwanderung 52.
40820Sehen, Theorie des 53.
40821Senf 37.
page 1113
40822“uWMDUdung 56, ϯ
40823Streupulver 101f.
40824Stummheit 57. 68. 74. ⲩ
40825Suggestion 70.
40826Sympathiemittel 19. 28f,
40827Ve
40828Tafelgenüsse 24. 25f, :
40829Taubheit 57. 63. Vi
40830Taufe, Mmedicinisch Wir-| ]
40831kend 97, Vor
40832Teleologie 20f.37 ff, 52 ff. ı Völ
40833©mperenzler 15f, |
40834°rapeutisches 15—3], | Wa
40835Theriak 29,
40836! de
40837Abdus 90 Alexa;
40838Abgar 90. gen
40839Abu Zaid Honain 13, Anaxa
40840Abulfaraj Abdullah 13. Andres
40841Aegialeus, Oberarzt 12. Anonyı
40842Ägyptische Kxorcisten secut
4084371. 75f, 87f.
40844A
40845Aeskulap 13, 19. 32, 61. Arzt .
4084683. ϥⲱ -
page 1114
40847Asklepiodotus 6.
40848Asklepius ⲃ. Aeskulup.
40849Athenäus 25.
40850Athenagoras 33f. 100.
40851Attikoten 23f.
40852Augustin 34.
40853Basilius v. Ancyra 11.
40854Benedict XIV. 11.
40855Caracalla 7.
40856Celsus 303263
40857ⲟⲑ 98f.
40858Chrysippus 43f. 47.
40859Clemens Alex, 16—27.29.
4086032f. 34. 3 97.99. 100f.
40861102f. 105.
40862Clemens Rom 107.
40863Colosserbrief 1. 4.
40864Constitutionen,
40865102. 108.
40866Cosmas 12f,
40867Uyprian63 ff. 85 f. 97. 99f.
40868101. 109,
40869apost.
40870Damian 12f.
40871Delitzsch 2.
40872Demokrit 19. 37f. 47. 99.
40873Dialog des Simon und
40874Theophilus ϧ.
40875Didache 75. 97.
40876Dikäarchus 46f.
40877Dinokrates 61.
40878Diodor 38.
40879Diogenes 24. 32.
40880Diognet, Brief an 99.
40881Diokles 47.
40882Diomedes in Tarsus 9. .
40883Dionysius Alex, 33
40884Ⲉ. 87.
40885Dioskorides 1. 21f.
40886Diptam 22
40887Domitian, Verbot der
40888FEntmannung 27.
40889Edessa 90.
40890Elkesaiten ⲃ.
40891' Hippokrates 12. 21.
40892ϯ 33f, 47.
40893Sachen.
40894| Ellel, jüd. Patriarch 9f.
40895Empedokles 47.
40896Enkratiten 15f.
40897Epidaurus 93. 95.
40898Epiktet 93.
40899Epikur, Epikureer 37f.
4090047f. 53.
40901Erasistratus, Erasistratei
4090233. 47. 51.
40903Euklides 5.
40904Eusebius, Historiker 59f.
4090599. 106.
40906Eusebius, römischer Bi-
40907schof 11.
40908Evangelien 57. 58. 73f.
4090989ff. 97. 107.
40910Felix, alex. Prüfect 27.
40911Flavius, medic, Schrift-
40912steller 10. 22.
40913Fronto 30.
40914Galen 5f. 21f. 24. 33.
40915(jalenschüler in Rom,
40916christliche 5f,
40917Galerius, Krankengesch.
40918des 60f.
40919Gnostiker 31. 42ff. 75.
40920Hadrian 76.
40921Hebrüerbrief 2.
40922! Hebräerevangel. 57.
40923! Heraklides 38,
40924: Heraklit 32. 42.
40925| Hermas 89.
40926; Hermes 1
40927; Herminianus, Krankheit
40928des 60.
40929Herodes, Krankeit des
40930ⲓ ⲑ︦.
40931ⲓ Herophilus, Arzt und
40932Vivisector 33. 47. 51.
40933Hierakas 10.
40934Hieronymus 21—27.
40935Hikesius, Arzt 51.
4093651.
40937151
40938ı Hippolyt 75.
40939iHygiea 91.
40940‚Jakobusbrief 28f, 72, 107,
40941Jesajas 25 .
40942Jesus Christus 18. 28. 73f,
4094386. SI. 99. 103.
40944Typus 105f,
40945Ignatius 97. 100f.
40946Josephus 59. 71.
40947Irenäus 78. 97.
40948Isa ben Ali 13.
40949‚Jubiläen, Buch der 21.
40950Judas Ischarioth, Krank-
40951heit des 58f,
40952Juden 30.
40953Jüdische Exorcisten ⲧ
4095476.
40955Julian 103.
40956Julius Afrikanus 7f. 32.
40957Justin 20. 27. 31—33. 77,
4095897. 98f. 108,
40959Justinian 14
40960Kirchenordnung , apost.
40961108f.
40962Kos 95.
40963Krenkel 57f.
40964Lactantiusö2—56.86.107.
40965Lipsius 3. 28,
40966Lucas 1ff, 73,
40967Lucian 30. 75. 98. 110.
40968Lucretius 43. 53.
40969Mackay 111.
40970Manichäer 27,
40971Marc Aurel 30.
40972Marcellus Sidetes 22.
40973Marcion 4.
40974Methodius 12. 33f. 39 ff.
40975100. 103.
40976Milo aus Kroton 25.
40977Minucius Felix 30. 85.
40978Moschion 47.
40979München, medicin. Fa-
40980cultät 13.
page 1115
40981urpheus 47.
40982Paneas 105.
40983Papias 58.
40984Patriarchen 76.
40985Paulus, Apostel 1. 12. 15.
4098628. 68. 75. 91. 96f. 100.
409871
40988Paulus, Krankheit des
4098956f.
40990Pergamum 32. 95.
40991Petrus, Apostel 28. 91.
40992Petrus, Priester und Arzt
4099314.
40994Pharisäer 8.
40995Pharmaci 14.
40996Philemonbrief 1.
40997Plato Platoniker, See-
40998lehre 42ff, 71. 104.
40999Plinius 19. 22. 34. 94.
41000Rı
41001Sa.
41002Sa:
41003ⲃⲉ)
41004Ser
41005ı Ser
41006Sev
41007Sist
41008Som
41009Plinius jun. 30.61. 75.109.
page 1116
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For Egyptian texts: the transliteration with the editors' marks turned into the symbols ° * < > _ ^ (ruled 2026-09-10). For papyri: the edition's Leiden marks as the same symbols, and the editors' readings beside the scribe's as ‹scribe→editors› (ruled PAP-3).
L1 Cairene
Standardized Greco-Bohairic spelling and grammar, generated by code from the layer above under the rulings of the project.
L2 Kemetic
The Kemetic alphabet, generated by code from L1.
English
Quoted translations where they exist, credited; otherwise model drafts, marked as drafts.